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Vorab – diesen Teil schreibe ich vor allem für mich als Reisetagebuch…

Packen – Die Reise ist zu Ende

Sonntag, 30. August 2026

Die Reise ist zu Ende, jetzt geht es ans Packen. Ich kämpfe noch etwas mit meinem Landstromkabel gebe es aber am Ende auf. Ständig haut es die Sicherung raus. Ich hatte bei der Ankunft wieder Wasser in den Steckern. Anfangs hatte ich bei anderen Booten gesehen, dass sie den Anschluss für den Landstrom eher achtern, an oder in der Nähe der Backskiste haben und ich dachte wie unpraktisch das doch ist wenn man mit dem Bug zum Steg anlegt. Inzwischen denke ich das ein Landstromanschluss im Ankerkasten, wie bei der Dehler, ziemlicher Mist ist denn du bekommst bei Welle immer Wasser über den Bug und damit Wasser in den Ankerkasten. Da werde ich mir im Winterlager etwas überlegen.

Aber jetzt geht es ans Packen. Meine Frau kommt morgen mit dem Flieger nach Berlin und sollte dann am Nachmittag hier sein. Für den Rest der Woche habe ich ein Hotelzimmer gebucht. Also kann ich meine Kleidung komplett packen. Dann schon einmal das Focksegel packen – es ist gerade mal trocken. Das wird die kommende Woche die größte Herausforderung denn auch das Großsegel würde ich gerne auch trocken packen. Alle verzichtbaren Leinen habe ich in die Backskiste gepackt damit sie trocken bleiben. Müll entsorgen, duschen. Viel mehr gibt es im Moment nicht zu tun….

Wiedersehen nach 3 1/2 Monaten

Montag, 31. August 2026

Am frühen Nachmittag kommt meine Frau. Doch davor gab es noch Komplikationen mit dem Leihwargen. Obwohl ich die 3,5 to Anhängelast angegeben hatte, hat das reservierte Fahrzeug nur 2,8 to Anhängelast. Da werde ich mit SIXT im Nachgang noch einmal in Diskussion gehen denn dann zur Verfügung gestellte Fahrzeug ist deutlich teurer.

Aber zuerst freue ich mich meine Frau wiederzusehen. Die Stegnachbarin läuft ihr entgegen denn aktuell ist die Straße durch Kröslin komplett aufgerissen und die „Insider“ Umleitung nicht ausgeschildert.

Für heute machen wir nicht mehr viel – Zimmer im Hotel beziehen und essen.

Packen und Penemünde

Dienstag, 1. September 2026

Bis zum frühen Nachmittag packen wir teilweise in Kartons die ich vom Marine-Shop in Kröslin bekommen habe. Es muss alles raus aus dem Boot – aus Gewichtsgründen. Die Dehler 28 zu trailern ist grenzwertig. Heute bereue ich es, keinen Alu-Trailer gekauft zu haben. Das Boot hatte beim Kauf keinen Trailer und ich musste einen neuen Trailer von Harbeck kaufen. Die Mehrkosten für Alu hätten den Kohl auch nicht fett gemacht. Aber so muss ich mit jedem Gramm rechnen. Da ich Sorge habe, alles in das Auto zu bekommen, mache ich noch zwei Post-Pakete die ich nach Hause sende. Es hat immer wieder leichten Regen – mit dem Großsegel wird das heute nichts.

Am Nachmittag geht es dann noch nach Penemünde – Strand anschauen, am Museum vorbei und Fischbrötchen essen. Gerne hätte ich noch etwas mehr Zeit um mir das Museum anzusehen.

Für die, die nicht wissen um was es geht: Hier entwickelten die Nazis (mit Werner von Braun) die ersten Raketen mit Flüssigtreibstoff. Es war die letzte Hoffnung gegen Ende des 2. Weltkriegs. – die sogenannte Wunderwaffe. Zum Glück kam dann bald das Ende des Naziregimes.

Kurzer Spaziergang am Strand
„Kraftwerk“ Penemünde

Weiter packen bei besserem Wetter

Mittwoch, 2. September 2026

Heute ist das Wetter besser. Ich ziehe das Großsegel hoch damit es noch trocknen kann. Der Trailer muss noch zum TÜV. In der Nähe ist eine Werkstatt die das erledigt.

Dann beginnt das Tetris-Spiel. Alles liegt vor dem Auto und es geht daran sinnvoll einzupacken. Die schweren Batterien kommen hinter Fahrer- bzw. Beifahrersitz wie alle anderen schweren Dinge eher in die Mitte des Fahrzeugs. Die leichteren Segel oben auf. Obwohl der Laderaum des BMW etwas kleiner scheint als der des Audi Q7 den wir letztes Jahr hatten, passt alles gut hinein. Aber ich hatte letztes Jahr auch viele unnötige Dinge transportiert wie z.B. Lebensmittel die jetzt fehlen. Soweit sind wir reisefertig. Den Stegnachbarn schenke ich noch einen 25 Liter Kanister mit Diesel.

Miss Sophie ist reisefertig

Ausflug nach Wismar

Donnerstag, 3. September 2026

Da wir soweit fertig sind wünscht sich meine Frau einen Ausflug nach Wismar. Wahrscheinlich kommen wir nicht so schnell wieder in diese Gegend. Wismar ist eine alte Hansestadt und soll eine sehr schöne Altstadt haben die meine Frau, als Krimi-Fan, aus der Serie Soko Wismar kennt. Ebenfalls bekannt ist Wismar als Drehort für den Stummfilm „Nosferatu – eine Symphonie des Grauens“ aus dem Jahr 1921.

Leider ist das Wetter etwas durchwachsen. Wir machen eine Hafenrundfahrt, schauen uns etwas die Altstadt und die St. Nikolai Kirche an. Am Ende shoppen wir noch ein paar Erinnerungen.

Den Joke des Tages mit Nosferatu und Klaus Kinski mache ich hier jetzt nicht öffentlich 😉 (Die Verfilmung mit Klaus Kinski wurde nicht in Wismar gedreht – Werner Herzog erhielt damals keine Drehgenehmigung vom DDR-Regime).

Warten auf’s Fischbrötchen
Schon wieder Schweden….

Auswassern im Regen

Freitag, 4. September 2026

Schon am Morgen erhalte ich einen Anruf von der Marina Kröslin. Wenn möglich soll ich sobald als möglich kommen da eine Regenfront im Anzug ist. Um 9 Uhr war vereinbart und eine knappe halbe Stunde früher stehe ich am Kran. Zuerst Mast legen was einerseits sehr flott geht aber andererseits etwas zu sehr unter Stress weshalb ich die Rollfock nicht so am Mast befestigen kann wie ich es gerne in Ruhe gemacht hätte.

Dann geht es an den Travellift zum Auswassern. Interessant, mit welcher Ruhe und Gelassenheit das hier (trotz Regen) stattfindet. In der Zeit hätten sie bei uns am Bodensee drei Boote aus dem Wasser geholt. Ich stelle noch die Lichtleiste am Trailer ein und bringe die Gurte an. Doch dann reicht es mir mit dem Regen. Den Rest mache ich morgen früh vor der Abfahrt.

Ich meinte zum Mitarbeiter am Travellift, dass sie wohl eher selten Boote vom Bodensee haben. Doch es kommen wohl einige die hier 3 oder 4 Wochen oder auch die ganze Saison verbringen. Das erstaunt mich etwas denn weder im letzten noch im diesen Jahr hatte ich ein anderes Boot vom Bodensee auf der Ostsee gesehen. Aber umgekehrt – zu den bekannten Regatten am Bodensee kommen auch immer wieder Segler aus dem Norden mit Boot.

Wir gehen noch etwas Reiseproviant einkaufen und noch einen Zurrgurt besorgen – sicher ist sicher.

Abfahrt zurück an den Bodensee

Samstag/Sonntag, 05./06. September 2026

Aufgrund des Regens am Vortag hatte ich das Boot noch nicht ganz fertig verzurrt. Nach dem frühen Frühstück wird das nachgeholt. An der Stelle ein Anmerkung zur Marina Kröslin: Ich hatte Mastlegen und Auswassern bei der Marina Kröslin organisiert. Zum Mastlegen wurde ich gefragt ob sie helfen sollen oder ob ich das alleine mache. Bei uns am Bodensee ist das eher umgekehrt: Wenn ich da Mast stellen oder Mast legen beauftrage, dann machen die Mitarbeiter das alleine, ein Mitwirken des Eigners ist nicht erwünscht.

Und das Legen des Mastes ging ziemlich schnell aber entsprechend (eigentlich überhaupt nicht) war die Vorbereitung für den Transport. Das Profilvorstag lag nur lose auf dem Mast. Dass das Gewicht der Rollfocktrommel das Profilvorstag verbog, interessierte die Mitarbeiter wenig. Angesichts des Preisschilds (420 Euro Auskranen und Mast legen) eher enttäuschend. Entsprechend hatte ich noch einiges zu tun. Um 10 Uhr konnte es dann losgehen.

Horror in Trockau

Nachdem wir Bayreuth auf der A9 passiert hatten ging die Tankanzeige mal wieder bedenklich dem Ende entgegen. Ich hoffte einen Autohof neben der Autobahn zu finden da die Spritpreise bekanntlich gerade ziemlich hoch sind (speziell auf der Autobahn). Auf dem Navi des Fahrzeugs wurde in Trockau eine Tankstelle neben der Autobahnauffahrt angezeigt. Bald nach der Abfahrt von der Autobahn (was ich eigentlich nicht hätte machen dürfen wg. der Überbreitengenehmigung) dachte ich dass das ein Fehler war. Abgesehen davon dass die Straße recht eng war zeigte sich die Tankstelle mit einer begrenzten Höhe von 3,40 Meter was für unser Gespann zu niedrig war. Bevor ich überlegen konnte, ob ich den Trailer zum Tanken abkupple wurden wir (mitten in der Nacht) von einer alten Frau aus einem Fenster angeschrien und aufgefordert, uns sofort von der Tankstelle zu entfernen.

So lernt man Gegenden kennen, in denen man wahrscheinlich keinen Urlaub machen wird. Also kurz zurück gestoßen und weiter in den Ort wo alles noch enger wurde. So stand ich kurz im Ort und fragte die Bedienung einer Gaststätte wie ich mit dem Gespann hier heraus komme. Sie meinte wenden was aber aufgrund des Platzangebots und meiner Fähigkeiten „Fahren mit Trailer“ keine Option war. Eine weitere Option war eine schmale Straße, die durch in die Straße ragende Bäume eingeschränkt sein soll. Kurze Inspektion – Augen zu und durch. Nach einer weiteren Irrfahrt in Pegnitz (die erste im Navi genannte Tankstelle hatte nur Gas, die zweite keinen Automaten) fanden wir endlich kurz vor knapp das begehrte Gut – Sprit.

Nach dann 18 Stunden Fahrzeit stand das Boot schließlich am Winterlager und es konnte ins heimische Bett gehen.

So, nun ist das Reisetagebuch zu Ende.

Fazit – Rückblick – Ausblick

Ohne einen Roman daraus zu machen – ein kurzes Fazit. Manch einer wird vielleicht die Frage stellen, ob sich der ganze (finanzielle) Aufwand gelohnt hat oder ob es das „wert“ war. Was ist „Wert“? Ich hatte einen Traum und diesen Traum habe ich mir erfüllt. Andere träumen davon den Mt. Everest zu besteigen, ein halbes Jahr um die Welt zu reisen oder einer großen Kreuzfahrt. Abgesehen davon, dass chartern für so eine Reise überhaupt nicht möglich und zeitlich keine Option gewesen wäre, wäre das deutlich kostspieliger gewesen. Es gab viele Gründe das mit dem eigenen Boot zu machen – auch wenn das sehr aufwendig war.

Ausblick? Schwierig… Ich beneide alle die im Norden Deutschlands leben. Ja, der Süden hat auch einige Vorzüge. Die Nähe zu Italien, zu Frankreich, Österreich und Schweiz sowieso. Aber wenn Segeln die Leidenschaft ist, dann ist der Süden Deutschlands suboptimal. Insbesondere mit der derzeitigen Entwicklung des Klimas.

Einen Ausblick kann ich geben: In den nächsten Wochen werde ich das Videomaterial sichten und den Reisebericht noch visuell auf Youtube veröffentlichen. Dann möchte ich noch einen Zusammenschnitt von 2025 und 2026 in Spielfilmlänge (90 min) erstellen, um diesen Freunden, Bekannten und im Segelclub zu zeigen.

Ein Tag in Hasle

Sonntag, 23. August 2026

Ich habe jetzt keine Eile – der Plan für die nächsten Tage steht. Ich habe jetzt noch etwa 5 sm bis Rønne, meinem Absprungort nach Sassnitz. Die kann ich nach Lust und Laune morgen oder übermorgen machen. Ich werde wie auf dem Hinweg den Hafen Rønne Lystbådehavn Nørrekås ansteuern. Die Bedingungen für den letzten langen Schlag sollten am Mittwoch ideal sein – Wind zuerst aus Südost später drehend auf Ost Nordost. Windstärke etwa 15 Knoten (4 Bft.) am Nachmittag zunehmend auf 5 Bft.

Deshalb lasse ich es heute einmal gemütlich angehen – für heute waren Regen und Gewitter vorhergesagt. Am Vormittag erst einmal Körperpflege mit duschen, rasieren usw. Ein ausgiebiges Frühstück mit Frühstücksei und dann schaue ich mal was ich hier machen kann.

Bornholm letzte kommerzielle Fischräucherei die nach traditioneller Art räuchert

In Hasle gibt es die letzte kommerzielle Fischräucherei die mit Erlenholz räuchert. Und es gibt dort geräucherten Fisch zu kaufen und zu konsumieren. Also nichts wie hin. Auf dem Weg sehe ich zufällig am Hafen noch ein kleines maritimes Museum. Es sind hauptsächlich alte Motoren ausgestellt die in Fischerbooten zum Einsatz kamen. Dann auch noch etwas Ausrüstung wie alte Radargeräte, Echolote und andere Ausrüstungsgegenstände. Es gibt auch eine Infotafel zur Geschichte der Heringsfischerei in Hasle. Den großen Aufschwung gab es wohl zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg. Interessant fand ich, dass der Hering mit Ködern gelockt wurde.

Kleines maritimes Museum am Hafen

Aber dann geht es weiter zur Fischräucherei die nur einen knappen Kilometer vom Hafen entfernt ist. Ein Blick auf das Fischbuffet und die Entscheidung für Buffet war gefallen. Eine sehr große Auswahl unterschiedlich zubereiteter Heringe und Lachs. Mal geräuchert, mal eingelegt, mal als Salat oder paniertes Filet. 190 DK für „all you can eat“ fand ich jetzt auch angemessen.

Das Fischbuffet lässt keine Wünsche offen
Lecker

Danach ging ich noch kurz Richtung Strand. Außer aufgeblasenen Wolken war nichts zu sehen – kein Regen, kein Gewitter. Draußen hat es wohl etwa 4 Bft. Aber egal, ich wollte ja sowieso etwas Hasle ansehen. Dann noch einen Abstecher zur Kirche. Die ist etwas speziell mit dem aufgesetzten Glockenturm mit Fachwerk. Leider war die Kirche verschlossen. Die Ausstattung hätte mich interessiert. Sehenswert soll das spätgotische Langhaus, ein Altar aus dem 17. Jhd. und die Renaissance Kanzel von 1610 sein.

Nichts gewesen außer dicken Wolken
Kirche in Hasle
Runenstein aus dem 11. Jhd.

Auf dem alten Friedhof steht neben alten Grabsteinen der fast 2 m hohe Runenstein Marevadstenen aus der Zeit um 1100.

Nach einer kleinen Pause ging es dann noch an eine Fleißarbeit, dem Aktualisieren der deutschen Papierseekarte. In Schweden, Finnland, Dänemark interessiert es niemanden, ob du aktuelle Seekarten in Papier an Bord hast. Aber unsere deutsche Bürokratie kennt keine Grenzen und fordert in deutschen Küstengewässern aktuelle Seekarten in Papierform. Die notwendigen Seekarten hatte ich für 2025 aktuell gekauft und jährlich gibt es dann Berichtigungen die man ausschneiden und aufkleben kann, um die Karte aktuell zu halten.

Die Berichtigungen hatte ich schon zu Hause ausgedruckt, die unliebsame Aufgabe aber immer wieder vor mir hergeschoben. Doch ich hatte gelesen, dass die Wasserschutzpolizei dies durchaus kontrolliert und bei fehlenden aktuellen Seekarten empfindliche Strafen fällig werden.

Bastelstunde – berichtigen der Seekarten

Nur ein kurzer Schlag – Rønne

Montag, 24. August 2026

Startposition bezogen… Ich hatte es ja offen gelassen, ob ich heute oder morgen den kurzen Schlag nach Rønne mache. Eigentlich waren für heute wieder 10 bis 15 Knoten Wind und für morgen so gut wie kein Wind vorhergesagt und ich hatte überlegt den kurzen Schlag morgen ggf. unter Motor entspannt zu machen. Doch am Vormittag hat es im Hafen 3 bis 7 Knoten Wind und die Sonne scheint. Daher beschließe ich kurzfristig nach der Arbeit los zu machen. Draußen hat es dann etwas mehr Wind, etwa 10 bis 12 Knoten und vor allem eine ekelhafte Welle. Ich weiß nicht, woran es liegt. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass hier in der südlichen Ostsee die Welle wesentlich unangenehmer ist als im botnischen Meerbusen. Sie ist irgendwie noch kabbeliger, unregelmäßiger, unangenehmer.

Blick zurück auf Hasle
Das Großsegel reicht für heute

Ich habe nur das Großsegel hochgezogen und der Wind kommt fast direkt aus West. So habe ich einen Halbwind bzw. fast Raumwindkurs und komme mit etwa 5 Knoten voran. Das reicht für die kurze Strecke. Da bin ich zu faul die Fock auszurollen nur um 2 Minuten früher am Ziel zu sein. Ich habe Zeit – ETA 15.30 Uhr.

Die Einfahrt in den Hafen ist ein Eiertanz, das Boot schaukelt gehörig von links nach rechts und ich muss massiv mit dem Ruder ständig den Kurs korrigieren denn hier ist nicht so viel Platz. Links wird es gleich ziemlich flach und zu nah an der Hafenmole sollte man auch nicht sein. Ich bin froh als ich dann drin bin und die Welle weg ist. Es sind schon recht viele Plätze belegt am Gaststeg aber ich sehe gleich einen freien Platz. Festmachen am Y-Ausleger, das ist mir jetzt ganz recht. Noch einmal kurz den Pinnenpilot bemühen, um zwei Fender auszubringen.

Ein anderer Segler hilft beim Anlegen aber es geht alles butterweich trotz 8 Knoten Wind im Hafen. Nur die Fender sind einmal wieder zu hoch. Bei den Y-Auslegern muss man die Fender einfach auf die Wasseroberfläche ausbringen weil diese so tief sind.

Nun bin ich am Startpunkt für den letzten großen Schlag. Mittwoch habe ich geplant den Schlag nach Sassnitz zu machen, etwa 55 sm. Der Wind soll mit etwa 4 Bft. (15 Knoten) aus Südost kommen. D.h. ich sollte einen Raumwindkurs haben. Da sollte ich flott mit einem Schnitt von 5 Knoten voran kommen was dann 10 bis 11 Stunden bedeuten würde. Das einzige, was mir etwas Sorge macht: Gegen Nachmittag soll der Wind etwas auffrischen. Anlegen in Sassnitz war letztes Jahr ein Abenteuer. Der Hafen ist recht groß und dadurch recht offen. Bedeutet er bietet nicht wirklich viel Windschutz. Mal sehen wie das diesmal geht. Auf jeden Fall werde ich so früh wie möglich ablegen.

Nichts besonderes – Hafentag in Rønne

Dienstag, 25. August 2026

Duschen, Wäsche waschen, arbeiten und etwas vorschlafen. Die Windvorhersage macht mich etwas nervös. Wie gesagt soll der Wind morgen zum Nachmittag auffrischen. Etwa 5 Bft. und die Welle soll zunehmen auf etwa 1,5 Meter.

Da der Wind aus Osten kommt habe ich die Welle bei der Einfahrt nach Sassnitz von der Seite. Das einzige was ich beitragen kann: So früh wie möglich los. Wir werden sehen…
Irgendwie seltsam – ich habe auf meiner Reise einige solche langen Schläge gemacht. Von Gotland nach Öland oder vom Kvarken Archipel an die schwedische Ostküste, von Enskär zurück nach Schweden, aber gerade der Schlag morgen beschäftigt mich speziell. Ich habe so viel wie möglich vorbereitet. Akkus sind geladen, Kaffeewasser steht schon auf der Herdplatte, Verpflegung vorbereitet. Vielleicht liegt es daran, dass ich keinen Plan B habe – ich muss nach Sassnitz rein.

15 Knoten wäre ja noch o.k., 20 Knoten machen weniger Spaß

Ich hasse diesen Hafen – Sassnitz

Mittwoch, 26. August 2026

Schon im letzten Jahr am Anfang meiner/unserer Reise war Sassnitz Kampf und Krampf. Aber bevor ich zum Ende komme, zurück auf Start….

Um 5 Uhr klingelt der Wecker und ich bin nicht der einzige, der so früh wach ist. Als ich aufstehe läuft schon das erste Boot aus dem Hafen aus. Ich mache mir noch einen Kaffee und esse ein Marmeladenbrot. Dann warm anziehen und die letzten Vorbereitungen treffen. Um 5:35 Uhr lege ich schon ab als drittes Boot.

Der Wind ist noch sehr schwach, nur etwa 7 Knoten. Aber die Richtung Stimmt schon einmal – im Moment noch Ost Südost. Deshalb lasse ich erst einmal den Motor laufen auch nachdem ich das Großsegel schon einmal hochgezogen habe. Ich möchte schnell an der großen Hafeneinfahrt von Rønne vorbei kommen. Eigentlich sollte so früh am Morgen keine Fähre ablegen oder ankommen aber der Teufel ist bekanntlich ein Eichhörnchen. Nach 1 1/2 Stunden zieht der Wind langsam an auf 10 Knoten und ich rolle die Fock aus und schalte den Motor ab. Im Moment mache ich so nur 4 bis 4,5 Knoten – das sollte besser werden. Der Wind dreht zunehmend auf Ost, wie vorhergesagt und zieht noch leicht an so das ich gut 5 Knoten Fahrt mache. Das passt jetzt.

Der große Windpark, der mittlerweile EnBW gehört, kommt langsam näher. Mittlerweile überholt mich auch die Fähre von Rønne nach Sassnitz. Ich schaue auf dem Plotter wie nah sie an den Windpark fährt. Ich nehme in etwa den gleichen Kurs. Die Sonne scheint und die Welle ist moderat – etwa einen halben Meter. Von mir aus dürfte so der Tag zu Ende gehen.

Am Windpark vorbei
Unsere Wege trennen sich

Ein anderer Segler, der kurz vor mir auch in Bornholm losgemacht hatte und inzwischen hinter mir ist, luvt nach dem Windpark etwas an. D.h. er geht etwas mehr Richtung Süd als ich. Ich falle ein wenig ab denn ich möchte noch einmal an den Kreidefelsen vorbei.

Unterwegs segle ich immer wieder durch gelbgraues Wasser – Blaualgen. Dann plötzlich ist das Wasser wieder weitgehend klar. Wahrscheinlich hängt das mit der Strömung zusammen das die Blaualgen sich dann in solchen Streifen konzentrieren. Langsam zieht der Wind weiter an und damit nimmt auch die Welle zu. Beides bräuchte ich nicht denn in größeren Wellen, die von schräg hinten kommen, dreht das Boot immer wieder. Dabei geht es manchmal bedenklich nahe an die 160 Grad AWA (scheinbare Windrichtung). Ich kontrolliere die Windanzeige denn das dürfte eigentlich nicht sein. Doch der Wind kommt nicht direkt aus Ost, wie vorhergesagt, sondern inzwischen immer wieder etwas aus Nordost. Das ist nicht gut. Irgendwann wird mir das zu heikel und ich korrigiere den Kurs um 10 Grad.

Zur Erinnerung: Kommt der Wind direkt von hinten steigt das Risiko der Patenthalse – der Großbaum/das Großsegel schlagen unkontrolliert auf die andere Seite. Im schlechtesten Fall kann dabei ein Schaden am Rigg entstehen und im allerschlechtesten Fall hat man in dem Moment den Kopf zu weit oben – schon mancher Unfall hat so tödlich geendet.

Die Kreidefelsen kommen immer näher und ich möchte so langsam Richtung Sassnitz anluven. Doch davor berge ich die Fock denn jetzt, bei diesem Raumwindkurs ist sie noch gut und einfach zu bergen. Der Wind hat inzwischen weiter zugelegt und zeigt immer wieder einmal 18 Knoten. Damit einher gehen auch immer wieder größere Wellen. Jetzt segle ich auf Halbwind an der Küste entlang und mache noch einige Fotos von den Kreidefelsen.

Kurz vor dem Hafen werfe ich dann den Motor an um das Boot gegen den Wind zu bringen damit ich das Großsegel bergen kann. Kein Spaß bei dem Wind und der Welle. Mit Schaukelfahrt geht es dann in den Hafen und es ist wie im letzten Jahr: Dieser Hafen bietet einfach keinen wirklichen Schutz gegen Wind.

Letztes Jahr hatten wir (anfangs war noch meine Frau dabei) starken Wind aus Nordwest und hatten das gleiche Problem. Diesen Hafen kannst du in Bezug auf Windschutz einfach vergessen – egal aus welcher Richtung der Wind kommt. Er ist einfach viel zu groß für Sportboote und deshalb steht die Hafenmauer in keinem Verhältnis zur Größe des Hafens. Dementsprechend ist das Anlegemanöver wieder einmal Kampf und Krampf.

Zu meinem Glück habe ich wieder zwei Helfer am Steg und mit einem Hin und Her Manöver zurück an den Pfahl (und abgebrochenem Flaggenstock) schaffe ich es zwei Festmacher für das Heck zu befestigen. Ich hasse diesen Hafen…

Schlechte Aussichten….

Eigentlich wollte ich hier (gemütlich) einen Tag Pause machen und dann (ebenfalls gemütlich) den letzten Schlag machen. Doch bei diesem Wind und diesem Schwell im Hafen kann man nicht an gemütlich denken. Dazu kommt die Wettervorhersage – Freitag: Wind auf Südost drehend (die Richtung in die ich muss), gegen Mittag/Nachmittag Regen/Gewitter, Samstag: Regen/Gewitter, Sonntag: Regen, Montag: Regen/Gewitter. Mal sehen was ich mache.

Pause in Sassnitz

Donnerstag, 27. August 2026

Ich habe ja auch noch das Problem das ich arbeiten muss. Gestern war ich am Ende über 11 Stunden unterwegs. Deshalb mache ich heute Pause in Sassnitz auch wenn das Wetter gut ist. Doch der Wind soll mit etwa 15 Knoten starten und im Laufe des Mittags auf 20 Knoten in Böen anziehen. Und so kommt es dann auch – im Hafen Böen bis 24 Knoten (6 Bft.). Darauf hatte ich keine Lust.

Deshalb arbeite ich etwas und gehe am Nachmittag noch einmal in die Stadt, auch um etwas einzukaufen.

Alte Villa von 1873

Der Hafen Sassnitz

Weil es mich interessierte, habe ich mich etwas über den Stadthafen Sassnitz informiert. Der Hafen wurde ab 1889 als Fischerei- und Schutzhafen gebaut und war der erste Hafen auf Rügen für Schiffe mit größerem Tiefgang. Der Bau des Hafens hat viel zu der Entwicklung von Sassnitz beigetragen. Auch erkennbar daran, das Sassnitz erst 1957 zur Stadt erhoben wurde.

Sieht aus wie ein Industriehafen

Weiter wurde der Hafen später als Fährhafen ausgebaut. 1909 wurde eine Eisenbahnfährverbindung zwischen Sassnitz und Trelleborg (Schweden) eingerichtet. Aus der Zeit der Eisenbahnverbindung steht noch das Gebäude „Alter Bahnhof“ im Hafen und man sieht auch noch ein Stück der Gleise. Ein weiterer größerer Umbau erfolgte zwischen 1956 und 1959. Dabei entstand der sogenannte Glasbahnhof als Landungsplattform für den Fährbetrieb der heute noch neben der geschwungenen Fußgängerbrücke steht. Um Unfälle zu vermeiden, war der untere Teil den Pkws vorbehalten während der obere Teil für Reisende ohne Fahrzeug war.

Riesenrad, alter Bahnhof (Gebäude mit rotem Dach), Fußgängerbrücke – einmal würfeln bitte

Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde der benachbarte Fährhafen Mukran gebaut wodurch sich der gesamte Fährverkehr in den folgenden Jahren in diesen Hafen verlagerte. Seitdem wird versucht den Hafen als Tourismushafen zu beleben. Im Jahr 2000 wurde wohl einiges ohne Genehmigung (und Konzept) abgerissen wodurch die historische Bedeutung des Hafens als wichtiger Fährhafen nur noch schwer zu erkennen ist.

Insgesamt macht der Hafen auf mich einen etwas wirren Eindruck ohne Gesamtkonzept. Die „Hafenmeile“, an der sich einige gastronomische Betriebe und kleine Geschäfte reihen, wirkt irgendwie lieb- und ideenlos dazu passend noch ein britisches U-Boot als Museum – schön ist anders.

Dazu passt zum „Sportboothafen“ das die sanitären Anlagen weit, weit von den Liegeplätzen entfernt sind. Eilig darf man es da nicht haben. Die Sanitäranlagen sind zwar schön (relativ neu) und sauber aber für die Dusche benötigt man 2 Euro Münzen die für 3 Minuten reichen. So etwas hatten wir am Bodensee in den 80er/90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Es hat keine Küche oder zumindest eine Möglichkeit Geschirr zu spülen. Es gibt einen Parkplatz der als Wohnmobilstellplatz ausgewiesen ist, aber keine Möglichkeit eine Campingtoilette zu entleeren.

Mülltrennung gibt es ebenso nicht – nur ein paar graue Restmülltonnen in die man alles unsortiert hineinwerfen kann (was zwangsläufig auch so gemacht wird). Die Herren der Stadt sollten einmal einen Ausflug nach Bornholm machen. Da haben selbst wir in unserem Segelclub ein besseres Müllkonzept.

Schwimmsteg (ohne Wasser)

Passend zu dem Gesamteindruck zum Hafen und der Stadt der Stand der AFD gegenüber dem REWE Einkaufsmarkt und die Erkenntnis, dass dies hier AFD-Land ist – laut Prognose soll die AFD bei der kommenden Landtagswahl im September hier die meisten Stimmen erhalten. Ich fühle mich nicht wirklich wohl hier…

Immer noch Sassnitz

Freitag, 28. August 2026

Laut Wettervorhersage hätte es heute Regen und auch Gewitter geben sollen. Am Vormittag kommt der Wind noch mit 15 Knoten in den Hafen. Die Prognose sagt für morgen geringere Regenwahrscheinlichkeit voraus, der Wind soll auf Südwest drehen und gegen Nachmittag auch nachlassen. Deshalb ist es mein Plan morgen gegen 10 Uhr abzulegen (etwas abhängig vom Regenradar) und dann sollte ich gegen 15 Uhr in Kröslin sein.

Ich gehe noch einmal Mittagessen und shoppe ein paar Mitbringsel für Nachbarn und Freunde. Ansonsten ist alles im grünen Bereich.

Der letzte Schlag – Kröslin

Samstag, 29. August 2026

Das Wetter war für heute etwas unsicher, ich rechnete mit etwas Regen und studiere am Morgen erst einmal Regenradar und Wetterbericht. Aber es sieht gut aus, es scheint trocken zu bleiben. Der Wind im Hafen ist erträglich mit etwas weniger als 10 Knoten. Gegen 9:30 Uhr lege ich dann ab, etwas früher als ursprünglich geplant. Etwas ungewiss ist noch was Wind und Welle machen. Ich rechne mit etwa 15 Knoten Wind aus Südwest.

Es geht sich dann recht gemütlich an, etwa 10 bis 11 Knoten Wind und praktisch keine Welle. Richtung der Landspitze Göhren segle ich fast auf Halbwind und es geht gut mit 5 bis 6 Knoten voran. Doch nach Göhren werde ich anluven müssen.

Blick zurück auf Sassnitz
Gegenan – die hakige Ostseewelle bremst

Auf dem Plotter sehe ich ein Boot der Behörde – Wasserschutzpolizei. Eine Kontrolle bräuchte ich jetzt nicht zum Ende und sie bleiben letztendlich eine Zeit begleitend auf Abstand. Der Wind hat zwischenzeitlich zugelegt auf 17 Knoten und ich muss immer wieder etwas das Großsegel fieren weil Johann, der Pinnenpilot, auf Anschlag ist. Der Wind bleibt auf Südwest womit klar wird, dass ich nach Göhren gegenan kreuzen muss. Ich beobachte einen Segler vor mir, der auch auf der Kreuz ist. Ein anderer scheint gegenan mit Motor unterwegs zu sein und macht gerade einmal 3 Knoten Fahrt. Ein wenig erinnert es mich an das letzte Jahr in den Stockholmer Schären. Nein, unter Motor gegenan das möchte ich nicht machen.

Also geht es gegenan auf Holebug und auf Streckbug. Das läuft an sich auch gut und wären da nicht ab und an die Böen mit 20 Knoten und die hakige Ostseewelle könnte das sogar Spaß machen. Aber es geht voran, ich komme Richtung Kröslin. Kurz vor den engen Fahrwassern hole ich die Fock ein und starte sicherheitshalber den Motor.

An der Einmündung in das breitere Fahrwasser, nach dem schmalen Fahrwasser, sitze ich auf

Nach dem schmalen Fahrwasser rechne ich damit den Motor zu benötigen und luve kurz vor der Einmündung an. Dabei übersehe ich eine grüne Tonne die ich hätte noch rechts liegen lassen müssen. Plötzlich stoppt das Boot auf – aufgesessen. Mist, kurz vor dem Ende noch so ein Lapsus. Ich fiere das Großsegel und zum Glück zieht mich der Wind langsam aus meiner misslichen Lage heraus. Wieder im Fahrwasser unter Motor berge ich das Großsegel, ich muss jetzt auch nicht auf Profisegler machen. Also geht es die letzten 2 Seemeilen unter Motor in die Marina.

Marina Kröslin in Sicht
Festgemacht – Kröslin

Am Steg dann gibt es ein „Begrüßungskomitee“ – ein Mitglied des Segeln-Forum war in den letzten Wochen mit mir im Kontakt und hatte meine Ankunft abgepasst. Nach dem Festmachen werde ich zu Bier und Burger eingeladen und wir schnacken etwas über das Segeln.

Es ist geschafft – 1850 Seemeilen

Es ist fast eine Punktlandung, am Montag kommt meine Frau vom Bodensee via Flughafen Berlin mit dem Leihwagen nach Kröslin. Nächste Woche Freitag ist der Termin zum Auswassern.

1850 sm (in etwa) in diesem Jahr liegen hinter mir. In Summe mit dem letzten Jahr 3350 sm. Das Ziel Gelbe Tonne und Haparanda und zurück nach Kröslin habe ich erreicht. Ich denke ich muss das jetzt erst einmal alles verdauen. Im Winter werde ich die Videos verarbeiten und ich denke es werden schöne Erinnerungen wach werden.

Was die Zukunft bringt? Ich weiß es nicht. Ein anderer Segler, mit dem ich mich auf Christiansø unterhalten hatte, stellte es in Frage, ob ich auf dem Bodensee noch Freude am Segeln haben könnte. Segeln auf der Ostsee ist schon etwas anderes, etwas vollkommen anderes. Ich musste die Tage etwas müde lächeln über einen Segler der am Bodensee bei 5 Bft. und 1 Meter Welle in Seenot geriet.

Ich denke vor allem wird mir die Weite fehlen. Auf der Ostsee, auf einem Kreuzkurs, segelt man 1/2 Stunde oder eine Stunde auf einem Bug. Auf dem Bodensee musst du oft nach 10, 15 Minuten schon wieder eine Wende machen. Auf der Ostsee segelst du 5, 6 oder 7 Stunden mit 5 Knoten Fahrt auf einem Bug. Am Bodensee würdest du, wenn das überhaupt einmal passiert, am anderen Ende aufschlagen. Hier liegen noch hunderte Seemeilen Wasser vor dir. Diese Weite wird mir sicher fehlen.

Ist dies das Ende des Blogs?

Ob dies das Ende des Blogs ist? Nein, nicht ganz. Mal sehen – für Wiederholungstäter werde ich noch einen Beitrag der Rückreise machen. Ich denke das interessiert vielleicht den einen oder anderen.

Dann habe ich noch einen Entwurf zu den Top 10 meiner Reise und einen anderen Entwurf zu Tipps zu Schwedens Ostküste und Finnland. Es kommt also sicher noch etwas hinterher. Aber für heute ist erst einmal Schluss…

Danke

Am Ende noch ein Danke. Danke allem voran an Walter und Heinz vom heimischen Segelclub die mich bei der Vorbereitung und unterwegs mit Rat und Tat unterstützten. Danke, an die Mitglieder des Segeln Forum die mir vor und während der Reise mit Tipps und Ratschlägen geholfen haben. Danke an die Menschen, die ich unterwegs kennenlernen durfte. Danke an meine Kinder, sie wissen für was. Und der größte Dank geht an meine Frau, die mir den Freiraum gegeben hat, dieses Abenteuer zu erleben.

Was tun, sprach Zeus

Sonntag, 14. August 2026

Der deutsche Segler der mir gestern beim Anlegen geholfen hatte meinte ja, dass das auch Montag nichts mit Christiansø wäre aufgrund des Schwells vom anhaltenden Südwestwind der letzten Woche. Und dann noch der starke Westwind heute.

Eine Option hatte ich jedenfalls gestrichen: Heute Utklippan anzulaufen. Utklippan kann zwar von zwei Seiten, von West oder von Ost, angelaufen werden, aber der Hamnguiden meint das bei starkem Wind und Welle beide Optionen schwierig sind.

Ich hatte noch einmal die Windvorhersage für die weiteren Tage studiert. Dienstag zuerst sehr schwach aus Nordwest, später drehend auf Südwest. Mittwoch Südwind, Donnerstag konfus aus südlicher Richtung eher schwach. Alles keine guten Aussichten. Also bleibe ich bei meinem Plan: Montag nach Christiansø. Besseren Wind bekomme ich die kommenden Tage nicht.

Jetzt blieb nur noch eine Frage: Heute noch raus auf eine der vorgelagerten Schären oder Montag direkt von hier los. Hinaus auf eine der Schären würde mir 5 sm bringen. Das ist etwa eine Stunde. Letztendlich entscheide ich mich hier in Karlskrona zu bleiben. Morgen früh gegen 7 Uhr möchte ich starten. Dann sollte ich gegen 17 Uhr Christiansø erreichen.

Es wird sicher keine Kaffeefahrt. Am Vormittag muss ich noch mit leichtem Regen rechnen. Wind wohl maximal 17 Knoten, meist 13 bis 15 Knoten. Welle 1 bis 1,5 Meter. Was etwas ungünstig ist: Gegen späten Nachmittag, zu der Zeit zu der ich Christiansø erreichen sollte, sollen Wind und Welle noch einmal anziehen. Aber ich habe inzwischen einen Plan B – falls die Einfahrt Christiansø zu heikel sein sollte, werde ich direkt die Nordostküste Bornholms ansteuern. Das sind etwa 10 sm. Und sollte der Wind dann so sein, dann habe ich einen Schnitt von 5 Knoten also etwa 2 Stunden.

Vorhersage des Deutschen Wetterdienst

Wie jeden Abend telefoniere ich mit meiner Frau und wir unterhalten uns über den Unterschied zwischen letztem Jahr und diesem Jahr. Letztes Jahr war ich gegen Ende meiner Reise recht entspannt. Nachdem ich Åland abgebrochen hatte und zurück am schwedischen Festland war, lag ich gut im Zeitfenster und ich hatte nur überschaubare Etappen von etwa 25 sm der Küste entlang zu machen. Jetzt habe ich zum Ende meiner Reise solch lange Etappen auf denen ich stark wind- und wetterabhängig bin.

Draußen auf der Ostsee sehe ich am Abend viel Verkehr auf dem Plotter. Sicher 30 bis 40 Frachter die in dem Gebiet unterwegs sind. Ich erinnere mich nicht daran im letzten Jahr auf der Etappe so viele Frachter gesehen zu haben.

Nächstes „Problem“: Sollte ich morgen Christiansø erreichen, sehe ich bis einschließlich Freitag kein günstiges Windfenster die Westküste Bornholms zu erreichen.

Das alles stresst mich etwas. Hätte ich unendlich Zeit, würde ich hier eine Woche im Archipel verbringen und auf einen günstigeren Moment warten.

Was Otto betrifft….

Inzwischen bin ich etwas schlauer was das Wasser unter dem Motor betrifft. Ich dachte zuerst es wäre der Impeller bzw. die Dichtung am Deckel. Andreas gab mir den entscheidenden Tipp: Es ist die Seewasserpumpe selbst bzw. die Dichtung bzw. Simmerring zur Welle welche die Pumpe antreibt. Ich habe dazu inzwischen ein paar Infos gefunden. Einige tauschen die Pumpe komplett aus, Kostenpunkt (Nachbau) etwas mehr als 100 Euro. Die Dichtungen/Simmerringe verhindern das Wasser über die Welle in den Motor gelangt und somit das Motoröl unbrauchbar macht. Deshalb kontrolliere ich jetzt fortlaufend den Schraubdeckel wo das Motorenöl eingefüllt wird. Kommt das Motorenöl mit Wasser zusammen wird es milchig, schaumig. Das sieht man zuerst an diesem Deckel. Aber machen könnte ich im Moment sowieso nichts. Ich kann nur hoffen das es bis Kröslin hält.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir alle genug haben. Johann, der Pinnenpilot, Otto, der Motor und auch mir reicht es langsam. An den Händen habe ich Schwielen vom vielen Schoten und Fallen ziehen und ich habe keinen Bock mehr auf diesen Stress durch Wind und Wetter.

Nichts mit Christiansø – Gudhjem

Montag, 17. August 2026

Ich möchte den guten Westwind nützen um zurück zu kommen. Mein Ziel ist Christiansø. Im letzten Jahr benötigten wir 13 1/2 Stunden von Christiansø nach Karlskrona. Allerdings schlief da gegen Ende der Wind ein. Trotzdem, es bleiben etwa 55 Seemeilen und selbst bei einem sehr guten Schnitt von 5 Knoten sind das 11 Stunden. Also klingelt um 6 Uhr der Wecker. Ich brauche nicht viel, einen Kaffee, etwas frisch machen und dann gut einpacken denn ich rechne mit etwas Regen.

Um 6:45 Uhr habe ich losgemacht. Die Niederländer sind schon weg, ein anderes deutsches Segelboot macht zeitgleich mit mir los. Anfangs geht es noch etwas durch die Schären. Gerade als ich das Großsegel oben habe läuft eine Fähre ein. Ich habe aber auch ein „Glück“. Also schaue ich gleich wie ich dieser ausweiche.

Ein letzter Blick zurück
Die letzte vorgelagerte Insel

Ich weiß nicht was mich draußen auf der Ostsee erwartet. Ich rechne mit allen Möglichkeiten – 10 bis 17 Knoten Wind, 0,5 bis 1 Meter Welle und etwas Regen. Aber es ist dann besser als befürchtet. Der Wind ist um die 10 bis 13 Knoten, 0,5 Meter Welle und es ist trocken.

Bei 10 bis 13 Knoten Wind auf Halbwindkurs geht es gut voran

Bei 10 bis 13 Knoten Wind auf Halbwindkurs habe ich bald einen Schnitt von 5,2 Knoten. Das passt. Wenn es so gut weiterläuft sollte ich zwischen 17 und 18 Uhr in Christiansø sein. Mit mir sind drei weitere Segelboote in etwa auf gleichem Kurs. Wobei ich derjenige bin, der am meisten versucht etwas Höhe zu machen. Abfallen kann man immer aber wenn man Höhe verloren hat und der Wind ungünstig dreht, dann wird es schwierig. Und das war auch eine gute Entscheidung denn der Wind kommt nicht so direkt aus West wie vorhergesagt, eher Südwest. Genau gesagt pendelt er zwischen 240 und 260 Grad.

Dann geht es auf das Verkehrsgebiet zu. Es sind einige Frachter unterwegs und ein Schlepper, der eingeschränkt manövrierfähig sein soll (sagt mir das AIS). Bald sehe ich auch weshalb – er schleppt irgendeinen großen Klotz hinter sich her. Ich prüfe die vom Plotter berechnete geringste Annäherung und wann diese eintrifft. Der Wind lässt jetzt etwas nach, geht sogar runter auf 8 Knoten und meine Geschwindigkeit geht runter auf 3 Knoten denn die Welle bleibt. Da mir das zu riskant mit den Frachtern wird, werfe ich den Motor zur Unterstützung an damit ich wenigstens etwa 4,5 Knoten mache. Der Schlepper geht hinter mir durch und ich gehe vor einem parallel fahrenden Frachter durch. Jetzt kommt doch noch ein angekündigter Regenschauer. Aber er erweist sich als harmloser als er noch von weitem aussah. Auch die Sicht bleibt dabei noch einigermaßen gut.

Der Wind zieht schließlich wieder etwas an auf 10 bis 11 Knoten und der Motor hat wieder Pause. Jetzt warte ich noch ob der angekündigte stärkere Wind kommt. Ich sollte am frühen Nachmittag in das Gebiet hinein kommen und dieser sollte bis zur erwarteten Ankunft halten. Erst gegen Abend soll der Wind dann wieder abschwächen. Ich schaue auf die Windanzeige und sehe wie sie kontinuierlich steigt. Erst 11, dann 12, dann 13 Knoten und auf einmal, fast von einer Minute auf die andere, zieht er an auf 17 Knoten. Und dann kommt die Welle dazu die schnell auf einen Meter steigt. Aber es geht soweit noch ganz gut zu segeln. Nicht ganz so optimal wie von Gotland nach Öland da ich höher am Wind segeln muss. Jetzt häufen sich dann noch die Ausreißer mit 20 Knoten Wind und es kommen immer mehr Wellen über das Boot und in das Cockpit.

Ich zweifle zunehmend unter diesen Bedingungen Christiansø anlaufen zu können. Bei der Welle und dem Wind, vor allem auch der Windrichtung, möchte ich das nicht wagen. Die Einfahrt nach Christiansø ist vom Süden und wenn der Wind aus Südwest kommt wäre das Wellenreiten. Ich beobachte die anderen Segler auf dem AIS. Ein Boot vor mir scheint direkt Bornholm anzusteuern. Ein anderes welches ich abgehängt habe (er hatte seine Fock geborgen – warum auch immer) scheint noch nicht zu wissen was er will. Der dritte scheint Christiansø anzusteuern, allerdings dann von der Ostseite zur Einfahrt kommend. Ich warte noch, noch habe ich etwa 2 Stunden Zeit zu entscheiden. Die Wellen sind jetzt massiv, immer wieder ein, zwei die höher als 1 Meter sind. Parallel schaue ich schon einmal welchen Hafen auf Bornholm ich bei meinem Kurs gut anlaufen könnte. Gudjhem würde passen, den hatte ich schon am Vorabend als Option ausgemacht.

Bornholm in Sicht
Gudhjem erreicht

Nach zwei Stunden treffe ich die Entscheidung – Bornholm. Unter den Bedingungen möchte ich Christiansø nicht anlaufen. Das bedeutet zwei weitere Stunden segeln. Mein Schnitt ist soweit gut. Trotz der Welle halte ich die 5,1 Knoten. Und dann ist Bornholm in Sicht. Ich hoffe ja, da ich von Norden komme und der Wind aus Südwest kommt, in Landnähe etwas Abdeckung vor Wind und Welle zu haben. Ich beobachte den Segler vor mir auf dem AIS, aufgrund seines Kurses ist er wohl gerade dabei das Großsegel zu bergen. Dann dreht er und steuert auch Gudjhem an. Der andere Segler, der Chrstiansø ansteuerte ist an der Ostseite herum gegangen und legt jetzt aber auch Kurs auf Bornholm an. Also habe ich die richtige Entscheidung getroffen.

Festgemacht in Gudjhem – mittleres Hafenbecken

In Landnähe lässt die Welle dann etwas nach aber der Wind bleibt in der Stärke. Inzwischen ist es 18 Uhr. Laut Windfinder und Windy sollte er um die Zeit abflauen auf 3 Bft. Aber der Wind hält sich nicht an die Vorhersage. Die Fock bei über 15 Knoten Wind bergen ist immer etwas anstrengend und ich bin wieder einmal froh als sie eingerollt ist. Jetzt unter Motor in den Wind fahren um das Großsegel zu bergen und schon geht es Richtung Einfahrt.

Gudjhem hat drei Hafenbecken. Das äußere bietet Platz für ein bis zwei größere Boote um längsseits zu liegen. Im mittleren Becken soll es Mooringleinen haben und im dritten Hafenbecken Plätze die belegt werden dürfen wenn sie auf Grün stehen. Ich komme in das zweite Hafenbecken und ein Mann kommt auf die Mauer um mir zu signalisieren, dass ich außen neben einem anderen kleinen Segelboot festmachen soll. Ich fahre einen engen Halbkreis, Miss Sophie kann das, und liege daneben. Es hat keine weitere Mooringleine weil das kleine dänische Segelboot (eine junge Mannschaft) es vergeigt hat und eine Mooringleine ausgelassen hatte. Egal, ich mache mich an dem kleinen Segelboot nach hinten und seitlich fest und für die Bugleinen hat es ein Rohr auf der Hafenmauer. Nach 12 1/2 Stunden, 63 sm habe ich Dänemark erreicht, ein wichtiges Etappenziel.

Jetzt habe ich noch 10 Tage Zeit wobei ich noch einen größeren Schlag machen muss – den von Bornholm auf Rügen. Das sind auch etwa 55 sm. Nächsten Samstag/Sonntag muss ich jedenfalls nicht nach Sassnitz – da findet der Sail Grand Prix vor 13.000 Zuschauern statt.

Und noch die Gastlandflagge wechseln

Ein Tag in Gudjhem

Dienstag, 18. August 2026

Bornholm hatte ich jetzt ja noch nicht wirklich gesehen. Im letzten Jahr waren wir nur eine Nacht im Rønne Lystbådehavn Nørrekås. Also auch nicht direkt in Rønne. Und das war am 01. Juni – da fanden wir noch Schneereste… Von dort ging es dann gleich weiter nach Christiansø.

Da ich jetzt also Zeit habe, war der Plan etwas Zeit auf Bornholm zu verbummeln. Also nütze ich den Nachmittag mir etwas Gudhjem anzusehen. Was mir zuerst auffällt, ist die Menge an Touristen. Das liegt sicher nicht nur am Ort selbst sondern auch daran, das von hier das Schiff nach Christiansø fährt. Soweit ich es beobachten konnte ist das immer recht gut gebucht und das hatten wir schon im letzten Jahr in Christiansø gesehen, dass dieser Transport recht beliebt ist.

Gudjhem selbst nennt sich auf seiner Internetseite „einzige Bergstadt“. Also ja, auffallend sind die Felsen bzw. Klippen und vom Hafen zum Lebensmittelladen muss man einen Höhenunterschied von 70 Metern überwinden. Was zuerst ins Auge fällt sind die farbenfrohen Häuser, teilweise mit Fachwerk. Sieht eigentlich ganz schnuckelig aus der Ort. Dann wirbt der Ort selbst Ausgangspunkt für einen Besuch von Christiansø zu sein.

Es soll hier noch einen schönen Abschnitt des Küstenwanderwegs geben. Der 120 km lange Küstenwanderweg ist in 7 Abschnitte unterteilt. Für morgen ist Regen vorhergesagt. Mal sehen ob das Wetter gegen Abend noch so gut ist, das ich ein Stück davon gehen kann.

Alles in allem macht der Ort einen ganz schnuckeligen Eindruck.

Das fand ich interessant das die Dänen auch ein Schiff in der Kirche aufhängen

Der unschöne Teil…

Nun zu einem etwas unschöneren Teil: Ich hatte ja gestern geschrieben, dass ich im mittleren Hafenbecken einen Platz gefunden hatte. Dann gibt es am Ende noch ein drittes Hafenbecken in dem man liegen kann wenn der Platz Grün markiert ist. Ich bin froh nicht da hinein gefahren zu sein (es hätte freie Plätze gehabt). Im hinteren Hafenbecken liegt ein übler Schleim auf der Wasseroberfläche und wenn man daran vorbei geht (was man machen muss wenn man in den Ort, zu den Sanitäranlagen oder zum Bezahlautomaten möchte), dann hat es einen Gestank original wie Kläranlage. Das ist wirklich extrem übel. Die Ursache sind Blaualgen.

Blaualgen im hinteren Hafenbecken

Die Verbreitung der Blaualgen in der Ostsee hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Und das hat auch zwei einfache Gründe: Zum einen der Klimawandel, der kommt auch an der Ostsee an. Warme Temperaturen fördern das Wachstum der Blaualgen. Der zweite Grund ist Überdüngung. Das gleiche Problem hatten wir in den 70er Jahren am Bodensee. Düngemittel aus der Landwirtschaft gelangen über die Zuflüsse in die Ostsee.

Ich hatte gestern auf dem Schlag zwischen Karlskrona und Gudjhem, zwischen dem Verkehrsgebiet und Christiansø auch so einen braunen Streifen auf der Ostsee gesehen und dachte zuerst an Umweltfrevel. Also das irgendein Tanker hier etwas abgelassen hat. Aber es waren ebenfalls Blaualgen. Man sieht diese mittlerweile auch auf Satellitenbildern.

Zweiter Tag in Gudjhem

Mittwoch, 19. August 2026

Für heute waren Regenschauer und weiter Wind mit etwa 15 Knoten aus West vorhergesagt. Aus diesem Grund blieb ich einen weiteren Tag hier und nützte auch die Gelegenheit wieder ein paar Stunden bei der Arbeit aufzubauen – ich werde sie wohl nächste Woche gebrauchen können.

Gegen späten Nachmittag sollte es wieder aufklaren und ich wollte los um ein Stück auf dem Küstenwanderweg zu gehen. Aber die Kollegen ärgern mich etwas und halten mich auf. Schließlich komme ich doch noch los. Es ist ein sehr schöner Weg der sehr gut angelegt ist. Immer wieder hat man Aussichtspunkte. Der Weg geht etwas auf und ab ist aber gut zu gehen. An einem Platz sehe ich zwei jüngere Frauen die ihr Zelt aufgebaut haben. In der Nähe ist mit einem Schild auch eine Möglichkeit zum zelten und ein WC ausgewiesen. Diese Variante den Küstenwanderweg zu gehen scheint also auch recht beliebt zu sein. Schön, dass so etwas möglich ist.

Die Hafeneinfahrt von Gudjhem

Morgen möchte ich am Nachmittag den Versuch unternehmen, doch noch Christiansø zu erreichen. Sollte es nicht möglich sein in Christiansø einzulaufen, drehe ich um und werde einen anderen Hafen an der Nordostküste von Bornholm ansteuern. Von hier sind es nur 10 sm nach Christiansø – das sollte ich in 2,5 Stunden schaffen.

Warten auf schwächeren Wind – Christiansø

Donnerstag, 20. August 2026

Also erstens habe ich noch Zeit und zweitens wollte ich, wenn es irgendwie möglich ist, noch nach Christiansø. An viele und schöne Orte meiner Reise kann man mit dem Auto kommen aber Christiansø ist so ein Ort, da kommt man nicht so schnell wieder hin. Sicher, es gibt die Touristenschaukel die von Gudhjem aus fährt. Aber dazu musst du erst einmal nach Bornholm kommen.

Bis zum Nachmittag soll der Wind noch kräftig aus West kommen, etwa 15 bis 20 Knoten. Auf diesen Wind und diese Welle hatte ich keine Lust. Gegen Abend soll der Wind nachlassen auf 3 bis 4 Bft. Ich überlege welches ein guter Zeitpunkt ist zu starten. Denn sollte ich vor Christiansø wegen Wind und Welle scheitern, dann muss ich abdrehen zurück nach Bornholm. Also noch weitere 2 bis 3 Stunden.

Ich versuche denn passenden Zeitpunkt so zu finden, das ich etwa zwischen 17 und 18 Uhr vor Christiansø sein sollte. Es sind nur 10 sm, also etwa 2 Stunden. Gegen 15.30 Uhr lege ich dann ab. Im Hafen sieht es gut aus, kaum Wind aber aus dem Hafen draußen habe ich dann gleich deutlich mehr Wind und vor allem Welle. Wind etwa 15 Knoten und Welle 0,5 Meter wobei immer wieder ein paar größere kommen. Ich habe Raumwind-Kurs d.h. der Wind und auch die Welle kommen von schräg hinten. Das ist ungünstig denn bei jeder größeren Welle dreht das Boot um 30 bis 40 Grad, etwas was ich überhaupt nicht mag. Aber die Geschwindigkeit passt, im Schnitt 5 Knoten. Damit sollte ich in 2 Stunden in Christiansø sein.

Blick zurück nach Gudjhem
Nur mit Großsegel, der Schnitt von 5 Knoten reicht mir

Immer wieder denke ich mir, dass der Wind jetzt doch nachlassen müsste. Aber der Wind hält sich mal wieder nicht an der Vorhersage. Ich segle nur mit dem Großsegel, mehr braucht es nicht. Kurz vor Christiansø wird dann das Segel geborgen und ich steuere auf die Einfahrt zu. Jetzt habe ich die Welle von der Seite und es ist eine ordentliche Schaukelfahrt. Gas geben und rein kommen ist die Devise. Die meisten Heckbojen an der Westseite sind frei doch alleine mit dem Wind gegenan und einer gemauerten Hafenmauer möchte ich das nicht riskieren. Ich fahre weiter zu den längsliegenden Booten. Es gibt schon einige Päckchen. Kurz vor der Brücke liegt ein deutsches Segelboot, sie waren auch in Gudhjem. Ich fahre daran vorbei und frage ob es in Ordnung ist, wenn ich zu ihnen ins Päckchen gehe – ist in Ordnung. Sie hatten schon Fender draußen. Ich drehe noch eine Runde, Fender hatte ich in der Vorahnung schon an der Steuerbordseite ausgebracht.

Ich stoppe das Boot parallel zu ihnen mit einem halbem Meter Abstand. Den Rest macht der Wind, der von der Seite kommt. Schnell sind wir miteinander verbunden. Kurzer Smalltalk – sie möchten morgen nach Karlskrona und dann weiter Richtung Stockholm.

Miss Sophie im Päckchen

Ich beeile mich noch in das Restaurant zu kommen. Schon letztes Jahr hatten wir hier gut gegessen und es ist wieder einmal sehr gut.

Wer jetzt denkt: „Wieso fährt er denn jetzt zurück Richtung Norden?“ – es ist weiter Westwind vorhergesagt. D.h. Richtung Westen gegenan kämpfen bei 20 Knoten Wind und 1 bis 1,5 Meter Welle ist mit meinem Boot fast sinnlos. Von hier kann ich am Samstag bei Nordwest Allinge ansteuern. Das ist zwar am Wind aber nicht hoch am Wind. Der einzige Nachteil: Ich muss Samstag früh los denn gegen Mittag soll der Wind auf West drehen.

Und dann muss ich sehen wie ich um das Eck komme, also die Nordwestspitze Bornholms. Im Notfall irgendwie mit Hilfe des Motors. Wenn ich da herum bin, dann stört mich der Westwind nicht mehr und ich kann Rønne ansteuern. Wenn der Plan aufgeht, dann könnte ich voraussichtlich Dienstag guten Wind haben, um den letzten großen Schlag von Bornholm nach Sassnitz zu machen. Soweit der Plan. Aber jetzt werde ich morgen Nachmittag noch einmal schön Christiansø genießen.

Die Frösche sind nicht da – Christiansø

Freitag, 21. August 2026

Nach getaner Arbeit mache ich einen Spaziergang über die Insel und dabei eine große Enttäuschung: Die Frösche sind nicht da. Im letzten Jahr, als wir Anfang Juni hier waren, hatten wir ein herrliches Froschkonzert. Doch die Regenauffangbecken sind leer oder fast leer. Ich kann nicht beurteilen ob das um diese Jahreszeit normal ist oder ob die Trockenheit auch auf Christiansø angekommen ist.

Dafür ist diesmal der große Festungsturm geöffnet. Der war letztes Jahr geschlossen und so nütze ich die Gelegenheit diesen zu besichtigen. Im Innenraum findet sich einiges über die Geschichte von Christiansø. Die Insel wurde von den Dänen als Antwort auf den Ausbau von Karlskrona zum Flottenstützpunkt durch die Schweden befestigt. Erst den Britten gelang es viele Jahrzehnte später Christiansø zu zerstören aber anlanden konnten auch sie nicht.

Dänisch ist eine lustige Sprache – Møntvask = Waschmaschine

Dann genieße ich einfach noch etwas die Spätsommersonne und die herrlichen Gassen hier. Gegen Abend unterhalte ich mich noch mit einem anderen deutschen Segler, der auch im Segeln-Forum ist, bei einem Bier. Vor allem die Ostseewelle ist immer wieder Thema. Er kommt von der Nordsee wo die Welle wohl angenehmer, länger sein soll als diese hackige Ostseewelle. Ich selbst habe keinen Vergleich fand die Welle aber auch immer wieder anstrengend.

Morgen soll es sehr früh los gehen denn da soll der Wind noch erträglich sein. Es geht zurück auf Bornholm – Allinge ist das Ziel. Dann bin ich fast an der Nordwestspitze Bornholms.

Die Gunst der Stunde genutzt – Hasle

Samstag, 22. August 2026

Eigentlich sollte es heute nach Allinge gehen. Die Windvorhersage war Nordwest. Also ein leichter Am-Wind-Kurs. Ich habe etwas unruhig geschlafen weil ich sehr früh raus wollte. Am frühen Morgen sollte der Wind und damit die Welle sehr schwach sein. Schon bevor der Wecker um 6 Uhr klingelte stand ich auf um etwas zu frühstücken und einen Kaffee zu trinken. Dann machte ich gleich alles segelfertig. Alle anderen schliefen noch.

Blick zurück auf Christiansø

Raus aus Christiansø, als ich die Segel gesetzt hatte, war ich überrascht. Der Wind kam fast aus Nord – 350 Grad. Ich überlegte was ich mit dieser neuen Lage mache und plane kurzfristig um. Wenn der Wind so gut ist, etwa 10 Knoten, keine Welle, dann möchte ich die Gelegenheit nützen um gleich um die Nordspitze Bornholm herum zu kommen. Denn das war etwas was mir noch etwas im Magen lag. Die ist zwar von Allinge nicht weit (etwa 3 sm), aber einen Wind zu haben, der sowohl Richtung Nordnordwest als auch Richtung Südsüdwest gut ist, das gibt es praktisch nicht.

Die Bedingungen sind gut, nur ab und an später eine etwas größere Welle

Ich hoffe nur das der Wind hält. Er dreht dann zwar etwas Richtung Nordwest aber ich kann immer noch gut am Wind den Kurs Richtung Hammerodde halten. Langsam nimmt der Wind an Stärke zu und es kommen die ersten Wellen über das Vordeck. Vor der Nordspitze Bornholms dreht der Wind dann endgültig Richtung West Nordwest aber jetzt kann ich abfallen und segle auf halbem bis raumen Wind mit 5 bis 6 Knoten. Nach 4 Stunden stehe ich vor Hasle und kann die Segel bergen. Mit gut Welle von der Seite geht es in den Hafen in dem einige Gaffelkutter liegen. Das Hafenbecken 3 ist dadurch weitgehend belegt. Im Hafenbecken 2 liegt ein deutsches Segelboot und an der Mauer ist genügend Platz um längsseits festzumachen. Also noch eine Runde drehen, Fender ausbringen und schon geht es an die Mauer.

Festgemacht – Hasle Havn

Für morgen sind Regen und Gewitter vorhergesagt, Montag starker Wind aus West (etwa 20 Knoten), Dienstag kein Wind. Also ist der Plan am Dienstag gemütlich die 5 sm nach Rønne zu machen und Mittwoch sollte der Wind ideal für den Sprung nach Sassnitz sein. Die letzten Segeltage brechen an…

Anhand der Wellen die über die Hafenmauer kommen, kann man sich vorstellen was draußen ab geht

Husarenritt nach Öland – Byxelkrog

Sonntag, 09. August 2026

Eigentlich wollte ich ja den Zwischenstopp über Stora Karlsö machen, den ich aber windbedingt ausgelassen hatte. Wahrscheinlich wäre es doch gut gegangen denn am Samstag lies der Wind im Laufe des Tages deutlich nach und es hatte praktisch keine Welle.

Am Samstagabend habe ich noch mehrfach Windy studiert und verschiedene Optionen in Orca versucht denn am Nachmittag bzw. gegen Abend soll aus dem guten Wind aus Süd starker Wind mit etwa 25 Knoten werden. Am Vormittag soll der Wind noch auf Südwest bleiben. Ablegen gegen 10 Uhr scheint die beste Option zu sein.

Also klingelt der Wecker um 8 Uhr und gegen 9:30 Uhr lege ich ab. Anfangs muss ich noch ein wenig abfallen damit ich um die vorgelagerte Insel Lilla Karlsö herum komme. Dann muss ich anluven und es geht zuerst hoch am Wind. Zwischen Lilla Karlsö und Stora Karlsö entscheide ich mich aber doch eine Wende zu machen um etwas Höhe zu gewinnen. Denn ich möchte auch nah Stora Karlsö vorbei – wenn ich schon nicht anlegen konnte, dann wenigstens von der Nähe einen Blick darauf werfen.

Lilla Karlso im Vordergrund und Stora Karlsö im Hintergrund
Links von der Mitte wäre der Anleger gewesen. Das wäre sicher gut gegangen. Kein einziges Boot am Anleger

Der Wind dreht dann kontinuierlich langsam auf Süd und nimmt zu. Zwei Frachter gehen noch weit vor mir durch dann kommt nichts mehr. Diesbezüglich kann ich schon einmal entspannt sein. Aber mit dem zunehmenden Wind nimmt auch die Welle immer mehr zu. 5 sm vor Öland habe ich dann bis zu 23 Knoten Wind und 1,5 Meter Welle (SMHI hat 1,6 Meter gemessen). Die Wellen brechen schaumig zusammen. Inzwischen segle ich auf halben Wind und das Boot dreht immer wieder mit den größeren Wellen. Ich hoffe dann an der Nordseite von Öland auf etwas Beruhigung. Aber dafür habe ich einen super Schnitt – 6 sm in der Stunde.

20 bis 23 Knoten Wind

Johann´, mein Pinnenpilot, macht inzwischen seltsame Geräusche. Ich hoffe er hält durch bis Öland. An der Nordseite Ölands lassen dann Wind und Welle etwas nach. Ich hatte zwischendurch überlegt, gleich hier Nabbelund anzusteuern. Auf dem Plotter sehe ich ein Segelboot vor mir welches auch an Nabbelund vorbei steuert und jetzt Byxelkrog ansteuert. Ich bin unsicher welcher Hafen besseren Schutz gegen Süd bietet, bleibe dann aber bei meiner Entscheidung. Nachdem ich um das nördliche Ende herum bin muss ich wieder anluven aber ich schaffe nicht die notwendige Höhe. Noch 1 1/2 sm bis Byxelkrog. Ich entscheide mich den Motor anzumachen und so nahe wie möglich an der Küste entlang zu fahren. Auch hier am Ausgang des Kalmarsunds baut sich bei etwa 17 Knoten Wind eine kleine Welle auf.

Langer Erik

Die Personenfähre fährt auch gerade in den Hafen. Gut so, dann weiß ich das sie mir nicht entgegenkommt. Der Hafen ist ziemlich leer. Ich entscheide mich für einen Steg mit Heckboje, anlegen gegen den Wind. Niemand da, nur ein anderes deutsches Segelboot ein paar Plätze weiter. Aber es geht mal wieder super gut. Nach 7 Stunden und 41 sm habe ich Byxelkrog erreicht, genau das richtige Windfenster erwischt.

Schnell sind alle Leinen festgemacht, Landstrom angeschlossen und es gibt eine zweite Portion Köttbullar – der Rest von gestern. Dann die Sanitäranlagen inspizieren – sehen gut aus. Und auch gleich für morgen ein Zeitfenster für die Waschmaschine eingetragen. Erster Eindruck: Der Ort scheint sehr touristisch zu sein. Es hat hier zahlreiche Buden die Essen, Getränke, Eis oder irgendwelchen Nippes verkaufen.

Ein Blick ins Internet verrät dass es direkt am Ort nichts besonderes gibt. Etwa 2 km entfernt soll ein besonderer Strand mit Steinplatten sein. Mal sehen, vielleicht bleibe ich einen Tag und schaue mir das an. Wind und Wetter sehen für morgen nicht besonders toll aus. Wind aus Südwest, Wetter bedeckt. Dienstag soll der Wind auf Nordwest drehen – also ideal um den Kalmarsund herunter zu kommen.

Warten auf besseren Wind

Montag, 10. August 2026

Der Wind kommt heute weiter aus Südwest mit bis zu 20 Knoten. Ich bin jetzt am Beginn des Kalmarsund (Roter Kreis). Als Kalmarsund wird die Meerenge zwischen dem Festland und der Insel Öland bezeichnet. Mit dem Kalmarsund habe ich letztes Jahr schon meine Erfahrung bei Südwind gemacht und unter „Lessons learned“ abgelegt. Die Meerenge wirkt dabei wie ein Trichter und beschleunigt den Wind noch einmal. Das wäre heute gegenan kein Spaß. Morgen soll der Wind auf Nordwest drehen also warte ich den Tag hier ab und mache es mir morgen einfach.

Ich überlege, ob ich bei dem guten Wind morgen nicht sogar bis Kalmar durchfahren soll. Mittwoch soll der Wind schon wieder auf Süd drehen, zunächst aber sehr schwach sein. Donnerstag bis Samstag bleibt er wohl auf Südwest und stärker – etwa 10 – 15 Knoten. Sonntag wahrscheinlich West – das wäre die Chance aus dem Kalmarsund zu kommen.

Also stehen Wäsche waschen, nach dem Pinnenpilot schauen und duschen auf dem Programm.

Hört sich nicht gut an…

Ansonsten merke ich jetzt, wie ich gegen Ende meiner Reise stark vom Wind abhängig bin und mein Polster dadurch langsam schwindet. Durch den Kalmarsund durchkommen und dann habe ich drei große Schläge zu machen: Uttklippan – Christiansoe (oder Bornholm) 45 – 50 sm, Bornholm – Sassnitz 50 sm, Sassnitz – Kröslin 30 sm. Bei einem Schnitt von 4,5 Knoten sind das jeweils Etappen von 7 bis 12 Stunden.

In Kalmar werde ich voraussichtlich bis Samstag festhängen da durchgehend Wind aus Südwest vorhergesagt ist.

Die 1500 sm sind auch schon wieder erreicht (1560 sm) und nach meiner Rechnung habe ich noch etwa 300 sm vor mir. Am Ende werden es dann wohl etwa 1800 sm sein. Das sind etwa 3.300 Kilometer.

Mit dem letzten Abendlicht nach Kalmar

Montag, 11. August 2026

Windy hatte vorhergesagt, dass der Wind gegen Mittag auf Nord drehen und etwas nachlassen sollte. Die Nacht war eine Katastrophe. Ich bereute das Boot nicht umgelegt zu haben. Der Wind blies mit 20 Knoten aus Nordwest in die Hafeneinfahrt und sorgte im neuen Hafenbereich für ordentlich Schwell. Miss Sophie zerrte ruckartig an den Festmachern wie ein wildgewordenes Pferd. Einfach die Nacht durchstehen und dann weiter ziehen. Aber erst musste ich noch arbeiten. Der Plan war auf jeden Fall gegen Mittag abzulegen. Auch Byxelkrog hat Dockspot (eine App) in der darauf hingewiesen wird, dass der Platz bis 12 Uhr verlassen werden muss. Ich schaue noch nach dem Fahrplan der Fähre die zwischen Oskarshamn und Byxelkrog verkehrt. Um 12 Uhr sollte sie ablegen. Das passt mir gut, dann plane ich direkt nach der Fähre abzulegen.

Am Vormittag bläst der Wind noch immer kräftig mit bis zu 20 Knoten. Aber er macht keine Anstalten auf Nord zu drehen, er bleibt auf Nordwest. Egal, denke ich mir, das wird schon gehen. Gegen Mittag bereite ich alles vor. Die Fähre wird gerade beladen und legt dann 10 Minuten früher ab als angekündigt. Umso besser, denke ich mir. Die letzten Handgriffe und dann lege ich ab wie vor mir eine andere deutsche Segelyacht aus Berlin.

Fähre Oskarshamn – Byxelkrog
Zuerst geht es noch mit raumen Wind Richtung Süden

Sobald als möglich setze ich die Segel und lege den Kurs an – 200 Grad. Raumer Wind mit etwa 15 Knoten, es läuft gut mit 5 bis 6 Knoten Fahrt. Es ist natürlich schwer vorherzusagen, aber sollte es so weitergehen wäre ich gegen 20:30 Uhr in Kalmar. Doch mit zunehmender Strecke dreht der Wind. Nein, nicht auf Nord sondern eher auf West. Das ist schlecht denn gleichzeitig lässt er auch noch nach, unter 10 Knoten. Aus meinem Raumwindkurs wird ein Am-Wind-Kurs. Wenigstens läuft es noch einigermaßen da es so gut wie keine Welle hat, 4 bis 5 Knoten zeigt die Logge.

Höhe Borgholm, also nach 2/3 der geplanten Strecke nach Kalmar, lässt der Wind weiter nach. Ich schaue auf dem Plotter was die anderen Segelboote weit vor mir machen. Alle machen zwischen 5 und 7 Knoten. Sollte der Wind weiter südlich wieder auffrischen? Ich glaube eher nicht daran. Ich denke die fahren alle inzwischen unter Motor. Ich versuche es noch ein Stück weiter und jetzt dreht der Wind komplett, plötzlich habe ich den Wind direkt von hinten. Die Fock kann ich einrollen und das Großsegel komplett ausstellen. Aber mehr als 3,5 Knoten Fahrt mache ich nicht mehr. Auf dem Plotter sehe ich eine Armada von Segelbooten vor mir die Richtung Süden zieht. Was tun? Der Plan, Kalmar anzusteuern, war bewusst gewählt. Denn die nächsten Tage soll der Wind aus Südwest kommen. Wenn ich jetzt in Borgholm anlege sitze ich dort entweder fest oder muss mühsam gegenan kreuzen. Wobei es fraglich ist ob das geht. Ich hatte ja meine Erfahrung mit dem Kalmarsund gemacht.

Ein anderes Segelboot hinter mir, welches ich abgehängt hatte, hat wohl inzwischen auch den Motor angeworfen und schließt zu mir auf. Ich entschließe mich es ihm gleich zu tun und werfe auch den Motor an. Der Wind kommt inzwischen fast von vorne und ist auf 5 Knoten gefallen. Segeln macht jetzt keine Sinn mehr. Der Wind wechselt alle 5 Minuten komplett die Richtung und bleibt sehr schwach. Das ist was um Feierabend-Segler zu ärgern aber nichts, um von a nach b zu kommen.

Die Karawane zieht Richtung Süden… (alle blauen Pfeile sind andere Segelboote)
Das Schloss Borgholm soll auch einen Besuch wert sein

Meine erwartete Ankunftszeit verschiebt sich gegen 22 Uhr. Die Sonne bewegt sich langsam Richtung Horizont und ich kann ein paar schöne Fotos machen. Aber zunehmend mache ich mir Gedanken über die Dunkelheit. Die Sonne geht schließlich unter und ich mache die Navigationsbeleuchtung an. Noch ist in der Dämmerung alles gut zu sehen. Ein Schlepper zieht mit gut 10 Knoten an mir vorbei. Dann kommt die Brücke über den Kalmarsund. Hier hat es Leuchttonnen was jetzt sehr hilfreich ist. Die unbeleuchteten Fahrwasserzeichen sind kaum noch zu sehen. Ich habe Orca und die elektronische Seekarte von Navionics auf dem Plotter parallel laufen.

In der Hafeneinfahrt gehe ich dann auf Standgas. Am liebsten wäre mir ein Platz mit Y-Ausleger. Am Eingang des Hafens hat es einige aber die sind wohl weit entfernt von den Sanitäranlagen. Ich fahre bis zum Hafenende aber dort hat es nur Y-Ausleger für große Boote und die sind auch alle belegt. Also Rückwärtsgang rein. Ich werde wohl an einer Heckboje anlegen müssen. Ich sehe ein deutsches Segelboot und eine Person die auf das Deck geht. Ich rufe ihm meine Frage zu, ob er meinen Bug auffangen könnte. Er geht an Land und ich steuere eine Boje an. Nach 10 Stunden habe ich festgemacht in Kalmar.

Mit dem letzten Tageslicht in Kalmar festgemacht

Pause in Kalmar

Mittwoch, 12. August 2026

Jetzt bin ich erst einmal in Kalmar. Der südliche Teil des Kalmarsund ist sicher noch einmal eine Herausforderung. Bis Karlskrona sind es gut 50 sm – auf direktem Weg. Mal sehen wie ich die Aufgabe löse, zurück nach Kröslin zu kommen.

Manch einer wird die Frage stellen, weshalb ich mir jetzt solchen Druck mache. Ich werde zunehmend unsicher wegen der langen Schläge die mir bevorstehen. Aufgrund der Tageslänge kann ich solche langen Schläge nicht mehr machen wenn ich arbeiten muss. Außer ich würde über Nacht segeln. Aber das ist nicht wirklich eine prickelnde Alternative. Deshalb möchte ich mir lieber einen Puffer schaffen, um gegebenenfalls auf Utklippan oder Bornholm 4 bis 5 Tage auf ideale Bedingungen und Samstag/Sonntag warten zu können. Ich habe noch die Option einen oder zwei Tage Gleitzeit zu machen.

Aber heute arbeite ich erst einmal etwas um ein wenig Gleitzeit aufzubauen. Zu Mittag habe ich Lunch und dann geht es noch in die Stadt und ich finde endlich einen Friseur – war dringend nötig. Dann noch schön unter die Dusche, die Sauna ist eingeheizt. Mal sehen, vielleicht gönne ich mir morgen die Sauna.

Aktuell ergibt sich ein möglicher Plan nach Christiansø zu kommen. Freitag, Samstag herunter „kämpfen“ auf Utklippan. In der Nacht auf Sonntag soll der Wind auf West drehen – ideal um nach Christiansø zu kommen.

Der „Nachteil“ bei dieser Planung: Ich bin viel zu früh auf Bornholm bzw. in Sassnitz. Ich hätte dann 2 Wochen übrig. Ich könnte ein paar Tage auf Christiansø und auf Bornholm verbummeln. Mal sehen, vielleicht mache ich es auch anders.

Sonnenfinsternis in Kalmar – wie Sie sehen, sehen Sie nichts…

Wiedersehen mit Andreas

Donnerstag, 13. August 2026

ich bin weiter in Kalmar da weiterhin starker Südwind ist. Morgen früh soll der Wind schwach sein. Ich möchte die Gelegenheit nützen um hier aus dem schmalen Teil des Kalmarsund zu kommen. Denn der Kalmarsund wirkt, wie oben beschrieben, wie eine Düse.

So hoffe ich bis Kristianopel zu kommen. Gegenan werden das voraussichtlich 35 – 40 sm. Von Kristianopel werde ich Samstag entweder Utklippan oder Karlskrona ansteuern. Den Schlag von Utklippan oder einer anderen vorgelagerten Insel nach Christiansø habe ich auf Montag verschoben. Sonntag kommt der Wind zwar schon aus West aber teilweise wohl sehr stark mit bis zu 6 Bft. Auf 1,5 bis 2 Meter Welle und dann ggf. die Einfahrt nach Chrstiansø hinein habe ich keine Lust. Montag bleibt der Wind auf West aber etwas moderater.

Von meinem Arbeitgeber habe ich grünes Licht – ich kann mir die Zeit einteilen wie möchte. Hauptsache ich komme zurück.

Sonntag teilweise sehr starker Wind aus West (20 – 25 Knoten)
Montag weiterhin West aber moderat (10 – 15 Knoten)

Inzwischen ist auch Andreas, der Segler aus Kiel den ich das erste Mal in Gävle getroffen hatte, in Kalmar angekommen. Wir schnacken etwas und gehen noch zusammen etwas essen. Er muss erst später in Karlskrona sein wo er seine Frau dann aufnimmt. Vielleicht treffen wir uns noch einmal auf Bornholm.

Raus aus dem Kalmarsund – Kristianopel

Freitag, 14. August 2026

Höhe Kalmar ist die engste Stelle des Kalmarsunds. Hier führt auch die Brücke vom Festland zur Insel Öland. Bedeutet auch, dass hier die „Düse“ stark wirkt. Deshalb suchte ich nach einer günstigen Gelegenheit raus aus dem Kalmarsund zu kommen. Bis Samstag bleibt der Wind auf Süd. Aber es gibt eine Gelegenheit: Früh morgens soll es sehr schwachwindig sein – eine Gelegenheit erst einmal mit Hilfe des Motors ein Stück Richtung Süden zu kommen und dann vielleicht noch etwas gegenan segeln.

Wie erwartet kaum Wind am Morgen
Ein letzter Blick zurück

Deshalb plante ich meine Arbeitszeit um und hatte den Wecker noch etwas früher gestellt. Gegen 7:30 Uhr habe ich abgelegt und es folgen mir gleich einige andere deutsche Segler die wohl den gleichen Plan haben. Der Wind ist sehr schwach, etwa 5 Knoten, und es hat keine Welle. Die größeren Segelboote machen 5 bis 6,5 Knoten Fahrt, ich tuckere mit 4,5 Knoten. Nach etwa 4 Stunden zieht der Wind langsam an und die Welle nimmt zu. Als die Logge sich Richtung 3 Knoten Fahrt bewegt, ziehe ich das Segel hoch und mache den Motor aus. Der Wind zieht weiter an auf 10 bis 15 Knoten und hoch am Wind geht es mit gut 5 Knoten voran.

Alles in allem ein sehr entspanntes Segeln. Ich bin inzwischen alleine – die anderen Segler sind mir weit voraus. Als Zwischenziel habe ich Kristianopel gewählt. Nach etwas mehr als 8 Stunden habe in Kristianopel festgemacht. Jetzt noch etwas arbeiten, essen gehen und Blog schreiben. Und dann auch schon bald schlafen gehen denn morgen möchte ich wieder früh starten um dann Karlskrona zu erreichen. Noch einmal die gute Pizza essen und schön duschen. Sonntag werde ich mich vielleicht etwas vortasten an die äußeren Schären damit ich Montag den Weg etwas verkürzt habe. Aber Montag wird sicher wie letztes Jahr wieder ein langer Tag werden.

Festgemacht – Kristianopel
Dreifaltigkeitskirche
Abgetragene Stadtmauer

Kristianopel

Als ich den Namen das erste Mal hörte dachte ich: das klingt aber überhaupt nicht schwedisch. Als die Provinz Blekinge zu Dänemark gehörte, legte König Christian IV. die Stadt als Teil einer Verteidigungslinie an. Im Laufe des Kalmarkrieges wurde die Stadt 1611 kurzzeitig durch die Schweden eingenommen. Die Schweden brannten den Ort nieder. Die heutige Dreifaltigkeitskirche entstand zwischen 1618 und 1624. In den folgenden Jahrzehnten wechselte der Ort mehrmals die Staatszugehörigkeit und wurde immer wieder zerstört und wieder aufgebaut. 1677 ging der Ort endgültig in schwedischen Besitz über und Teile der gewaltigen Befestigungsanlage wurden niedergerissen und die Steine für den Bau in Karlskrona verwendet.

Heute lädt ein Schild die Besucher ein, auf einem etwas 1 km langen Abschnitt der ehemaligen Stadtmauer spazieren zu gehen. Die Stadtmauer ist insgesamt etwa 3 Kilometer lang.

Kristianopel ist recht touristisch. Es hat einige kleine Geschäfte, am Hafen gibt es kleine Buden mit Verkaufsständen und in der Saison wohl auch einige musikalische Veranstaltungen wie ich einem Plakat entnehmen konnte. Kristianopel ist sicher ein Ort an dem man einen zusätzlichen Tag verbringen kann.

Empfehlen kann ich auch das Café Sött o Salt direkt am Hafen – hier hatte ich Schnitzel…. 🙂

Ein Tag zum Vergessen – Karlskrona

Samstag, 15. August 2026

Aufgrund meines Plans ging es heute morgen sehr früh los. Um 6 Uhr klingelte der Wecker. Gegen 7 Uhr konnte ich ablegen. Noch ein kurzer Smaltalk mit dem Stegnachbarn – Niederländer. Sie wollen heute ebenfalls nach Karlskrona und wollten auch sehr früh ablegen.

Ich möchte versuchen gegenan zu kreuzen denn der Wind soll heute den ganzen Tag wieder aus Südwest kommen. Diesmal genau die Richtung in die ich muss. Trotzdem finde ich einen leichten Vorteil wenn ich auf Backborgbug segle, da mache ich mehr Strecke Richtung Süd. Nur ist der Backbordbug, also wenn der Wind von Steuerbord kommt, Miss Sophies schwache Seite. Da läuft sie nicht so viel Höhe und auch nicht so schnell.

Blick zurück auf Kristianopel
Viel Welle, wenig Wind

Der Wind ist schwächer als erwartet, nur 8 bis 10 Knoten. Dafür hat es aber ordentlich Welle, Kabbelwelle etwas einen halben Meter hoch. Und die bremst immer wieder das Boot aus. Wenn es etwas besser läuft, auf Steuerbordbug, dann mache ich 5 Knoten. Wenn es schlechter läuft geht die Geschwindigkeit runter auf 3 Knoten. Die Niederländer haben inzwischen auch abgelegt. Ihr wesentlich größeres Boot kommt wohl mit den Bedingungen besser klar – laut AIS machen sie 5 Knoten Fahrt und laufen mehr Höhe.

Von hinten, also aus dem Norden, kommen mehrere Segelboote unter Motor. Niemand der segelt. Die Niederländer ziehen bald an mir vorbei wie die anderen Segelboote unter Motor. Der Wind fällt zeitweise jetzt auf 5 bis 6 Knoten. Nach 2 1/2 Stunden gebe ich auf und werfe den Motor an. Es frustriert etwas weil auch unter Motor nur etwa 4 Knoten Fahrt drin sind und die Welle mich langsam nervt. Aber wenigstens bin ich jetzt auf dem direkten Weg.

Die Abkürzung geht direkt durch die Schären

Auf dem AIS sehe ich anhand des Kurses den der Niederländer macht, dass er wohl inzwischen auch den Motor angeworfen hat. Ich mache mir schon Gedanken über die Abkürzung durch die vorgelagerten Schären. Die meisten die ich auf dem AIS sehe fahren außen herum und nehmen die einfache Variante durch die Schären nach Karlskrona. Aber ich bin schon im letzten Jahr diese Abkürzung gefahren und die ging eigentlich gut zu segeln. Man hat zwei Abschnitte, an denen man sich genau an das Fahrwasser halten muss. Links und rechts davon wird es gleich flach. Aber ich möchte so bald als möglich raus aus diesem Mist.

Die Welle vor der Einfahrt in die Schären ist erträglich. Das Großsegel hatte ich stehen gelassen und jetzt kann ich auch langsam auf Halbwind segeln denn gleich nach der ersten Insel ist die Welle komplett weg. Den Motor lasse ich sicherheitshalber ausgekuppelt mitlaufen denn falls der Wind in einer der Engstellen plötzlich drehen sollte, muss ich schnell reagieren. Aber es geht bis kurz vor Karlskrona auch nur mit Großsegel ganz passabel zu segeln.

Vor Karlskrona – zum letzten Mal unter der Brücke durch

Nach 8 Stunden habe ich schließlich festgemacht. Ein anderer deutscher Segler half mir beim Anlegen. Wir unterhalten uns kurz. Sie müssen wohl Richtung Westen. Er meint, dass die Welle auch noch am Montag stehen wird und Christiansø aufgrund dessen eher nicht machbar ist. Ich bin unsicher was ich machen soll. Aber warten ist kaum eine Alternative. Am Dienstag soll der Wind schwächer werden und schwacher Wind und Welle bringen mich auch nicht voran. Es sind gut 50 sm nach Christiansø – d.h. bei einem Schnitt von 4,5 Knoten benötige ich 11 Stunden. Noch habe ich einen Tag Zeit zu entscheiden wie es weitergeht…

Ein Tag Pause in Lickershamn

Sonntag, 02. August 2026

Ich mache einen Tag Pause in Lickershamn. Zum einen möchte ich etwas laufen (hier findet sich der bekannte Rauken „Jungfrun“) und ich muss mal wieder ein paar Dinge in Schuss bringen – unter anderem mich selbst. Also geht es erst einmal unter die Dusche, rasieren, dann Geschirr spülen, Die LifPo Batterien laden und mal nach dem Motor schauen. Der Motor benötigt etwas Öl und ich habe seit kurzem etwas Wasser unter dem Motor – da rätsle ich gerade noch woher das kommt. Es scheint vom Impeller zu kommen und ich überlege bei der Gelegenheit einmal den Impeller zu wechseln, Ersatz habe ich dabei.

Die Rauken auf Gotland

Eine Besonderheit auf Gotland sind die Rauken (schwedisch Raukar). Es sind Zeugnisse einer Zeit die vor etwa 543 Millionen Jahren begann. Damals befand sich der Kontinent Baltica, auf dem auch Gotland lag, noch auf der Südhalbkugel. und schob sich langsam nach Norden. Das wechselnde Klima der unterschiedlichen Breitengrad lässt sich noch heute in den Sedimenten nachweisen. Die Rauken sind die Reste eines Korallenriffs und wurden durch die letzte Eiszeit geformt. In den Rauken und an den Stränden findet man viele Fossilien, die sehr gut erhalten sind.

„Jungfrun“ bei Lickershamn ist mit 27 Metern der höchste Rauk. Vom Hafen sind es nur 700 Meter bis dort hin. Ein weiteres Gebiet mit sehr schönen Rauken soll sich im Norden auf der Insel Fårö befinden. Aber auch auf Öland in der Gegend von Byrum gibt es etwa 120 Rauken.

So wir hier zeigt sich ein Großteil der Küste Gotlands
„Jungfrun“ vom Ufer betrachtet

Planen – nicht so einfach…

Und dann versuche ich meinen Weg zurück zum schwedischen Festland zu planen und das ist nicht einfach. Meine ursprüngliche Idee war/ist über zwei oder drei Etappen Richtung Süden zu kommen, weiter an Gotlands Küste. Dann über einen Zwischenstopp auf der kleinen Insel Stora Karlsö nach Öland zu kommen. Das wäre noch einmal sehr speziell weil auf Stora Karlsö nur eine beschränkte Anzahl Personen über Nacht bleiben darf. Man muss sich vorab anmelden und das Einverständnis einholen. Das Problem: für die kommende Woche ist Wind aus Süd oder Südwest vorhergesagt. Sobald man hier aus dem Hafen raus geht, ist man auf der offenen Ostsee. D.h. nicht nur Wind sondern auch noch Welle gegenan.

Zuerst möchte ich morgen nach Visby kommen. Das sollte ich mit drei bis vier Wenden schaffen (am Ende waren es sechs). Dann ein Tag Pause damit ich mir am Dienstagnachmittag Visby ansehen kann. Mittwoch soll der Wind direkt aus Süd kommen, wieder mit 10 bis 15 Knoten. Eigentlich ideal, um direkt nach Öland zu segeln. Wenn ich etwas früher aufhöre zu arbeiten und kurz nach 12 Uhr weg komme, sollte ich gegen Abend in Nabbelund auf Öland sein. Mal sehen – noch habe ich zwei Tage Zeit mich zu entscheiden.

Keine Alternative – auf nach Visby

Montag, 03. August 2026

O.k. das Ei habe ich mir mit der Entscheidung „Gotland“ selbst gelegt. Ich muss jetzt von hier, Lickershamn, nach Süden. Und die Möglichkeiten auf Gotland sind nicht so üppig. Der nächste Hafen südlich ist Visby. Aber Visby wollte ich mir sowieso ansehen denn Visby war früher einmal eine Hansestadt, das macht sie besonders interessant.

Jetzt die Wetter- und Windaussichten: Der Wind bleibt bis Donnerstag auf Süd bzw. Südsüdwest. Für Mittwoch sind Gewitter und Regen angekündigt. Ich kann es drehen und wenden wie ich möchte – aber ich muss gegenan nach Visby.

Aber zuerst gibt es zu Mittag Lunch – hatte ich ja schon lange nicht mehr. Auf dem Rückweg zum Boot mache ich an einer kleinen Fischerhütte Halt. Hier gibt es wohl geräucherten Fisch zu kaufen – da kann ich nicht daran vorbei gehen. Von weitem sehe ich mein Boot im Hafen und eine Person vor meinem Boot stehen. Also Hafengebühr habe ich bezahlt und die Banderole am Bug befestigt.

Ich gehe in die Fischerhütte und sehe das es neben geräuchertem Fisch auch geräucherte Garnelen und sogar Aiolo gibt – lecker. Während die Garnelen in die Tüte wandern und ich bezahlen möchte klopft mir jemand auf die Schulter – „Hej Thomas“. Ich drehe mich um und Elis steht neben mir – der Schwede, dem ich in Hudiksvall mit seinem Motor geholfen hatte. Wir waren die Tage per Mail in Kontakt. Leider hatte er am Sonntag keine Zeit da er sich um seine pflegebedürftige Mutter kümmern musste.

Wir schnacken ein wenig über unsere Erlebnisse der letzten Wochen, er wollte sein Boot ja nach Gotland bringen. Seine Überführung war abenteuerlich mit Hubschrauberrettung aber sein Boot ist jetzt in seinem Heimathafen.

Ich erzähle ihm von meiner Planung und das ich Visby ansehen möchte, Mittwoch schlechtes Wetter ist und daher 2 Nächte in Visby plane und schlage vor, dass er mir morgen etwas Visby zeigt. Zudem ist in Visby gerade Mittelalterwoche. Das wird sicher interessant.

Entlang der Westküste Gotlands sieht man häufig diese Klippen

Also ablegen und gegenan segeln. Wenigstens ist der Wind heute moderat – 10 bis 15 Knoten. Aber es hat dann draußen ordentlich Welle. Einmal habe ich das Gefühl in einer Achterbahn zu sitzen als das Boot plötzlich 1,5 Meter ins Tal fällt. Es ist heute und hier eine etwas andere Welle als ich sie bisher kennengelernt hatte.

Kurz vor Visby muss ich einige Male auf die Fähren achten die hier an- und ablegen. 1 sm vor Visby hole ich dann die Segel herunter. In der Hafeneinfahrt kommt mir ein Schlauchboot entgegen. Er führt mich zu einem Liegeplatz und übernimmt den Bojenhaken. Das ist ja fast wie im Mittelmeer. Aus 15 sm Luftlinie wurden dann 25 sm. Aber das hatte ich erwartet. Nun freue ich mich auf den Nachmittag morgen.

Visby in Sicht
Viel Fährverkehr vor Visby
Festgemacht in Visby – ganz schön voll hier

Ein Nachmittag mit Elis – Visby

Dienstag, 04. August 2026

Am Nachmittag treffe ich mich dann mit Elis am Hafen. Bevor es los geht gehen wir zum Lunch – eine Stärkung muss sein. Elis zeigt mir einige besonders schöne Plätze von Visby und wir machen noch einen schnellen Durchlauf durch das Gotland-Museum. Interessant sind unter anderem die vielen Zeugnisse aus der Zeit der Wikinger. Gotland war wohl schon immer eine Insel, die auf vielen Handelsrouten lag (was heute natürlich keine Bedeutung mehr hat). So wurden aus späteren Epochen hier zahlreiche Münzen aus unterschiedlichen Regionen gefunden, bis in den Orient reichend. Elis sagt mir, dass die Landwirte immer wieder irgendwelche Steine als Zeugnisse aus der Vergangenheit zu Tage fördern.

Die Blütezeit Visbys begann im 12. Jhd. als die Stadt besondere Handelsrechte erhielt. Besonders stark vertreten waren hier auch Deutsche was Anfangs zu einigen Konflikten um Handelsrechte führte. Interessant ist auch die Mauer, die um den alten Hafen gebaut wurde. Sie wurde nicht etwas zur Verteidigung gebaut sondern vielmehr zur Kontrolle des Hafens und des Marktes durch die Gotländer. Besonders intensiv war in dieser Zeit auch die Verbindung zur Stadt Lübeck weshalb Visby insbesondere zu Beginn der Hanse die wichtigste Hansestadt war.

Der alte Hafen ist heute ein botanischer Garten und auch der ist speziell denn es finden sich hier Pflanzen, die sich sonst nur weit südlicher finden wie Maulbeere oder Walnuss. Das liegt am besonderen Klima aufgrund der Lage mitten in der Ostsee.

Der alte Hafen ist heute ein botanischer Garten

In der Tourist-Information besorgte ich mir dann noch einen Flyer der einige Drehorte der deutsch-schwedischen Serie „Pippi Langstrumpf“ markiert. Es sind besonders schöne Gassen und ich muss einmal schauen, ob ich die eine oder andere Serie noch im Internet finde um diese Orte zu identifizieren.

Pippi Langstrumpf Drehort

Visby ist bekannt als eine der besterhaltenen Hansestädte und wurde auch aufgrund dessen bereits 1995 Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Was mir Elis auch erzählte: der größte Teil der Häuser der Altstadt gehören einer Person. Auf ARTE hatte ich vor einiger Zeit eine Doku gesehen (Schweden: Vom Vorzeigestaat zum Reichenparadies), die sich mit dem Finanzsystem und der sozialen Ungerechtigkeit Schwedens befasste. Ja, da staunt der eine oder andere. Das Problem in Schweden ist, dass etwas mehr als 540 Menschen einen Großteil des Vermögens halten. In der ungerechten Verteilung des Vermögens dringt Schweden in Kategorien wie Saudi Arabien, Russland, Katar und andere Länder vor.

Gotlands Symbol, den Widder, findet man zahlreich als Steinskulpturen

Aber zurück zu Visby: Visby ist eine tolle und sehenswerte Stadt und man sollte hier mehrere Tage Zeit haben. Ich weiß, dass einige den Hafen Visby meiden weil er zu laut wäre. Das kann ich nicht bestätigen. Aber: Es ist jetzt Anfang August und damit neigt sich die Saison schon wieder dem Ende zu. Der Hafen ist nur zur Hälfte belegt. Öregrund und Örnsköldvik waren deutlich lauter. Und da komme ich wieder zurück auf etwas, was ich früher schon einmal geschrieben habe: Manchmal muss man azyklisch unterwegs sein – also zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Da Elis jetzt auch den Link zu meinem Blog hat (aber nicht nur deshalb) möchte ich mich bei Elis noch einmal für diese Stadtführung im Schnelldurchlauf bedanken. Diese Erinnerung der Begegnung mit anderen Menschen werde ich im Herzen behalten.

Das hätte ich nicht gedacht – ich habe zu viel Zeit

Mittwoch, 05. August 2026

Ich bleibe weiter in Visby denn für heute sagen Windy und andere Vorhersagen Regen und Gewitter an. Das brauche ich nicht. Morgen, Donnerstag, soll das Wetter wieder stabil sein.

Meine ursprüngliche Idee war, sich an der Westküste Gotlands Richtung Süden entlang zu hangeln um dann auf die kleine Insel Stora Karlsö zu kommen. Das wäre noch besonders interessant denn man muss sich hier anmelden da nur eine bestimmte Anzahl Personen auf der Insel übernachten darf. Stora Karlsö ist ein Natur Reservat. Von Stora Karlsö dann nach Öland. Dann weiter an Ölands Westküste oder rüber ans Festland. Die längste Etappe wäre dann von Stora Karlsö nach Nabbelund mit etwa 28 sm (bei idealem Wind).

Die Windvorhersage macht es mir aber etwas schwierig, auch morgen bläst der Wind aus Süd. Aber: Ich habe jetzt festgestellt, dass ich viel Zeit übrig habe – etwa 10 Tage. Das bedeutet ich kann etwas langsamer machen und auf besseren Wind warten. Freitag dreht der Wind auf West – da werde ich Klintehamn ansteuern.

Ich gehe am Nachmittag noch etwas in die Stadt und nehme etwas von der Mittelalterwoche mit. Die Schweden zeigen am Nachmittag ihre Oldtimer am Hafen und später kommen die Piraten bewaffnet mit Wasserspritzpistolen in den Hafen. Freikaufen kann man sich mit alkoholischen Getränken.

Medeltidsveckan (Mittelalterwoche) in Visby ist eines der größten Festivals dieser Art in Europa. Es kommen auch viele Deutsche, Dänen und andere Nationen um daran teilzunehmen.

Am Nachmittag kommen die Piraten in den Hafen. Freikaufen kann man sich mit alkoholischen Getränken

Immer noch in Visby

Donnerstag, 06. August 2026

Aus den gestern genannten Gründen bin ich in Visby geblieben und ich denke es war eine gute Entscheidung. Im Hafen hat es bis zu 20 Knoten Wind (gemessen wurden bis 24 Knoten) und draußen sehe ich durchgehend Schaumkronen auf dem Wasser – sicher 5 bis 6 Bft. Dies gegenan segeln wäre kein Spaß gewesen. Zudem der Wind kommende Nacht auf West drehen und dann gegen Nachmittag stark nachlassen soll. Also kann es morgen weitergehen.

Ich arbeite ein paar Stunden herein die ich vielleicht brauchen kann, wenn ich die größeren Schläge nach Bornholm und Sassnitz machen muss. Dann gehe ich noch etwas einkaufen und schaue nach einem Friseur. Vor dem Friseur warten schon einige worauf ich aber keine Lust habe. Ansonsten schaue ich in Kalmar nach einem Friseur.

Mit Anstrengung nach Djupvik

Freitag, 07. August 2026

Laut Windvorhersage soll der Wind gegen Mittag nachlassen und auf West drehen. Das ist auch meine Hoffnung, um hier weg zu kommen. Den Hafen sollte ich gegen 12 Uhr verlassen – kurz nach Mittag gehen sie die Liegeplätze durch und prüfen wer bezahlt hat. Da der nachlassende Wind sich Zeit lässt und gegen Mittag eine Fähre hinein fährt gehe ich zur Rezeption und kündige an, dass ich gegen 13 Uhr den Platz verlassen werde. Der Hafen ist sowieso nur noch zur Hälfte gefüllt – Platzmangel gibt es keinen.

Gegen 13 Uhr mache ich die Leinen los und steuere die Hafeneinfahrt an. Wind und Welle sind gegen mich und mit fast Vollgas kämpfe ich mich mit 2,5 Knoten aus dem Hafen – gerade noch so. Dann ziehe ich das Großsegel mit dem ersten Reff hoch und falle erst einmal auf den Holebug ab. Die Welle bleibt weiter ordentlich bei etwa einem Meter. Nachdem die Fock ausgerollt ist geht es auch mit etwas Tempo voran. Der Wind ist wesentlich stärker als erwartet, etwa 15 Knoten, und er kommt auch mehr aus Südwest als auch West. Mein Ziel war Klintehamn, etwa 15 sm auf direktem Weg. Aber ich rechne eher mit 20 bis 25 gesegelten Seemeilen da ich das erste Stück Richtung Südwest und damit gegenan kreuzen muss.

Die Küste Gotlands mit ihren steilen Klippen sieht faszinierend aus

Die Welle ist heute heftig – liegt sicher auch an dem starken Wind aus Süd am Vortag. Ich versuche einen Kompromiss zu finden zwischen hoch am Wind und Geschwindigkeit. Bei der Welle lässt sich der Kurs nicht exakt halten weshalb es keinen Sinn macht, „auf Kante“ zu segeln. Die nächste Fähre kündigt sich auf dem Plotter an und ich mache eine Wende auch um Stress zu vermeiden. Die Küste habe ich immer im Blick und sieht traumhaft aus. Steile Klippen, teilweise überhängend. Da würde ich jetzt gerne ganz nah mit raumen Wind von hinten entlang segeln. Aber die Wirklichkeit holt mich ein mit der nächsten Welle die über die Sprayhood kommt. Überraschenderweise komme ich mit drei Wenden aus. Nach dem westlichsten Eck habe ich den Kurs Richtung Süd und muss jetzt nicht mehr so hoch am Wind segeln.

Viel Lage, viel Welle, Deck ist nass
Lilla Karlsö kommt immer näher

Auf dem Plotter sehe ich einen Frachter der wohl Klintehamn ansteuert. Ein Pilot fährt heraus um ihn abzuholen. Ich schaue noch einmal im Hamnguiden nach Alternativen denn zum einen sieht Klintehamn nicht wirklich schön aus und zum anderen habe ich etwas Sorge diesen Hafen bei Südwest anzusteuern. Etwas südlich von Klintehamn finde ich Djupvik. Ein sehr kleiner Hafen, aber mit Hafenmauer. Er scheint mir etwas besser anzusteuern zu sein bei der Situation mit Wind und Welle. Aber einfach ist hier und heute überhaupt nichts.

Mehr und mehr sehe ich die beiden vorgelagerten Inseln Lilla Karlsö und Stora Karlsö. Ich zweifle inzwischen an meinem ursprünglichen Plan Stora Karlsö am Samstag anzusteuern. Der Wind soll in der Stärke, um die 20 Knoten, am Samstag bleiben. Und er bleibt auf Südwest bis West – da bietet die Insel nur wenig Schutz. Stora Karlsö ist kein richtiger Hafen, nur ein Schiffsanleger.

1 sm vor Djupvik berge ich die Segel und steuere unter Motor die Hafeneinfahrt an. Nicht einfach, die Einfahrt ist kaum zu erkennen. Wind und Welle lassen in Richtung Hafeneinfahrt nur wenig nach. Das Hafenbecken ist klein. Sollte es nicht gehen, drehe ich ab. Die Alternative wäre Burgsvik, noch etwa 20 sm Richtung Süden. Das wäre dann aber knapp mit dem Tageslicht. Ich sehe zwei Masten von Segelbooten. Meine Hoffnung ist, sich gegebenenfalls an einem anderen Boot „anlehnen“ zu können. Denn Anlegen bei dem Wind mit Heckboje ist kein Spaß.

Die Einfahrt geht gut und es ist auch etwas windgeschützt im Hafenbecken. Doch mit Anlehnen wird das nichts. Es sind zwei kleine Segelboote, wohl keine Gäste, und dazwischen ist keine Boje frei. An der Hafenmauer sind zwei Jugendliche zum Angeln. Ich rufe ihnen zu: „Can you hold my bow?“. Ich muss mit etwas Geschwindigkeit anfahren denn der Wind kommt von der Seite. Die Heckboje ist mit dem Bojenhaken eingefangen ich gehe auf Leerlauf und bremse mit der Leine das Boot. Die beiden Jugendlichen halten meinen Bug – meine Rettung. Ich nehme eine Leine und merke mit welcher Kraft der Wind das Boot zur Seite drückt. Ich kann die Leine erst einmal nur provisorisch festmachen. Erst nachdem ich zwei weitere Leinen gespannt habe, ist das Boot richtig fest. Das war jetzt eines meiner herausfordernden Anlegemanöver.

Auch am Abend bläst es weiter mit bis zu 20 Knoten. Ein ruhiger Liegeplatz sieht anders aus. Aber wenigstens ist das Boot fest und ich habe hier keine Welle. Es ruckelt nur etwas vom Wind. Ich habe Strom, Dusche, Toilette und vor allem Ruhe denn ich bin der einzige Gastlieger hier im Hafen.

Der Wind soll morgen auf West bzw. Südwest mit etwa 20 Knoten bleiben. Gerne hätte ich morgen Stora Karlsö angesteuert, aber das ist mir zu heiß. Sonntag soll der Wind auf Süd drehen. Dann kann ich in einem Rutsch etwa 35 sm auf Halbwind nach Öland segeln.

Abwarten in Djupvik

Samstag, 08. August 2026

Ja, sicher etwas ärgerlich das ich gerade am Samstag nicht weiter komme. Ich habe ja Workation d.h. jetzt Wochenende. Aber es hilft nichts, der Wind kommt genau aus West also die Richtung, in die ich jetzt muss um zurück an das schwedische Festland zu kommen. Morgen soll der Wind auf Süd drehen, also perfekt, um nach Öland zu kommen.

Also schaue ich mir etwas die Umgebung an und lade verschiedene Batterien und Geräte.

In der Nähe des Hafens gibt es ein Grab in der Form eines Schiffes vermutlich aus der späten Bronzezeit. Auf Gotland finden sich 350 solcher Gräber.

Grab in der Form eines Schiffes
Die ursprünglichen Fischerhütten hatten keine Fenster und dienten dazu die Ausrüstung unterzubringen
Wassertemperatur 19 Grad

Mein Fazit zu Gotland

Also mache ich etwas bla bla und gebe mein Fazit zu Gotland zum Besten. Gotland ist vollkommen anders als der Rest Schwedens. Es ist wirklich ein krasser Unterschied. Der größte Teil Gotlands ist Steilküste, das sieht vom Wasser faszinierend aus. Der Nachteil: Es hat weitaus weniger Häfen oder Möglichkeiten festzumachen. So gut wie keine Buchten in denen man unter Anker Schutz suchen könnte. Ist nicht. Gotland ist mitten in der Ostsee d.h. man ist Wind und Wetter sofort ausgesetzt. Ich weiß, jeder Nordsee-Segler wird müde lächeln über das was ich beschreibe. Ich habe einen großen Teil der Westküste gesehen und bin fasziniert. Ich bin froh, dass ich diesen Schlag gemacht habe auch wenn er mit Anstrengung und ungewollten Hafentagen verbunden war. Visby war ein echtes Erlebnis. Von den Städten, die ich im letzten und diesem Jahr gesehen habe, mit die schönste Stadt Schwedens. Stockholm möchte ich nicht mit Visby vergleichen. Aber alle anderen Städte an der Ostküste, die ich gesehen habe, können bei weitem nicht mit Visby mithalten.

So, nun hoffe ich auf guten Wind morgen und das ich gut nach Öland komme.

Gegen den Wind nach Stockholm

Sonntag, 26. Juli 2026

Früh am Morgen um 7 Uhr klingelt der Wecker. Eigentlich hätte er nicht klingeln müssen denn ich war sowieso schon wach da die Blase drückte. Nach zwei Kaffee, auf das Frühstück habe ich heute verzichtet, bereite ich mich auf das Ablegen vor. Der Hafen von Linanäs ist echt kacke. Ich hatte es am Ende meines letzten Blogs schon geschrieben: Aus der Karte hatte ich gedacht das er besser gegen Südwest geschützt ist als er es tatsächlich ist. Der Wind bläst schon wieder mit bis zu 17 Knoten hinein. Und da muss ich Andreas, dem deutschen Segler aus Kiel den ich unterwegs kennengelernt habe, etwas Recht geben – die meisten „Häfen“ an der schwedischen Ostküste sind wenig oder überhaupt nicht durch zusätzliche Bebauung, wie z.B. Hafenmauer, geschützt. Man muss die Häfen immer nach dem natürlichen Schutz (Landschaft) aussuchen. Meistens werden ein paar Schwimmstege aus Beton ins Wasser geworfen, Heckbojen ausgebracht, Strom und Wasser verlegt und das ist dann ein „Hafen“.

Bei Linanäs kam dazu, dass es nur eine, ich wiederhole: eine(!), Toilette gab, keine Dusche oder sonstige Infrastruktur. Und dafür musste ich von 19 Uhr bis 12 Uhr am nächsten Tag 34 Euro bezahlen (mit Strom). Ich hatte zwar schon etwa um 16. 30 Uhr angelegt, aber das hatte ich jetzt wirklich nicht akzeptiert, dafür ein Tagesticket für über 40 Euro zu lösen.

Auf diesem Foto sieht man sehr gut den Finnen, der mit seinem Hinterteil viel zu weit in die Boxengasse geht. Da blieben gerade noch einmal knapp 3 Meter

Zurück zum Morgen, weshalb mich das mit dem Wind so beschäftigte. Die Gästeplätze befinden sich auf der Innenseite des äußeren Schwimmstegs. Die Boxengasse ist nicht sonderlich breit. Zwei Plätze weiter lag ein Finne dessen Boot eigentlich viel zu lang war um hier innen zu liegen – etwas 32 Fuß. Jeder vernünftige Hafenmeister hätte ihn auf die Außenseite zum längsseits anlegen verwiesen. Aber einen Hafenmeister gibt es hier nicht. Dadurch war die enge Boxengasse noch enger. Schon beim Anlegen am Tag zuvor hatte es mein Boot bei dem Wind vertrieben und ich hing am Heckanker des Finnen. Im zweiten Versuch mit viel Gas, zwei Personen am Steg die meinen Bug aufgefangen haben, hatte ich es in die Box geschafft.

Mir graute es schon. Egal. Ich hatte alle Leinen bis auf eine am Heck gelöst und wartete auf einen Moment in dem der Wind zumindest etwas abflaute. Dann mit relativ viel Gas rückwärts raus aus der Box in der Hoffnung, dass sich Miss Sophie ausreichend dreht. In einer „normalen“ Boxengasse hätte es auch gereicht. Weiter zurück konnte ich nicht denn schon war ich auf der anderen Seite der Box wo mich eine Reihe von Außenbordern bzw. deren aus dem Wasser gehobenen Schrauben anlächelten. Also Vorwärtsgang, wieder mit relativ viel Gas. Der Vorteil der Dehler 28 ist, dass sie, wenn sie fährt, fasst auf der Stelle gedreht werden kann. Gerade so schaffte ich es an dem Finnen vorbei um gleich wieder Gegenruder zu geben um nicht mit dem Bug die Reihe der Außenborder zu touchieren. Schexxxx. Solche Manöver mag ich überhaupt nicht.

Dann ging es erst einmal zur Tankstelle die, dem Herrn sei es gedankt, im vollkommen windstillen Bereich liegt. Nachdem der Tank gefüllt war konnte es losgehen.

Hauptsache weg – den Ort habe ich nicht in guter Erinnerung

Wie gesagt kam der Wind wie am Vortag aus Südwest. Etwas schwächer als am Vortag, mit etwa 10 bis 15 Knoten. Aber eben wieder genau auf die Nase. Darauf, dass es eine reine Motorfahrt werden würde, hatte ich mich schon eingestellt. Die großen Fähren oder Kreuzfahrtschiffe hatten schon am Morgen abgelegt. Da ich zuerst zwischen den Schären in keinem oder Nebenfahrwasser unterwegs war, sah ich diese nur vorbei ziehen und ich musste mich nicht mit diesen beschäftigten.

Doch auch in den Nebenfahrwassern sah ich mich bald mit den Personentransporten konfrontiert. Diese sind mit 15 bis 20 Knoten unterwegs und kennen keine Vorfahrts- oder Verhaltensregeln – nur Wegerecht (welches sie wohl alleine haben). Als kleine Ameise in einem großen Teich versuche ich sowieso allem aus dem Weg zu gehen und versuche mich so weit als möglich am Rand oder außerhalb des Fahrwassers zu bewegen.

Unter britischer Flagge kam mir dieser Segler entgegen

Dazu kommen mit voran Schreiten des Tages zahlreiche Wassersportler – also Segel- und Motorboote. Bei den Motorbooten fällt mir auf, dass diese ebenso wenig Rücksicht auf (kleine) Segelboote nehmen. Mit Vollgas wird im Abstand von 20 Metern vorbei gebrettert. Meine Nussschale wird einige Male in den Wellen ziemlich durchgeschaukelt. Aber egal – ich komme nach Stockholm.

Die Personentransporter sind hier mit 15 bis 20 Knoten unterwegs
Bausünde oder nicht?

Zum Schluss kommt der Wasa Gasthamn schneller als gedacht und ich schaffe es gerade noch die Fender auszubringen. Ich bin ganz froh, dass ich meinen Platz über Dockspot im Voraus reserviert und gebucht habe. So weiß ich genau wo ich hin muss. Anlegen mit Heckboje. Der Wind kommt dann beim Anlegen genau von hinten, das ist am einfachsten. Zudem links und rechts die Plätze bereits belegt sind und etwa 3,5 Meter dazwischen Platz ist – ideal. Am Steg steht bereits ein anderer Segler der meinen Bug auffängt. Perfekt. Noch etwas aufräumen, Landstrom anschließen, Leinen sortieren und dann geht es los in die Altstadt. Ich habe ja „nur“ den Nachmittag heute und den Nachmittag morgen. Die Tatsache, dass ich in Stockholm bin, ändert nichts daran das ich arbeiten muss.

Wie gesagt ist mein Ziel die Alstadt. Gamla Stan, wo sich auch der Palast der Königsfamilie befindet, fand ich schon im letzten Jahr sehr reizvoll. Letztes Jahr hatte ich mich mit meiner Tochter und ihrem Freund hier getroffen und wir hatten einen Schnelldurchgang durch Stockholm gemacht. Gamla Stan, Wasa Museum, einen Fotospot den meine Tochter wollte, Wachablösung am Palast und Östermalms Saluhall – das war wirklich Fast-Sightseeing. Jetzt nehme ich mir einen ganzen Nachmittag Zeit, Gamla Stan zu erkunden. Schlendere durch die Gassen und schaue mir die Geschäfte an. An einer Statue die den heiligen Georg als Drachentötet darstellt komme ich (Raucher) mit einem Italiener ins Gespräch. Er und seine Frau sind im Urlaub hier. Und witzig (meine Frau meinte ich komme im Gespräch immer auf das Segeln), wie sich herausstellte ist er auch Segler. Er hat eine Beneteau First 210 am Lago Maggiore.

Links hinten der italienische Tourist mit dem ich ins Gespräch kam
Die Altstadt
Wache am Königspalast
Sicher nicht vergleichbar – aber Stockholm ist ähnlich wie Venedig am Wasser gebaut

Bei der Gelegenheit: Ich muss das mal in irgendeinem Blog unterbringen – ich wurde u.a. per Mail darauf angesprochen, weshalb ich diese Reise alleine mache. Um eines Vorweg zu nehmen: Wäre ich hier mit meiner Frau oder einem Bekannten unterwegs, wäre ich mit hoher Wahrscheinlichkeit mit diesem italienischen Ehepaar nicht ins Gespräch gekommen. Ohje, ich merke – viel Text.

Skansen Freilichtmuseum

Montag, 27. Juli 2026

Da ich im Hafen der Museumsinsel liege, bietet es sich an das Skansen Freilichtmuseum zu besuchen. Wir haben auch so etwas ähnliches am Bodensee, allerdings kleiner und nur mit Häusern aus der Region.

Skansen ist das älteste Freilichtmuseum der Welt und wurde 1891 von dem Sprachwissenschaftler, Lehrer und Volkskundler Artur Hazelius gegründet. Hier wurden Gebäude, Pflanzen und Tiere aus ganz Schweden zusammengetragen, um zu zeigen, wie die Menschen in verschiedenen Teilen des Landes lebten und arbeiteten.

Einige Häuser sind geöffnet und Personal beantwortet Fragen (falls man welche hat). Kombiniert ist das Freilichtmuseum mit einem kleinen Tierpark – so bekomme ich doch noch die Gelegenheit Seehunde aus nächster Nähe zu sehen. Ebenfalls sehr schön ist das Baltic Sea Science Center mit großen Aquarien in denen sich die typischen Fische der Ostsee finden.

Ebenfalls interessant fand ich die Information, dass die Ostsee ein Brackwasser ist und, dass die Ostsee das Problem Sauerstoffmangel hat welches vor allem durch Überdüngung und Klimawandel forciert wird. Ich hatte es unterwegs schon registriert, dass hier früher wesentlich mehr Fisch gefangen wurde als heute. Sicher, Überfischung spielt auch eine Rolle. Dabei sehe ich Parallelen zum Bodensee. Auch der Bodensee war kurz davor umzukippen. Dann wurde in den 70er/80er Jahren der Bau von Kläranlagen forciert und das Düngen in der Nähe es Bodensees eingeschränkt. Seitdem ist der Bodensee wesentlich sauberer und Fischer beschweren sich darüber weil sie meinen, dass die Fische durch das saubere Wasser nichts mehr zu fressen hätten. Paradoxe Welt…

Jedenfalls kann ich jedem der etwas mehr Zeit in Stockholm hat, das Skansen Freilichtmuseum sehr empfehlen. Einzig was ich etwas schade fand, dass nicht so viele Häuser geöffnet waren und innen nicht besichtigt werden konnten.

Ein Haus welches mit umfangreichen Wandmalereien verziert ist
Seehunde aus nächster Nähe
Auch in Schweden gibt es Reetdächer
Aquarien im Baltic Sea Science Center

Nun muss ich morgen Vormittag noch arbeiten und dann geht meine Reise Richtung Süden bzw. Südwesten weiter. Morgen soll der Wind aus West kommen – das ist vielversprechend. Ab Mittwoch bis Freitag soll der Wind auf Südwest drehen, d.h. es wird schwierig.

Weiter Richtung Südwesten – Ornö – Kolnäsviken

Dienstag, 28. Juli 2026

Laut Dockspot, der App über die ich den Liegeplatz in Stockholm gebucht hatte, muss ich bis 12 Uhr den Liegeplatz verlassen. Normal arbeite ich bis etwa 13 Uhr – heute mache ich dann aber früher Schluss weil es sein kann, dass ein anderes Boot den Platz ab 12 Uhr gebucht hat. Unter Stress möchte ich nicht ablegen. Also lege ich gegen 11:45 Uhr ab und setze sobald als möglich schon einmal das Großsegel. Der Wind kommt wie vorhergesagt aus westlicher Richtung. Ab und an dreht er etwas Richtung Nordwest was mich aber nicht stört denn zuerst geht es Richtung Osten. Da ich hier fast auf einem Vorwindkurs unterwegs bin verzichte ich zuerst auf das Focksegel. Im Hauptfahrwasser, in dem ich zuerst unterwegs bin, ist wieder viel Verkehr. Ich halte mich möglichst außerhalb am Rand aber selbst da muss ich auf die zahlreichen Schiffe für den Personentransport achten.

Blick zurück auf den Wasahamn

Ich bin dann froh, als ich in das Nebenfahrwasser Richtung Süden abbiegen kann. Allerdings wird es hier teilweise auch sehr eng insbesondere im Zusammenhang mit dem Verkehr der vielen Freizeitboote. Ein kurzes Stück, in dem es sehr eng wird, muss ich den Motor anwerfen. Die Geschwindigkeit ist hier auf 5 Knoten begrenzt und auch die Motorboote können jetzt nicht überholen. So fahre ich mit einigen Segel- und Motorboote diese Engstelle im Gänsemarsch mit 4,5 bis 5 Knoten, meinem Vordermann hinterher.

Nachdem das enge Fahrwasser zu Ende und der neue Kurs Südost ist, wird die Fock ausgerollt und es geht sehr schön ohne Welle mit 10 bis 15 Knoten Wind mit etwa 6 Knoten bei Halbwind dahin. Wieder einmal ein richtig schöner Segeltag. Ich muss dann noch einige Male zwischen kleineren und größeren Schären hindurch, aber unter den Bedingungen macht das richtig Spaß. Das einzige, was manchmal nervt, sind die Motorbootfahrer. Nicht einmal wegen dem Vorbeifahren, das kenne ich vom Bodensee und inzwischen auch aus Schweden. Nein, manchmal stehen sie mitten im Fahrwasser dumm herum, fahren etwas links, etwas rechts ohne klaren Kurs und offensichtlich ohne zu wissen wohin sie wollen. Das strengt an…

Vor der Insel Ornö muss ich dann anluven. Laut der Navi-App Orca sollte es am Wind reichen. Doch inzwischen kommt der Wind wieder aus West, zeitweise sogar etwas leicht südwestlich. Damit schaffe ich nicht die Höhe. Ich segle so nah als möglich ans Ufer um dann gleich eine Wende zu machen. Das gleiche Spiel wieder nach etwa 500 Metern. Nach einigen Wenden entschließe ich mich die Segel zu bergen – es ist nur noch 1/2 Stunde unter Motor bis in die Bucht Kolnäsviken. Auf dem Plotter hatte ich schon zwei Boote in der Bucht gesehen, von draußen sehe ich jetzt, dass es einige mehr sind. Egal, mal schauen ob es noch einen Platz gibt, ansonsten habe ich ein Ausweichziel. Langsam fahre ich in die Bucht in der bereits etwa 20 Boote liegen. Teils vor Anker und teils an der Schäre festgemacht. Hinter mir kommt ein weiteres Segelboot. Eigentlich hätte ich gerne in Ruhe ein oder zwei Runden gedreht.

Ich fahre tief in die Bucht und sehe eine große Bavaria (36?) festgemacht an der Schäre. Ein Stück weiter ein weiteres größeres Segelboot. Eigentlich sieht das Ufer überhaupt nicht so aus, das man meinen könnte hier mit dem Bug an Land festmachen zu können. Bäume und Waldboden reichen bis ans Ufer – kein Fels. Aber wenn die das können, sollte ich das mit meinen 1,40 Meter Tiefgang auch können. Ich suche mir eine Stelle dazwischen und fahre sie langsam an. Es scheint zu passen. Also Rückwärtsgang rein, Heckanker und eine lange Leine am Bug vorbereitet. Wieder langsam anfahren, Heckanker fällt. Ich gehe nach vorne doch es fehlt ein Meter um trockenen Fußes an Land zu kommen. Heckankerleine weiter lösen, Vorwärtsgang noch einmal rein, wieder nach vorne gehen. Es fehlt immer noch etwas. Ich vermute den Heckanker und ziehe deshalb schnell Schuhe und Socken aus, springe mit der Leine aufs Land und ziehe – aber da geht nichts. Offensichtlich reicht es hier doch nicht. Also wieder aufs Boot, Heckanker wieder hochholen und ein zweiter Versuch ein paar Meter daneben. Diesmal scheint es besser zu passen. Also noch einmal Rückwärtsgang rein, Heckanker wieder fallen lassen und langsam anfahren – es reicht. Eine Leine um einen Baum und eine zweite um einen anderen Baum und schon ist Miss Sophie fest. Sehr schön.

Mit einem Anlegerbier genieße ich noch die Abendsonne bevor sie hinter den Bäumen verschwindet. Was mich erstaunt: Nach Einbruch der Dunkelheit, gegen 22 Uhr ist es vollkommen ruhig. Kein Geschnatter von anderen Booten – nichts. Keine einzige Welle in der Bucht, kein Windhauch – vollkommene Stille. Herrlich.

Festgemacht
Trotz 20 Booten vollkommene Ruhe in der Bucht – geht doch
Ein sehr schöner Schlag heute – 28 sm

Morgen und für die nächsten Tage soll der Wind auf Südwest drehen, das ist genau die Richtung in die ich jetzt muss. Aber das kenne ich bereits. Einfach mal schauen was geht. Ich möchte als nächstes Nynäshamn erreichen, meine Joghurt Vorräte für das morgendliche Müsli und Brötchen sind aufgebraucht. Kaffee ist fast leer. Außerdem brauche ich Tempos und Zewa. Und dann noch etwas Proviant.

Hoch am Wind – Nynäshamn

Mittwoch, 29. Juli 2026

Gut, ich wusste was mich heute erwartet. Aber im Detail zeigt es sich dann erst auf dem Wasser. Anfangs war ich noch zwischen kleineren Schären unterwegs, welche die Welle etwas abbremsten. Das Segeln gegen den Wind ging dann erstaunlich gut. Die Windstärke variierte zwischen 10 und 15 Knoten. Das einzige, was etwas anstrengend war, waren die vielen entgegenkommenden Segler. Da sie aus Süd kamen lagen sie (aus meiner Sicht betrachtet) im Lee – bedeutete, wenn wir auf gleichem Bug segelten, hatten die entgegenkommenden Segler Vorfahrt. So musste ich das eine oder andere Male ausweichen. Aber ich kam gut voran. Mein Ausweichziel musste ich nicht in Anspruch nehmen – Nynäshamn erreichte ich locker gegen 18.30 Uhr.

Entgegenkommende Segler segeln auf Raumwindkurs

Langsam kamen wieder die Erinnerungen vom letzten Jahr hoch. Noch draußen hatte ich eine größere Fähre gesehen und dann erinnerte ich mich wieder daran, dass es hier einen großen Fähranleger gibt. An dem kam ich letztes Jahr vorbei als ich zum Lidl gelaufen bin. Ich sehe bei der Einfahrt noch eine größere Fähre am Terminal liegen und denke mir so „ja, die liegt da wohl“. Da ich hier schon etwas in der Windabdeckung war, bereitete ich alles für das Festmachen vor. Fender raus, Bugleinen vorbereitet, Bojenhaken bereit gemacht. Gerade schaue ich auf und sehe die große Fähre auf mich zukommen. In Windeseile warf ich den Motor an und schaute das ich auf die Seite komme. Dann Großsegel runter und rein in den Hafen. Ganz schön voll hier, war mein erster Gedanke. Ich hatte mir vom Hafenplan die Plätze zur Landseite ausgedacht. Doch beim Hineinfahren sehe ich, dass bei diesen wohl die Heckbojen weiter weg sind da die Plätze offensichtlich für größere Boote gedacht sind. Auch die Heckbojen am Längssteg erscheinen mir relativ weit weg. Ich fahre um den Steg und sehe das es auf der anderen Seite Boxen hat. „Max. 11 Meter“ steht da auf dem Schild. Na damit habe ich kein Problem. Also suche ich mir eine schöne Box. Der Wind kommt genau von hinten und ich muss etwas Rückwärtsschub geben – aber es geht alles gut und locker leicht.

Zum Lidl möchte ich morgen nicht laufen – das war ein ganzes Stück zu gehen. Deshalb schaue ich schon ob ich in der Nähe einen Coop oder ICA finde. In 800 Meter Entfernung werde ich fündig. Das werde ich dann morgen schnell machen und wieder versuchen zeitnah abzulegen. Der Wind soll morgen direkt aus Süd mit Böen bis zu 25 Knoten kommen. Das wird morgen anstrengend werden denn Großteils bin ich ohne dem Schutz der Schären unterwegs.

Festgemacht in Nynäshamn

Besser so als anders – Ringsön

Donnerstag, 30. Juli 2026

Wie gesagt war ich auf starken Wind aus Süd eingestellt. Gegen Mittag erledigt ich noch schnell meine Einkäufe. SMHI hatte die gleiche Vorhersage mit zunehmenden Wind aus Süd am späten Nachmittag bis 27 Knoten (6 Bft). Das ist dann nicht mehr lustig für mich. Deshalb bemühte ich mich so zeitig wie möglich abzulegen. Denn eines bereitete mir etwas Bauchschmerzen: Von Nynäshamn musste ich zuerst genau Richtung Süden und der Wind kam genau aus Süden. Wenn er etwas versetzt, also Südsüdost oder Südsüdwest kommen würde, dann hätte ich wenigstens auf einem Bug einen Vorteil.

Aber der Wind kam genau wie vorhergesagt aus Süden. Aber ich möchte nichts unversucht lassen also setzte ich, sobald das Fahrwasser für das Kreuzen gegen den Wind etwas breiter war, die Segel. Und ich war selbst überrascht wie gut das ging. Da ich noch etwas im Schutz der vorgelagerten Schäre war, waren die Wellen sehr erträglich und ich konnte auf Backbordbug und Steuerbordbug 30 bis 40 Grad Richtung Süden machen. So kam ich mit 6 Wenden aus um dann den neuen Kurs Richtung Westen anzulegen. Jetzt segelte ich fast auf Halbwindkurs. Allerdings hatte ich auch jetzt keinen Schutz durch vorgelagerte Schären. Die Welle nahm zu, wurde langgezogener. So wurde es eine ziemliche Schaukelfahrt die mir dann nur an Engstellen etwas Sorge bereitete denn es war schwierig bei der Welle den Kurs zu halten.

Manchmal etwas eng zwischen zwei Schären

Wieder kamen mir einige Segler entgegen aber heute ohne große Probleme. Mein Ziel war Ringsön (Hummelviksfjärden norra). Ich schaute immer wieder einmal auf dem Plotter um zu sehen, wie viele Segler diese Bucht ansteuern. Die Bucht ist sehr vielfältig. Es hat einige kleinere Buchten mit Möglichkeiten zum Anlegen an der Schäre oder zum Ankern. Andreas, der Segler aus Kiel, hatte in Whatsapp einen Status – „alle Ankerbuchten voll“. Ich hatte schon Alternativen auf der Karte vorab ausgesucht. Einige davon auf dem Weg nach Ringsön. Doch meine Alternativen waren zumeist belegt. Egal, rein in die Bucht und schauen. Ich denke immer: „ich, mit meinen 1,40 Meter Tiefgang muss doch einen Platz finden, den die meisten anderen Segelboote nicht ansteuern können“.

In der von mir ausgedachten Bucht liegen bereits mehr als 20 Segel- und Motorboote. Teils an den Schären und zum Teil vor Anker. Ich fahre langsam Richtung dem Ende der Bucht und sehe einen möglichen Platz an der Schäre zwischen einem Segel- und einem Motorboot. Also langsam mal anfahren. Es sieht gut aus. Das Segelboot ist aus Deutschland und der Skipper geht von Bord um mir beim Anlegen zu helfen. Er macht mich auf eine Leine aufmerksam, die er von seinem Heck Richtung Land gespannt hat. Heckanker fällt, die Stelle ist ideal denn es geht unter Wasser recht steil nach unten. Nachdem ich drei Leinen an Land ausgebracht habe, ist das Boot sicher festgemacht. Was ein schöner Tag.

Achja, der Wind war dann doch nicht so wie vorhergesagt. Auch am späten Nachmittag blieb es bei 10 bis 15 Knoten Wind. Aber besser so, als anders.

Ganz schön voll hier
Traumplatz an der Schäre

Kein schöner Segeltag mit happy end – Marö Kupa

Freitag, 31. Juli 2026

In meinem Plan stand für heute „soweit als möglich“. Die Windvorhersage war schwierig. Auf der einen Seite eigentlich gut, denn der Wind sollte im Laufe des Tages auf West drehen, also ideal um Richtung Süden bzw. Südwest zu kommen. Andererseits sollte er aber im Laufe des Tages stark nachlassen. Das Problem: ich muss etwa 15 sm „überbrücken“. Ich füge unten mal den Track mit ein, dann wird das klarer. Oxelösund wäre die nächste Option gewesen. Wenig Seemeilen davon viel nach West. Dann kommt eben lang nichts sinnvolles bis zum Sankt Anna Archipel. Deshalb setzte ich mir dieses auch als Ziel.

Leinen los auch wenn es ein sehr schöner Platz ist
Und raus aus der Bucht…

In der Bucht ist es noch herrlich ruhig, kaum Wind, glattes Wasser. Doch dann geht es gleich raus Richtung offene Ostsee, der Schutz der Schären ist weg. Und damit kommt eine sehr unruhige, kabbelige Welle etwa 0,5 Meter hoch. Der Wind hat etwa 10 Knoten und kommt noch mehr südwestlich als westlich. Für die Welle zu wenig Wind. Immer wieder wird das Boot durch die Welle ausgebremst. Bei glatter See und bei diesem Kurs würde Miss Sophie normal 5 Knoten machen. Aber so nur etwas mehr als 4 Knoten. Und diese Welle ist mir heute auch richtig unangenehm. Ich muss etwas essen und immer wieder etwas am Horizont fixieren. Lesen am Handy oder Karte und mögliche Buchten auf dem iPad studieren ist nicht viel. Da wird es mir bald flau im Magen.

Eine Insel – ein Baum

Bald realisiere ich, dass ich unter den Bedingungen, eine Insel bzw. Bucht im südlichen Teil des Sankt Anna Archipels so nicht erreichen werde. Denn der Wind schwächelt recht bald, die Welle bleibt, die Geschwindigkeit sinkt. Als die 2 auf der Logge steht, werfe ich erst einmal den Motor an. Denn über Oxelösund bin ich auch schon hinaus. Johann, mein Pinnenpilot, hält erst einmal den Kurs währenddessen ich auf dem iPad Alternativen suche.

Es kommt nur eine Bucht in Frage – hier gibt es keinen Hafen. Entweder ankern oder festmachen an einer Schäre. Ich finde ein paar Optionen im Hamnguiden und in der digitalen Seekarte von Orca. Aber ich sehe auch auf dem Plotter, das einige (recht viele) Segler im Archipel unterwegs sind. Alle werden einen solchen Platz für die Nacht suchen.

Der Wind frischt wieder auf und der Motor kann wieder Pause machen. Das geht dann später noch einmal so. Mit Verspätung dreht der Wind dann auf West und überraschend auf Nordwest. Die Welle lässt nach womit es dann doch noch annehmbares Segeln wird.

Da die Einfahrt zum Archipel eng wird, berge ich an den ersten Fahrwassertonnen das Focksegel. Dann muss ich anluven und der Kurs ist jetzt dermaßen am Wind, dass das Segeln keinen Sinn mehr macht. Mühsam die letzten Seemeilen ankreuzen möchte ich jetzt auch nicht. Deshalb fahre ich das Boot unter Motor in den Wind und hole auch das Großsegel herunter.

Schon gleich sehe ich die ersten Masten von anderen Segelbooten in verschiedenen Buchten und auf der Leeseite von den größeren Schären. Das Suchen nach einem Platz kann „lustig“ werden. Der erste angedachte Platz scheint mir beim Vorbeifahren schon übervoll zu sein. Etwas gegenüber liegen drei schwedische Segelboote im Lee einer kleinen Schäre vor Anker – nicht wirklich ein guter Platz denn auch hier hat es noch 10 Knoten Wind.

Ich fahre weiter zur zweiten Option und die sieht gut aus. Nur ein Segelboot liegt in der Bucht. Es soll hier Möglichkeiten zum Anlegen an der Schäre oder zum Ankern geben. Der Raum zum ankern scheint mir jedoch recht eng zu sein deshalb schaue ich, ob ich vielleicht doch an der Schäre anlegen könnte. Die einzige Option ist etwas neben dem anderen Segelboot. Ich fahre langsam hinein. Auf dem schwedischen Segelboot ist eine Familie mit Kindern. Ich grüße wie es unter Seglern üblich ist mit Handzeichen. Der Gruß wird etwas unlustig erwidert. Der Mann des Hauses kommt mit einem Bier in der Hand hoch. Anstatt zu grüßen begrüßt er mich mit dem Hinweis auf seine Leine des Heckankers. Entschuldige, ich bin nicht doof. Ich weiß das du eine Heckankerleine hast und habe die auch im Blick. Deshalb antworte ich: „I see it. I think I am far away enough“.

Ich drehe und möchte einen Platz etwa 50 Meter von ihm entfernt antesten. Kurz vor den Felsen gehe ich schnell an den Bug um zu schauen wie es unter Wasser aussieht. Nicht so gut. Ich gehe wieder schnell ins Cockpit und werfe kurz den Rückwärtsgang ein um gleich wieder in den Leerlauf zu gehen. Dann gehe ich gleich noch einmal an den Bug um nach anderen Option zu schauen. Das Boot treibt etwa 5 Meter von der Schäre entfernt und ich mache eine Stelle aus, die als geeignet erscheint. Ich bereite eine lange Leine und den Heckanker vor. Dann drehe ich noch einmal eine Runde und steure langsam die Stelle an. Heckanker fällt, weiter langsam voran.

Der Schwede vom anderen Boot macht keine Anstalten zu helfen. Nur ab und an ein paar mürrische Blicke auf den deutschen Segler. Miss Sophie rumst etwas auf einen Stein. Nicht so tragisch – sie hat eine Edelstahlschiene am Bug. Ich springe an Land und bringe eine erste Leine provisorisch aus. Wieder aufs Boot, Motor aus und jetzt in Ruhe alle Landleinen platzieren.

Und wieder ein sehr schöner Platz an der Schäre

Der Platz ist optimal, hier bin ich perfekt vor dem Wind aus West und Nordwest geschützt. Und es ist ein schöner Platz. Einziger Wermutstropfen ist der unsympathische Schwede der vom Begriff „Seemannschaft“ wohl noch nie etwas gehört hat. Es gehört sich einfach unter Wassersportlern zu helfen, wenn man helfen kann. Insbesondere wenn man sieht, dass jemand einhand unterwegs ist. Und er hätte ohne Problem helfen können. Das einzige Problem: Er hätte sein Bier abstellen müssen.

Auf den nunmehr fast 3.000 sm auf der Ostsee hatte ich bisher nur positive Erfahrungen mit den Schweden. Das war das erste negative Erlebnis. Aber die Welt ist eben ein bunt gemixter Haufen – solche Menschen gibt es auf der ganzen Welt. An manchen Orten mehr, an anderen Orten weniger.

Vollmond…

Auf Umwegen Richtung Süden – Lickershamn

Samstag, 1. August 2026

Im vorletzten Blog hatte ich geschrieben, dass ich, falls es gut laufen würde, eine Option im Hinterkopf hätte. Jetzt ist es raus – Gotland war der Gedanke. Ich hatte in Hudiksvall einem schwedischen Segler mit seinem Motor geholfen. Er kam aus Gotland und meinte, wenn ich auf dem Rückweg an Gotland vorbei kommen sollte, soll ich mich melden – dann würde er mir Gotland zeigen.

Es lief ja jetzt in den letzten Wochen sehr gut unter anderem auch weil ich wetterbedingt ein paar längere Schläge gemacht hatte. Also machte ich mir Gedanken, wie ich nach Gotland kommen könnte. auf skippersguide.com hatte ich gelesen, dass Lickershamn ein kleiner gemütlicher Hafen sein soll. Auch wesentlich ruhiger als Visby. Außerdem kann man hier die „Raukar“, besondere geologische Steinformationen erwandern. Der günstigste Ausgangspunkt für den Sprung nach Gotland schien mir das Sankt Anna Archipel, südöstlich von Norrköping, zu sein. Also dachte ich, wenn Wind- und Wettervorhersage passen, dann suche ich mir eine Schäre am äußeren Rand damit ich schnell auf der offenen Ostsee bin. Auch deshalb steuerte ich gestern die Schäre an. Die Wind- und Wettervorhersage konnte nicht besser sein. Der Wind sollte auf West drehen und über den Tag bleiben so das ich mit raumen Wind Richtung Südost segeln konnte.

Blick zurück auf meinem Platz an der Schäre
Noch einige kleine Inseln dann bin ich raus aus dem Archipel

Ich stellte mir also den Wecker denn etwas mehr als 60 Seemeilen sind für mein Boot eine gewaltige Strecke. Am Morgen ist dann alles wie gewünscht – schönes Wetter und Wind mit 10 bis 13 Knoten aus West. Ein kleines Stück geht es noch um und zwischen ein paar kleinere Inseln und dann raus auf die Ostsee. Der Kurs kann eingestellt werden und Johann übernimmt. Es lief den ganzen Tag dermaßen genial, das ich es kaum glauben wollte. Schon bald hatte ich einen Schnitt von 5,8 Knoten, lange Zeit zwischen 6 und 7 Knoten auf der Logge. Nur ab und an musste ich den Kurs ein klein wenig korrigieren oder die Segel etwas nachtrimmen. Gegen Abend drehte der Wind auf Südost was aber auch nicht tragisch war. Das einzige, was ab und an etwas anstrengend war (für den Magen) war eine größere unter dem Boot durchrollende Welle. Mit etwas Anstrengung konnte ich mir sogar unterwegs ein Travellunch zubereiten. Nach 11 Stunden, mit einem Schnitt von 5,6 Knoten am Ende, hatte ich in Lickershamn festgemacht.

Festgemacht in Lickershamn
Ein Blick über die Hafenmauer

Wer nun denkt: „das gleiche muss er aber zurück machen“… jein – den Sprung zurück auf das Festland möchte ich über Öland machen. Und im besten Fall, von dem ich natürlich noch nicht weiß ob er so aufgeht, ist dann die längste Etappe 26 sm.

Aber jetzt erst einmal ein Tag Pause und die Gegend erkunden und dann sehen wir weiter….

Fast wie am Strich gezogen – auf einem Bug nach Gotland

Abwettern in Öregrund

Sonntag, 19. Juli 2026

Am Samstagabend hatte es dann noch ganz kurz zum Sonnenuntergang eine sehr schöne Stimmung. Ansonsten waren die Nacht und der Tag extrem unruhig im Hafen. Es kam zwar nicht zu den 40 Knoten Wind wie befürchtet, aber immerhin ein paar Drücker mit 30 Knoten. Und der Hafen von Öregrund ist nicht besonders gut geschützt, gerade wenn der Wind aus nördlicher Richtung kommt. Dann drückt es die Wellen hier in den Sund hinein.

Einen Moment gab es Samstagabend noch eine schöne Stimmung

Ich nütze das schlechte Wetter um einige Stunden zu arbeiten. Ansonsten kann man eigentlich nicht viel machen. Achja, natürlich etwas planen und überlegen, was ich die nächsten Tage machen soll. Aktuell soll es die kommende Woche sonnig bzw. trocken bleiben. Der Wind bleibt bis Donnerstag auf Nord – also ideal. Bis zum Väddö Kanal hätte ich etwa 20 sm – bis Älmsta, etwa in der Mitte des Väddö Kanals, knapp 30 sm. Ich denke ich bleibe Montag und Dienstag hier in den Schären südlich von Öregrund und mache den Väddö Kanal am Mittwoch ohne Zwischenstopp – das sind etwa 30 sm. Dann habe ich den südlichen Wind am Freitag wenn ich im Einzugsbereich der Stockholmer Schären bin.

Ich lese meinen Text aus dem Beitrag Teil 3 von diesem Jahr. Da hatte ich noch geschrieben, dass ich Mitte Juli in Öregrund sein sollte – das passt. Damals hatte ich etwa 830 sm abgesteckt – jetzt sind es 1160 sm. 300 sm mehr als gedacht. Auch wieder etwas gelernt… Damals hatte ich nur grob den direkten Weg abgesteckt. Das gegen den Wind kreuzen kostet einige Seemeilen. Also etwa 30% Aufschlag, dann ist man in der Nähe der Wahrheit.

Trüb und Starkwind am Sonntag, aber kein Regen

Noch ein Wort zu Öregrund…

Als ich am Freitagabend ankam, war ich doch etwas irritiert – volle Lokale, Live-Musik, Autos die mit lautstarken Motoren und noch lauterer Musik „flanieren“ – das war nicht das Öregrund, das ich bisher kannte. Ich war wohl drei- oder viermal im letzten Jahr hier. Aber das erste Mal wohl recht früh im Jahr (22. Juni) und das nächste Mal dann spät im Jahr (13. und zuletzt 28. August). Im letzten Jahr waren manche Restaurants zu (am Ende alle geschlossen) und es war richtig ruhig. Das ist jetzt sicher nicht spezifisch für Öregrund sondern stellvertretend für alle Touristenorte im Juli. Juli – das ist für die Schweden Sommer. Davor und danach ist tote Hose. Im letzten Jahr war ich offensichtlich sehr azyklisch unterwegs – d.h. in der Hauptsaison war ich kaum dort, wo sich die Hauptsaison abspielt. Trysunda war wohl die Ausnahme. Aber ich bin rückblickend froh darum. Wenn ich an Örnsköldvik (Speed-Motorbootrennen) und Öregund denke dann habe ich nichts verpasst.

Kurz etwas treiben lassen – Jungfruören

Montag, 20. Juli 2026

Ich hatte mich mit Andreas, meinem Stegnachbarn aus Kiel darüber unterhalten, was sein Plan ist und was mein Plan ist. Mein Plan ist jetzt hier heute und morgen etwas in den Schären „gammeln“ und Mittwoch durch den Väddö Kanal zu gehen – dann in einem Stück, ohne Stopp in Älmsta. Mit Andreas zusammen schaue ich die Optionen an, wo man an einer Schäre anlegen könnte. Im Hafen von Öregrund bläst es teilweise noch kräftig, immer wieder mal Böen mit knapp 20 Knoten. Der Wind kommt fast direkt aus Nord (Nordnordost) also gilt es etwas zu finden, was wirklich sehr gut gegen Nord geschützt ist denn wir sind beide Einhand unterwegs und anlegen an einer Schäre geht dann nur, wenn es die Windbedingungen zulassen.

Jungfruören, wo ich letztes Jahr angelegt hatte, bittet noch eine Möglichkeit gegenüber – Fårön ist der Name der kleinen Schäreninsel. Also beschließen wir gemeinsam dorthin zu segeln.

Aufgrund des starken und böigen Windes und des kurzen Weges (es sind nur 9 sm) möchte ich das nur mit Focksegel machen. Nachdem wir vom Hafen weg und zwischen den Schären sind wird es gleich etwas angenehmer mit Wind und Welle. Welle eigentlich keine mehr nur der Wind ist ab und an etwas böig auch abhängig davon, ob man gerade an einer Lücke zwischen den Inseln vorbei segelt die dem Wind den Raum gibt, sich zu entfalten. Aber meist segeln wir in der Abdeckung der Nadelwälder.

Nur mit Focksegel bei halbem bis raumen Wind einfach treiben lassen

Andreas ist etwas schneller als ich und legt sogleich nach einem kurzen Test an. Dann bereite auch ich alles vor – Heckanker, lange Leine am Bug und fahre erst einmal die Stelle daneben an. Sieht gut aus – keine Felsberührung unter Wasser. Dann fahre ich an, lasse den Heckanker fallen und stehe neben Andreas der mein Boot hält. Sprung auf die Insel und Leine an den nächsten Baum. Eine zweite Leine wird zu einem anderen Baum gezogen, alles gut und die andere Seite, also gegenüber von Jungfruören, wird auch als schön befunden. Vielleicht sogar noch schöner denn hier hat man schön die Abendsonne und die Felsen bieten Stufen, die perfekt zum Sitzen sind.

Für Andreas und mich koche ich Hackfleischtopf und (wie so oft) gibt es einen Tomatensalat. Dazu ein Bierchen, man kann definitiv schlechter leben. Nein, wir leben wirklich in einem Luxus, der nicht vielen gegönnt ist.

Festgemacht an der Schäre. Große und kleine Dehler

Weiter treiben lassen – Frozen

Dienstag, 21. Juli 2026

Andreas legt bereits am Vormittag ab. Ich muss leider noch arbeiten. Dabei habe ich heute überhaupt keine Lust zum Arbeiten. Dazu kommt das der Kiel ab und an leicht auf den Fels aufschlägt. Das nervt. Deshalb höre ich etwas früher auf, ich möchte hier weg. Inzwischen hat auch eine Familie mit 5 Kindern an der Schäre festgemacht. Der Wind ist noch sehr schön, er kommt weiter aus Nord. Mein Kurs ist Richtung Südost. So kann ich schön und gemütlich raumschots segeln. Es sind einige Segelboote über den Tag an der Bucht vorbeigezogen. Nun bin ich das letzte Boot das Richtung Süden zieht. Vor mir sehe ich noch ein anderes Segelboot welches auch kein AIS sendet. Andreas sehe ich auf dem Plotter vor der ersten Brücke im Väddö Kanal.

Raus aus der Bucht und gleich Segel setzen

Ich beobachte das Segelboot welches ein ganzes Stück vor mir ist. Wir sind etwa gleich schnell. Ich hatte eine Bucht zwischen zwei Inseln kurz vor der Einfahrt Richtung Väddö Kanal ausgesucht. Falls der Wind gegen Abend nachlassen und auf Süd drehen sollte, wie es Windy vorhersagt, möchte ich an einer Schäre anlegen. Falls es nicht gehen sollte habe ich die Option dort zu ankern. Aber ich denke nicht, dass die Bucht groß genug für zwei Boote vor Anker ist. Der Wind bleibt auf Nord und auf etwa 8 Knoten. Das ist schön zum Segeln aber nicht gut für das Anlegen an der Schäre. Dann es geht um das letzte Kardinalzeichen und ich fahre den endgültigen Kurs in Richtung der Bucht. Das Boot vor mir scheint daran vorbei zu fahren – es geht wohl nach Grisslehamn.

Die Möwen sorgen für den Anstrich der Fahrwasserzeichen…

Wie erwartet ist es in der Bucht nicht windstill – immerhin noch 4 bis 5 Knoten Wind. Das ist nichts zum Anlegen an dieser Schäre denn der Wind würde dann von hinten kommen. Anlegen an der Schäre macht man idealerweise gegen den Wind (noch besser ohne Wind). Also fahre ich die kleine Bucht ab und suche einen guten Ankerplatz auf 3,5 Meter Tiefe. 20 Meter Ankerkette gehen nach unten und der Ankeralarm wird gestellt. Ich beobachte eine Zeit die Position in der Anker-App – alles gut.

Morgen möchte ich in einem Rutsch durch den Väddö Kanal und dann wieder einmal einen Hafen ansteuern.

An dieser Schäre hätte ich gerne festgemacht
Aber zum ankern ist es auch o.k.

Der Sommer der kein Sommer ist – Väddö Kanal

Mittwoch, 22. Juli 2026

Als ich vor drei Tagen einem schwedischen Paar beim Anlegen bei Starkwind in Öregrund half meinte die Frau: „das ist der schwedische Sommer“. Langsam geht mir das Wetter etwas auf den Zeiger. Kaum ein Tag, an dem es mal richtig warm wäre. Heute Vormittag regnet es, Temperatur 16 Grad. Und die Aussichten sind auch nicht rosig. Tageshöchstwerte 20 Grad, nachts zwischen 11 und 16 Grad. Und auch immer wieder Regen. Die Wassertemperaturen laden (zumindest mich) auch nicht zum baden ein – etwa 18 Grad. Das letzte Jahr habe ich besser in Erinnerung zumindest hatte ich einige Badetage. Das einzige Positive, was man dem abgewinnen kann: In der Kühlbox ist Platz – das Bier ist auch in der Bilge gut gekühlt.

Bei leichtem und raumen Wind geht es gemächlich Richtung Väddö Kanal

Am frühen Nachmittag soll es eine Regenpause geben die zumindest reichen sollte, Älmsta zu erreichen. Das sind nur 10 sm aber Hauptsache ein Stück weiter kommen. Gegen 13 Uhr lichte ich den Anker, der Wind kommt aus Nord bzw. Nordnordost. Das sollte gut zum Segeln Richtung Väddö Kanal sein. Da bei der Windrichtung die Fock in der Abdeckung des Großsegels zusammenfällt, ich zu faul bin das Großsegel hochzuziehen und ich bezüglich der Windstärke unsicher bin, belasse ich es beim Focksegel. Bei 7 bis 9 Knoten Wind geht es mit 3 Knoten voran. Das reicht mir. Gegen 16.30 Uhr sollte ich in Älmsta sein. Auf dem ruhigen Wasser und bei dem leichten Wind nerven lediglich die Motorboote.

Brückendurchfahrten sind immer wieder spannend

Trotz bedecktem Himmel und ganz leichtem Nieselregen genieße ich es wieder hier zu sein. Doch nach etwa zwei Stunden nimmt der Regen mehr und mehr zu und der Wind schwächelt immer öfter. Als eine 4 auf dem Windmesser und 2,1 Knoten auf der Logge steht gebe ich nach 2 Stunden auf und werfe denn Motor an. Noch eine 3/4 Stunde und dann bin ich in Älmsta. Netterweise kommt der Hafenmeister an den Steg und hilft beim Anlegen – ausgerechnet jetzt hat der Wind wieder etwas angezogen. Er tut mir ja leid, dass er jetzt im Regen stehen und mir beim Anlegen helfen muss. Inzwischen bin ich klatsch nass, also zumindest mein Ölzeug. Umso glücklicher bin ich Landstrom zu haben und den Heizlüfter gleich anwerfen zu können. Und dann geht es direkt unter die sehr warme Dusche. Einen Moment überdenke ich die Sauna einzuheizen.

Morgen soll das Wetter ab dem späten Vormittag gut sein und es ist kräftiger Wind (10 bis 20 Knoten) aus Nord vorhergesagt. Ich möchte nach Norrtälje. Eigentlich wollte ich ja den langen Sund, den ich vom letzten Jahr kenne, nicht mehr hinein. Aber ich habe einmal geschaut was die Planung für die nächsten Tage in den Stockholmer Schären betrifft. Und da sieht es mit der Versorgung schlecht aus. Außerdem ist der Wind für morgen dann dafür so gut, dass das ein netter Schlag werden könnte. Und Freitag soll der Wind auf Süd drehen – bedeutet, ich komme auch gut wieder raus aus dem Sund.

So, und jetzt habe ich noch etwas Verrücktes gemacht – ich habe einen Liegeplatz im Wasahamnen, mitten in Stockholm gebucht. Von Sonntag bis Dienstag. Ich habe ja einige Tage „gewonnen“ weil ich früher als geplant in Gävle und noch früher in Öregrund war. Ich bin gespannt und freue mich darauf.

Festgemacht in Älmsta. Boot nass, ich nass

Ein netter Segeltag – Norrtälje

Donnerstag, 23. Juli 2026

Eigentlich wollte ich in diesen Sund nicht mehr hinein fahren… Die Rede ist von Norrtälje, mein absoluter Horrortag im vergangenen Jahr. Ich musste meinen Bekannten aufnehmen, kam vom Süden und hatte 25 Knoten und mehr gegenan. Eigentlich wollte ich damals nur bis Gräddö doch angesichts der Windsituation fuhr ich dann noch den ewig langen Sund nach Norrtälje.

Heute morgen wehte es kräftig in Älmsta – Böen bis 20 Knoten. Ich überlege schon wie ich das mit dem Ablegen gegen Mittag machen soll. Aber immer wieder beruhigt sich der Wind auch etwas auf etwa 10 Knoten. Gegebenenfalls muss ich so eine Situation abwarten. Kurz vor 13 Uhr mache ich los und da fällt mir siedend heiß ein, dass um 13 Uhr die Brücke öffnet. Ich hatte mich schon gewundert, weshalb eine Segelyacht vor dem Hafen immer wieder stand. Er wartete auf die Öffnung der Brücke die gleich nach dem Hafen Älmsta kommt. Also gab ich Gas. Die Segelboote vor mir konnte ich noch sehen wie sie Richtung Brücke fuhren doch dann schaltete die Ampel auf Rot – Mist. Im schlechtesten Fall müsste ich jetzt 1 Stunde warten. Ich hatte schon in Erwägung gezogen abzudrehen. Aber die Motorboote kamen wie auf einer Perlenkette aufgereiht entgegen. Also versuchte ich mich mit dem Rückwärtsgang auf der Position zu halten und zu warten, der Wind drückte mich von hinten in Richtung Brücke, seitlich anlegen konnte ich hier nicht. Nachdem die Motorboote durch waren, schaltete die Ampel noch einmal auf Grün. Hatte mich jemand gesehen? Egal, Vollgas und durch.

Bei trübem Wetter geht es weiter

Vom letzten Jahr hatte ich es in Erinnerung, das man, wenn man mit etwa 5 Knoten fährt, genau zur Öffnung der südlichen Brücke ankommt die jeweils zur halben Stunde öffnet. Aber als ich Richtung der zweiten Brücke kam, kamen wieder die Motorboote wie an der Perlenkette aufgereiht entgegen. Was ist denn hier los?

Letztes Jahr im Juni hatten wir ein einziges Boot auf der ganzen Strecke gesehen. Mir graut es schon etwas vor den Stockholmer Schären. Nachdem der Kanal durchfahren ist und das Gewässer sich weitet, rolle ich die Fock aus. Ich möchte heute auch wieder nur mit dem Focksegel segeln. Der Wind kommt jetzt noch als raumer Wind, also von schräg hinten. Später muss ich abbiegen Richtung Süden um die „Abkürzung“ in den Sund nach Norrtälje zu nehmen. Dann sollte ich den Wind fast direkt von hinten haben. Rückblick zum Väddö Kanal: Diesmal habe ich keinen Baum mitgenommen – kein Grünzeug auf dem Deck 🙂

Nachdem der Kanal vorbei ist wird das Segel ausgerollt
18 Meter, reicht – auch wenn es immer spannend ist

Anfangs geht das auch noch sehr gut aber dann beginnt der Wind zu zicken. Mal kommt er 10, 20 Grad mehr oder weniger aus der einen und dann aus der anderen Richtung. Inzwischen fahre ich beide Fockschoten aus der Hand und stehe im Cockpit. Denn ab und an ist es auch mal etwas enger oder muss ein Biegung gefahren werden. Als ich dann endlich den Sund erreicht habe kann ich anluven und die Fock bleibt auf Backbordbug. Der Wind schwächelt aber zusehend und ich entschließe mich das Segel einzurollen und den Motor anzuwerfen. Noch eine 3/4 Stunde bis Norrtälje. Ich hatte überlegt noch bei der Tankstelle anzulegen und das Hafenpersonal zu fragen, wo das Servicegebäude ist. Das hatten wir auch im letzten Jahr nicht gefunden.

Doch dann entscheide ich die Plätze vor der Fußgängerbrücke anzusehen, diese sind mit Dalben. Die Dalben sind weit auseinander und die Plätze sehr groß. In solchen Plätzen tue ich mich schwer mit meinem kleinen Boot. Also drehe ich um und fahre zurück an den Gästesteg wo es Heckbojen hat. Ich hatte in der Vorbeifahrt gesehen, dass noch zwei oder drei Heckbojen frei sind und es aufgrund der anderen Boote windgeschützt sein sollte.

Das Anlegen klappt dann auch ohne Probleme. Ein Schwede von einem anderen Segelboot war gekommen um dabei zu helfen. Sehr nett. Die abendliche Sonne scheint schön und warm so das ich im Cockpit im T-Shirt sitzen kann. Die Socken bleiben aber vorsichtshalber an.

Festgemacht – Norrtälje

Weshalb Norrtälje? Ich hatte in Älmsta noch einmal meine Vorräte überschlagen, vor allem die frischen wie Bananen, Tomaten, Joghurt und Fleisch. Da sieht es wieder mal knapp bzw. eher leer aus. Und wenn ich jetzt in die Stockholmer Schären gehe und Sonntag bis Dienstag in Stockholm bin, könnte das mit dem Einkaufen schwierig werden. Und die kommende Nacht soll es wieder kühl werden (11 Grad). Außerdem ist für morgen kräftiger Wind aus Südsüdwest vorhergesagt. Bedeutet, ich sollte sehr gut segelnd aus dem Sund heraus kommen. Das Problem beginnt eher nach dem Sund, denn dann muss ich Richtung Süden, also gegen den Wind.

Wohin? Ehrlich gesagt: ich habe keinen richtigen Plan. Rödlöga habe ich jetzt einmal als Ziel geplant. Aber ich habe damit mehrere Probleme: Da ich erst nach Mittag los machen kann, werde ich spät ankommen. Angesichts der vielen Boote, die hier unterwegs sind, befürchte ich keinen Platz zu finden. Im schlechteren Fall sehe ich mich umherirren auf der Suche nach einem Ankerplatz, der gut gegen Süd geschützt ist. Windy sagt auch für die Nacht kräftigen Südwestwind mit etwa 20 Knoten voraus. Irgendwie scheine ich mit diesem Revier (Stockholmer Schären) kein Glück zu haben. So etwas wie 10 Knoten Wind aus Nord, Ost oder West mit Sonnenschein und 25 Grad Lufttemperatur wäre schön gewesen.

Ein hartes Stück Arbeit – Kudoxa

Freitag, 24. Juli 2026

Gegen Mittag gehe ich noch schnell in die Stadt, um meine Vorräte etwas aufzufüllen. Nortällje ist eigentlich ganz nett – das denkt man überhaupt nicht, wenn man die „Skyline“ mit den beiden Hochhäusern vom Hafen sieht. Nachdem ich zurück am Boot bin fülle ich noch meine Wasservorräte. Ich benütze den Frischwassertank in diesem Jahr nicht. Gegen Ende des letzten Jahres hatte die Pumpe den Dienst quittiert und ich brauche recht wenig Wasser auch weil ich keinen Grauwassertank habe. Deshalb fülle ich mir immer ein paar PET-Flaschen. Das reicht dann für 2 – 3 Tage. Der Wind bläst wie vorhergesagt aus Süd, auch im Hafen schon deutlich spürbar.

Dann lege ich ab, setzte das Großsegel wobei ich gleich das erste Reff wieder setze. Für heute rechne ich mit bis zu 20 Knoten Wind. Die hat es dann im Sund in Böen auch immer wieder. Überhaupt, Böen – es ist extrem böig im Sund von 7 Knoten bis 20 Knoten ist alles drin und das auch immer wieder schnell wechselnd. Johann ist schnell überfordert und für heute übernehme ich die Pinne. Da der Wind aus Süd kommt kann ich fast immer auf Halbwindkurs segeln, das ist angenehm.

Rückblick auf Nörrtälje
Auf Halbwind im Sund

Im Sund ist es trotz der Böen noch relativ angenehm – keine Welle. Doch dann geht es raus aus dem Sund und nun muss ich nach Süd. Das bedeutet gegenan kreuzen. Auf die Fock hatte ich verzichtet. Ich habe noch keine Vorstellung davon, was mich „draußen“ erwartet. Die ersten Wenden gehen ganz gut und ich komme auch voran Richtung Süden. Nur die Geschwindigkeit gefällt mir nicht. Ich habe jetzt eine kabbelige Welle die bremst. Mit 3 bis 4 Knoten komme ich voran. Mein Ziel war die Insel Rödlöga in den äußeren Schären. Hier sollte es mehrere Möglichkeiten auf der Norseite der Insel geben, die gut gegen den Südwind schützen. Denn der Wind soll laut Vorhersage über Nacht ähnlich bleiben. Schon bald wird mir klar das, wenn ich so weiterkomme, ich erst sehr spät das Ziel erreichen würde.

Ich bin in der Nähe von Stockholm – Fährverkehr

Ein Katamaran überholt mich – er hat keine Segel gesetzt und fährt unter Motor gegen den Wind. Ich entschließe mich es ihm gleich zu tun und starte den Motor. Vielleicht komme ich dann zu einer „normalen“ Zeit am Ziel an. Denn Rödlöga ist wohl sehr beliebt. Im schlechtesten Fall muss ich damit rechnen, keinen Platz zum ankern zu haben und Anlegen an einer Schäre für mich nicht möglich ist. Dann müsste ich abdrehen Richtung Stockholm.

Während der Motor läuft und Johann steuert studiere ich noch einmal die Alternativen. Nördlich von Rödlöga fällt mir die Insel Kudoxa auf – einiges kleiner als Rödlöga. Aber sie hat eine Bucht auf der Nordseite die Schutz gegen den Südwind bieten sollte. Ich zoome in die Navionics-Karte auf dem Plotter. Ja, sie ist als Ankerbucht gekennzeichnet. Ich schaue im Hamnguiden und finde sie auch dort als Ankerbucht mit Möglichkeiten zum Anlegen an der Schäre. Aber die Bucht ist nicht besonders groß. Sollten dort schon ein oder zwei Boote liegen, wird für mich kein Platz mehr sein. Doch sie liegt auf dem Weg also entschließe ich mich diese anzusteuern. Inzwischen haben die Wellen zugenommen. Der Wind liegt bei 17 bis 18 Knoten. Es ist ähnlich wie im letzten Jahr, als ich mich nach Nortällje kämpfte. Miss Sophie macht nur noch 2 bis 3 Knoten Fahrt gegen Wind und Welle. Aber diesmal bin ich nicht unter Druck. Ich muss niemanden abholen. Ich muss nur einen Platz für die Nacht finden.

In den Außenschären

Da ich kaum voran komme habe ich Zeit. Zeit, die Karten noch einmal zu studieren. Vielleicht war es doch keine gute Idee, eine Insel in den Außenschären auszuwählen. Ich wusste ja, dass etwa 15 bis 20 Knoten Wind vorhergesagt waren. Und inzwischen sollte ich wissen was das bedeutet wenn man gegen den Wind zum Ziel muss. Aber jetzt ist es so wie es ist. Noch 45 Minuten, meint Orca. Erst kurz vor Kudoxa lassen Wind und Welle etwas nach. Es scheint kein anderes Boot in der Bucht zu sein. Ich drossle die Geschwindigkeit und fahre langsam heran. Da ich keinen Zeitdruck habe möchte ich erst einmal in Ruhe schauen wie die Situation in der Bucht ist. Es ist jedenfalls nicht windstill – immer noch 8 bis 10 Knoten Wind. Aber das Wasser ist ruhig, keine Welle. Ich schaue wie tief ich hinein kann. Auf etwa 3 Meter Tiefe möchte ich den Anker werfen. Der Wind soll über Nacht auf Süd bleiben also muss ich nicht befürchten, in die Bucht gedrückt zu werden.

Ich schaue mir die Möglichkeiten zum Anlegen an der Schäre an. Aber die meisten sind aufgrund des Windes ungeeignet für mich. Es gibt einen Felsen, der steil ins Wasser fällt, die Kante etwa 1/2 Meter über dem Wasser. Könnte ich dort vielleicht längs festmachen? Ich versuche einmal langsam mit dem Bug voran an den Felsen zu fahren, um die Tiefe zu messen. Kurz vor dem Fels rumst es – Kiel auf Fels. Sofort werfe ich den Rückwärtsgang ein – das war nichts.

Ich fahre wieder ein Stück raus aus der Bucht und bereite den Anker vor. Dann wieder langsam hinein. Ich versuche mich in der Mitte der Bucht zu halten und die 3,5 Meter Wassertiefe abzupassen. Dann schnell nach vorne und den Anker heruterlassen. 20 Meter Kette plus etwas Leine. Ich starte die Anker-App auf dem Handy und zoome im Plotter. Das Boot schwjoit zu sehr, um über Peilung festzustellen, ob der Anker hält. Die Anker-App und meine Position auf dem Plotter sagen, dass der Anker hält. Motor aus.

Anker gesetzt und hält

Morgen kann ich auf Halbwind erst einmal in die inneren Schären segeln. Und dann muss ich sehen was geht. Der Wind soll auf Südwest drehen – ungünstig, genau die Richtung in die ich muss. Aber hoffe in den inneren Schären Ruhe vor der Welle zu haben. Mal sehen ob das gegenan geht. Das Ziel ist Richtung Stockholm, dort möchte (nicht muss) ich am Sonntag um 12 Uhr sein. Denn ab 12 Uhr habe ich den Liegeplatz im Wasahamn.

Stockholm, ich komme – Linanäs

Samstag, 25. Juli 2026

Die Windaussichten für heute und auch für die nächsten Tage sind nicht besonders toll – Wind aus Südwest. In den Stockholmer Schären gibt es kaum eine andere Möglichkeit als Richtung Südwest, außer natürlich die entgegengesetzte Richtung – Nordost. Aber zuerst einmal geht es von meinem Ankerplatz Richtung Westen, d.h. leicht am Wind. Wind und Welle sind heute etwas angenehmer als gestern, etwa 15 Knoten Wind. So bin ich recht flott in den inneren Stockholmer Schären. Ich versuche mich in Nebenfahrwassern aufzuhalten aber auch dort ist genügend Verkehr durch Segel- und Motorboote. Aber klar, ich bin jetzt in der Nähe der schwedischen Hauptstadt die immerhin 1 Millionen Einwohner hat.

Zuerst geht es leicht am Wind in Richtung der inneren Schären

Das Wetter hält, zumindest kein Regen. Aber es bleibt den ganzen Tag weitgehend bedeckt. Auch wenn ich jetzt einige Stunden unter Motor unterwegs bin, ist die Fahrt nicht eintönig. Es ist interessant die Häuser und die unterschiedlichen Inseln zu sehen. Eine Gruppe von Seglern sehe ich beim Anlegen an einer Schäre, sie hatten einen guten Platz gefunden. Auf dem Plotter und dem iPad beobachte ich die Segelboote die AIS senden. Gegen Nachmittag suchen die meisten einen Platz in einer windgeschützten Bucht. Ich habe mich unterwegs entschieden, den kleinen Hafen Linanäs anzusteuern.

Auf der Karte hatte ich den Hafen als windgeschützter eingeschätzt, als er sich dann zeigte. Aber zum Glück hatte es Boxen mit Y-Auslegern. Jetzt habe ich noch etwa 15 Seemeilen bis in das Zentrum von Stockholm. ich bin gespannt.

Ohne Ziel Richtung Süden…. (Prästgrundet)

Sonntag, 12. Juli 2026

Bevor ich los lege mit dem Tag heute… Noch eine Ergänzung zu Stocka – ich liebe die Handseife auf der Toilette mit Blaubeer-Aroma. Ich weiß, wenn ich zu Hause bin, werde ich nach einer solchen Handseife Ausschau halten.

Genug von Stocka geschwärmt. Ich hatte den Wetterbericht studiert, den Hamnguiden studiert, Orca und meine gespeicherten Orte in Google Maps studiert. Was sollte das Ziel für heute sein? Schwer zu sagen. Das Ziel war einfach maximal Richtung Süden zu kommen. Etwas um die 40 bis 50 Seemeilen sollten schon drin sein wenn die Windvorhersage zutreffen sollte. Das heißt Wind aus Nord mit 4 bis 5 Beaufort, also ideal um Richtung Süden zu kommen. Den Wecker hatte ich auf 8 Uhr gestellt denn am frühen Nachmittag soll der Wind wieder einschlafen.

Als ich in Stocka ablege ist es immer noch bewölkt

Um 8 Uhr klingelt der Wecker und es regnet. Also erst noch einmal umdrehen. Gegen 9 Uhr stehe ich auf und mache ein ausgiebiges Frühstück mit Frühstücksei. Laut Regenradar sollte es bald vorbei sein. Kurz nach 10 Uhr kann ich dann ablegen – Kurs erst einmal Südwest. Inzwischen habe ich Prästgrundet als Ziel gesteckt. Dort war ich schon im letzten Jahr und das war sehr schön dort. Sollte es mit dem Wind nicht so laufen, gibt es etwa auf 2/3 des Weges die Insel Agö. Auf der Südseite hat es eine große Bucht in der es einen Steg, zwei SXK Bojen und die Möglichkeit zu ankern geben soll. Gut gegen alle Richtungen geschützt, außer Süd. Aber aus Süd ist kein Wind zu erwarten – es soll bei Nordwind bleiben.

Die Schweden hatten 1/2 Stunde vor mir abgelegt und haben eine etwas andere Taktik. Sie segelten zuerst weit raus Richtung Ost um dann einen Kurs Richtung Südsüdwest zu segeln. Vielleicht etwas angenehmer als der Kurs, den ich segle denn ich segle bei sehr raumen Wind und es hat gleich eine Welle mit 1/2 Meter. Also eine ziemliche Schaukelfahrt. Als ich dann weit genug Richtung Ost gekommen bin kann auch ich die Halse machen und auf Richtung Süd gehen. Es ist etwas angenehmer mit der Welle doch mittlerweile rauscht die eine oder andere Welle mit 1 Meter Höhe durch. Zeitweise beginnt Miss Sophie wieder ansatzweise zu surfen. Aber noch ist der Kurs sicher weshalb ich mir keine weiteren Sorgen mache.

Doch der Wind, der Anfangs noch aus Nordnordwest kam, dreht ganz langsam immer weiter Richtung Nord – wie es eigentlich auch vorhergesagt war. Ich kann zwar inzwischen leicht etwas anluven Richtung Südsüdwest aber die Fock verhungert mal wieder in der Abdeckung des Großsegels. Letztendlich rolle ich sie weg.

Zeitlich ist alles im Rahmen weshalb ich auch bei der Annäherung an Agö bei meinem Plan bleibe. Mindestens eine Boje wurde inzwischen besetzt – wie ich auf dem Plotter verfolgen konnte. Und als ich an Agö vorbei bin kommen hinter mir zwei weitere kleine Segelboote, die wohl die Bucht von Agö ansteuern.

Ich gehe davon aus in Prästgrundet relativ alleine zu sein denn schon in der Einfahrt weist ein Schild darauf hin, dass es maximal 1,60 Meter Wasser hat. Der Wind lässt jetzt doch immer mehr nach aber weniger die Welle. Noch 10 sm bis Prästgrundet. Also fälle ich wieder einmal die Entscheidung den Rest mit Motorkraft zu machen.

Die Einfahrt nach Prästgrundet erfolgt von Südwest, deshalb ist die Welle schon vor der Einfahrt weg – angenehmer als im letzten Jahr, da hatte ich bis kurz vor der Einfahrt die Welle. Seitlich vom Steg liegt dann nur ein Motorboot mit einer Gruppe von Jugendlichen. Der Heckanker fällt und zwei der Jugendlichen fangen meinen Bug auf. Danach legen sie ab. Sollte ich wie letztes Jahr hier alleine sein?

Festgemacht – Prästgrundet

Ich nehme mein Anleger-Bier und gehe an einem der Tische an Land. Noch bevor ich das Bier aufgemacht habe kommt ein weiteres Segelboot. Es sieht groß aus, mit Ketsch-Rigg, hat aber wohl auch wenig Tiefgang. Ich gehe auf den Steg um die Festmacherleinen anzunehmen. Außer einem kurzen „Hello“ nichts. Ich würde sie ja gerne fragen, ob sie aus Stockholm sind. Roger (mein schwedischer Freund) meinte, dass die Menschen aus Stockholm etwas hochnäsig wären. Egal.

Same procedure as last year – ich mache mir mein Feuer im Grill an. In der Kühlbox ist noch Grillfleisch, Kartoffeln in der Backskiste. Als Vorspeise gibt es eine Portion von den geräucherten Garnelen mit Aiolo. Lecker. Nach dem Essen gehe ich noch einmal zu der kleinen Kapelle und zum Leuchtturm und genieße die Abendsonne.

Same procedure as last year….
Als Vorspeise gab es einen Teil der geräucherten Garnellen mit Aiolo
Mit 4 x 6 Metern die kleinste Kapelle der Region
Ausblick vom kleinen Leuchtturm
Und die wohl schönste Trockentoilette an Schwedens Ostküste

Wie es aussieht kann ich wohl morgen die Bucht von Synskär erreichen. Dann wäre ich nicht mehr weit entfernt von Gävle. Wenn es gut läuft gewinne ich diese Woche zwei oder drei Tage.

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben – Synskär

Montag, 13. Juli 2026

Nach der Arbeit, gegen 13 Uhr, ging es dann gleich los. Ich wollte keine Zeit verlieren denn mein Ziel ist Synskär. Hier, in Prästgrundet bekam ich vom Wind nicht sehr viel mit, dafür ist es zu geschützt. Aber es soll weiterhin nördlichen Wind haben. Gleich raus aus Prästgrundet sieht es vielversprechend aus. Etwa 10 Knoten Wind aus Nordost und so gut wie keine Welle. Also wird gleich das Segel hochgezogen – durch die Untiefen bei Prästgrundet kann ich gut raumschots hindurch segeln.

Raus aus Prästgrundet

Es verspricht ein gemütlicher und sehr schöner Segeltag zu werden. Der Wind bleibt bei etwa 10 Knoten und der Richtung Nordost – ideal. Der gesegelte Kurs ist etwa 60 – 70 Grad am Wind. Miss Sophie läuft mit etwas mehr als 5 Knoten wie auf Schienen dahin. Das sieht schön aus. Auf dem Plotter sehe ich einige andere Segelboote kreuz und quer. Eines hinter mir, welches nicht meine Geschwindigkeit läuft. Eines vor mir, das mit gut 6 Knoten vor mir weg rauscht. Und dann kommt mir ein deutscher Segler entgegen, der nicht auf dem Plotter erschien. Jetzt, fast Mitte Juli, noch hier Richtung Norden? Optimistisch….

Dann geht es auf Störjungfrun zu – eine größere Insel. Dort hatte ich im letzten Jahr einen Stopp gemacht. Der Hafen ist weniger schön. Der Leuchtturm war wegen Sanierung gesperrt, die Kapelle war recht schön. Aber ansonsten kein Grund für mich dort noch einmal Zwischenstopp zu machen.

Es sieht nach einem schönen Segeltag aus

Das Segelboot etwas weiter vor mir, das lange Zeit mit gut 6 Knoten Fahrt angezeigt wurde, zeigt jetzt nur noch 2,5 Knoten Fahrt. Ich überlege was sein könnte. Vielleicht möchte er in den Hafen von Störjungfrun abbiegen? Nein, er fährt daran vorbei und es bleibt bei 2,5 Knoten.

Dann komme auch ich in die Höhe der Hafeneinfahrt von Störjungfrun und der Wind lässt mehr und mehr nach. Auch kommt er jetzt mehr aus Ost weshalb es immer mehr ein Am-Wind segeln wird. Ich trimme ständig die Segel nach. Nach einer Kardinaltonne kann ich ein klein wenig abfallen. Aber meine Geschwindigkeit sinkt auf 3 bis 3,5 Knoten. Der „schnelle“ Segler vor mir ist laut AIS mittlerweile mit gut 5 Knoten unterwegs. Sollte der Wind nach dem Passieren der Insel wieder anziehen? Ich hoffe zumindest darauf. Nach knapp 1 Stunde erreiche ich das Ende von Störjungfrun aber der Wind wird immer lausiger. Zum einen schwächer und zum anderen hat er inzwischen so weit gedreht, dass ich mit dem wenigen Wind versuche hart am Wind zu fahren. Der Kollege hat also den Motor gestartet.

Ich tue es ihm schließlich gleich und werfe den Motor an – noch knapp 10 sm bis Synskär. Ich beobachte ihn weiter auf dem Plotter – sollte er auch nach Synskär wollen. Doch unser Kurs weicht mehr und mehr ab. Er möchte wohl direkt bis Gävle durchfahren. Ich hoffe darauf in Synskär wieder alleine zu sein.

Dann wieder die Einfahrt mit zwei Ansteuerungstafeln. Das schöne am B&G Plotter ist, dass er die letzten Tracks in anderen Farben anzeigt. So kann ich mich auch an meiner letzten Ein- und Ausfahrt orientieren. Was beim letzten Mal gut ging sollte wieder gut gehen.

An der einen Seite (meiner Lieblingsseite) liegt ein Motorboot mit einer Familie. Aber wenigstens die andere Seite ist frei. Ich gehe davon aus, dass sie hier nicht übernachten denn es ist ein kleineres Motorboot ohne große Kabine. So trinke ich erst einmal gemütlich mein Anlegerbier und genieße die Sonne.

Wieder festgemacht in Synskär

Schließlich macht sich die Familie zum Aufbruch fertig und ich plane schon dann gleich die Seiten zu wechseln. Just (Gerade) als die Familie endlich nach endlosen Aktionen zum Ablegen startet, biegt ein weiteres Segelboot in die Bucht ein. Nichts mit Seitenwechsel, nichts mit einsamer Nacht – schade. Ich bin ja nicht unfreundlich und auch nicht nachtragend (in diesem Fall) und nehme die Leinen entgegen. Eine schwedische Familie mit drei Kindern auf einer Hallberg Rassy 26. Aber wenigstens sehr diszipliniert und kein Geschrei. Ja, ich habe Kinder (die inzwischen groß und erwachsen sind) und inzwischen auch ein Enkelkind. Aber mit zunehmenden Alter suche ich vor allem eines: Ruhe.

Stechmücken – Moskitos

Ein Absatz dazwischen zu einem Thema, das mich in diesem Jahr leider beschäftigt… Stechmücken. Im letzten Jahr hatte ich Stechmücken überhaupt nicht so stark wahrgenommen. Ich glaube es waren wirklich wenige Tage bei Öregrund, gegen Ende meines letztjährigen Törns, als ich mein Elefantentuch über die Sprayhood hing. In diesem Jahr ist es wirklich lästig. Es hat schon nach der gelben Tonne beim Töre Båtklubb begonnen. Als ich mich mit einem Schweden unterhielt, er mich fragte ob ich nicht in die Sauna kommen möchte. Er mit Stechmücken übersäht war und er meinte, dass sie auch etwas gegen die Stechmücken hätten. Und seitdem begleiten mich diese Mistviecher immer wieder. Einmal hatte ich etwa 10 Mückenstiche auf der Stirn. Ich hatte dann ja gehofft, dass es in Schweden etwas besser wäre. Ist es aber nicht. Und das wundert mich etwas – obwohl ich die Temperaturen in diesem Jahr als niedriger empfinde als letztes Jahr, begleiten mich diese Viecher auf unangenehme Weise wesentlich stärker als im letzten Jahr. Ich denke in Gävle muss ich jetzt doch danach schauen das ich ein Mittel gegen diese Plagegeister finde.

Ein lustiger Tag – zurück in Gävle

Dienstag, 14. Juli 2026

Die letzte Nacht hatte es noch netten Wind – ich glaube aus Richtung Nord, was mir aber nichts nützte. Windy hatte es vorhergesagt: Schon am Vormittag soll der Wind stark nachlassen und auf Südost drehen. Im Laufe des Nachmittags drehend auf unterschiedliche Richtungen und sehr schwach. Egal, ich muss sowieso erst einmal arbeiten.

Bei dem schwachen Wind ist mein Gedanke unter Motor weiter zu kommen. Und als nächstes Ziel Gävle, knapp 30 sm. Für Mittwoch ist ebenfalls schwacher Wind vorhergesagt. Ob ich jetzt in einem Tag oder in zwei Tagen nach Gävle mit Motor fahre macht keinen Unterschied.

Kurz nach Mittag kann ich dann ablegen. Draußen, wie gedacht, nur schwacher Wind. Etwa 7 bis 8 Knoten. Und auch noch aus Südsüdost, mehr oder weniger die Richtung, in die ich muss. Aber es hat keine Welle. Bedingungen fast wie am Bodensee. Also werden, wie am Bodensee, die Segel hochgezogen beziehungsweise ausgerollt, ist ja ein Segelboot und kein Motorboot.

Nach dem Leuchtturm vor Synskar muss ich abdrehen auf den Zielkurs
Fast wie am Bodensee – keine Welle und etwa 7 Knoten Wind

So versuche ich so gut wie es eben geht (so hoch wie möglich) gegen den Wind zu segeln. Es ist ein mühsames gegenan kreuzen bei etwa 4 Knoten Fahrt. Ich sehe das eine oder andere Segelboot unter Segel und unter Motor. Die, die unter Segel sind, haben aber einen anderen und damit günstigeren Kurs als ich. Nach 4 Stunden schwächelt der Wind noch einmal mehr und fällt unter 5 Knoten. Meine Geschwindigkeit noch knapp über 3 Knoten. An diesem Punkt enden meine Ambitionen. Der Motor wird angeworfen und die Segel geborgen – noch 3 Stunden bis Gävle.

Vor mir, in der Einfahrt zu Gävle beobachte ich zwei Frachter und einen Piloten (Hafenlotsen). Sie sind noch weit von mir weg und deshalb nicht wichtig. Aber interessant auf dem Plotter anzusehen, wie der Pilot an den Frachter fährt. Ansonsten ist die Einfahrt wie erwartet recht unaufgeregt. Achja, ein besonderes Vorkommnis: kurz bevor sich das Fahrwasser verengt, hinter mir ein Motorboot, kommt die Polizei aus der Seite heraus geschossen und stoppt das Motorboot. Alkoholkontrolle? Die Aufklärung kommt weiter unten…

Für mich mittlerweile altbekannt – die Einfahrt nach Gävle

Der Stadthafen ist wie immer recht leer (ich weiß nicht wie oft ich jetzt hier schon war – fünf Mal, sechs Mal?). Ein deutsches Segelboot sehe ich. Der Eigner sitzt im Cockpit und steht gleich auf als er mich sieht. Ich sage ihm das ich die übernächste Box nehme (hier wird an Y-Stegen angelegt). Er steht am Steg, ich kümmere mich um die Heckleine und er fängt meinen Bug auf. Ich gehe nach vorne um mich zu bedanken. „Ich dachte doch, dass du hier demnächst vorbei kommen musst“, werde ich begrüßt. Kennen wir uns – frage ich mich gerade gedanklich.

Andreas aus Kiel hat meinen Reisebericht vom letzten Jahr gelesen und auf Youtube gesehen. Er ist sonst mit seiner Dehler 36 wohl mehr in Dänemark und an Schwedens Westküste unterwegs. Für seinen Törn an der schwedischen Ostküste suchte er im Internet nach Informationen (wie ich damals) und ist so auf mich gestoßen. Wie klein die Welt doch ist.

Spontan lädt mich Andreas auf ein Anlegerbier ein, was ich gerne annehme. Er hat noch einen Segelkameraden an Bord, der morgen abreist. Wir schnacken viel (wie die Norddeutschen wohl sagen) über das Revier, über die Schweden, über Schären und den einen oder anderen Hafen.

Zurück zur Polizei – Andreas meint, dass sie hier in der Hafeneinfahrt Geschwindigkeitskontrollen machen und der Kollege wohl zu schnell unterwegs war. Wir tauschen die Kontaktdaten aus denn Andreas wird in etwa der gleichen Zeit wie ich Richtung Süden unterwegs sein. Er muss Richtung Ende August in Karlskrona sein. Vielleicht ergibt sich noch der eine oder andere gemeinsame Schlag. Jedenfalls habe ich einige Informationen zu den Stockholmer Schären mitgenommen.

Und dann das zweite lustige Ereignis: Als ich so hoch am Wind segle, pingt das Handy – Whatsapp Nachricht. Eine unbekannte Nummer und ein ausführlicher Text. Ein Segler vom Bodensee der mich verfolgt und mir einige Zeilen schreibt. Lustig, bin ich jetzt eine Person des öffentlichen Lebens?

Ich mach mein Ding (wie Udo Lindenberg es so schön gesungen hat). So wie heute mit Gävle. Jetzt bin ich wieder hier wo ich am 28. Mai, also vor etwa 6 Wochen, gestartet bin. 1.100 Seemeilen habe ich zurückgelegt und mein großes Ziel erreicht. Hier mache ich jetzt einen Tag Pause. Einkaufen, Körperpflege, Wäsche waschen. Dann bereite ich mich auf den Genuss-Teil vor. Noch einmal Väddö Kanal und dann vor allem Schären. Davon hatte bisher auf meiner Reise zu wenig.

Und ein klein wenig, nur als Option falls es weiter sehr gut laufen sollte, habe ich noch eine besondere Option im Hinterkopf… Aber wie heißt es so schön: über ungelegte Eier soll man nicht reden.

Wieder festgemacht in Gävle

Hafentag in Gävle

Mittwoch, 15. Juli 2026

Andreas, der Segler aus Kiel, hat seinen Bekannten verabschiedet und ist weiter gezogen. Er sucht sich einen Ankerplatz. Für mich heißt es arbeiten, duschen, Wäsche waschen und einkaufen. Und dann habe ich natürlich Zeit weiter zu planen. Die Planung ist nicht einfach… Zuerst: Es ist jetzt sehr warm geworden – fast 30 Grad. Der Wind ist aktuell sehr schwach und kommt überwiegend aus einer ungünstigen Richtung – Südost.

Am Freitag kommt wohl gegen Abend eine Kaltfront mit Regen, Samstag und Sonntag soll es den ganzen Tag regnen. Erst ab Montag soll sich das Wetter langsam bessern. Öregrund sollte ich aber locker in den nächsten 5 Tagen erreichen – soviel hatte ich geplant. Die Frage ist nur, wo ich Samstag/Sonntag abwettern soll. Denn die Erfahrung vom letzten Jahr zeigte, dass bei 2 Tagen Schlechtwetter mein Strom knapp wird wenn ich arbeiten muss. Und die Nacht von Donnerstag auf Freitag wird wahrscheinlich eher eine Nacht ohne Landstrom.

Backskiste und Kühbox sind wieder gefüllt

Und jetzt kommt es noch ganz dick… ausgerechnet für hier ist am Sonntag Starkwind mit 30 bis 40 Knoten aus nördlicher Richtung vorhergesagt. Das schlechte Wetter mit starkem Wind soll von Samstag bis Dienstag anhalten. Genau zwischen Gävle und Öregrund. Und hier, zwischen Gävle und Öregrund, finde ich nichts was gut gegen Nord geschützt ist. Ankern möchte ich unter solchen Bedingungen nur, wenn es sehr gut gegen Nord geschützt ist.

Das einzige was ich im Moment machen kann, ist morgen soweit als möglich Richtung Osten zu segeln. Richtung Abend/Nacht soll der Wind besser sein (ab 22 Uhr 10 – 20 Knoten aus Süd/Südwest). Bis Freitag, 20 Uhr sollte ich einen sicheren Unterschlupf gefunden haben. Außer Öregrund zu erreichen habe ich nur zwei Optionen gefunden.

Flucht nach vorne – Ankerbucht Rödhall

Donnerstag, 16. Juli 2026

Bezüglich des Reviers verpasse ich hier nichts zwischen Gävle und Öregrund. Hier gibt es nur sehr wenige Häfen bzw. Anlegemöglichkeiten. Östlich von Gävle ist es erst einmal noch industriell geprägt. Die wenigen „Highlights“ habe ich bereits im letzten Jahr gesehen wie z.B. Örskärs mit dem Leuchtturm.

Die Sturmwarnung für Samstag/Sonntag ist „offiziell“. Heute wurde mir eine Warnung auf Facebook angezeigt. Erwartete Windgeschwindigkeit 40 bis 50 Knoten, sehr hohe Wellen. Segler und andere Wassersportler sollen entsprechend planen.

Da die Vorhersage bis heute Vormittag noch so aussah, dass es bis einschließlich Dienstag dann regnen soll, ist mein Ziel bis Freitagabend Öregrund zu erreichen. Bei Schlechtwetter komme ich, wenn ich arbeiten muss, 2 Tage mit dem Strom aus, aber nicht mehr. Die zwei Optionen die gegen Nord geschützt sein könnten, sind keine echten Optionen. Das eine wäre der Anleger bei der Insel Örskär und das andere eine SXK Boje. An beiden Plätzen wollte ich bei Regen und Starkwind nicht mehr als 1 Tag liegen.

Deshalb lege ich heute zügig kurz nach Mittag ab. Zuerst muss ich nach der Einfahrt von Gävle durch ein paar vorgelagerte Inseln mit engem Fahrwasser. Da der Wind aus östlicher Richtung kommt und das auch die Richtung ist in die ich muss, mache ich das erst einmal unter Motor.

Noch einmal zwischen ein paar Inseln und Untiefen durch

Dann setze ich die Segel um gegenan zu kreuzen. Ich muss erst einmal Richtung Osten und der Wind kommt aus Südost. So kann ich wenigstens zeitweise auf einen längeren Streckbug gehen. Nach etwa 3 Stunden kommt der Wind mehr und mehr aus östlicher Richtung und nimmt auch ab. Genau gegen den Wind zu segeln bringt mich kaum noch weiter Richtung Osten. Also fällt der Entschluss, wieder den Motor anzuwerfen. Ich möchte die Ankerbucht Rödhall erreichen. In dieser war ich bereits zweimal und sie liegt auf halbem Weg zwischen Gävle und Öregrund. Außerdem soll der Wind in der Nacht auf Süd drehen und auf 10 bis 20 Knoten anziehen. Die Bucht ist in allen Richtungen, außer Nord, sehr gut geschützt.

Wieder vorbei an Björns Fyr

Auf dem Plotter sehe ich ein anderes Segelboot, das wohl zuerst an einer der Bojen bei Björns Fyr festmachen wollte. Ein dem Wind aus allen Richtungen sehr ausgesetzter Platz. Aber dann drehen sie wieder ab und steuern auch die Ankerbucht Rödhall an. Ich hoffe, dass sie weiter vorne bleiben und nicht ganz nach hinten gehen. Den Platz hätte ich gerne. Aber die Hoffnung erfüllt sich leider nicht. Egal, dann nehme ich eben den Platz in der Mitte der Bucht.

Auf 3,5 Meter fällt dann schließlich der Anker. Sicherheitshalber bringe ich die 20 Meter Kette aus und noch etwas Ankerleine. Etwa 18 Meter Kette sollte auf dem Boden liegen. Rückwärtsgang rein und prüfen ob der Anker hält – es sieht gut aus. Ich stelle den Ankeralarm mit einem Schwojkreis von 30 Meter. Ich habe ringsum etwa 50 bis 70 Meter mindestens Platz.

Leider nicht alleine in der Ankerbucht und mein Lieblingsplatz ist belegt

Durcharbeiten bis Öregund

Freitag, 17. Juli 2026

Da ich von Regen und Starkwind für Samstag/Sonntag ausgehe, ist mein Ziel Öregrund – einfach ein sicherer Hafen. Als ich am Morgen aufstehe, ist das andere Segelboot bereits weg. Da hätten sie mir auch den Platz hinten in der Bucht lassen können, denke ich so für mich.

Am Vormittag muss ich ja noch arbeiten. Der Wind hat auf Süd gedreht und ist inzwischen etwas stärker – zeitweise 10 Knoten in der Bucht. Aber die Anker-App zeigt mir, dass der Anker hält. Miss Sophie schwojt etwas um den Fixpunkt.

Anker aufholen geht problemlos und dann geht es raus. Ich verabschiede mich innerlich von dieser Bucht in der ich meine dritte gute, sichere Nacht verbracht habe. Ich überlegte noch ein Reff in das Großsegel zu machen aber da es bei etwa 10 Knoten Wind blieb rechne ich draußen mit maximal 15 Knoten Wind – das sollte erst einmal ohne Reff gehen. Die Welle ist o.k., weniger als 1/2 Meter. Aber was klar ist: es wird heute eine gegenan kreuzen gegen den Wind. So wird es ein Wechselspiel zwischen Holebug und Streckbug. Auf dem Holebug falle ich etwas ab Richtung Nordost, auf dem Streckbug kann ich Strecke Richtung Süden machen. Mein Ziel, Öregrund, liegt Richtung Südost. Etwa auf 2/3 Drittel der Strecke nehmen Wind und Welle zu. Als es Richtung 20 Knoten Wind geht, setze ich das erste Reff im Großsegel. Dann wird es zunehmend unangenehmer. Zum Wind kommt eine ekelhafte Hackwelle. Ich beobachte die größeren Wellen (etwa 1 Meter) – sie liegen gerade 2 – 3 Meter auseinander. Das führt dazu, dass Miss Sophie trotz des relativ starken Windes (etwa 15 Knoten) immer wieder ausgebremst wird. Der Spaß geht zunehmend verloren. Aber was soll’s – auf Kreuzkurs arbeite ich mich Stück für Stück Richtung Öregrund.

Öregrund kommt langsam in Sichtweite
Etwa 3 sm vor Öregrund berge ich das Focksegel

Der Sund wird jetzt zunehmend enger und ich überlege mir, wie ich das mit dem Bergen des Focksegels machen soll. Zum Bergen der Fock muss ich stark abfallen damit die Fock im Windschatten des Großsegels möglichst einfällt und keinen (oder wenig) Winddruck hat. Danach, so sieht es mein ideales Manöver vor, möchte ich wieder stark anluven auf den letzten Am-Wind-Kurs. Doch das wird dann zunehmend im engen Sund schwieriger. Deshalb entschließe ich mich knapp 3 sm vor dem Hafen das Manöver so zu fahren. Das Focksegel ist schließlich geborgen und ich segle noch etwas mit dem Großsegel.

Auf dem Plotter sehe ich Andreas (den ich in Gävle getroffen hatte) vor dem Hafen und ich sende ihm eine Whatsapp Nachricht mit der Bitte, mir einen Platz frei zu halten. Das ist natürlich nicht ernst gemeint, denn er kann mir natürlich keinen Platz reservieren. Letztendlich habe ich keine Lust mehr auf diesen starken Wind mit der unangenehmen Welle und berge das Großsegel. Unter Motor geht es die letzten 3 sm Richtung Hafen.

Am Steg steht Andreas und hält mir die Mooringleine hoch – es hat noch zwei Plätze auf der von mir bevorzugten Südseite des Stegs. Festgemacht. Die Hafenmeisterin ist auch gleich zur Stelle – wie im letzten Jahr.

Wieder festgemacht in Öregrund

Ich hatte jetzt wegen der Wetterprognose etwas Gas gegeben und bin nun 7 Tage eher in Öregrund als ursprünglich geplant. 2 Tage gehen jetzt wegen des Wetters wieder verloren aber ich habe 5 Tage „gewonnen“. Deshalb möchte ich es jetzt ab Montag etwas gemütlicher angehen. Denn jetzt kommt wieder ein schönerer Teil – die Schären südlich von Öregrund. Hier hatte ich letztes Jahr, gegen Ende meiner Reise, einmal an einer Schäre angelegt. Und das möchte ich in diesem Jahr noch ein paar Mal wiederholen. Und dann werde ich wieder durch den Väddö Kanal gehen.

Mühsames Segeln gegen den Wind

Hafentag in Öregrund

Samstag, 18. Juli 2026

Den Tag erwähne ich nur der Vollständigkeit halber. Der Wind nimmt langsam zu, der Regen bleibt noch aus. Ich gehe noch etwas einkaufen. Wer oben das Bild meiner Vorräte gesehen hat, dem wird die Menge an Flapjacks auffallen. Eine Art Müsliriegel aber wesentlich nahrhafter (etwa 400 Kalorien). Leider gibt es die nicht in Deutschland und ich fülle die Backskiste, um dann einige mit nach Hause zu nehmen (haltbar bis 2027).

Dann kenne ich vom letzten Jahr hier noch eine nette Konditorei wo ich mir süße Stückchen zum Kaffee hole. Ansonsten werde ich etwas arbeiten, um ein paar Stunden aufzuholen. Hoffen auf Montag…

Wieder nur ein kleiner Schlag – Ulvön

Sonntag, 5. Juli 2026

Das Wetter war ja dann ja besser als vorhergesagt. In Skeppsmalen habe ich eine sehr ruhige Nacht verbracht. Für den Nachmittag ist aber Regen und später sind Gewitter vorhergesagt. Deshalb schaue ich das ich möglichst früh weg komme. Ich habe heute wieder nur einen kleineren Schlag geplant. In Ulvön war ich letztes Jahr zum tanken auf dem Rückweg Richtung Süden und ich dachte damals „das sieht auch nett aus hier“.

Früh morgens in Skeppsmalen
Rückblick nach Skeppsmalen

Für Montag ist den ganzen Tag Regen vorhergesagt und es soll wieder auf 15 Grad abkühlen. Deshalb wollte ich nach einem Hafen mit Landstrom schauen. In Norra Ulvön gibt es mehrere Anlegemöglichkeiten. Der Wind kommt aus Nordost weshalb ich auf einem schönen Raumwindkurs gemütlich segeln kann. Was jetzt auffällt: Es sind jetzt einige Segler hier unterwegs und ich muss mehr darauf achten. Die Region Höga Kusten ist bei den Schweden und den Finnen sehr beliebt. Und natürlich sind auch einige Deutsche hier unterwegs.

Vorbei an Trysunda – da war ich im letzten Jahr

Angelegt wird in Ulvön mit Heckboje – nicht mein Lieblingsmanöver. Beim ersten Versuch vertreibt der Seitenwind mein Boot und der Abstand ist zu groß um die Boje zu erreichen. Der zweite Versuch geht dann gut und wieder steht ein Schwede am Steg um meinen Bug aufzufangen. Kurzer Smaltalk auch über das Wetter und über die Kälte im Norden. Er kommt aus Umeå. Auch er ist mit dem Sommer bisher nicht zufrieden. Er meint, es müsse einmal ein Hoch im Norden durchziehen, um die warme Luft aus dem Süden anzuziehen. Für heute können wir uns jedenfalls nicht beklagen. Es ist warm und ich sitze ohne Shirt (und ohne Socken!) im Cockpit.

Festgemacht Norra Ulvön

Regenpause

Montag, 6. Juli 2026

Spät am Vorabend kam dann der für Mittag angekündigte Regen. Ich war dann aber doch froh, so früh in Ulvön zu sein denn der Hafen füllte sich. Auch einige Teilnehmer der Midsummer Sail kamen hier an und liegen nun im Päckchen.

Ich überlege die nächsten Tage und stelle fest, dass ich hier an den Höga Kusten schon sehr viel gesehen habe. Zum einen, weil ich im letzten Jahr dann entschieden hatte genau diese Region zu genießen und zum anderen weil ich jetzt dann zum vierten Mal in dieser Region bin. Alle bekannten und beliebten Ziele und auch einige weniger bekannte Orte habe ich hier bereits besucht. Daher fällt es etwas schwer, ein sinnvolles Ziel zu finden.

Außerdem ist das Wetter (für mich ohne Heizung) noch nicht so, dass ich nach Ankerplätzen oder SXK Bojen Ausschau halte. Heute hat es abgekühlt auf 12 Grad(!) und die nächsten Tage erholt es sich nur langsam etwas.

Kein Hochdruckgebiet im Moment in Sicht

Im Moment ist kein Hochdruckgebiet in Sicht. Der einzige Vorteil: Tiefdruckgebiete drehen auf der Nordhalbkugel der Erde gegen den Uhrzeigersinn. Das bringt mir Wind aus nördlicher Richtung – also ideal für mich. Mal sehen wie ich das in der Kombination mit dem Wetter nützen kann.
Um es für den Laien besser zu erklären: Ein Hochdruckgebiet liegt nördlich von England. Das Tiefdruckgebiet über Südschweden wandert langsam Richtung Osten. Dadurch kommt es zuerst in der südlichen und später in der mittleren Ostsee zu Starkwind aus Nord bzw. Nordwest. In Landnähe moderat – 15 bis 20 Knoten Wind geschätzt.

Ulvön

Ulvön wird auch die „Perle des Bottnischen Meeres“ genannt. Norra Ulvön ist die Hauptattraktion des Schärengartens von Höga Kusten. Der Ort zeigt mit seinen Häusern, den Bootshäusern und dem Museum die Entwicklung von Fischerei, Bergbau und Landwirtschaft im 17. Jhd. bis zum heutigen Tourismus. Ulvön war einst das größte Fischerdorf von Norrland.

Besonders sehenswert ist die alte Kapelle die von den Fischern bereits 1622 erbaut und mehrmals umgezogen wurde. Dass die Kapelle mehrmals umgezogen wurde hängt wohl mit der Landhebung zusammen. Einst stand sie an einem höheren Punkt. Wie andere Kapellen wurde auch diese in den Wintermonaten genutzt die Fischereiausrüstung zu lagern. Eine Besonderheit sind die Wand und Deckenmalereien. Das sieht man sehr selten in solchen Fischerkapellen. Im 19. Jhd. wurde die Kapelle schließlich zu klein, war baufällig und eine größere Kirche wurde an einem anderen Platz gebaut. Es gab bereits eine Abrissgenehmigung für die alte Kapelle. König Oscar II., der Ulvön besuchte, erkannte jedoch den Wert der Wandmalereien und stiftete 200 Reichstaler für deren Erhalt.

Von außen wirkt die alte Kapelle sehr unscheinbar
Die neue Kirche aus dem 19. Jhd.

Ansonsten bietet Ulvön einige Cafés, Möglichkeiten zum Essen und kleine Geschäfte. Zwei Kursschiffe fahren mehrmals täglich nach Ulvön.

Ein richtig schöner Segeltag – Hörsång

Dienstag, 07. Juli 2026

Das Wetter bessert sich im Laufe des Tages. Zuerst ist es noch bewölkt aber schon deutlich wärmer als gestern. Dann findet langsam die Sonne einen Weg durch die Wolkenlücken. Nach getaner Arbeit lege ich deshalb zügig ab. Mein Ziel für heute ist Hörsång – knapp 25 sm. Der Wind kommt aus West, teilweise aus Nordwest. Das bedeutet Halb-Wind bis Am-Wind segeln.

Herrlich Halbwind bis Am-Wind

Ich überlege zuerst noch ob ich hier tanken soll, etwa 20 Liter könnten hinein passen. Aber ich möchte dann doch keine Zeit verlieren – wer weiß, was der Wind im Laufe des Tages noch macht. Da der Wind von der Landseite kommt und ich zwischen Inseln oder an der Landseite entlang segle, hat es praktisch keine Welle. Der Wind bläst schön mit 10 bis 13 Knoten und beschleunigt Miss Sophie auf 6 Knoten – herrlich.

Der Leuchtturm vor Bönhamn

Ich erkenne die Bucht, wo ich letztes Jahr in eine herrliche Ankerbucht abgebogen bin und es geht an Bönhamn und Barstahamn vorbei. Was auffällt: Es sind jetzt deutlich mehr Segler unterwegs. Nach dem Leuchtturm vor Barstahamn muss ich anluven aber ich schaffe es zuerst nicht die von Orca angedachte Höhe zu laufen. Doch dann dreht der Wind wieder etwas zu meinen Gunsten und ich segle hoch am Wind – soweit es geht. Doch der Wind wird jetzt immer unbeständiger, sowohl in der Richtung als auch der Windstärke. Mal fällt er runter auf 7 Knoten um kurz darauf auf 15 Knoten anzuziehen. Ich weiß nicht ob es an den Hügeln, Buchten und Inseln liegt. Die Ursache ist letztendlich egal. Ich muss sehen wie ich damit umgehe.

Leuchttürmchen

Kurz vor Storön (dort hatte ich letztes Jahr eine SXK Boje) wird es dann ganz verrückt. Schlagartig dreht der Wind um 45 Grad und ich sollte es so nicht in die Lücke zwischen Storön und dem Festland schaffen. Dann lässt der Wind wieder stark nach und ich nütze die Gelegenheit, erst einmal die Fock zu bergen. Dann mache ich eine Wende, es ist nicht mehr weit bis Hörsång. Ich hoffe mit der Wende durchzukommen aber wieder dreht der Wind mal links mal rechts. Schließlich habe ich die Faxen dicke und werfe den Motor an. Der Wind kann mich mal.

Noch 5 sm bis Hörsång. Es geht in den Sund hinein und ich hoffe hier auf mehr Schutz vor dem Wind. Denn am Ende wartet wieder Anlegen mit Heckanker. Ein größeres Segelboot liegt vor Anker am Ende der Bucht. Im Hamnguiden steht das es flach am Steg wäre und nur Motorboote oder kleinere Segelboote den Weg hierher finden. Doch es liegt ein etwas größeres Boot am Steg womit ich optimistisch bin mit meinen 1,40 Meter Tiefgang ebenfalls anlegen zu können.

Ich habe alles vorbereitet und ich werfe den Heckanker. Der Finne vom anderen Segelboot geht an den Steg um meinen Bug aufzufangen. Langsam, langsam geht es Richtung Steg. Aber genauso langsam geht mir die Leine des Heckankers aus. Ich hoffe das es reicht denn sonst müsste ich das Manöver abbrechen, Anker lichten und noch einmal anfahren. Es reicht gerade so um noch zwei Schläge mit der Ankerleine auf die Klampe machen zu können. Aber auch etwas Gutes: Der Heckanker hält sofort bombenfest. Nur mit großer Kraftanstrengung bekomme ich das Boot nah genug an den Steg gezogen.

Und dann erst einmal genießen – was ein schöner Platz. Die Sonne scheint noch etwas, Kinder springen ins Wasser und wir, der Finne und ich, sind hier alleine am Steg. Ruhe. Kein Vergleich mit dem ähnlich Sardinen liegenden Booten in Ulvön. Achja, und der Tiefgang reicht genau – 1,60 Meter zeigt das Lot.

Festgemacht – Hörsång
Eine sehr schöne Bucht, ein sehr schöner Platz

40 sm sind einfach grenzwertig

08. Juli 2026

Die Wetteraussichten für heute waren eher durchwachsen. Immer wieder sollen Regenschauer durchziehen. Aber ich möchte Sundsvall erreichen. Erstens weil ich einkaufen muss – ich habe mal wieder keine frischen Lebensmittel. Zweitens weil ich duschen und Wäsche waschen möchte. Drittens weil mich das so oder so einen Tag Pause kostet und ich sonst meinem Zeitplan hinterher hinke. Und viertens weil ich den guten Norwestwind nützen möchte. Orca meint was um die 35 sm ohne eine Wende oder Halse.

Rückblick auf Hörsang – ein schöner Ort

Also lege ich kurz nach Mittag ab (so früh wie derzeit für mich möglich). Gerade da fängt es an zu tröpfeln. In weiser Voraussicht hatte ich das Ölzeug und die Segelstiefel angezogen. Ich hasse nasse Schuhe. Doch es blieb bei ein paar Tropfen. Immer wieder schaue ich auf den Regenradar. Ein größeres Regengebiet zieht vor mir weg – also im Moment alles gut. Gleich raus aus dem Sund werden die Segel gesetzt und es geht auf raumen Kurs voran. Erst mit etwa 5 Knoten was aber durchaus reicht. Wieder geht es an bekannten Orten vorbei. Der Insel Storön, wo ich letztes Jahr an der SXK Boje lag. Härnösand, wo ich den Anlasser für den Motor bekam und der taubstumme Mitarbeiter mit mir den Anlasser wechselte. Sehr schöne Erinnerungen auch an Lustholmen und den Ausflug zur Höga Kusten Brücke.

Ringsum Regenschauer – aber ich habe Glück

Der Wind hat mittlerweile angezogen und die leichte Welle kommt schräg von hinten. Miss Sophie beschleunigt auf über 6 Knoten, das eine oder andere Mal steht eine 7 auf der Logge. Das kann mir nur recht sein. Je eher ich ankomme umso besser. Aber die Ankunftszeit bleibt bei etwa 20:30 Uhr.

Ich benütze LocaToWeb (www.locatoweb.com). So können meine Frau und meine Kinder (und wer möchte) mich verfolgen. Ich sehe die zurückgelegten Seemeilen und die vergangene Zeit. Irgendwas passt mit der Ankunftszeit und den 35 sm, die ich im Kopf habe, nicht zusammen. Der Wind lässt plötzlich nach und die Geschwindigkeit sinkt unter 3,5 Knoten. Das ist zu langsam – ich habe keine Lust um 23 Uhr noch etwas anzukommen. Also wird der Motor als Unterstützung genommen. Nach 1/2 Stunde legt der Wind wieder zu und der Motor kann wieder Pause machen. Das gleiche passiert dann noch einmal eine ganze Zeit später. Seltsam.

Vor Sundsvall nimmt der Wind dann noch einmal Fahrt auf. Das Wasser kräuselt sich leicht – daran erkennt man gut Böen bzw. das es böig ist. Johann, mein elektronischer Steuermann ist ausgestiegen (hat aufgegeben). Entweder luvt er zu stark an oder fällt zu stark ab. Egal ob ich schnell Druck aus dem Großsegel nehme indem ich die Schot fiere oder ob ich das Segel dichter nehme. Mit dem Achterliek des Segels kann ich bei dem alten, ausgelutschtem Segel nicht viel machen. Das Achterstag ist schon gut durchgesetzt. Weil ich Sorge habe, dass Johann einen Sonnenschuss* verursacht, übernehme ich die Pinne. Kurz vor Sundsvall hoffe ich in die Windabdeckung einer Insel zu kommen. Die Gelegenheit möchte ich nützen, das Focksegel zu bergen und das klappt dann auch wie geplant – Wind nur noch 6 Knoten.

Dann geht es noch ein Stück nur mit Großsegel weiter. In den Sund hinein muss ich gegen den Wind weshalb ich den Motor starte und das Großsegel berge. Ich hoffe darauf, dass es hinten im Hafen windstill ist. Ich habe in Erinnerung das ein Gebäude vor dem Steg steht und das müsste eigentlich vor dem Wind schützen. Doch es ist nicht windstill – 7 Knoten Wind. Vier andere Segelboote liegen am Steg aber keine helfende Hand für das Anlegemanöver an Heckboje in Sicht.

Den ersten Versuch versemmel ich gleich – die Leine hat sich verheddert. Also noch einmal, zweiter Versuch. Und diesmal hängt die Leine an der Starlink Antenne, wie auch immer das geht. Also erst noch einmal raus aus dem Hafen – hier im Hafen bei dem Wind habe ich keinen Platz um alles noch einmal zu sortieren. Draußen vor dem Hafen sortiere ich noch einmal die Leine und bereite sie sauber vor. Dann wieder rein, schauen an welchem Platz es am wenigsten Wind hat. Eigentlich sollte der Wind ja von vorne kommen, kommt er aber nicht – er kommt schräg von vorne. Eigentlich ein Situation um sich an einem Nachbar anlehnen zu können. Das geht aber nicht weil die Abstände zwischen den Bojen zu groß sind. Egal, Versuch macht kluch (klug). Bojenhaken eingehangen, Leine läuft, ich lasse den Motor auf Standgas gebe Leine nach und hoffe das sich das Boot irgendwie stabilisiert. Kurz vor dem Steg sprinte ich nach vorne. Zum Glück hatte ich einen Festmacher so vorbereitet, dass ich ihn nur schnell von der Bugreling nehmen musste. Es reicht gerade noch auf den Steg zu springen und die Leine um einen Poller zu legen denn schon driftet das Boot ab Richtung Nachbar. Puh, das ist gerade mal so gut gegangen.

Wieder festgemacht in Sundsvall
Wäsche waschen in Sundsvall – alles verständlich, oder?

Das ist der Nachteil von so einem kleinen, leichten Boot. Der Wind hat einen ganz anderen Einfluss als auf ein 36 Fuß Boot welches das doppelte auf die Waage bringt. Nun noch etwas essen. Die Wäsche wandert gleich in die Waschmaschine und dann kommt später noch mein schwedischer Freund Roger (der Diesel-Lieferant).

Achja, es waren dann 44 sm und das ist einfach grenzwertig wenn ich am Vormittag arbeiten muss. Bei meiner Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,1 Knoten werden das über 10 Stunden – too much. Heute hatte ich dann eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Knoten – da geht das gerade noch so. Aber je weiter ich Richtung Süden komme und das Jahr voran schreitet (kürzere Tage) desto schwieriger wird das – Ankommen in der Dunkelheit hatte ich ja schon letztes Jahr unfreiwillig geübt.


*Sonnenschuss: Wenn ein Boot aufgrund der Auswahl der Segel, der Stellung und dem Trim der Segel zu viel Wind hat, dann sollte es (wenn es richtig konstruiert ist) dazu neigen in den Wind zu drehen. Im Extremfall dreht es komplett in den Wind (Rumpf gegen den Wind) und im schlechtesten Fall geht dann der Bug auf die andere Seite. Deshalb ist der Sonnenschuss unbedingt zu vermeiden.

Memories – Erinnerungen

Donnerstag, 09. Juli 2026

Von meiner Tochter

Ich hatte die Tage zuvor schon das eine oder andere Mal über Erinnerungen geschrieben. Gestern Abend war noch mein schwedischer Freund (Roger) in den Hafen von Sundsvall gekommen. Am Vormittag musste ich wie bekannt arbeiten. Wir hatten uns verabredet, heute nach Lill-Lubban zu gehen. Dort war ich bereits im letzten Jahr zweimal. Einmal „alleine“ auf dem Weg Richtung Norden und das zweite Mal mit den damals neu gewonnenen Freunden vom Cruisingklubben – u.a. Roger.

Roger legte schon früher ab und segelte. Nach getaner Arbeit startete ich auch – noch mit Wind aus Nordost – und konnte schön raumschots segeln. Roger warnte mich vor, dass nach der letzten vor Sundsvall vorgelagerten Insel der Wind sich vollkommen verändern wird. Ich war vorgewarnt. Aber was dann passierte, habe ich selten erlebt. Der Wind drehte um mehr als 90 Grad und nahm plötzlich komplett ab. Zum Schluss hatte ich eine spiegelglatte Ostsee vor mir – oder wie ein Bekannter kommentierte: „Arschglatt“.

Der Wind dreht komplett
Spiegelglatt – kein Wind

Otto musste einspringen und so wurde es wieder einmal eine mehrstündige Motorfahrt. Und ich war so müde. Manchmal, wenn es solche Situationen hat, ich müde bin, der Kurs feststeht, ringsum nichts zu sehen ist, dann mache ich 10 Minuten Power-naps. Ich hatte das mal von einem Bekannten gehört der Langstrecken-Radrennen fährt. Wie z.B. in der USA von der Westküste zur Ostküste oder vom nördlichen Ende Deutschlands nach Garmisch-Partenkirchen. Das funktioniert. Ich stelle dann den Timer vom Handy auf 10 Minuten und schließe die Augen. Es ist kein richtiges Schlafen – mehr Dösen.

In Lill-Lubban waren wir beide alleine. Kaum zu glauben – so ein schöner Naturhafen und kein anderes Segelboot hier. Manchmal nicht zu verstehen. Roger hatte ein tolles Fleisch für den Grill vorbereitet, aus seinem Bord-Ofen gab es Kartoffelgratin und ich machte noch einen Tomatensalat dazu. Wir lebten wie Gott in Frankreich.

Zu den Erinnerungen: Auf dem Weg fuhr ich an Lorrüden vorbei. Da war ich im letzten Jahr zum Lunch. Eine tolle Erinnerung – der Wirt bot mir an die Nacht dort zu bleiben, er würde das mit dem Fischer klären. Und dann die Erinnerung an Lill-Lubban mit dem Svenska Kryssarklubben. Ich sauge diese Erinnerungen gerade auf da wie gesagt dies für mich ein „einmaliges“ Erlebnis ist. Am Ende dieses Törns wird das alles nur noch Erinnerung sein. Es gibt keine Wiederholung. Das macht das alles etwas besonders, auch wenn es kein „toller“ Segeltag war. Es gibt Dinge im Leben, die lassen sich nicht wiederholen. Sie sind und bleiben einmalig.

Lorrüden
Festgemacht – Lill Lubban
Die Blaubeersaison hat begonnen…. (Vogelshit)

Zum Mittagessen – Skatan

Freitag, 10. Juli 2026

Roger, mein schwedischer Freund, und ich hatten ein tolles BBQ auf Lill-Lubban. Er hatte dafür ein Fleisch vorbereitet wie wir es im letzten Jahr hatten als ich mit dem Svenska Kryssarklubben weiterzog. Am Tag zuvor hatte er erwähnt, dass man hier in einer Bucht daneben sehr gut essen könnte. Deshalb hatte ich die Idee heute dort Lunch zu haben. Für mich ein kleines Stück zurück und für Roger in der Richtung seinem zu Hause.

Also wurde nach der Arbeit der Motor angeworfen. Viel Wind hatte es nicht und es sollte dann ein enges Fahrwasser folgen das etwas im Zick-Zack verläuft. Aber alles gut markiert mit Fahrwasserzeichen. Die Navionics-Karte auf dem Plotter war mir trotzdem recht denn links und rechts gerät man schnell man in die Nähe (oder auf) eines Steins. Am Steg empfängt mich der „Hafenmeister“ – also der Einweiser. Ich hatte eigentlich mit dem Anlegen in einer Box mit Y-Steg oder Heckboje gerechnet weshalb ich weiter nichts vorbereitet hatte. Aber es war wieder einmal Anlegen mit Heckanker. Mittlerweile bin ich das wieder geübt und das Anlegemanöver läuft wie geschmiert. Ein sehr schöner Platz. Man ist praktisch mitten im Fischerdorf direkt neben dem Restaurant.

Das Essen war, wie nicht anders zu erwarten, hervorragend. Dann hieß es Abschied nehmen – Roger musste zurück und für mich sollte es morgen weiter Richtung Süden gehen. Ob wir uns noch einmal wieder sehen?

Jedenfalls hat er mir seine Bavaria 37 angeboten. Ich kann jederzeit kommen und wenn ich an den Höga Kusten segeln möchte würde er sie dort hin bringen und mir sagen wo ich das Boot übernehmen kann. Ich werde Schweden und die Freunde vom Svenska Kryssarklubben vermissen.

Festgemacht – Skatan
Das Restaurant direkt neben dem Steg
Skatan

Die Temperaturen sind langsam erträglich

Schon die letzte Nacht auf Lill-Lubban hatte ich ja keinen Heizlüfter und auch heute in Skatan verzichte ich auf Landstrom. Es ist (verhältnismäßig) noch kühl aber o.k. Vergleichbar mit unserem späten Frühjahr. Tagsüber wärmt die Sonne ziemlich gut – am Nachmittag saß ich wieder im T-Shirt im Cockpit. Abends zieht man dann gerne etwas über. Ich denke ich werde jetzt langsam vermehrt Ankerplätze und SXK-Bojen ansteuern. Es wird…

Hauptsache weiter – Stocka

Samstag, 11. Juli 2026

Ich stehe relativ früh auf (obwohl Wochenende) weil ich eigentlich etwas früher weg möchte. Aber ich möchte auch noch geräucherte Garnelen kaufen – das ist wohl eine Spezialität die es hier in Skatan gibt. Und wie sich dann herausstellt öffnen die wohl erst gegen 12 Uhr das Geschäft. Also warte ich noch. Gegen 11:30 Uhr ist es dann soweit – ich habe meine Garnelen und ich kann ablegen.

Wieder durch das enge Zick-Zack Fahwasser

An der Anlegestelle hatte es noch zeitweise etwa 7 bis 8 Knoten Wind. Als ich dann draußen bin ist vom Wind nichts mehr zu sehen. Aber ich möchte weiter kommen. Ich bin jetzt einen Tag hinterher. Ich wollte nach meinem Plan gestern in Stocka sein. Also muss es heute weitergehen.

Heute wird es eine richtig öde Fahrt. Nicht viel zu sehen. Ab und an ein anderes Segelboot. Hinter mir sehe ich auf dem AIS ein größeres Segelboot und bald kann ich es auch mit bloßem Auge sehen. 12 Meter soll es lang sein. Es hat die Segel oben und macht 5,7 Knoten Fahrt. Also die Gesetze der Physik lassen sich auch mit Länge nicht überlisten. Sicher hat er ebenfalls den Motor an.

Dann hat es mal etwas Wind aber er kommt zu direkt von vorne. Ich bin zu faul jetzt gegenan zu kreuzen. Gegen 17 Uhr sollte ich in Stocka sein – das ist mir spät genug.

Weshalb wieder Stocka? Viel Alternativen gibt es hier nicht Melanfjärden wäre eine gewesen. Von Melanfjärden war ich letztes Jahr etwas enttäuscht. Typisches Touristen-Fischerdorf, lausige Sanitäranlagen und ein mittelmäßiger Steg. In Stocka hat es sehr gute Sanitäranlagen, es ist günstiger (nur 150 SEK mit Strom) und ich kann das Porta Potti hier leeren. Beim Anlegen mit Heckboje hilft mir ein Schwede (sie waren auch in Skatan). Sie sind früh los und hatten wohl noch brauchbaren Wind auf dem größten Teil der Strecke.

Morgen früh soll es Nordwind mit 4 bis 5 Bft. haben der bis Mittag anhält. Montag wohl auch noch einmal. Das bedeutet die nächsten zwei Tage kann ich Strecke machen.

Achja, noch eine Randnotiz: Die 1.000 Seemeilen sind jetzt voll. Mit etwa 1.700 sm habe ich gerechnet. Soweit sollte ich im Plan liegen.

Wieder in Stocka

Zeit zum nachdenken…

Sonntag, 28. Juni 2026

Ich sitze in Mässkär – eine kleine Insel vor Jakobstad. Ich hatte Mässkär ja nicht nur wegen des anhaltenden Südwestwindes ausgesucht. Sondern auch weil ich hier Strom haben sollte. Gestern, als ich hier anlegte, half mir ein finnischer Motorbootfahrer der am Steg lag. Wir unterhielten uns etwas und ich meinte, das es an diesem Steg wohl keinen Strom hätte. Er zeigte auf einen Stromkasten und meinte „doch, hier hat es Strom. Aber ich weiß nicht ob dieser geht“. Er hatte eine Kabeltrommel zu einer Steckdose an Land gelegt und ich könnte sonst auch bei ihm einstecken. Ich versuchte zuerst die Steckdosen auf dem Steg. Doch jedes Mal wenn ich den Stecker einsteckte, haute es die Sicherung heraus. Dabei wäre der einzige Verbraucher das Landstromladegerät zum Laden der Verbraucherbatterie. Ich gab dann schließlich auf und steckte mein Kabel in seiner Kabeltrommel ein.

Am Abend zuvor ist es noch schön

Am Abend höre ich ein Motorboot und denke mir nichts weiter. Als ich noch einmal hinausgehe, um ein paar Videos von der Stimmung zu machen registriere ich, dass der Finne einfach weggefahren ist. Mein Kabel lag auf dem Steg. Er hatte noch am Nachmittag zu mir gesagt, dass er bis morgen bleiben würde. Manchmal sind sie seltsam die Finnen. Ich meine, er hätte mal ans Boot klopfen und Bescheid geben können. Hätte ich zumindest gemacht. Egal.

Mässkär

Am Nachmittag kommt ein anderer deutscher Segler. Es hat sie voll im Gewitter erwischt und er fragt ob er bei mir im Päckchen liegen kann da sein Landstromkabel zu kurz wäre. Ich sage ihm, das die Steckdose nicht geht. Laut einem finnischen Motorbootfahrer, der auf der anderen Seite des Stegs liegt, soll die Steckdose jetzt wieder funktionieren. Doch dem deutschen Segler fehlt ein Adapter von Schuko-Stecker auf CE Stecker. Ich biete ihm meinen an. Meine LifPo Batterien sind recht voll und ich bin trocken. Da stellt sich heraus, dass mein Adapter defekt ist – Kabelbruch. Mit einem anderen Schuko-Stecker einer Mehrfachsteckdose, die ich nicht unbedingt benötige, wird der Adapter geflickt und funktioniert wieder.

Neue Pläne schmieden…

Nachdem ich Samstag ja nur den kleinen Schlag nach Mässkär gemacht hatte, heute ein Tag Auszeit wegen Regen ist, hinke ich meiner ursprünglichen Planung um zwei Tage hinterher. Eigentlich wäre ich zum Ende meines Urlaubs gerne in Schweden gewesen weil ich dazu ja noch den längeren Schlag quer über die Ostsee machen muss.

Mein Plan zurück nach Schweden zu kommen sieht zwei Etappen vor

Mein Plan, zurück nach Schweden zu kommen, sieht zwei Etappen vor: Von der Klobbskat Marina auf die kleine Insel Norrskär – Vasa und von dort zum Järnäsklubbs Gästhamn (Schweden). Einmal 14 sm und einmal 29 sm (direkter Weg). Doch dazu muss ich von hier erst einmal zur Klobbskat Marina kommen die knapp 50 sm entfernt ist. Für morgen (Montag) ist es sehr schwachwindig angekündigt. Motoren kann ich nicht mehr so viel denn mit dem Tanken hat es ja bisher nicht geklappt. Am Samstag hatte ich die 25 Liter, die mir mein Bekannter aus Schweden geschenkt hatte, eingefüllt. Geschätzt habe ich jetzt etwa 35 Liter im Tank. 10 Liter habe ich noch als Reserve dabei.

Das Objekt der Begierde – Seetankstelle

Ich suche noch einmal im Internet ob ich nicht doch eine Seetankstelle in Jakobstad finde. Irgendwo müssen ja auch die Finnen tanken. Ich finde eine Seetankstelle am Ende der Bucht. Nur ob ich da mit meinem Tiefgang hin komme, weiß ich noch nicht. Das wären etwa 1 Stunde unter Motor dort hin.

Auf jeden Fall habe ich meinen Plan geändert. Eigentlich wollte ich als nächstes Stubben-Lillskäret ansteuern. Aber da ich jetzt ja den Zwischenstopp in Mässkär gemacht habe, wären das nur 15 sm von hier. Deshalb habe ich mir die Insel Kummelskäret ausgesucht. Das sind knapp 30 sm. Und damit habe ich dann den Weg zur Klobbskat Marina um 15 sm verkürzt.

Mein Ziel, zurück nach Schweden zu kommen, rückt in greifbare Nähe. Wenn es gut läuft, bin ich Freitagabend in Örnsköldvik und habe dann den Samstag um meine Vorräte wieder aufzufrischen.

Am Abend ist alles vorbei und die Sonne kommt hervor

Motortag

Montag, 29. Juni 2026

Windy hatte schon sehr wenig Wind für heute vorhergesagt. Orca meinte das es zumindest mit raumen Wind, auch bei wenig Wind, segelbar sein sollte. Doch zuerst ging es nach Jakobstad zum tanken. Ich hatte eine Seetankstelle in Google gefunden. Fraglich war nur, ob ich mit meinem Tiefgang da hin komme. Sie ist ein kurzes Stück nach dem Segelsällskapet. Dort ist weiter kein Fahrwasser angegeben weshalb ich dort langsam hinein fahre. Aber es ist gut durch Kardinalzeichen markiert und ich habe immer 2 Meter Tiefe.

Nach Jakobstad ist das Fahrwasser manchmal eng aber gut markiert

Der Tank wird voll gemacht und auch der 25 Liter Kanister den ich vorgestern in den Tank gefüllt hatte. So habe ich wieder den Tank voll und 35 Liter als Reserve. Unter Motor geht es wieder hinaus und wieder vorbei an Mäskär jetzt aber mit Kurs Südwest. Die Aktion hat mich insgesamt 2 1/2 Stunden und 10 Seemeilen gekostet. Aber so fühle ich mich sicherer in Hinblick auf die kommenden Tage. Außerdem weiß ich vom Vorjahr, dass die nächste Möglichkeit in Schweden zu Tanken erst in Ulvön ist – die Tankstelle in Örnsköldvik, die noch im Hamnguiden eingezeichnet ist, gibt es nicht mehr.

Ich bin wieder draußen auf der Ostsee – aber von Wind ist keine Spur zu sehen. 2 Knoten, 3 Knoten, spiegelglattes Wasser. Es bleibt mir nichts anderes als weiter den Motor laufen zu lassen. Ich erwarte einen gemütlichen Tag da ich etwa weiter draußen bin sind keine anderen Motorboote zu erwarten. Und Segler sind sowieso nur sehr wenig unterwegs.

Spiegelglatte Ostsee
Kein Wind

Mein Ziel ist Kummelskäret. Die Bezeichnung „Hafen“ wäre übertrieben, nennen wir es Anlegemöglichkeit. Es soll einige Heckbojen und einen Steg zum längsseits festmachen geben. Kein Strom, kein Wasser. Da ich jetzt Richtung Südwest fahre ist mein 100 Watt Solarpanel, das sonst immer auf Steuerbordseite hängt, den ganzen Tag im Schatten. Deshalb überlege ich es umzubauen und auf die andere Seite zu hängen. Ich muss etwas die Kabel neu sortieren, aber das geht. In der App studiere ich die Leistung des Moduls, was die LifPo Batterien jetzt machen (laden oder entladen?) und über den Batteriemonitor (auch über App) die Leistung.

Während ich so intensiv damit beschäftigt bin realisiere ich das irgendetwas nicht stimmt. Ich mache keine Fahrt mehr, 1 Knoten, 0,5 Knoten. Ich überlege was jetzt passiert sein könnte der Motor klingt noch relativ normal. Habe ich die Schraube verloren? Ich schaue ins Wasser und sehe das Übel – ein Fischernetz. Schxxxx – denke ich. Leerlauf, Rückwärtsgang und hoffen, dass sich das Netz nicht um die Schraube gewickelt hat. Ich sehe mich schon den Neoprenanzug irgendwo in der Achterkajüte suchen und mit Taucherbrille in der Ostsee.

Doch ich habe Glück, das Boot fährt rückwärts. Offensichtlich bin ich am Kiel hängen geblieben und das Netz kam nicht in die Schraube. Richtig Glück gehabt. Ich fluche etwas. Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet. 5 sm vom Festland entfernt legen die finnischen Fischer Netze aus. Von Mäskär hatte ich es gelesen deshalb hatte ich gestern immer wieder die Augen offen gehalten. Aber hier hatte ich wirklich nicht damit gerechnet.

Ab sofort halte ich ständig Ausschau. Aber es kommt kein weiteres Netz. Dann geht es hinein ins Archipel. Wie immer sehr flach. Aber das Fahrwasser ist sehr gut mit Fahrwasserzeichen, Kardinalzeichen und Ansteuerungsmarkierungen am Land bezeichnet. Die Anlegemöglichkeit entpuppt sich dann etwas anders als ich es erwartet hätte. Ich hatte im Internet eine Seite mit Informationen und ein paar Drohnenaufnahmen gefunden. Aber die waren wohl schon älter. Die Heckbojen sind extrem weit weg vom Steg, vor allem für meine Bootsgröße. Aber ich muss es probieren. Am Steg sitzen ein paar Segler, sie werden wohl beim Anlegen helfen. Im Notfall muss ich abrechen und die Leine am Bojenhaken verlängern. Aber mit der Hilfe von Land reicht die Leine gerade so, um festzumachen. Später kann ich sie dicht holen und habe genug Leine auf der Klampe.

Festgemacht – Kummelskäret
Netter Platz

Der Platz ist ganz nett und vor allem: Es ist heute das erste Mal so richtig warm. So sitze ich im Cockpit im T-Shirt, ohne Socken (meine Frau meint „riskant“ weil ich selten die Socken ausziehe) und mit der leichten Segelhose. Und mir ist es immer noch zu warm.

Am Abend mache ich ein Feuer und hole die Steaks aus der Kühlbox. Dazu ein paar Folienkartoffeln. So einen Platz und so eine Gelegenheit muss man ausnützen. Später am Abend kommt das angekündigte Gewitter und es kühlt wieder deutlich ab. Socken wieder anziehen und langärmliges Shirt anziehen. Aber der Sommer kommt hier langsam an.

Das Feuer brennt – fehlt noch das Grillgut

Wieder einmal gegen den Wind

Dienstag, 30. Juni 2026

Mein letzter Urlaubstag – morgen beginnt wieder der Ernst des Lebens. Naja, nicht ganz. Ich habe ja die Workation Vereinbarung für die nächsten zwei Monate, so wie im letzten Jahr. Und das ging ganz gut.

Aber zuerst habe ich noch einen anspruchsvollen Segeltag vor mir. Mein Ziel ist Klobbskat am westlichen Ende des Kvarken-Archipels. Finnlands einziges UNESCO-Weltnaturerbe. Besonderheit ist die schnelle Landhebung von etwa 9 mm pro Jahr. Es gibt über 5600 Inseln und aufgrund der flachen Lagunen verändert sich die Landschaft fortlaufend. Bootshäuser, die einst am Wasser standen, stehen heute an Land.

So lege ich in freudiger Erwartung aber auch mit einer gewissen Anspannung ab – weshalb, dazu später. Ich muss zuerst auf der offenen Ostsee Strecke Richtung Westen machen bevor ich die richtige Einfahrt in das Archipel Richtung Südwest nehmen kann. Es ist keine Überraschung wenn ich sage, der Wind kommt aus West. Nicht ganz direkt, aber ziemlich genau. Also einmal wieder gegenan kreuzen. Anfangs hat es noch eine kabbelige Welle, vermutlich ein Überbleibsel des Gewitters am Vorabend. Die beruhigt sich später zum Glück etwas. Der Wind ist mit 12 Knoten (noch) o.k. So mache ich meine Strecken auf Holebug und Streckbug und nähere mich der Einfahrt. Zuerst macht der Wind den Eindruck, dass er jetzt abschwächen würde. Das hatte zumindest SMHI vorhergesagt. Windy meinte dass der Wind zunehmen sollte. Heute hatte Windy recht – er zieht etwas an, zeitweise auf 15 Knoten. Kurz vor der Einfahrt berge ich die Fock denn jetzt wird es die kommende Stunde eng im Fahrwasser und es kommt ein Teilstück, bei dem ich weder die Höhe laufen kann noch Platz zum aufkreuzen habe.

Also wird dazu noch der Motor angeworfen und läuft erst einmal im Leerlauf mit. Die Geschwindigkeit von 4 Knoten nur mit dem Großsegel ist für mich ausreichend. Das Fahrwasser ist sehr gut markiert mit Fahrwasser- und Kardinalzeichen. Außerdem sind Orca auf dem iPad und die Navionics-Karte auf dem Plotter sehr hilfreich.

Durch dieses Wirrwarr von Inseln geht es hindurch. Der blaue Bereich ist die 2 Meter Grenze
Im Fahrwasser

Dann kommt eine Strecke, die in Orca Rot markiert ist. Ein Hinweis darauf, dass es jetzt flach wird. Ich halte mich exakt an das Fahrwasser, die minimale Tiefe die ich messe ist 2,7 Meter. Es ist sehr interessant zu sehen wie links und rechts immer wieder Steine aus dem Wasser ragen. Unzählige Inseln umgeben mich. Aber ich bin dann noch ganz froh aus diesem Flachwasser draußen zu sein. Dann kommt noch die Einfahrt in den Hafen wo ich dann wieder die Welle von der Ostsee habe – diesmal von der Seite.

Felsen mit Fahrwaserzeichen

Im Hafen habe ich dann noch 8 Knoten Wind von vorne – beim Anlegen mit Heckboje. Am Steg liegt noch ein finnischer Segler der bereits am Steg steht, um meinen Bug aufzufangen. Das war mir jetzt sehr recht denn Anlegen gegen den Wind mit Heckboje und einhand ist immer eine Herausforderung.

Festgemacht

Vom Hafen selbst bin ich dann etwas enttäuscht. Ich hatte auf eine warme Dusche gehofft und es gibt auch kein Wasser. Aber zumindest meine Wasservorräte sehen gut aus. Der Windvorhersage für morgen ist eher schlecht – wenig bis kein Wind. Im Notfall werde ich die 15 sm unter Motor zurücklegen.

Wir sind alle Motorbootfahrer

Mittwoch, 1. Juli 2026

Ich und Miss Sophie kommen ja eigentlich vom Bodensee. Wellen kennt man als Segler dort primär als Wellen, die von Motorbootfahrern ausgelöst werden. Das kann ärgerlich sein wenn man auf dem glatten Bodensee bei wenig Wind versucht zu segeln, die Segel optimal eingestellt hat, mit 2 bis 3 Knoten dahin gleitet und dann ein vorbeifahrendes Motorboot die Segel und den Großbaum schlagen lässt. Einmal auf einen solch geäußerten Unmut im Segelclub (durch einen anderen Segler) meinte ein anderer Club-Kamerad: „Wir sind alle Motorbootfahrer – die einen mit Segel, die anderen ohne Segel“. Jedenfalls war ich heute an Otto, meiner 9 PS Einbaumaschine sehr froh.

Der Werksverkauf der Brauerei ist geöffnet
Reiseproviant

Nach getaner Arbeit, es war ja mein erster „Arbeitstag“ nach dem Urlaub, kann ich kurz nach Mittag ablegen. Aber davor lasse ich es mir nicht entgehen die Brauerei zu besuchen. Das war mit ein Grund, weshalb ich Klobbskat ausgewählt hatte. Hier, direkt am Hafen, gibt es eine kleine Brauerei mit Werksverkauf. Also habe ich ein paar Hopfenvorräte mitgenommen.

Der Wind war wie angekündigt mit etwa 3 bis 4 Knoten sehr schwach. Zudem kam er genau aus der Richtung, in die ich musste. Bei dem Wind gegenan kreuzen macht überhaupt keinen Sinn. Aber es sollten ja nur 15 sm sein und so hatte ich kurzerhand beschlossen mittels Motorkraft nach Norrskär-Vasa zu kommen.

Rückblick auf Klobbskat
Der wenige Wind kommt direkt von vorne

Ich dachte eigentlich niemanden, also keinem anderen Schiff, auf dieser Strecke zu begegnen als ich auf dem AIS etwas sah, was meinen Weg kreuzen könnte. Ein Blick in die Details verriet: Fähre, Geschwindigkeit 15 Knoten. Da erinnerte ich mich, als ich vor wenigen Wochen bei Umeå war, an die Fährverbindung Umeå – Vaasa. Und da ich jetzt in der Nähe von Vaasa bin, war es klar das diese hier durch muss. Zudem steuerte ich gerade auf ein Verkehrstrennungsgebiet zu. Also Kurskorrektur, um dieses möglichst im rechten Winkel zu passieren. Die Fähre ging dann gut 1 sm hinter mir durch – keine Gefahr in Verzug.

Die Wasaline fährt mir über den Weg

Dann sah ich etwas im Wasser schwimmen. Wieder Kurskorrektur, um dies genauer anzusehen. Könnte ja auch eine Wasserleiche sein. Aber es war nur ein Heliumballon. Das ist das zweite Mal das ich so etwas auf dem Wasser sehe. Zuvor hatte ich mir nie Gedanken darüber gemacht aber jetzt sehe ich, was das für ein Müll für die Umwelt ist.

Die Ansteuerung nach Norrskär-Vasa ist bei diesen Bedingungen unkompliziert. Nur die Suche nach einem Platz zum Festmachen dauert etwas. Denn eigentlich ist der Hafen von Norrskär-Vasa kein Gasthafen. Es ist ein kleiner Fischereihafen für die wenigen Fischer, die hier die Sommermonate verbringen. Der überwiegende Teil der Häuser wird heute als Ferienhäuser genutzt. Aber ich finde schließlich einen Platz an einer Mauer und kläre das sicherheitshalber mit einem Finnen, der kein Englisch spricht (dafür reicht die Verständigung mit Händen und Füßen gerade so). Mit Google Translate frage ich ihn noch, ob er Fisch zu verkaufen hat.

Er geht mit mir zu den Fischerbooten wo zwei junge Männer zugange sind. Sie können Englisch. Also bekomme ich für 3 Euro einen frischen Fisch aus der Ostsee – lucky man.

Festgemacht
Haben die Finnen auch eine Art Mitsommerbaum?

Dann kommt noch ein großes Schlauchboot mit 2 x 250 PS Außenbordern und einer Horde von finnischen Touristen. Im Internet kann ich lesen, dass von Klobbskat aus Exkursionen nach Norrskär-Vasa angeboten werden. Der eine oder andere kennt vielleicht von Bildern die großen „Schlauchboote“ die auch beim Wale-Watching verwendet werden.

Am Abend kehrt dann langsam Ruhe ein. Die letzten Fischer sind heimgekehrt und der eine oder andere hat noch den Hund Gassi geführt. Nun muss ich sehen was ich morgen mache. Der kürzeste Weg von hier nach Schweden beträgt etwa 29 sm (53 km) Luftlinie. Die Wind- und Wetteraussichten für die nächsten Tage sind gerade nicht besonders toll. Ich möchte mich gerne nach Örnsköldvik retten. Mal sehen wie ich das löse. Mein favorisiertes Ziel in Schweden ist der Jänärsklubb.

Alle Fischer wieder zu Hause
Und Abendessen…
Der letzte Abend in Finnland. Die Sonne werde ich so wohl in Schweden Abends nicht mehr sehen

Zurück in Schweden – zurück am Anfang

Donnerstag/Freitag, 02./03. Juli 2026

Zurück am Anfang – zurück in Örnsköldvik. Wie bitte? Ja, Örnsköldvik.

Ich erkläre es… Mein favorisiertes Ziel wäre ja der Jänärsklubb gewesen – etwa 28 sm. Und ich wollte mich irgendwie nach Örnsköldvik retten. Der Grund sind meine Vorräte. Ich habe noch Pfirsiche, 1/2 Paprika, Würstchen, 2 Joghurt und natürlich Nudeln, Tomatensauce und einige Dosen. Aber mir fehlte es an Brot, Zwiebeln, Müsliriegel, Tomaten, Getränke und anderem.

Und nun kommt die Wettervorhersage: Freitagnachmittag Gewitter bis spät am Abend danach Nebel. Samstag Gewitter/Nebel, Sonntag Regen. Hätte ich noch Urlaub, dann wäre Jänärsklubb sicher das Ziel gewesen und dann Freitag früh Morgens los um vor den Gewittern in Örnsköldvik zu sein, ca. 5 Stunden. Jetzt musste ich aber Freitagvormittag arbeiten. D.h. ich wäre in Jänärsklubb gehangen ohne Möglichkeit einzukaufen.

Rückblick nach Norrskär-Vasa

Deshalb suchte ich nach einer Alternative und wählte zuerst Husum – etwa 35 sm. Dort sollte man Fahrräder ausleihen können und in ca. 10 Minuten im Ort sein wo es einen ICA gibt. Nur ein Problem: Das Gebiet um die Hafeneinfahrt ist nicht vermessen, weder in Orca noch in Navionics finden sich Tiefenangaben. Ich überlege es zu riskieren. Auf 2/3 des Weges überlege ich weiter – was, wenn ich nicht nach Husum hinein komme? Dann würde mir nichts anderes übrig bleiben, als von dort Örnsköldvik anzusteuern, was mich dann aber viel Zeit kosten würde.

Deshalb messe ich noch einmal die Entfernung (Luftlinie). Örnsköldvik ist von meinen derzeitigen Standort nur 15 sm weiter entfernt als Husum. Ich studiere noch einmal den Wetterbericht und werfe alles über den Haufen – durch nach Örnsköldvik.

Aber zuerst zurück zum Vormittag. Ich musste ja noch arbeiten. Gegen 11 Uhr kommt ein Patrouillenboot nach Nörskär-Vasa das genau dort anlegen möchte, wo ich liege. Blöd. Um 11 Uhr habe ich noch ein Meeting. Ich bin ja in keinem richtigen Hafen. Dies ist ja nur ein Fischereihafen. Ich lege provisorisch um an eines der Fischerboote und beende meine Arbeit zeitnah nach dem Meeting. Dann lege ich gleich ab und hoffe auf etwas Wind.

Auf dem Weg kreuzen einige Frachter meinen Weg

Orca machte für die Route unter Segel in etwa die gleiche Zeitangabe wie unter Motor. Es hat dann auch etwas Wind aus Nordost und ich kann raumschots noch relativ gut segeln, auch weil es so gut wie keine Welle hat. Nach 2 Stunden lässt der Wind mehr und mehr nach. Zuerst benütze ich den Motor als Unterstützung und lasse die Segel stehen. Doch als der Wind mehr und mehr dreht und gleichzeitig nachlässt, die Segel nur noch hin und her schlagen, packe ich die Segel ein fahre unter Motor weiter.

Dann kommt eben die oben beschriebene Situation. Ja, das macht nicht unbedingt Spaß. Aber da musste ich jetzt durch. Die hoffnungsvolle Aussicht: Bei schlechtem Wetter 3 Tage in Örnsköldvik abwettern. Wäsche waschen, einkaufen, duschen, ausruhen. Gegen 1:30 Uhr habe ich festgemacht. Der Hafen ist ziemlich voll. So hatte ich es hier noch nie gesehen. Aber ja, jetzt ist „Sommer“ und die Schweden haben Urlaub. Das werde ich die nächste Zeit wohl noch öfter erleben.

Schweden in Sicht (Papierfabrik in Husum)
Spät erreiche ich Örnsköldvik

Atempause

Freitag, 03. Juli 2026

Zurück am Anfang, hatte ich oben geschrieben. In Örnsköldvik hatte ich vor mehr als 3 Wochen die Entscheidung getroffen: Gelbe Tonne ja/nein. Und dann begann für mich Neuland. Es war sehr spannend und ich bin selbst überrascht, wie gut alles bisher lief. Ich liege in meinem angedachten Zeitplan. Anfang Juli wollte ich zurück in Örnsköldvik sein. Und auch die Relation Urlaubstage/Segeltage stimmt jetzt mit etwa 65%.

Auch das ich diese „abgekürzte“ Ostseerunde gemacht habe, bereue ich nicht. Finnland ist irgendwie nicht meins. Ja, es war ganz nett, ein paar interessante Orte. Aber was mir fehlte war etwas Struktur in der Landschaft. Es ist einfach nur flach. Die Landschaft bildet eine Linie mit dem Horizont. Kein Hügel, nichts. Das Flache setzt sich unter Wasser im Küstenbereich fort. 5 sm vom Festland entfernt hat man 20 Meter Wassertiefe. Das hat zur Folge, dass man oft entfernt vom Ufer unterwegs ist und wenig sieht. In Schweden segelt man mit 10 Meter Abstand an einer Schäre vorbei und hat 10 oder 20 Meter Wassertiefe. Dadurch sieht man Häuser, die Felsen und einfach mehr von der Landschaft. Vielleicht wäre das Turku Archipel noch etwas gewesen. Aber ich habe das Kvarken Archipel mitgenommen, was auch recht interessant war. Und dann hatte ich letztes Jahr auch etwas von den Åland Inseln mitgenommen.

How much is the fish? Den Fisch hatte ich mir noch frisch beim Fischer in Norskär-Vasa geholt (für 3 Euro).

Das Wetter ist dann heute nicht so schlecht wie vorhergesagt. Einmal sieht es so aus, als würde gleich ein Gewitter kommen, aber es kommt nichts. Also der ganze Stress gestern, die lange Motorfahrt umsonst? Nein. Als ich mich anmelden möchte fragt mich die junge Frau ob ich zum Wettbewerb gehöre. „Nein“, meine ich. Am Wochenende ist eine Speedboat Veranstaltung und die meisten Liegeplätze innen sind dafür reserviert. Ich könne außen im Hafen festmachen. Diese eine Nacht kann ich noch auf dem Platz bleiben. Da hätte ich eine Überraschung gehabt, wenn ich heute am Abend gekommen wäre. Für morgen sieht das Wetter nicht mehr so schlecht aus. Also werde ich morgen weiterziehen denn auf den Lärm der Speedboote habe ich keine Lust. Einige sind schon heute gekommen und haben ihre Motoren röhren lassen. Nein danke.

Die Speed-Boote versammeln sich und immer wieder laute Mucke

Meine weiteren Pläne

Nachdem ich zurück in Schweden bin möchte ich jetzt noch ein paar schöne Orte an den Höga Kusten mitnehmen. Das ist der Abschnitt zwischen Örnsköldvik und Härnösand und der mir im letzten Jahr am besten gefallen hat.

Dann möchte ich vielleicht Anfang/Mitte August ein paar Tage in den Stockholmer Schären verbringen. Da bin ich letztes Jahr nur durch gerauscht und das soll sehr schön sein dort. Das eine oder andere Mal anlegen an einer Schäre möchte ich auch noch einmal erleben. Mal sehen was geht.

Kollege „Schröder“ sagte mir einmal, er würde voll im Plan liegen. Er hätte sich einen Plan gemacht, wann er an welchem Breitengrad sein muss. Die Idee finde ich nicht einmal schlecht weshalb ich auch einmal einen solchen Plan gemacht habe. Es macht die Zeitplanung zumindest etwas greifbarer. In der Planung habe ich einmal zwei Tage Reserve für den Abschnitt Bornholm – Kröslin gelassen. Aber das sieht alles realistisch aus wenn ich es mit dem letzten Jahr vergleiche.

Hinweis: Im letzten Jahr hatte ich dann viel Zeit an den Höga Kusten verbracht (Örnsköldvik – Stocka) und in Gävle hatte ich 4 Tage „vertrödelt“ weil ich auf die Lichtmaschine gewartet hatte.

Nichts wie weg aus Örnsköldvik

Samstag, 04. Juli 2026

Die Nacht war eine Katastrophe. Bis 0:30 Uhr ließen die Speedboote immer wieder einmal ihre Motoren aufheulen um zu zeigen, was sie für tolle Typen sind. Dazwischen immer wieder laut aufgedrehte Bum-Bum Musik. Am Morgen bin ich deshalb gleich noch einmal einkaufen gegangen, habe etwas Müll entsorgt und mich verabschiedet.

So sah es am Morgen auf dem Steg aus
Zum letzten Mal – tschüss Örnsköldvik
Mit raumen Wind nur mit Großsegel ging es aus dem Sund heraus

Heute habe ich nur einen kurzen Schlag geplant. Am Eingang zum Sund nach Örnsköldvik liegt das kleine Fischerdorf Skeppsmalen. Noch einmal ein ganz kleines Stück Richtung Nordost bevor es dann für den Rest der Reise Richtung Südwest geht. Es hat herrlichen Wind aus West bzw. leicht nordwestlich. Ideal, um aus dem Sund heraus zu segeln. So brauche ich auch nur 3 Stunden für den Schlag.

Im Hammguiden steht, dass der kleine Anleger oft überfüllt wäre weil Skeppsmalen ein sehr beliebtes Ausflugsziel ist. Für den Notfall hatte ich einen Plan B – weiter nach Ulvön. Die Einfahrt ist extrem schmal und es hat Felsen links und rechts. Ganz langsam taste ich mich hinein. Doch es geht alles gut. Am Steg, der etwa Platz für 4 – 6 Boote hat, liegt nur ein schwedischer Segler der bereits bereit steht als er mich sieht. Ich weiß zuerst nicht ob ich rechts oder links von ihm anlegen soll. Angelegt wird hier mit Heckanker. Rechts hat es mehr Platz, links wäre mir wegen des Windes lieber, der von Backbord kommt. Trotzdem tendiere ich zuerst nach rechts als er auf seine Ankerleine deutet. Ja, das wird schwierig. Ich will zurücksetzen und doch die linke Seite wählen. „Rums“ – das war wohl ein Stein. Zum Glück war ich sehr langsam. Aber jetzt hatte es mich nach über 2.000 sm doch noch erwischt. Wo ich doch eigentlich Sorge hatte, in Finnland auf einen Stein zu laufen. Im Nachhinein schaue ich auf dem Plotter – ja, der wäre eingezeichnet gewesen. Ich muss mir wieder angewöhnen im Vorfeld genau das Hafenbecken zu studieren denn das gibt es in Schweden öfter, das ein oder mehrere Steine herumliegen.

Dann mache ich gleich einen Spaziergang durch den kleinen Ort, besuche die Kapelle und ein altes Fischerhaus. Was ein schöner Platz. Die Schweden legen ab. Sie möchten nach Örnsköldvik und nun bin ich hier ganz alleine. Was habe ich doch ein Glück…

Festgemacht in Skeppsmalen
Blick vom Boot
Fischerkapelle
Diese Hütte gehörte den Fischerfamilien Agde und Bedodde Högberg aus Gävle, etwa vom Ende des 18. Jahrhunderts bis 1914.
Damals war Erik Wilhelm Högberg der letzte Fischer aus Gävle, der seinen Beruf in Skeppsmalen ausübte.
Museum