Author

wp_admin

Browsing

Gegen den Wind nach Stockholm

Sonntag, 26. Juli 2026

Früh am Morgen um 7 Uhr klingelt der Wecker. Eigentlich hätte er nicht klingeln müssen denn ich war sowieso schon wach da die Blase drückte. Nach zwei Kaffee, auf das Frühstück habe ich heute verzichtet, bereite ich mich auf das Ablegen vor. Der Hafen von Linanäs ist echt kacke. Ich hatte es am Ende meines letzten Blogs schon geschrieben: Aus der Karte hatte ich gedacht das er besser gegen Südwest geschützt ist als er es tatsächlich ist. Der Wind bläst schon wieder mit bis zu 17 Knoten hinein. Und da muss ich Andreas, dem deutschen Segler aus Kiel den ich unterwegs kennengelernt habe, etwas Recht geben – die meisten „Häfen“ an der schwedischen Ostküste sind wenig oder überhaupt nicht durch zusätzliche Bebauung, wie z.B. Hafenmauer, geschützt. Man muss die Häfen immer nach dem natürlichen Schutz (Landschaft) aussuchen. Meistens werden ein paar Schwimmstege aus Beton ins Wasser geworfen, Heckbojen ausgebracht, Strom und Wasser verlegt und das ist dann ein „Hafen“.

Bei Linanäs kam dazu, dass es nur eine, ich wiederhole: eine(!), Toilette gab, keine Dusche oder sonstige Infrastruktur. Und dafür musste ich von 19 Uhr bis 12 Uhr am nächsten Tag 34 Euro bezahlen (mit Strom). Ich hatte zwar schon etwa um 16. 30 Uhr angelegt, aber das hatte ich jetzt wirklich nicht akzeptiert, dafür ein Tagesticket für über 40 Euro zu lösen.

Auf diesem Foto sieht man sehr gut den Finnen, der mit seinem Hinterteil viel zu weit in die Boxengasse geht. Da blieben gerade noch einmal knapp 3 Meter

Zurück zum Morgen, weshalb mich das mit dem Wind so beschäftigte. Die Gästeplätze befinden sich auf der Innenseite des äußeren Schwimmstegs. Die Boxengasse ist nicht sonderlich breit. Zwei Plätze weiter lag ein Finne dessen Boot eigentlich viel zu lang war um hier innen zu liegen – etwas 32 Fuß. Jeder vernünftige Hafenmeister hätte ihn auf die Außenseite zum längsseits anlegen verwiesen. Aber einen Hafenmeister gibt es hier nicht. Dadurch war die enge Boxengasse noch enger. Schon beim Anlegen am Tag zuvor hatte es mein Boot bei dem Wind vertrieben und ich hing am Heckanker des Finnen. Im zweiten Versuch mit viel Gas, zwei Personen am Steg die meinen Bug aufgefangen haben, hatte ich es in die Box geschafft.

Mir graute es schon. Egal. Ich hatte alle Leinen bis auf eine am Heck gelöst und wartete auf einen Moment in dem der Wind zumindest etwas abflaute. Dann mit relativ viel Gas rückwärts raus aus der Box in der Hoffnung, dass sich Miss Sophie ausreichend dreht. In einer „normalen“ Boxengasse hätte es auch gereicht. Weiter zurück konnte ich nicht denn schon war ich auf der anderen Seite der Box wo mich eine Reihe von Außenbordern bzw. deren aus dem Wasser gehobenen Schrauben anlächelten. Also Vorwärtsgang, wieder mit relativ viel Gas. Der Vorteil der Dehler 28 ist, dass sie, wenn sie fährt, fasst auf der Stelle gedreht werden kann. Gerade so schaffte ich es an dem Finnen vorbei um gleich wieder Gegenruder zu geben um nicht mit dem Bug die Reihe der Außenborder zu touchieren. Schexxxx. Solche Manöver mag ich überhaupt nicht.

Dann ging es erst einmal zur Tankstelle die, dem Herrn sei es gedankt, im vollkommen windstillen Bereich liegt. Nachdem der Tank gefüllt war konnte es losgehen.

Hauptsache weg – den Ort habe ich nicht in guter Erinnerung

Wie gesagt kam der Wind wie am Vortag aus Südwest. Etwas schwächer als am Vortag, mit etwa 10 bis 15 Knoten. Aber eben wieder genau auf die Nase. Darauf, dass es eine reine Motorfahrt werden würde, hatte ich mich schon eingestellt. Die großen Fähren oder Kreuzfahrtschiffe hatten schon am Morgen abgelegt. Da ich zuerst zwischen den Schären in keinem oder Nebenfahrwasser unterwegs war, sah ich diese nur vorbei ziehen und ich musste mich nicht mit diesen beschäftigten.

Doch auch in den Nebenfahrwassern sah ich mich bald mit den Personentransporten konfrontiert. Diese sind mit 15 bis 20 Knoten unterwegs und kennen keine Vorfahrts- oder Verhaltensregeln – nur Wegerecht (welches sie wohl alleine haben). Als kleine Ameise in einem großen Teich versuche ich sowieso allem aus dem Weg zu gehen und versuche mich so weit als möglich am Rand oder außerhalb des Fahrwassers zu bewegen.

Unter britischer Flagge kam mir dieser Segler entgegen

Dazu kommen mit voran Schreiten des Tages zahlreiche Wassersportler – also Segel- und Motorboote. Bei den Motorbooten fällt mir auf, dass diese ebenso wenig Rücksicht auf (kleine) Segelboote nehmen. Mit Vollgas wird im Abstand von 20 Metern vorbei gebrettert. Meine Nussschale wird einige Male in den Wellen ziemlich durchgeschaukelt. Aber egal – ich komme nach Stockholm.

Die Personentransporter sind hier mit 15 bis 20 Knoten unterwegs
Bausünde oder nicht?

Zum Schluss kommt der Wasa Gasthamn schneller als gedacht und ich schaffe es gerade noch die Fender auszubringen. Ich bin ganz froh, dass ich meinen Platz über Dockspot im Voraus reserviert und gebucht habe. So weiß ich genau wo ich hin muss. Anlegen mit Heckboje. Der Wind kommt dann beim Anlegen genau von hinten, das ist am einfachsten. Zudem links und rechts die Plätze bereits belegt sind und etwa 3,5 Meter dazwischen Platz ist – ideal. Am Steg steht bereits ein anderer Segler der meinen Bug auffängt. Perfekt. Noch etwas aufräumen, Landstrom anschließen, Leinen sortieren und dann geht es los in die Altstadt. Ich habe ja „nur“ den Nachmittag heute und den Nachmittag morgen. Die Tatsache, dass ich in Stockholm bin, ändert nichts daran das ich arbeiten muss.

Wie gesagt ist mein Ziel die Alstadt. Gamla Stan, wo sich auch der Palast der Königsfamilie befindet, fand ich schon im letzten Jahr sehr reizvoll. Letztes Jahr hatte ich mich mit meiner Tochter und ihrem Freund hier getroffen und wir hatten einen Schnelldurchgang durch Stockholm gemacht. Gamla Stan, Wasa Museum, einen Fotospot den meine Tochter wollte, Wachablösung am Palast und Östermalms Saluhall – das war wirklich Fast-Sightseeing. Jetzt nehme ich mir einen ganzen Nachmittag Zeit, Gamla Stan zu erkunden. Schlendere durch die Gassen und schaue mir die Geschäfte an. An einer Statue die den heiligen Georg als Drachentötet darstellt komme ich (Raucher) mit einem Italiener ins Gespräch. Er und seine Frau sind im Urlaub hier. Und witzig (meine Frau meinte ich komme im Gespräch immer auf das Segeln), wie sich herausstellte ist er auch Segler. Er hat eine Beneteau First 210 am Lago Maggiore.

Links hinten der italienische Tourist mit dem ich ins Gespräch kam
Die Altstadt
Wache am Königspalast
Sicher nicht vergleichbar – aber Stockholm ist ähnlich wie Venedig am Wasser gebaut

Bei der Gelegenheit: Ich muss das mal in irgendeinem Blog unterbringen – ich wurde u.a. per Mail darauf angesprochen, weshalb ich diese Reise alleine mache. Um eines Vorweg zu nehmen: Wäre ich hier mit meiner Frau oder einem Bekannten unterwegs, wäre ich mit hoher Wahrscheinlichkeit mit diesem italienischen Ehepaar nicht ins Gespräch gekommen. Ohje, ich merke – viel Text.

Skansen Freilichtmuseum

Montag, 27. Juli 2026

Da ich im Hafen der Museumsinsel liege, bietet es sich an das Skansen Freilichtmuseum zu besuchen. Wir haben auch so etwas ähnliches am Bodensee, allerdings kleiner und nur mit Häusern aus der Region.

Skansen ist das älteste Freilichtmuseum der Welt und wurde 1891 von dem Sprachwissenschaftler, Lehrer und Volkskundler Artur Hazelius gegründet. Hier wurden Gebäude, Pflanzen und Tiere aus ganz Schweden zusammengetragen, um zu zeigen, wie die Menschen in verschiedenen Teilen des Landes lebten und arbeiteten.

Einige Häuser sind geöffnet und Personal beantwortet Fragen (falls man welche hat). Kombiniert ist das Freilichtmuseum mit einem kleinen Tierpark – so bekomme ich doch noch die Gelegenheit Seehunde aus nächster Nähe zu sehen. Ebenfalls sehr schön ist das Baltic Sea Science Center mit großen Aquarien in denen sich die typischen Fische der Ostsee finden.

Ebenfalls interessant fand ich die Information, dass die Ostsee ein Brackwasser ist und, dass die Ostsee das Problem Sauerstoffmangel hat welches vor allem durch Überdüngung und Klimawandel forciert wird. Ich hatte es unterwegs schon registriert, dass hier früher wesentlich mehr Fisch gefangen wurde als heute. Sicher, Überfischung spielt auch eine Rolle. Dabei sehe ich Parallelen zum Bodensee. Auch der Bodensee war kurz davor umzukippen. Dann wurde in den 70er/80er Jahren der Bau von Kläranlagen forciert und das Düngen in der Nähe es Bodensees eingeschränkt. Seitdem ist der Bodensee wesentlich sauberer und Fischer beschweren sich darüber weil sie meinen, dass die Fische durch das saubere Wasser nichts mehr zu fressen hätten. Paradoxe Welt…

Jedenfalls kann ich jedem der etwas mehr Zeit in Stockholm hat, das Skansen Freilichtmuseum sehr empfehlen. Einzig was ich etwas schade fand, dass nicht so viele Häuser geöffnet waren und innen nicht besichtigt werden konnten.

Ein Haus welches mit umfangreichen Wandmalereien verziert ist
Seehunde aus nächster Nähe
Auch in Schweden gibt es Reetdächer
Aquarien im Baltic Sea Science Center

Nun muss ich morgen Vormittag noch arbeiten und dann geht meine Reise Richtung Süden bzw. Südwesten weiter. Morgen soll der Wind aus West kommen – das ist vielversprechend. Ab Mittwoch bis Freitag soll der Wind auf Südwest drehen, d.h. es wird schwierig.

Weiter Richtung Südwesten – Ornö – Kolnäsviken

Dienstag, 28. Juli 2026

Laut Dockspot, der App über die ich den Liegeplatz in Stockholm gebucht hatte, muss ich bis 12 Uhr den Liegeplatz verlassen. Normal arbeite ich bis etwa 13 Uhr – heute mache ich dann aber früher Schluss weil es sein kann, dass ein anderes Boot den Platz ab 12 Uhr gebucht hat. Unter Stress möchte ich nicht ablegen. Also lege ich gegen 11:45 Uhr ab und setze sobald als möglich schon einmal das Großsegel. Der Wind kommt wie vorhergesagt aus westlicher Richtung. Ab und an dreht er etwas Richtung Nordwest was mich aber nicht stört denn zuerst geht es Richtung Osten. Da ich hier fast auf einem Vorwindkurs unterwegs bin verzichte ich zuerst auf das Focksegel. Im Hauptfahrwasser, in dem ich zuerst unterwegs bin, ist wieder viel Verkehr. Ich halte mich möglichst außerhalb am Rand aber selbst da muss ich auf die zahlreichen Schiffe für den Personentransport achten.

Blick zurück auf den Wasahamn

Ich bin dann froh, als ich in das Nebenfahrwasser Richtung Süden abbiegen kann. Allerdings wird es hier teilweise auch sehr eng insbesondere im Zusammenhang mit dem Verkehr der vielen Freizeitboote. Ein kurzes Stück, in dem es sehr eng wird, muss ich den Motor anwerfen. Die Geschwindigkeit ist hier auf 5 Knoten begrenzt und auch die Motorboote können jetzt nicht überholen. So fahre ich mit einigen Segel- und Motorboote diese Engstelle im Gänsemarsch mit 4,5 bis 5 Knoten, meinem Vordermann hinterher.

Nachdem das enge Fahrwasser zu Ende und der neue Kurs Südost ist, wird die Fock ausgerollt und es geht sehr schön ohne Welle mit 10 bis 15 Knoten Wind mit etwa 6 Knoten bei Halbwind dahin. Wieder einmal ein richtig schöner Segeltag. Ich muss dann noch einige Male zwischen kleineren und größeren Schären hindurch, aber unter den Bedingungen macht das richtig Spaß. Das einzige, was manchmal nervt, sind die Motorbootfahrer. Nicht einmal wegen dem Vorbeifahren, das kenne ich vom Bodensee und inzwischen auch aus Schweden. Nein, manchmal stehen sie mitten im Fahrwasser dumm herum, fahren etwas links, etwas rechts ohne klaren Kurs und offensichtlich ohne zu wissen wohin sie wollen. Das strengt an…

Vor der Insel Ornö muss ich dann anluven. Laut der Navi-App Orca sollte es am Wind reichen. Doch inzwischen kommt der Wind wieder aus West, zeitweise sogar etwas leicht südwestlich. Damit schaffe ich nicht die Höhe. Ich segle so nah als möglich ans Ufer um dann gleich eine Wende zu machen. Das gleiche Spiel wieder nach etwa 500 Metern. Nach einigen Wenden entschließe ich mich die Segel zu bergen – es ist nur noch 1/2 Stunde unter Motor bis in die Bucht Kolnäsviken. Auf dem Plotter hatte ich schon zwei Boote in der Bucht gesehen, von draußen sehe ich jetzt, dass es einige mehr sind. Egal, mal schauen ob es noch einen Platz gibt, ansonsten habe ich ein Ausweichziel. Langsam fahre ich in die Bucht in der bereits etwa 20 Boote liegen. Teils vor Anker und teils an der Schäre festgemacht. Hinter mir kommt ein weiteres Segelboot. Eigentlich hätte ich gerne in Ruhe ein oder zwei Runden gedreht.

Ich fahre tief in die Bucht und sehe eine große Bavaria (36?) festgemacht an der Schäre. Ein Stück weiter ein weiteres größeres Segelboot. Eigentlich sieht das Ufer überhaupt nicht so aus, das man meinen könnte hier mit dem Bug an Land festmachen zu können. Bäume und Waldboden reichen bis ans Ufer – kein Fels. Aber wenn die das können, sollte ich das mit meinen 1,40 Meter Tiefgang auch können. Ich suche mir eine Stelle dazwischen und fahre sie langsam an. Es scheint zu passen. Also Rückwärtsgang rein, Heckanker und eine lange Leine am Bug vorbereitet. Wieder langsam anfahren, Heckanker fällt. Ich gehe nach vorne doch es fehlt ein Meter um trockenen Fußes an Land zu kommen. Heckankerleine weiter lösen, Vorwärtsgang noch einmal rein, wieder nach vorne gehen. Es fehlt immer noch etwas. Ich vermute den Heckanker und ziehe deshalb schnell Schuhe und Socken aus, springe mit der Leine aufs Land und ziehe – aber da geht nichts. Offensichtlich reicht es hier doch nicht. Also wieder aufs Boot, Heckanker wieder hochholen und ein zweiter Versuch ein paar Meter daneben. Diesmal scheint es besser zu passen. Also noch einmal Rückwärtsgang rein, Heckanker wieder fallen lassen und langsam anfahren – es reicht. Eine Leine um einen Baum und eine zweite um einen anderen Baum und schon ist Miss Sophie fest. Sehr schön.

Mit einem Anlegerbier genieße ich noch die Abendsonne bevor sie hinter den Bäumen verschwindet. Was mich erstaunt: Nach Einbruch der Dunkelheit, gegen 22 Uhr ist es vollkommen ruhig. Kein Geschnatter von anderen Booten – nichts. Keine einzige Welle in der Bucht, kein Windhauch – vollkommene Stille. Herrlich.

Festgemacht
Trotz 20 Booten vollkommene Ruhe in der Bucht – geht doch
Ein sehr schöner Schlag heute – 28 sm

Morgen und für die nächsten Tage soll der Wind auf Südwest drehen, das ist genau die Richtung in die ich jetzt muss. Aber das kenne ich bereits. Einfach mal schauen was geht. Ich möchte als nächstes Nynäshamn erreichen, meine Joghurt Vorräte für das morgendliche Müsli und Brötchen sind aufgebraucht. Kaffee ist fast leer. Außerdem brauche ich Tempos und Zewa. Und dann noch etwas Proviant.

Hoch am Wind – Nynäshamn

Mittwoch, 29. Juli 2026

Gut, ich wusste was mich heute erwartet. Aber im Detail zeigt es sich dann erst auf dem Wasser. Anfangs war ich noch zwischen kleineren Schären unterwegs, welche die Welle etwas abbremsten. Das Segeln gegen den Wind ging dann erstaunlich gut. Die Windstärke variierte zwischen 10 und 15 Knoten. Das einzige, was etwas anstrengend war, waren die vielen entgegenkommenden Segler. Da sie aus Süd kamen lagen sie (aus meiner Sicht betrachtet) im Lee – bedeutete, wenn wir auf gleichem Bug segelten, hatten die entgegenkommenden Segler Vorfahrt. So musste ich das eine oder andere Male ausweichen. Aber ich kam gut voran. Mein Ausweichziel musste ich nicht in Anspruch nehmen – Nynäshamn erreichte ich locker gegen 18.30 Uhr.

Entgegenkommende Segler segeln auf Raumwindkurs

Langsam kamen wieder die Erinnerungen vom letzten Jahr hoch. Noch draußen hatte ich eine größere Fähre gesehen und dann erinnerte ich mich wieder daran, dass es hier einen großen Fähranleger gibt. An dem kam ich letztes Jahr vorbei als ich zum Lidl gelaufen bin. Ich sehe bei der Einfahrt noch eine größere Fähre am Terminal liegen und denke mir so „ja, die liegt da wohl“. Da ich hier schon etwas in der Windabdeckung war, bereitete ich alles für das Festmachen vor. Fender raus, Bugleinen vorbereitet, Bojenhaken bereit gemacht. Gerade schaue ich auf und sehe die große Fähre auf mich zukommen. In Windeseile warf ich den Motor an und schaute das ich auf die Seite komme. Dann Großsegel runter und rein in den Hafen. Ganz schön voll hier, war mein erster Gedanke. Ich hatte mir vom Hafenplan die Plätze zur Landseite ausgedacht. Doch beim Hineinfahren sehe ich, dass bei diesen wohl die Heckbojen weiter weg sind da die Plätze offensichtlich für größere Boote gedacht sind. Auch die Heckbojen am Längssteg erscheinen mir relativ weit weg. Ich fahre um den Steg und sehe das es auf der anderen Seite Boxen hat. „Max. 11 Meter“ steht da auf dem Schild. Na damit habe ich kein Problem. Also suche ich mir eine schöne Box. Der Wind kommt genau von hinten und ich muss etwas Rückwärtsschub geben – aber es geht alles gut und locker leicht.

Zum Lidl möchte ich morgen nicht laufen – das war ein ganzes Stück zu gehen. Deshalb schaue ich schon ob ich in der Nähe einen Coop oder ICA finde. In 800 Meter Entfernung werde ich fündig. Das werde ich dann morgen schnell machen und wieder versuchen zeitnah abzulegen. Der Wind soll morgen direkt aus Süd mit Böen bis zu 25 Knoten kommen. Das wird morgen anstrengend werden denn Großteils bin ich ohne dem Schutz der Schären unterwegs.

Festgemacht in Nynäshamn

Besser so als anders – Ringsön

Donnerstag, 30. Juli 2026

Wie gesagt war ich auf starken Wind aus Süd eingestellt. Gegen Mittag erledigt ich noch schnell meine Einkäufe. SMHI hatte die gleiche Vorhersage mit zunehmenden Wind aus Süd am späten Nachmittag bis 27 Knoten (6 Bft). Das ist dann nicht mehr lustig für mich. Deshalb bemühte ich mich so zeitig wie möglich abzulegen. Denn eines bereitete mir etwas Bauchschmerzen: Von Nynäshamn musste ich zuerst genau Richtung Süden und der Wind kam genau aus Süden. Wenn er etwas versetzt, also Südsüdost oder Südsüdwest kommen würde, dann hätte ich wenigstens auf einem Bug einen Vorteil.

Aber der Wind kam genau wie vorhergesagt aus Süden. Aber ich möchte nichts unversucht lassen also setzte ich, sobald das Fahrwasser für das Kreuzen gegen den Wind etwas breiter war, die Segel. Und ich war selbst überrascht wie gut das ging. Da ich noch etwas im Schutz der vorgelagerten Schäre war, waren die Wellen sehr erträglich und ich konnte auf Backbordbug und Steuerbordbug 30 bis 40 Grad Richtung Süden machen. So kam ich mit 6 Wenden aus um dann den neuen Kurs Richtung Westen anzulegen. Jetzt segelte ich fast auf Halbwindkurs. Allerdings hatte ich auch jetzt keinen Schutz durch vorgelagerte Schären. Die Welle nahm zu, wurde langgezogener. So wurde es eine ziemliche Schaukelfahrt die mir dann nur an Engstellen etwas Sorge bereitete denn es war schwierig bei der Welle den Kurs zu halten.

Manchmal etwas eng zwischen zwei Schären

Wieder kamen mir einige Segler entgegen aber heute ohne große Probleme. Mein Ziel war Ringsön (Hummelviksfjärden norra). Ich schaute immer wieder einmal auf dem Plotter um zu sehen, wie viele Segler diese Bucht ansteuern. Die Bucht ist sehr vielfältig. Es hat einige kleinere Buchten mit Möglichkeiten zum Anlegen an der Schäre oder zum Ankern. Andreas, der Segler aus Kiel, hatte in Whatsapp einen Status – „alle Ankerbuchten voll“. Ich hatte schon Alternativen auf der Karte vorab ausgesucht. Einige davon auf dem Weg nach Ringsön. Doch meine Alternativen waren zumeist belegt. Egal, rein in die Bucht und schauen. Ich denke immer: „ich, mit meinen 1,40 Meter Tiefgang muss doch einen Platz finden, den die meisten anderen Segelboote nicht ansteuern können“.

In der von mir ausgedachten Bucht liegen bereits mehr als 20 Segel- und Motorboote. Teils an den Schären und zum Teil vor Anker. Ich fahre langsam Richtung dem Ende der Bucht und sehe einen möglichen Platz an der Schäre zwischen einem Segel- und einem Motorboot. Also langsam mal anfahren. Es sieht gut aus. Das Segelboot ist aus Deutschland und der Skipper geht von Bord um mir beim Anlegen zu helfen. Er macht mich auf eine Leine aufmerksam, die er von seinem Heck Richtung Land gespannt hat. Heckanker fällt, die Stelle ist ideal denn es geht unter Wasser recht steil nach unten. Nachdem ich drei Leinen an Land ausgebracht habe, ist das Boot sicher festgemacht. Was ein schöner Tag.

Achja, der Wind war dann doch nicht so wie vorhergesagt. Auch am späten Nachmittag blieb es bei 10 bis 15 Knoten Wind. Aber besser so, als anders.

Ganz schön voll hier
Traumplatz an der Schäre

Kein schöner Segeltag mit happy end – Marö Kupa

Freitag, 31. Juli 2026

In meinem Plan stand für heute „soweit als möglich“. Die Windvorhersage war schwierig. Auf der einen Seite eigentlich gut, denn der Wind sollte im Laufe des Tages auf West drehen, also ideal um Richtung Süden bzw. Südwest zu kommen. Andererseits sollte er aber im Laufe des Tages stark nachlassen. Das Problem: ich muss etwa 15 sm „überbrücken“. Ich füge unten mal den Track mit ein, dann wird das klarer. Oxelösund wäre die nächste Option gewesen. Wenig Seemeilen davon viel nach West. Dann kommt eben lang nichts sinnvolles bis zum Sankt Anna Archipel. Deshalb setzte ich mir dieses auch als Ziel.

Leinen los auch wenn es ein sehr schöner Platz ist
Und raus aus der Bucht…

In der Bucht ist es noch herrlich ruhig, kaum Wind, glattes Wasser. Doch dann geht es gleich raus Richtung offene Ostsee, der Schutz der Schären ist weg. Und damit kommt eine sehr unruhige, kabbelige Welle etwa 0,5 Meter hoch. Der Wind hat etwa 10 Knoten und kommt noch mehr südwestlich als westlich. Für die Welle zu wenig Wind. Immer wieder wird das Boot durch die Welle ausgebremst. Bei glatter See und bei diesem Kurs würde Miss Sophie normal 5 Knoten machen. Aber so nur etwas mehr als 4 Knoten. Und diese Welle ist mir heute auch richtig unangenehm. Ich muss etwas essen und immer wieder etwas am Horizont fixieren. Lesen am Handy oder Karte und mögliche Buchten auf dem iPad studieren ist nicht viel. Da wird es mir bald flau im Magen.

Eine Insel – ein Baum

Bald realisiere ich, dass ich unter den Bedingungen, eine Insel bzw. Bucht im südlichen Teil des Sankt Anna Archipels so nicht erreichen werde. Denn der Wind schwächelt recht bald, die Welle bleibt, die Geschwindigkeit sinkt. Als die 2 auf der Logge steht, werfe ich erst einmal den Motor an. Denn über Oxelösund bin ich auch schon hinaus. Johann, mein Pinnenpilot, hält erst einmal den Kurs währenddessen ich auf dem iPad Alternativen suche.

Es kommt nur eine Bucht in Frage – hier gibt es keinen Hafen. Entweder ankern oder festmachen an einer Schäre. Ich finde ein paar Optionen im Hamnguiden und in der digitalen Seekarte von Orca. Aber ich sehe auch auf dem Plotter, das einige (recht viele) Segler im Archipel unterwegs sind. Alle werden einen solchen Platz für die Nacht suchen.

Der Wind frischt wieder auf und der Motor kann wieder Pause machen. Das geht dann später noch einmal so. Mit Verspätung dreht der Wind dann auf West und überraschend auf Nordwest. Die Welle lässt nach womit es dann doch noch annehmbares Segeln wird.

Da die Einfahrt zum Archipel eng wird, berge ich an den ersten Fahrwassertonnen das Focksegel. Dann muss ich anluven und der Kurs ist jetzt dermaßen am Wind, dass das Segeln keinen Sinn mehr macht. Mühsam die letzten Seemeilen ankreuzen möchte ich jetzt auch nicht. Deshalb fahre ich das Boot unter Motor in den Wind und hole auch das Großsegel herunter.

Schon gleich sehe ich die ersten Masten von anderen Segelbooten in verschiedenen Buchten und auf der Leeseite von den größeren Schären. Das Suchen nach einem Platz kann „lustig“ werden. Der erste angedachte Platz scheint mir beim Vorbeifahren schon übervoll zu sein. Etwas gegenüber liegen drei schwedische Segelboote im Lee einer kleinen Schäre vor Anker – nicht wirklich ein guter Platz denn auch hier hat es noch 10 Knoten Wind.

Ich fahre weiter zur zweiten Option und die sieht gut aus. Nur ein Segelboot liegt in der Bucht. Es soll hier Möglichkeiten zum Anlegen an der Schäre oder zum Ankern geben. Der Raum zum ankern scheint mir jedoch recht eng zu sein deshalb schaue ich, ob ich vielleicht doch an der Schäre anlegen könnte. Die einzige Option ist etwas neben dem anderen Segelboot. Ich fahre langsam hinein. Auf dem schwedischen Segelboot ist eine Familie mit Kindern. Ich grüße wie es unter Seglern üblich ist mit Handzeichen. Der Gruß wird etwas unlustig erwidert. Der Mann des Hauses kommt mit einem Bier in der Hand hoch. Anstatt zu grüßen begrüßt er mich mit dem Hinweis auf seine Leine des Heckankers. Entschuldige, ich bin nicht doof. Ich weiß das du eine Heckankerleine hast und habe die auch im Blick. Deshalb antworte ich: „I see it. I think I am far away enough“.

Ich drehe und möchte einen Platz etwa 50 Meter von ihm entfernt antesten. Kurz vor den Felsen gehe ich schnell an den Bug um zu schauen wie es unter Wasser aussieht. Nicht so gut. Ich gehe wieder schnell ins Cockpit und werfe kurz den Rückwärtsgang ein um gleich wieder in den Leerlauf zu gehen. Dann gehe ich gleich noch einmal an den Bug um nach anderen Option zu schauen. Das Boot treibt etwa 5 Meter von der Schäre entfernt und ich mache eine Stelle aus, die als geeignet erscheint. Ich bereite eine lange Leine und den Heckanker vor. Dann drehe ich noch einmal eine Runde und steure langsam die Stelle an. Heckanker fällt, weiter langsam voran.

Der Schwede vom anderen Boot macht keine Anstalten zu helfen. Nur ab und an ein paar mürrische Blicke auf den deutschen Segler. Miss Sophie rumst etwas auf einen Stein. Nicht so tragisch – sie hat eine Edelstahlschiene am Bug. Ich springe an Land und bringe eine erste Leine provisorisch aus. Wieder aufs Boot, Motor aus und jetzt in Ruhe alle Landleinen platzieren.

Und wieder ein sehr schöner Platz an der Schäre

Der Platz ist optimal, hier bin ich perfekt vor dem Wind aus West und Nordwest geschützt. Und es ist ein schöner Platz. Einziger Wermutstropfen ist der unsympathische Schwede der vom Begriff „Seemannschaft“ wohl noch nie etwas gehört hat. Es gehört sich einfach unter Wassersportlern zu helfen, wenn man helfen kann. Insbesondere wenn man sieht, dass jemand einhand unterwegs ist. Und er hätte ohne Problem helfen können. Das einzige Problem: Er hätte sein Bier abstellen müssen.

Auf den nunmehr fast 3.000 sm auf der Ostsee hatte ich bisher nur positive Erfahrungen mit den Schweden. Das war das erste negative Erlebnis. Aber die Welt ist eben ein bunt gemixter Haufen – solche Menschen gibt es auf der ganzen Welt. An manchen Orten mehr, an anderen Orten weniger.

Vollmond…

Auf Umwegen Richtung Süden – Lickershamn

Samstag, 1. August 2026

Im vorletzten Blog hatte ich geschrieben, dass ich, falls es gut laufen würde, eine Option im Hinterkopf hätte. Jetzt ist es raus – Gotland war der Gedanke. Ich hatte in Hudiksvall einem schwedischen Segler mit seinem Motor geholfen. Er kam aus Gotland und meinte, wenn ich auf dem Rückweg an Gotland vorbei kommen sollte, soll ich mich melden – dann würde er mir Gotland zeigen.

Es lief ja jetzt in den letzten Wochen sehr gut unter anderem auch weil ich wetterbedingt ein paar längere Schläge gemacht hatte. Also machte ich mir Gedanken, wie ich nach Gotland kommen könnte. auf skippersguide.com hatte ich gelesen, dass Lickershamn ein kleiner gemütlicher Hafen sein soll. Auch wesentlich ruhiger als Visby. Außerdem kann man hier die „Raukar“, besondere geologische Steinformationen erwandern. Der günstigste Ausgangspunkt für den Sprung nach Gotland schien mir das Sankt Anna Archipel, südöstlich von Norrköping, zu sein. Also dachte ich, wenn Wind- und Wettervorhersage passen, dann suche ich mir eine Schäre am äußeren Rand damit ich schnell auf der offenen Ostsee bin. Auch deshalb steuerte ich gestern die Schäre an. Die Wind- und Wettervorhersage konnte nicht besser sein. Der Wind sollte auf West drehen und über den Tag bleiben so das ich mit raumen Wind Richtung Südost segeln konnte.

Blick zurück auf meinem Platz an der Schäre
Noch einige kleine Inseln dann bin ich raus aus dem Archipel

Ich stellte mir also den Wecker denn etwas mehr als 60 Seemeilen sind für mein Boot eine gewaltige Strecke. Am Morgen ist dann alles wie gewünscht – schönes Wetter und Wind mit 10 bis 13 Knoten aus West. Ein kleines Stück geht es noch um und zwischen ein paar kleinere Inseln und dann raus auf die Ostsee. Der Kurs kann eingestellt werden und Johann übernimmt. Es lief den ganzen Tag dermaßen genial, das ich es kaum glauben wollte. Schon bald hatte ich einen Schnitt von 5,8 Knoten, lange Zeit zwischen 6 und 7 Knoten auf der Logge. Nur ab und an musste ich den Kurs ein klein wenig korrigieren oder die Segel etwas nachtrimmen. Gegen Abend drehte der Wind auf Südost was aber auch nicht tragisch war. Das einzige, was ab und an etwas anstrengend war (für den Magen) war eine größere unter dem Boot durchrollende Welle. Mit etwas Anstrengung konnte ich mir sogar unterwegs ein Travellunch zubereiten. Nach 11 Stunden, mit einem Schnitt von 5,6 Knoten am Ende, hatte ich in Lickershamn festgemacht.

Festgemacht in Lickershamn
Ein Blick über die Hafenmauer

Wer nun denkt: „das gleiche muss er aber zurück machen“… jein – den Sprung zurück auf das Festland möchte ich über Öland machen. Und im besten Fall, von dem ich natürlich noch nicht weiß ob er so aufgeht, ist dann die längste Etappe 26 sm.

Aber jetzt erst einmal ein Tag Pause und die Gegend erkunden und dann sehen wir weiter….

Fast wie am Strich gezogen – auf einem Bug nach Gotland

Abwettern in Öregrund

Sonntag, 19. Juli 2026

Am Samstagabend hatte es dann noch ganz kurz zum Sonnenuntergang eine sehr schöne Stimmung. Ansonsten waren die Nacht und der Tag extrem unruhig im Hafen. Es kam zwar nicht zu den 40 Knoten Wind wie befürchtet, aber immerhin ein paar Drücker mit 30 Knoten. Und der Hafen von Öregrund ist nicht besonders gut geschützt, gerade wenn der Wind aus nördlicher Richtung kommt. Dann drückt es die Wellen hier in den Sund hinein.

Einen Moment gab es Samstagabend noch eine schöne Stimmung

Ich nütze das schlechte Wetter um einige Stunden zu arbeiten. Ansonsten kann man eigentlich nicht viel machen. Achja, natürlich etwas planen und überlegen, was ich die nächsten Tage machen soll. Aktuell soll es die kommende Woche sonnig bzw. trocken bleiben. Der Wind bleibt bis Donnerstag auf Nord – also ideal. Bis zum Väddö Kanal hätte ich etwa 20 sm – bis Älmsta, etwa in der Mitte des Väddö Kanals, knapp 30 sm. Ich denke ich bleibe Montag und Dienstag hier in den Schären südlich von Öregrund und mache den Väddö Kanal am Mittwoch ohne Zwischenstopp – das sind etwa 30 sm. Dann habe ich den südlichen Wind am Freitag wenn ich im Einzugsbereich der Stockholmer Schären bin.

Ich lese meinen Text aus dem Beitrag Teil 3 von diesem Jahr. Da hatte ich noch geschrieben, dass ich Mitte Juli in Öregrund sein sollte – das passt. Damals hatte ich etwa 830 sm abgesteckt – jetzt sind es 1160 sm. 300 sm mehr als gedacht. Auch wieder etwas gelernt… Damals hatte ich nur grob den direkten Weg abgesteckt. Das gegen den Wind kreuzen kostet einige Seemeilen. Also etwa 30% Aufschlag, dann ist man in der Nähe der Wahrheit.

Trüb und Starkwind am Sonntag, aber kein Regen

Noch ein Wort zu Öregrund…

Als ich am Freitagabend ankam, war ich doch etwas irritiert – volle Lokale, Live-Musik, Autos die mit lautstarken Motoren und noch lauterer Musik „flanieren“ – das war nicht das Öregrund, das ich bisher kannte. Ich war wohl drei- oder viermal im letzten Jahr hier. Aber das erste Mal wohl recht früh im Jahr (22. Juni) und das nächste Mal dann spät im Jahr (13. und zuletzt 28. August). Im letzten Jahr waren manche Restaurants zu (am Ende alle geschlossen) und es war richtig ruhig. Das ist jetzt sicher nicht spezifisch für Öregrund sondern stellvertretend für alle Touristenorte im Juli. Juli – das ist für die Schweden Sommer. Davor und danach ist tote Hose. Im letzten Jahr war ich offensichtlich sehr azyklisch unterwegs – d.h. in der Hauptsaison war ich kaum dort, wo sich die Hauptsaison abspielt. Trysunda war wohl die Ausnahme. Aber ich bin rückblickend froh darum. Wenn ich an Örnsköldvik (Speed-Motorbootrennen) und Öregund denke dann habe ich nichts verpasst.

Kurz etwas treiben lassen – Jungfruören

Montag, 20. Juli 2026

Ich hatte mich mit Andreas, meinem Stegnachbarn aus Kiel darüber unterhalten, was sein Plan ist und was mein Plan ist. Mein Plan ist jetzt hier heute und morgen etwas in den Schären „gammeln“ und Mittwoch durch den Väddö Kanal zu gehen – dann in einem Stück, ohne Stopp in Älmsta. Mit Andreas zusammen schaue ich die Optionen an, wo man an einer Schäre anlegen könnte. Im Hafen von Öregrund bläst es teilweise noch kräftig, immer wieder mal Böen mit knapp 20 Knoten. Der Wind kommt fast direkt aus Nord (Nordnordost) also gilt es etwas zu finden, was wirklich sehr gut gegen Nord geschützt ist denn wir sind beide Einhand unterwegs und anlegen an einer Schäre geht dann nur, wenn es die Windbedingungen zulassen.

Jungfruören, wo ich letztes Jahr angelegt hatte, bittet noch eine Möglichkeit gegenüber – Fårön ist der Name der kleinen Schäreninsel. Also beschließen wir gemeinsam dorthin zu segeln.

Aufgrund des starken und böigen Windes und des kurzen Weges (es sind nur 9 sm) möchte ich das nur mit Focksegel machen. Nachdem wir vom Hafen weg und zwischen den Schären sind wird es gleich etwas angenehmer mit Wind und Welle. Welle eigentlich keine mehr nur der Wind ist ab und an etwas böig auch abhängig davon, ob man gerade an einer Lücke zwischen den Inseln vorbei segelt die dem Wind den Raum gibt, sich zu entfalten. Aber meist segeln wir in der Abdeckung der Nadelwälder.

Nur mit Focksegel bei halbem bis raumen Wind einfach treiben lassen

Andreas ist etwas schneller als ich und legt sogleich nach einem kurzen Test an. Dann bereite auch ich alles vor – Heckanker, lange Leine am Bug und fahre erst einmal die Stelle daneben an. Sieht gut aus – keine Felsberührung unter Wasser. Dann fahre ich an, lasse den Heckanker fallen und stehe neben Andreas der mein Boot hält. Sprung auf die Insel und Leine an den nächsten Baum. Eine zweite Leine wird zu einem anderen Baum gezogen, alles gut und die andere Seite, also gegenüber von Jungfruören, wird auch als schön befunden. Vielleicht sogar noch schöner denn hier hat man schön die Abendsonne und die Felsen bieten Stufen, die perfekt zum Sitzen sind.

Für Andreas und mich koche ich Hackfleischtopf und (wie so oft) gibt es einen Tomatensalat. Dazu ein Bierchen, man kann definitiv schlechter leben. Nein, wir leben wirklich in einem Luxus, der nicht vielen gegönnt ist.

Festgemacht an der Schäre. Große und kleine Dehler

Weiter treiben lassen – Frozen

Dienstag, 21. Juli 2026

Andreas legt bereits am Vormittag ab. Ich muss leider noch arbeiten. Dabei habe ich heute überhaupt keine Lust zum Arbeiten. Dazu kommt das der Kiel ab und an leicht auf den Fels aufschlägt. Das nervt. Deshalb höre ich etwas früher auf, ich möchte hier weg. Inzwischen hat auch eine Familie mit 5 Kindern an der Schäre festgemacht. Der Wind ist noch sehr schön, er kommt weiter aus Nord. Mein Kurs ist Richtung Südost. So kann ich schön und gemütlich raumschots segeln. Es sind einige Segelboote über den Tag an der Bucht vorbeigezogen. Nun bin ich das letzte Boot das Richtung Süden zieht. Vor mir sehe ich noch ein anderes Segelboot welches auch kein AIS sendet. Andreas sehe ich auf dem Plotter vor der ersten Brücke im Väddö Kanal.

Raus aus der Bucht und gleich Segel setzen

Ich beobachte das Segelboot welches ein ganzes Stück vor mir ist. Wir sind etwa gleich schnell. Ich hatte eine Bucht zwischen zwei Inseln kurz vor der Einfahrt Richtung Väddö Kanal ausgesucht. Falls der Wind gegen Abend nachlassen und auf Süd drehen sollte, wie es Windy vorhersagt, möchte ich an einer Schäre anlegen. Falls es nicht gehen sollte habe ich die Option dort zu ankern. Aber ich denke nicht, dass die Bucht groß genug für zwei Boote vor Anker ist. Der Wind bleibt auf Nord und auf etwa 8 Knoten. Das ist schön zum Segeln aber nicht gut für das Anlegen an der Schäre. Dann es geht um das letzte Kardinalzeichen und ich fahre den endgültigen Kurs in Richtung der Bucht. Das Boot vor mir scheint daran vorbei zu fahren – es geht wohl nach Grisslehamn.

Die Möwen sorgen für den Anstrich der Fahrwasserzeichen…

Wie erwartet ist es in der Bucht nicht windstill – immerhin noch 4 bis 5 Knoten Wind. Das ist nichts zum Anlegen an dieser Schäre denn der Wind würde dann von hinten kommen. Anlegen an der Schäre macht man idealerweise gegen den Wind (noch besser ohne Wind). Also fahre ich die kleine Bucht ab und suche einen guten Ankerplatz auf 3,5 Meter Tiefe. 20 Meter Ankerkette gehen nach unten und der Ankeralarm wird gestellt. Ich beobachte eine Zeit die Position in der Anker-App – alles gut.

Morgen möchte ich in einem Rutsch durch den Väddö Kanal und dann wieder einmal einen Hafen ansteuern.

An dieser Schäre hätte ich gerne festgemacht
Aber zum ankern ist es auch o.k.

Der Sommer der kein Sommer ist – Väddö Kanal

Mittwoch, 22. Juli 2026

Als ich vor drei Tagen einem schwedischen Paar beim Anlegen bei Starkwind in Öregrund half meinte die Frau: „das ist der schwedische Sommer“. Langsam geht mir das Wetter etwas auf den Zeiger. Kaum ein Tag, an dem es mal richtig warm wäre. Heute Vormittag regnet es, Temperatur 16 Grad. Und die Aussichten sind auch nicht rosig. Tageshöchstwerte 20 Grad, nachts zwischen 11 und 16 Grad. Und auch immer wieder Regen. Die Wassertemperaturen laden (zumindest mich) auch nicht zum baden ein – etwa 18 Grad. Das letzte Jahr habe ich besser in Erinnerung zumindest hatte ich einige Badetage. Das einzige Positive, was man dem abgewinnen kann: In der Kühlbox ist Platz – das Bier ist auch in der Bilge gut gekühlt.

Bei leichtem und raumen Wind geht es gemächlich Richtung Väddö Kanal

Am frühen Nachmittag soll es eine Regenpause geben die zumindest reichen sollte, Älmsta zu erreichen. Das sind nur 10 sm aber Hauptsache ein Stück weiter kommen. Gegen 13 Uhr lichte ich den Anker, der Wind kommt aus Nord bzw. Nordnordost. Das sollte gut zum Segeln Richtung Väddö Kanal sein. Da bei der Windrichtung die Fock in der Abdeckung des Großsegels zusammenfällt, ich zu faul bin das Großsegel hochzuziehen und ich bezüglich der Windstärke unsicher bin, belasse ich es beim Focksegel. Bei 7 bis 9 Knoten Wind geht es mit 3 Knoten voran. Das reicht mir. Gegen 16.30 Uhr sollte ich in Älmsta sein. Auf dem ruhigen Wasser und bei dem leichten Wind nerven lediglich die Motorboote.

Brückendurchfahrten sind immer wieder spannend

Trotz bedecktem Himmel und ganz leichtem Nieselregen genieße ich es wieder hier zu sein. Doch nach etwa zwei Stunden nimmt der Regen mehr und mehr zu und der Wind schwächelt immer öfter. Als eine 4 auf dem Windmesser und 2,1 Knoten auf der Logge steht gebe ich nach 2 Stunden auf und werfe denn Motor an. Noch eine 3/4 Stunde und dann bin ich in Älmsta. Netterweise kommt der Hafenmeister an den Steg und hilft beim Anlegen – ausgerechnet jetzt hat der Wind wieder etwas angezogen. Er tut mir ja leid, dass er jetzt im Regen stehen und mir beim Anlegen helfen muss. Inzwischen bin ich klatsch nass, also zumindest mein Ölzeug. Umso glücklicher bin ich Landstrom zu haben und den Heizlüfter gleich anwerfen zu können. Und dann geht es direkt unter die sehr warme Dusche. Einen Moment überdenke ich die Sauna einzuheizen.

Morgen soll das Wetter ab dem späten Vormittag gut sein und es ist kräftiger Wind (10 bis 20 Knoten) aus Nord vorhergesagt. Ich möchte nach Norrtälje. Eigentlich wollte ich ja den langen Sund, den ich vom letzten Jahr kenne, nicht mehr hinein. Aber ich habe einmal geschaut was die Planung für die nächsten Tage in den Stockholmer Schären betrifft. Und da sieht es mit der Versorgung schlecht aus. Außerdem ist der Wind für morgen dann dafür so gut, dass das ein netter Schlag werden könnte. Und Freitag soll der Wind auf Süd drehen – bedeutet, ich komme auch gut wieder raus aus dem Sund.

So, und jetzt habe ich noch etwas Verrücktes gemacht – ich habe einen Liegeplatz im Wasahamnen, mitten in Stockholm gebucht. Von Sonntag bis Dienstag. Ich habe ja einige Tage „gewonnen“ weil ich früher als geplant in Gävle und noch früher in Öregrund war. Ich bin gespannt und freue mich darauf.

Festgemacht in Älmsta. Boot nass, ich nass

Ein netter Segeltag – Norrtälje

Donnerstag, 23. Juli 2026

Eigentlich wollte ich in diesen Sund nicht mehr hinein fahren… Die Rede ist von Norrtälje, mein absoluter Horrortag im vergangenen Jahr. Ich musste meinen Bekannten aufnehmen, kam vom Süden und hatte 25 Knoten und mehr gegenan. Eigentlich wollte ich damals nur bis Gräddö doch angesichts der Windsituation fuhr ich dann noch den ewig langen Sund nach Norrtälje.

Heute morgen wehte es kräftig in Älmsta – Böen bis 20 Knoten. Ich überlege schon wie ich das mit dem Ablegen gegen Mittag machen soll. Aber immer wieder beruhigt sich der Wind auch etwas auf etwa 10 Knoten. Gegebenenfalls muss ich so eine Situation abwarten. Kurz vor 13 Uhr mache ich los und da fällt mir siedend heiß ein, dass um 13 Uhr die Brücke öffnet. Ich hatte mich schon gewundert, weshalb eine Segelyacht vor dem Hafen immer wieder stand. Er wartete auf die Öffnung der Brücke die gleich nach dem Hafen Älmsta kommt. Also gab ich Gas. Die Segelboote vor mir konnte ich noch sehen wie sie Richtung Brücke fuhren doch dann schaltete die Ampel auf Rot – Mist. Im schlechtesten Fall müsste ich jetzt 1 Stunde warten. Ich hatte schon in Erwägung gezogen abzudrehen. Aber die Motorboote kamen wie auf einer Perlenkette aufgereiht entgegen. Also versuchte ich mich mit dem Rückwärtsgang auf der Position zu halten und zu warten, der Wind drückte mich von hinten in Richtung Brücke, seitlich anlegen konnte ich hier nicht. Nachdem die Motorboote durch waren, schaltete die Ampel noch einmal auf Grün. Hatte mich jemand gesehen? Egal, Vollgas und durch.

Bei trübem Wetter geht es weiter

Vom letzten Jahr hatte ich es in Erinnerung, das man, wenn man mit etwa 5 Knoten fährt, genau zur Öffnung der südlichen Brücke ankommt die jeweils zur halben Stunde öffnet. Aber als ich Richtung der zweiten Brücke kam, kamen wieder die Motorboote wie an der Perlenkette aufgereiht entgegen. Was ist denn hier los?

Letztes Jahr im Juni hatten wir ein einziges Boot auf der ganzen Strecke gesehen. Mir graut es schon etwas vor den Stockholmer Schären. Nachdem der Kanal durchfahren ist und das Gewässer sich weitet, rolle ich die Fock aus. Ich möchte heute auch wieder nur mit dem Focksegel segeln. Der Wind kommt jetzt noch als raumer Wind, also von schräg hinten. Später muss ich abbiegen Richtung Süden um die „Abkürzung“ in den Sund nach Norrtälje zu nehmen. Dann sollte ich den Wind fast direkt von hinten haben. Rückblick zum Väddö Kanal: Diesmal habe ich keinen Baum mitgenommen – kein Grünzeug auf dem Deck 🙂

Nachdem der Kanal vorbei ist wird das Segel ausgerollt
18 Meter, reicht – auch wenn es immer spannend ist

Anfangs geht das auch noch sehr gut aber dann beginnt der Wind zu zicken. Mal kommt er 10, 20 Grad mehr oder weniger aus der einen und dann aus der anderen Richtung. Inzwischen fahre ich beide Fockschoten aus der Hand und stehe im Cockpit. Denn ab und an ist es auch mal etwas enger oder muss ein Biegung gefahren werden. Als ich dann endlich den Sund erreicht habe kann ich anluven und die Fock bleibt auf Backbordbug. Der Wind schwächelt aber zusehend und ich entschließe mich das Segel einzurollen und den Motor anzuwerfen. Noch eine 3/4 Stunde bis Norrtälje. Ich hatte überlegt noch bei der Tankstelle anzulegen und das Hafenpersonal zu fragen, wo das Servicegebäude ist. Das hatten wir auch im letzten Jahr nicht gefunden.

Doch dann entscheide ich die Plätze vor der Fußgängerbrücke anzusehen, diese sind mit Dalben. Die Dalben sind weit auseinander und die Plätze sehr groß. In solchen Plätzen tue ich mich schwer mit meinem kleinen Boot. Also drehe ich um und fahre zurück an den Gästesteg wo es Heckbojen hat. Ich hatte in der Vorbeifahrt gesehen, dass noch zwei oder drei Heckbojen frei sind und es aufgrund der anderen Boote windgeschützt sein sollte.

Das Anlegen klappt dann auch ohne Probleme. Ein Schwede von einem anderen Segelboot war gekommen um dabei zu helfen. Sehr nett. Die abendliche Sonne scheint schön und warm so das ich im Cockpit im T-Shirt sitzen kann. Die Socken bleiben aber vorsichtshalber an.

Festgemacht – Norrtälje

Weshalb Norrtälje? Ich hatte in Älmsta noch einmal meine Vorräte überschlagen, vor allem die frischen wie Bananen, Tomaten, Joghurt und Fleisch. Da sieht es wieder mal knapp bzw. eher leer aus. Und wenn ich jetzt in die Stockholmer Schären gehe und Sonntag bis Dienstag in Stockholm bin, könnte das mit dem Einkaufen schwierig werden. Und die kommende Nacht soll es wieder kühl werden (11 Grad). Außerdem ist für morgen kräftiger Wind aus Südsüdwest vorhergesagt. Bedeutet, ich sollte sehr gut segelnd aus dem Sund heraus kommen. Das Problem beginnt eher nach dem Sund, denn dann muss ich Richtung Süden, also gegen den Wind.

Wohin? Ehrlich gesagt: ich habe keinen richtigen Plan. Rödlöga habe ich jetzt einmal als Ziel geplant. Aber ich habe damit mehrere Probleme: Da ich erst nach Mittag los machen kann, werde ich spät ankommen. Angesichts der vielen Boote, die hier unterwegs sind, befürchte ich keinen Platz zu finden. Im schlechteren Fall sehe ich mich umherirren auf der Suche nach einem Ankerplatz, der gut gegen Süd geschützt ist. Windy sagt auch für die Nacht kräftigen Südwestwind mit etwa 20 Knoten voraus. Irgendwie scheine ich mit diesem Revier (Stockholmer Schären) kein Glück zu haben. So etwas wie 10 Knoten Wind aus Nord, Ost oder West mit Sonnenschein und 25 Grad Lufttemperatur wäre schön gewesen.

Ein hartes Stück Arbeit – Kudoxa

Freitag, 24. Juli 2026

Gegen Mittag gehe ich noch schnell in die Stadt, um meine Vorräte etwas aufzufüllen. Nortällje ist eigentlich ganz nett – das denkt man überhaupt nicht, wenn man die „Skyline“ mit den beiden Hochhäusern vom Hafen sieht. Nachdem ich zurück am Boot bin fülle ich noch meine Wasservorräte. Ich benütze den Frischwassertank in diesem Jahr nicht. Gegen Ende des letzten Jahres hatte die Pumpe den Dienst quittiert und ich brauche recht wenig Wasser auch weil ich keinen Grauwassertank habe. Deshalb fülle ich mir immer ein paar PET-Flaschen. Das reicht dann für 2 – 3 Tage. Der Wind bläst wie vorhergesagt aus Süd, auch im Hafen schon deutlich spürbar.

Dann lege ich ab, setzte das Großsegel wobei ich gleich das erste Reff wieder setze. Für heute rechne ich mit bis zu 20 Knoten Wind. Die hat es dann im Sund in Böen auch immer wieder. Überhaupt, Böen – es ist extrem böig im Sund von 7 Knoten bis 20 Knoten ist alles drin und das auch immer wieder schnell wechselnd. Johann ist schnell überfordert und für heute übernehme ich die Pinne. Da der Wind aus Süd kommt kann ich fast immer auf Halbwindkurs segeln, das ist angenehm.

Rückblick auf Nörrtälje
Auf Halbwind im Sund

Im Sund ist es trotz der Böen noch relativ angenehm – keine Welle. Doch dann geht es raus aus dem Sund und nun muss ich nach Süd. Das bedeutet gegenan kreuzen. Auf die Fock hatte ich verzichtet. Ich habe noch keine Vorstellung davon, was mich „draußen“ erwartet. Die ersten Wenden gehen ganz gut und ich komme auch voran Richtung Süden. Nur die Geschwindigkeit gefällt mir nicht. Ich habe jetzt eine kabbelige Welle die bremst. Mit 3 bis 4 Knoten komme ich voran. Mein Ziel war die Insel Rödlöga in den äußeren Schären. Hier sollte es mehrere Möglichkeiten auf der Norseite der Insel geben, die gut gegen den Südwind schützen. Denn der Wind soll laut Vorhersage über Nacht ähnlich bleiben. Schon bald wird mir klar das, wenn ich so weiterkomme, ich erst sehr spät das Ziel erreichen würde.

Ich bin in der Nähe von Stockholm – Fährverkehr

Ein Katamaran überholt mich – er hat keine Segel gesetzt und fährt unter Motor gegen den Wind. Ich entschließe mich es ihm gleich zu tun und starte den Motor. Vielleicht komme ich dann zu einer „normalen“ Zeit am Ziel an. Denn Rödlöga ist wohl sehr beliebt. Im schlechtesten Fall muss ich damit rechnen, keinen Platz zum ankern zu haben und Anlegen an einer Schäre für mich nicht möglich ist. Dann müsste ich abdrehen Richtung Stockholm.

Während der Motor läuft und Johann steuert studiere ich noch einmal die Alternativen. Nördlich von Rödlöga fällt mir die Insel Kudoxa auf – einiges kleiner als Rödlöga. Aber sie hat eine Bucht auf der Nordseite die Schutz gegen den Südwind bieten sollte. Ich zoome in die Navionics-Karte auf dem Plotter. Ja, sie ist als Ankerbucht gekennzeichnet. Ich schaue im Hamnguiden und finde sie auch dort als Ankerbucht mit Möglichkeiten zum Anlegen an der Schäre. Aber die Bucht ist nicht besonders groß. Sollten dort schon ein oder zwei Boote liegen, wird für mich kein Platz mehr sein. Doch sie liegt auf dem Weg also entschließe ich mich diese anzusteuern. Inzwischen haben die Wellen zugenommen. Der Wind liegt bei 17 bis 18 Knoten. Es ist ähnlich wie im letzten Jahr, als ich mich nach Nortällje kämpfte. Miss Sophie macht nur noch 2 bis 3 Knoten Fahrt gegen Wind und Welle. Aber diesmal bin ich nicht unter Druck. Ich muss niemanden abholen. Ich muss nur einen Platz für die Nacht finden.

In den Außenschären

Da ich kaum voran komme habe ich Zeit. Zeit, die Karten noch einmal zu studieren. Vielleicht war es doch keine gute Idee, eine Insel in den Außenschären auszuwählen. Ich wusste ja, dass etwa 15 bis 20 Knoten Wind vorhergesagt waren. Und inzwischen sollte ich wissen was das bedeutet wenn man gegen den Wind zum Ziel muss. Aber jetzt ist es so wie es ist. Noch 45 Minuten, meint Orca. Erst kurz vor Kudoxa lassen Wind und Welle etwas nach. Es scheint kein anderes Boot in der Bucht zu sein. Ich drossle die Geschwindigkeit und fahre langsam heran. Da ich keinen Zeitdruck habe möchte ich erst einmal in Ruhe schauen wie die Situation in der Bucht ist. Es ist jedenfalls nicht windstill – immer noch 8 bis 10 Knoten Wind. Aber das Wasser ist ruhig, keine Welle. Ich schaue wie tief ich hinein kann. Auf etwa 3 Meter Tiefe möchte ich den Anker werfen. Der Wind soll über Nacht auf Süd bleiben also muss ich nicht befürchten, in die Bucht gedrückt zu werden.

Ich schaue mir die Möglichkeiten zum Anlegen an der Schäre an. Aber die meisten sind aufgrund des Windes ungeeignet für mich. Es gibt einen Felsen, der steil ins Wasser fällt, die Kante etwa 1/2 Meter über dem Wasser. Könnte ich dort vielleicht längs festmachen? Ich versuche einmal langsam mit dem Bug voran an den Felsen zu fahren, um die Tiefe zu messen. Kurz vor dem Fels rumst es – Kiel auf Fels. Sofort werfe ich den Rückwärtsgang ein – das war nichts.

Ich fahre wieder ein Stück raus aus der Bucht und bereite den Anker vor. Dann wieder langsam hinein. Ich versuche mich in der Mitte der Bucht zu halten und die 3,5 Meter Wassertiefe abzupassen. Dann schnell nach vorne und den Anker heruterlassen. 20 Meter Kette plus etwas Leine. Ich starte die Anker-App auf dem Handy und zoome im Plotter. Das Boot schwjoit zu sehr, um über Peilung festzustellen, ob der Anker hält. Die Anker-App und meine Position auf dem Plotter sagen, dass der Anker hält. Motor aus.

Anker gesetzt und hält

Morgen kann ich auf Halbwind erst einmal in die inneren Schären segeln. Und dann muss ich sehen was geht. Der Wind soll auf Südwest drehen – ungünstig, genau die Richtung in die ich muss. Aber hoffe in den inneren Schären Ruhe vor der Welle zu haben. Mal sehen ob das gegenan geht. Das Ziel ist Richtung Stockholm, dort möchte (nicht muss) ich am Sonntag um 12 Uhr sein. Denn ab 12 Uhr habe ich den Liegeplatz im Wasahamn.

Stockholm, ich komme – Linanäs

Samstag, 25. Juli 2026

Die Windaussichten für heute und auch für die nächsten Tage sind nicht besonders toll – Wind aus Südwest. In den Stockholmer Schären gibt es kaum eine andere Möglichkeit als Richtung Südwest, außer natürlich die entgegengesetzte Richtung – Nordost. Aber zuerst einmal geht es von meinem Ankerplatz Richtung Westen, d.h. leicht am Wind. Wind und Welle sind heute etwas angenehmer als gestern, etwa 15 Knoten Wind. So bin ich recht flott in den inneren Stockholmer Schären. Ich versuche mich in Nebenfahrwassern aufzuhalten aber auch dort ist genügend Verkehr durch Segel- und Motorboote. Aber klar, ich bin jetzt in der Nähe der schwedischen Hauptstadt die immerhin 1 Millionen Einwohner hat.

Zuerst geht es leicht am Wind in Richtung der inneren Schären

Das Wetter hält, zumindest kein Regen. Aber es bleibt den ganzen Tag weitgehend bedeckt. Auch wenn ich jetzt einige Stunden unter Motor unterwegs bin, ist die Fahrt nicht eintönig. Es ist interessant die Häuser und die unterschiedlichen Inseln zu sehen. Eine Gruppe von Seglern sehe ich beim Anlegen an einer Schäre, sie hatten einen guten Platz gefunden. Auf dem Plotter und dem iPad beobachte ich die Segelboote die AIS senden. Gegen Nachmittag suchen die meisten einen Platz in einer windgeschützten Bucht. Ich habe mich unterwegs entschieden, den kleinen Hafen Linanäs anzusteuern.

Auf der Karte hatte ich den Hafen als windgeschützter eingeschätzt, als er sich dann zeigte. Aber zum Glück hatte es Boxen mit Y-Auslegern. Jetzt habe ich noch etwa 15 Seemeilen bis in das Zentrum von Stockholm. ich bin gespannt.

Ohne Ziel Richtung Süden…. (Prästgrundet)

Sonntag, 12. Juli 2026

Bevor ich los lege mit dem Tag heute… Noch eine Ergänzung zu Stocka – ich liebe die Handseife auf der Toilette mit Blaubeer-Aroma. Ich weiß, wenn ich zu Hause bin, werde ich nach einer solchen Handseife Ausschau halten.

Genug von Stocka geschwärmt. Ich hatte den Wetterbericht studiert, den Hamnguiden studiert, Orca und meine gespeicherten Orte in Google Maps studiert. Was sollte das Ziel für heute sein? Schwer zu sagen. Das Ziel war einfach maximal Richtung Süden zu kommen. Etwas um die 40 bis 50 Seemeilen sollten schon drin sein wenn die Windvorhersage zutreffen sollte. Das heißt Wind aus Nord mit 4 bis 5 Beaufort, also ideal um Richtung Süden zu kommen. Den Wecker hatte ich auf 8 Uhr gestellt denn am frühen Nachmittag soll der Wind wieder einschlafen.

Als ich in Stocka ablege ist es immer noch bewölkt

Um 8 Uhr klingelt der Wecker und es regnet. Also erst noch einmal umdrehen. Gegen 9 Uhr stehe ich auf und mache ein ausgiebiges Frühstück mit Frühstücksei. Laut Regenradar sollte es bald vorbei sein. Kurz nach 10 Uhr kann ich dann ablegen – Kurs erst einmal Südwest. Inzwischen habe ich Prästgrundet als Ziel gesteckt. Dort war ich schon im letzten Jahr und das war sehr schön dort. Sollte es mit dem Wind nicht so laufen, gibt es etwa auf 2/3 des Weges die Insel Agö. Auf der Südseite hat es eine große Bucht in der es einen Steg, zwei SXK Bojen und die Möglichkeit zu ankern geben soll. Gut gegen alle Richtungen geschützt, außer Süd. Aber aus Süd ist kein Wind zu erwarten – es soll bei Nordwind bleiben.

Die Schweden hatten 1/2 Stunde vor mir abgelegt und haben eine etwas andere Taktik. Sie segelten zuerst weit raus Richtung Ost um dann einen Kurs Richtung Südsüdwest zu segeln. Vielleicht etwas angenehmer als der Kurs, den ich segle denn ich segle bei sehr raumen Wind und es hat gleich eine Welle mit 1/2 Meter. Also eine ziemliche Schaukelfahrt. Als ich dann weit genug Richtung Ost gekommen bin kann auch ich die Halse machen und auf Richtung Süd gehen. Es ist etwas angenehmer mit der Welle doch mittlerweile rauscht die eine oder andere Welle mit 1 Meter Höhe durch. Zeitweise beginnt Miss Sophie wieder ansatzweise zu surfen. Aber noch ist der Kurs sicher weshalb ich mir keine weiteren Sorgen mache.

Doch der Wind, der Anfangs noch aus Nordnordwest kam, dreht ganz langsam immer weiter Richtung Nord – wie es eigentlich auch vorhergesagt war. Ich kann zwar inzwischen leicht etwas anluven Richtung Südsüdwest aber die Fock verhungert mal wieder in der Abdeckung des Großsegels. Letztendlich rolle ich sie weg.

Zeitlich ist alles im Rahmen weshalb ich auch bei der Annäherung an Agö bei meinem Plan bleibe. Mindestens eine Boje wurde inzwischen besetzt – wie ich auf dem Plotter verfolgen konnte. Und als ich an Agö vorbei bin kommen hinter mir zwei weitere kleine Segelboote, die wohl die Bucht von Agö ansteuern.

Ich gehe davon aus in Prästgrundet relativ alleine zu sein denn schon in der Einfahrt weist ein Schild darauf hin, dass es maximal 1,60 Meter Wasser hat. Der Wind lässt jetzt doch immer mehr nach aber weniger die Welle. Noch 10 sm bis Prästgrundet. Also fälle ich wieder einmal die Entscheidung den Rest mit Motorkraft zu machen.

Die Einfahrt nach Prästgrundet erfolgt von Südwest, deshalb ist die Welle schon vor der Einfahrt weg – angenehmer als im letzten Jahr, da hatte ich bis kurz vor der Einfahrt die Welle. Seitlich vom Steg liegt dann nur ein Motorboot mit einer Gruppe von Jugendlichen. Der Heckanker fällt und zwei der Jugendlichen fangen meinen Bug auf. Danach legen sie ab. Sollte ich wie letztes Jahr hier alleine sein?

Festgemacht – Prästgrundet

Ich nehme mein Anleger-Bier und gehe an einem der Tische an Land. Noch bevor ich das Bier aufgemacht habe kommt ein weiteres Segelboot. Es sieht groß aus, mit Ketsch-Rigg, hat aber wohl auch wenig Tiefgang. Ich gehe auf den Steg um die Festmacherleinen anzunehmen. Außer einem kurzen „Hello“ nichts. Ich würde sie ja gerne fragen, ob sie aus Stockholm sind. Roger (mein schwedischer Freund) meinte, dass die Menschen aus Stockholm etwas hochnäsig wären. Egal.

Same procedure as last year – ich mache mir mein Feuer im Grill an. In der Kühlbox ist noch Grillfleisch, Kartoffeln in der Backskiste. Als Vorspeise gibt es eine Portion von den geräucherten Garnelen mit Aiolo. Lecker. Nach dem Essen gehe ich noch einmal zu der kleinen Kapelle und zum Leuchtturm und genieße die Abendsonne.

Same procedure as last year….
Als Vorspeise gab es einen Teil der geräucherten Garnellen mit Aiolo
Mit 4 x 6 Metern die kleinste Kapelle der Region
Ausblick vom kleinen Leuchtturm
Und die wohl schönste Trockentoilette an Schwedens Ostküste

Wie es aussieht kann ich wohl morgen die Bucht von Synskär erreichen. Dann wäre ich nicht mehr weit entfernt von Gävle. Wenn es gut läuft gewinne ich diese Woche zwei oder drei Tage.

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben – Synskär

Montag, 13. Juli 2026

Nach der Arbeit, gegen 13 Uhr, ging es dann gleich los. Ich wollte keine Zeit verlieren denn mein Ziel ist Synskär. Hier, in Prästgrundet bekam ich vom Wind nicht sehr viel mit, dafür ist es zu geschützt. Aber es soll weiterhin nördlichen Wind haben. Gleich raus aus Prästgrundet sieht es vielversprechend aus. Etwa 10 Knoten Wind aus Nordost und so gut wie keine Welle. Also wird gleich das Segel hochgezogen – durch die Untiefen bei Prästgrundet kann ich gut raumschots hindurch segeln.

Raus aus Prästgrundet

Es verspricht ein gemütlicher und sehr schöner Segeltag zu werden. Der Wind bleibt bei etwa 10 Knoten und der Richtung Nordost – ideal. Der gesegelte Kurs ist etwa 60 – 70 Grad am Wind. Miss Sophie läuft mit etwas mehr als 5 Knoten wie auf Schienen dahin. Das sieht schön aus. Auf dem Plotter sehe ich einige andere Segelboote kreuz und quer. Eines hinter mir, welches nicht meine Geschwindigkeit läuft. Eines vor mir, das mit gut 6 Knoten vor mir weg rauscht. Und dann kommt mir ein deutscher Segler entgegen, der nicht auf dem Plotter erschien. Jetzt, fast Mitte Juli, noch hier Richtung Norden? Optimistisch….

Dann geht es auf Störjungfrun zu – eine größere Insel. Dort hatte ich im letzten Jahr einen Stopp gemacht. Der Hafen ist weniger schön. Der Leuchtturm war wegen Sanierung gesperrt, die Kapelle war recht schön. Aber ansonsten kein Grund für mich dort noch einmal Zwischenstopp zu machen.

Es sieht nach einem schönen Segeltag aus

Das Segelboot etwas weiter vor mir, das lange Zeit mit gut 6 Knoten Fahrt angezeigt wurde, zeigt jetzt nur noch 2,5 Knoten Fahrt. Ich überlege was sein könnte. Vielleicht möchte er in den Hafen von Störjungfrun abbiegen? Nein, er fährt daran vorbei und es bleibt bei 2,5 Knoten.

Dann komme auch ich in die Höhe der Hafeneinfahrt von Störjungfrun und der Wind lässt mehr und mehr nach. Auch kommt er jetzt mehr aus Ost weshalb es immer mehr ein Am-Wind segeln wird. Ich trimme ständig die Segel nach. Nach einer Kardinaltonne kann ich ein klein wenig abfallen. Aber meine Geschwindigkeit sinkt auf 3 bis 3,5 Knoten. Der „schnelle“ Segler vor mir ist laut AIS mittlerweile mit gut 5 Knoten unterwegs. Sollte der Wind nach dem Passieren der Insel wieder anziehen? Ich hoffe zumindest darauf. Nach knapp 1 Stunde erreiche ich das Ende von Störjungfrun aber der Wind wird immer lausiger. Zum einen schwächer und zum anderen hat er inzwischen so weit gedreht, dass ich mit dem wenigen Wind versuche hart am Wind zu fahren. Der Kollege hat also den Motor gestartet.

Ich tue es ihm schließlich gleich und werfe den Motor an – noch knapp 10 sm bis Synskär. Ich beobachte ihn weiter auf dem Plotter – sollte er auch nach Synskär wollen. Doch unser Kurs weicht mehr und mehr ab. Er möchte wohl direkt bis Gävle durchfahren. Ich hoffe darauf in Synskär wieder alleine zu sein.

Dann wieder die Einfahrt mit zwei Ansteuerungstafeln. Das schöne am B&G Plotter ist, dass er die letzten Tracks in anderen Farben anzeigt. So kann ich mich auch an meiner letzten Ein- und Ausfahrt orientieren. Was beim letzten Mal gut ging sollte wieder gut gehen.

An der einen Seite (meiner Lieblingsseite) liegt ein Motorboot mit einer Familie. Aber wenigstens die andere Seite ist frei. Ich gehe davon aus, dass sie hier nicht übernachten denn es ist ein kleineres Motorboot ohne große Kabine. So trinke ich erst einmal gemütlich mein Anlegerbier und genieße die Sonne.

Wieder festgemacht in Synskär

Schließlich macht sich die Familie zum Aufbruch fertig und ich plane schon dann gleich die Seiten zu wechseln. Just (Gerade) als die Familie endlich nach endlosen Aktionen zum Ablegen startet, biegt ein weiteres Segelboot in die Bucht ein. Nichts mit Seitenwechsel, nichts mit einsamer Nacht – schade. Ich bin ja nicht unfreundlich und auch nicht nachtragend (in diesem Fall) und nehme die Leinen entgegen. Eine schwedische Familie mit drei Kindern auf einer Hallberg Rassy 26. Aber wenigstens sehr diszipliniert und kein Geschrei. Ja, ich habe Kinder (die inzwischen groß und erwachsen sind) und inzwischen auch ein Enkelkind. Aber mit zunehmenden Alter suche ich vor allem eines: Ruhe.

Stechmücken – Moskitos

Ein Absatz dazwischen zu einem Thema, das mich in diesem Jahr leider beschäftigt… Stechmücken. Im letzten Jahr hatte ich Stechmücken überhaupt nicht so stark wahrgenommen. Ich glaube es waren wirklich wenige Tage bei Öregrund, gegen Ende meines letztjährigen Törns, als ich mein Elefantentuch über die Sprayhood hing. In diesem Jahr ist es wirklich lästig. Es hat schon nach der gelben Tonne beim Töre Båtklubb begonnen. Als ich mich mit einem Schweden unterhielt, er mich fragte ob ich nicht in die Sauna kommen möchte. Er mit Stechmücken übersäht war und er meinte, dass sie auch etwas gegen die Stechmücken hätten. Und seitdem begleiten mich diese Mistviecher immer wieder. Einmal hatte ich etwa 10 Mückenstiche auf der Stirn. Ich hatte dann ja gehofft, dass es in Schweden etwas besser wäre. Ist es aber nicht. Und das wundert mich etwas – obwohl ich die Temperaturen in diesem Jahr als niedriger empfinde als letztes Jahr, begleiten mich diese Viecher auf unangenehme Weise wesentlich stärker als im letzten Jahr. Ich denke in Gävle muss ich jetzt doch danach schauen das ich ein Mittel gegen diese Plagegeister finde.

Ein lustiger Tag – zurück in Gävle

Dienstag, 14. Juli 2026

Die letzte Nacht hatte es noch netten Wind – ich glaube aus Richtung Nord, was mir aber nichts nützte. Windy hatte es vorhergesagt: Schon am Vormittag soll der Wind stark nachlassen und auf Südost drehen. Im Laufe des Nachmittags drehend auf unterschiedliche Richtungen und sehr schwach. Egal, ich muss sowieso erst einmal arbeiten.

Bei dem schwachen Wind ist mein Gedanke unter Motor weiter zu kommen. Und als nächstes Ziel Gävle, knapp 30 sm. Für Mittwoch ist ebenfalls schwacher Wind vorhergesagt. Ob ich jetzt in einem Tag oder in zwei Tagen nach Gävle mit Motor fahre macht keinen Unterschied.

Kurz nach Mittag kann ich dann ablegen. Draußen, wie gedacht, nur schwacher Wind. Etwa 7 bis 8 Knoten. Und auch noch aus Südsüdost, mehr oder weniger die Richtung, in die ich muss. Aber es hat keine Welle. Bedingungen fast wie am Bodensee. Also werden, wie am Bodensee, die Segel hochgezogen beziehungsweise ausgerollt, ist ja ein Segelboot und kein Motorboot.

Nach dem Leuchtturm vor Synskar muss ich abdrehen auf den Zielkurs
Fast wie am Bodensee – keine Welle und etwa 7 Knoten Wind

So versuche ich so gut wie es eben geht (so hoch wie möglich) gegen den Wind zu segeln. Es ist ein mühsames gegenan kreuzen bei etwa 4 Knoten Fahrt. Ich sehe das eine oder andere Segelboot unter Segel und unter Motor. Die, die unter Segel sind, haben aber einen anderen und damit günstigeren Kurs als ich. Nach 4 Stunden schwächelt der Wind noch einmal mehr und fällt unter 5 Knoten. Meine Geschwindigkeit noch knapp über 3 Knoten. An diesem Punkt enden meine Ambitionen. Der Motor wird angeworfen und die Segel geborgen – noch 3 Stunden bis Gävle.

Vor mir, in der Einfahrt zu Gävle beobachte ich zwei Frachter und einen Piloten (Hafenlotsen). Sie sind noch weit von mir weg und deshalb nicht wichtig. Aber interessant auf dem Plotter anzusehen, wie der Pilot an den Frachter fährt. Ansonsten ist die Einfahrt wie erwartet recht unaufgeregt. Achja, ein besonderes Vorkommnis: kurz bevor sich das Fahrwasser verengt, hinter mir ein Motorboot, kommt die Polizei aus der Seite heraus geschossen und stoppt das Motorboot. Alkoholkontrolle? Die Aufklärung kommt weiter unten…

Für mich mittlerweile altbekannt – die Einfahrt nach Gävle

Der Stadthafen ist wie immer recht leer (ich weiß nicht wie oft ich jetzt hier schon war – fünf Mal, sechs Mal?). Ein deutsches Segelboot sehe ich. Der Eigner sitzt im Cockpit und steht gleich auf als er mich sieht. Ich sage ihm das ich die übernächste Box nehme (hier wird an Y-Stegen angelegt). Er steht am Steg, ich kümmere mich um die Heckleine und er fängt meinen Bug auf. Ich gehe nach vorne um mich zu bedanken. „Ich dachte doch, dass du hier demnächst vorbei kommen musst“, werde ich begrüßt. Kennen wir uns – frage ich mich gerade gedanklich.

Andreas aus Kiel hat meinen Reisebericht vom letzten Jahr gelesen und auf Youtube gesehen. Er ist sonst mit seiner Dehler 36 wohl mehr in Dänemark und an Schwedens Westküste unterwegs. Für seinen Törn an der schwedischen Ostküste suchte er im Internet nach Informationen (wie ich damals) und ist so auf mich gestoßen. Wie klein die Welt doch ist.

Spontan lädt mich Andreas auf ein Anlegerbier ein, was ich gerne annehme. Er hat noch einen Segelkameraden an Bord, der morgen abreist. Wir schnacken viel (wie die Norddeutschen wohl sagen) über das Revier, über die Schweden, über Schären und den einen oder anderen Hafen.

Zurück zur Polizei – Andreas meint, dass sie hier in der Hafeneinfahrt Geschwindigkeitskontrollen machen und der Kollege wohl zu schnell unterwegs war. Wir tauschen die Kontaktdaten aus denn Andreas wird in etwa der gleichen Zeit wie ich Richtung Süden unterwegs sein. Er muss Richtung Ende August in Karlskrona sein. Vielleicht ergibt sich noch der eine oder andere gemeinsame Schlag. Jedenfalls habe ich einige Informationen zu den Stockholmer Schären mitgenommen.

Und dann das zweite lustige Ereignis: Als ich so hoch am Wind segle, pingt das Handy – Whatsapp Nachricht. Eine unbekannte Nummer und ein ausführlicher Text. Ein Segler vom Bodensee der mich verfolgt und mir einige Zeilen schreibt. Lustig, bin ich jetzt eine Person des öffentlichen Lebens?

Ich mach mein Ding (wie Udo Lindenberg es so schön gesungen hat). So wie heute mit Gävle. Jetzt bin ich wieder hier wo ich am 28. Mai, also vor etwa 6 Wochen, gestartet bin. 1.100 Seemeilen habe ich zurückgelegt und mein großes Ziel erreicht. Hier mache ich jetzt einen Tag Pause. Einkaufen, Körperpflege, Wäsche waschen. Dann bereite ich mich auf den Genuss-Teil vor. Noch einmal Väddö Kanal und dann vor allem Schären. Davon hatte bisher auf meiner Reise zu wenig.

Und ein klein wenig, nur als Option falls es weiter sehr gut laufen sollte, habe ich noch eine besondere Option im Hinterkopf… Aber wie heißt es so schön: über ungelegte Eier soll man nicht reden.

Wieder festgemacht in Gävle

Hafentag in Gävle

Mittwoch, 15. Juli 2026

Andreas, der Segler aus Kiel, hat seinen Bekannten verabschiedet und ist weiter gezogen. Er sucht sich einen Ankerplatz. Für mich heißt es arbeiten, duschen, Wäsche waschen und einkaufen. Und dann habe ich natürlich Zeit weiter zu planen. Die Planung ist nicht einfach… Zuerst: Es ist jetzt sehr warm geworden – fast 30 Grad. Der Wind ist aktuell sehr schwach und kommt überwiegend aus einer ungünstigen Richtung – Südost.

Am Freitag kommt wohl gegen Abend eine Kaltfront mit Regen, Samstag und Sonntag soll es den ganzen Tag regnen. Erst ab Montag soll sich das Wetter langsam bessern. Öregrund sollte ich aber locker in den nächsten 5 Tagen erreichen – soviel hatte ich geplant. Die Frage ist nur, wo ich Samstag/Sonntag abwettern soll. Denn die Erfahrung vom letzten Jahr zeigte, dass bei 2 Tagen Schlechtwetter mein Strom knapp wird wenn ich arbeiten muss. Und die Nacht von Donnerstag auf Freitag wird wahrscheinlich eher eine Nacht ohne Landstrom.

Backskiste und Kühbox sind wieder gefüllt

Und jetzt kommt es noch ganz dick… ausgerechnet für hier ist am Sonntag Starkwind mit 30 bis 40 Knoten aus nördlicher Richtung vorhergesagt. Das schlechte Wetter mit starkem Wind soll von Samstag bis Dienstag anhalten. Genau zwischen Gävle und Öregrund. Und hier, zwischen Gävle und Öregrund, finde ich nichts was gut gegen Nord geschützt ist. Ankern möchte ich unter solchen Bedingungen nur, wenn es sehr gut gegen Nord geschützt ist.

Das einzige was ich im Moment machen kann, ist morgen soweit als möglich Richtung Osten zu segeln. Richtung Abend/Nacht soll der Wind besser sein (ab 22 Uhr 10 – 20 Knoten aus Süd/Südwest). Bis Freitag, 20 Uhr sollte ich einen sicheren Unterschlupf gefunden haben. Außer Öregrund zu erreichen habe ich nur zwei Optionen gefunden.

Flucht nach vorne – Ankerbucht Rödhall

Donnerstag, 16. Juli 2026

Bezüglich des Reviers verpasse ich hier nichts zwischen Gävle und Öregrund. Hier gibt es nur sehr wenige Häfen bzw. Anlegemöglichkeiten. Östlich von Gävle ist es erst einmal noch industriell geprägt. Die wenigen „Highlights“ habe ich bereits im letzten Jahr gesehen wie z.B. Örskärs mit dem Leuchtturm.

Die Sturmwarnung für Samstag/Sonntag ist „offiziell“. Heute wurde mir eine Warnung auf Facebook angezeigt. Erwartete Windgeschwindigkeit 40 bis 50 Knoten, sehr hohe Wellen. Segler und andere Wassersportler sollen entsprechend planen.

Da die Vorhersage bis heute Vormittag noch so aussah, dass es bis einschließlich Dienstag dann regnen soll, ist mein Ziel bis Freitagabend Öregrund zu erreichen. Bei Schlechtwetter komme ich, wenn ich arbeiten muss, 2 Tage mit dem Strom aus, aber nicht mehr. Die zwei Optionen die gegen Nord geschützt sein könnten, sind keine echten Optionen. Das eine wäre der Anleger bei der Insel Örskär und das andere eine SXK Boje. An beiden Plätzen wollte ich bei Regen und Starkwind nicht mehr als 1 Tag liegen.

Deshalb lege ich heute zügig kurz nach Mittag ab. Zuerst muss ich nach der Einfahrt von Gävle durch ein paar vorgelagerte Inseln mit engem Fahrwasser. Da der Wind aus östlicher Richtung kommt und das auch die Richtung ist in die ich muss, mache ich das erst einmal unter Motor.

Noch einmal zwischen ein paar Inseln und Untiefen durch

Dann setze ich die Segel um gegenan zu kreuzen. Ich muss erst einmal Richtung Osten und der Wind kommt aus Südost. So kann ich wenigstens zeitweise auf einen längeren Streckbug gehen. Nach etwa 3 Stunden kommt der Wind mehr und mehr aus östlicher Richtung und nimmt auch ab. Genau gegen den Wind zu segeln bringt mich kaum noch weiter Richtung Osten. Also fällt der Entschluss, wieder den Motor anzuwerfen. Ich möchte die Ankerbucht Rödhall erreichen. In dieser war ich bereits zweimal und sie liegt auf halbem Weg zwischen Gävle und Öregrund. Außerdem soll der Wind in der Nacht auf Süd drehen und auf 10 bis 20 Knoten anziehen. Die Bucht ist in allen Richtungen, außer Nord, sehr gut geschützt.

Wieder vorbei an Björns Fyr

Auf dem Plotter sehe ich ein anderes Segelboot, das wohl zuerst an einer der Bojen bei Björns Fyr festmachen wollte. Ein dem Wind aus allen Richtungen sehr ausgesetzter Platz. Aber dann drehen sie wieder ab und steuern auch die Ankerbucht Rödhall an. Ich hoffe, dass sie weiter vorne bleiben und nicht ganz nach hinten gehen. Den Platz hätte ich gerne. Aber die Hoffnung erfüllt sich leider nicht. Egal, dann nehme ich eben den Platz in der Mitte der Bucht.

Auf 3,5 Meter fällt dann schließlich der Anker. Sicherheitshalber bringe ich die 20 Meter Kette aus und noch etwas Ankerleine. Etwa 18 Meter Kette sollte auf dem Boden liegen. Rückwärtsgang rein und prüfen ob der Anker hält – es sieht gut aus. Ich stelle den Ankeralarm mit einem Schwojkreis von 30 Meter. Ich habe ringsum etwa 50 bis 70 Meter mindestens Platz.

Leider nicht alleine in der Ankerbucht und mein Lieblingsplatz ist belegt

Durcharbeiten bis Öregund

Freitag, 17. Juli 2026

Da ich von Regen und Starkwind für Samstag/Sonntag ausgehe, ist mein Ziel Öregrund – einfach ein sicherer Hafen. Als ich am Morgen aufstehe, ist das andere Segelboot bereits weg. Da hätten sie mir auch den Platz hinten in der Bucht lassen können, denke ich so für mich.

Am Vormittag muss ich ja noch arbeiten. Der Wind hat auf Süd gedreht und ist inzwischen etwas stärker – zeitweise 10 Knoten in der Bucht. Aber die Anker-App zeigt mir, dass der Anker hält. Miss Sophie schwojt etwas um den Fixpunkt.

Anker aufholen geht problemlos und dann geht es raus. Ich verabschiede mich innerlich von dieser Bucht in der ich meine dritte gute, sichere Nacht verbracht habe. Ich überlegte noch ein Reff in das Großsegel zu machen aber da es bei etwa 10 Knoten Wind blieb rechne ich draußen mit maximal 15 Knoten Wind – das sollte erst einmal ohne Reff gehen. Die Welle ist o.k., weniger als 1/2 Meter. Aber was klar ist: es wird heute eine gegenan kreuzen gegen den Wind. So wird es ein Wechselspiel zwischen Holebug und Streckbug. Auf dem Holebug falle ich etwas ab Richtung Nordost, auf dem Streckbug kann ich Strecke Richtung Süden machen. Mein Ziel, Öregrund, liegt Richtung Südost. Etwa auf 2/3 Drittel der Strecke nehmen Wind und Welle zu. Als es Richtung 20 Knoten Wind geht, setze ich das erste Reff im Großsegel. Dann wird es zunehmend unangenehmer. Zum Wind kommt eine ekelhafte Hackwelle. Ich beobachte die größeren Wellen (etwa 1 Meter) – sie liegen gerade 2 – 3 Meter auseinander. Das führt dazu, dass Miss Sophie trotz des relativ starken Windes (etwa 15 Knoten) immer wieder ausgebremst wird. Der Spaß geht zunehmend verloren. Aber was soll’s – auf Kreuzkurs arbeite ich mich Stück für Stück Richtung Öregrund.

Öregrund kommt langsam in Sichtweite
Etwa 3 sm vor Öregrund berge ich das Focksegel

Der Sund wird jetzt zunehmend enger und ich überlege mir, wie ich das mit dem Bergen des Focksegels machen soll. Zum Bergen der Fock muss ich stark abfallen damit die Fock im Windschatten des Großsegels möglichst einfällt und keinen (oder wenig) Winddruck hat. Danach, so sieht es mein ideales Manöver vor, möchte ich wieder stark anluven auf den letzten Am-Wind-Kurs. Doch das wird dann zunehmend im engen Sund schwieriger. Deshalb entschließe ich mich knapp 3 sm vor dem Hafen das Manöver so zu fahren. Das Focksegel ist schließlich geborgen und ich segle noch etwas mit dem Großsegel.

Auf dem Plotter sehe ich Andreas (den ich in Gävle getroffen hatte) vor dem Hafen und ich sende ihm eine Whatsapp Nachricht mit der Bitte, mir einen Platz frei zu halten. Das ist natürlich nicht ernst gemeint, denn er kann mir natürlich keinen Platz reservieren. Letztendlich habe ich keine Lust mehr auf diesen starken Wind mit der unangenehmen Welle und berge das Großsegel. Unter Motor geht es die letzten 3 sm Richtung Hafen.

Am Steg steht Andreas und hält mir die Mooringleine hoch – es hat noch zwei Plätze auf der von mir bevorzugten Südseite des Stegs. Festgemacht. Die Hafenmeisterin ist auch gleich zur Stelle – wie im letzten Jahr.

Wieder festgemacht in Öregrund

Ich hatte jetzt wegen der Wetterprognose etwas Gas gegeben und bin nun 7 Tage eher in Öregrund als ursprünglich geplant. 2 Tage gehen jetzt wegen des Wetters wieder verloren aber ich habe 5 Tage „gewonnen“. Deshalb möchte ich es jetzt ab Montag etwas gemütlicher angehen. Denn jetzt kommt wieder ein schönerer Teil – die Schären südlich von Öregrund. Hier hatte ich letztes Jahr, gegen Ende meiner Reise, einmal an einer Schäre angelegt. Und das möchte ich in diesem Jahr noch ein paar Mal wiederholen. Und dann werde ich wieder durch den Väddö Kanal gehen.

Mühsames Segeln gegen den Wind

Hafentag in Öregrund

Samstag, 18. Juli 2026

Den Tag erwähne ich nur der Vollständigkeit halber. Der Wind nimmt langsam zu, der Regen bleibt noch aus. Ich gehe noch etwas einkaufen. Wer oben das Bild meiner Vorräte gesehen hat, dem wird die Menge an Flapjacks auffallen. Eine Art Müsliriegel aber wesentlich nahrhafter (etwa 400 Kalorien). Leider gibt es die nicht in Deutschland und ich fülle die Backskiste, um dann einige mit nach Hause zu nehmen (haltbar bis 2027).

Dann kenne ich vom letzten Jahr hier noch eine nette Konditorei wo ich mir süße Stückchen zum Kaffee hole. Ansonsten werde ich etwas arbeiten, um ein paar Stunden aufzuholen. Hoffen auf Montag…

Wieder nur ein kleiner Schlag – Ulvön

Sonntag, 5. Juli 2026

Das Wetter war ja dann ja besser als vorhergesagt. In Skeppsmalen habe ich eine sehr ruhige Nacht verbracht. Für den Nachmittag ist aber Regen und später sind Gewitter vorhergesagt. Deshalb schaue ich das ich möglichst früh weg komme. Ich habe heute wieder nur einen kleineren Schlag geplant. In Ulvön war ich letztes Jahr zum tanken auf dem Rückweg Richtung Süden und ich dachte damals „das sieht auch nett aus hier“.

Früh morgens in Skeppsmalen
Rückblick nach Skeppsmalen

Für Montag ist den ganzen Tag Regen vorhergesagt und es soll wieder auf 15 Grad abkühlen. Deshalb wollte ich nach einem Hafen mit Landstrom schauen. In Norra Ulvön gibt es mehrere Anlegemöglichkeiten. Der Wind kommt aus Nordost weshalb ich auf einem schönen Raumwindkurs gemütlich segeln kann. Was jetzt auffällt: Es sind jetzt einige Segler hier unterwegs und ich muss mehr darauf achten. Die Region Höga Kusten ist bei den Schweden und den Finnen sehr beliebt. Und natürlich sind auch einige Deutsche hier unterwegs.

Vorbei an Trysunda – da war ich im letzten Jahr

Angelegt wird in Ulvön mit Heckboje – nicht mein Lieblingsmanöver. Beim ersten Versuch vertreibt der Seitenwind mein Boot und der Abstand ist zu groß um die Boje zu erreichen. Der zweite Versuch geht dann gut und wieder steht ein Schwede am Steg um meinen Bug aufzufangen. Kurzer Smaltalk auch über das Wetter und über die Kälte im Norden. Er kommt aus Umeå. Auch er ist mit dem Sommer bisher nicht zufrieden. Er meint, es müsse einmal ein Hoch im Norden durchziehen, um die warme Luft aus dem Süden anzuziehen. Für heute können wir uns jedenfalls nicht beklagen. Es ist warm und ich sitze ohne Shirt (und ohne Socken!) im Cockpit.

Festgemacht Norra Ulvön

Regenpause

Montag, 6. Juli 2026

Spät am Vorabend kam dann der für Mittag angekündigte Regen. Ich war dann aber doch froh, so früh in Ulvön zu sein denn der Hafen füllte sich. Auch einige Teilnehmer der Midsummer Sail kamen hier an und liegen nun im Päckchen.

Ich überlege die nächsten Tage und stelle fest, dass ich hier an den Höga Kusten schon sehr viel gesehen habe. Zum einen, weil ich im letzten Jahr dann entschieden hatte genau diese Region zu genießen und zum anderen weil ich jetzt dann zum vierten Mal in dieser Region bin. Alle bekannten und beliebten Ziele und auch einige weniger bekannte Orte habe ich hier bereits besucht. Daher fällt es etwas schwer, ein sinnvolles Ziel zu finden.

Außerdem ist das Wetter (für mich ohne Heizung) noch nicht so, dass ich nach Ankerplätzen oder SXK Bojen Ausschau halte. Heute hat es abgekühlt auf 12 Grad(!) und die nächsten Tage erholt es sich nur langsam etwas.

Kein Hochdruckgebiet im Moment in Sicht

Im Moment ist kein Hochdruckgebiet in Sicht. Der einzige Vorteil: Tiefdruckgebiete drehen auf der Nordhalbkugel der Erde gegen den Uhrzeigersinn. Das bringt mir Wind aus nördlicher Richtung – also ideal für mich. Mal sehen wie ich das in der Kombination mit dem Wetter nützen kann.
Um es für den Laien besser zu erklären: Ein Hochdruckgebiet liegt nördlich von England. Das Tiefdruckgebiet über Südschweden wandert langsam Richtung Osten. Dadurch kommt es zuerst in der südlichen und später in der mittleren Ostsee zu Starkwind aus Nord bzw. Nordwest. In Landnähe moderat – 15 bis 20 Knoten Wind geschätzt.

Ulvön

Ulvön wird auch die „Perle des Bottnischen Meeres“ genannt. Norra Ulvön ist die Hauptattraktion des Schärengartens von Höga Kusten. Der Ort zeigt mit seinen Häusern, den Bootshäusern und dem Museum die Entwicklung von Fischerei, Bergbau und Landwirtschaft im 17. Jhd. bis zum heutigen Tourismus. Ulvön war einst das größte Fischerdorf von Norrland.

Besonders sehenswert ist die alte Kapelle die von den Fischern bereits 1622 erbaut und mehrmals umgezogen wurde. Dass die Kapelle mehrmals umgezogen wurde hängt wohl mit der Landhebung zusammen. Einst stand sie an einem höheren Punkt. Wie andere Kapellen wurde auch diese in den Wintermonaten genutzt die Fischereiausrüstung zu lagern. Eine Besonderheit sind die Wand und Deckenmalereien. Das sieht man sehr selten in solchen Fischerkapellen. Im 19. Jhd. wurde die Kapelle schließlich zu klein, war baufällig und eine größere Kirche wurde an einem anderen Platz gebaut. Es gab bereits eine Abrissgenehmigung für die alte Kapelle. König Oscar II., der Ulvön besuchte, erkannte jedoch den Wert der Wandmalereien und stiftete 200 Reichstaler für deren Erhalt.

Von außen wirkt die alte Kapelle sehr unscheinbar
Die neue Kirche aus dem 19. Jhd.

Ansonsten bietet Ulvön einige Cafés, Möglichkeiten zum Essen und kleine Geschäfte. Zwei Kursschiffe fahren mehrmals täglich nach Ulvön.

Ein richtig schöner Segeltag – Hörsång

Dienstag, 07. Juli 2026

Das Wetter bessert sich im Laufe des Tages. Zuerst ist es noch bewölkt aber schon deutlich wärmer als gestern. Dann findet langsam die Sonne einen Weg durch die Wolkenlücken. Nach getaner Arbeit lege ich deshalb zügig ab. Mein Ziel für heute ist Hörsång – knapp 25 sm. Der Wind kommt aus West, teilweise aus Nordwest. Das bedeutet Halb-Wind bis Am-Wind segeln.

Herrlich Halbwind bis Am-Wind

Ich überlege zuerst noch ob ich hier tanken soll, etwa 20 Liter könnten hinein passen. Aber ich möchte dann doch keine Zeit verlieren – wer weiß, was der Wind im Laufe des Tages noch macht. Da der Wind von der Landseite kommt und ich zwischen Inseln oder an der Landseite entlang segle, hat es praktisch keine Welle. Der Wind bläst schön mit 10 bis 13 Knoten und beschleunigt Miss Sophie auf 6 Knoten – herrlich.

Der Leuchtturm vor Bönhamn

Ich erkenne die Bucht, wo ich letztes Jahr in eine herrliche Ankerbucht abgebogen bin und es geht an Bönhamn und Barstahamn vorbei. Was auffällt: Es sind jetzt deutlich mehr Segler unterwegs. Nach dem Leuchtturm vor Barstahamn muss ich anluven aber ich schaffe es zuerst nicht die von Orca angedachte Höhe zu laufen. Doch dann dreht der Wind wieder etwas zu meinen Gunsten und ich segle hoch am Wind – soweit es geht. Doch der Wind wird jetzt immer unbeständiger, sowohl in der Richtung als auch der Windstärke. Mal fällt er runter auf 7 Knoten um kurz darauf auf 15 Knoten anzuziehen. Ich weiß nicht ob es an den Hügeln, Buchten und Inseln liegt. Die Ursache ist letztendlich egal. Ich muss sehen wie ich damit umgehe.

Leuchttürmchen

Kurz vor Storön (dort hatte ich letztes Jahr eine SXK Boje) wird es dann ganz verrückt. Schlagartig dreht der Wind um 45 Grad und ich sollte es so nicht in die Lücke zwischen Storön und dem Festland schaffen. Dann lässt der Wind wieder stark nach und ich nütze die Gelegenheit, erst einmal die Fock zu bergen. Dann mache ich eine Wende, es ist nicht mehr weit bis Hörsång. Ich hoffe mit der Wende durchzukommen aber wieder dreht der Wind mal links mal rechts. Schließlich habe ich die Faxen dicke und werfe den Motor an. Der Wind kann mich mal.

Noch 5 sm bis Hörsång. Es geht in den Sund hinein und ich hoffe hier auf mehr Schutz vor dem Wind. Denn am Ende wartet wieder Anlegen mit Heckanker. Ein größeres Segelboot liegt vor Anker am Ende der Bucht. Im Hamnguiden steht das es flach am Steg wäre und nur Motorboote oder kleinere Segelboote den Weg hierher finden. Doch es liegt ein etwas größeres Boot am Steg womit ich optimistisch bin mit meinen 1,40 Meter Tiefgang ebenfalls anlegen zu können.

Ich habe alles vorbereitet und ich werfe den Heckanker. Der Finne vom anderen Segelboot geht an den Steg um meinen Bug aufzufangen. Langsam, langsam geht es Richtung Steg. Aber genauso langsam geht mir die Leine des Heckankers aus. Ich hoffe das es reicht denn sonst müsste ich das Manöver abbrechen, Anker lichten und noch einmal anfahren. Es reicht gerade so um noch zwei Schläge mit der Ankerleine auf die Klampe machen zu können. Aber auch etwas Gutes: Der Heckanker hält sofort bombenfest. Nur mit großer Kraftanstrengung bekomme ich das Boot nah genug an den Steg gezogen.

Und dann erst einmal genießen – was ein schöner Platz. Die Sonne scheint noch etwas, Kinder springen ins Wasser und wir, der Finne und ich, sind hier alleine am Steg. Ruhe. Kein Vergleich mit dem ähnlich Sardinen liegenden Booten in Ulvön. Achja, und der Tiefgang reicht genau – 1,60 Meter zeigt das Lot.

Festgemacht – Hörsång
Eine sehr schöne Bucht, ein sehr schöner Platz

40 sm sind einfach grenzwertig

08. Juli 2026

Die Wetteraussichten für heute waren eher durchwachsen. Immer wieder sollen Regenschauer durchziehen. Aber ich möchte Sundsvall erreichen. Erstens weil ich einkaufen muss – ich habe mal wieder keine frischen Lebensmittel. Zweitens weil ich duschen und Wäsche waschen möchte. Drittens weil mich das so oder so einen Tag Pause kostet und ich sonst meinem Zeitplan hinterher hinke. Und viertens weil ich den guten Norwestwind nützen möchte. Orca meint was um die 35 sm ohne eine Wende oder Halse.

Rückblick auf Hörsang – ein schöner Ort

Also lege ich kurz nach Mittag ab (so früh wie derzeit für mich möglich). Gerade da fängt es an zu tröpfeln. In weiser Voraussicht hatte ich das Ölzeug und die Segelstiefel angezogen. Ich hasse nasse Schuhe. Doch es blieb bei ein paar Tropfen. Immer wieder schaue ich auf den Regenradar. Ein größeres Regengebiet zieht vor mir weg – also im Moment alles gut. Gleich raus aus dem Sund werden die Segel gesetzt und es geht auf raumen Kurs voran. Erst mit etwa 5 Knoten was aber durchaus reicht. Wieder geht es an bekannten Orten vorbei. Der Insel Storön, wo ich letztes Jahr an der SXK Boje lag. Härnösand, wo ich den Anlasser für den Motor bekam und der taubstumme Mitarbeiter mit mir den Anlasser wechselte. Sehr schöne Erinnerungen auch an Lustholmen und den Ausflug zur Höga Kusten Brücke.

Ringsum Regenschauer – aber ich habe Glück

Der Wind hat mittlerweile angezogen und die leichte Welle kommt schräg von hinten. Miss Sophie beschleunigt auf über 6 Knoten, das eine oder andere Mal steht eine 7 auf der Logge. Das kann mir nur recht sein. Je eher ich ankomme umso besser. Aber die Ankunftszeit bleibt bei etwa 20:30 Uhr.

Ich benütze LocaToWeb (www.locatoweb.com). So können meine Frau und meine Kinder (und wer möchte) mich verfolgen. Ich sehe die zurückgelegten Seemeilen und die vergangene Zeit. Irgendwas passt mit der Ankunftszeit und den 35 sm, die ich im Kopf habe, nicht zusammen. Der Wind lässt plötzlich nach und die Geschwindigkeit sinkt unter 3,5 Knoten. Das ist zu langsam – ich habe keine Lust um 23 Uhr noch etwas anzukommen. Also wird der Motor als Unterstützung genommen. Nach 1/2 Stunde legt der Wind wieder zu und der Motor kann wieder Pause machen. Das gleiche passiert dann noch einmal eine ganze Zeit später. Seltsam.

Vor Sundsvall nimmt der Wind dann noch einmal Fahrt auf. Das Wasser kräuselt sich leicht – daran erkennt man gut Böen bzw. das es böig ist. Johann, mein elektronischer Steuermann ist ausgestiegen (hat aufgegeben). Entweder luvt er zu stark an oder fällt zu stark ab. Egal ob ich schnell Druck aus dem Großsegel nehme indem ich die Schot fiere oder ob ich das Segel dichter nehme. Mit dem Achterliek des Segels kann ich bei dem alten, ausgelutschtem Segel nicht viel machen. Das Achterstag ist schon gut durchgesetzt. Weil ich Sorge habe, dass Johann einen Sonnenschuss* verursacht, übernehme ich die Pinne. Kurz vor Sundsvall hoffe ich in die Windabdeckung einer Insel zu kommen. Die Gelegenheit möchte ich nützen, das Focksegel zu bergen und das klappt dann auch wie geplant – Wind nur noch 6 Knoten.

Dann geht es noch ein Stück nur mit Großsegel weiter. In den Sund hinein muss ich gegen den Wind weshalb ich den Motor starte und das Großsegel berge. Ich hoffe darauf, dass es hinten im Hafen windstill ist. Ich habe in Erinnerung das ein Gebäude vor dem Steg steht und das müsste eigentlich vor dem Wind schützen. Doch es ist nicht windstill – 7 Knoten Wind. Vier andere Segelboote liegen am Steg aber keine helfende Hand für das Anlegemanöver an Heckboje in Sicht.

Den ersten Versuch versemmel ich gleich – die Leine hat sich verheddert. Also noch einmal, zweiter Versuch. Und diesmal hängt die Leine an der Starlink Antenne, wie auch immer das geht. Also erst noch einmal raus aus dem Hafen – hier im Hafen bei dem Wind habe ich keinen Platz um alles noch einmal zu sortieren. Draußen vor dem Hafen sortiere ich noch einmal die Leine und bereite sie sauber vor. Dann wieder rein, schauen an welchem Platz es am wenigsten Wind hat. Eigentlich sollte der Wind ja von vorne kommen, kommt er aber nicht – er kommt schräg von vorne. Eigentlich ein Situation um sich an einem Nachbar anlehnen zu können. Das geht aber nicht weil die Abstände zwischen den Bojen zu groß sind. Egal, Versuch macht kluch (klug). Bojenhaken eingehangen, Leine läuft, ich lasse den Motor auf Standgas gebe Leine nach und hoffe das sich das Boot irgendwie stabilisiert. Kurz vor dem Steg sprinte ich nach vorne. Zum Glück hatte ich einen Festmacher so vorbereitet, dass ich ihn nur schnell von der Bugreling nehmen musste. Es reicht gerade noch auf den Steg zu springen und die Leine um einen Poller zu legen denn schon driftet das Boot ab Richtung Nachbar. Puh, das ist gerade mal so gut gegangen.

Wieder festgemacht in Sundsvall
Wäsche waschen in Sundsvall – alles verständlich, oder?

Das ist der Nachteil von so einem kleinen, leichten Boot. Der Wind hat einen ganz anderen Einfluss als auf ein 36 Fuß Boot welches das doppelte auf die Waage bringt. Nun noch etwas essen. Die Wäsche wandert gleich in die Waschmaschine und dann kommt später noch mein schwedischer Freund Roger (der Diesel-Lieferant).

Achja, es waren dann 44 sm und das ist einfach grenzwertig wenn ich am Vormittag arbeiten muss. Bei meiner Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,1 Knoten werden das über 10 Stunden – too much. Heute hatte ich dann eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Knoten – da geht das gerade noch so. Aber je weiter ich Richtung Süden komme und das Jahr voran schreitet (kürzere Tage) desto schwieriger wird das – Ankommen in der Dunkelheit hatte ich ja schon letztes Jahr unfreiwillig geübt.


*Sonnenschuss: Wenn ein Boot aufgrund der Auswahl der Segel, der Stellung und dem Trim der Segel zu viel Wind hat, dann sollte es (wenn es richtig konstruiert ist) dazu neigen in den Wind zu drehen. Im Extremfall dreht es komplett in den Wind (Rumpf gegen den Wind) und im schlechtesten Fall geht dann der Bug auf die andere Seite. Deshalb ist der Sonnenschuss unbedingt zu vermeiden.

Memories – Erinnerungen

Donnerstag, 09. Juli 2026

Von meiner Tochter

Ich hatte die Tage zuvor schon das eine oder andere Mal über Erinnerungen geschrieben. Gestern Abend war noch mein schwedischer Freund (Roger) in den Hafen von Sundsvall gekommen. Am Vormittag musste ich wie bekannt arbeiten. Wir hatten uns verabredet, heute nach Lill-Lubban zu gehen. Dort war ich bereits im letzten Jahr zweimal. Einmal „alleine“ auf dem Weg Richtung Norden und das zweite Mal mit den damals neu gewonnenen Freunden vom Cruisingklubben – u.a. Roger.

Roger legte schon früher ab und segelte. Nach getaner Arbeit startete ich auch – noch mit Wind aus Nordost – und konnte schön raumschots segeln. Roger warnte mich vor, dass nach der letzten vor Sundsvall vorgelagerten Insel der Wind sich vollkommen verändern wird. Ich war vorgewarnt. Aber was dann passierte, habe ich selten erlebt. Der Wind drehte um mehr als 90 Grad und nahm plötzlich komplett ab. Zum Schluss hatte ich eine spiegelglatte Ostsee vor mir – oder wie ein Bekannter kommentierte: „Arschglatt“.

Der Wind dreht komplett
Spiegelglatt – kein Wind

Otto musste einspringen und so wurde es wieder einmal eine mehrstündige Motorfahrt. Und ich war so müde. Manchmal, wenn es solche Situationen hat, ich müde bin, der Kurs feststeht, ringsum nichts zu sehen ist, dann mache ich 10 Minuten Power-naps. Ich hatte das mal von einem Bekannten gehört der Langstrecken-Radrennen fährt. Wie z.B. in der USA von der Westküste zur Ostküste oder vom nördlichen Ende Deutschlands nach Garmisch-Partenkirchen. Das funktioniert. Ich stelle dann den Timer vom Handy auf 10 Minuten und schließe die Augen. Es ist kein richtiges Schlafen – mehr Dösen.

In Lill-Lubban waren wir beide alleine. Kaum zu glauben – so ein schöner Naturhafen und kein anderes Segelboot hier. Manchmal nicht zu verstehen. Roger hatte ein tolles Fleisch für den Grill vorbereitet, aus seinem Bord-Ofen gab es Kartoffelgratin und ich machte noch einen Tomatensalat dazu. Wir lebten wie Gott in Frankreich.

Zu den Erinnerungen: Auf dem Weg fuhr ich an Lorrüden vorbei. Da war ich im letzten Jahr zum Lunch. Eine tolle Erinnerung – der Wirt bot mir an die Nacht dort zu bleiben, er würde das mit dem Fischer klären. Und dann die Erinnerung an Lill-Lubban mit dem Svenska Kryssarklubben. Ich sauge diese Erinnerungen gerade auf da wie gesagt dies für mich ein „einmaliges“ Erlebnis ist. Am Ende dieses Törns wird das alles nur noch Erinnerung sein. Es gibt keine Wiederholung. Das macht das alles etwas besonders, auch wenn es kein „toller“ Segeltag war. Es gibt Dinge im Leben, die lassen sich nicht wiederholen. Sie sind und bleiben einmalig.

Lorrüden
Festgemacht – Lill Lubban
Die Blaubeersaison hat begonnen…. (Vogelshit)

Zum Mittagessen – Skatan

Freitag, 10. Juli 2026

Roger, mein schwedischer Freund, und ich hatten ein tolles BBQ auf Lill-Lubban. Er hatte dafür ein Fleisch vorbereitet wie wir es im letzten Jahr hatten als ich mit dem Svenska Kryssarklubben weiterzog. Am Tag zuvor hatte er erwähnt, dass man hier in einer Bucht daneben sehr gut essen könnte. Deshalb hatte ich die Idee heute dort Lunch zu haben. Für mich ein kleines Stück zurück und für Roger in der Richtung seinem zu Hause.

Also wurde nach der Arbeit der Motor angeworfen. Viel Wind hatte es nicht und es sollte dann ein enges Fahrwasser folgen das etwas im Zick-Zack verläuft. Aber alles gut markiert mit Fahrwasserzeichen. Die Navionics-Karte auf dem Plotter war mir trotzdem recht denn links und rechts gerät man schnell man in die Nähe (oder auf) eines Steins. Am Steg empfängt mich der „Hafenmeister“ – also der Einweiser. Ich hatte eigentlich mit dem Anlegen in einer Box mit Y-Steg oder Heckboje gerechnet weshalb ich weiter nichts vorbereitet hatte. Aber es war wieder einmal Anlegen mit Heckanker. Mittlerweile bin ich das wieder geübt und das Anlegemanöver läuft wie geschmiert. Ein sehr schöner Platz. Man ist praktisch mitten im Fischerdorf direkt neben dem Restaurant.

Das Essen war, wie nicht anders zu erwarten, hervorragend. Dann hieß es Abschied nehmen – Roger musste zurück und für mich sollte es morgen weiter Richtung Süden gehen. Ob wir uns noch einmal wieder sehen?

Jedenfalls hat er mir seine Bavaria 37 angeboten. Ich kann jederzeit kommen und wenn ich an den Höga Kusten segeln möchte würde er sie dort hin bringen und mir sagen wo ich das Boot übernehmen kann. Ich werde Schweden und die Freunde vom Svenska Kryssarklubben vermissen.

Festgemacht – Skatan
Das Restaurant direkt neben dem Steg
Skatan

Die Temperaturen sind langsam erträglich

Schon die letzte Nacht auf Lill-Lubban hatte ich ja keinen Heizlüfter und auch heute in Skatan verzichte ich auf Landstrom. Es ist (verhältnismäßig) noch kühl aber o.k. Vergleichbar mit unserem späten Frühjahr. Tagsüber wärmt die Sonne ziemlich gut – am Nachmittag saß ich wieder im T-Shirt im Cockpit. Abends zieht man dann gerne etwas über. Ich denke ich werde jetzt langsam vermehrt Ankerplätze und SXK-Bojen ansteuern. Es wird…

Hauptsache weiter – Stocka

Samstag, 11. Juli 2026

Ich stehe relativ früh auf (obwohl Wochenende) weil ich eigentlich etwas früher weg möchte. Aber ich möchte auch noch geräucherte Garnelen kaufen – das ist wohl eine Spezialität die es hier in Skatan gibt. Und wie sich dann herausstellt öffnen die wohl erst gegen 12 Uhr das Geschäft. Also warte ich noch. Gegen 11:30 Uhr ist es dann soweit – ich habe meine Garnelen und ich kann ablegen.

Wieder durch das enge Zick-Zack Fahwasser

An der Anlegestelle hatte es noch zeitweise etwa 7 bis 8 Knoten Wind. Als ich dann draußen bin ist vom Wind nichts mehr zu sehen. Aber ich möchte weiter kommen. Ich bin jetzt einen Tag hinterher. Ich wollte nach meinem Plan gestern in Stocka sein. Also muss es heute weitergehen.

Heute wird es eine richtig öde Fahrt. Nicht viel zu sehen. Ab und an ein anderes Segelboot. Hinter mir sehe ich auf dem AIS ein größeres Segelboot und bald kann ich es auch mit bloßem Auge sehen. 12 Meter soll es lang sein. Es hat die Segel oben und macht 5,7 Knoten Fahrt. Also die Gesetze der Physik lassen sich auch mit Länge nicht überlisten. Sicher hat er ebenfalls den Motor an.

Dann hat es mal etwas Wind aber er kommt zu direkt von vorne. Ich bin zu faul jetzt gegenan zu kreuzen. Gegen 17 Uhr sollte ich in Stocka sein – das ist mir spät genug.

Weshalb wieder Stocka? Viel Alternativen gibt es hier nicht Melanfjärden wäre eine gewesen. Von Melanfjärden war ich letztes Jahr etwas enttäuscht. Typisches Touristen-Fischerdorf, lausige Sanitäranlagen und ein mittelmäßiger Steg. In Stocka hat es sehr gute Sanitäranlagen, es ist günstiger (nur 150 SEK mit Strom) und ich kann das Porta Potti hier leeren. Beim Anlegen mit Heckboje hilft mir ein Schwede (sie waren auch in Skatan). Sie sind früh los und hatten wohl noch brauchbaren Wind auf dem größten Teil der Strecke.

Morgen früh soll es Nordwind mit 4 bis 5 Bft. haben der bis Mittag anhält. Montag wohl auch noch einmal. Das bedeutet die nächsten zwei Tage kann ich Strecke machen.

Achja, noch eine Randnotiz: Die 1.000 Seemeilen sind jetzt voll. Mit etwa 1.700 sm habe ich gerechnet. Soweit sollte ich im Plan liegen.

Wieder in Stocka

Zeit zum nachdenken…

Sonntag, 28. Juni 2026

Ich sitze in Mässkär – eine kleine Insel vor Jakobstad. Ich hatte Mässkär ja nicht nur wegen des anhaltenden Südwestwindes ausgesucht. Sondern auch weil ich hier Strom haben sollte. Gestern, als ich hier anlegte, half mir ein finnischer Motorbootfahrer der am Steg lag. Wir unterhielten uns etwas und ich meinte, das es an diesem Steg wohl keinen Strom hätte. Er zeigte auf einen Stromkasten und meinte „doch, hier hat es Strom. Aber ich weiß nicht ob dieser geht“. Er hatte eine Kabeltrommel zu einer Steckdose an Land gelegt und ich könnte sonst auch bei ihm einstecken. Ich versuchte zuerst die Steckdosen auf dem Steg. Doch jedes Mal wenn ich den Stecker einsteckte, haute es die Sicherung heraus. Dabei wäre der einzige Verbraucher das Landstromladegerät zum Laden der Verbraucherbatterie. Ich gab dann schließlich auf und steckte mein Kabel in seiner Kabeltrommel ein.

Am Abend zuvor ist es noch schön

Am Abend höre ich ein Motorboot und denke mir nichts weiter. Als ich noch einmal hinausgehe, um ein paar Videos von der Stimmung zu machen registriere ich, dass der Finne einfach weggefahren ist. Mein Kabel lag auf dem Steg. Er hatte noch am Nachmittag zu mir gesagt, dass er bis morgen bleiben würde. Manchmal sind sie seltsam die Finnen. Ich meine, er hätte mal ans Boot klopfen und Bescheid geben können. Hätte ich zumindest gemacht. Egal.

Mässkär

Am Nachmittag kommt ein anderer deutscher Segler. Es hat sie voll im Gewitter erwischt und er fragt ob er bei mir im Päckchen liegen kann da sein Landstromkabel zu kurz wäre. Ich sage ihm, das die Steckdose nicht geht. Laut einem finnischen Motorbootfahrer, der auf der anderen Seite des Stegs liegt, soll die Steckdose jetzt wieder funktionieren. Doch dem deutschen Segler fehlt ein Adapter von Schuko-Stecker auf CE Stecker. Ich biete ihm meinen an. Meine LifPo Batterien sind recht voll und ich bin trocken. Da stellt sich heraus, dass mein Adapter defekt ist – Kabelbruch. Mit einem anderen Schuko-Stecker einer Mehrfachsteckdose, die ich nicht unbedingt benötige, wird der Adapter geflickt und funktioniert wieder.

Neue Pläne schmieden…

Nachdem ich Samstag ja nur den kleinen Schlag nach Mässkär gemacht hatte, heute ein Tag Auszeit wegen Regen ist, hinke ich meiner ursprünglichen Planung um zwei Tage hinterher. Eigentlich wäre ich zum Ende meines Urlaubs gerne in Schweden gewesen weil ich dazu ja noch den längeren Schlag quer über die Ostsee machen muss.

Mein Plan zurück nach Schweden zu kommen sieht zwei Etappen vor

Mein Plan, zurück nach Schweden zu kommen, sieht zwei Etappen vor: Von der Klobbskat Marina auf die kleine Insel Norrskär – Vasa und von dort zum Järnäsklubbs Gästhamn (Schweden). Einmal 14 sm und einmal 29 sm (direkter Weg). Doch dazu muss ich von hier erst einmal zur Klobbskat Marina kommen die knapp 50 sm entfernt ist. Für morgen (Montag) ist es sehr schwachwindig angekündigt. Motoren kann ich nicht mehr so viel denn mit dem Tanken hat es ja bisher nicht geklappt. Am Samstag hatte ich die 25 Liter, die mir mein Bekannter aus Schweden geschenkt hatte, eingefüllt. Geschätzt habe ich jetzt etwa 35 Liter im Tank. 10 Liter habe ich noch als Reserve dabei.

Das Objekt der Begierde – Seetankstelle

Ich suche noch einmal im Internet ob ich nicht doch eine Seetankstelle in Jakobstad finde. Irgendwo müssen ja auch die Finnen tanken. Ich finde eine Seetankstelle am Ende der Bucht. Nur ob ich da mit meinem Tiefgang hin komme, weiß ich noch nicht. Das wären etwa 1 Stunde unter Motor dort hin.

Auf jeden Fall habe ich meinen Plan geändert. Eigentlich wollte ich als nächstes Stubben-Lillskäret ansteuern. Aber da ich jetzt ja den Zwischenstopp in Mässkär gemacht habe, wären das nur 15 sm von hier. Deshalb habe ich mir die Insel Kummelskäret ausgesucht. Das sind knapp 30 sm. Und damit habe ich dann den Weg zur Klobbskat Marina um 15 sm verkürzt.

Mein Ziel, zurück nach Schweden zu kommen, rückt in greifbare Nähe. Wenn es gut läuft, bin ich Freitagabend in Örnsköldvik und habe dann den Samstag um meine Vorräte wieder aufzufrischen.

Am Abend ist alles vorbei und die Sonne kommt hervor

Motortag

Montag, 29. Juni 2026

Windy hatte schon sehr wenig Wind für heute vorhergesagt. Orca meinte das es zumindest mit raumen Wind, auch bei wenig Wind, segelbar sein sollte. Doch zuerst ging es nach Jakobstad zum tanken. Ich hatte eine Seetankstelle in Google gefunden. Fraglich war nur, ob ich mit meinem Tiefgang da hin komme. Sie ist ein kurzes Stück nach dem Segelsällskapet. Dort ist weiter kein Fahrwasser angegeben weshalb ich dort langsam hinein fahre. Aber es ist gut durch Kardinalzeichen markiert und ich habe immer 2 Meter Tiefe.

Nach Jakobstad ist das Fahrwasser manchmal eng aber gut markiert

Der Tank wird voll gemacht und auch der 25 Liter Kanister den ich vorgestern in den Tank gefüllt hatte. So habe ich wieder den Tank voll und 35 Liter als Reserve. Unter Motor geht es wieder hinaus und wieder vorbei an Mäskär jetzt aber mit Kurs Südwest. Die Aktion hat mich insgesamt 2 1/2 Stunden und 10 Seemeilen gekostet. Aber so fühle ich mich sicherer in Hinblick auf die kommenden Tage. Außerdem weiß ich vom Vorjahr, dass die nächste Möglichkeit in Schweden zu Tanken erst in Ulvön ist – die Tankstelle in Örnsköldvik, die noch im Hamnguiden eingezeichnet ist, gibt es nicht mehr.

Ich bin wieder draußen auf der Ostsee – aber von Wind ist keine Spur zu sehen. 2 Knoten, 3 Knoten, spiegelglattes Wasser. Es bleibt mir nichts anderes als weiter den Motor laufen zu lassen. Ich erwarte einen gemütlichen Tag da ich etwa weiter draußen bin sind keine anderen Motorboote zu erwarten. Und Segler sind sowieso nur sehr wenig unterwegs.

Spiegelglatte Ostsee
Kein Wind

Mein Ziel ist Kummelskäret. Die Bezeichnung „Hafen“ wäre übertrieben, nennen wir es Anlegemöglichkeit. Es soll einige Heckbojen und einen Steg zum längsseits festmachen geben. Kein Strom, kein Wasser. Da ich jetzt Richtung Südwest fahre ist mein 100 Watt Solarpanel, das sonst immer auf Steuerbordseite hängt, den ganzen Tag im Schatten. Deshalb überlege ich es umzubauen und auf die andere Seite zu hängen. Ich muss etwas die Kabel neu sortieren, aber das geht. In der App studiere ich die Leistung des Moduls, was die LifPo Batterien jetzt machen (laden oder entladen?) und über den Batteriemonitor (auch über App) die Leistung.

Während ich so intensiv damit beschäftigt bin realisiere ich das irgendetwas nicht stimmt. Ich mache keine Fahrt mehr, 1 Knoten, 0,5 Knoten. Ich überlege was jetzt passiert sein könnte der Motor klingt noch relativ normal. Habe ich die Schraube verloren? Ich schaue ins Wasser und sehe das Übel – ein Fischernetz. Schxxxx – denke ich. Leerlauf, Rückwärtsgang und hoffen, dass sich das Netz nicht um die Schraube gewickelt hat. Ich sehe mich schon den Neoprenanzug irgendwo in der Achterkajüte suchen und mit Taucherbrille in der Ostsee.

Doch ich habe Glück, das Boot fährt rückwärts. Offensichtlich bin ich am Kiel hängen geblieben und das Netz kam nicht in die Schraube. Richtig Glück gehabt. Ich fluche etwas. Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet. 5 sm vom Festland entfernt legen die finnischen Fischer Netze aus. Von Mäskär hatte ich es gelesen deshalb hatte ich gestern immer wieder die Augen offen gehalten. Aber hier hatte ich wirklich nicht damit gerechnet.

Ab sofort halte ich ständig Ausschau. Aber es kommt kein weiteres Netz. Dann geht es hinein ins Archipel. Wie immer sehr flach. Aber das Fahrwasser ist sehr gut mit Fahrwasserzeichen, Kardinalzeichen und Ansteuerungsmarkierungen am Land bezeichnet. Die Anlegemöglichkeit entpuppt sich dann etwas anders als ich es erwartet hätte. Ich hatte im Internet eine Seite mit Informationen und ein paar Drohnenaufnahmen gefunden. Aber die waren wohl schon älter. Die Heckbojen sind extrem weit weg vom Steg, vor allem für meine Bootsgröße. Aber ich muss es probieren. Am Steg sitzen ein paar Segler, sie werden wohl beim Anlegen helfen. Im Notfall muss ich abrechen und die Leine am Bojenhaken verlängern. Aber mit der Hilfe von Land reicht die Leine gerade so, um festzumachen. Später kann ich sie dicht holen und habe genug Leine auf der Klampe.

Festgemacht – Kummelskäret
Netter Platz

Der Platz ist ganz nett und vor allem: Es ist heute das erste Mal so richtig warm. So sitze ich im Cockpit im T-Shirt, ohne Socken (meine Frau meint „riskant“ weil ich selten die Socken ausziehe) und mit der leichten Segelhose. Und mir ist es immer noch zu warm.

Am Abend mache ich ein Feuer und hole die Steaks aus der Kühlbox. Dazu ein paar Folienkartoffeln. So einen Platz und so eine Gelegenheit muss man ausnützen. Später am Abend kommt das angekündigte Gewitter und es kühlt wieder deutlich ab. Socken wieder anziehen und langärmliges Shirt anziehen. Aber der Sommer kommt hier langsam an.

Das Feuer brennt – fehlt noch das Grillgut

Wieder einmal gegen den Wind

Dienstag, 30. Juni 2026

Mein letzter Urlaubstag – morgen beginnt wieder der Ernst des Lebens. Naja, nicht ganz. Ich habe ja die Workation Vereinbarung für die nächsten zwei Monate, so wie im letzten Jahr. Und das ging ganz gut.

Aber zuerst habe ich noch einen anspruchsvollen Segeltag vor mir. Mein Ziel ist Klobbskat am westlichen Ende des Kvarken-Archipels. Finnlands einziges UNESCO-Weltnaturerbe. Besonderheit ist die schnelle Landhebung von etwa 9 mm pro Jahr. Es gibt über 5600 Inseln und aufgrund der flachen Lagunen verändert sich die Landschaft fortlaufend. Bootshäuser, die einst am Wasser standen, stehen heute an Land.

So lege ich in freudiger Erwartung aber auch mit einer gewissen Anspannung ab – weshalb, dazu später. Ich muss zuerst auf der offenen Ostsee Strecke Richtung Westen machen bevor ich die richtige Einfahrt in das Archipel Richtung Südwest nehmen kann. Es ist keine Überraschung wenn ich sage, der Wind kommt aus West. Nicht ganz direkt, aber ziemlich genau. Also einmal wieder gegenan kreuzen. Anfangs hat es noch eine kabbelige Welle, vermutlich ein Überbleibsel des Gewitters am Vorabend. Die beruhigt sich später zum Glück etwas. Der Wind ist mit 12 Knoten (noch) o.k. So mache ich meine Strecken auf Holebug und Streckbug und nähere mich der Einfahrt. Zuerst macht der Wind den Eindruck, dass er jetzt abschwächen würde. Das hatte zumindest SMHI vorhergesagt. Windy meinte dass der Wind zunehmen sollte. Heute hatte Windy recht – er zieht etwas an, zeitweise auf 15 Knoten. Kurz vor der Einfahrt berge ich die Fock denn jetzt wird es die kommende Stunde eng im Fahrwasser und es kommt ein Teilstück, bei dem ich weder die Höhe laufen kann noch Platz zum aufkreuzen habe.

Also wird dazu noch der Motor angeworfen und läuft erst einmal im Leerlauf mit. Die Geschwindigkeit von 4 Knoten nur mit dem Großsegel ist für mich ausreichend. Das Fahrwasser ist sehr gut markiert mit Fahrwasser- und Kardinalzeichen. Außerdem sind Orca auf dem iPad und die Navionics-Karte auf dem Plotter sehr hilfreich.

Durch dieses Wirrwarr von Inseln geht es hindurch. Der blaue Bereich ist die 2 Meter Grenze
Im Fahrwasser

Dann kommt eine Strecke, die in Orca Rot markiert ist. Ein Hinweis darauf, dass es jetzt flach wird. Ich halte mich exakt an das Fahrwasser, die minimale Tiefe die ich messe ist 2,7 Meter. Es ist sehr interessant zu sehen wie links und rechts immer wieder Steine aus dem Wasser ragen. Unzählige Inseln umgeben mich. Aber ich bin dann noch ganz froh aus diesem Flachwasser draußen zu sein. Dann kommt noch die Einfahrt in den Hafen wo ich dann wieder die Welle von der Ostsee habe – diesmal von der Seite.

Felsen mit Fahrwaserzeichen

Im Hafen habe ich dann noch 8 Knoten Wind von vorne – beim Anlegen mit Heckboje. Am Steg liegt noch ein finnischer Segler der bereits am Steg steht, um meinen Bug aufzufangen. Das war mir jetzt sehr recht denn Anlegen gegen den Wind mit Heckboje und einhand ist immer eine Herausforderung.

Festgemacht

Vom Hafen selbst bin ich dann etwas enttäuscht. Ich hatte auf eine warme Dusche gehofft und es gibt auch kein Wasser. Aber zumindest meine Wasservorräte sehen gut aus. Der Windvorhersage für morgen ist eher schlecht – wenig bis kein Wind. Im Notfall werde ich die 15 sm unter Motor zurücklegen.

Wir sind alle Motorbootfahrer

Mittwoch, 1. Juli 2026

Ich und Miss Sophie kommen ja eigentlich vom Bodensee. Wellen kennt man als Segler dort primär als Wellen, die von Motorbootfahrern ausgelöst werden. Das kann ärgerlich sein wenn man auf dem glatten Bodensee bei wenig Wind versucht zu segeln, die Segel optimal eingestellt hat, mit 2 bis 3 Knoten dahin gleitet und dann ein vorbeifahrendes Motorboot die Segel und den Großbaum schlagen lässt. Einmal auf einen solch geäußerten Unmut im Segelclub (durch einen anderen Segler) meinte ein anderer Club-Kamerad: „Wir sind alle Motorbootfahrer – die einen mit Segel, die anderen ohne Segel“. Jedenfalls war ich heute an Otto, meiner 9 PS Einbaumaschine sehr froh.

Der Werksverkauf der Brauerei ist geöffnet
Reiseproviant

Nach getaner Arbeit, es war ja mein erster „Arbeitstag“ nach dem Urlaub, kann ich kurz nach Mittag ablegen. Aber davor lasse ich es mir nicht entgehen die Brauerei zu besuchen. Das war mit ein Grund, weshalb ich Klobbskat ausgewählt hatte. Hier, direkt am Hafen, gibt es eine kleine Brauerei mit Werksverkauf. Also habe ich ein paar Hopfenvorräte mitgenommen.

Der Wind war wie angekündigt mit etwa 3 bis 4 Knoten sehr schwach. Zudem kam er genau aus der Richtung, in die ich musste. Bei dem Wind gegenan kreuzen macht überhaupt keinen Sinn. Aber es sollten ja nur 15 sm sein und so hatte ich kurzerhand beschlossen mittels Motorkraft nach Norrskär-Vasa zu kommen.

Rückblick auf Klobbskat
Der wenige Wind kommt direkt von vorne

Ich dachte eigentlich niemanden, also keinem anderen Schiff, auf dieser Strecke zu begegnen als ich auf dem AIS etwas sah, was meinen Weg kreuzen könnte. Ein Blick in die Details verriet: Fähre, Geschwindigkeit 15 Knoten. Da erinnerte ich mich, als ich vor wenigen Wochen bei Umeå war, an die Fährverbindung Umeå – Vaasa. Und da ich jetzt in der Nähe von Vaasa bin, war es klar das diese hier durch muss. Zudem steuerte ich gerade auf ein Verkehrstrennungsgebiet zu. Also Kurskorrektur, um dieses möglichst im rechten Winkel zu passieren. Die Fähre ging dann gut 1 sm hinter mir durch – keine Gefahr in Verzug.

Die Wasaline fährt mir über den Weg

Dann sah ich etwas im Wasser schwimmen. Wieder Kurskorrektur, um dies genauer anzusehen. Könnte ja auch eine Wasserleiche sein. Aber es war nur ein Heliumballon. Das ist das zweite Mal das ich so etwas auf dem Wasser sehe. Zuvor hatte ich mir nie Gedanken darüber gemacht aber jetzt sehe ich, was das für ein Müll für die Umwelt ist.

Die Ansteuerung nach Norrskär-Vasa ist bei diesen Bedingungen unkompliziert. Nur die Suche nach einem Platz zum Festmachen dauert etwas. Denn eigentlich ist der Hafen von Norrskär-Vasa kein Gasthafen. Es ist ein kleiner Fischereihafen für die wenigen Fischer, die hier die Sommermonate verbringen. Der überwiegende Teil der Häuser wird heute als Ferienhäuser genutzt. Aber ich finde schließlich einen Platz an einer Mauer und kläre das sicherheitshalber mit einem Finnen, der kein Englisch spricht (dafür reicht die Verständigung mit Händen und Füßen gerade so). Mit Google Translate frage ich ihn noch, ob er Fisch zu verkaufen hat.

Er geht mit mir zu den Fischerbooten wo zwei junge Männer zugange sind. Sie können Englisch. Also bekomme ich für 3 Euro einen frischen Fisch aus der Ostsee – lucky man.

Festgemacht
Haben die Finnen auch eine Art Mitsommerbaum?

Dann kommt noch ein großes Schlauchboot mit 2 x 250 PS Außenbordern und einer Horde von finnischen Touristen. Im Internet kann ich lesen, dass von Klobbskat aus Exkursionen nach Norrskär-Vasa angeboten werden. Der eine oder andere kennt vielleicht von Bildern die großen „Schlauchboote“ die auch beim Wale-Watching verwendet werden.

Am Abend kehrt dann langsam Ruhe ein. Die letzten Fischer sind heimgekehrt und der eine oder andere hat noch den Hund Gassi geführt. Nun muss ich sehen was ich morgen mache. Der kürzeste Weg von hier nach Schweden beträgt etwa 29 sm (53 km) Luftlinie. Die Wind- und Wetteraussichten für die nächsten Tage sind gerade nicht besonders toll. Ich möchte mich gerne nach Örnsköldvik retten. Mal sehen wie ich das löse. Mein favorisiertes Ziel in Schweden ist der Jänärsklubb.

Alle Fischer wieder zu Hause
Und Abendessen…
Der letzte Abend in Finnland. Die Sonne werde ich so wohl in Schweden Abends nicht mehr sehen

Zurück in Schweden – zurück am Anfang

Donnerstag/Freitag, 02./03. Juli 2026

Zurück am Anfang – zurück in Örnsköldvik. Wie bitte? Ja, Örnsköldvik.

Ich erkläre es… Mein favorisiertes Ziel wäre ja der Jänärsklubb gewesen – etwa 28 sm. Und ich wollte mich irgendwie nach Örnsköldvik retten. Der Grund sind meine Vorräte. Ich habe noch Pfirsiche, 1/2 Paprika, Würstchen, 2 Joghurt und natürlich Nudeln, Tomatensauce und einige Dosen. Aber mir fehlte es an Brot, Zwiebeln, Müsliriegel, Tomaten, Getränke und anderem.

Und nun kommt die Wettervorhersage: Freitagnachmittag Gewitter bis spät am Abend danach Nebel. Samstag Gewitter/Nebel, Sonntag Regen. Hätte ich noch Urlaub, dann wäre Jänärsklubb sicher das Ziel gewesen und dann Freitag früh Morgens los um vor den Gewittern in Örnsköldvik zu sein, ca. 5 Stunden. Jetzt musste ich aber Freitagvormittag arbeiten. D.h. ich wäre in Jänärsklubb gehangen ohne Möglichkeit einzukaufen.

Rückblick nach Norrskär-Vasa

Deshalb suchte ich nach einer Alternative und wählte zuerst Husum – etwa 35 sm. Dort sollte man Fahrräder ausleihen können und in ca. 10 Minuten im Ort sein wo es einen ICA gibt. Nur ein Problem: Das Gebiet um die Hafeneinfahrt ist nicht vermessen, weder in Orca noch in Navionics finden sich Tiefenangaben. Ich überlege es zu riskieren. Auf 2/3 des Weges überlege ich weiter – was, wenn ich nicht nach Husum hinein komme? Dann würde mir nichts anderes übrig bleiben, als von dort Örnsköldvik anzusteuern, was mich dann aber viel Zeit kosten würde.

Deshalb messe ich noch einmal die Entfernung (Luftlinie). Örnsköldvik ist von meinen derzeitigen Standort nur 15 sm weiter entfernt als Husum. Ich studiere noch einmal den Wetterbericht und werfe alles über den Haufen – durch nach Örnsköldvik.

Aber zuerst zurück zum Vormittag. Ich musste ja noch arbeiten. Gegen 11 Uhr kommt ein Patrouillenboot nach Nörskär-Vasa das genau dort anlegen möchte, wo ich liege. Blöd. Um 11 Uhr habe ich noch ein Meeting. Ich bin ja in keinem richtigen Hafen. Dies ist ja nur ein Fischereihafen. Ich lege provisorisch um an eines der Fischerboote und beende meine Arbeit zeitnah nach dem Meeting. Dann lege ich gleich ab und hoffe auf etwas Wind.

Auf dem Weg kreuzen einige Frachter meinen Weg

Orca machte für die Route unter Segel in etwa die gleiche Zeitangabe wie unter Motor. Es hat dann auch etwas Wind aus Nordost und ich kann raumschots noch relativ gut segeln, auch weil es so gut wie keine Welle hat. Nach 2 Stunden lässt der Wind mehr und mehr nach. Zuerst benütze ich den Motor als Unterstützung und lasse die Segel stehen. Doch als der Wind mehr und mehr dreht und gleichzeitig nachlässt, die Segel nur noch hin und her schlagen, packe ich die Segel ein fahre unter Motor weiter.

Dann kommt eben die oben beschriebene Situation. Ja, das macht nicht unbedingt Spaß. Aber da musste ich jetzt durch. Die hoffnungsvolle Aussicht: Bei schlechtem Wetter 3 Tage in Örnsköldvik abwettern. Wäsche waschen, einkaufen, duschen, ausruhen. Gegen 1:30 Uhr habe ich festgemacht. Der Hafen ist ziemlich voll. So hatte ich es hier noch nie gesehen. Aber ja, jetzt ist „Sommer“ und die Schweden haben Urlaub. Das werde ich die nächste Zeit wohl noch öfter erleben.

Schweden in Sicht (Papierfabrik in Husum)
Spät erreiche ich Örnsköldvik

Atempause

Freitag, 03. Juli 2026

Zurück am Anfang, hatte ich oben geschrieben. In Örnsköldvik hatte ich vor mehr als 3 Wochen die Entscheidung getroffen: Gelbe Tonne ja/nein. Und dann begann für mich Neuland. Es war sehr spannend und ich bin selbst überrascht, wie gut alles bisher lief. Ich liege in meinem angedachten Zeitplan. Anfang Juli wollte ich zurück in Örnsköldvik sein. Und auch die Relation Urlaubstage/Segeltage stimmt jetzt mit etwa 65%.

Auch das ich diese „abgekürzte“ Ostseerunde gemacht habe, bereue ich nicht. Finnland ist irgendwie nicht meins. Ja, es war ganz nett, ein paar interessante Orte. Aber was mir fehlte war etwas Struktur in der Landschaft. Es ist einfach nur flach. Die Landschaft bildet eine Linie mit dem Horizont. Kein Hügel, nichts. Das Flache setzt sich unter Wasser im Küstenbereich fort. 5 sm vom Festland entfernt hat man 20 Meter Wassertiefe. Das hat zur Folge, dass man oft entfernt vom Ufer unterwegs ist und wenig sieht. In Schweden segelt man mit 10 Meter Abstand an einer Schäre vorbei und hat 10 oder 20 Meter Wassertiefe. Dadurch sieht man Häuser, die Felsen und einfach mehr von der Landschaft. Vielleicht wäre das Turku Archipel noch etwas gewesen. Aber ich habe das Kvarken Archipel mitgenommen, was auch recht interessant war. Und dann hatte ich letztes Jahr auch etwas von den Åland Inseln mitgenommen.

How much is the fish? Den Fisch hatte ich mir noch frisch beim Fischer in Norskär-Vasa geholt (für 3 Euro).

Das Wetter ist dann heute nicht so schlecht wie vorhergesagt. Einmal sieht es so aus, als würde gleich ein Gewitter kommen, aber es kommt nichts. Also der ganze Stress gestern, die lange Motorfahrt umsonst? Nein. Als ich mich anmelden möchte fragt mich die junge Frau ob ich zum Wettbewerb gehöre. „Nein“, meine ich. Am Wochenende ist eine Speedboat Veranstaltung und die meisten Liegeplätze innen sind dafür reserviert. Ich könne außen im Hafen festmachen. Diese eine Nacht kann ich noch auf dem Platz bleiben. Da hätte ich eine Überraschung gehabt, wenn ich heute am Abend gekommen wäre. Für morgen sieht das Wetter nicht mehr so schlecht aus. Also werde ich morgen weiterziehen denn auf den Lärm der Speedboote habe ich keine Lust. Einige sind schon heute gekommen und haben ihre Motoren röhren lassen. Nein danke.

Die Speed-Boote versammeln sich und immer wieder laute Mucke

Meine weiteren Pläne

Nachdem ich zurück in Schweden bin möchte ich jetzt noch ein paar schöne Orte an den Höga Kusten mitnehmen. Das ist der Abschnitt zwischen Örnsköldvik und Härnösand und der mir im letzten Jahr am besten gefallen hat.

Dann möchte ich vielleicht Anfang/Mitte August ein paar Tage in den Stockholmer Schären verbringen. Da bin ich letztes Jahr nur durch gerauscht und das soll sehr schön sein dort. Das eine oder andere Mal anlegen an einer Schäre möchte ich auch noch einmal erleben. Mal sehen was geht.

Kollege „Schröder“ sagte mir einmal, er würde voll im Plan liegen. Er hätte sich einen Plan gemacht, wann er an welchem Breitengrad sein muss. Die Idee finde ich nicht einmal schlecht weshalb ich auch einmal einen solchen Plan gemacht habe. Es macht die Zeitplanung zumindest etwas greifbarer. In der Planung habe ich einmal zwei Tage Reserve für den Abschnitt Bornholm – Kröslin gelassen. Aber das sieht alles realistisch aus wenn ich es mit dem letzten Jahr vergleiche.

Hinweis: Im letzten Jahr hatte ich dann viel Zeit an den Höga Kusten verbracht (Örnsköldvik – Stocka) und in Gävle hatte ich 4 Tage „vertrödelt“ weil ich auf die Lichtmaschine gewartet hatte.

Nichts wie weg aus Örnsköldvik

Samstag, 04. Juli 2026

Die Nacht war eine Katastrophe. Bis 0:30 Uhr ließen die Speedboote immer wieder einmal ihre Motoren aufheulen um zu zeigen, was sie für tolle Typen sind. Dazwischen immer wieder laut aufgedrehte Bum-Bum Musik. Am Morgen bin ich deshalb gleich noch einmal einkaufen gegangen, habe etwas Müll entsorgt und mich verabschiedet.

So sah es am Morgen auf dem Steg aus
Zum letzten Mal – tschüss Örnsköldvik
Mit raumen Wind nur mit Großsegel ging es aus dem Sund heraus

Heute habe ich nur einen kurzen Schlag geplant. Am Eingang zum Sund nach Örnsköldvik liegt das kleine Fischerdorf Skeppsmalen. Noch einmal ein ganz kleines Stück Richtung Nordost bevor es dann für den Rest der Reise Richtung Südwest geht. Es hat herrlichen Wind aus West bzw. leicht nordwestlich. Ideal, um aus dem Sund heraus zu segeln. So brauche ich auch nur 3 Stunden für den Schlag.

Im Hammguiden steht, dass der kleine Anleger oft überfüllt wäre weil Skeppsmalen ein sehr beliebtes Ausflugsziel ist. Für den Notfall hatte ich einen Plan B – weiter nach Ulvön. Die Einfahrt ist extrem schmal und es hat Felsen links und rechts. Ganz langsam taste ich mich hinein. Doch es geht alles gut. Am Steg, der etwa Platz für 4 – 6 Boote hat, liegt nur ein schwedischer Segler der bereits bereit steht als er mich sieht. Ich weiß zuerst nicht ob ich rechts oder links von ihm anlegen soll. Angelegt wird hier mit Heckanker. Rechts hat es mehr Platz, links wäre mir wegen des Windes lieber, der von Backbord kommt. Trotzdem tendiere ich zuerst nach rechts als er auf seine Ankerleine deutet. Ja, das wird schwierig. Ich will zurücksetzen und doch die linke Seite wählen. „Rums“ – das war wohl ein Stein. Zum Glück war ich sehr langsam. Aber jetzt hatte es mich nach über 2.000 sm doch noch erwischt. Wo ich doch eigentlich Sorge hatte, in Finnland auf einen Stein zu laufen. Im Nachhinein schaue ich auf dem Plotter – ja, der wäre eingezeichnet gewesen. Ich muss mir wieder angewöhnen im Vorfeld genau das Hafenbecken zu studieren denn das gibt es in Schweden öfter, das ein oder mehrere Steine herumliegen.

Dann mache ich gleich einen Spaziergang durch den kleinen Ort, besuche die Kapelle und ein altes Fischerhaus. Was ein schöner Platz. Die Schweden legen ab. Sie möchten nach Örnsköldvik und nun bin ich hier ganz alleine. Was habe ich doch ein Glück…

Festgemacht in Skeppsmalen
Blick vom Boot
Fischerkapelle
Diese Hütte gehörte den Fischerfamilien Agde und Bedodde Högberg aus Gävle, etwa vom Ende des 18. Jahrhunderts bis 1914.
Damals war Erik Wilhelm Högberg der letzte Fischer aus Gävle, der seinen Beruf in Skeppsmalen ausübte.
Museum

Mit Vollgas Richtung Süden

Sonntag, 21. Juni 2026

Haparanda lag ja schon etwas südlich von Töre, aber kaum erwähnenswert. In Kilometer gemessen ca. 8 km. Also vielmehr östlich als südlich. Aber Haparanda war eben auch Ziel wegen des Club-Wimpels. Richtung Südost hatte ich jetzt auch kein gutes Ziel, vom Töre Båtklubb ausgehend, ausgemacht. Zudem bei dem Wind von gestern. Haparanda Hamn war auch ein guter Ausgangspunkt um jetzt nach Finnland und Richtung Süden zu kommen.

Am Abend zuvor hat es dann noch geregnet, kräftig gewindet und in weiter Ferne hörte man auch etwas Donnergrollen. Aber das war ja so angekündigt. Mein nächstes Ziel war Lin Röyttä und dafür sollte der Wind heute sehr gut passen. Ich habe Respekt vor Finnland. Auch deshalb erst einmal dieser Schlag etwas abgekürzt schräg über die Ostsee.

Schröder, der Kollege aus Deutschland der mir jetzt schon einige Male über den Weg gesegelt war, war ja im letzten Jahr auf einen Stein aufgelaufen und hatte Wassereinbruch. Mit Öfis musste er zurück nach Stockholm den Trailer holen, ringsum nach Finnland fahren, Boot aufladen und zurück nach Deutschland. Ich wüsste nicht ob und wie das bei mir funktionieren sollte da ich ja Überbreite habe. Über die zahlreichen Steine und das flache Wasser in Finnland hatte ich im Vorfeld viel gelesen.

Am Morgen weht es mit 17 Knoten im Hafen der ja im Haparanda Archipel liegt. Ich versuche mir auszumalen wie das draußen aussieht. Ich ringe und hadere mit mir – soll ich ablegen oder nicht. Ich studiere noch einmal die Vorhersage von SMHI – 7 bis 11 Meter/sek sind vorhergesagt. Das wären etwa bis 22 Knoten. Windrichtung Südwest, also eigentlich ideal. Und dazu der schöne blaue Himmel mit ein paar kleinen Wölkchen.

Ein letzter Blick zurück auf Haparanda
Finnische Gastlandflagge vorbereitet

Verspätet gebe ich mir selbst einen Tritt und bereite alles zum Ablegen vor. Noch einmal auf Toilette und dann geht es los. Im Archipel schöner Wind und keine Welle, also ideal um die Segel zu setzen, Fender rein zu holen und die Festmacher zu versorgen.

Raus aus dem Archipel kommt dann die erwartete Welle. Aber nicht so schlimm wie befürchtet, nur etwa ein halber Meter. Der Wind ist ideal, etwa 15 Knoten und Miss Sophie beschleunigt. Als ich noch einmal eng zwischen zwei vorgelagerten Inselchen hindurch muss, berge ich sicherheitshalber die Fock. Ich habe dieses Jahr schon so meine Erfahrung mit Änderung der Windrichtung gemacht und auf einem Vorwindkurs, der dann vielleicht sein kann, möchte ich mich nicht auch noch um das Focksegel kümmern. Aber es geht gut und das Großsegel bleibt brav auf Backbordbug. Die Fock wird wieder ausgerollt und die Rauschefahrt beginnt. der Wind hat etwas angezogen, jetzt bis 17 Knoten. Und mit der seitlichen Welle habe ich bis zu 7 Knoten (SOG) Fahrt. Eigentlich viel zu schnell für das Bötchen. Aber wenn die Dame möchte dann soll sie mal machen. Der Wind zieht dann noch etwas mehr an bis auf 20 Knoten. Aber ist alles gut.

Im Haparanda Archipel noch mit wenig Welle

Kurz vor Lin Röyttä gehe ich auf tiefen Kurs um die Fock einzurollen. Dann kommt noch einmal eine kleine Herausforderung – der kleine Hafen liegt auf der Rückseite der Insel und daneben ist eine weitere kleine Insel. Getrennt durch eine etwa 20 – 30 Meter breite markierte Rinne. Frei nach Schiller denke ich: „durch diese schmale Gasse muss sie kommen“. Die Herausforderung ist die Welle, die den Bug mal nach links und mal nach rechts auspendeln lässt. Meine Erwartung ist, dass in der Mitte Wind und Welle fast Weg sein sollten da die Rinne in Ost-West Richtung verläuft. Und das bestätigt sich weitgehend, zumindest die Welle ist weg, der Wind weniger. Jetzt unter Motor fast 180 Grad drehen und das Großsegel runter ziehen. Dann geht es gegen die Sonne in die Hafeneinfahrt und in den leeren Hafen. Nur ein finnisches Motorboot liegt am Ende. Wo sind sie, die Finnen? Ich dachte jetzt, wo Mittsommer war, müssten sie alle unterwegs sein. Jedenfalls nicht hier also erlaube ich mir wieder einmal einfach längsseits am Steg festzumachen. Aus welchem Grund sollte ich mir den Stress mit Bojenhaken machen?

Festgemacht auf lin Röyttä

Am Ende habe ich vom Ablegen bis zum Anlegen 46,2 sm in 7 h 36 min – Schnitt 6,1 Knoten. Ich glaube so schnell war ich noch nie unterwegs.

Einmal quer hinüber nach Finnland

Auf der Insel gibt es kein Wasser dementsprechend auch keine großen sanitären Einrichtungen. Es ist nur eine sehr kleine Insel mit einer ehemaligen Lotsenstation und einem ehemaligen Sägewerk. Der Hafen scheint recht neu gemacht worden zu sein. Schöne Stege und vor allem mit Strom – Heizlüfter ich liebe dich (während meine Frau zu Hause am Bodensee bei 35 Grad schwitzt).

Ausgebremst auf lin Röyttä

Montag, 22. Juni 2026

Als akustische Begleitung – knarzende Fender

In der Nacht hat der Wind wie erwartet zugenommen. Auf dem Winddisplay lese ich bis 27 Knoten (6 Bft.) ab. Ich schaue noch einmal Windy und die Vorhersage vom SMHI an. Neben dem Wind gibt es ein weiteres Problem: Mein nächstes Ziel ist der Hafen Marjaniemi auf der Insel Hailuoto die der Stadt Oulu vorgelagert ist. Die Hafeneinfahrt erfolgt von Westen und genau von Westen kommt der Wind. D.h. der Schwell geht sicher in die Hafeneinfahrt mit voller Wucht hinein. Nach Oulu, das wäre die Alternative, möchte ich nicht hinein da ich sonst wieder alles außen herum um die Insel Hailuoto machen müsste. Zwischen der Insel und dem Festland kommt man mit einem Segelboot mit festem Tiefgang nicht durch. Also entscheide ich einen Tag hier zu bleiben und die Insel etwas anzusehen.

Nur gut, das ich die enge Einfahrt gestern gemacht habe

Die Insel Röyttä ist heute etwa 56 ha groß und war Mitte des 19. Jhd. noch als drei einzelne Inseln auf den Karten eingezeichnet. Im Zuge der postglazialen Landhebung, deren erste Phase vor etwa 2000 Jahren war, hebt sich die Landmasse Finnlands auch heute noch um etwa 10 Millimeter pro Jahr. Im frühen 20. Jhd. formten sich die drei Inseln zu einer die damals als Papinkari verzeichnet war. Später etablierte sich der Name Röyttä.

Die Gleise zeugen von der ehemaligen Holzverladung

Die Geschichte der Fischerei in der Gegend von Röyttä geht auf das Mittelalter zurück. Lange Zeit wurde hier unter anderem Lachs gefangen doch der Fischfang ging immer mehr zurück. In den 1880er Jahren begann die Holzverladung auf Röyttä, von dieser Zeit zeugen unter anderem noch die Gleise auf der Hafenmauer. Da es für Schiffe schwierig war die flachen Küstengewässer zu erreichen, wurden die Inseln zur Unterstützung der Verladung genutzt. Die Stämme wurden auf die Insel geflößt. Auf Röyttä gab es ein mittels Dampfkraft betriebenes Sägewerk wo die Stämme zu Brettern zugeschnitten wurden. Mit Lastkähnen wurde das nach Qualität sortierte Holz zu den wartenden Schiffen gebracht.

Ehemaliges Lotsengebäude und Gebäude für die Hafenarbeiter

Der Versand von Schnittholz kam um die Jahrhundertwende zum Erliegen aber Rundholz wurde noch bis 1969 von hier verschifft. Unter anderem findet man auf der Insel noch eine ehemalige Lotsenstation die 1922 gebaut wurde. Sechs bis neun Lotsen arbeiteten gleichzeitig in der Station und waren für die Navigation von etwa 300 Schiffen jährlich verantwortlich.

Das größte Gebäude auf Röyttä wurde als Unterkunft für die Hafenarbeiter gebaut und bot Platz für etwa 60 Personen.

Der Hafen wird von vier verschiedenen Vereinen betrieben und wurde 1989 erneuert. Man findet auf der Insel verschiedene Ansammlungen von Hütten die wohl zu den unterschiedlichen Vereinen gehören. Offiziell gibt es kein Trinkwasser auf Röyttä aber ich habe einen Brunnen mit einer Handpumpe gefunden. Ob das Wasser trinkbar ist kann ich nicht sagen, ich würde davon eher abraten es auszuprobieren.

Es wird keine direkte Hafengebühr verlangt. Er wird gebeten das Gäste sich mit 5 Euro an den Stromkosten beteiligen. Im „Clubhaus“ gibt es eine kleine Küche und eine Möglichkeit Geschirr mit Meerwasser zu spülen. Es hat sogar einen Boiler so das man warmes Wasser dazu hat.

Flucht nach vorne

Dienstag, 23. Juni 2026

Ich sitze am Vorabend noch lange vor dem Laptop und studiere immer wieder die verschiedenen Internetquellen die ich gesammelt habe und die ich zur Planung verwende. Allen voran Windy, SMHI und Foreca (Wetter). Dazu noch einige andere. Es ist weiterhin schwierig. Sehr früh am Morgen, etwa gegen 4 Uhr, soll der Wind auf Nordwest drehen und das soll bis etwa 11 Uhr anhalten wo er dann wieder auf West drehen soll. Ich überlege immer wieder wie ich die Situation am besten lösen könnte. Wenn ich später ablege müsste ich alles durch die Untiefen kreuzen, lege ich sehr früh ab habe ich bei der Einfahrt nach Marjaniemi wieder den Wind mit Welle von hinten. Letztendlich entscheide ich mich für das frühe Aufstehen und Ablegen. Ich bin kurz davor den Laptop auszuschalten – Ortszeit 24 Uhr (zu Hause 23 Uhr) als ich registriere, dass der Wind deutlich nachgelassen hat. Ich gehe raus und schaue mir die Windhistorie auf dem Triton2 Display an. Der Wind hat nachgelassen auf etwa 10 Knoten und er hat auf Nordwest gedreht. Also etwa 4 – 5 Stunden früher als vorhergesagt. Ich gehe hoch auf die Hafenmauer um mir die Einfahrt zwischen den beiden Inseln anzusehen denn da muss ich wieder durch. Es sieht gut aus, keine Welle. Dann überlege ich kurz und fasse einen wilden Entschluss: Sofort alles segelfertig machen und ablegen. Dank Mitternachtssonne wird es ja nicht dunkel. Und ich bin sowieso eher eine Nachteule.

Nach etwa einer 3/4 Stunde bin ich fertig und kann ablegen. Wie auch von Orca angedacht kann ich erst einmal auf einem Halbwindkurs segeln. 10 bis 13 Knoten Wind und die Welle ist auch nicht übermäßig hoch. Alles gut. Knapp über dem Horizont sehe ich die Mitternachtssonne die jetzt so für etwa 1 Stunde bleibt, dann geht die Sonne auch schon wieder auf.

Mitternachtssonne

Auf dem Track sieht das alles ganz einfach aus, als würde ich mehr oder weniger geradeaus segeln. Doch das ist es nicht. Auf dem Weg habe ich zahlreiche Untiefen teilweise nur 1/2 Meter unter der Wasseroberfläche. Durch die muss ich hindurch navigieren. Unten einmal ein Screenshot, der das verdeutlicht.

Die Untiefe Steuerbord vorab darf ich nicht zu sehr im Luv (der windzugewandten Seite – der Wind kommt aus Nordwest) liegen lassen weil sonst muss ich für die nächste Untiefe (links unten) zu stark anluven und schaffe diese wohlmöglich nicht. In der Konsequenz müsste ich eine Wende machen um wieder Raum zu gewinnen. Und dann sind da noch zwei Fahrwassertonnen auf dem Weg (Rot, Grün) die ich im Blick haben muss.

So steuere ich die ganze Zeit. Einmal müssen wir uns alle ran halten: Johann, Miss Sophie und ich. Ich muss auf Backbordbug (welcher nicht die Stärke des Bootes ist) die maximale Höhe laufen. Die Segel werden dicht geholt wie nur möglich. Normal laufe ich 40 Grad max. auf Backbordbug am Wind (auf Steuerbordbug etwa 35 Grad). Jetzt wird vom Boot alles verlangt. Ab und an knallt das Focksegel etwas weil es zu viel ist, aber es muss gehen. Ich habe keine Lust auf die Wende. Es reicht wieder einmal. Der Wind nimmt stetig zu – inzwischen sind es 15 bis 17 Knoten und die eine oder andere Welle klatscht über die Sprayhood. Was unter den Bedingungen, jetzt auch mit der Welle, ein Kraftakt ist, ist das Pinkeln. Meine Technik sieht so aus, dass ich achtern knieend an die Backbordreling gehe. Bei solchen Bedingungen auch mit Lifeline gesichert. Ein Vorteil den wir Männer haben. Für eine Frau (und auch für Mann) wäre es jetzt, bei 40 Grad Lage, der Welle und dem Geschaukel kein Spaß nach unten zu gehen.

Jetzt hoch am Wind mit viel Lage
Wind, Welle, klatsch

Jedes Mal, sobald als möglich, löse ich die Schot des Großsegel etwas, um Druck aus dem Segel zu nehmen. Denn das mag auch Johann (mein Pinnenpilot) nicht. Der Wind hält weiter die Richtung aber ich gehe davon aus, dass wenn diese Richtungsänderung vier, fünf Stunden früher kam, als zuerst gedacht, wird er wahrscheinlich auch vier, fünf Stunden früher wieder auf Richtung West kippen, also schlecht für die Einfahrt nach Marjaniemi.

Ich bin um die Insel herum und gehe jetzt auf einen tiefen Kurs. Der Wind hat zwischenzeitlich weiter angezogen auf bis zu 20 Knoten. Nicht gut. Gerade mit der Welle nicht gut denn ich muss irgendwann, einfach rechtzeitig, auf einen ganz tiefen Kurs um die Fock einzurollen. Und das geht bei der Windstärke und der Welle nicht so einfach. Aber auch das mache ich inzwischen nicht zum ersten Mal und wird gelöst. Dann wieder anluven und noch ein Stück nur mit dem Großsegel. Das Bergen des Großsegels stelle ich mir jetzt schon „lustig“ vor – bei der inzwischen einen Meter hohen Welle. Aber was soll’s – muss ein. Also Motor an, gegen den Wind und Fall lösen. Das Segel fällt weitgehend herunter, leider (wie immer) nicht ganz. D.h. ich muss nach vorne und es herunter ziehen. Bei der Gelegenheit sichere ich das Großfall um eine Klampe am Mast damit das Segel nicht durch den Wind hoch gezogen werden kann. Auf allen vieren geht es zurück in die Plicht.

Wie befürchtet oder erwartet hat der Wind inzwischen auf West gedreht. Ob es einen Unterschied macht oder nicht, egal, jetzt hinein in den Hafen. Auch auf blauwasser.de schreibt die Autorin, dass die Einfahrt bei Westwind herausfordernd ist, denn sie ist schmal – richtig schmal. Die beiden letzten Fahrwassermarkierungen liegen gerade etwa 8 Meter auseinander – so viel wie mein Boot lang ist. Die Welle versucht den Bug immer wieder quer zu legen. Jetzt muss ich Gas geben denn nur mit Schub lässt sich das aussteuern. Ohne Schub wäre das Boot jetzt ein Spielball der Welle. Danach, also nach der Einfahrt, meint die Autorin auf blauwasser.de, wäre es ruhig. Und ja, die Welle ist weg. Aber es hat noch gut Wind. Am zweiten Steg soll es Strom geben. Dort liegen auch einige Boote. Auf der einen Seite mit Heckboje, auf der anderen Seite liegen die großen Pötte längs am Steg.

Es ist nur noch eine Heckboje frei. Jetzt, mit dem Wind alleine und ohne Unterstützung einer helfenden Hand auf dem Steg mit Heckboje anlegen, puh, eher nein. Ich habe auch keine Ambitionen um 5 Uhr morgens seitlich an einem anderen Boot mich anzulehnen und deren Crew zu wecken. Am Stegende sind noch etwa 15 Meter Platz und dort hat es keine Boje. Miss Sophie ist extrem wendig – das sollte funktionieren, das ich dort längsseits anlege. Ich bringe noch einen zweiten Fender aus und fahre das Manöver an. Zuerst habe ich zu viel Geschwindigkeit und muss kräftig Rückwärtsschub geben. Das Boot liegt am Steg und ich springe rüber. Am Bug hatte ich eine Leine vorbereitet doch der Bug ist etwa 2 Meter über den Steg hinaus – da komme ich nicht hin. Der Wind ist zu kräftig und ich kann das Boot von Hand kaum halten. Es besteht die Gefahr, dass es rückwärts driftet und damit letztendlich mit dem Heck auf das daneben liegende Boot kracht – ein schönes Holzboot.

Festgemacht – Marjaniemi

Ich springe wieder aufs Boot und beschließe Gas zu geben, noch einmal einen neuen Versuch mit vielleicht einem besseren Plan zu starten. Aber ich gebe erst kurz Gas und lasse dann den Gashebel auf Standgas – das Boot hält so zumindest die Position denn der Wind kommt schräg von vorne und damit wird Miss Sophie auch an den Steg gedrückt. Eine Leine, eine Leine – ich brauche jetzt einfach irgendeine Leine die ich irgendwo befestige um das Boot wenigstens am Steg zu halten. Achtern habe ich etwas liegen, schnappe die Leine und springe wieder auf den Steg. An einer Öse fädle ich sie ein und mache schnell einen Palsteck am Ring und mit einer Schlaufe fixiere ich die Leine. Teil 1 ist geschafft. Jetzt kann ich die Leine am Bug greifen und über einen Poller fixieren. Jetzt noch die Heckleine und es ist geschafft. Was ein Anlegemanöver. Sicher nicht lehrbuchmäßig. Aber egal. Ohne „wums“ ohne etwas oder ein anderes Boot zu beschädigen habe ich das Boot festgemacht. Jetzt noch alle Fender auf die Seite zum Steg denn der Wind und die Welle lassen das Boot am Steg kräftig gautschen.

Was eine Nacht, was eine Einfahrt in den Hafen und was ein Anlegemanöver. Den nächsten Schlag wünsche ich mir definitiv etwas unaufgeregter.

Dann gibt es erst einmal eine Mütze Schlaf. Dadurch verpasse ich leider die kurze Öffnungszeit des Leuchtturms – schade. Er kann nur von 12 bis 14 Uhr und an manchen Tagen von 18 bis 20 Uhr besichtigt werden. Heute leider nicht abends. Ansonsten hat die Insel nicht viel zu bieten – 3 Kaffee/Restaurants, 1 Imbiss und ein Souvenirladen der geschlossen ist. Südlich vom Hafen gibt es einen langen Sandstrand der vielleicht im Sommer ein beliebtes Ziel ist. Jetzt ist es zu kalt.

Im Laufe der Nacht soll der Wind deutlich abschwächen, bleibt aber auf West. Ich hoffe das es dann entspannter weitergeht. Am Vormittag könnte es sein das noch ein paar Regenschauer durchziehen. Mal sehen wann ich ablegen kann.

Kaffeefahrt nach Raahe

Mittwoch, 24. Juni 2026

In der Nacht hatte der Wind dann stark nachgelassen und es wurde endlich ruhig im Boot. Ich gehe (für meine Verhältnisse) früh schlafen denn ich möchte auch früh aufstehen. Am Morgen sieht alles gut aus. Der Wind hat auf Nordwest gedreht. Das ist auch o.k. Ein kurzes Frühstück, heute nur ein Kaffee und dann lege ich auch schon gegen 9 Uhr ab.

Hafenausfahrt Marjaniemi

Draußen auf der Ostsee ist es ruhig. Praktisch keine Welle. Der Wind ist mit 8 Knoten etwas schwach weshalb ich das Reff aus dem Großsegel wieder raus machen. So läuft ganz gut dahin mit 4 bis 5 Knoten. Es sind auch nur 25 sm bis Raahe, deshalb muss ich keine Eile haben. Ich beobachte die Wolken aber es sieht alles gut aus – keine Regenschauer in Sicht. Heute auf dem Weg auch keine einzige Untiefe. Es ist fast etwas langweilig da ich ja auch etwas weg von der Küste bin und es daher nicht viel zu sehen gibt. Kein anderes Schiff, kein Boot, kein Frachter.

Es geht wieder rückwärts – 64. Breitengrad

Erst Richtung Raahe hinein wird es dann etwas spannend. Hier muss man das Fahrwasser streckenweise genau einhalten da es rechts und links davon sofort ganz flach wird. Das Fahrwasser ist mit einer sicheren Tiefe von 1,9 Meter angegeben aber ich sehe nie weniger als 3 Meter auf dem Lot.

Raahe in Sicht
Einfahrt nach Raahe

Im Hafen muss ich dann mit Heckboje anlegen, diesmal ohne Hilfe von der Landseite. Es braucht drei Versuche aber dann habe ich eine Leine am Kai belegt. Alles etwas aufräumen und dann gehe ich gleich in das Hafenbüro. Dort sitzt der Hafenmeister mit einem anderen älteren Finnen mit dem ich mich etwas auf Englisch unterhalte. Er fragt mich gleich woher aus Deutschland ich komme (ohne das ich erwähnt hätte, dass ich Deutscher bin). Der Hafenmeister hat etwas Schwierigkeiten mit der englischen Sprache. An der Wand sehe ich vier Monitore die das Bild verschiedener Videokameras zeigen. Unter anderem mein Boot. Daher wusste er, das ich aus Deutschland komme. Und ich denke mir so – da hätte auch einer von beiden seinen Hintern heben könnten, um beim Anlegen zu helfen (das Hafenbüro ist etwa 30 Meter vom Anlegeplatz entfernt).

Festgemacht in Raahe

Auch nach den Åland Inseln letztes Jahr und den Begegnungen mit Finnen, die ich bisher hatte, verfestigen sich bei mir mehrere Eindrücke. Meine Eindrücke: Die Schweden sind wesentlich hilfsbereiter als die Finnen, die Finnen haben oft Schwierigkeiten mit der englischen Sprache und die Schweden sind deutlich offener, kommunikativer als die Finnen.

Unterwegs hatte ich entdeckt das es hier einen Lidl gibt. Also geht es nach einer kurzen Pause in die Stadt. Der Weg führt am Ufer entlang. Es ist wohl gerade ein Musikfestival hier. Eine große Bühne von der moderne Musik klingt und ein abgesperrtes Gelände zeugen davon. Die Finnen genießen den Sommer (auch wenn es für mein Gefühl auf die Temperaturen bezogen eher Frühling ist). Ansonsten ist die Stadt eher langweilig. die Straßen sind quadratisch, praktisch, gut angelegt die Einkaufsmeile sieht aus wie bei uns in einer Kleinstadt mit Betonbauten im Stil der 70er. Aber der Lidl hat meinen heiß begehrten Stoff: H-Milch. Dazu besorge ich noch Getränke, Kaffee, Joghurt, etwas Obst und Tomaten.

Am Abend koche ich dann noch und plane für den nächsten Tag. Dann wird es auch schon wieder Zeit zu schlafen. Morgen wird es ein langer Tag.

Stadtbild Raahe

Hey, ab in den Süden

Donnerstag, 25. Juni 2026

„Hey, ab in den Süden
Der Sonne hinterher ey-jo was geht?“

Die Songzeilen des Partyschlagers aus dem Jahr 2001 schwirren mir im Kopf herum. Der erste Tag in diesem Jahr an dem ich im T-Shirt auf dem Wasser bin. Das hat einen guten und einen schlechten Grund. Der gute Grund: Die Sonne scheint einmal wieder vom strahlend blauen Himmel. Der schlechte Grund: Es hat keinen Wind. Das war so vorhergesagt, aber das der Wind so schwach sein sollte war nicht geplant. 5 Knoten am Wind. Ich dümple dahin und nütze die Gelegenheit das erste Mal die Drohne vom Boot steigen zu lassen. Hat funktioniert. Doch als die Logge unter 2 Knoten geht habe ich die Faxen dicke und werfe den Motor an. Ich schaue noch einmal Windy an. Draußen könnte es etwas besser sein also setze ich meine Hoffnung darauf.

Glattes Wasser – kein Wind

Nach einer knappen Stunde kräuselt sich das Wasser und kündigt etwas Wind an, 8 Knoten – immerhin. Also Segel gesetzt und Motor aus. Mit Wind wird es gleich wieder frischer und das T-Shirt Outfit ist beendet. Der Wind zieht ein wenig mehr an und die zweite wärmende Schicht muss über die Haut. Schließlich erreicht er 13 Knoten, die Sonne verschwindet etwas und ich finde mich wieder in der inzwischen gewohnten nordischen Kälte. Aber dafür kann ich segeln. Nur ein Problem: Der Wind kommt aus Südwest, ziemlich genau. Und mein Ziel liegt Südsüdwest. Also kaum Möglichkeit zusätzlich Höhe zu gewinnen. Es ist ein mühsames gegenan. Wenigstens (noch) ohne Welle. Doch das ändert sich im Laufe der Zeit und bald kommt auch schon wieder eine Welle über die Sprayhood geschossen. Luftlinie sind es 32 sm von Raahe nach Maakalla, meinem Ziel. Gesegelt sind es am Ende 44 sm.

Der Wind legt zu…. Achja, ich habe jetzt eine Pflanze an Bord 🙂

Kurz vor Maakalla ändert sich wieder einmal etwas die Windrichtung zu meinen Ungunsten. Dann ist bei mir Schluss mit fertig – Segel runter, Motor an. Noch 2 sm und dann sollte ich Maakalla nach 10 h 30 min erreicht haben. Vor mir hatte ich ein anderes Segelboot auf dem AIS gesehen, das festgemacht hatte – nur wo?

Laut der elektronischen Navionics Karte und auch der Karte von Orca nicht am Fähranleger, sondern daneben. Aber daneben ist eigentlich nichts. Ich fahre langsam in die Bucht hinein denn die Tiefe ist nicht ganz sicher. Das andere Segelboot liegt doch am Fähranleger macht aber gerade los, als ich hinein komme. Ich drehe um, um ihm Platz zu machen. Wir verständigen uns mit den Händen, ich kann dort festmachen – also von ihm aus. Er zieht weiter.

Maakalla in Sichtweite

Ich hatte im Internet wenige Infos gefunden. Macht man am Fähranleger fest, muss man schauen das man weg ist bevor die erste Fähre kommt. Denn die kennt keine Rücksicht, siehe „SY Müggele in der Ostsee, Teil 9: Finnlands Norden“ auf Youtube, Minute 21:20. Der östlichste Steg darf anscheinend benützt werden hat jedoch in der Mitte nur 1,20 Meter Wasser. Eine Überlegung von mir war: mit Heckanker und dem Bug an den Steg zu gehen. Ankern wäre auch noch eine Option gewesen, die Tiefe ist o.k. – etwa 3 Meter. Doch jetzt, da der Fähranleger frei ist, möchte ich auch keine Experimente machen. Kurzerhand mache ich dort fest. Ich möchte sowieso am Vormittag weiter zu meinem nächsten Ziel so lange das Wetter noch gut ist. Achja, Wetter – inzwischen hat es komplett zugezogen und der Regenradar kündigt einen Regenschauer auf 23 Uhr an. Egal, Hauptsache morgen Vormittag ist es trocken.

Festgemacht am Fähranleger

Maakalla

Die fast baumlose Insel erhob sich im 15. Jhd. aus dem Meer und wurde bald zu einem wichtigen Stützpunkt der Fischerei und Robbenjagd. Im 18. Jhd. war die Insel dicht besiedelt mit bis zu 150 Booten und 400 Einwohnern. Vom Beginn des 17. Jahrhunderts bis in die 1940er-Jahre war Kallankari einer der wichtigsten Heringsfangplätze an der Küste zwischen Kokkola und Oulu. Wobei die Fischer hier nur in den Sommermonaten lebten.

Es gibt etwa 30 Fischerhütten die innerhalb der Familie vererbt werden. Neue Hütten dürfen nur mit Genehmigung des Dorfrates gebaut werden.

Die Kirche ist aus dem Jahr 1780 und ist in der Form, ein langgestrecktes Achteck, von der Form eines Schiffes inspiriert. Neben der Kirche gibt es ein Pfarrhaus, das drei Jahre später gebaut wurde. Im Pfarrhaus von Maakalla sind die Regeln für die Inselbewohner und ein Gesetz enthalten, das die Verwaltung der Felsen den Fischern überträgt.

Ohne Titel – Ziel Tankar

Freitag, 26. Juni 2026

Mir fällt kein zusammenfassender Titel für den heutigen Tag ein. Dazu war der Tag heute vielleicht zu durchwachsen. Zuerst – am Morgen mache ich noch einmal einen kleinen Spaziergang über die Insel und lasse die Drohne steigen. Draußen sehe ich ein Schiff und fürchte schon das es die Tourirstenschaukel ist die gleich an den Anleger möchte. Doch es ist ein Fischerboot das wieder etwas abdreht – Entwarnung.

Rückblick nach Maakalla

Aber ich möchte los da ich sowiewo etwas spät dran bin. Mein Ziel heute ist die Insel Tankar auch wieder weil es die einzige Möglichkeit ist. Der Wind kommt wieder aus Südwest sollte aber eigentlich mehr aus West kommen. Es hilft nichts, Also ablegen und schauen was wird. Zuerst muss ich unter Motor zwischen den beiden Inseln durch dann ziehe ich so bald als möglich das Großsegel hoch und auch gleich wird die Fock ausgerollt. Die von Orca angedachte Höhe kann ich angesichts der Windrichtung nicht laufen aber es stört mich nicht so sehr denn ich habe Platz. Keine Untiefe, keine Tonne, nichts. Also laufe ich so ziemlich genau Richtung Süd. Mein Ziel liegt Südwest, also ziemlich genau gegen die Windrichtung. Egal, es ist alles soweit angenehm – etwa 10 Knoten Wind, kaum Welle. Soweit als möglich mache ich es mir gemütlich und segle so etwa 3 Stunden. Dann wird es Zeit wieder weg zu kommen von der Landnähe.

„Sailing vesel Ivan. This ist coast guard“ klingt es aus dem Funkgerät. Keine Antwort. Wenige Minuten später – „Sailing vesel Ivan. This ist coast guard“. Wieder keine Antwort Ich heiße nicht Ivan und ich sende kein AIS. Aber ich segle auf einen in Navionics gestrichelten Bereich hin. In Orca ist nichts markiert. Egal, ich hatte sowieso die Wende geplant also mache ich die Wende kurz vor dem gestrichelten Bereich.

Nun geht es raus auf die Ostsee. Es wird ruppiger und der Wind nimmt etwas zu. Parallel checke ich den Regenradar – da ist etwas im Anzug aus Südwest. Aktuell sollte es noch gut reichen. Zwei Stunden segle ich so auf dem Holebug immer bemüht, nicht zu viel nach Norden zu verlieren. Dann mache ich wieder die Wende die mich nach Süden bringen soll. Der Wind nimmt weiter zu und geht jetzt zeitweise über 17 Knoten. Das Regengebiet naht. Ich weiß – Wetterveränderungen wie Regen sind immer mit Windveränderungen verbunden. Deshalb fiere ich das Großsegel um das erste Reff rein zu machen. Eine gute Entscheidung. Denn der Wind nimmt weiter zu und mit zunehmenden Wind kommt auch die Welle. Jetzt hat es über 20 Knoten Wind. Wieder in Landnähe mache ich die Wende aber nähere mich auf diesem Kurs kaum der Einfahrt von Tankar.

Ich schaue mir das eine Weile an. Es ist jetzt wirklich nicht mehr angenehmes Segeln. So, auf diesem Kurs, müsste ich noch einmal ein oder zwei Wenden machen. Ich messe die Distanz zum Hafen. Im Moment segle ich parallel zu der Einfahrt. 5 sm. Und wenn ich so weiter segle erwischt mich das Regengebiet. Also fälle ich eine Entscheidung – Motor an, Segel runter, direkter Kurs Tankar. Unter Motor geht es direkt gegen den Wind Richtung Tankar. Miss Sophie kämpft gegen Wind und Welle.

Regenfront am Horizont

Da ich aus Nordost komme, lassen Wind und Welle kurz vor dem Hafen nach und die Einfahrt lässt sich gut machen. Anlegen mit Heckboje. Der Bojenhaken liegt bereit doch ich habe die Leine nicht geprüft. Der Platz auf der linken Seite verspricht am wenigsten Wind also wird dieser angesteuert. Kein anderes Boot hier. Die Boje erwische ich sofort doch dann ist die Leine verknäult. Ich könnte einmal mehr über mich selbst fluchen. Ich sehe jemand an Land der an den Steg eilt um mir zu helfen. Zwischenzeitlich habe die Leine zumindest so weit enttüdelt das es mir an den Steg reicht und der Finne kann meinen Bug halten. Was bin ich froh. Auf einen zweiten Anlauf hätte ich keine Lust gehabt. Wieder einmal:

Lessons learned…

Vor dem Hafen prüfen ob alles richtig für das bevorstehende Anlegemanöver vorbereitet ist

Festgemacht – Tankar

So wurde das Anlegemanöver doch noch gerettet. Dann alles wieder sortieren, vor allem unter Deck – da sieht es wild aus. Die Hafengebühr wird online bezahlt und das ist etwas, was mich dann echt etwas schockt – 40 Euro. Die Steganlage ist super, keine Frage. Aber Trockentoilette (Plumps-Klo), keine Dusche, kein Wasser, hier im Norden (keine Touristen-Region) das ist heftig. 40 Euro habe ich im letzten Jahr in Mariehamn bezahlt. Eine andere Liga. Ganz sicher werde ich morgen hier ablegen.

Fazit der letzten Tage

Die letzten Tage bis Töre, ab Haparanda verliefen genau nach meinem Plan. Wenn auch zuletzt etwas mühsam. Vor allem das Wetter hatte mitgespielt. Mit dem Wind kann man sich oft irgendwie arrangieren (außer bei Starkwind). Doch jetzt wird mein Plan nicht mehr aufgehen. Es ist weiter Südwest vorhergesagt und das geplante Ziel Stubben-Lillskäret ist dafür einfach zu weit entfernt. 31 sm direkte Linie, über 50 sm gegen den Wind. 12 Stunden Kampf und Krampf. Zumal dieser Ort ein Naturhafen ohne Strom, Wasser und sonst etwas ist. Und Sonntag ist ein Schlechtwetter Tag. Daher ein neuer Plan: Morgen nur ein kleiner Schlag nach Mässkär. Dort gibt es Strom und mehr. Sonntag dort abwettern und Montag dann nach Stubben-Lillskäret.

Durch die finnischen Schären nach Mässkär

Samstag, 27. Juni 2026

Da ich meinen Plan geändert habe, kann ich es heute gemütlicher angehen. Ich stehe später auf und mache noch einen Spaziergang über die Insel Tankar. Vor allem die Kirche interessiert mich. Die Kirche wurde 1754 von den Fischern gebaut damit sie nicht die 20 km auf das Festland zum sonntäglichen Gottesdienst reisen mussten. Damals war die Teilnahme am Gottesdienst Pflicht. Die Kirche befand sich ursprünglich auf dem höchsten Punkt der Insel wurde dann als der Leuchtturm gebaut wurde verlegt. Jedes Mitglied der Gemeinde hatte seinen eigenen Sitzplatz und ritzte seine Initialen oder sein Zeichen in die Sitzbank. Die Gottesdienste wurden von einem Hilfspriester gehalten wofür er eine jährliche Zahlung von 10 – 12 halben Fässern Hering erhielt.

Wo heute der Leuchtturm steht stand ursprünglich die Kirche
Die 1754 gebaute Kirche von Tankar
Jeder Fischer hatte seinen Platz und ritzte seine Initialen oder sein Zeichen in die Bank
Da hat sich jemand 1830 verewigt

Neben der Kirche gibt es noch ein kleines Museum das einige Alltagsgegenstände der Robbenjagd von damals zeigt. Die Robbenjagd wurde in Finnland mindestens seit der Jungsteinzeit praktiziert. Die Bedeutung ergab sich aus der Vielseitigkeit der Verwendung des Beutetieres und dem Wert der daraus gewonnenen Produkte. Das wichtigste Produkt war Robbenöl das ein wertvolles Handelsprodukt war. Aber auch das Fell wurde verwendet für Kleidungsstücke, für die Schlitten und anderes. Das Robbenfangschiff war ein Segelboot mit etwa 10 Meter Länge und 3 Meter Breite. Es wurde über das Eis gezogen, diente als Lager und Transportmittel für die Jagdbeute.

Nette Fensterdeko
Das kleine Museum

Nach dem Erkundungsausflug nehme ich noch das Lunch im Kiosk/Restaurant mit – 18 Euro mit Wasser und Kaffee. Und man konnte so viel essen wie man wollte. Es stand ein Topf mit Fischsuppe (Lachs) und Kartoffeln da aus dem man sich bedienen konnte.

Zum Lunch gab es Fischsuppe mit Kartoffeln als Einlage

Dann ging es weiter. Wie gesagt hatte ich meinen Plan geändert und das etwa 25 sm entfernte Mässkär als Ziel ausgewählt. Unter anderem weil es dort Landstrom gibt. Sonntag soll schlechtes Wetter sein (Regen) und da möchte ich ungern auf Landstrom verzichten auch wenn meine LifPo Batterien voll sind.

Außerdem habe ich gerade genug von dem gegenan segeln – die letzten Tage fand ich anstrengend und ich hatte einfach mal wieder Lust auf etwas Spaß. Deshalb habe ich mir den Weg durch das Archipel ausgesucht. Das hatte ich bisher ja noch nicht und ich hatte schon so einiges vom Segeln zwischen den Inseln in Finnland gelesen und gesehen. Raus aus dem Hafen setze ich das Großsegel bei dem ich es erst einmal belassen möchte denn es ändert nichts am grundsätzlichen Problem: Der Wind kommt aus Südwest und ich muss nach Südsüdwest. D.h. wieder viel gegenan das ich jedoch heute ggf. einfach mit Motorunterstützung mache – vor allem wenn es direkt gegen den Wind geht. Denn im engen Fahrwasser ist kein Platz zum aufkreuzen. Sobald man das Fahrwasser verlässt, das auch nicht tief ist – etwa 7 Meter, wird es richtig flach und ich sehe oft links und rechts von mir Steine aus dem Wasser ragen. Aber es ist sehr interessant und macht Spaß weil es hier natürlich keine Welle hat.

Da hat sich jemand den Spaß gemacht und auf einem Stein einen Miniatur-Leuchtturm gebaut
Außerhalb des Fahrwasser heißt es „Achtung Stein“

Als ich dann aus den Inseln raus komme nehme ich die Fock dazu, mache einige Wenden um Weg Richtung Westen zu gewinnen und nehme Kurs auf Mässkär. Vor der Küste nerven mich einige Male Fischernetze die mich zur ungewollten Wende zwingen. 1/2 Stunde vor Mässkär bin ich zwischen zwei Inseln und nütze die Gelegenheit der Abdeckung die Fock und das Großsegel zu bergen. Ich werfe den Motor an und mache das letzte Stück. Mässkär sieht auf den ersten Blick sehr nett aus. Die Hafengebühr von 25 Euro bezahlt man im Café. Dort werde ich wohl morgen die Gelegenheit des Lunch mitnehmen. Und dann muss ich mal sehen was an meinen zwei letzten Urlaubstagen geht. Ab Mittwoch habe ich dann wieder Workation – 6 1/2 Stunden arbeiten die ich recht frei verteilen kann.

Festgemacht in Mässkär
LocaToWeb hat nicht alle Wenden registriert

Abwettern in Sikeå

Sonntag, 14. Juni 2026

Am frühen Morgen kam das angekündigte Sturmtief. Im Hafen kachelt es mit Böen über 30 Knoten. Dann setzt auch der angekündigte Regen ein. Miss Sophie zerrt an der Ankerboje und den vorderen Festmachern wie ein wildgewordenes Pferd das sich losreißen möchte. Ich drehe mich mehrfach um, eingekuschelt in meinem Daunenschlafsack. Schlafen, das ist das einzige was man jetzt machen kann. Später merke ich, dass es kalt geworden ist im Boot. Der Heizlüfter macht nichts mehr. Es ist eine Regenpause und ich gehe hinaus um nach der Sicherung zu schauen. Die Sicherung am Landstromanschluss ist noch drin. Offensichtlich geht der Strom allgemein nicht mehr – wegen des Sturms?

Ich habe ein neues Problem…

In der Nacht wachte ich mehrfach auf wegen starker Schmerzen im linken Handgelenk. Ich überlege – ich erinnere mich nicht am Vortag irgendein Ereignis mit dem Handgelenk gehabt zu haben. Mehrfach schmiere ich Voltaren drauf. Geschwollen ist es nicht aber es fühlt sich ähnlich an, als ob ich es verstaucht hätte. Am Vormittag versuche ich den Schmerzpunkt zu finden. Er scheint an der Sehnenscheide zu liegen. Ich konsultiere meine Frau, die Arzthelferin ist. Anhand der Beschreibung vermutet sie etwas ähnliches. Ich habe zwar einige zusätzliche Medikamente von meinem Hausarzt für den Notfall bekommen, aber wenig was jetzt hier helfen könnte. Schmerzmittel ist das einzige was ich habe. Ich hoffe, dass das morgen besser ist denn das würde mich sehr einschränken.

Am Nachmittag geht dann der Strom plötzlich wieder. Ein Stein fällt mir vom Herzen. Denn es hat gerade einmal 11 Grad – laut Wetterbericht. Die Messbojen auf der Seite von SMHI melden Welle bis 2,4 Meter. Gegen Abend soll der Wind nachlassen, der Regen hat inzwischen aufgehört. Aber der Wind hat jetzt auf Nord gedreht. Das bedeutet morgen gegenan segeln. Mal sehen ob und wie das geht. Ich werde auf jeden Fall das erste Reff rein machen. 10 bis 20 Knoten Wind soll es morgen geben.

Der Wind hat auf Nord gedreht d.h. gegenan segeln

Am kommenden Sonntag beginnt die Midsummer Sail – das ist die längste Regatta auf der Ostsee. Von Wismar, dem südlichsten Punkt, bis nach Töre zur gelben Tonne. Ich möchte auf jeden Fall vor dem Pulk dort sein (um es eher alleine zu erleben). Die schnellsten Segler benötigen 4 bis 5 Tage…

Ein Kampftag…

Montag, 15. Juni 2026

Es war klar, dass der Wind heute aus Nord kommen wird. Was unklar war: Wie sieht es mit dem Schwell aus? Am Vortag hatte es ja im Hafen bis zu 30 Knoten Wind. Draußen auf der Ostsee sicher Sturmstärke. Da der Starkwind bereits am frühen Abend kräftig nachgelassen hatte, war meine Hoffnung, dass es sich mit dem Schwell in Grenzen hält.

Das erste Stück raus aus Sikeå geht es noch mit Wind und Welle

Aus dem Hafen raus ist man gleich auf der Ostsee. Es gibt hier, auf dem nächsten Stück, keine vorgelagerten Inseln hinter denen man sich verstecken könnte. Und ich muss gegen den Nordwind segeln, d.h. kreuzen. Also raus auf die See, Wende und wieder Richtung Festland. Und das sollte einige Male den Tag so gehen.

Die Welle nimmt schnell an Höhe und Wucht zu. Bis zu 1,5 Meter. Miss Sophie springt wie ein Springpferd um dann krachend und ernüchtert ins nächste Wellental zu fallen. Sie kann eben doch nicht fliegen. Die eine oder andere Welle kommt über die Sprayhood und ich muss meinen Kopf schnell darunter ziehen, um nicht eine Ostseedusche zu bekommen. Es ist mühsam. Ich hatte eigentlich gehofft, den Hafen Bureå Båtsällskap zu erreichen. Dort hätte ich wieder Landstrom. Doch ich muss wieder einmal realisieren, dass das bei diesen Bedingungen nichts wird. Die 15 bis 20 Knoten Wind verlieren ihre Wirkung durch die Welle, die mich immer wieder ausbremst. Ein gutes kann ich der Situation abgewinnen: Der Wind kommt ziemlich direkt aus Nord und der Küstenverlauf ist hier nach Nordost. Dadurch kann ich lange auf dem Streckbug segeln und muss nur kurz auf den Holebug Richtung Festland. Wesentlich schlechter wäre jetzt Nordost.

Nasses Segeln…

Ich suche das nächstmögliche Ziel – Bjüroklubben wäre das. Ich ändere das Ziel in Orca und die neu berechnete Ankunftszeit ist 18.30 Uhr. So kämpfe ich mich Raupe Stück für Stück voran. Ganz zum Schluss, die letzten 2 sm vor dem Hafen schaffe ich es nicht die notwendige Höhe zu laufen um zwischen dem Festland und einer vorgelagerten Untiefe hindurch zu kommen. Früher oder später muss ich sowieso den Motor dazunehmen. Also falle ich ab, um die Fock zu bergen, werfe den Motor an und kämpfe jetzt fast direkt gegen den Wind mit meinen 9 PS.

Meine große Sorge: Wie wird das mit dem Schwell sein in der Bucht? Die Bucht ist recht groß und nach Nordosten offen. Wie erwartet oder befürchtet reicht der Schwell in die Bucht hinein und baut hier eine schöne Welle auf. Meine Hoffnung: Der superkleine Hafen liegt im Windschatten und ich hoffe, dass er deshalb vor dem Schwell geschützt ist. Die Hoffnung erfüllt sich und ich fahre langsam hinein. Außer einer Beschreibung eines anderen Seglers habe ich keine Informationen. Es soll flach sein und man muss auf einige Steine achten. Wie erwartet bin ich hier vollkommen alleine. In einiger Entfernung steht an Land ein Wohnmobil – Wildcamper vermutlich. Das Anlegen geht problemlos denn der Hafen ist durch eine hohe Brüstung gut geschützt so das es im Hafenbecken selbst windstill ist. Da ich alleine bin, erlaube ich es mir längsseits festzumachen. Normal sollte man hier mit Heckanker und dem Bug zum Steg festmachen. So sollen dann in dem kleinen Hafen etwa 10 bis 20 Boote Platz haben.

Festgemacht in Bjüroklubb

Ein sehr schöner Platz den ich gleich erkunde. Es hat eine schöne Sauna mit fließendem Wasser. Die Sauna ist noch warm aber das Feuer ist aus. Vermutlich haben die Camper diese benützt, denn sonst ist weit und breit niemand zu sehen.

Das einzige Manko: Kein Landstrom – es wird wohl eine kalte Nacht geben. Im Notfall heize ich die Sauna ein und lege mich mit meinem Schlafsack in den Vorraum der Sauna. Zwei Isomatten hätte ich noch in der Achterkajüte…

Die letzten Maiglöckchen (Mitte Juni)

Achja, fast vergessen – das Problem im linken Handgelenk war wie weggeblasen. Ganz leicht spüre ich noch den Schmerzpunkt wenn ich darauf drücke. Hoffen wir das es so bleibt. Aber wie sagt meine Frau so schön: „…dann drücken Sie doch nicht darauf…“.

Töre rückt in greifbare Nähe…

Dienstag, 16. Juli 2026

Gestern, spät am Abend, kommt noch ein weiteres Segelboot mit schwedischer Nationale in den kleinen Hafen. Sie quatschen noch etwas miteinander gehen dann aber bald schlafen. Am Morgen kommt ein Mitglied der Crew zu mir herüber und stellt sich vor. Sie kommen aus Litauen und haben das Segelboot hier oben gekauft und überführen es jetzt nach Litauen. Er fragt mich noch nach Tipps zu Häfen Richtung Süden und ich zeige ihm, wo er Informationen finden kann. Dann sehen wir noch einen Seehund vor dem Hafen – also zumindest den Kopf.

Ich trinke noch zwei Kaffee schaue aber, dass ich zügig weg komme. Denn Windy hatte angekündigt das der Wind gegen Mittag einschläft und nur am Vormittag noch gut sein soll. Orca zeigt bei der Berechnung der Route ähnliches. Aber ich belasse es erst einmal beim ersten Reff, das ich gestern gesetzt hatte.

Ich verlasse diesen netten Ort auch wenn ich vielleicht gerne ihn etwas erkundet hätte

Trotzdem habe ich das ambitionierte Ziel heute den Piteå Segelsellskapp (Segelverein) zu erreichen – etwa 46 sm. Ich segle zuerst auf dem Streckbug weit auf die Ostsee hinaus, etwa 20 – 25 sm vom Festland entfernt. Der Wind hält noch erstaunlich lange. Als er etwas nachlässt, unter 10 Knoten geht, reffe ich wieder aus. Im gleichen Moment zieht der Wind wieder etwas an und es läuft sogar mit 5 Knoten am Wind. Doch gegen 13.30 Uhr ist der Spaß zu Ende. Der Wind ist schließlich weg. Nun habe ich zwei Möglichkeiten: etwa 20 sm querab Richtung Westen zum nächsten möglichen Hafen oder weiter Richtung Nordost zu meinem ursprünglichen Ziel, etwas mehr als 25 sm. Ich entscheide mich für das zweite d.h. jetzt 6 Stunden Motor. Der Schwell vom Vortag ist jetzt fast komplett weg so dass es eine ruhige Fahrt wird. Kein Frachter, kein anderes Segel- oder Motorboot, einfach nichts. Nur leichter Nieselregen setzt ein und verschlechtert die Sicht weshalb ich jetzt permanent Ausguck halte. Es gibt noch andere wie ich, die ohne AIS unterwegs sind und deshalb nicht auf meinem Plotter erscheinen. Nach einer Zeit ist es wieder trocken und ich erreiche den Piteå Segelsellskapp schließlich vor der nächsten Regenfront.

Der Wind ist weg und der Motor muss mich voran bringen
Hinter mir lauert die nächste Regenfront

Ein sehr kleiner Hafen. Ein Vereinsmitglied reinigt gerade seine Segelyacht und hilft beim Anlegen. Ein kurzer Smalltalk woher ich komme, wohin ich gehe und das er auch schon einmal in Deutschland war, ohne Boot. Ich mache das Boot soweit klar, schließe den Landstrom an und werfe den Heizlüfter an – darauf habe ich mich am meisten gefreut. Denn es hat tagsüber gerade einmal 16 Grad und mit Wind und Nässe sind das (für mich) keine Wohlfühltemperaturen. Und nasse Kleidungsstücke (wie meine Handschuhe) trocknen bei diesen Temperaturen auch nicht ohne Heizung im Boot.

Festgemacht – Piteå Segelsellskapp
65. Breitengrad passiert – es fehlen noch einige Minuten und Sekunden zum nördlichen Ende der Ostsee

Töre ist damit in greifbarer Nähe. Morgen soll es nach Luleå gehen. Dort werde ich noch einmal Proviant bunkern und einen Tag Pause machen. Und tanken möchte ich in Luleå denn ich habe die letzten Tage einige Motorstunden gemacht. Sollte es nach Plan laufen, erreiche ich noch diese Woche die gelbe Tonne. Aber das Wetter ist gerade unsicher und ich möchte nicht im Regen mein Ziel erreichen, ich möchte den Moment schon etwas auskosten.

16. Juni, 23.40 Uhr in Piteå

Nord – Kurs Nord

Mittwoch, 17. Juni 2026

Am Vormittag habe ich noch ein Teams-Meeting mit einer Arbeitskollegin. Ich habe zwar eigentlich Urlaub aber wir haben gerade ein besonderes Projekt weshalb ich angeboten hatte, einmal wöchentlich mit der Kollegin ein einstündiges Online-Meeting zu machen. Das war jetzt kein Problem. Ich hatte am Abend zuvor schon den Routenvorschlag von Orca berechnen lassen und das sollte gut reichen, wenn ich um 11 Uhr losgehe. Am Ende sollten es etwa 45 sm sein. Orca und auch SMHI meinen, dass der Wind aus Nordost kommen sollte.

Nachdem ich noch einmal meine Reffleinen ummontiert hatte (ich hatte einen Fehler beim Anschlagen des Segels gemacht) konnte es losgehen.

Abgelegt – Piteå Segelsellskap im Rückspiegel

Zuerst raus unter Motor doch sobald als möglich Boot in den Wind und Großsegel hoch. Und wieder einmal gleich die Ernüchterung – der Wind kommt nicht aus der erwarteten Richtung, er kommt aus Nordnordost ja sogar fast Nord. Und wie immer: Ich muss nach Norden. Heute sogar noch mehr als gestern als der Küstenverlauf meinen Weg begünstigte. Das von Orca angedachte Zick-Zack recht direkt durch die Insel geht nicht. Also gehe ich erst einmal raus Richtung Osten um etwas aus den Inseln raus zu kommen. Immer wieder versuche ich etwas Höhe zu machen, stehe dann vor einer Untiefe und muss die Wende machen. Dabei hoffe ich nicht zu viel von den erkämpften Seemeilen zu verlieren. Zumindest Ost möchte ich halten was aber nicht immer gelingt.

Mühsames Gegenan Segeln. Rot markiert die Stellen wo ich den Motor angeworfen habe

Auf einem erneuten Streckbug dreht dann der Wind zumindest so weit Richtung Nordost, dass ich einige Seemeilen fast direkt Richtung Nord segeln kann. Doch dann dreht der Wind wieder Richtung Nord und schwächt dermaßen ab, dass ich nur noch 2,5 Knoten Fahrt mache. Ich möchte keine Zeit verlieren und werfe den Motor an, nehme den direkt Kurs auf die Lücke zwischen den Inseln, die ich mir ausgesucht hatte. Nach 1/2 Stunde zieht der Wind wieder auf 10 bis 12 Knoten an. Das Großsegel hatte ich stehen gelassen. Also abfallen und Motor aus. Der vom Wind erzwungene Kurs ist wieder Ost, sogar etwas Richtung Süd. Egal, ich gehe jetzt auf den langen Holebug und hoffe das es so bleibt um mit der nächsten Wende einen langen Streckbug möglichst weit Richtung Nord zu schaffen. Mehr als zwei Stunden segle ich so, um dann endlich die Wende machen zu können. Es scheint aufzugehen, sogar so gut, dass ich ohne weitere Wende zwischen den Inseln hindurch kommen sollte. Zwischendurch frischt der Wind sogar auf 15 Knoten auf, Miss Sophie schiebt Lage (steht schräg) und Wellen klatschen über das Vordeck. Wie so oft bin ich vollkommen alleine – kein anderer Segler, kein anderes Schiff weit und breit. Unter Deck hat sich inzwischen alles auf dem Boden verteilt was nicht gut genug verstaut war. Eine angebrochene Packung Kekse, leere PET Flaschen, eine Karte meiner Tochter, meine Straßenschuhe und einiges mehr.

Beginn des Fahrwasser von Luleå

Inzwischen drückt der Darm. Ich vermeide es nach Möglichkeit ein „großes Geschäft“ unterwegs zu machen. Es ist anstrengend und zum anderen hängt es mit meinem Toilettensystem zusammen. Ich habe keinen Grauwassertank. Ich habe ein Porta Potti aber wer das kennt, weiß, weshalb man auf diesem kein großes Geschäft machen möchte. Vor Beginn meiner letztjährigen Reise hatte ich deshalb lange nach einer Lösung gesucht und habe mich, ich sage es einmal plump, für „Kackbeutel“ entschieden (findet man z.B. bei Amazon). Dazu noch ein Streu welches Flüssigkeit und Geruch bindet. Nach dem Geschäft wird der Beutel verknotet und wandert in die Backskiste und wird später über den Restmüll entsorgt.

Kurz vor der engen Durchfahrt zwischen den Inseln versagt Johann. Es ist auch besser, wenn ich das jetzt von Hand steure denn jetzt kommt es auf jeden Meter Höhe an damit ich hier gut durchkomme. Danach sollte ich in der Windabdeckung der Insel sein und mein Plan ist dann die Fock zu bergen. Der Plan geht dann soweit auch auf doch ein weitersegeln im engen Zick-Zack macht wenig Sinn weshalb ich wieder den Motor anwerfe. Noch 2 Stunden – dann bin ich in Luleå. Ein anstrengender Segeltag, der sich aber gelohnt hat.

Luleå in Sicht – kurz davor geht es durch einen Kanal

Ich habe mein Ziel genau nach dem Plan erreicht, den ich vor einigen Tagen aufgestellt hatte. Jetzt möchte ich einen Tag Pause machen. Die Vorräte auffrischen, duschen und mich etwas erholen. Die gelbe Tonne sollte ich in einem Schlag (einem Segeltag) erreichen. Dann ist das erste von drei Zielen erreicht. Das zweite Ziel ist dann Haparanda, was aber nur ein kleiner Schlag nach der gelben Tonne ist, und dann das Boot rechtzeitig nach Kröslin zu bringen.

Festgemacht in Luleå

Und noch etwas erwähnenswertes: Sonnenuntergang Luleå 00:01 Uhr – Sonnneaufgang 01:02 Uhr. Richtung Töre (am Sonntag ist Sonnenwende) gibt es jetzt praktisch keinen Sonnenauf- und -untergang. Töre ist nur 100 km vom Polarkreis entfernt.

Ein Tag Pause – ich brauche etwas Erholung

Donnerstag, 18. Juni 2026

Ich brauche etwas Erholung – die letzten 3 Segeltage waren etwas anstrengend. Mein Körper ist von den Wenden, dem Ziehen an Schotten und Fallen am Vortag etwas ermüdet. Aber ich hatte Luleå auch angesteuert weil ich hier noch einmal meine Vorräte auffrischen möchte. In der Nähe soll ein Lidl sein. Doch auf dem Weg realisiere ich dass dieser zu Fuß nicht so kurz zu erreichen ist wie gehofft. Die Brücke, die über große Gleisanlagen führt und die Google Maps als Route zu Fuß vorschlägt, ist nur für Autos. Also zurück. Ganz in der Nähe vom Hafen soll es noch einen Lebensmittelmarkt geben – also geht es zu diesem. Dieser zeigt sich auch als großer Markt und hat fast alles was ich brauche (nur keine H-Milch).

Zuerst gibt es eine ausgiebige Dusche. In der Stadt besorge ich mir noch ein kleines Fläschlein Sekt , die Hopfenvorräte werden gefüllt – es könnte ja etwas zu feiern geben. Und auch Schnürsenkel und Klebstoff finde ich – ich muss auf dem Rückweg noch die deutsche Seekarte berichtigen. Die Berichtigungen hatte ich zu Hause ausgedruckt aber die Seekarte war ja auf dem Boot. Hier in Schweden interessiert es niemanden, ob du aktuelle Seekarten in Papierform dabei hast oder nicht. „Aktuell“ ist hier sowieso relativ. Durch die Landhebung (darüber schreibe ich dann im nächsten Blog-Beitrag) verändert sich die Landschaft sowieso ständig.

Am Nachmittag mache ich noch ein Nickerchen. Der Wind pfeift durch die Wanten und Stage und ein mythisches Summen erklingt – die Melodie des hohen Nordens.

Wind und Wetter sehen für den kommenden Tag ganz gut aus. Am Nachmittag könnte es kurz etwas regnen bzw. ein Gewitter durchziehen. Aber damit ist jetzt im Sommer zu rechnen.

Die Backskiste ist wieder gefüllt – Getränke liegen in der Bilge

Es ist vollbracht – nach 1990 Seemeilen auf der Ostsee

Freitag, 19. Juni 2026

Die Wind- und Wetterprognosen für heute sind gut weshalb ich sehr früh aufstehe. Gewitter am späten Nachmittag könnten das einzige Risiko sein. Nachdem ich ein kurzes Frühstück und 2 Kaffee hatte, sehe ich dunkle Wolken am Horizont. Ein Regenband zieht genau über mich durch. Gegen 10 Uhr sollte ich ablegen können – danach kommt nichts mehr. Da hätte ich etwas länger schlafen können…

Bereits kurz nach dem Hafen kann ich das Segel setzen – zuerst nur das Großsegel denn ich muss später noch mit einem sehr raumen Kurs durch zwei Inseln durch. Den Motor lasse ich im Leerlauf einmal noch mitlaufen – im Fahrwasser sind ein paar Schlepper unterwegs. Schließlich raus aus dem Fahrwasser kann ich abfallen und die Fock dazunehmen. Der Wind ist ideal, raumer Wind (also von schräg hinten) mit 10 bis 13 Knoten. Es läuft.

Herrliches Segeln durch die Schären
Miss Sophie rennt dem Ziel geradezu entgegen (SOG 6,3 Knoten)

Es geht durch zahlreiche Schären hindurch und ich kann es kaum glauben – ich bin vollkommen alleine an diesem herrlichen Segeltag. Die Sonne scheint und wärmt auch langsam. Nur bequem machen kann ich es mir nicht. Der Wind dreht langsam auf Südwest weshalb ich jetzt fast einen Vorwindkurs fahre (der Wind kommt von hinten). Hier muss ich parallel zu den Untiefen darauf achten dass das Großsegel nicht ungewollt auf die andere Seite knallt (Patenthalse). Zeitweise setze ich sicherheitshalber einen Bullenstander. Das ist eine Leine zur Sicherung des Großbaums. Aber einige geplante Halsen muss ich dann doch machen. Der Wind hat langsam wieder auf Südost gedreht und ich komme jetzt in den Sund Richtung Töre der in Richtung Nordwest verläuft. D.h. der Wind kommt genau hinein weshalb sich eine leichte Welle aufbaut. Es geht aber trotzdem alles gut zu segeln. Selbst eine Engstelle kurz vor Töre kann ich segelnd durchfahren. Etwa 1 sm vor Törehamn werfe ich den Motor an, um das Großsegel zu bergen.

Dann geht es die letzten 15 Minuten zur gelben Tonne. Ich kann sie schon früh sehen. Standesgemäß wird sie dann erst einige Male umrundet und dann überlege ich, wie ich bei 10 bis 13 Knoten Wind einhand an der Tonne festmachen könnte. Eine Art Aufschießer gegen den Wind – das sollte doch funktionieren. Ich bereite auf dem Vordeck Leine und Bojenhaken vor. Im zweiten Versuch passt es und ich erwische eine der drei Ösen. Festgemacht. Ich mache den Motor aus und ein paar Freudentränen kann ich nicht verdrücken. Nach fast genau 1990 sm auf der Ostsee ist das erste Ziel erreicht – die gelbe Tonne, der nördlichste Punkt der Ostsee oder auch der Sombero des Nordens. Früher der nördlichste Seebriefkasten, doch der Briefkasten wurde entfernt. 65 Grad, 54 Minuten, 07 Sekunden nördliche Breite. Das nördliche Ende der Ostsee, von hier sind es noch 100 km zum Polarkreis.

Das Ziel ist erreicht
Festgemacht
Und ich grinse über beide Backen…
default

Ich habe in Luleå im Systembolaget mir ein kleines Fläschlein Prosecco gekauft das ich jetzt mitnehme auf die gelbe Tonne. Dort setze ich mich hin und genieße den Moment. Es ist herrliches Wetter, ich bin vollkommen alleine. Ich mache einige Fotos und Selfies rufe meine Frau per Whatsapp an. Dann bereite ich die Drohne vor und mache einige Videos und Fotos mit der Drohne. Nach etwa einer Stunde wird es Zeit den letzten Schlag für den heutigen Tag zu machen. Törehamn soll ein sehr unschöner Hafen sein und kaum jemand bleibt dort. Deshalb hatte ich mir im Vorfeld den Töre Båtklubb herausgesucht. Der liegt an einer Schäre die nur 9 sm südlich von Töre liegt. Das mache ich aber unter Motor denn der Wind kommt weiterhin aus Süd mit etwa 10 Knoten. Da habe ich jetzt keine Lust gegenan zu kreuzen.

Ich sehe dort einige Boote liegen und beim Anlegen kommt ein Schwede um dabei zu helfen. Er ist vom Töre Båtklubb und sie feiern hier miteinander Mittsommer. Er sagt mir: an Mittsommer kann man hier die ganze Nacht die Sonne ganz knapp über dem Horizont sehen. Nur leider ist es jetzt am Horizont bewölkt weshalb dieses Naturschauspiel verborgen bleibt.

Töre Båtklubb
Abendessen…

In der Grillhütte brennt noch das Feuer und es hat gut Glut. Deshalb richte ich schnell etwas für den Grill und einen Tomatensalat. Mit meinem Essen sitze ich auf dem Steg mit Blick Richtung Mitternachtssonne. Der Tag könnte kaum schöner enden.

Aussicht beim Abendessen

Morgen kommt das zweite Ziel – Haparanda. Wind- und Wetteraussichten sind weiterhin gut. Der Wind kommt weiterhin aus Süd. Es gibt nur eine Gewitterwarnung des SMHI für den späten Nachmittag und Abend. Doch bei dem Wind sollte die 33 sm gut bis zum Nachmittag zu schaffen sein.

Haparanda – geschafft…

Samstag, 20.06.2026

Ganz unerwartet ist es am Morgen bedeckt und es nieselt etwas. Eigentlich sollte trocken bleiben. Ich schaue mir den aktuellen Regenradar an. Es sieht nicht schlimm aus und gegen Mittag sollte alles durch sein. Also lege ich wie geplant gegen 10 Uhr ab – ich bin ja wasserfest… Aber Spaß sieht anders aus. Vielleicht kommt er noch.

Der Wind kommt auch nicht ganz so wie erwartet, eigentlich zu sehr aus Ost. Erwartet hatten ich und Orca Südost bzw. Südsüdost. Zwischen den Schären ist der Wind sehr böig mit bis zu 17 Knoten weshalb ich es erst einmal beim Großsegel belasse. Die Geschwindigkeit ist für mich so auch erst einmal o.k. – etwa 4 Knoten. Später geht es raus auf die offene Ostsee und da kann ich dann abfallen auf Halbwind- bzw. Raumwindkurs. Da kann ich die Zeit sicher aufholen. Als es auf Stelle etwas in der Windabdeckung einer Schäre zugeht, sehe ich ein anderes Segelboot hinter mir – ohne AIS, also nicht zu sehen auf dem Plotter. Ich lasse mich nicht aus der Ruhe bringen – er kann gerne schneller sein als ich.

Als das Boot näher kommt denke ich: „das wird doch nicht Schröder sein..?“ Tatsache, es ist Schröder. Er hat inzwischen das Segel eingepackt und seinen 9,9 PS Außenborder angeworfen. Ich versuche es trotzdem weiter unter Segel und Schröder zieht an mir vorbei – es wird freundlich gewunken.

Als es raus auf die Ostsee geht kann ich abfallen und die Fock ausrollen

Doch dann geht die Windgeschwindigkeit zurück und die Logge fällt auf unter 2 Knoten. Das macht keinen Sinn. Also werfe auch ich den Motor an und nach einiger Zeit ziehe ich mit meinen 9 PS an ihm vorbei (ich gebe zu, ich habe das Großsegel stehen gelassen). An der Landspitze, an der es dann raus auf die Ostsee geht, trennen sich unsere Wege langsam. Schröder ist inzwischen weit hinter mir. Für mich geht es Richtung Nordost nach Haparanda. Ich kenne sein Ziel nicht aber er bleibt auf Kurs Ost. Jetzt, da ich abfallen konnte, kann ich den Motor ausmachen und die Fock rausziehen und es läuft mit gut 5 Knoten. Aber auch heute ist es kein Tag zum Ausruhen. Immer wieder muss ich genau navigieren wegen Untiefen und wechselndem Wind. Der Wind hat jetzt langsam immer mehr auf Süd gedreht und dreht sogar etwas weiter Richtung Südsüdost. Das ist mir überhaupt nicht recht. Denn später muss ich durch eine Engstelle und die verläuft Richtung Nordost. Es hat ordentlich Welle, knapp 1 Meter misst die Messboje. Ab und an zieht der Wind auf 20 Knoten an, nicht gut. Und Miss Sophie surft auch zeitweise mal wieder etwas auf den Wellen.

Mein Notfall-Plan, falls der Wind an der Stelle zu sehr von hinten kommt, sieht vor, davor die Fock zu bergen. Aber der Wind dreht wieder etwas Richtung Süd und schwächt wieder etwas ab auf 15 Knoten. Die Stelle lässt sich problemlos segeln.

Im Haparanda Archipel ist die Welle weg

Ins Haparanda Archipel geht es dann auf Vorwindkurs (der Wind kommt von hinten). Deshalb berge ich kurz davor die Fock. Die macht jetzt eh keinen Sinn und ich muss noch ein paar Halsen fahren. Je mehr ich in das Archipel hinein komme, desto mehr verschwindet die Welle und es wird richtig angenehmes Segeln. Der Wind wird jetzt auch ausgebremst und fällt auf unter 10 Knoten. Ich komme mir fast vor wie am Bodensee. Im Leichtwind mit 3 Knoten ziehe ich dahin. Der (für meine Verhältnisse) sehr gute Schnitt von 4,8 Knoten sinkt kontinuierlich. Dann, kurz vor Haparanda Hamn, heißt es Großsegel bergen und unter Motor hinein in den Hafen.

Es gibt eine Ansteuerung an Land die knapp an einer Untiefe von 2 Meter vorbei führt. Ich halte vorsichtshalber etwas mehr Abstand auch wenn ich damit nicht der „offiziellen“ Ansteuerung folge. Auch kurz vor dem Hafen hat es noch eine Untiefe die man beachten sollte. Dann ist alles schön durch grün/rote „Stöckchen“ markiert.

Festgemacht – Haparanda Hann

Am Gästesteg liegt nur ein finnisches Motorboot. Hier macht man längsseits fest was mir, einhand, immer sehr entgegenkommt. Dann geht es in das legendäre Clubhaus. Hier hängen unzähliger Wimpel verschiedener Segler die hier angelegt haben – dafür ist Haparanda bekannt. Wer die Ostseerunde macht, besucht sehr wahrscheinlich auch Haparanda. In Töre gibt es keine Möglichkeit sein „Da gewesen zu sein“ zu markieren. Auch ich hänge den Wimpel meines Segelclubs auf und schaue mir die unterschiedlichen Wimpel an. Ich entdecke nur einen weiteren vom Bodensee. Aber wahrscheinlich bin ich der erste, der mit eigenem Boot vom Bodensee Haparanda erreicht hat. Damit ist mein zweites Ziel erreicht.

Das dritte Ziel ist es nun, das Boot sicher und „in time“, also Anfang September, nach Kröslin zu bringen. Ich freue mich jetzt auf Finnland und auf den Süden (mit hoffentlich wärmeren Temperaturen).

Das Clubhaus Haparanda Hamn
Da hängt mein Wimpel zwischen unzähligen anderen…

P.S. Die Stadt Haparanda liegt am Torneälv (ein 410 km langer Fluss) der hier die Grenze zu Finnland bildet.

Noch einen Tag abwettern

Sonntag, 7. Juni 2026

Der Kollege aus Braunschweig, der Mitte Juli zurück in Stockholm sein möchte, ist gestern früh morgens weiter gezogen. Ohne Wind, wohl nur unter Motor. Das nur unter dem Zeitdruck Mitte Juli in Stockholm zu sein und die große Ostseerunde machen zu wollen. Meins wäre das derzeit nicht – aber man weiß nicht was kommt. Vielleicht komme ich auch noch unter Zeitdruck.

Der Regen hat dann gestern gegen Mittag wie angekündigt eingesetzt. Jedoch ohne Gewitter. Am Vormittag war es noch trocken und ich klebe noch einmal Gafa-Tape über meinen Deckslüfter. Denn die Tage hatte es nach Regen wieder ins Boot getropft. Jetzt scheint es endlich trocken zu sein.

Orca nütze ich auf dem iPad für das Routing unter der Berücksichtigung der aktuellen Windprognosen

Ich nütze die Zeit, verschiedene Häfen und Ankermöglichkeiten in Orca zu übertragen. Orca ist meine zweite Navigations-App, die ich auf dem iPad nütze. Die Seekarten sind nicht sonderlich gut aber ich nütze sie für das Routing. Zusätzlich habe ich noch die Hamnguiden (Hafenführer) für die schwedische Ostküste auf dem iPad. Doch was ich jetzt erst realisierte: Die Hamnguiden enden bei Örsnköldvik. Das war immer sehr hilfreich da die Hamnguiden detaillierte Informationen zu den jeweiligen Häfen oder Ankermöglichkeiten bieten wie einen Ausschnitt der Seekarte, zu beachtende Untiefen, Sehenswertes, Infrastruktur usw.

Unter guten Voraussetzungen denke ich Örnsköldvik in zwei Tagen zu erreichen. Das ist der Plan. Mittwoch soll es voraussichtlich noch einmal den ganzen Tag regnen. D.h. in Örnsköldvik werde ich noch einmal gut Vorräte auffüllen denn der nächste Stopp dafür wird wohl erst Luleå sein.

Ein langer Tag….

Montag, 8. Juni 2026

Alles schläft im Hafen um 6 Uhr morgens

Im Hafen ist noch alles ruhig früh morgens um kurz vor 6 Uhr. Die Sonne scheint schon kräftig, strahlend blauer Himmel. Aber selbst dies scheint nach 3 Tagen mit durchwachsenem Wetter kaum jemand aus den Kojen zu treiben. Die Finnen sind bereits gestern weitergezogen. Ich mache mir zwei Kaffee und esse einen Müsliriegel. Hier in Schweden gibt es die „Flap Jack“. Das ist wie eine Mahlzeit. Dann mache ich los. Im Sund hat es noch leichte Nebelschwaden. Das Wasser ist spiegelglatt. Das Wetter soll heute gut sein und Windy und Orca setzen auf ausreichend achterlichen Wind aus Südost.

Doch auch draußen, raus aus dem Sund, ist nichts mit Wind. Gerade einmal 5 Knoten aber dafür jetzt etwas Welle. Und wieder einmal kommt der wenige Wind aus der falschen Richtung. Egal. Ich möchte Örnsköldvik erreichen also muss ich jetzt da durch. Hinter mir, näher am Festland, sehe ich zwei andere Segler auf dem Plotter die noch segeln – gegenan. Obwohl mit 10 Meter Länge, einiges größer als mein Boot, mit gerade einmal 3,5 Knoten. Aber irgendwann müssen auch sie die Segel streichen und den Motor anwerfen. Einer dreht recht bald ab in eine Bucht. Hat wohl keine Lust zu motoren. Der andere begleitet mich noch eine ganze Weile und biegt nach der Insel Härnön zum Naturhafen Lustholmen ab. Dort war ich auch im letzten Jahr – sehr schönes Fleckchen.

Gerade als er abgebogen war, dreht der Wind und frischt auf. Endlich – nach 7 Stunden Motor Segel setzen. Raumschots geht es mit etwa 5 Knoten voran. Die Welle ist bei dem Wind auszuhalten. Johann, mein Pinnenpilot macht seinen Job und ich kann etwas dösen. Das geht so etwa 2 1/2 Stunden gut bis plötzlich, wie aus dem Nichts, der Wind schwach wird und auf Südsüdost dreht. Also genau von hinten. Mit der Welle schlägt der Großbaum hin und her und Johann weiß nicht mehr was er steuern soll. Mist. Also Segel wieder runter und Motor wieder an. Noch zwei Stunden bis Barstahamn – meinem Tagesziel.

Barstahamn hatte ich schon im letzten Jahr auf meiner Bucket Liste, hatte mich dann jedoch für Bönhamn entschieden. Die beiden Häfen liegen nur wenige Seemeilen auseinander weshalb es wenig Sinn macht, diese hintereinander zu machen – außer man hat extrem viel Zeit.

Der Hamnguiden (mein schwedischer Hafenführer) meint, dass der Schwell in die Bucht reichen kann, wenn der Wind aus Südost kommt. Doch mittlerweile hat der Wind wieder etwas gedreht und ich möchte es versuchen. Nach den ersten vorgelagerten Inseln lässt der Schwell nach und das Wasser ist ruhig. Es sollten keine Schwierigkeiten beim Anlegen zu erwarten sein. Wie erwartet ist der kleine Hafen leer. Wobei, ich war und bin ja immer noch überrascht darüber, um diese Zeit hier so viele Segler zu sehen – im Vergleich zum letzten Jahr.

Festgemacht in Barstahamn

Am frühen Abend ist es so warm, dass ich im T-Shirt hier sitze und das Anlegerbier öffne.

Für morgen erwarte ich noch weniger Wind und Mittwoch soll es regnen. Also wird das morgen wieder ein Tag für Otto – Otto ist meine Einbaumaschine. 1 Zylinder, 9 PS.

Noch einmal ein Motor-Tag

Dienstag, 9. Juni 2026

Es war schwacher Wind für heute angekündigt. In das Hafenbecken (sofern man das so nennen kann) blies der Wind jedoch mit etwa 7 Knoten hinein und ich hatte Mühe Miss Sophie zu befreien. Ich hatte längsseits festgemacht da ich alleine war und ich musste das Boot relativ weit nach hinten verlegen da sonst mein Landstromkabel nicht bis zum Verteiler gereicht hätte. Zudem hatte ich in der Nacht gespürt, dass ich gerade so mit dem Kiel aufsaß. Also wenn einmal ein paar Wellen ins Hafenbecken drängten. Weiter nach hinten durfte ich also nicht – sonst hätte ich ein größeres Problem gehabt.

Barstahamn im Rückspiegel

Aber mit etwas Motorunterstützung bekam ich Miss Sophie schließlich frei und raus. Zuerst ging es zwischen ein paar Inseln etwas enger hindurch und an Bönhamn vorbei. Dort war ich letztes Jahr zwei Tage. Auch nett, eigentlich netter als Barstahamn – finde ich. Der erhoffte Wind, den ich noch im Hafen hatte, blieb dann draußen aus. Etwa 5 Knoten und wieder einmal aus Nordost. Zwischenzeitlich prüfte ich noch den Seewetterbericht von SMHI. Wind aus SO, etwa 4 – 7 Knoten am Nachmittag zunehmend. Das einzige was stimmte war die Windstärke. Die blieb dann aber auch so für den ganzen Tag. D.h. nicht ganz – vor Trysunda drehte der Wind mal Richtung Ost und hatte eine annehmbare Stärke – knapp 10 Knoten. Also zog ich hoffnungsvoll das Großsegel hoch. Doch kaum hatte ich das Segel oben, schlief der Wind wieder ein. Es ist wirklich verhext. Eine Weile fahre ich mit Motor und hochgezogenem Großsegel, das genau im Wind flattert. Es hilft nichts – ich muss das Segel wieder herunterholen.

Ich fahre weiter unter Motor zwischen den Schären hindurch. Dabei fahre ich an einigen Orten vorbei, die ich letztes Jahr besucht hatte. Bönhamn, Ulvohamn, Trysunda… Aber da hatte ich viel Zeit – jetzt bin ich etwas unter Zeitdruck denn das Ziel Haparanda steht noch. In Örnsköldvik wird die Rechnung gemacht…

Nach 7 Stunden erreiche ich schließlich Örnsköldvik. Das war im letzten Jahr der nördlichste Punkt, den ich auf meiner Reise erreicht hatte. Jetzt beginnt dann Neuland für mich.

Festgemacht in Örnsköldvik – wieder alleine…
Same procedure as last year…. Miss Sophie zwischen Glas und Flasche im Hintergrund

Morgen Vormittag soll es regnen aber ab Nachmittag wieder trocken sein. Das passt in meinen Plan denn ich wollte hier noch einmal die Vorräte auffrischen denn ab jetzt wird es dünn mit größeren Ortschaften oder Städten.

Zwischenfazit

Ich hatte mir als erstes Ziel gegeben, zügig in Örnsköldvik zu sein – meinem Umkehrpunkt im letzten Jahr. Hier wollte ich sehen wie ich zeitlich liege und entscheiden ob es weiter Richtung Haparanda oder zurück gehen soll. Ich hatte grob überschlagen, mit wieviel Seemeilen ich in Summe am Ende rechnen müsste – das sollten ca. 1700 sm sein. Im letzten Jahr hatte ich teilweise gemütlich und mit technischen Problemen 1500 sm gemacht.

Wie im vergangenen Jahr habe ich ca. 100 Tage Zeit (wobei „Zeit“ im Juli/August wieder relativ ist, da Workation). Im letzten Jahr hatte ich etwas mehr als 60 Segeltage. Dabei hatte ich jedoch zweimal technische Probleme und nach der Entscheidung, Haparanda fallen zu lassen, hatte ich es gemütlich angehen lassen.

Start und Ziel – etwa 830 sm von Örnsköldvik nach Öregrund. Die abgekürzte Ostseerunde

Bisher habe ich einen Schnitt von 30 sm je Segeltag. Wenn ich den Schnitt halten kann, sollte ich bei 65 Segeltagen 1900 sm machen können. Vor einigen Tagen habe ich noch etwas gelächelt über den Kollegen aus Deutschland mit einem etwas kleinerem Boot, der die große Ostseerunde machen und Mitte Juli zurück in Stockholm sein möchte. Doch inzwischen denke ich, dass das auch für mich nicht so abwegig ist. Zumindest in Öregrund sollte ich Mitte Juli sein. Wenn ich das einmal auf der Karte grob abstecke sind es ca. 830 sm von hier bis Öregund – nach meinem Plan. Bis Mitte Juli sind es 30 Tage – 20 Segeltage netto. Dann komme ich wieder auf den Schnitt von 30 sm je Segeltag. Das sind solche Rechnungen, die ich alle paar Tage mache. Das Ziel ist und bleibt ambitioniert.

Mein Problem: Ich kann kaum schneller, ich kann kaum mehr. Das Problem ist die Größe des Bootes. Mit meinen 28 Fuß (8,20 Meter) bin ich hier der kleinste. Die meisten Segelboote sind 37 Fuß und größer. Das sind 2,5 Meter mehr Länge (und mehr) als mein Boot. Es gibt eine einfache Redensart: „Länge läuft“. Mit zwei Worten wird ein physikalisches Gesetz aller Verdränger beschrieben. Während die anderen unter Motor und unter Segel locker 6 bis 7 Knoten machen, mache ich einen Schnitt von etwa 4,5 Knoten – wenn es gut läuft.

Es läuft wieder nicht wie geplant…

Mittwoch, 10. Juni 2026

Die Wettervorhersage kündigt Regen an der bis Mittag aufhören soll. Die Wind soll dann moderat – etwa 20 Knoten betragen. Der Regen ist dann tatsächlich gegen Mittag weg. Doch der Wind nimmt mehr und mehr zu. Hier im Hafen messe ich bis 25 Knoten. Draußen hat es wohl Böen bis 30 Knoten. Auf dem AIS sehe ich ein Segelboot am Eingang des Sunds. Ich gehe erst einmal duschen und einkaufen.

Als ich zurückkomme sehe ich ein finnisches Paar an einer Heckboje kämpfen. Die Frau ist bereits auf dem Steg und er wirft ihr eine Leine zu. Aber bei dem starken Seitenwind bekommen sie das Boot nicht an den Steg. Ich komme um zu helfen. Mit vereinten Kräften schaffen wir es den Bug Stück für Stück an den Steg zu bringen.

Die Frau sagt mir, dass es draußen sehr hohe Wellen gehabt hätte. Die Messboje Bothnia Sea meldet 1,8 Meter.

Es ist ähnlich wie im letzten Jahr als ich hier war. Da war auch so ein Starkwindtag der die Wellen über den Schwimmsteg schwappen lies. Für morgen sieht es besser aus und ich werde morgen versuchen Meilen zu machen.

Ein genialer Segeltag – auf nach Umeå

Donnerstag, 13. Juni 2026

Dass es so gut laufen sollte, hatte ich mich nicht gewagt zu träumen. Optimisch hatte ich trotzdem einmal Umeå als Ziel im Orca eingegeben. Abbrechen konnte ich immer noch. Wind aus Süd mit Windstärke 10 Knoten (plus) war angekündigt. Früh am Morgen ging es raus aus dem Sund von Örnsköldvik, natürlich unter Motor denn der Sund ist Richtung SO bzw. NW ausgerichtet (mit einer Stelle an der es genau Richtung Süd geht).

Alle einsteigen – die Segel sind gesetzt, die Fahrt kann beginnen

Nachdem ich raus aus dem Sund war, schon in Höhe Skeppsmalen, konnte ich die Segel hochziehen. 10 Knoten wie angekündigt und zuerst ging es ein Stück auf Halbwind – da läuft das Boot am besten. Dann musste ich mehr und mehr abfallen Richtung Nordost. Aber die Vorhersage hielt was sie versprochen hatte und es ging gut mit 5 Knoten voran. Nur einmal lies der Wind etwas nach und ich hatte schon Sorge wieder einmal nicht zutreffenden Vorhersagen aufzusitzen. Doch dann zog der Wind an und Miss Sophie beschleunigte. 5 bis 6 Knoten mit gut auszuhaltender Welle. Als 15 Knoten auf der Windanzeige standen, wurde ich schon etwas unruhig. Mehr sollten es jetzt nicht werden denn ich hatte kein Reff im Großesgel – also die volle Segelfläche. Einige Male sprang die SOG (Speed over Ground) Anzeige über 6,5 Knoten. Ich hatte keine Lust zu surfen – damit habe ich keine guten Erfahrungen gemacht. Aber es pendelte sich dann ein und ging flott dahin. Ich konnte es mir wieder gemütlich machen und alle 10 bis 15 Minuten Ausguck halten.

Ein „Fairway Maintenance“ Boot (wahrscheinlich schauen sie nach den Tonnen im Fahrwasser) kam mir entgegen, wich mir aber aus. Plötzlich sah ich vorab auf Backbord ein kleines Segelboot. Er segelte nur mit der Genua und auch weil das Boot etwas kleiner war als meines zog ich relativ zügig an ihm vorbei.

Zwischenzeitlich hatte ich etwas Hunger. Der Wind lies langsam nach wie es für den Abend angekündigt war. Da das Boot relativ stabil lief, nur ab und an eine etwas höhere Welle störte, setzte ich einen Topf mit Wasser auf und holte eines der Travel-Menüs aus der Backskiste. Für solche Situation finde ich diese genial. Einfach mit heißem Wasser aufgießen, Beutel wieder verschließen und 10 Minuten ziehen lassen. Und schon hat man eine warme, kraftvolle Nahrung. Bis ich gegessen hatte, hatte der Wind weiter nachgelassen und die Geschwindigkeit sank auf unter 3 Knoten. Auch wenn es gerade nicht mehr richtig dunkel wird, hatte ich keine Lust spät in der Nacht im Hafen anzukommen. Zudem bei nachlassender Geschwindigkeit die Welle zunehmend nervt.

Also beschließe ich die Segel herunter zu holen und den Motor anzuwerfen. Als ich das Großsegel berge staune ich nicht schlecht – die „Zitrone“ das kleinere Segelboot welches ich vor einiger Zeit überholt hatte und noch kaum sichtbar war, stand fast hinter mir. Er hatte wohl schon früher den Motor angeworfen und war als Motorsegler unterwegs.

Aber bald hatte ich dann doch wieder Abstand gewonnen und nahm jetzt direkten Kurs auf die Einfahrt nach Umeå. Auf dem Plotter und in etwas Entfernung sah ich eine Fähre mit hoher Geschwindigkeit. „VASAUMEAVASA“ wurde auf dem Plotter angezeigt. Also eine Fähre die zwischen Vasa (Finnland) und Umeå verkehrt. Mich störte sie nicht denn diesen Fairway sollte ich nicht nehmen. Es ging zuerst etwas eng zwischen ein paar vorgelagerte Inseln hindurch und damit war die Welle auch weg und das Wasser glatt. Eigentlich hätte ich den kurzen Weg außerhalb des Fahrwassers nehmen können. Doch immer wieder zwingen mich ausgelegte Fischernetze den Umweg Richtung Fahrwasser zu nehmen. Und dort kommt mir jetzt ein Frachtschiff entgegen. Aber da ich am Rand des Fahrwassers, knapp außerhalb davon bin, kommen wir problemlos aneinander vorbei.

Nach 12,5 Stunden und knapp 60 sm habe ich den Umeå Segelsällskap erreicht. Im Bredvik Gästhamn finde ich die Gästeplätze, die alle leer sind. Ich gehe zum Clubhaus um Informationen zur Bezahlung und zum Zugang der sanitären Einrichtungen zu finden. Ein Schwede mit gelber Warnweste kommt daher. Er hat Nacht- bzw. Wachdienst. Er sagt mir, dass sie das zweimal im Jahr machen müssen. Er erklärt mir alles, gibt mir einen Zugangsschlüssel und auch noch ein Schlüssel für ein Fahrradschloss, für den Fall dass ich mit einem der Fahrräder am nächsten Tag in den Ort fahren möchte. Alles fein hier, nicht Schnicki-Micki aber gemütlich und sehr ordentlich.

Morgen soll es die meiste Zeit regnen weshalb ich gleich geplant habe, zwei Tage hier zu bleiben. Und dann mal sehen was am Samstag geht…

Jetzt wird es kitschig – es geht auf Mittsommer zu

Regentag im Umeå Segelsällskap

Freitag, 12. Juni 2026

Der Regentag heute kam nicht überraschend. Das war mit ein Grund dafür, die guten Bedingungen gestern zu nützen und einen langen Schlag zu machen. Ich nütze den Tag weiter zu planen. Morgen sollte ich noch einmal einen guten Schlag machen können – Wind und Wetter sollten passen. Dann muss ich mir einen Hafen suchen der gut gegen Nord geschützt ist. Am Sonntag wird ein Sturmtief durchziehen das für Starkwind sorgt.

Sonntag wird es wohl sehr windig

Töre sollte ich dann in vier weiteren Etappen erreichen wobei ich sehen muss wie es nächste Woche läuft denn der Wind soll auf Nord drehen und insgesamt wird das Wetter etwas unsicher.

Am Abend koche ich mir Spaghetti Bolognese in der Küche des Clubheims. Die Bolognesesauce sollte für zwei weitere Portionen reichen und somit wandert der Rest in die Kühlbox. Denn die nächsten Möglichkeiten anzulegen sehen weder Landstrom noch Gastronomie vor. Und sollte es eine Gastronomie in der Nähe haben: Die Saison hat hier (Mitte Juni) noch immer nicht begonnen. D.h. die Gastronomie außerhalb, an typischen Sommerplätzen, ist hier im hohen Norden immer noch geschlossen. Die meisten Schweden haben ab Mittsommer Ferien – dann beginnen die Schulferien die bis Ende August gehen.

Trotzdem ein guter Tag

Samstag, 13. Juni 2026

Wie jeden Abend vor einem Segeltag habe ich die aktuellen Wind- und Wetterprognosen am Vorabend studiert. Die Prognosen schienen so gut, dass der Bjuröklubb Hafen möglich schien. Das wären zwar etwa 60 sm (neuer Rekord), aber machbar. Dabei ging Orca aber von etwa 15 Knoten Raumwind aus.

Jedenfalls stand ich früh auf, denn es könnte ja ein langer Tag werden. Schlüssel für das Clubhaus abgegeben, alles seefertig gemacht und los ging es um etwa 7.30 Uhr. Erst einmal wieder durch die vorgelagerten Inseln hindurch. Wie bei der Einfahrt verwehrten Fischernetze den kürzesten Weg und ich musste eine ungewollte Kurve machen. Diesmal war jedoch auch der Fischer da, der mir (dankend?) zuwinkte.

Umeå erscheint vor allem als Industriestadt

Als ich das Fahrwasser der Fähre Umeå – Vasa gequert hatte (die zum Glück gerade nicht in die Quere kam) und „draußen“ war, trat Ernüchterung ein. Wind etwa 7 bis 8 Knoten. Aber wenigstens aus der richtigen Richtung – Südsüdost. Also Segel gesetzt und auf Raumwind- bzw. fast Vorwindkurs ging es immerhin mit etwa 4 Knoten voran. Dankbarerweise hatte es so gut wie keine Welle so dass die Segel recht gut standen.

Aber meine berechnete Ankunftszeit verschob sich mehr und mehr Richtung Mitternacht. Dabei berechnet Orca die Ankunftszeit wie jede andere Navigationssoftware – nach der aktuellen Geschwindigkeit. Ich studiere noch einmal Windy und die Seewettervorhersage. Gegen 22 Uhr soll der Wind schwach werden und schließlich auf Nord drehen.

Nur 4,3 Knoten – das ist zu wenig

Ich schaue mir das noch eine Weile an, hoffe immer noch, dass der Wind anzieht. Aber ich muss schließlich eingestehen, dass das keinen Sinn macht. Das ist auch zu riskant. Nach Mitternacht rückt dann der Starkwind aus Nord an. Die Helligkeit wäre nicht das Problem – es wird ja nicht mehr dunkel. Ich hatte schon Alternativen geplant da ich wusste, dass dazu die Bedingungen wirklich ideal sein müssten. Also plante ich um auf Sikeå. Neu berechnete Ankunftszeit etwa 18.30 Uhr. Das ist auch gut. Dann kann ich noch in Ruhe essen und vor allem: alles sturmfest machen. Der Hafen soll zwar gut geschützt sein gegen Nordwind aber hier ist ringsum alles flach – kaum eine Erhöhung, die man einen Hügel nennen könnte.

Raumwindkurs

Zwischenzeitlich hatte der Wind dann doch etwas zugenommen und ich musste die erste Halse planen. Entgegen der Planung von Orca schaffte ich es an der Insel Holmön noch ohne Halse vorbei. Doch bald zwang mich eine Untiefe nun doch die ungeliebte Halse zu machen. Einhand ist das (oder scheint mir) immer etwas schwieriger als eine Wende. Inzwischen mache ich es in der Regel so, dass ich davor zuerst die Fock einrolle damit ich mich auf das Großsegel konzentrieren kann. Also Halse gemacht, Fock wieder ausgerollt und weiter geht es. Inzwischen hat der Wind etwas gedreht so dass ich sogar die Hoffnung habe, mit nur noch einer Halse bis Sikeå durchzukommen. Ich kann es mir bequem machen und döse etwas. Weit und breit ist nichts zu sehen. Nur zwei Rettungsschiffe brettern an mir mit 30 Knoten in einiger Entfernung vorbei.

Ich kann es mir bequem machen….

Doch dann dreht der Wind wieder etwas – diesmal in die ungünstigere Richtung und ich muss zwei weitere zusätzliche Halsen machen. Vor der Einfahrt nach Sikeå werfe ich den Motor an und berge die Segel. Die Einfahrt ist unkompliziert. Ich frage mich nur, ob es im Hafenbecken tief genug ist und schaue ob ich Segelmasten hinter den Birken sehe, die den direkten Blick verwehren. Da sehe ich einen Mast bei dem ich denke „den Mast kenne ich doch“. Er ist deshalb auffallend, weil er im Top einen quadratischen Radarreflektor hat – das hatte ich noch nie gesehen. Und tatsächlich – „Schröder“, der Kollege aus Braunschweig der die große Ostseerunde machen möchte und Mitte Juli in Stockholm sein muss, liegt hier.

Festgemacht in Sikeå

Selbstverständlich springt er heraus und hilft beim Anlegen an der Heckboje. „Dich hätte ich jetzt in Haparanda vermutet“, meine ich. Er hat wohl auch einige Tage abgewettert und kam nicht schneller voran.

Nachdem ich alles sturmfest, die Heckboje mit Hilfe der Winsch noch einmal extra dicht geholt und gegessen habe, lasse ich zum ersten Mal in Schweden die Drohne starten und mache ein Video (Die Videos vom letzten Jahr findet man auf Youtube).

So, nun habe ich wieder einen Tag an dem ich planen und Gedankenspiele machen kann. Haparanda rückt langsam in greifbare Nähe…

Die Ruhe vor dem Sturm…

Richtung Kuggören und zurück

Sonntag, 31.05.2026

Was ein Tag… Zuerst – der Schwede, von dem ich zuletzt erzählt hatte, wollte ja noch nach einem Schlauchverbinder schauen. Ich hatte ihm am Vorabend gesagt dass er ja schauen kann ob ich noch da bin und ggf. kann ich ihm noch helfen den Schlauchverbinder zu montieren. Doch am Morgen ist es ruhig an meinem Boot.

So gehe ich einmal vor um zu schauen ob er klar kommt. Ein anderer Schwede kommt von Bord. Er hatte ihm geholfen den Kraftstoffschlauch zu tauschen da wohl kein Schlauchverbinder aufzutreiben war. Er möchte wohl erst einmal ohne Vorfilter fahren. Aber jetzt hing er am Kraftstofffilter der zwar gelöst war, aber sich nicht abziehen lassen wollte da das bei diesem alten Yanmar Motor unglücklich eng verbaut ist. Ich versuche mein Glück und bekomme das Gehäuse abgezogen. Dabei fliegt jedoch die Überwurfschraube klappernd in die Bilge. Der Motor ist bei diesem Boot so bescheiden verbaut, dass man nicht mit einem Arm in den Raum unter den Motor kommt. Die Überwurfschraube ist erst nicht zu sehen. Ich versuche es von der anderen Seite von der Plicht. Schließlich kann ich das begehrte Stück entdecken. Mit einem Teleskopstab kann ich das Teil heranziehen und retten. Jetzt kann der neue Filter montiert werden (wobei das Filtergehäuse zuvor mit etwas Diesel gefüllt wird). Dann noch den Kraftstoffschlauch fertig montieren. Ich erkläre ihm das es wichtig ist, den Motor jetzt zu entlüften da er einiges an Luft im System hat – u.a. vom neuen Kraftstoffschlauch.

Und als Dankeschön bekomme ich neben einigen Dosen Bier – tarara – einen Bootshaken 🙂

In der Backskiste des Schweden den Schlauch montieren
Im Sund ist es noch schönes Segeln auf Halbwind-Kurs

Jetzt, nach einer gründlichen Wäsche der Hände und Arme, kann es für mich endlich losgehen. Das Wetter sieht bestens aus. Strahlend blauer Himmel und ein leichter Wind. Im Sund von Hudiksvall segelt es sich herrlich. Ich kann sogar das engere Fahrwasser mit den Untiefen links und rechts hindurch segeln. Doch dann komme ich um die Ecke der Halbinsel Lövsalen und es sollte jetzt Richtung Nord gehen. Ich hatte auf einem Am-Wind-Kurs gehofft. Doch plötzlich verkehrte Welt – Wind (mit 17 Knoten) und Welle kommen genau von vorne, der Richtung in die ich muss. Selbst kreuzen macht keinen Sinn, ich laufe keine Höhe. Und dazu kommt noch Nebel auf. Es hilft nichts – obwohl ich 2/3 der Strecke geschafft habe, muss ich abbrechen.

Nachdem ich wieder zurück um das Eck bin, ist es deutlich ruhiger. Ich bin in der Abschattung der Landmasse. Aber es ist deutlich kälter geworden. Wäre es wärmer, würde ich jetzt vielleicht nach einem Ankerplatz Ausschau halten. Aber ich habe im Moment nicht im Kopf, wie das Wetter am nächsten Tag sein soll. Außerdem kommt der Dunst jetzt auch von Süden. Ich will einfach nur zurück nach Hudiksvall. Landstrom, Heizung und den Stresslevel herunterfahren. Der Wind hat wohl zwischenzeitlich etwas gedreht denn jetzt fahre ich einen Am-Wind-Kurs. Aber noch einmal umdrehen und es darauf ankommen lassen möchte ich nicht. Wenn es so weiter läuft bin ich um 21 Uhr am Gästesteg. 27 Seemeilen für nichts… Aber besser im sicheren Hafen als ganz großes Drama. Für morgen sieht es besser aus – der Wind soll auf Ost drehen.

Zu Wind und Welle (hier nicht mehr zu sehen) kam dann noch Seenebel

Mit achterlichem Wind durch den Nebel

Montag, 1. Juni 2026

Der Wind und Wetterbericht für heute ist gut – weitgehend gut. SMHI (Das Schwedische Meteorologische und Hydrologische Institut) kündigt etwas Nebel an. In Hudiksvall ist am morgen strahlend blauer Himmel. Der Wind soll auf Südost drehen – also ideal um Richtung Norden zu kommen. Doch zuerst kommt er aus Ost. D.h. unter Motor raus aus dem Sund. Das ist immer wieder der Nachteil: Die Städte liegen meistens tief in einem Sund. D.h. Sund rein, Sund raus. Das kostet jedes Mal viel Zeit. Im Fall heute bedeutet es 3 Stunden unter Motor bis ich endlich draußen auf der Ostsee bin und einen neuen Kurs habe.

Tschüss Hudiksvall – unter Motor geht es raus aus dem Sund

Und sogleich läuft es auch – mit schönem, raumen Wind mache ich 5 Knoten Fahrt. Und ja, es hat Nebel. Die Sichtweite beträgt etwa 500 Meter, also kein ganz dichter Nebel. An der Reling bilden sich Nebeltropfen. Ich stelle den Pinnenpiloten ein und versuche es mir gemütlich zu machen, soweit das bei der Kälte geht. Ich möchte den idealen Wind ausnützen und Kuggören diesmal links liegen lassen. Doch nach Kuggören kämpfe ich etwas mit Wind und Kurs. Der Wind dreht zunehmend auf Südsüdost und ich bekomme ihn damit zunehmend mehr direkt von hinten was nicht so ideal ist. Zum einen flattert dann die Fock lustlos in der Abdeckung des Großsegels und zum anderen muss ich immer wieder aufpassen keine Patenthalse zu riskieren. Dazu muss ich noch zwischen zwei Untiefen hindurch. Zuletzt, eine Stunde vor Stocka, schmeiße ich den Motor an. Bei abnehmendem Wind (unter 10 Knoten) und Welle von hinten macht das keinen Spaß. Und außerdem ist es kalt.

Endlich Segel setzen
Der Kurs ist eingestellt und ich mache es mir bequem
Kurz vor Stocka – etwas Sonne

Wie erwartet bin ich in Stocka vollkommen alleine. Überhaupt ist das eine Anlegestelle, die wohl nicht so stark frequentiert ist. Stocka kenne ich vom letzten Jahr. Kombiniert mit einem Wohnmobil-Stellplatz, kleine aber feine Sanitäranlagen und dazu günstig. In diesem Jahr 150 SEK mit Strom (letztes Jahr noch 120 SEK).

Festgemacht in Stocka

Ein Tag Pause in Stocka

Dienstag, 2. Juni 2026

Ich mache einen Tag Pause in Stocka. Das hat mehrere Gründe… Die Hafengebühr ist hier sehr günstig – 150 SEK mit Strom und die Sanitäranlagen sind ziemlich o.k. Also wird es mal wieder Zeit zu duschen und sich zu rasieren. Ich sehe schon fast aus wie ein Seeräuber. Und in Hudiksvall hatte ich ja keinen Schlüssel für die Sanitäranlagen. Dafür hatte ich keine Hafengebühren bezahlt – die hätte ich ja beim Hafenmeister entrichten müssen.

Ein Tag Pause in Stocka

Der Hauptgrund für die Pause: Ich hatte schon im letzten Jahr Probleme mit meinem B&G Triton2 Display. Nach mehrfachem Ein- und Ausschalten brachte ich es im letzten Jahr zum laufen und schaltete es dann nicht mehr aus. Doch in diesem Jahr lässt es sich nicht mehr starten. Es flackert hell/dunkel – mehr nicht. Ich hatte schon die Tage noch einmal nach den Kabeln geschaut. Doch da lässt sich kein Fehler feststellen. Ich war im letzten Jahr schon mehrfach im Austausch mit dem Support von B&G, der mir nicht weiterhelfen konnte.

Jetzt habe ich ein neues Display bestellt, in Schweden. Ich hatte ja im letzten Jahr Bekanntschaft mit einer Gruppe der Swedish Cruising Association gemacht und war mit einem Mitglied in Kontakt geblieben. Er wohnt bei Sundsvall und wird das Paket annehmen. Nach Sundsvall sind es noch etwa 35 sm. Das kann ich morgen machen. Das Paket sollte am Donnerstag bei ihm ankommen (laut NordPost). So bin ich dann in der Nähe von seinem Wohnort und er wird dann mit dem Motorrad zu mir fahren, um mir das Paket zu bringen.

Das ist jetzt meine letzte Hoffnung. Wenn es dann nicht funktioniert habe ich keine Idee mehr. Und ja, zusätzliche Stromversorgung an das NMEA Netzwerk hatte ich schon im letzten Jahr nahe dem Display gelegt.

Dann schaute ich heute noch einmal nach der Tankanzeige. Also Strom liegt an – daran liegt es wohl nicht. Jetzt bin ich echt etwas ratlos.

Abends gibt es Köttbullar mit Kartoffeln aus der Bordküche

Am späten Nachmittag kommt ein weiterer deutscher Segler an und ich bin echt überrascht. Ich dachte der einzige Verrückte zu sein. Er kommt aus Braunschweig und ist vor 10 Tagen in Stockholm gestartet. Er hat ein kleineres und wesentlich älteres Boot als ich, mit Außenborder und möchte die große Ostseerunde machen. Mitte Juli muss er in zurück in Stockholm sein. Respekt – sehr sportlich mit so einem Boot. Aber andererseits gibt es mir Mut, mein Ziel zu erreichen.

Und noch eine erwähnenswerte Überraschung: Es hat Schnacken (Stechmücken). Das überrascht mich insofern als das ich hier ja ziemlich im Norden bin, es noch relativ kalt ist und auch die Winter kalt und lang sind. Aber die Viecher scheinen alles zu überleben. Und in der Anzahl habe ich sie aus dem letzten Jahr nicht in Erinnerung.

Alle Vorhersagen liegen daneben

Mittwoch, 3. Juni 2026

Für heute war wieder Wind aus Südost vorhergesagt. Also ideal für mein Vorhaben Richtung Norden zu kommen. Also vertrödele ich nicht zu viel Zeit und schaue das ich weg komme. Draußen ist der Wind sehr schwach. O.k. es war vorhergesagt, dass der Wind zunächst schwächer ist und im laufe des Tages zunimmt. Doch die Richtung stimmt nicht. Der Wind kommt aus Nordost, eher sogar aus Nord. Also ist auch kein Am-Wind-Kurs möglich. Ich lasse den Motor erst einmal weiter laufen und erwarte das der Wind zumindest bald dreht. Die Welle ist nicht hoch, aber doof. Nach 2 1/2 Stunden prüfe ich noch einmal Windy. Wind soll aus Südost kommen. Ich prüfe den lokalen Wetterbericht und auch den Seewetterbericht des SMHI – Wind soll aus Südost kommen. Nur der Wind hält sich nicht daran. Jetzt bin ich schon drei Stunden mit Motor unterwegs. Querab liegt auch kein Hafen. Und es hat Nebel.

Also weiter unter Motor. Nach fünf Stunden dreht der Wind endlich und frischt auf. Ich setze die Segel und kann auf schönem Raumwindkurs segeln. Zwischen dem Festland und einer vorgelagerten Insel bildet sich ein Düseneffekt und der Wind frischt so auf, dass ich die Fock weg nehme. Ich muss gleich danach auch eine Halse machen und ein Frachter kommt gerade aus dem Sund heraus. Ich habe kein Reff im Großsegel und das wird mir sonst zu viel. Auch ohne Fock mache ich noch gut 5 Knoten – das reicht mir.

Ich mache die Halse und der Wind lässt langsam wieder nach so dass ich die Fock wieder ausrollen kann. Im Moment läuft es noch ganz gut – erwartete Ankunftszeit 20:15 Uhr. Doch der Wind dreht zunehmend weiter nach Süd so das ich den Wind mehr und mehr von hinten habe. Ich muss wieder aufpassen keine Patenthalse zu machen. Das Risiko wird noch erhöht durch eine unangenehme Kabbelwelle. Dann lässt der Wind auch noch nach. Die berechnete Ankunftszeit verschiebt sich zunehmend nach hinten. Ich berge wieder das Focksegel das nur noch lustlos im Wind schlägt. Geschwindigkeit nur noch 2 Knoten. Mit der Welle macht das keinen Spaß. Also wird wieder der Motor angeworfen. Noch 1 1/2 Stunden bis zum Hafen.

Sundsvall präsentiert sich schon von weitem als weniger schöne Industriestadt. Aber der Hafen macht einen guten Eindruck und – ein ganz wichtiger Punkt der für Sundsvall spricht: Es gibt einen Lidl nur 300 Meter vom Hafen entfernt. D.h. endlich H-Milch. Ich hatte schon im letzten Jahr berichtet, dass man in Schweden nur schwer H-Milch findet. Ich hatte in den letzten Tagen in den verschiedenen Coop und ICA geschaut – keine H-Milch. Kaffee ohne Milch ist für mich nur schwer zu ertragen. Deshalb überbrückte ich mit diesen Soja-Lösungen die sich auch noch Barista nennen. Außerdem brauche ich Kaffee-Nachschub.

Break in Sundsvall

Donnerstag, 4. Juni 2026

Ich unterbreche in Sundsvall. Ich hatte oben erzählt, dass ich jetzt ein neues Triton2 Display in Schweden bestellt hatte. Ich treffe mich mit meinem Freund aus Schweden und er bringt mir das Display an den Hafen. Davor fragt er mich noch, ob ich Diesel brauche. Ja, ich wollte eigentlich hier tanken. Nach 15 Minuten kommt er mit drei 25 Liter Kanistern Diesel, einer Pumpe und dem Display. Hammer…

In den Tank passen aber nur 23 Liter. Ich bin überrascht. Ich bin jetzt etwa 30 Stunden unter Motor gefahren und hätte damit gerechnet das ich etwa 40 Liter benötige. Einen Kanister behalte ich. Jetzt habe ich 35 Liter Reserve in der Backskiste. Das Triton2 Display wird getauscht und funktioniert. Da bin ich jetzt beruhigt. Das ständige Umschalten auf dem Vulcan 7 zum Wechseln zwischen Anzeige der elektronischen Karte und der verschiedenen Daten hat genervt. Ich möchte gerne Wind und Geschwindigkeit ständig im Blick haben.

Das neue Display wird geliefert und funktioniert

Am Abend waren wir dann noch zusammen essen und es kam noch ein weiterer Bekannter dazu der im letzten Jahr bei diesem Treffen dabei war. Dabei bekam ich eine Kappe des SXK geschenkt – danke dafür 🙂

Abwettern in Sundsvall

Freitag/Samstag, 5./6. Juni 2026

Regen und teilweise Starkwind lassen mich hier in Sundsvall gerade festhängen. Für morgen, Samstag, gibt es eine Warnung vor Gewitter vom SMHI. Ich muss noch mal nach meinem Funkgerät schauen bzw. nach der NMEA-Verbindung denn nachdem ich das Instrumentenpult abgeschraubt hatte, um nach der Tankanzeige zu schauen, wurden mir auf dem Plotter die AIS-sendenden Schiffe nicht mehr angezeigt. Der Wackelkontakt ist schnell gefunden – ein NMEA-Kabel war nicht richtig fest verschraubt. Ich hoffe jetzt dann endlich einmal Ruhe mit dem ganzen Elektronikzeug zu haben.

Ich gehe noch einmal einkaufen denn am 6. Juni ist schwedischer Nationalfeiertag und da werden die Geschäfte wohl geschlossen sein.

Meinen Sprit-Verbrauch kann ich jetzt abschätzen nachdem ich den Tank voll gemacht habe. Etwa 0,9 Liter pro Stunde. Mit diesem Schätzeisen kann ich leben.

Kaum zu glauben…

Letztes Jahr war ich Anfang Juni in Kalmar (also weit, weit südlicher als jetzt – Luftlinie ca. 630 km). Und in den folgenden zwei bis vier Wochen war ich eigentlich weitgehend alleine unterwegs. In den Häfen traf ich nur einzelne andere Segler. Jetzt, in Sundsvall, liegen 5(!) deutsche und ein finnisches Segelboot. Irgendwie verkehrte Welt. Aber es ist lustig. Man trifft immer wieder Segler, die man schon zuvor getroffen hat.

Am Montag sieht es wieder gut aus – dann kann es weitergehen Richtung Norden.

Die Nervosität steigt langsam….

Donnerstag, 21. Mai 2026

Noch 3 Tage, dann geht es von Zürich mit dem Flieger nach Stockholm und mit dem Zug nach Gävle. Der Termin zum Einwassern am Pfingstmontag, 25. Mai ist organisiert.

Die letzten Wochen waren vor allem geprägt von Stress bei der Arbeit. Aber nebenbei musste ich natürlich noch planen und organisieren vor allem der Dinge die ich mitnehmen muss (abgesehen von Kleidung etc.). Ich hatte im letzten Beitrag ja schon etwas darüber geschrieben. Kraftstofffilter (den möchte ich vielleicht wechseln), eine Dichtung für das Porta Potti die getauscht werden muss, das Handset für das Funkgerät ist da, CO2 Patronen für die Rettungsweste (bei Swiss angemeldet) und Reparaturmaterial für das aufblasbare Kajak (der Boden hatte zuletzt Luft verloren).

Und: Diesmal mit im Gepäck – eine neue Drohne. Ich habe ja schon seit langem eine Drohne (DJI Phantom 4 Pro). Die wollte ich ursprünglich letztes Jahr mitnehmen (auch wenn ich etwas illegal unterwegs gewesen wäre). Doch mangels Platz blieb sie zu Hause. 2024 trat eine neue Drohnenregelung in Kraft weshalb ich die Phantom 4 Pro nicht mehr mit dem kleinen Drohnenführerschein hätte fliegen dürfen.

Deshalb wurde es jetzt eine DJI air 3s die ich in der Kategorie C1/A1 mit dem erneuerten Kompetenznachweis fliegen darf. Ich bin selbst gespannt darauf, welche Aufnahmen sich daraus ergeben. Man wird sehen…

Ein anderes Thema war die Verbraucherbatterie, die am Ende war. Es war etwas mühsam jemand in Gävle zu finden der mir sowohl eine neue Batterie am Pfingstmontag liefert und auch die alte Batterie gleich mitnimmt. In Deutschland ist die Rücknahme eine Selbstverständlichkeit. Dafür holt mich der Lieferant am Hotel ab und fährt mit mir zusammen raus zur Marina. Um sicher zu gehen gibt es auch eine neue Starterbatterie.

Und das ist der Punkt, der etwas anstrengend ist – nördlich von Stockholm beginnt die „Pampa“. Bedeutet, es wird zunehmend schwerer Zubehör oder Service für das Boot zu bekommen. Das wird etwas verständlich, wenn man Deutschland mit Schweden vergleicht. Deutschland: 84 Mio. Einwohner, Schweden: 11 Mio. Einwohner. Dabei ist Schweden 1,3 mal so groß wie Deutschland.

Anstrengende Anreise

Sonntag, 24 Mai 2026

Um 9 Uhr ging es los Richtung Flughafen Zürich. Dann Check in. Diskussion wegen der Co2 Patronen – er muss erst jemanden fragen. O.k. kein Problem – ich traue dem Braten noch nicht. Dann an der Sicherheitskontrolle. Mein Handgepäck läuft in die Kontrolle. Wieder Diskussion wegen der Co2 Patronen. Hätte ich die Rettungsweste dabei, wäre es kein Problem. Aber ohne Rettungsweste darf ich keine Co2 Patronen mitführen. Was ein Schwachsinn!!! Einzige Option: Zurück zum Check in und ein Handgepäckstück mit den Co2 Patronen als Aufgabegepäck. Also wieder zurück und zu dem gleichen Kollegen. Ich packe die Co2 Patronen in die Laptop-Tasche und gebe diese als Aufgabegepäck auf – ich bin gespannt, ob die noch in der Tasche sind wenn ich in Stockholm ankomme. Der Flieger hat 1 Stunde Verspätung. Egal – ich muss nicht auf den Zug….

Am Flughafen Stockholm Arlanda Stress mit der Zugverbindung. Ich merke ich werde alt… Das ärgerliche: In Schweden brauchst du drei, vier Apps je nachdem wo du gerade mit dem Zug fahren möchtest. Es gibt nicht eine(!) Deutsche Bahn sondern zig verschiedene Anbieter die bestimmte Strecken betreiben. Und vor lauter Stress habe ich dann den Bootshaken am Flughafen vergessen. Ich könnte mich in den Arsch beißen…

Nach etwa 10 Stunden dann Ankunft in Gävle. Das Wetter ist schön. 23 Grad, leicht bewölkt. Aber die Aussichten sind nicht so gut. Regen und kühler soll es werden. Morgen ist zuerst einmal der Termin zum Einwassern. Hoffen, dass Miss Sophie den Winter gut überstanden hat und der Motor läuft.

Bestes Wetter auch in Gävle

Zurück im Wasser

Montag, 25. Mai 2026

Pfingstmontag ist in Schweden kein Feiertag – das hatte ich schon letztes Jahr bemerkt. Letztes Jahr waren wir Pfingsten in Kalmar und am Pfingstmontag flog meine Frau zurück nach Hause.

Nach einer Nacht im Hotel in Gävle holt mich ein Schwede am Hotel ab. Ich hatte bei ihm zwei neue Batterien bestellt. Die Blei-Verbraucherbatterie war letztes Jahr ziemlich am Ende. Mein Bekannter, der mir beim Umbau der Elektrik geholfen hatte, meinte, dass die Blei-Batterien den schwedischen Winter nicht überleben. Deshalb bestellte ich auch eine neue Starterbatterie. Schweden ist teuer… Ich bezahlte für die beiden Batterien etwa 30% mehr als für vergleichbare Batterien in Deutschland.

Aber netterweise holte er mich dafür am Hotel ab und brachte mich zur Marina Fliskärsvarvet. Damit sparte ich mir das Taxi. Miss Sophie hatte den schwedischen Winter gut überstanden. Klar, etwas dreckig, aber nichts beschädigt. Das Einwassern war professionell wie das Auswassern im letzten Jahr. Der Motor sprang auf Anhieb mit der alten Starterbatterie an. Nun habe ich eine in Reserve dabei. Die alte Verbraucherbatterie konnte ich dort lassen. Dann ging es in den Stadthafen von Gävle. Hier bin ich nah an der Stadt und kann Vorräte bunkern. Damit begann ich dann auch gleich am späten Nachmittag.

Langsam richte ich mich wieder ein. Die Reisetasche wird ausgepackt und die Kleidung an ihrem Platz verstaut. Dann Sichten der Vorräte die ich hier gelassen hatte. Wohlweislich hatte ich die Dosen, die über den Winter auf dem Boot blieben, in Gefrierbeutel verpackt. Drei Tomatendosen hatten den Winter nicht überlebt.

Leider haben mir Zeit und Kraft nicht mehr gereicht, auch noch die Segel anzuschlagen. Jetzt muss ich sehen was das Wetter die nächsten Tage macht und auch noch einige Vorräte einkaufen. Achja, heute war es noch recht schön bei etwa 23 Grad. In Deutschland wird bei über 30 Grad geschwitzt…

Segel angeschlagen – Gastlandflagge gesetzt

Dienstag, 26. Mai 2026

Die erste Nacht auf dem Boot war etwas anstrengend. Von den Anstrengungen am Vortag (die schweren Batterien und das Gepäck die Leiter hinauf manövrieren) hatte ich ziemliche Rückenschmerzen. Die Hoffnungen auf brauchbares Wetter, um die Segel anzuschlagen, sind eher mäßig. Doch dann ist das Wetter am Morgen überraschend gut und es ist fast windstill. Also nütze ich den Moment. Gerade mit den ersten Regentropfen und Windböen werde ich fertig. Die Reffleinen müssen noch richtig eingestellt werden und das Lazyjack muss ich noch mal prüfen.

Da es dann immer wieder Regenschauer hat, nütze ich die Zeit fertig aufzuräumen. Alles weg, im letzten Stauraum verstaut, was jetzt erst einmal nicht mehr benötigt wird. Und anschließend eine warme Dusche genießen.

Dann muss ich noch einmal in die Stadt laufen. Das ist zwar nur ein guter Kilometer macht bei den Regenschauern aber keinen Spaß. Zum Glück finde ich bei Kjell & Company die richtigen Batterien für die Hörgeräte. Und wie immer: viel zu teuer.

Eigentlich wäre ich jetzt fast startklar. Noch ein paar letzte Vorräte wie Getränke, Obst und Gemüse besorgen, dann könnte es losgehen. Aber die Wetteraussichten für die beiden kommenden Tage sind nicht so gut. Regen, Gewitter und teilweise auch Starkwind. Der Plan ist wieder die Bucht Synskär anzufahren. Dort hat es eine SXK Boje und einen kleinen Steg. Um die Zeit und unter der Woche rechne ich damit dort allein zu sein. Und dann weiter nach Hudiksvall. Freitag habe ich noch einen Arbeitstag. Insofern wäre es gut, wenn ich morgen und übermorgen diese beiden Schläge machen könnte. Mal sehen, wie es morgen aussieht…

Die Segel sind angeschlagen und die Gastlandflagge gesetzt. Inzwischen bin ich nicht mehr ganz alleine im Hafen

Kein Segeltag – Abwettern und dies und das

Mittwoch, 27. Mai 2026

O.k. es war vorhergesagt – Starkwind und immer wieder Regenschauer. Selbst im Stadthafen Böen bis 22 Knoten – draußen sicher bis 27 Knoten. Wellen laut FMI bis 2,5 Meter. Ist aber nicht ganz so schlimm. Ich habe noch ein paar Sachen zu erledigen. Zuerst brauche ich Spiritus für meinen Kocher. Die Facebook-Gruppe „Schwedenfreunde“ hilft mir weiter. Spiritus finde ich in einem Baumarkt etwa 1 Kilometer entfernt. Dann noch die Co2 Patrone der Rettungsweste tauschen, die ich letztes Jahr versehentlich ausgelöst hatte. Anschließend wird noch die Dichtung vom Porta Potti getauscht. Und weiter Akkus und Batterien laden wie die Taschenlampe, die Starterbatterie und die Batterien für die Stirnlampe geladen. Die Verfügbarkeit von Landstrom wird bei mir immer gut genutzt. Vor allem Abends mit dem Heizlüfter denn aktuell hat es 12 Grad in Gävle während in Deutschland schon wieder bei 30 Grad geschwitzt wird.

Grob hatte ich einmal nach der Tankanzeige geschaut denn die zeigt nichts mehr an – Null. Ich habe am Ende der Saison kurz vor dem Auswassern voll getankt. Also der Tank muss voll sein. In der Backskiste sehe ich die Kabel zum Tankgeber. Zumindest scheine ich kein Kabel beim Einräumen abgerissen zu haben. Aber an den Geber kommt man kaum hin. Bei Gelegenheit werde ich mal die Schalttafel abschrauben und schauen ob sich hier ein Kabel gelöst hat und messen. Vielleicht ist auch eine Sicherung durchgebrannt. So lange zähle ich einmal die Betriebsstunden. Laut Google AI sollte ich etwa 40 Stunden mit einer Tankfüllung fahren können. 10 Liter im Reservekanister habe ich für den Notfall dabei.

Dass es auch in Schweden gute Pizzabäcker gibt konnten wir schon im letzten Jahr erfahren

Erster Segeltag – etwas anstrengend

Donnerstag, 28. Mai 2026

Die Aussichten für heute sind gut. Leicht bewölkt und etwas Wind. Nur die Windrichtung ist nicht optimal – Nordwest. Nachdem sich die Aussichten bestätigen beeile ich mich den Rest zu erledigen. Der Baumniederholer muss noch befestigt werden und frische Lebensmittel möchte ich noch einkaufen. Mein Ziel für heute soll wieder Synskar sein. Das hatte ich auch im letzten Jahr von Gävle aus angelaufen. Eine SXK Boje und ein kleiner Steg. Letztes Jahr lag auf der einen Seite des Stegs ein Schwede – ich rechne in diesem Jahr alleine zu sein denn es ist sehr früh im Jahr.

Gegen 10:30 Uhr kann ich ablegen. Zuerst geht es unter Motor denn hier in der Stadt wechselt der Wind ständig seine Richtung. Draußen im Sund setze ich die Segel – zuerst nur das Großsegel. Ich muss erst wieder hinein kommen. Es ist etwas spezielles, wenn man ganz alleine ablegt. Es ist einfacher wenn man zu zweit oder mehr ist. Es ist auch einfacher als Einhandsegler beim Start einer Regatta wenn man mit 50 oder 100 anderen ablegt. Ich bin vollkommen alleine – kein anderes Segelboot im Sund, nicht einmal vom Sailing Club der hier sonst mit der Jugend trainiert. Auch im Sund wechselt der Wind immer wieder in der Richtung und Stärke. Es ist etwas schwierig denn ich muss mich an das Fahrwasser halten. Entgegen dem Vorschlag von Orca gehe ich raus vor die Inseln. Dort ist der Wind dann einigermaßen beständig und die Fock wird ausgerollt. Auch wenn der Kurs nicht ganz so passt, wie es Orca (meine zweite Navi-Software) sich vorstellt, ist es nicht ganz so schlecht. Ich kann annähernd die Höhe machen die ich machen muss um Richtung Norden zu kommen.

Das erste Mal wieder in diesem Jahr – raus auf die Ostsee

Doch dann wird auf halber Strecke der Wind immer schwächer. Zuletzt habe ich fast Flaute (5 Knoten Wind) und eine langgezogene Welle. Die Geschwindigkeit geht herunter erst auf 3 dann auf 2 Knoten. Schließlich werfe ich den Motor an. Zuerst als Unterstützung zuletzt berge ich die Segel da sie nur lustlos herum schlackern. Noch 3 1/2 Stunden bis Synskär. Kurz vor Synskär (typisch) frischt der Wind wieder auf. Dann, wenn man es eigentlich nicht gebrauchen könnte denn die Einfahrt ist etwas schmal und geht im Zick-Zack um einige Steine.

Doch dann bin ich in der Abdeckung der Insel. Wie erwartet ist alles leer und ich kann mir den schönsten Platz aussuchen. Ich bin k.o. obwohl es kein so großer Schlag war. Meine zervikale Dystonie (Schiefhals) strengt mich heute an obwohl ich noch kurz vor dem Urlaub meine Spritzen hatte. Ich merke das ich mich mehr dehnen und bewegen muss.

Ich mache mir ein Lagerfeuer und genieße die Stimmung. Es ist frisch, anders als letztes Jahr im Juli. Da war es doch etwas wärmer als jetzt Ende Mai.

Wieder in Synskär – diesmal habe ich mir den Schokoladenplatz genommen

Jetzt plane ich für den nächsten Tag. Ich muss noch einmal einen Tag arbeiten. Das hatte ich so eingeplant da es sonst mit meinen Urlaubstagen nicht ausgegangen wäre. Pfingsten ist dieses Jahr erheblich früher weshalb mir ein Feiertag fehlt. Und ausgerechnet morgen soll der Wind auf Südost drehen und es soll trocken sein. Also ideal. Ich denke ich werde einen Nacht-Törn planen. Also direkt nach der Arbeit am späten Nachmittag losmachen. Ich habe schon die letzten Abende und Nächte registriert, dass es nicht mehr richtig dunkel wird. Es geht Richtung Mittsommer. Und Samstag soll es regnen und da möchte ich nicht hier auf Synskär hängen bleiben. Denn es ist noch ziemlich frisch und den Heizlüfter (der Landstrom voraussetzt) kann ich noch gut in der Nacht gebrauchen. Wohl denen, die eine Diesel-Heizung haben.

Der frühe Vogel fängt den Wurm – der späte „nichts“

Freitag, 29. Mai 2026

Wie gesagt musste ich noch einen Tag arbeiten. Irgendwie liegt mein Zeitraum in diesem Jahr so, dass mir ein Urlaubstag fehlt. Aber bei der Arbeit ist es gerade sowie etwas intensiv…

Also 7 Uhr aufstehen und arbeiten. Ein Teams-Call nach dem nächsten. Dabei wäre der Tag heute der ideale Segeltag. Sonne und Wind aus Südost – genau richtig für mein Ziel Richtung Norden. Ich hoffe das Windy recht behält und der Wind so bis in die Nacht anhält. Ich mache etwas früher Feierabend und kann um 15.30 Uhr endlich ablegen. Der Wind ist ideal mit knapp 15 Knoten und ich segle nur mit dem Großsegel. Die Fock bringt bei der Windrichtung nicht viel da sie in der Abschattung des Großsegels nur flattert. Etwa 4,5 Knoten habe ich im Schnitt und Orca meint dass ich gegen 1 Uhr in Hudiksvall sein sollte.

Anfangs läuft es noch gut – etwa 4,5 Knoten im Schnitt

Nach einem Drittel der Strecke lässt der Wind nach – das hatte Windy anders vorhergesagt. Im Gegenteil – er sollte eigentlich später auffrischen. Die Geschwindigkeit sinkt mehr und mehr. Zuletzt weht der Wind noch mit 5 Knoten und es hat eine ekelhafte Kreuzwelle. Es hilft nichts – der Motor muss helfen. Zuerst versuche ich es noch mit Motorunterstützung doch das Segel schlägt mehr und mehr lautstark hin und her. Also Segel bergen und nur mit Motor weiter. Wenigstens die Welle beruhigt sich. Was tun? Ich hatte noch in Erinnerung, dass das Wetter zum Wochenende schlecht werden sollte. Deshalb wollte ich unbedingt nach Hudiksvall. Dort sollte ich wenigstens Strom im Hafen haben und könnte noch einkaufen. Also Augen zu und durch – meine erste Nachtfahrt auf der Ostsee.

Die Sonne geht unter und die kalte Nacht beginnt
24 Uhr Ende Mai in Schweden – dunkel wird es nicht mehr

Die Sonne geht unter und es wird kälter. Irgendwann reichen lange Unterhose und dicke Segelhose, Shirt, Fleece und Segeljacke nicht mehr aus. Die Kälte dringt durch. Da kann ich nur Schutz unter der Sprayhood suchen. „Johann“, mein Pinnenpilot (für Laien „Autopilot“) macht seinen Job. Doch im Sund ist ein Fahrwasser und ich muss mich wegen Untiefen an die Tonnen halten. Auch wenn Johann steuert muss ich ihm sagen wo es lang geht und prüfen ob es passt. Kurz nach 3 Uhr habe ich festgemacht. Die Nacht war interessant – nach dem Sonnenuntergang war es dämmrig und Rot am Horizont. Das blieb so etwa 2 Stunden dann begann schon wieder die Morgendämmerung und um 3.30 Uhr ging die Sonne auf. Dunkel wird es gerade nicht mehr…

Festgemacht in Hudiksvall

Alles anders – und wieder eine Bekanntschaft

Samstag, 30. Mai 2026

Nach ein paar Stunden Schlaf – denn ich hatte ich mir den Wecker gestellt da der Hafenmeister, wenn er denn da sein sollte, nur bis 13 Uhr da wäre, stehe ich schon wieder auf den Beinen. Doch der Hafenmeister ist nicht da. Auf dem Infoblatt lese ich, dass der Hafen am 16. Juni öffnet – Käsekuchen. Ich spreche trotzdem auf die Mailbox in der Hoffnung, dass er zurückruft. Denn hier in Hudiksvall, das wusste ich schon vom letzten Jahr, befindet man sich in der Steinzeit. Nichts mit App oder ähnlichem. Am Ende des Stegs ist eine unüberwindbare Türe und man benötigt einen Schlüssel, um wieder auf den Steg und an sein Boot zu kommen. Besagten Schlüssel, der auch für Dusche/WC benötigt wird, bekommt man vom Hafenmeister. Zu meinem Glück sind ein paar Schweden hier die mir gestatten die Türe offen zu halten und mir das WC öffnen. Aber ohne Schlüssel bin ich etwas aufgeschmissen. Ich komme mit einem anderen Schweden ins Gespräch. Er kämpft wohl gerade damit seinen Dieselfilter zu wechseln. Er hat das Boot erst vor einiger Zeit gekauft und hat noch keine Ahnung vom Segeln. Ich biete ihm an ihm zu helfen und finde mich bald später in der Backskiste seines Bootes und versuche mit aller Anstrengung das Filtergehäuse des Vorfilters zu öffnen. Er muss stärkeres Werkzeug besorgen mit dem wir es schließlich schaffen, das Filtergehäuse zu öffnen. Doch welche Überraschung – es ist kein Filter im Vorfilter. Er fährt wieder los, um nach einem passenden Filter zu schauen. Ich sage ihm, wie dieser aussehen muss. Er ist ziemlich froh über meine Hilfe denn er hatte wohl erst vor kurzem eine Hüftoperation und wäre aufgrund dieser auch nie in der Lage gewesen, in die Backskiste zu klettern. Das passende Filter lässt sich nicht auftreiben und er möchte vorerst das Filtergehäuse erst einmal so wieder zusammenschrauben und ohne Vorfilter fahren. Doch dabei bemerke ich, dass hier mindestens eine Dichtung fehlt. Das war wohl der Grund, weshalb das Gehäuse so brachial zusammengeschraubt war.

Ich gebe ihm den Tipp, nach einem neuen Vorfilter zu schauen. Der ist nicht so teuer und das wird sonst eine never ending Story. Doch das lässt sich hier in Hudiksvall nicht auf die Schnelle besorgen. Er kommt eigentlich aus Gotland und möchte das Boot baldmöglichst dorthin überführen. Deshalb ist der Plan jetzt provisorisch das Filter (ja, es heißt „das“ Filter) wegzulassen und die beiden Schläuche einfach zu verbinden. Doch dazu benötigt man einen Schlauchverbinder. Wir fahren in den Baumarkt doch dort ist nichts zu finden und schließlich schließt der Baumarkt gerade. Unverrichteter Dinge fahren wir zurück an den Hafen – er möchte morgen noch einmal schauen ob er von irgendwo einen Schlauchverbinder bekommt.

Aber so lernt man neue Menschen kennen – spannende erste Woche… Am Abend gibt es dann ein typisches schwedisches – äähmm schwäbisches Gericht aus der Bordküche: Linsen mit Spätzle und Saitenwürst (die schwedischen Wienerle können mit den deutschen nicht mithalten).

Abends gibt es ein typisches schwedisches ähhmm, schwäbisches Gericht