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Abwettern in Sikeå

Sonntag, 14. Juni 2026

Am frühen Morgen kam das angekündigte Sturmtief. Im Hafen kachelt es mit Böen über 30 Knoten. Dann setzt auch der angekündigte Regen ein. Miss Sophie zerrt an der Ankerboje und den vorderen Festmachern wie ein wildgewordenes Pferd das sich losreißen möchte. Ich drehe mich mehrfach um, eingekuschelt in meinem Daunenschlafsack. Schlafen, das ist das einzige was man jetzt machen kann. Später merke ich, dass es kalt geworden ist im Boot. Der Heizlüfter macht nichts mehr. Es ist eine Regenpause und ich gehe hinaus um nach der Sicherung zu schauen. Die Sicherung am Landstromanschluss ist noch drin. Offensichtlich geht der Strom allgemein nicht mehr – wegen des Sturms?

Ich habe ein neues Problem…

In der Nacht wachte ich mehrfach auf wegen starker Schmerzen im linken Handgelenk. Ich überlege – ich erinnere mich nicht am Vortag irgendein Ereignis mit dem Handgelenk gehabt zu haben. Mehrfach schmiere ich Voltaren drauf. Geschwollen ist es nicht aber es fühlt sich ähnlich an, als ob ich es verstaucht hätte. Am Vormittag versuche ich den Schmerzpunkt zu finden. Er scheint an der Sehnenscheide zu liegen. Ich konsultiere meine Frau, die Arzthelferin ist. Anhand der Beschreibung vermutet sie etwas ähnliches. Ich habe zwar einige zusätzliche Medikamente von meinem Hausarzt für den Notfall bekommen, aber wenig was jetzt hier helfen könnte. Schmerzmittel ist das einzige was ich habe. Ich hoffe, dass das morgen besser ist denn das würde mich sehr einschränken.

Am Nachmittag geht dann der Strom plötzlich wieder. Ein Stein fällt mir vom Herzen. Denn es hat gerade einmal 11 Grad – laut Wetterbericht. Die Messbojen auf der Seite von SMHI melden Welle bis 2,4 Meter. Gegen Abend soll der Wind nachlassen, der Regen hat inzwischen aufgehört. Aber der Wind hat jetzt auf Nord gedreht. Das bedeutet morgen gegenan segeln. Mal sehen ob und wie das geht. Ich werde auf jeden Fall das erste Reff rein machen. 10 bis 20 Knoten Wind soll es morgen geben.

Der Wind hat auf Nord gedreht d.h. gegenan segeln

Am kommenden Sonntag beginnt die Midsummer Sail – das ist die längste Regatta auf der Ostsee. Von Wismar, dem südlichsten Punkt, bis nach Töre zur gelben Tonne. Ich möchte auf jeden Fall vor dem Pulk dort sein (um es eher alleine zu erleben). Die schnellsten Segler benötigen 4 bis 5 Tage…

Ein Kampftag…

Montag, 15. Juni 2026

Es war klar, dass der Wind heute aus Nord kommen wird. Was unklar war: Wie sieht es mit dem Schwell aus? Am Vortag hatte es ja im Hafen bis zu 30 Knoten Wind. Draußen auf der Ostsee sicher Sturmstärke. Da der Starkwind bereits am frühen Abend kräftig nachgelassen hatte, war meine Hoffnung, dass es sich mit dem Schwell in Grenzen hält.

Das erste Stück raus aus Sikeå geht es noch mit Wind und Welle

Aus dem Hafen raus ist man gleich auf der Ostsee. Es gibt hier, auf dem nächsten Stück, keine vorgelagerten Inseln hinter denen man sich verstecken könnte. Und ich muss gegen den Nordwind segeln, d.h. kreuzen. Also raus auf die See, Wende und wieder Richtung Festland. Und das sollte einige Male den Tag so gehen.

Die Welle nimmt schnell an Höhe und Wucht zu. Bis zu 1,5 Meter. Miss Sophie springt wie ein Springpferd um dann krachend und ernüchtert ins nächste Wellental zu fallen. Sie kann eben doch nicht fliegen. Die eine oder andere Welle kommt über die Sprayhood und ich muss meinen Kopf schnell darunter ziehen, um nicht eine Ostseedusche zu bekommen. Es ist mühsam. Ich hatte eigentlich gehofft, den Hafen Bureå Båtsällskap zu erreichen. Dort hätte ich wieder Landstrom. Doch ich muss wieder einmal realisieren, dass das bei diesen Bedingungen nichts wird. Die 15 bis 20 Knoten Wind verlieren ihre Wirkung durch die Welle, die mich immer wieder ausbremst. Ein gutes kann ich der Situation abgewinnen: Der Wind kommt ziemlich direkt aus Nord und der Küstenverlauf ist hier nach Nordost. Dadurch kann ich lange auf dem Streckbug segeln und muss nur kurz auf den Holebug Richtung Festland. Wesentlich schlechter wäre jetzt Nordost.

Nasses Segeln…

Ich suche das nächstmögliche Ziel – Bjüroklubben wäre das. Ich ändere das Ziel in Orca und die neu berechnete Ankunftszeit ist 18.30 Uhr. So kämpfe ich mich Raupe Stück für Stück voran. Ganz zum Schluss, die letzten 2 sm vor dem Hafen schaffe ich es nicht die notwendige Höhe zu laufen um zwischen dem Festland und einer vorgelagerten Untiefe hindurch zu kommen. Früher oder später muss ich sowieso den Motor dazunehmen. Also falle ich ab, um die Fock zu bergen, werfe den Motor an und kämpfe jetzt fast direkt gegen den Wind mit meinen 9 PS.

Meine große Sorge: Wie wird das mit dem Schwell sein in der Bucht? Die Bucht ist recht groß und nach Nordosten offen. Wie erwartet oder befürchtet reicht der Schwell in die Bucht hinein und baut hier eine schöne Welle auf. Meine Hoffnung: Der superkleine Hafen liegt im Windschatten und ich hoffe, dass er deshalb vor dem Schwell geschützt ist. Die Hoffnung erfüllt sich und ich fahre langsam hinein. Außer einer Beschreibung eines anderen Seglers habe ich keine Informationen. Es soll flach sein und man muss auf einige Steine achten. Wie erwartet bin ich hier vollkommen alleine. In einiger Entfernung steht an Land ein Wohnmobil – Wildcamper vermutlich. Das Anlegen geht problemlos denn der Hafen ist durch eine hohe Brüstung gut geschützt so das es im Hafenbecken selbst windstill ist. Da ich alleine bin, erlaube ich es mir längsseits festzumachen. Normal sollte man hier mit Heckanker und dem Bug zum Steg festmachen. So sollen dann in dem kleinen Hafen etwa 10 bis 20 Boote Platz haben.

Festgemacht in Bjüroklubb

Ein sehr schöner Platz den ich gleich erkunde. Es hat eine schöne Sauna mit fließendem Wasser. Die Sauna ist noch warm aber das Feuer ist aus. Vermutlich haben die Camper diese benützt, denn sonst ist weit und breit niemand zu sehen.

Das einzige Manko: Kein Landstrom – es wird wohl eine kalte Nacht geben. Im Notfall heize ich die Sauna ein und lege mich mit meinem Schlafsack in den Vorraum der Sauna. Zwei Isomatten hätte ich noch in der Achterkajüte…

Die letzten Maiglöckchen (Mitte Juni)

Achja, fast vergessen – das Problem im linken Handgelenk war wie weggeblasen. Ganz leicht spüre ich noch den Schmerzpunkt wenn ich darauf drücke. Hoffen wir das es so bleibt. Aber wie sagt meine Frau so schön: „…dann drücken Sie doch nicht darauf…“.

Töre rückt in greifbare Nähe…

Dienstag, 16. Juli 2026

Gestern, spät am Abend, kommt noch ein weiteres Segelboot mit schwedischer Nationale in den kleinen Hafen. Sie quatschen noch etwas miteinander gehen dann aber bald schlafen. Am Morgen kommt ein Mitglied der Crew zu mir herüber und stellt sich vor. Sie kommen aus Litauen und haben das Segelboot hier oben gekauft und überführen es jetzt nach Litauen. Er fragt mich noch nach Tipps zu Häfen Richtung Süden und ich zeige ihm, wo er Informationen finden kann. Dann sehen wir noch einen Seehund vor dem Hafen – also zumindest den Kopf.

Ich trinke noch zwei Kaffee schaue aber, dass ich zügig weg komme. Denn Windy hatte angekündigt das der Wind gegen Mittag einschläft und nur am Vormittag noch gut sein soll. Orca zeigt bei der Berechnung der Route ähnliches. Aber ich belasse es erst einmal beim ersten Reff, das ich gestern gesetzt hatte.

Ich verlasse diesen netten Ort auch wenn ich vielleicht gerne ihn etwas erkundet hätte

Trotzdem habe ich das ambitionierte Ziel heute den Piteå Segelsellskapp (Segelverein) zu erreichen – etwa 46 sm. Ich segle zuerst auf dem Streckbug weit auf die Ostsee hinaus, etwa 20 – 25 sm vom Festland entfernt. Der Wind hält noch erstaunlich lange. Als er etwas nachlässt, unter 10 Knoten geht, reffe ich wieder aus. Im gleichen Moment zieht der Wind wieder etwas an und es läuft sogar mit 5 Knoten am Wind. Doch gegen 13.30 Uhr ist der Spaß zu Ende. Der Wind ist schließlich weg. Nun habe ich zwei Möglichkeiten: etwa 20 sm querab Richtung Westen zum nächsten möglichen Hafen oder weiter Richtung Nordost zu meinem ursprünglichen Ziel, etwas mehr als 25 sm. Ich entscheide mich für das zweite d.h. jetzt 6 Stunden Motor. Der Schwell vom Vortag ist jetzt fast komplett weg so dass es eine ruhige Fahrt wird. Kein Frachter, kein anderes Segel- oder Motorboot, einfach nichts. Nur leichter Nieselregen setzt ein und verschlechtert die Sicht weshalb ich jetzt permanent Ausguck halte. Es gibt noch andere wie ich, die ohne AIS unterwegs sind und deshalb nicht auf meinem Plotter erscheinen. Nach einer Zeit ist es wieder trocken und ich erreiche den Piteå Segelsellskapp schließlich vor der nächsten Regenfront.

Der Wind ist weg und der Motor muss mich voran bringen
Hinter mir lauert die nächste Regenfront

Ein sehr kleiner Hafen. Ein Vereinsmitglied reinigt gerade seine Segelyacht und hilft beim Anlegen. Ein kurzer Smalltalk woher ich komme, wohin ich gehe und das er auch schon einmal in Deutschland war, ohne Boot. Ich mache das Boot soweit klar, schließe den Landstrom an und werfe den Heizlüfter an – darauf habe ich mich am meisten gefreut. Denn es hat tagsüber gerade einmal 16 Grad und mit Wind und Nässe sind das (für mich) keine Wohlfühltemperaturen. Und nasse Kleidungsstücke (wie meine Handschuhe) trocknen bei diesen Temperaturen auch nicht ohne Heizung im Boot.

Festgemacht – Piteå Segelsellskapp
65. Breitengrad passiert – es fehlen noch einige Minuten und Sekunden zum nördlichen Ende der Ostsee

Töre ist damit in greifbarer Nähe. Morgen soll es nach Luleå gehen. Dort werde ich noch einmal Proviant bunkern und einen Tag Pause machen. Und tanken möchte ich in Luleå denn ich habe die letzten Tage einige Motorstunden gemacht. Sollte es nach Plan laufen, erreiche ich noch diese Woche die gelbe Tonne. Aber das Wetter ist gerade unsicher und ich möchte nicht im Regen mein Ziel erreichen, ich möchte den Moment schon etwas auskosten.

16. Juni, 23.40 Uhr in Piteå

Nord – Kurs Nord

Mittwoch, 17. Juni 2026

Am Vormittag habe ich noch ein Teams-Meeting mit einer Arbeitskollegin. Ich habe zwar eigentlich Urlaub aber wir haben gerade ein besonderes Projekt weshalb ich angeboten hatte, einmal wöchentlich mit der Kollegin ein einstündiges Online-Meeting zu machen. Das war jetzt kein Problem. Ich hatte am Abend zuvor schon den Routenvorschlag von Orca berechnen lassen und das sollte gut reichen, wenn ich um 11 Uhr losgehe. Am Ende sollten es etwa 45 sm sein. Orca und auch SMHI meinen, dass der Wind aus Nordost kommen sollte.

Nachdem ich noch einmal meine Reffleinen ummontiert hatte (ich hatte einen Fehler beim Anschlagen des Segels gemacht) konnte es losgehen.

Abgelegt – Piteå Segelsellskap im Rückspiegel

Zuerst raus unter Motor doch sobald als möglich Boot in den Wind und Großsegel hoch. Und wieder einmal gleich die Ernüchterung – der Wind kommt nicht aus der erwarteten Richtung, er kommt aus Nordnordost ja sogar fast Nord. Und wie immer: Ich muss nach Norden. Heute sogar noch mehr als gestern als der Küstenverlauf meinen Weg begünstigte. Das von Orca angedachte Zick-Zack recht direkt durch die Insel geht nicht. Also gehe ich erst einmal raus Richtung Osten um etwas aus den Inseln raus zu kommen. Immer wieder versuche ich etwas Höhe zu machen, stehe dann vor einer Untiefe und muss die Wende machen. Dabei hoffe ich nicht zu viel von den erkämpften Seemeilen zu verlieren. Zumindest Ost möchte ich halten was aber nicht immer gelingt.

Mühsames Gegenan Segeln. Rot markiert die Stellen wo ich den Motor angeworfen habe

Auf einem erneuten Streckbug dreht dann der Wind zumindest so weit Richtung Nordost, dass ich einige Seemeilen fast direkt Richtung Nord segeln kann. Doch dann dreht der Wind wieder Richtung Nord und schwächt dermaßen ab, dass ich nur noch 2,5 Knoten Fahrt mache. Ich möchte keine Zeit verlieren und werfe den Motor an, nehme den direkt Kurs auf die Lücke zwischen den Inseln, die ich mir ausgesucht hatte. Nach 1/2 Stunde zieht der Wind wieder auf 10 bis 12 Knoten an. Das Großsegel hatte ich stehen gelassen. Also abfallen und Motor aus. Der vom Wind erzwungene Kurs ist wieder Ost, sogar etwas Richtung Süd. Egal, ich gehe jetzt auf den langen Holebug und hoffe das es so bleibt um mit der nächsten Wende einen langen Streckbug möglichst weit Richtung Nord zu schaffen. Mehr als zwei Stunden segle ich so, um dann endlich die Wende machen zu können. Es scheint aufzugehen, sogar so gut, dass ich ohne weitere Wende zwischen den Inseln hindurch kommen sollte. Zwischendurch frischt der Wind sogar auf 15 Knoten auf, Miss Sophie schiebt Lage (steht schräg) und Wellen klatschen über das Vordeck. Wie so oft bin ich vollkommen alleine – kein anderer Segler, kein anderes Schiff weit und breit. Unter Deck hat sich inzwischen alles auf dem Boden verteilt was nicht gut genug verstaut war. Eine angebrochene Packung Kekse, leere PET Flaschen, eine Karte meiner Tochter, meine Straßenschuhe und einiges mehr.

Beginn des Fahrwasser von Luleå

Inzwischen drückt der Darm. Ich vermeide es nach Möglichkeit ein „großes Geschäft“ unterwegs zu machen. Es ist anstrengend und zum anderen hängt es mit meinem Toilettensystem zusammen. Ich habe keinen Grauwassertank. Ich habe ein Porta Potti aber wer das kennt, weiß, weshalb man auf diesem kein großes Geschäft machen möchte. Vor Beginn meiner letztjährigen Reise hatte ich deshalb lange nach einer Lösung gesucht und habe mich, ich sage es einmal plump, für „Kackbeutel“ entschieden (findet man z.B. bei Amazon). Dazu noch ein Streu welches Flüssigkeit und Geruch bindet. Nach dem Geschäft wird der Beutel verknotet und wandert in die Backskiste und wird später über den Restmüll entsorgt.

Kurz vor der engen Durchfahrt zwischen den Inseln versagt Johann. Es ist auch besser, wenn ich das jetzt von Hand steure denn jetzt kommt es auf jeden Meter Höhe an damit ich hier gut durchkomme. Danach sollte ich in der Windabdeckung der Insel sein und mein Plan ist dann die Fock zu bergen. Der Plan geht dann soweit auch auf doch ein weitersegeln im engen Zick-Zack macht wenig Sinn weshalb ich wieder den Motor anwerfe. Noch 2 Stunden – dann bin ich in Lumeå. Ein anstrengender Segeltag, der sich aber gelohnt hat.

Luleå in Sicht – kurz davor geht es durch einen Kanal

Ich habe mein Ziel genau nach dem Plan erreicht, den ich vor einigen Tagen aufgestellt hatte. Jetzt möchte ich einen Tag Pause machen. Die Vorräte auffrischen, duschen und mich etwas erholen. Die gelbe Tonne sollte ich in einem Schlag (einem Segeltag) erreichen. Dann ist das erste von drei Zielen erreicht. Das zweite Ziel ist dann Haparanda, was aber nur ein kleiner Schlag nach der gelben Tonne ist, und dann das Boot rechtzeitig nach Kröslin zu bringen.

Festgemacht in Luleå

Und noch etwas erwähnenswertes: Sonnenuntergang Luleå 00:01 Uhr – Sonnneaufgang 01:02 Uhr. Richtung Töre (am Sonntag ist Sonnenwende) gibt es jetzt praktisch keinen Sonnenauf- und -untergang. Töre ist nur 100 km vom Polarkreis entfernt.

Ein Tag Pause – ich brauche etwas Erholung

Donnerstag, 18. Juni 2026

Ich brauche etwas Erholung – die letzten 3 Segeltage waren etwas anstrengend. Mein Körper ist von den Wenden, dem Ziehen an Schotten und Fallen am Vortag etwas ermüdet. Aber ich hatte Luleå auch angesteuert weil ich hier noch einmal meine Vorräte auffrischen möchte. In der Nähe soll ein Lidl sein. Doch auf dem Weg realisiere ich dass dieser zu Fuß nicht so kurz zu erreichen ist wie gehofft. Die Brücke, die über große Gleisanlagen führt und die Google Maps als Route zu Fuß vorschlägt, ist nur für Autos. Also zurück. Ganz in der Nähe vom Hafen soll es noch einen Lebensmittelmarkt geben – also geht es zu diesem. Dieser zeigt sich auch als großer Markt und hat fast alles was ich brauche (nur keine H-Milch).

Zuerst gibt es eine ausgiebige Dusche. In der Stadt besorge ich mir noch ein kleines Fläschlein Sekt , die Hopfenvorräte werden gefüllt – es könnte ja etwas zu feiern geben. Und auch Schnürsenkel und Klebstoff finde ich – ich muss auf dem Rückweg noch die deutsche Seekarte berichtigen. Die Berichtigungen hatte ich zu Hause ausgedruckt aber die Seekarte war ja auf dem Boot. Hier in Schweden interessiert es niemanden, ob du aktuelle Seekarten in Papierform dabei hast oder nicht. „Aktuell“ ist hier sowieso relativ. Durch die Landhebung (darüber schreibe ich dann im nächsten Blog-Beitrag) verändert sich die Landschaft sowieso ständig.

Am Nachmittag mache ich noch ein Nickerchen. Der Wind pfeift durch die Wanten und Stage und ein mythisches Summen erklingt – die Melodie des hohen Nordens.

Wind und Wetter sehen für den kommenden Tag ganz gut aus. Am Nachmittag könnte es kurz etwas regnen bzw. ein Gewitter durchziehen. Aber damit ist jetzt im Sommer zu rechnen.

Die Backskiste ist wieder gefüllt – Getränke liegen in der Bilge

Es ist vollbracht – nach 1990 Seemeilen auf der Ostsee

Freitag, 19. Juni 2026

Die Wind- und Wetterprognosen für heute sind gut weshalb ich sehr früh aufstehe. Gewitter am späten Nachmittag könnten das einzige Risiko sein. Nachdem ich ein kurzes Frühstück und 2 Kaffee hatte, sehe ich dunkle Wolken am Horizont. Ein Regenband zieht genau über mich durch. Gegen 10 Uhr sollte ich ablegen können – danach kommt nichts mehr. Da hätte ich etwas länger schlafen können…

Bereits kurz nach dem Hafen kann ich das Segel setzen – zuerst nur das Großsegel denn ich muss später noch mit einem sehr raumen Kurs durch zwei Inseln durch. Den Motor lasse ich im Leerlauf einmal noch mitlaufen – im Fahrwasser sind ein paar Schlepper unterwegs. Schließlich raus aus dem Fahrwasser kann ich abfallen und die Fock dazunehmen. Der Wind ist ideal, raumer Wind (also von schräg hinten) mit 10 bis 13 Knoten. Es läuft.

Herrliches Segeln durch die Schären
Miss Sophie rennt dem Ziel geradezu entgegen (SOG 6,3 Knoten)

Es geht durch zahlreiche Schären hindurch und ich kann es kaum glauben – ich bin vollkommen alleine an diesem herrlichen Segeltag. Die Sonne scheint und wärmt auch langsam. Nur bequem machen kann ich es mir nicht. Der Wind dreht langsam auf Südwest weshalb ich jetzt fast einen Vorwindkurs fahre (der Wind kommt von hinten). Hier muss ich parallel zu den Untiefen darauf achten dass das Großsegel nicht ungewollt auf die andere Seite knallt (Patenthalse). Zeitweise setze ich sicherheitshalber einen Bullenstander. Das ist eine Leine zur Sicherung des Großbaums. Aber einige geplante Halsen muss ich dann doch machen. Der Wind hat langsam wieder auf Südost gedreht und ich komme jetzt in den Sund Richtung Töre der in Richtung Nordwest verläuft. D.h. der Wind kommt genau hinein weshalb sich eine leichte Welle aufbaut. Es geht aber trotzdem alles gut zu segeln. Selbst eine Engstelle kurz vor Töre kann ich segelnd durchfahren. Etwa 1 sm vor Törehamn werfe ich den Motor an, um das Großsegel zu bergen.

Dann geht es die letzten 15 Minuten zur gelben Tonne. Ich kann sie schon früh sehen. Standesgemäß wird sie dann erst einige Male umrundet und dann überlege ich, wie ich bei 10 bis 13 Knoten Wind einhand an der Tonne festmachen könnte. Eine Art Aufschießer gegen den Wind – das sollte doch funktionieren. Ich bereite auf dem Vordeck Leine und Bojenhaken vor. Im zweiten Versuch passt es und ich erwische eine der drei Ösen. Festgemacht. Ich mache den Motor aus und ein paar Freudentränen kann ich nicht verdrücken. Nach fast genau 1990 sm auf der Ostsee ist das erste Ziel erreicht – die gelbe Tonne, der nördlichste Punkt der Ostsee oder auch der Sombero des Nordens. Früher der nördlichste Seebriefkasten, doch der Briefkasten wurde entfernt. 65 Grad, 54 Minuten, 07 Sekunden nördliche Breite. Das nördliche Ende der Ostsee, von hier sind es noch 100 km zum Polarkreis.

Das Ziel ist erreicht
Festgemacht
Und ich grinse über beide Backen…
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Ich habe in Luleå im Systembolaget mir ein kleines Fläschlein Prosecco gekauft das ich jetzt mitnehme auf die gelbe Tonne. Dort setze ich mich hin und genieße den Moment. Es ist herrliches Wetter, ich bin vollkommen alleine. Ich mache einige Fotos und Selfies rufe meine Frau per Whatsapp an. Dann bereite ich die Drohne vor und mache einige Videos und Fotos mit der Drohne. Nach etwa einer Stunde wird es Zeit den letzten Schlag für den heutigen Tag zu machen. Törehamn soll ein sehr unschöner Hafen sein und kaum jemand bleibt dort. Deshalb hatte ich mir im Vorfeld den Töre Båtklubb herausgesucht. Der liegt an einer Schäre die nur 9 sm südlich von Töre liegt. Das mache ich aber unter Motor denn der Wind kommt weiterhin aus Süd mit etwa 10 Knoten. Da habe ich jetzt keine Lust gegenan zu kreuzen.

Ich sehe dort einige Boote liegen und beim Anlegen kommt ein Schwede um dabei zu helfen. Er ist vom Töre Båtklubb und sie feiern hier miteinander Mittsommer. Er sagt mir: an Mittsommer kann man hier die ganze Nacht die Sonne ganz knapp über dem Horizont sehen. Nur leider ist es jetzt am Horizont bewölkt weshalb dieses Naturschauspiel verborgen bleibt.

Töre Båtklubb
Abendessen…

In der Grillhütte brennt noch das Feuer und es hat gut Glut. Deshalb richte ich schnell etwas für den Grill und einen Tomatensalat. Mit meinem Essen sitze ich auf dem Steg mit Blick Richtung Mitternachtssonne. Der Tag könnte kaum schöner enden.

Aussicht beim Abendessen

Morgen kommt das zweite Ziel – Haparanda. Wind- und Wetteraussichten sind weiterhin gut. Der Wind kommt weiterhin aus Süd. Es gibt nur eine Gewitterwarnung des SMHI für den späten Nachmittag und Abend. Doch bei dem Wind sollte die 33 sm gut bis zum Nachmittag zu schaffen sein.

Haparanda – geschafft…

Samstag, 20.06.2026

Ganz unerwartet ist es am Morgen bedeckt und es nieselt etwas. Eigentlich sollte trocken bleiben. Ich schaue mir den aktuellen Regenradar an. Es sieht nicht schlimm aus und gegen Mittag sollte alles durch sein. Also lege ich wie geplant gegen 10 Uhr ab – ich bin ja wasserfest… Aber Spaß sieht anders aus. Vielleicht kommt er noch.

Der Wind kommt auch nicht ganz so wie erwartet, eigentlich zu sehr aus Ost. Erwartet hatten ich und Orca Südost bzw. Südsüdost. Zwischen den Schären ist der Wind sehr böig mit bis zu 17 Knoten weshalb ich es erst einmal beim Großsegel belasse. Die Geschwindigkeit ist für mich so auch erst einmal o.k. – etwa 4 Knoten. Später geht es raus auf die offene Ostsee und da kann ich dann abfallen auf Halbwind- bzw. Raumwindkurs. Da kann ich die Zeit sicher aufholen. Als es auf Stelle etwas in der Windabdeckung einer Schäre zugeht, sehe ich ein anderes Segelboot hinter mir – ohne AIS, also nicht zu sehen auf dem Plotter. Ich lasse mich nicht aus der Ruhe bringen – er kann gerne schneller sein als ich.

Als das Boot näher kommt denke ich: „das wird doch nicht Schröder sein..?“ Tatsache, es ist Schröder. Er hat inzwischen das Segel eingepackt und seinen 9,9 PS Außenborder angeworfen. Ich versuche es trotzdem weiter unter Segel und Schröder zieht an mir vorbei – es wird freundlich gewunken.

Als es raus auf die Ostsee geht kann ich abfallen und die Fock ausrollen

Doch dann geht die Windgeschwindigkeit zurück und die Logge fällt auf unter 2 Knoten. Das macht keinen Sinn. Also werfe auch ich den Motor an und nach einiger Zeit ziehe ich mit meinen 9 PS an ihm vorbei (ich gebe zu, ich habe das Großsegel stehen gelassen). An der Landspitze, an der es dann raus auf die Ostsee geht, trennen sich unsere Wege langsam. Schröder ist inzwischen weit hinter mir. Für mich geht es Richtung Nordost nach Haparanda. Ich kenne sein Ziel nicht aber er bleibt auf Kurs Ost. Jetzt, da ich abfallen konnte, kann ich den Motor ausmachen und die Fock rausziehen und es läuft mit gut 5 Knoten. Aber auch heute ist es kein Tag zum Ausruhen. Immer wieder muss ich genau navigieren wegen Untiefen und wechselndem Wind. Der Wind hat jetzt langsam immer mehr auf Süd gedreht und dreht sogar etwas weiter Richtung Südsüdost. Das ist mir überhaupt nicht recht. Denn später muss ich durch eine Engstelle und die verläuft Richtung Nordost. Es hat ordentlich Welle, knapp 1 Meter misst die Messboje. Ab und an zieht der Wind auf 20 Knoten an, nicht gut. Und Miss Sophie surft auch zeitweise mal wieder etwas auf den Wellen.

Mein Notfall-Plan, falls der Wind an der Stelle zu sehr von hinten kommt, sieht vor, davor die Fock zu bergen. Aber der Wind dreht wieder etwas Richtung Süd und schwächt wieder etwas ab auf 15 Knoten. Die Stelle lässt sich problemlos segeln.

Im Haparanda Archipel ist die Welle weg

Ins Haparanda Archipel geht es dann auf Vorwindkurs (der Wind kommt von hinten). Deshalb berge ich kurz davor die Fock. Die macht jetzt eh keinen Sinn und ich muss noch ein paar Halsen fahren. Je mehr ich in das Archipel hinein komme, desto mehr verschwindet die Welle und es wird richtig angenehmes Segeln. Der Wind wird jetzt auch ausgebremst und fällt auf unter 10 Knoten. Ich komme mir fast vor wie am Bodensee. Im Leichtwind mit 3 Knoten ziehe ich dahin. Der (für meine Verhältnisse) sehr gute Schnitt von 4,8 Knoten sinkt kontinuierlich. Dann, kurz vor Haparanda Hamn, heißt es Großsegel bergen und unter Motor hinein in den Hafen.

Es gibt eine Ansteuerung an Land die knapp an einer Untiefe von 2 Meter vorbei führt. Ich halte vorsichtshalber etwas mehr Abstand auch wenn ich damit nicht der „offiziellen“ Ansteuerung folge. Auch kurz vor dem Hafen hat es noch eine Untiefe die man beachten sollte. Dann ist alles schön durch grün/rote „Stöckchen“ markiert.

Festgemacht – Haparanda Hann

Am Gästesteg liegt nur ein finnisches Motorboot. Hier macht man längsseits fest was mir, einhand, immer sehr entgegenkommt. Dann geht es in das legendäre Clubhaus. Hier hängen unzähliger Wimpel verschiedener Segler die hier angelegt haben – dafür ist Haparanda bekannt. Wer die Ostseerunde macht, besucht sehr wahrscheinlich auch Haparanda. In Töre gibt es keine Möglichkeit sein „Da gewesen zu sein“ zu markieren. Auch ich hänge den Wimpel meines Segelclubs auf und schaue mir die unterschiedlichen Wimpel an. Ich entdecke nur einen weiteren vom Bodensee. Aber wahrscheinlich bin ich der erste, der mit eigenem Boot vom Bodensee Haparanda erreicht hat. Damit ist mein zweites Ziel erreicht.

Das dritte Ziel ist es nun, das Boot sicher und „in time“, also Anfang September, nach Kröslin zu bringen. Ich freue mich jetzt auf Finnland und auf den Süden (mit hoffentlich wärmeren Temperaturen).

Das Clubhaus Haparanda Hamn
Da hängt mein Wimpel zwischen unzähligen anderen…

P.S. Die Stadt Haparanda liegt am Torneälv (ein 410 km langer Fluss) der hier die Grenze zu Finnland bildet.

Noch einen Tag abwettern

Sonntag, 7. Juni 2026

Der Kollege aus Braunschweig, der Mitte Juli zurück in Stockholm sein möchte, ist gestern früh morgens weiter gezogen. Ohne Wind, wohl nur unter Motor. Das nur unter dem Zeitdruck Mitte Juli in Stockholm zu sein und die große Ostseerunde machen zu wollen. Meins wäre das derzeit nicht – aber man weiß nicht was kommt. Vielleicht komme ich auch noch unter Zeitdruck.

Der Regen hat dann gestern gegen Mittag wie angekündigt eingesetzt. Jedoch ohne Gewitter. Am Vormittag war es noch trocken und ich klebe noch einmal Gafa-Tape über meinen Deckslüfter. Denn die Tage hatte es nach Regen wieder ins Boot getropft. Jetzt scheint es endlich trocken zu sein.

Orca nütze ich auf dem iPad für das Routing unter der Berücksichtigung der aktuellen Windprognosen

Ich nütze die Zeit, verschiedene Häfen und Ankermöglichkeiten in Orca zu übertragen. Orca ist meine zweite Navigations-App, die ich auf dem iPad nütze. Die Seekarten sind nicht sonderlich gut aber ich nütze sie für das Routing. Zusätzlich habe ich noch die Hamnguiden (Hafenführer) für die schwedische Ostküste auf dem iPad. Doch was ich jetzt erst realisierte: Die Hamnguiden enden bei Örsnköldvik. Das war immer sehr hilfreich da die Hamnguiden detaillierte Informationen zu den jeweiligen Häfen oder Ankermöglichkeiten bieten wie einen Ausschnitt der Seekarte, zu beachtende Untiefen, Sehenswertes, Infrastruktur usw.

Unter guten Voraussetzungen denke ich Örnsköldvik in zwei Tagen zu erreichen. Das ist der Plan. Mittwoch soll es voraussichtlich noch einmal den ganzen Tag regnen. D.h. in Örnsköldiv werde ich noch einmal gut Vorräte auffüllen denn der nächste Stopp dafür wird wohl erst Luleå sein.

Ein langer Tag….

Montag, 8. Juni 2026

Alles schläft im Hafen um 6 Uhr morgens

Im Hafen ist noch alles ruhig früh morgens um kurz vor 6 Uhr. Die Sonne scheint schon kräftig, strahlend blauer Himmel. Aber selbst dies scheint nach 3 Tagen mit durchwachsenem Wetter kaum jemand aus den Kojen zu treiben. Die Finnen sind bereits gestern weitergezogen. Ich mache mir zwei Kaffee und esse einen Müsliriegel. Hier in Schweden gibt es die „Flap Jack“. Das ist wie eine Mahlzeit. Dann mache ich los. Im Sund hat es noch leichte Nebelschwaden. Das Wasser ist spiegelglatt. Das Wetter soll heute gut sein und Windy und Orca setzen auf ausreichend achterlichen Wind aus Südost.

Doch auch draußen, raus aus dem Sund, ist nichts mit Wind. Gerade einmal 5 Knoten aber dafür jetzt etwas Welle. Und wieder einmal kommt der wenige Wind aus der falschen Richtung. Egal. Ich möchte Örnsköldvik erreichen also muss ich jetzt da durch. Hinter mir, näher am Festland, sehe ich zwei andere Segler auf dem Plotter die noch segeln – gegenan. Obwohl mit 10 Meter Länge, einiges größer als mein Boot, mit gerade einmal 3,5 Knoten. Aber irgendwann müssen auch sie die Segel streichen und den Motor anwerfen. Einer dreht recht bald ab in eine Bucht. Hat wohl keine Lust zu motoren. Der andere begleitet mich noch eine ganze Weile und biegt nach der Insel Härnön zum Naturhafen Lustholmen ab. Dort war ich auch im letzten Jahr – sehr schönes Fleckchen.

Gerade als er abgebogen war, dreht der Wind und frischt auf. Endlich – nach 7 Stunden Motor Segel setzen. Raumschots geht es mit etwa 5 Knoten voran. Die Welle ist bei dem Wind auszuhalten. Johann, mein Pinnenpilot macht seinen Job und ich kann etwas dösen. Das geht so etwa 2 1/2 Stunden gut bis plötzlich, wie aus dem Nichts, der Wind schwach wird und auf Südsüdost dreht. Also genau von hinten. Mit der Welle schlägt der Großbaum hin und her und Johann weiß nicht mehr was er steuern soll. Mist. Also Segel wieder runter und Motor wieder an. Noch zwei Stunden bis Barstahamn – meinem Tagesziel.

Barstahamn hatte ich schon im letzten Jahr auf meiner Bucket Liste, hatte mich dann jedoch für Bönhamn entschieden. Die beiden Häfen liegen nur wenige Seemeilen auseinander weshalb es wenig Sinn macht, diese hintereinander zu machen – außer man hat extrem viel Zeit.

Der Hamnguiden (mein schwedischer Hafenführer) meint, dass der Schwell in die Bucht reichen kann, wenn der Wind aus Südost kommt. Doch mittlerweile hat der Wind wieder etwas gedreht und ich möchte es versuchen. Nach den ersten vorgelagerten Inseln lässt der Schwell nach und das Wasser ist ruhig. Es sollten keine Schwierigkeiten beim Anlegen zu erwarten sein. Wie erwartet ist der kleine Hafen leer. Wobei, ich war und bin ja immer noch überrascht darüber, um diese Zeit hier so viele Segler zu sehen – im Vergleich zum letzten Jahr.

Festgemacht in Barstahamn

Am frühen Abend ist es so warm, dass ich im T-Shirt hier sitze und das Anlegerbier öffne.

Für morgen erwarte ich noch weniger Wind und Mittwoch soll es regnen. Also wird das morgen wieder ein Tag für Otto – Otto ist meine Einbaumaschine. 1 Zylinder, 9 PS.

Noch einmal ein Motor-Tag

Dienstag, 9. Juni 2026

Es war schwacher Wind für heute angekündigt. In das Hafenbecken (sofern man das so nennen kann) blies der Wind jedoch mit etwa 7 Knoten hinein und ich hatte Mühe Miss Sophie zu befreien. Ich hatte längsseits festgemacht da ich alleine war und ich musste das Boot relativ weit nach hinten verlegen da sonst mein Landstromkabel nicht bis zum Verteiler gereicht hätte. Zudem hatte ich in der Nacht gespürt, dass ich gerade so mit dem Kiel aufsaß. Also wenn einmal ein paar Wellen ins Hafenbecken drängten. Weiter nach hinten durfte ich also nicht – sonst hätte ich ein größeres Problem gehabt.

Barstahamn im Rückspiegel

Aber mit etwas Motorunterstützung bekam ich Miss Sophie schließlich frei und raus. Zuerst ging es zwischen ein paar Inseln etwas enger hindurch und an Bönhamn vorbei. Dort war ich letztes Jahr zwei Tage. Auch nett, eigentlich netter als Barstahamn – finde ich. Der erhoffte Wind, den ich noch im Hafen hatte, blieb dann draußen aus. Etwa 5 Knoten und wieder einmal aus Nordost. Zwischenzeitlich prüfte ich noch den Seewetterbericht von SMHI. Wind aus SO, etwa 4 – 7 Knoten am Nachmittag zunehmend. Das einzige was stimmte war die Windstärke. Die blieb dann aber auch so für den ganzen Tag. D.h. nicht ganz – vor Trysunda drehte der Wind mal Richtung Ost und hatte eine annehmbare Stärke – knapp 10 Knoten. Also zog ich hoffnungsvoll das Großsegel hoch. Doch kaum hatte ich das Segel oben, schlief der Wind wieder ein. Es ist wirklich verhext. Eine Weile fahre ich mit Motor und hochgezogenem Großsegel, das genau im Wind flattert. Es hilft nichts – ich muss das Segel wieder herunterholen.

Ich fahre weiter unter Motor zwischen den Schären hindurch. Dabei fahre ich an einigen Orten vorbei, die ich letztes Jahr besucht hatte. Bönhamn, Ulvohamn, Trysunda… Aber da hatte ich viel Zeit – jetzt bin ich etwas unter Zeitdruck denn das Ziel Haparanda steht noch. In Örnsköldvik wird die Rechnung gemacht…

Nach 7 Stunden erreiche ich schließlich Örnsköldvik. Das war im letzten Jahr der nördlichste Punkt, den ich auf meiner Reise erreicht hatte. Jetzt beginnt dann Neuland für mich.

Festgemacht in Örnsköldvik – wieder alleine…
Same procedure as last year…. Miss Sophie zwischen Glas und Flasche im Hintergrund

Morgen Vormittag soll es regnen aber ab Nachmittag wieder trocken sein. Das passt in meinen Plan denn ich wollte hier noch einmal die Vorräte auffrischen denn ab jetzt wird es dünn mit größeren Ortschaften oder Städten.

Zwischenfazit

Ich hatte mir als erstes Ziel gegeben, zügig in Örnsköldvik zu sein – meinem Umkehrpunkt im letzten Jahr. Hier wollte ich sehen wie ich zeitlich liege und entscheiden ob es weiter Richtung Haparanda oder zurück gehen soll. Ich hatte grob überschlagen, mit wieviel Seemeilen ich in Summe am Ende rechnen müsste – das sollten ca. 1700 sm sein. Im letzten Jahr hatte ich teilweise gemütlich und mit technischen Problemen 1500 sm gemacht.

Wie im vergangenen Jahr habe ich ca. 100 Tage Zeit (wobei „Zeit“ im Juli/August wieder relativ ist, da Workation). Im letzten Jahr hatte ich etwas mehr als 60 Segeltage. Dabei hatte ich jedoch zweimal technische Probleme und nach der Entscheidung, Haparanda fallen zu lassen, hatte ich es gemütlich angehen lassen.

Start und Ziel – etwa 830 sm von Örnsköldvik nach Öregrund. Die abgekürzte Ostseerunde

Bisher habe ich einen Schnitt von 30 sm je Segeltag. Wenn ich den Schnitt halten kann, sollte ich bei 65 Segeltagen 1900 sm machen können. Vor einigen Tagen habe ich noch etwas gelächelt über den Kollegen aus Deutschland mit einem etwas kleinerem Boot, der die große Ostseerunde machen und Mitte Juli zurück in Stockholm sein möchte. Doch inzwischen denke ich, dass das auch für mich nicht so abwegig ist. Zumindest in Öregrund sollte ich Mitte Juli sein. Wenn ich das einmal auf der Karte grob abstecke sind es ca. 830 sm von hier bis Öregund – nach meinem Plan. Bis Mitte Juli sind es 30 Tage – 20 Segeltage netto. Dann komme ich wieder auf den Schnitt von 30 sm je Segeltag. Das sind solche Rechnungen, die ich alle paar Tage mache. Das Ziel ist und bleibt ambitioniert.

Mein Problem: Ich kann kaum schneller, ich kann kaum mehr. Das Problem ist die Größe des Bootes. Mit meinen 28 Fuß (8,20 Meter) bin ich hier der kleinste. Die meisten Segelboote sind 37 Fuß und größer. Das sind 2,5 Meter mehr Länge (und mehr) als mein Boot. Es gibt eine einfache Redensart: „Länge läuft“. Mit zwei Worten wird ein physikalisches Gesetz aller Verdränger beschrieben. Während die anderen unter Motor und unter Segel locker 6 bis 7 Knoten machen, mache ich einen Schnitt von etwa 4,5 Knoten – wenn es gut läuft.

Es läuft wieder nicht wie geplant…

Mittwoch, 10. Juni 2026

Die Wettervorhersage kündigt Regen an der bis Mittag aufhören soll. Die Wind soll dann moderat – etwa 20 Knoten betragen. Der Regen ist dann tatsächlich gegen Mittag weg. Doch der Wind nimmt mehr und mehr zu. Hier im Hafen messe ich bis 25 Knoten. Draußen hat es wohl Böen bis 30 Knoten. Auf dem AIS sehe ich ein Segelboot am Eingang des Sunds. Ich gehe erst einmal duschen und einkaufen.

Als ich zurückkomme sehe ich ein finnisches Paar an einer Heckboje kämpfen. Die Frau ist bereits auf dem Steg und er wirft ihr eine Leine zu. Aber bei dem starken Seitenwind bekommen sie das Boot nicht an den Steg. Ich komme um zu helfen. Mit vereinten Kräften schaffen wir es den Bug Stück für Stück an den Steg zu bringen.

Die Frau sagt mir, dass es draußen sehr hohe Wellen gehabt hätte. Die Messboje Bothnia Sea meldet 1,8 Meter.

Es ist ähnlich wie im letzten Jahr als ich hier war. Da war auch so ein Starkwindtag der die Wellen über den Schwimmsteg schwappen lies. Für morgen sieht es besser aus und ich werde morgen versuchen Meilen zu machen.

Ein genialer Segeltag – auf nach Umeå

Donnerstag, 13. Juni 2026

Dass es so gut laufen sollte, hatte ich mich nicht gewagt zu träumen. Optimisch hatte ich trotzdem einmal Umeå als Ziel im Orca eingegeben. Abbrechen konnte ich immer noch. Wind aus Süd mit Windstärke 10 Knoten (plus) war angekündigt. Früh am Morgen ging es raus aus dem Sund von Örnsköldvik, natürlich unter Motor denn der Sund ist Richtung SO bzw. NW ausgerichtet (mit einer Stelle an der es genau Richtung Süd geht).

Alle einsteigen – die Segel sind gesetzt, die Fahrt kann beginnen

Nachdem ich raus aus dem Sund war, schon in Höhe Skeppsmalen, konnte ich die Segel hochziehen. 10 Knoten wie angekündigt und zuerst ging es ein Stück auf Halbwind – da läuft das Boot am besten. Dann musste ich mehr und mehr abfallen Richtung Nordost. Aber die Vorhersage hielt was sie versprochen hatte und es ging gut mit 5 Knoten voran. Nur einmal lies der Wind etwas nach und ich hatte schon Sorge wieder einmal nicht zutreffenden Vorhersagen aufzusitzen. Doch dann zog der Wind an und Miss Sophie beschleunigte. 5 bis 6 Knoten mit gut auszuhaltender Welle. Als 15 Knoten auf der Windanzeige standen, wurde ich schon etwas unruhig. Mehr sollten es jetzt nicht werden denn ich hatte kein Reff im Großesgel – also die volle Segelfläche. Einige Male sprang die SOG (Speed over Ground) Anzeige über 6,5 Knoten. Ich hatte keine Lust zu surfen – damit habe ich keine guten Erfahrungen gemacht. Aber es pendelte sich dann ein und ging flott dahin. Ich konnte es mir wieder gemütlich machen und alle 10 bis 15 Minuten Ausguck halten.

Ein „Fairway Maintenance“ Boot (wahrscheinlich schauen sie nach den Tonnen im Fahrwasser) kam mir entgegen, wich mir aber aus. Plötzlich sah ich vorab auf Backbord ein kleines Segelboot. Er segelte nur mit der Genua und auch weil das Boot etwas kleiner war als meines zog ich relativ zügig an ihm vorbei.

Zwischenzeitlich hatte ich etwas Hunger. Der Wind lies langsam nach wie es für den Abend angekündigt war. Da das Boot relativ stabil lief, nur ab und an eine etwas höhere Welle störte, setzte ich einen Topf mit Wasser auf und holte eines der Travel-Menüs aus der Backskiste. Für solche Situation finde ich diese genial. Einfach mit heißem Wasser aufgießen, Beutel wieder verschließen und 10 Minuten ziehen lassen. Und schon hat man eine warme, kraftvolle Nahrung. Bis ich gegessen hatte, hatte der Wind weiter nachgelassen und die Geschwindigkeit sank auf unter 3 Knoten. Auch wenn es gerade nicht mehr richtig dunkel wird, hatte ich keine Lust spät in der Nacht im Hafen anzukommen. Zudem bei nachlassender Geschwindigkeit die Welle zunehmend nervt.

Also beschließe ich die Segel herunter zu holen und den Motor anzuwerfen. Als ich das Großsegel berge staune ich nicht schlecht – die „Zitrone“ das kleinere Segelboot welches ich vor einiger Zeit überholt hatte und noch kaum sichtbar war, stand fast hinter mir. Er hatte wohl schon früher den Motor angeworfen und war als Motorsegler unterwegs.

Aber bald hatte ich dann doch wieder Abstand gewonnen und nahm jetzt direkten Kurs auf die Einfahrt nach Umeå. Auf dem Plotter und in etwas Entfernung sah ich eine Fähre mit hoher Geschwindigkeit. „VASAUMEAVASA“ wurde auf dem Plotter angezeigt. Also eine Fähre die zwischen Vasa (Finnland) und Umeå verkehrt. Mich störte sie nicht denn diesen Fairway sollte ich nicht nehmen. Es ging zuerst etwas eng zwischen ein paar vorgelagerte Inseln hindurch und damit war die Welle auch weg und das Wasser glatt. Eigentlich hätte ich den kurzen Weg außerhalb des Fahrwassers nehmen können. Doch immer wieder zwingen mich ausgelegte Fischernetze den Umweg Richtung Fahrwasser zu nehmen. Und dort kommt mir jetzt ein Frachtschiff entgegen. Aber da ich am Rand des Fahrwassers, knapp außerhalb davon bin, kommen wir problemlos aneinander vorbei.

Nach 12,5 Stunden und knapp 60 sm habe ich den Umeå Segelsällskap erreicht. Im Bredvik Gästhamn finde ich die Gästeplätze, die alle leer sind. Ich gehe zum Clubhaus um Informationen zur Bezahlung und zum Zugang der sanitären Einrichtungen zu finden. Ein Schwede mit gelber Warnweste kommt daher. Er hat Nacht- bzw. Wachdienst. Er sagt mir, dass sie das zweimal im Jahr machen müssen. Er erklärt mir alles, gibt mir einen Zugangsschlüssel und auch noch ein Schlüssel für ein Fahrradschloss, für den Fall dass ich mit einem der Fahrräder am nächsten Tag in den Ort fahren möchte. Alles fein hier, nicht Schnicki-Micki aber gemütlich und sehr ordentlich.

Morgen soll es die meiste Zeit regnen weshalb ich gleich geplant habe, zwei Tage hier zu bleiben. Und dann mal sehen was am Samstag geht…

Jetzt wird es kitschig – es geht auf Mittsommer zu

Regentag im Umeå Segelsällskap

Freitag, 12. Juni 2026

Der Regentag heute kam nicht überraschend. Das war mit ein Grund dafür, die guten Bedingungen gestern zu nützen und einen langen Schlag zu machen. Ich nütze den Tag weiter zu planen. Morgen sollte ich noch einmal einen guten Schlag machen können – Wind und Wetter sollten passen. Dann muss ich mir einen Hafen suchen der gut gegen Nord geschützt ist. Am Sonntag wird ein Sturmtief durchziehen das für Starkwind sorgt.

Sonntag wird es wohl sehr windig

Töre sollte ich dann in vier weiteren Etappen erreichen wobei ich sehen muss wie es nächste Woche läuft denn der Wind soll auf Nord drehen und insgesamt wird das Wetter etwas unsicher.

Am Abend koche ich mir Spaghetti Bolognese in der Küche des Clubheims. Die Bolognesesauce sollte für zwei weitere Portionen reichen und somit wandert der Rest in die Kühlbox. Denn die nächsten Möglichkeiten anzulegen sehen weder Landstrom noch Gastronomie vor. Und sollte es eine Gastronomie in der Nähe haben: Die Saison hat hier (Mitte Juni) noch immer nicht begonnen. D.h. die Gastronomie außerhalb, an typischen Sommerplätzen, ist hier im hohen Norden immer noch geschlossen. Die meisten Schweden haben ab Mittsommer Ferien – dann beginnen die Schulferien die bis Ende August gehen.

Trotzdem ein guter Tag

Samstag, 13. Juni 2026

Wie jeden Abend vor einem Segeltag habe ich die aktuellen Wind- und Wetterprognosen am Vorabend studiert. Die Prognosen schienen so gut, dass der Bjuröklubb Hafen möglich schien. Das wären zwar etwa 60 sm (neuer Rekord), aber machbar. Dabei ging Orca aber von etwa 15 Knoten Raumwind aus.

Jedenfalls stand ich früh auf, denn es könnte ja ein langer Tag werden. Schlüssel für das Clubhaus abgegeben, alles seefertig gemacht und los ging es um etwa 7.30 Uhr. Erst einmal wieder durch die vorgelagerten Inseln hindurch. Wie bei der Einfahrt verwehrten Fischernetze den kürzesten Weg und ich musste eine ungewollte Kurve machen. Diesmal war jedoch auch der Fischer da, der mir (dankend?) zuwinkte.

Umeå erscheint vor allem als Industriestadt

Als ich das Fahrwasser der Fähre Umeå – Vasa gequert hatte (die zum Glück gerade nicht in die Quere kam) und „draußen“ war, trat Ernüchterung ein. Wind etwa 7 bis 8 Knoten. Aber wenigstens aus der richtigen Richtung – Südsüdost. Also Segel gesetzt und auf Raumwind- bzw. fast Vorwindkurs ging es immerhin mit etwa 4 Knoten voran. Dankbarerweise hatte es so gut wie keine Welle so dass die Segel recht gut standen.

Aber meine berechnete Ankunftszeit verschob sich mehr und mehr Richtung Mitternacht. Dabei berechnet Orca die Ankunftszeit wie jede andere Navigationssoftware – nach der aktuellen Geschwindigkeit. Ich studiere noch einmal Windy und die Seewettervorhersage. Gegen 22 Uhr soll der Wind schwach werden und schließlich auf Nord drehen.

Nur 4,3 Knoten – das ist zu wenig

Ich schaue mir das noch eine Weile an, hoffe immer noch, dass der Wind anzieht. Aber ich muss schließlich eingestehen, dass das keinen Sinn macht. Das ist auch zu riskant. Nach Mitternacht rückt dann der Starkwind aus Nord an. Die Helligkeit wäre nicht das Problem – es wird ja nicht mehr dunkel. Ich hatte schon Alternativen geplant da ich wusste, dass dazu die Bedingungen wirklich ideal sein müssten. Also plante ich um auf Sikeå. Neu berechnete Ankunftszeit etwa 18.30 Uhr. Das ist auch gut. Dann kann ich noch in Ruhe essen und vor allem: alles sturmfest machen. Der Hafen soll zwar gut geschützt sein gegen Nordwind aber hier ist ringsum alles flach – kaum eine Erhöhung, die man einen Hügel nennen könnte.

Raumwindkurs

Zwischenzeitlich hatte der Wind dann doch etwas zugenommen und ich musste die erste Halse planen. Entgegen der Planung von Orca schaffte ich es an der Insel Holmön noch ohne Halse vorbei. Doch bald zwang mich eine Untiefe nun doch die ungeliebte Halse zu machen. Einhand ist das (oder scheint mir) immer etwas schwieriger als eine Wende. Inzwischen mache ich es in der Regel so, dass ich davor zuerst die Fock einrolle damit ich mich auf das Großsegel konzentrieren kann. Also Halse gemacht, Fock wieder ausgerollt und weiter geht es. Inzwischen hat der Wind etwas gedreht so dass ich sogar die Hoffnung habe, mit nur noch einer Halse bis Sikeå durchzukommen. Ich kann es mir bequem machen und döse etwas. Weit und breit ist nichts zu sehen. Nur zwei Rettungsschiffe brettern an mir mit 30 Knoten in einiger Entfernung vorbei.

Ich kann es mir bequem machen….

Doch dann dreht der Wind wieder etwas – diesmal in die ungünstigere Richtung und ich muss zwei weitere zusätzliche Halsen machen. Vor der Einfahrt nach Sikeå werfe ich den Motor an und berge die Segel. Die Einfahrt ist unkompliziert. Ich frage mich nur, ob es im Hafenbecken tief genug ist und schaue ob ich Segelmasten hinter den Birken sehe, die den direkten Blick verwehren. Da sehe ich einen Mast bei dem ich denke „den Mast kenne ich doch“. Er ist deshalb auffallend, weil er im Top einen quadratischen Radarreflektor hat – das hatte ich noch nie gesehen. Und tatsächlich – „Schröder“, der Kollege aus Braunschweig der die große Ostseerunde machen möchte und Mitte Juli in Stockholm sein muss, liegt hier.

Festgemacht in Sikeå

Selbstverständlich springt er heraus und hilft beim Anlegen an der Heckboje. „Dich hätte ich jetzt in Haparanda vermutet“, meine ich. Er hat wohl auch einige Tage abgewettert und kam nicht schneller voran.

Nachdem ich alles sturmfest, die Heckboje mit Hilfe der Winsch noch einmal extra dicht geholt und gegessen habe, lasse ich zum ersten Mal in Schweden die Drohne starten und mache ein Video (Die Videos vom letzten Jahr findet man auf Youtube).

So, nun habe ich wieder einen Tag an dem ich planen und Gedankenspiele machen kann. Haparanda rückt langsam in greifbare Nähe…

Die Ruhe vor dem Sturm…

Richtung Kuggören und zurück

Sonntag, 31.05.2026

Was ein Tag… Zuerst – der Schwede, von dem ich zuletzt erzählt hatte, wollte ja noch nach einem Schlauchverbinder schauen. Ich hatte ihm am Vorabend gesagt dass er ja schauen kann ob ich noch da bin und ggf. kann ich ihm noch helfen den Schlauchverbinder zu montieren. Doch am Morgen ist es ruhig an meinem Boot.

So gehe ich einmal vor um zu schauen ob er klar kommt. Ein anderer Schwede kommt von Bord. Er hatte ihm geholfen den Kraftstoffschlauch zu tauschen da wohl kein Schlauchverbinder aufzutreiben war. Er möchte wohl erst einmal ohne Vorfilter fahren. Aber jetzt hing er am Kraftstofffilter der zwar gelöst war, aber sich nicht abziehen lassen wollte da das bei diesem alten Yanmar Motor unglücklich eng verbaut ist. Ich versuche mein Glück und bekomme das Gehäuse abgezogen. Dabei fliegt jedoch die Überwurfschraube klappernd in die Bilge. Der Motor ist bei diesem Boot so bescheiden verbaut, dass man nicht mit einem Arm in den Raum unter den Motor kommt. Die Überwurfschraube ist erst nicht zu sehen. Ich versuche es von der anderen Seite von der Plicht. Schließlich kann ich das begehrte Stück entdecken. Mit einem Teleskopstab kann ich das Teil heranziehen und retten. Jetzt kann der neue Filter montiert werden (wobei das Filtergehäuse zuvor mit etwas Diesel gefüllt wird). Dann noch den Kraftstoffschlauch fertig montieren. Ich erkläre ihm das es wichtig ist, den Motor jetzt zu entlüften da er einiges an Luft im System hat – u.a. vom neuen Kraftstoffschlauch.

Und als Dankeschön bekomme ich neben einigen Dosen Bier – tarara – einen Bootshaken 🙂

In der Backskiste des Schweden den Schlauch montieren
Im Sund ist es noch schönes Segeln auf Halbwind-Kurs

Jetzt, nach einer gründlichen Wäsche der Hände und Arme, kann es für mich endlich losgehen. Das Wetter sieht bestens aus. Strahlend blauer Himmel und ein leichter Wind. Im Sund von Hudiksvall segelt es sich herrlich. Ich kann sogar das engere Fahrwasser mit den Untiefen links und rechts hindurch segeln. Doch dann komme ich um die Ecke der Halbinsel Lövsalen und es sollte jetzt Richtung Nord gehen. Ich hatte auf einem Am-Wind-Kurs gehofft. Doch plötzlich verkehrte Welt – Wind (mit 17 Knoten) und Welle kommen genau von vorne, der Richtung in die ich muss. Selbst kreuzen macht keinen Sinn, ich laufe keine Höhe. Und dazu kommt noch Nebel auf. Es hilft nichts – obwohl ich 2/3 der Strecke geschafft habe, muss ich abbrechen.

Nachdem ich wieder zurück um das Eck bin, ist es deutlich ruhiger. Ich bin in der Abschattung der Landmasse. Aber es ist deutlich kälter geworden. Wäre es wärmer, würde ich jetzt vielleicht nach einem Ankerplatz Ausschau halten. Aber ich habe im Moment nicht im Kopf, wie das Wetter am nächsten Tag sein soll. Außerdem kommt der Dunst jetzt auch von Süden. Ich will einfach nur zurück nach Hudiksvall. Landstrom, Heizung und den Stresslevel herunterfahren. Der Wind hat wohl zwischenzeitlich etwas gedreht denn jetzt fahre ich einen Am-Wind-Kurs. Aber noch einmal umdrehen und es darauf ankommen lassen möchte ich nicht. Wenn es so weiter läuft bin ich um 21 Uhr am Gästesteg. 27 Seemeilen für nichts… Aber besser im sicheren Hafen als ganz großes Drama. Für morgen sieht es besser aus – der Wind soll auf Ost drehen.

Zu Wind und Welle (hier nicht mehr zu sehen) kam dann noch Seenebel

Mit achterlichem Wind durch den Nebel

Montag, 1. Juni 2026

Der Wind und Wetterbericht für heute ist gut – weitgehend gut. SMHI (Das Schwedische Meteorologische und Hydrologische Institut) kündigt etwas Nebel an. In Hudiksvall ist am morgen strahlend blauer Himmel. Der Wind soll auf Südost drehen – also ideal um Richtung Norden zu kommen. Doch zuerst kommt er aus Ost. D.h. unter Motor raus aus dem Sund. Das ist immer wieder der Nachteil: Die Städte liegen meistens tief in einem Sund. D.h. Sund rein, Sund raus. Das kostet jedes Mal viel Zeit. Im Fall heute bedeutet es 3 Stunden unter Motor bis ich endlich draußen auf der Ostsee bin und einen neuen Kurs habe.

Tschüss Hudiksvall – unter Motor geht es raus aus dem Sund

Und sogleich läuft es auch – mit schönem, raumen Wind mache ich 5 Knoten Fahrt. Und ja, es hat Nebel. Die Sichtweite beträgt etwa 500 Meter, also kein ganz dichter Nebel. An der Reling bilden sich Nebeltropfen. Ich stelle den Pinnenpiloten ein und versuche es mir gemütlich zu machen, soweit das bei der Kälte geht. Ich möchte den idealen Wind ausnützen und Kuggören diesmal links liegen lassen. Doch nach Kuggören kämpfe ich etwas mit Wind und Kurs. Der Wind dreht zunehmend auf Südsüdost und ich bekomme ihn damit zunehmend mehr direkt von hinten was nicht so ideal ist. Zum einen flattert dann die Fock lustlos in der Abdeckung des Großsegels und zum anderen muss ich immer wieder aufpassen keine Patenthalse zu riskieren. Dazu muss ich noch zwischen zwei Untiefen hindurch. Zuletzt, eine Stunde vor Stocka, schmeiße ich den Motor an. Bei abnehmendem Wind (unter 10 Knoten) und Welle von hinten macht das keinen Spaß. Und außerdem ist es kalt.

Endlich Segel setzen
Der Kurs ist eingestellt und ich mache es mir bequem
Kurz vor Stocka – etwas Sonne

Wie erwartet bin ich in Stocka vollkommen alleine. Überhaupt ist das eine Anlegestelle, die wohl nicht so stark frequentiert ist. Stocka kenne ich vom letzten Jahr. Kombiniert mit einem Wohnmobil-Stellplatz, kleine aber feine Sanitäranlagen und dazu günstig. In diesem Jahr 150 SEK mit Strom (letztes Jahr noch 120 SEK).

Festgemacht in Stocka

Ein Tag Pause in Stocka

Dienstag, 2. Juni 2026

Ich mache einen Tag Pause in Stocka. Das hat mehrere Gründe… Die Hafengebühr ist hier sehr günstig – 150 SEK mit Strom und die Sanitäranlagen sind ziemlich o.k. Also wird es mal wieder Zeit zu duschen und sich zu rasieren. Ich sehe schon fast aus wie ein Seeräuber. Und in Hudiksvall hatte ich ja keinen Schlüssel für die Sanitäranlagen. Dafür hatte ich keine Hafengebühren bezahlt – die hätte ich ja beim Hafenmeister entrichten müssen.

Ein Tag Pause in Stocka

Der Hauptgrund für die Pause: Ich hatte schon im letzten Jahr Probleme mit meinem B&G Triton2 Display. Nach mehrfachem Ein- und Ausschalten brachte ich es im letzten Jahr zum laufen und schaltete es dann nicht mehr aus. Doch in diesem Jahr lässt es sich nicht mehr starten. Es flackert hell/dunkel – mehr nicht. Ich hatte schon die Tage noch einmal nach den Kabeln geschaut. Doch da lässt sich kein Fehler feststellen. Ich war im letzten Jahr schon mehrfach im Austausch mit dem Support von B&G, der mir nicht weiterhelfen konnte.

Jetzt habe ich ein neues Display bestellt, in Schweden. Ich hatte ja im letzten Jahr Bekanntschaft mit einer Gruppe der Swedish Cruising Association gemacht und war mit einem Mitglied in Kontakt geblieben. Er wohnt bei Sundsvall und wird das Paket annehmen. Nach Sundsvall sind es noch etwa 35 sm. Das kann ich morgen machen. Das Paket sollte am Donnerstag bei ihm ankommen (laut NordPost). So bin ich dann in der Nähe von seinem Wohnort und er wird dann mit dem Motorrad zu mir fahren, um mir das Paket zu bringen.

Das ist jetzt meine letzte Hoffnung. Wenn es dann nicht funktioniert habe ich keine Idee mehr. Und ja, zusätzliche Stromversorgung an das NMEA Netzwerk hatte ich schon im letzten Jahr nahe dem Display gelegt.

Dann schaute ich heute noch einmal nach der Tankanzeige. Also Strom liegt an – daran liegt es wohl nicht. Jetzt bin ich echt etwas ratlos.

Abends gibt es Köttbullar mit Kartoffeln aus der Bordküche

Am späten Nachmittag kommt ein weiterer deutscher Segler an und ich bin echt überrascht. Ich dachte der einzige Verrückte zu sein. Er kommt aus Braunschweig und ist vor 10 Tagen in Stockholm gestartet. Er hat ein kleineres und wesentlich älteres Boot als ich, mit Außenborder und möchte die große Ostseerunde machen. Mitte Juli muss er in zurück in Stockholm sein. Respekt – sehr sportlich mit so einem Boot. Aber andererseits gibt es mir Mut, mein Ziel zu erreichen.

Und noch eine erwähnenswerte Überraschung: Es hat Schnacken (Stechmücken). Das überrascht mich insofern als das ich hier ja ziemlich im Norden bin, es noch relativ kalt ist und auch die Winter kalt und lang sind. Aber die Viecher scheinen alles zu überleben. Und in der Anzahl habe ich sie aus dem letzten Jahr nicht in Erinnerung.

Alle Vorhersagen liegen daneben

Mittwoch, 3. Juni 2026

Für heute war wieder Wind aus Südost vorhergesagt. Also ideal für mein Vorhaben Richtung Norden zu kommen. Also vertrödele ich nicht zu viel Zeit und schaue das ich weg komme. Draußen ist der Wind sehr schwach. O.k. es war vorhergesagt, dass der Wind zunächst schwächer ist und im laufe des Tages zunimmt. Doch die Richtung stimmt nicht. Der Wind kommt aus Nordost, eher sogar aus Nord. Also ist auch kein Am-Wind-Kurs möglich. Ich lasse den Motor erst einmal weiter laufen und erwarte das der Wind zumindest bald dreht. Die Welle ist nicht hoch, aber doof. Nach 2 1/2 Stunden prüfe ich noch einmal Windy. Wind soll aus Südost kommen. Ich prüfe den lokalen Wetterbericht und auch den Seewetterbericht des SMHI – Wind soll aus Südost kommen. Nur der Wind hält sich nicht daran. Jetzt bin ich schon drei Stunden mit Motor unterwegs. Querab liegt auch kein Hafen. Und es hat Nebel.

Also weiter unter Motor. Nach fünf Stunden dreht der Wind endlich und frischt auf. Ich setze die Segel und kann auf schönem Raumwindkurs segeln. Zwischen dem Festland und einer vorgelagerten Insel bildet sich ein Düseneffekt und der Wind frischt so auf, dass ich die Fock weg nehme. Ich muss gleich danach auch eine Halse machen und ein Frachter kommt gerade aus dem Sund heraus. Ich habe kein Reff im Großsegel und das wird mir sonst zu viel. Auch ohne Fock mache ich noch gut 5 Knoten – das reicht mir.

Ich mache die Halse und der Wind lässt langsam wieder nach so dass ich die Fock wieder ausrollen kann. Im Moment läuft es noch ganz gut – erwartete Ankunftszeit 20:15 Uhr. Doch der Wind dreht zunehmend weiter nach Süd so das ich den Wind mehr und mehr von hinten habe. Ich muss wieder aufpassen keine Patenthalse zu machen. Das Risiko wird noch erhöht durch eine unangenehme Kabbelwelle. Dann lässt der Wind auch noch nach. Die berechnete Ankunftszeit verschiebt sich zunehmend nach hinten. Ich berge wieder das Focksegel das nur noch lustlos im Wind schlägt. Geschwindigkeit nur noch 2 Knoten. Mit der Welle macht das keinen Spaß. Also wird wieder der Motor angeworfen. Noch 1 1/2 Stunden bis zum Hafen.

Sundsvall präsentiert sich schon von weitem als weniger schöne Industriestadt. Aber der Hafen macht einen guten Eindruck und – ein ganz wichtiger Punkt der für Sundsvall spricht: Es gibt einen Lidl nur 300 Meter vom Hafen entfernt. D.h. endlich H-Milch. Ich hatte schon im letzten Jahr berichtet, dass man in Schweden nur schwer H-Milch findet. Ich hatte in den letzten Tagen in den verschiedenen Coop und ICA geschaut – keine H-Milch. Kaffee ohne Milch ist für mich nur schwer zu ertragen. Deshalb überbrückte ich mit diesen Soja-Lösungen die sich auch noch Barista nennen. Außerdem brauche ich Kaffee-Nachschub.

Break in Sundsvall

Donnerstag, 4. Juni 2026

Ich unterbreche in Sundsvall. Ich hatte oben erzählt, dass ich jetzt ein neues Triton2 Display in Schweden bestellt hatte. Ich treffe mich mit meinem Freund aus Schweden und er bringt mir das Display an den Hafen. Davor fragt er mich noch, ob ich Diesel brauche. Ja, ich wollte eigentlich hier tanken. Nach 15 Minuten kommt er mit drei 25 Liter Kanistern Diesel, einer Pumpe und dem Display. Hammer…

In den Tank passen aber nur 23 Liter. Ich bin überrascht. Ich bin jetzt etwa 30 Stunden unter Motor gefahren und hätte damit gerechnet das ich etwa 40 Liter benötige. Einen Kanister behalte ich. Jetzt habe ich 35 Liter Reserve in der Backskiste. Das Triton2 Display wird getauscht und funktioniert. Da bin ich jetzt beruhigt. Das ständige Umschalten auf dem Vulcan 7 zum Wechseln zwischen Anzeige der elektronischen Karte und der verschiedenen Daten hat genervt. Ich möchte gerne Wind und Geschwindigkeit ständig im Blick haben.

Das neue Display wird geliefert und funktioniert

Am Abend waren wir dann noch zusammen essen und es kam noch ein weiterer Bekannter dazu der im letzten Jahr bei diesem Treffen dabei war. Dabei bekam ich eine Kappe des SXK geschenkt – danke dafür 🙂

Abwettern in Sundsvall

Freitag/Samstag, 5./6. Juni 2026

Regen und teilweise Starkwind lassen mich hier in Sundsvall gerade festhängen. Für morgen, Samstag, gibt es eine Warnung vor Gewitter vom SMHI. Ich muss noch mal nach meinem Funkgerät schauen bzw. nach der NMEA-Verbindung denn nachdem ich das Instrumentenpult abgeschraubt hatte, um nach der Tankanzeige zu schauen, wurden mir auf dem Plotter die AIS-sendenden Schiffe nicht mehr angezeigt. Der Wackelkontakt ist schnell gefunden – ein NMEA-Kabel war nicht richtig fest verschraubt. Ich hoffe jetzt dann endlich einmal Ruhe mit dem ganzen Elektronikzeug zu haben.

Ich gehe noch einmal einkaufen denn am 6. Juni ist schwedischer Nationalfeiertag und da werden die Geschäfte wohl geschlossen sein.

Meinen Sprit-Verbrauch kann ich jetzt abschätzen nachdem ich den Tank voll gemacht habe. Etwa 0,9 Liter pro Stunde. Mit diesem Schätzeisen kann ich leben.

Kaum zu glauben…

Letztes Jahr war ich Anfang Juni in Kalmar (also weit, weit südlicher als jetzt – Luftlinie ca. 630 km). Und in den folgenden zwei bis vier Wochen war ich eigentlich weitgehend alleine unterwegs. In den Häfen traf ich nur einzelne andere Segler. Jetzt, in Sundsvall, liegen 5(!) deutsche und ein finnisches Segelboot. Irgendwie verkehrte Welt. Aber es ist lustig. Man trifft immer wieder Segler, die man schon zuvor getroffen hat.

Am Montag sieht es wieder gut aus – dann kann es weitergehen Richtung Norden.

Die Nervosität steigt langsam….

Donnerstag, 21. Mai 2026

Noch 3 Tage, dann geht es von Zürich mit dem Flieger nach Stockholm und mit dem Zug nach Gävle. Der Termin zum Einwassern am Pfingstmontag, 25. Mai ist organisiert.

Die letzten Wochen waren vor allem geprägt von Stress bei der Arbeit. Aber nebenbei musste ich natürlich noch planen und organisieren vor allem der Dinge die ich mitnehmen muss (abgesehen von Kleidung etc.). Ich hatte im letzten Beitrag ja schon etwas darüber geschrieben. Kraftstofffilter (den möchte ich vielleicht wechseln), eine Dichtung für das Porta Potti die getauscht werden muss, das Handset für das Funkgerät ist da, CO2 Patronen für die Rettungsweste (bei Swiss angemeldet) und Reparaturmaterial für das aufblasbare Kajak (der Boden hatte zuletzt Luft verloren).

Und: Diesmal mit im Gepäck – eine neue Drohne. Ich habe ja schon seit langem eine Drohne (DJI Phantom 4 Pro). Die wollte ich ursprünglich letztes Jahr mitnehmen (auch wenn ich etwas illegal unterwegs gewesen wäre). Doch mangels Platz blieb sie zu Hause. 2024 trat eine neue Drohnenregelung in Kraft weshalb ich die Phantom 4 Pro nicht mehr mit dem kleinen Drohnenführerschein hätte fliegen dürfen.

Deshalb wurde es jetzt eine DJI air 3s die ich in der Kategorie C1/A1 mit dem erneuerten Kompetenznachweis fliegen darf. Ich bin selbst gespannt darauf, welche Aufnahmen sich daraus ergeben. Man wird sehen…

Ein anderes Thema war die Verbraucherbatterie, die am Ende war. Es war etwas mühsam jemand in Gävle zu finden der mir sowohl eine neue Batterie am Pfingstmontag liefert und auch die alte Batterie gleich mitnimmt. In Deutschland ist die Rücknahme eine Selbstverständlichkeit. Dafür holt mich der Lieferant am Hotel ab und fährt mit mir zusammen raus zur Marina. Um sicher zu gehen gibt es auch eine neue Starterbatterie.

Und das ist der Punkt, der etwas anstrengend ist – nördlich von Stockholm beginnt die „Pampa“. Bedeutet, es wird zunehmend schwerer Zubehör oder Service für das Boot zu bekommen. Das wird etwas verständlich, wenn man Deutschland mit Schweden vergleicht. Deutschland: 84 Mio. Einwohner, Schweden: 11 Mio. Einwohner. Dabei ist Schweden 1,3 mal so groß wie Deutschland.

Anstrengende Anreise

Sonntag, 24 Mai 2026

Um 9 Uhr ging es los Richtung Flughafen Zürich. Dann Check in. Diskussion wegen der Co2 Patronen – er muss erst jemanden fragen. O.k. kein Problem – ich traue dem Braten noch nicht. Dann an der Sicherheitskontrolle. Mein Handgepäck läuft in die Kontrolle. Wieder Diskussion wegen der Co2 Patronen. Hätte ich die Rettungsweste dabei, wäre es kein Problem. Aber ohne Rettungsweste darf ich keine Co2 Patronen mitführen. Was ein Schwachsinn!!! Einzige Option: Zurück zum Check in und ein Handgepäckstück mit den Co2 Patronen als Aufgabegepäck. Also wieder zurück und zu dem gleichen Kollegen. Ich packe die Co2 Patronen in die Laptop-Tasche und gebe diese als Aufgabegepäck auf – ich bin gespannt, ob die noch in der Tasche sind wenn ich in Stockholm ankomme. Der Flieger hat 1 Stunde Verspätung. Egal – ich muss nicht auf den Zug….

Am Flughafen Stockholm Arlanda Stress mit der Zugverbindung. Ich merke ich werde alt… Das ärgerliche: In Schweden brauchst du drei, vier Apps je nachdem wo du gerade mit dem Zug fahren möchtest. Es gibt nicht eine(!) Deutsche Bahn sondern zig verschiedene Anbieter die bestimmte Strecken betreiben. Und vor lauter Stress habe ich dann den Bootshaken am Flughafen vergessen. Ich könnte mich in den Arsch beißen…

Nach etwa 10 Stunden dann Ankunft in Gävle. Das Wetter ist schön. 23 Grad, leicht bewölkt. Aber die Aussichten sind nicht so gut. Regen und kühler soll es werden. Morgen ist zuerst einmal der Termin zum Einwassern. Hoffen, dass Miss Sophie den Winter gut überstanden hat und der Motor läuft.

Bestes Wetter auch in Gävle

Zurück im Wasser

Montag, 25. Mai 2026

Pfingstmontag ist in Schweden kein Feiertag – das hatte ich schon letztes Jahr bemerkt. Letztes Jahr waren wir Pfingsten in Kalmar und am Pfingstmontag flog meine Frau zurück nach Hause.

Nach einer Nacht im Hotel in Gävle holt mich ein Schwede am Hotel ab. Ich hatte bei ihm zwei neue Batterien bestellt. Die Blei-Verbraucherbatterie war letztes Jahr ziemlich am Ende. Mein Bekannter, der mir beim Umbau der Elektrik geholfen hatte, meinte, dass die Blei-Batterien den schwedischen Winter nicht überleben. Deshalb bestellte ich auch eine neue Starterbatterie. Schweden ist teuer… Ich bezahlte für die beiden Batterien etwa 30% mehr als für vergleichbare Batterien in Deutschland.

Aber netterweise holte er mich dafür am Hotel ab und brachte mich zur Marina Fliskärsvarvet. Damit sparte ich mir das Taxi. Miss Sophie hatte den schwedischen Winter gut überstanden. Klar, etwas dreckig, aber nichts beschädigt. Das Einwassern war professionell wie das Auswassern im letzten Jahr. Der Motor sprang auf Anhieb mit der alten Starterbatterie an. Nun habe ich eine in Reserve dabei. Die alte Verbraucherbatterie konnte ich dort lassen. Dann ging es in den Stadthafen von Gävle. Hier bin ich nah an der Stadt und kann Vorräte bunkern. Damit begann ich dann auch gleich am späten Nachmittag.

Langsam richte ich mich wieder ein. Die Reisetasche wird ausgepackt und die Kleidung an ihrem Platz verstaut. Dann Sichten der Vorräte die ich hier gelassen hatte. Wohlweislich hatte ich die Dosen, die über den Winter auf dem Boot blieben, in Gefrierbeutel verpackt. Drei Tomatendosen hatten den Winter nicht überlebt.

Leider haben mir Zeit und Kraft nicht mehr gereicht, auch noch die Segel anzuschlagen. Jetzt muss ich sehen was das Wetter die nächsten Tage macht und auch noch einige Vorräte einkaufen. Achja, heute war es noch recht schön bei etwa 23 Grad. In Deutschland wird bei über 30 Grad geschwitzt…

Segel angeschlagen – Gastlandflagge gesetzt

Dienstag, 26. Mai 2026

Die erste Nacht auf dem Boot war etwas anstrengend. Von den Anstrengungen am Vortag (die schweren Batterien und das Gepäck die Leiter hinauf manövrieren) hatte ich ziemliche Rückenschmerzen. Die Hoffnungen auf brauchbares Wetter, um die Segel anzuschlagen, sind eher mäßig. Doch dann ist das Wetter am Morgen überraschend gut und es ist fast windstill. Also nütze ich den Moment. Gerade mit den ersten Regentropfen und Windböen werde ich fertig. Die Reffleinen müssen noch richtig eingestellt werden und das Lazyjack muss ich noch mal prüfen.

Da es dann immer wieder Regenschauer hat, nütze ich die Zeit fertig aufzuräumen. Alles weg, im letzten Stauraum verstaut, was jetzt erst einmal nicht mehr benötigt wird. Und anschließend eine warme Dusche genießen.

Dann muss ich noch einmal in die Stadt laufen. Das ist zwar nur ein guter Kilometer macht bei den Regenschauern aber keinen Spaß. Zum Glück finde ich bei Kjell & Company die richtigen Batterien. Und wie immer: viel zu teuer.

Eigentlich wäre ich jetzt fast startklar. Noch ein paar letzte Vorräte wie Getränke, Obst und Gemüse besorgen, dann könnte es losgehen. Aber die Wetteraussichten für die beiden kommenden Tage sind nicht so gut. Regen, Gewitter und teilweise auch Starkwind. Der Plan ist wieder die Bucht Synskär anzufahren. Dort hat es eine SXK Boje und einen kleinen Steg. Um die Zeit und unter der Woche rechne ich damit dort allein zu sein. Und dann weiter nach Hudiksvall. Freitag habe ich noch einen Arbeitstag. Insofern wäre es gut, wenn ich morgen und übermorgen diese beiden Schläge machen könnte. Mal sehen, wie es morgen aussieht…

Die Segel sind angeschlagen und die Gastlandflagge gesetzt. Inzwischen bin ich nicht mehr ganz alleine im Hafen

Kein Segeltag – Abwettern und dies und das

Mittwoch, 27. Mai 2026

O.k. es war vorhergesagt – Starkwind und immer wieder Regenschauer. Selbst im Stadthafen Böen bis 22 Knoten – draußen sicher bis 27 Knoten. Wellen laut FMI bis 2,5 Meter. Ist aber nicht ganz so schlimm. Ich habe noch ein paar Sachen zu erledigen. Zuerst brauche ich Spiritus für meinen Kocher. Die Facebook-Gruppe „Schwedenfreunde“ hilft mir weiter. Spiritus finde ich in einem Baumarkt etwa 1 Kilometer entfernt. Dann noch die Co2 Patrone der Rettungsweste tauschen, die ich letztes Jahr versehentlich ausgelöst hatte. Anschließend wird noch die Dichtung vom Porta Potti getauscht. Und weiter Akkus und Batterien laden wie die Taschenlampe, die Starterbatterie und die Batterien für die Stirnlampe geladen. Die Verfügbarkeit von Landstrom wird bei mir immer gut genutzt. Vor allem Abends mit dem Heizlüfter denn aktuell hat es 12 Grad in Gävle während in Deutschland schon wieder bei 30 Grad geschwitzt wird.

Grob hatte ich einmal nach der Tankanzeige geschaut denn die zeigt nichts mehr an – Null. Ich habe am Ende der Saison kurz vor dem Auswassern voll getankt. Also der Tank muss voll sein. In der Backskiste sehe ich die Kabel zum Tankgeber. Zumindest scheine ich kein Kabel beim Einräumen abgerissen zu haben. Aber an den Geber kommt man kaum hin. Bei Gelegenheit werde ich mal die Schalttafel abschrauben und schauen ob sich hier ein Kabel gelöst hat und messen. Vielleicht ist auch eine Sicherung durchgebrannt. So lange zähle ich einmal die Betriebsstunden. Laut Google AI sollte ich etwa 40 Stunden mit einer Tankfüllung fahren können. 10 Liter im Reservekanister habe ich für den Notfall dabei.

Dass es auch in Schweden gute Pizzabäcker gibt konnten wir schon im letzten Jahr erfahren

Erster Segeltag – etwas anstrengend

Donnerstag, 28. Mai 2026

Die Aussichten für heute sind gut. Leicht bewölkt und etwas Wind. Nur die Windrichtung ist nicht optimal – Nordwest. Nachdem sich die Aussichten bestätigen beeile ich mich den Rest zu erledigen. Der Baumniederholer muss noch befestigt werden und frische Lebensmittel möchte ich noch einkaufen. Mein Ziel für heute soll wieder Synskar sein. Das hatte ich auch im letzten Jahr von Gävle aus angelaufen. Eine SXK Boje und ein kleiner Steg. Letztes Jahr lag auf der einen Seite des Stegs ein Schwede – ich rechne in diesem Jahr alleine zu sein denn es ist sehr früh im Jahr.

Gegen 10:30 Uhr kann ich ablegen. Zuerst geht es unter Motor denn hier in der Stadt wechselt der Wind ständig seine Richtung. Draußen im Sund setze ich die Segel – zuerst nur das Großsegel. Ich muss erst wieder hinein kommen. Es ist etwas spezielles, wenn man ganz alleine ablegt. Es ist einfacher wenn man zu zweit oder mehr ist. Es ist auch einfacher als Einhandsegler beim Start einer Regatta wenn man mit 50 oder 100 anderen ablegt. Ich bin vollkommen alleine – kein anderes Segelboot im Sund, nicht einmal vom Sailing Club der hier sonst mit der Jugend trainiert. Auch im Sund wechselt der Wind immer wieder in der Richtung und Stärke. Es ist etwas schwierig denn ich muss mich an das Fahrwasser halten. Entgegen dem Vorschlag von Orca gehe ich raus vor die Inseln. Dort ist der Wind dann einigermaßen beständig und die Fock wird ausgerollt. Auch wenn der Kurs nicht ganz so passt, wie es Orca (meine zweite Navi-Software) sich vorstellt, ist es nicht ganz so schlecht. Ich kann annähernd die Höhe machen die ich machen muss um Richtung Norden zu kommen.

Das erste Mal wieder in diesem Jahr – raus auf die Ostsee

Doch dann wird auf halber Strecke der Wind immer schwächer. Zuletzt habe ich fast Flaute (5 Knoten Wind) und eine langgezogene Welle. Die Geschwindigkeit geht herunter erst auf 3 dann auf 2 Knoten. Schließlich werfe ich den Motor an. Zuerst als Unterstützung zuletzt berge ich die Segel da sie nur lustlos herum schlackern. Noch 3 1/2 Stunden bis Synskär. Kurz vor Synskär (typisch) frischt der Wind wieder auf. Dann, wenn man es eigentlich nicht gebrauchen könnte denn die Einfahrt ist etwas schmal und geht im Zick-Zack um einige Steine.

Doch dann bin ich in der Abdeckung der Insel. Wie erwartet ist alles leer und ich kann mir den schönsten Platz aussuchen. Ich bin k.o. obwohl es kein so großer Schlag war. Meine zervikale Dystonie (Schiefhals) strengt mich heute an obwohl ich noch kurz vor dem Urlaub meine Spritzen hatte. Ich merke das ich mich mehr dehnen und bewegen muss.

Ich mache mir ein Lagerfeuer und genieße die Stimmung. Es ist frisch, anders als letztes Jahr im Juli. Da war es doch etwas wärmer als jetzt Ende Mai.

Wieder in Synskär – diesmal habe ich mir den Schokoladenplatz genommen

Jetzt plane ich für den nächsten Tag. Ich muss noch einmal einen Tag arbeiten. Das hatte ich so eingeplant da es sonst mit meinen Urlaubstagen nicht ausgegangen wäre. Pfingsten ist dieses Jahr erheblich früher weshalb mir ein Feiertag fehlt. Und ausgerechnet morgen soll der Wind auf Südost drehen und es soll trocken sein. Also ideal. Ich denke ich werde einen Nacht-Törn planen. Also direkt nach der Arbeit am späten Nachmittag losmachen. Ich habe schon die letzten Abende und Nächte registriert, dass es nicht mehr richtig dunkel wird. Es geht Richtung Mittsommer. Und Samstag soll es regnen und da möchte ich nicht hier auf Synskär hängen bleiben. Denn es ist noch ziemlich frisch und den Heizlüfter (der Landstrom voraussetzt) kann ich noch gut in der Nacht gebrauchen. Wohl denen, die eine Diesel-Heizung haben.

Der frühe Vogel fängt den Wurm – der späte „nichts“

Freitag, 29. Mai 2026

Wie gesagt musste ich noch einen Tag arbeiten. Irgendwie liegt mein Zeitraum in diesem Jahr so, dass mir ein Urlaubstag fehlt. Aber bei der Arbeit ist es gerade sowie etwas intensiv…

Also 7 Uhr aufstehen und arbeiten. Ein Teams-Call nach dem nächsten. Dabei wäre der Tag heute der ideale Segeltag. Sonne und Wind aus Südost – genau richtig für mein Ziel Richtung Norden. Ich hoffe das Windy recht behält und der Wind so bis in die Nacht anhält. Ich mache etwas früher Feierabend und kann um 15.30 Uhr endlich ablegen. Der Wind ist ideal mit knapp 15 Knoten und ich segle nur mit dem Großsegel. Die Fock bringt bei der Windrichtung nicht viel da sie in der Abschattung des Großsegels nur flattert. Etwa 4,5 Knoten habe ich im Schnitt und Orca meint dass ich gegen 1 Uhr in Hudiksvall sein sollte.

Anfangs läuft es noch gut – etwa 4,5 Knoten im Schnitt

Nach einem Drittel der Strecke lässt der Wind nach – das hatte Windy anders vorhergesagt. Im Gegenteil – er sollte eigentlich später auffrischen. Die Geschwindigkeit sinkt mehr und mehr. Zuletzt weht der Wind noch mit 5 Knoten und es hat eine ekelhafte Kreuzwelle. Es hilft nichts – der Motor muss helfen. Zuerst versuche ich es noch mit Motorunterstützung doch das Segel schlägt mehr und mehr lautstark hin und her. Also Segel bergen und nur mit Motor weiter. Wenigstens die Welle beruhigt sich. Was tun? Ich hatte noch in Erinnerung, dass das Wetter zum Wochenende schlecht werden sollte. Deshalb wollte ich unbedingt nach Hudiksvall. Dort sollte ich wenigstens Strom im Hafen haben und könnte noch einkaufen. Also Augen zu und durch – meine erste Nachtfahrt auf der Ostsee.

Die Sonne geht unter und die kalte Nacht beginnt
24 Uhr Ende Mai in Schweden – dunkel wird es nicht mehr

Die Sonne geht unter und es wird kälter. Irgendwann reichen lange Unterhose und dicke Segelhose, Shirt, Fleece und Segeljacke nicht mehr aus. Die Kälte dringt durch. Da kann ich nur Schutz unter der Sprayhood suchen. „Johann“, mein Pinnenpilot (für Laien „Autopilot“) macht seinen Job. Doch im Sund ist ein Fahrwasser und ich muss mich wegen Untiefen an die Tonnen halten. Auch wenn Johann steuert muss ich ihm sagen wo es lang geht und prüfen ob es passt. Kurz nach 3 Uhr habe ich festgemacht. Die Nacht war interessant – nach dem Sonnenuntergang war es dämmrig und Rot am Horizont. Das blieb so etwa 2 Stunden dann begann schon wieder die Morgendämmerung und um 3.30 Uhr ging die Sonne auf. Dunkel wird es gerade nicht mehr…

Festgemacht in Hudiksvall

Alles anders – und wieder eine Bekanntschaft

Samstag, 30. Mai 2026

Nach ein paar Stunden Schlaf – denn ich hatte ich mir den Wecker gestellt da der Hafenmeister, wenn er denn da sein sollte, nur bis 13 Uhr da wäre, stehe ich schon wieder auf den Beinen. Doch der Hafenmeister ist nicht da. Auf dem Infoblatt lese ich, dass der Hafen am 16. Juni öffnet – Käsekuchen. Ich spreche trotzdem auf die Mailbox in der Hoffnung, dass er zurückruft. Denn hier in Hudiksvall, das wusste ich schon vom letzten Jahr, befindet man sich in der Steinzeit. Nichts mit App oder ähnlichem. Am Ende des Stegs ist eine unüberwindbare Türe und man benötigt einen Schlüssel, um wieder auf den Steg und an sein Boot zu kommen. Besagten Schlüssel, der auch für Dusche/WC benötigt wird, bekommt man vom Hafenmeister. Zu meinem Glück sind ein paar Schweden hier dir mir gestatten die Türe offen zu halten und mir das WC öffnen. Aber ohne Schlüssel bin ich etwas aufgeschmissen. Ich komme mit einem anderen Schweden ins Gespräch. Er kämpft wohl gerade damit seinen Dieselfilter zu wechseln. Er hat das Boot erst vor einiger Zeit gekauft und hat noch keine Ahnung vom Segeln. Ich biete ihm an ihm zu helfen und finde mich bald später in der Backskiste seines Bootes und versuche mit aller Anstrengung das Filtergehäuse des Vorfilters zu öffnen. Er muss stärkeres Werkzeug besorgen mit dem wir es schließlich schaffen, das Filtergehäuse zu öffnen. Doch welche Überraschung – es ist kein Filter im Vorfilter. Er fährt wieder los, um nach einem passenden Filter zu schauen. Ich sage ihm, wie dieser aussehen muss. Er ist ziemlich froh über meine Hilfe denn er hatte wohl erst vor kurzem eine Hüftoperation und wäre aufgrund dieser auch nie in der Lage gewesen, in die Backskiste zu klettern. Das passende Filter lässt sich nicht auftreiben und er möchte vorerst das Filtergehäuse erst einmal so wieder zusammenschrauben und ohne Vorfilter fahren. Doch dabei bemerke ich, dass hier mindestens eine Dichtung fehlt. Das war wohl der Grund, weshalb das Gehäuse so brachial zusammengeschraubt war.

Ich gebe ihm den Tipp, nach einem neuen Vorfilter zu schauen. Der ist nicht so teuer und das wird sonst eine never ending Story. Doch das lässt sich hier in Hudiksvall nicht auf die Schnelle besorgen. Er kommt eigentlich aus Gotland und möchte das Boot baldmöglichst dorthin überführen. Deshalb ist der Plan jetzt provisorisch das Filter (ja, es heißt „das“ Filter) wegzulassen und die beiden Schläuche einfach zu verbinden. Doch dazu benötigt man einen Schlauchverbinder. Wir fahren in den Baumarkt doch dort ist nichts zu finden und schließlich schließt der Baumarkt gerade. Unverrichteter Dinge fahren wir zurück an den Hafen – er möchte morgen noch einmal schauen ob er von irgendwo einen Schlauchverbinder bekommt.

Aber so lernt man neue Menschen kennen – spannende erste Woche… Am Abend gibt es dann ein typisches schwedisches – äähmm schwäbisches Gericht aus der Bordküche: Linsen mit Spätzle und Saitenwürst (die schwedischen Wienerle können mit den deutschen nicht mithalten).

Abends gibt es ein typisches schwedisches ähhmm, schwäbisches Gericht

Miss Sophie liegt im Winterlager in Gävle. Immer wieder einmal schaue ich auf die Wettersituation. Minus 15 Grad in Gävle. Das sollte kein Problem sein. Der Frostschutz, den ich für den Motor eingefüllt habe, sollte bis Minus 25 Grad passen.

Während dessen geht es ins Gespräch mit meinem Arbeitgeber. Fakt ist: Ich möchte Miss Sophie in diesem Jahr wieder zurück an den Bodensee bringen. Zur Erinnerung, mein Heimatrevier ist der Bodensee. Und hier habe ich einen Liegeplatz beim Segelclub Bodman. Ich kann bis zu 5 Auszeiten nehmen – dann würde ich den Liegeplatz verlieren.

Geplant hatte ich, zwei Auszeiten hintereinander zu nehmen. Also 2025 und 2026. Ich habe ja noch ein paar Jahre zu arbeiten – etwa 2 bis 5 Jahre, abhängig davon, wie ich mein Rentnerleben plane. D.h. Miss Sophie dauerhaft an der Ostsee zu belassen, ist aktuell keine Option.

Deshalb ist es mein Plan, 2026 ähnlich wie 2025 zu planen. D.h. etwa 4 Wochen Urlaub, 2 Monate Workation und noch 1 Woche Urlaub um Miss Sophie zurück an den Bodensee zu bringen.

So wie es derzeit aussieht, sollte das wieder möglich sein. Mit dieser Aussicht überlege ich, was ich 2026 mache. Mein „Traumziel“ 2025 war es, das nördliche Ende der Ostsee bei Torö zu erreichen – die Gelbe Tonne. Und dann in Haparanda den Club-Stander meines Segelclubs zu hinterlassen. Das Ziel musste ich leider (auch) wegen zweier technischer Probleme unterwegs aufgeben. Diese Probleme kosteten mich in Summe etwa 14 Tage und das ausgerechnet in meiner Urlaubszeit.

Wie gesagt liegt das Boot derzeit in Gävle und jetzt rechne ich die Meilen. Von Gävle nach Örnsköldvik weiß ich aus dem letzten Jahr, das es etwa 290 sm sind. Von Örnsköldvik nach Töre noch etwa 230 sm. Nach Haparanda sind es noch etwa 50 sm. Und dann kommt der Weg zurück nach Kröslin wo der Trailer steht. Wenn ich alles zusammen zähle komme ich auf etwa 1700 bis 1800 sm.

Im letzten Jahr hatte ich etwas mehr als 1500 sm geschafft. Und das trotz der technischen Probleme die mich etwa 15 Tage gekostet haben. Es sollte also möglich sein, 2026 Töre und Haparanda zu erreichen und das Boot wieder zurück an den Bodensee zurück zu bringen.

Sicher, eine gemütliche Tour wird das nicht. Das bedeutet Meilen machen und vielleicht auch die eine oder andere Etappe über Nacht durchsegeln. Im Schnitt muss ich etwa 20 sm täglich machen. Ein paar Optimierungen in der Routenplanung habe ich aus der Erfahrung bereits im Kopf. 2025 hatte ich einige Häfen angesteuert, die tief im Sund lagen. Also jedes Mal 2 bis 3 Stunden Fahrt hinein bzw. hinaus brauchten. Karlskrona z.B. werde ich sicher auslassen. Und auch Örnsköldvik (sollte es nach Norden gehen).

Die Alternative

Die Alternative wäre gleich Richtung Süden zu gehen. Noch einmal rüber zu den Åland Inseln und vielleicht etwas das Turku Archipel erkunden. Würde ich es unter Sightseeing Gesichtspunkten betrachten, wäre das sicher die vernünftige Lösung. Das wäre wohl eher die gemütliche Tour. Von Gävle nach Sassnitz sind es ca. 600 bis 650 sm. Ein „Ausflug“ Richtung Åland Inseln und Turku wären etwa 300 zusätzliche Seemeilen. Also deutlich weniger als das, was ich im vergangenen Jahr im gleichen Zeitraum mit technischen Problemen gemacht hatte.

Das Problem: Ich muss mich am Anfang meiner Weiterreise entscheiden – Richtung Norden oder Richtung Süden?

Noch einmal zu den Aland-Inseln?

Die Planung

Neben der Überlegung, was ich mache, mache ich mir Gedanken darüber, was ich mitnehme bzw. mitnehmen muss. Auf jeden Fall neue Patronen für die Rettungsweste, die ich versehentlich ausgelöst hatte. Einen Bootshaken (den ich auf dem Rückweg nach Enskär verloren hatte) und eine Ankerkralle (verloren in der Bucht von Rödhall). Dann muss ich die 85 Ah Blei-Verbraucherbatterie ersetzen. Die war am Ende. Aber da muss ich etwas in Schweden organisieren. Dann möchte ich zum Funkgerät noch das kabellose Handset ordern damit ich aus der Plicht einen Notruf absetzen kann.

Auf jeden Fall möchte ich am Start möglichst wenig Zeit verlieren. Nach dem Einwassern in den Stadthafen von Gävle gehen, dort die Vorräte auffüllen und die Segel wieder anschlagen. Dann soll es weiter gehen.

Der letzte Vorhang…

Sonntag, 31. August 2025

Die letzte Woche meiner Reise wird eingeläutet. Die Nacht in Angskär war angenehm. Am Morgen ist es sonnig und warm. Auch die Wohnmobilisten genießen ihren Kaffee in der warmen Morgensonne.

Bei mir gibt es ein festliches Frühstück mit Bacon und Rührei. Ich muss jetzt auch langsam sehen, dass ich die verderblichen Lebensmittel verbrauche. Reis, Nudeln, Zucker, Salz und Konserven kann ich über den Winter auf dem Boot lassen. Die Konserven werde ich sicherheitshalber einzeln in Gefrierbeutel verpacken – falls doch eine platzen sollte.

Für heute war wenig Wind vorhergesagt. Und der wenige Wind sollte mal wieder aus Nord kommen – die Richtung in die ich muss. Von Änskär muss ich um Björns Fyr herum, erst dann kann ich abfallen Richtung Westen. Angesichts der Windvorhersage, das Wetter sollte schön sein, hatte ich überlegt an der SXK Boje bei Björns Fyr zu übernachten.

Nachdem ich losgemachte hatte und auf den Am-Wind-Kurs gegangen war, war ich überrascht. Es hatte doch immerhin 8 bis 10 Knoten Wind mit ertragbarer Welle. Angesichts der guten Bedingungen berechnete die Navi-App Orca die Ankunftszeit auf etwa 13 Uhr. Da überlegte ich, dass ich doch etwas weiter gehen könnte. Ich schaue im Hamnguiden nach Alternativen und finde den kleinen Hafen Sikhjälma. Es gibt für Gäste nur vier Heckbojen zum Festmachen, aber jetzt ist ja nichts mehr los. Also plane ich kurzerhand um.

Abgelegt in Ängskär
Kaum zu sehen – markierte Untiefe
Leider zieht es immer mehr zu und der Wind lässt nach
Wieder einmal – Björns Fyr

Als hätte das Neptun mitbekommen… Der Himmel zieht zu und die Sonne ist weg. Gleichzeitig nimmt der Wind ab. Die etwa 1/2 Meter hohe Welle wird jetzt richtig blöd. Es hilft nichts – der Motor muss helfen. Während ich Björns Fyr ansteuere überlege ich, ob ich jetzt dann doch an der Boje festmachen soll. Vor Bjorns Fyr frischt der Wind wieder etwas auf auf etwa 7 Knoten. Wenn ich an Bjorns Fyr vorbei bin, könnte ich abfallen und sollte halben bis raumen Wind und die Welle Richtung Sikhjälma mit mir haben. Also lasse ich die Boje rechts liegen und ziehe nach der engen Durchfahrt die Segel hoch. Mit etwa 3 bis 4 Knoten komme ich voran – das reicht, es ist ja nicht mehr weit. Doch kurz vor Sikhjälma schläft der Wind fast komplett ein. Egal, jetzt nur noch rein.

Wie zu erwarten sind die vier Gastplätze komplett leer. Nur die anvisierte Heckboje ärgert mich etwas. Sie steht komplett schief und zweimal fahre ich erfolglos daran vorbei. Jedesmal, wenn ich daran vorbei fahre, dreht sich die schiefe Öse unerreichbar weg. Beim dritten Mal habe ich sie erwischt und das Boot ist am Steg festgemacht.

Kurz vor Sikhjälma
Einfahrt Sikhjälma – alle Gästebojen frei
Nett hier
Ängskär > Sikhjälma 21 sm

Der letzte größere Schlag

Montag, 1. September 2025

Mein letztes Ziel auf diesem Törn – Gävle. Für den Tag war leichter Wind aus Süd vorhergesagt. Ideal für diesen Schlag. Das sollte leicht raumer bzw. später Halbwind sein. Am Morgen hatte es draußen Nebel weshalb ich mir erst einmal gemütlich Frühstück machte. Ich hatte keine Eile. Das Wetter sollte den ganzen Tag halten. Es sollte sogar sonnig sein. Der Morgen begann jedenfalls sonnig wobei die Sonne immer wieder vom Nebel abgeschwächt wurde. Gegen 10.30 Uhr habe ich dann losgemacht und war überrascht von guten etwa 8 Knoten Wind die mich mit 3 bis 4 Knoten voran brachten. Sollte es ein richtig schöner Segeltag zum Abschluss sein?

Nein. Nach etwa 2 Stunden, einem Drittel der Strecke, zog der Himmel zu – Sonne weg, Wind weg. Null Knoten Fahrt. Eine Änderung war auch nicht absehbar weshalb wieder der Motor einspringen musste. Ich lies ihn bei mittlerer Drehzahl laufen – da braucht er nicht viel Diesel. Die Ostsee ist leer. Ich kann es mir gemütlich machen und lasse Johann steuern. Viel zu steuern ist ja nicht.

Früh am Morgen hat es draußen Nebel. Erst einmal abwarten
Abgelegt in Sikhjälma
Sonne weg, Wind weg

Erst auf Höhe der ersten Industriehäfen erscheint ein Frachter auf dem Plotter. Er folgt dem Fahrwasser. Ich jedoch nehme den direkten Weg und bin damit dort unterwegs, wo kein Frachter unterwegs ist. Hier ist es flach. Immer wieder weniger als 10 Meter Wassertiefe. Kurz vor Gävle geht es noch einmal eng zwischen ein paar vorgelagerten Inseln durch. Diesen Weg kannte ich jetzt noch nicht obwohl es jetzt das fünfte Mal war, dass ich hier hinein bzw. heraus gefahren bin.

Ich steuere wieder den Stadthafen an. Falls sich jemand fragt weshalb: Es ist sicher nicht perfekt hier, der Landstrom geht immer noch nicht. Aber die sanitären Einrichtungen sind sehr gut (recht neu). Die Sauna ist auch sehr gut und Waschmaschine und Trockner sind inklusive. Außerdem hat es hier direkt am Hafen einen Coop.

Wieder einmal festgemacht in Gävle

Deshalb ist eine meiner ersten Handlungen nach dem Festmachen das Anheizen der Sauna. Bis diese warm ist, suche ich die Wäsche zusammen und werfe eine Waschmaschine an. Dann geht es unter die Dusche und in die Sauna. Herrlich, denn ich bin wieder einmal ganz alleine hier.

Dann noch in den Coop einen Salat, Tomaten, Kekse und Chips holen. Morgen gehe ich dann wieder rüber nach Huseliiharen. Dort funktioniert der Landstrom und es hat ein Restaurant direkt am Club welches Lunch anbietet. Nur die sanitären Anlagen sind in Huseliiharen nicht so prickelnd. Aber dort kann ich dann in Ruhe die Segel abschlagen bevor es Donnerstag rüber zur Marina Fliskärsvarvet geht, wo das Boot dann am Freitag ausgewassert wird.

Sikhjälma > Gävle 23 sm

Raus nach Huseliiharen

Dienstag, 2. September 2025

Für Mittwoch ist Regen vorhergesagt. Deshalb hatte ich für heute das Abschlagen der Segel geplant. Dafür ging es raus nach Huseliiharen in den Hafen des Gefle Segelclubs – einem der ältesten Segelclubs, gegründet 1880. Dort geht wenigstens der Landstrom und ich kann meinen Heizlüfter nachts anmachen.

Außerdem hatte ich die Hoffnung auf Lunch im Restaurant Huseliiharen. Diese Hoffnung zerschlug sich dann aber – Saisonende. Das war nicht tragisch – zum Essen habe ich noch genug, aber schade.

Auf dem Weg konnte ich noch einmal die Fock ausrollen, es hatte fast halben Wind mit etwa 10 Knoten. Es sind ja nur 5 Seemeilen. Leider hat es Wind aus Südost und zum ersten Mal realisiere ich, wie unangenehm der Hafen bei Südost ist. Der Schwell kommt direkt in den Hafen rein und Miss Sophie zerrt immer wieder an den Festmachern. Hoffentlich wird das morgen besser, nicht angenehm.

Die Segel sind dann recht bald zusammen gepackt und auch die Solarmodule wandern in die Achterkajüte.

Raus aus dem Stadthafen
Noch einmal die Fock ausgerollt
Festgemacht in Huseliiharen
Das Restaurant hat schon geschlossen. Saison zu Ende
Segel abgeschlagen, Solarmodule versorgt

Den Frust etwas von der Seele schreiben

Donnerstag, 04. September 2025

Ich bin jetzt seit 2 Tagen in Huseliiharen beim Gefle Segel Sällskap. Am ersten Tag konnte ich die Segel abschlagen und soweit schon alles von Deck nehmen was weg muss wie die Solarpanels, Heckanker und Festmacher die ich nicht mehr benötige.

Am Mittwoch regnete es dann wie vorhergesagt immer wieder und ich konnte außen am Boot wenig bis nichts machen. Und wieder tropft es durch diesen bescheuerten Deckslüfter. Ich hatte das jetzt schon zuvor mit Gafa-Tape weitgehend zugemacht. Langsam bin ich mit meinem Latein am Ende. Würde es die (Original) Dehler-Werft noch geben, sie würden dermaßen eine Wut-Mail von mir bekommen. Unverständlich für mich, wie man einen solchen China-Schrott in einem Segelboot verbauen kann.

Gegen Abend zog dann Südwind auf. Draußen 30 Knoten und mehr, hier immerhin noch 25 in Böen. Der Südwind treibt den Schwell direkt hier hinein und die Gästeplätze liegen sehr bescheiden (würde es eigentlich gerne direkter schreiben). Das Boot ruckt und zerrt an den Festmachern. Die Nacht war kaum an Schlaf zu denken. Am Morgen hatte ich durch diesen Mist ein wenig Übelkeit. Meine Reisetasche habe ich gepackt und die Lebensmittel entweder entsorgt oder soweit als möglich winterfest gemacht. Aber ich habe nicht das geschafft, was ich schaffen wollte. Insbesondere wollte ich rüber auf die andere Seite nach Fliskär wo ich morgen auswassern sollte. Doch bei 25 Beaufort in Böen möchte ich das nicht machen. Ich kenne den Hafen nicht, weiß nicht wie gut er geschützt ist. Vielleicht ein Fehler – ich weiß es nicht. Jedenfalls bin ich unzufrieden. Ich wollte einiges mehr tun was ich aufgrund des Umtriebs hier nicht tun konnte. Wie z.B. das Porta Potti in der Toilette entleeren.

Ausgerechnet heute hat der Segelclub seine letzte Donnerstags-Regatta mit abschließendem Grillen.

Der Wind soll in der Nacht nachlassen und am Morgen gegen Null sein. Aber immer noch treibt es den Schwell hier hinein. Also werde ich den Wecker auf sehr früh stellen, am Morgen noch die wichtigsten Dinge erledigen und dann rüber nach Fliskär fahren. Ein fast verlorener Tag… ärgerlich.

Der Vorhang fällt…

Freitag, 05. September 2025

Um 7 Uhr klingelt der Wecker. Ich mache noch das notwendigste hier wie das Entleeren des Porta Potti und das Entsorgen des Grauwassers unter der Spüle (ich habe da nur einen kleinen Kanister – die Dehler 28 hat keinen Grauwassertank). Parallel noch zwei Kaffee und dann geht es auch schon rüber zum Fliskärsvarvets Småbåtshamn. Um 10 Uhr habe ich den Termin zum Auswassern. Davor möchte ich noch einmal voll tanken da es in Bezug auf Dieselpest besser ist, möglichst wenig Luft im Tank zu haben.

Noch einmal abgelegt in Huseliiharen
Alles ruhig früh am Morgen

Ich bekomme einen Anruf mit der Info dass ich früher kommen kann, falls es mir passt. Passt mir.

Dann geht Miss Sophie raus und wird von den Mitarbeitern aufgepallt. Ich finde eine Leiter mit der ich auf das Boot kann. Ausräumen, die letzten Dinge irgendwo verstauen und den Motor noch winterfest machen (Frostschutz). Dann ist für mich alles erledigt und damit meine Reise zu Ende.

Noch eine Nacht im Hotel in Gävle dann geht es morgen zurück nach Hause.

Am Ende sind es jetzt etwas mehr als 1.500 Seemeilen. Mein Projekt hatte ich unter dem Titel „Projekt 100+“ da es etwas mehr als 100 Tage auf der Ostsee waren (genau gesagt 103). Davon waren es dann 64 Segeltage unterwegs auf dem Wasser (wobei hier 4 kurze Etappen abgezogen werden können). Ca. 14 Tage habe ich wg. der beiden technischen Probleme „verloren“. Die restlichen etwa 25 Tage wg. abwettern oder Sightseeing (Stockholm, Idö, Mjältön und andere Orte).

Wie es nächstes Jahr weiter geht, weiß ich noch nicht. Das hängt auch von meinem Arbeitgeber ab. Auf jeden Fall wird es nächstes Jahr für Miss Sophie zurück an den Bodensee gehen. Für mich bleiben erst einmal ganz viele schöne und aufregende Erinnerungen an eine unglaubliche Segelreise…

Noch einmal vollgetankt
Dann geht es raus aus dem Wasser
Wohlgemerkt vor(!) dem Abstrahlen – keine einzige Pocke oder Muschel
Winterlager

Abwettern auf Enskär

Sonntag, 24. August 2025

Gestern war ich auf Enskär angekommen. Gerade noch rechtzeitig. Am Nachmittag hat der Wind weiter aufgefrischt auf 25 Knoten. Jetzt heißt es warten. Für heute sind 30 Knoten vorhergesagt und die hat es dann auch. Die Finnen neben mir legen am Nachmittag ab. O.k. sie haben ein etwas größeres Boot als ich. Ihr Ziel ist Marienhamn. Und sie haben einen Raumwindkurs d.h. den Wind schräg von hinten – auch ein Vorteil. Trotzdem: Die Messboje Finngrundet des SMHI meldet Wellen mit 2,1 Meter. Lustig wird das nicht.

Ich schlafe viel, mache mir einen Kaffee und überlege die Möglichkeiten nach Schweden zu kommen. Meine Hoffnung ist Dienstagnachmittag, ansonsten Mittwoch.

Dann heize ich mir die Sauna ein. Ich bin jetzt ja alleine und kann diese ausgiebig nützen. Die Sauna wurde 1940 gebaut, also in der Zeit als hier das Militär während des 2. Weltkriegs stationiert war. Anschließend gibt es Essen – Tomatensalat und Tortellini. Vorräte habe ich noch genug.

Sauna von 1940
Sauna einheizen
Am Abend hat es sich kurz etwas beruhigt aber bald frischt der Wind wieder auf

Was einfach geil ist…

Was einfach geil ist, du liegst alleine auf einer Insel weit weg von allem anderen und du drehst die Muke auf. Stört niemand. Passend läuft von Coldplay „Hymn for the weekend“. Das sind Momente, die ich nie in meinem Leben vergessen werde. So einen kleinen Marshall kann ich für die Reise durchaus empfehlen. Er hat mir manche einsame Momente erträglich gemacht oder auch einfach mal für gute Stimmung gesorgt.

Es geht weiter – zurück nach Schweden

Dienstag, 26. August 2025

Lang schien es mir unsicher, ob ich heute zurück nach Schweden komme. Windy hatte die ganzen Tage für den Nachmittag Regen und Gewitter angekündigt. Außerdem Windstärke in Böen bis 20 Knoten. Windfinder war etwas gemäßigter und sagte Sonne bzw. leicht bewölkt.

Am Vormittag rufe ich die aktuellen Vorhersagen von SMHI (Sveriges meteorologiska och hydrologiska institut), Weather today, Regenradar u.a. ab. Es sieht gut aus. Die Regengebiete ziehen alle östlich bis maximal Marienhamn durch. Ein ganz kleines kurz vor Mittag noch über Enskär. Aber dann kommt nichts mehr.

Ich schaue raus Richtung offene See – auch dort sieht es gut aus. Nur wenige weisse Schaumkronen. Ich rechne mit etwa 15 Knoten Wind. Das ist o.k. Ab 20 Knoten wird es mit einem Kleinkreuzer unlustig, wenn man gegen den Wind segelt. Die Windrichtung soll erst Nord später Nordwest sein. Ich muss Richtung Nordwest daher hoffe ich, dass der Wind möglichst nördlich kommt. Und dann ist da noch das Verkehrstrennungsgebiet. Ich muss zwar nicht direkt durch aber knapp daran vorbei.

Wind und Wetter passen gegen Mittag

Um 13 Uhr lege ich ab und setze gleich die Segel. Für den Anfang sieht es gut aus – scheinbarer Wind ca. 50 Grad. Auf Backbord-Bug segelt Miss Sophie nicht so gut bzw. nicht so hoch. Maximal 40 Grad gegen den Wind gehen – bei der Welle sind 45 Grad besser. Die Welle nimmt zu auf etwa 1 bis 1,5 Meter und es wird wieder einmal nasses Segeln. Aber ansonsten alles prima. Es ist leicht bewölkt, die Sonne scheint und es sind nicht viele Frachter unterwegs. Nach etwa 3,5 Stunden habe ich die ersten Inseln der schwedischen Ostküste erreicht. Der Wind kommt jetzt leider mehr aus Nordwest und in der Welle steuert Johann, mein Pinnenpilot, zu viel. Deshalb übernehme ich das Ruder denn neben der ersten Fahrwassertonne hat es eine Untiefe von 3 Meter. 3 Meter sollten bei meinem Tiefgang von 1,4 Meter kein Problem sein, aber bei der Welle weiß man nie. 3 minus 1,5 sind dann nur noch 1,5 Meter.

Ein letzter Blick zurück auf Enskär
Wieder in den Schären – keine Welle

Und dann kommt doch noch ein Frachter aus den Schären raus. Länge über 100 Meter. Aber das Fahrwasser ist hier breit genug und ich kann an den meisten Stellen auch raus aus dem Fahrwasser. Da der Wind jetzt sehr von vorne kommt habe ich die Fock geborgen und den Motor dazu genommen.

Nachdem der Frachter durch ist, rolle ich das Focksegel wieder aus und stoppe den Motor. Ich versuche gegenan zu kreuzen. Mal sehen wie das geht. Es kommen mir zwei Segler entgegen die raumschots auf Steuerbordbug segeln. Ich segle so hoch wie möglich am Wind auf Backbordbug. D.h. sie müssen ausweichen. Aber so recht scheint das denen nicht bewusst zu sein.

In den Schären wird der Wind immer unbeständiger. Sowohl was die Richtung als auch was die Stärke betrifft. Dazu nimmt er ab weil ich mich immer öfter in der Abdeckung einer Insel befinde. Letztendlich muss ich die Segel bergen und den Motor wieder anmachen.

Mein Ziel ist Öregrund – wieder einmal. Angesichts der Windsituation schaute ich nach Alternativen. Doch hier in den vorgelagerten Inseln gibt es nicht viel Möglichkeiten. Die meisten Möglichkeiten sind Ankerplätze oder Möglichkeiten an den Schären festzumachen. Zumindest für die kommende Nacht hätte ich gerne einen Hafen. Und dann würde ich gerne etwas einkaufen – Tomaten sind verbraucht, Joghurt (mein Frühstück) ist auch aufgebraucht. Es gibt in den vorgelagerten Schären zwei Marinas. Aber da müsste ich etwa 10 sm Richtung Süden segeln und irgendwann wieder zurück Richtung Norden. Letztendlich belasse ich es beim Ziel Öregrund. Gegen 18.30 Uhr habe ich festgemacht und ich kann noch einkaufen und etwas essen gehen.

Zum dritten Mal festgemacht in Öregrund
Enskär > Öregrund 30 sm

Die letzten Tage planen…

Von Öregrund aus denke ich Gävle wieder in 2 bis 3 Etappen (Tagen) zu erreichen. Viel andere Möglichkeiten gibt es auch nicht. Montag, 1. September möchte ich in Gävle sein. Freitag, 5. September ist der Termin zum Auswassern ins Winterlager. Die Segel sollten auf jeden Fall trocken sein, wenn ich sie abschlage und im Boot verstaue.

Richtung Gävle ist das Segelrevier nicht sonderlich interessant. Keine Inseln, kaum Häfen. Ich hätte da noch einen Wunsch offen… Schweden – Ostküste – Segeln da stellt man sich typischerweise auch das Festmachen an Schären vor. Leider hatte sich in den 3 Monaten nie die Gelegenheit ergeben.

Südöstlich von Öregrund hat es zahlreiche Schären und ich habe zwei Möglichkeiten zum Anlegen an einer Schäre ausgemacht. Das sind nur 8 bis 10 sm, also in etwa 2 Stunden zu erreichen. Die Wind- und Wetterprognose ist auch gut. Falls es mit dem Anlegen an der Schäre nicht klappen sollte, gibt es Möglichkeiten zum Ankern und es gibt noch 3 Bojen des SXK an denen ich festmachen könnte.

Donnerstag dann wieder zurück nach Öregrund und Freitag ist voraussichtlich schlechtes Wetter. Also ein Tag abwettern im Hafen. Samstag, Sonntag, Montag dann nach Gävle. Das hört sich nach einem guten Plan an.

Spaßsegeln und noch einen Wunsch erfüllen…

Mittwoch, 27.08.2025

Ich hatte da noch den einen Wunsch offen, der eigentlich typisch ist für das Segeln in den Schärengewässern: Einmal festmachen an einer Schäre. Aufgrund des Jedermannsrecht darf eigentlich überall geankert oder festgemacht werden. Ein gewisser Abstand zu Häusern soll natürlich eingehalten werden. Ich hatte viel gelesen über das Festmachen an Schären. Zur Ausstattung gehören normal Felshaken die man in den Fels schlägt, um daran das Boot dann festzumachen. Aber das ist nicht zwingend notwendig. Alternativen sind vorhandene feste Ringe, große Steine oder Bäume.

Schärensegeln – einfach schön

In der Bojenkarte der Swedish Cruising Association hatte ich zwei Möglichkeiten zum Festmachen an einer Schäre in den Schären bei Öregrund gefunden. Das Festmachen an einer Schäre ist geradezu typisch für das Segeln an Schwedens Ostküste. In den letzten 3 Monaten ergab sich jedoch nie die Gelegenheit dazu. Entweder war ich unter Zeitdruck ein nächstes Ziel zu erreichen, es war kalt und ich benötigte Landstrom für die Heizung, das Wetter ließ es nicht zu, und, und…

Die Pfeile markieren mögliche Plätze zum Anlegen an der Schäre

Das Manöver „Festmachen an einer Schäre“

Jedenfalls war jetzt die Gelegenheit dazu. Nur ein Problem: ich bin alleine (einhand) unterwegs. Normal läuft das Manöver wie folgt ab: Es wird ein Stelle zum Anlegen an der Schäre gesucht. Zahlreiche mögliche Stellen sind durch Revierführer o.ä. bekannt. Zuerst wird die Stelle testweise angefahren um die Wassertiefe, Windsituation usw. zu prüfen. Ist der Platz für gut befunden, wird dieser langsam angefahren. Etwa 20 Meter vor der Schäre wird der Heckanker ausgebracht. Sobald das Boot nah genug an Land ist, springt ein Crew-Mitglied mit einer Festmacherleine auf die Felsen. Der Steuermann holt zeitgleich die Heckankerleine dicht. Das Crew-Mitglied an Land befestigt die Leine. Nachdem erst mal eine Festmacherleine fest ist werden weitere Leinen ausgebracht. Der Heckanker hat hauptsächlich die Funktion das Boot von den Felsen weg zu halten.

Der aufmerksame Leser wird sich schon denken – o.k. und wie macht man das einhand? Mein Plan gleicht im Wesentlichen dem üblichen Ablauf. Nur mit einem Unterschied: Kurz vor den Felsen Heckanker einigermaßen dicht holen, mit Standgas den Motor eingekuppelt laufen lassen, mit Hilfe des Ruders das Boot stabilisieren, schnell nach vorne und mit einer vorbereiteten Leine von Bord gehen. Soweit die Theorie.

Gegen Nachmittag konnte ich ablegen. Ich hatte mir zwei Möglichkeiten herausgesucht die beide gut gegen Südwind geschützt sind (heute und für den nächsten Tag die primäre Windrichtung). Beide nicht weit entfernt, etwa 7 Seemeilen. Mit Großsegel und Fock ging es also hinaus zu den Schären. Ständig wechselnder Wind in Stärke und Richtung. Ich musste den Job von Johann übernehmen.

Kurz vor der ersten Schäre, die ich anlaufen wollte, sehe ich ein anderes Segelboot das genau dort hinein fährt, wo ich auch hinein fahren wollte. Nein, für Hafenkino wollte ich nicht sorgen (deshalb auch die Ausweichmöglichkeit SXK Boje oder Ankern). Wenn, dann wollte ich das an einer Schäre versuchen, wo ich alleine bin. Also habe ich kurzfristig die zweite Schäre angesteuert. Erst einmal Segel bergen dann ging es hinein in die enge Bucht (wirklich eng). Die möglichen Stellen habe ich gleich erkannt. Leider war es in der Bucht nicht so windstill, wie ich es mir gewünscht hatte. Es kam immer noch ein leichter Wind hinein und leider beim Anfahren des Platzes nicht direkt von vorne (das wäre ideal gewesen) sondern etwas von Steuerbord.

Drei Anläufe hat es gebraucht (das Lot zeigt gerade Mist)

Zuerst fahre ich die Stelle testweise an um die Tiefe zu prüfen (ich habe ja 1,4 Meter Kiel unter dem Boot). Das passt. Auch vorne am Bug sieht es gut aus. Also erst einmal wieder Rückwärtsgang. Der Heckanker wird vorbereitet. Dann fahre ich die Stelle erneut langsam an und lasse etwa 20 Meter vor den Felsen den Heckanker fallen. Der Motor ist eingekuppelt und im Standgas. Langsam gebe ich die Heckankerleine nach. Doch durch den seitlichen Wind vertreibt es mir den Bug, egal wieviel Gegenruder ich gebe. Abbruch. Ich hole den Heckanker wieder ein und starte einen weiteren Versuch. Ich versuche dabei mehr gegen den Wind zu steuern. Diesmal kupple ich jedoch den Motor kurz vor den Felsen aus und lasse die Heckankerleine etwas lose. Dann sprinte ich nach vorne, schnappe mir die vorbereitete Leine und springe auf die Felsen. Teil 1 ist geschafft. Ich werfe die Leine um einen Felsen den ich schon beim ersten Testlauf als Fixpunkt auserkoren hatte. Der Rest ist dann nur noch Formsache. Eine zweite Festmacherleine wird an einem Baum befestigt und die Heckankerleine durchgesetzt. Geschafft. Hey, ich bin so was von stolz, das einhand geschafft zu haben.

Festgemacht an der Schäre. Heckanker sitzt.
„meine“ Schäre – zumindest für den Moment
Eine Bandschlinge ist für den Baum wesentlich schonender

Ich setze mich ins Cockpit öffne eine Dose Bier und genieße einfach nur den Augenblick. Ich bin sehr zufrieden damit, wie mein Abenteuer Ostsee dem Ende zu geht. Der Traum Haparanda ging nicht in Erfüllung. Aber ich habe gerade in den letzten etwa 4 – 5 Wochen, seit der Entscheidung das Ziel Haparanda fallen zu lassen, so viele tolle Orte gesehen und so viele schöne Erlebnisse gehabt, dass ich Haparanda keine Träne nach weine.

Wegen solchen Momenten…

Die Nacht…

Hast du schon einmal einen Sternenhimmel gesehen? Ja, in Deutschland. Ich kenne den Sternenhimmel. Landschaftsfotografie mit Sternenhimmel war lange meine Leidenschaft. Zu Hause, am Bodensee, immer geprägt durch die Lichtverschmutzung der zahlreichen Städte. Selbst in den Alpen findet man keinen dunklen Ort. Hier: Dunkelheit. In der Ferne etwas das Leuchten von Öregrund. Sonst keine Lichtverschmutzung. Das ist Sternenhimmel…

Schade, ich hatte mein Ladegerät für die Kamera zu Hause vergessen. Daher konnte ich kein Foto davon machen. Aber nächstes Jahr ist auch noch ein Jahr…

Es wird herbstlich

Donnerstag, 28. August 2025

Um 7 Uhr klingelt der Wecker. Der Blick nach draußen zeigt eine neue Stimmung – es ist Herbst geworden. Zum ersten Mal habe ich Morgennebel. Schon die letzten Tage hatte ich früh morgens ordentlich Tau auf dem Deck. Ein typisches Zeichen dafür, dass der Sommer zu Ende ist. Vor dem Nebel, von dem ich oft gelesen hatte, hatte ich Respekt. Aber ich muss ja sowieso noch arbeiten und gehe deshalb davon aus, dass sich das bis mittags lichtet. Also kann ich diese Stimmung genießen.

Es ist Herbst geworden – dichter Nebel in der Bucht

Am frühen Nachmittag kann ich dann ablegen. Das Ablegen geht ganz gut. In der Bucht ist es windstill. Die Heckankerleine wird etwas gelöst, dann löse ich die beiden Landleinen und hole den Heckanker hoch. Im Standgas geht es raus aus der Bucht. Der Nebel hat sich gelichtet und langsam kommt die Sonne heraus. Sobald die Sonne da ist, wird es warm und ich kann den Fleece wieder ausziehen. Es hat etwas von Altweibersommer.

Auch draußen, außerhalb der Bucht, hat es zu wenig Wind zum Segeln – etwa 2 bis 3 Knoten. Aber ich habe keine große Strecke vor mir. Für den nächsten Tag ist schlechtes Wetter (Regen) und starker Wind angekündigt. Deshalb habe ich noch einmal einen Hafentag in Öregrund geplant. Dort kann ich dann noch einmal frische Lebensmittel einkaufen, wahrscheinlich zum letzten Mal. Und Samstag soll es dann Richtung Gävle gehen. Ich rechne mit zwei bis drei Tagen. Die Wind- und Wetteraussichten sind dafür ganz brauchbar.

Noch einmal ein Blick zurück
Diesen Blick vom Boot auf die Schären werde ich vermissen

Auf Umweg nach Ängskär

Samstag, 30. August 2025

Ich hatte mir Gedanken gemacht, wie ich meinen Rückweg nach Gävle gestalte. Ein drittes Mal wollte ich jetzt nicht unbedingt die Ankerbucht Rödhall ansteuern. Der Hafenmeisterin in Öregrund hatte ich erzählt, dass ich dann weiter nach Gävle ziehe. „Dann müssen Sie unbedingt Örskärs Fyr besuchen“ meinte sie.

Ich informiere mich im Internet. Irgendwo hatte ich gelesen, dass es wegen Saisonende geschlossen wäre. Aber ich schreibe mal eine Mail und ich bekomme Antwort. Es ist zwar Nachsaison, aber sie haben in der Nachsaison Samstags geöffnet. Nur ein Haken: Lunch gibt es zwischen 12 und 13.30 Uhr und die Führung auf den Leuchtturm ist um 13 Uhr.

Ich studiere die Wind- und Wettervorhersagen. Die Wettervorhersage war nicht so optimal. Zuerst sollte es bis 8 Uhr etwas regnen und dann am Nachmittag noch einmal. Am Vorabend verschiebt sich der Regen bis 9 Uhr. Ich lasse mir von Orca einen Routenvorschlag machen. Es ist Nordwind vorhergesagt, das bedeutet gegenan kreuzen und für die gut 10 sm (Luftlinie) sollte ich 3 1/2 Stunden brauchen. Realistisch rechne ich eher mit 4 Stunden. Aber ich möchte es versuchen und Örskärs Fyr als Zwischenstopp nehmen. Anschließend soll es weitergehen nach Ängskär.

Um 7 Uhr klingelt der Wecker. Zuerst gibt es ein Kaffee dann geht es unter die Dusche. Dann noch ein Kaffee und warm anziehen. Und vor allem Ölzeug. Doch das Wetter sieht schon am Morgen besser aus als vorhergesagt, jedenfalls ist es trocken.

Am Morgen ist es noch trüb aber trocken. Rückblick auf Öregrund

Um 08.15 Uhr lege ich ab und dann geht es gegenan Richtung Norden. Der Wind schwankt zwischen 8 und 13 Knoten und ich komme mit 4 bis 5 Knoten voran. Aber es ist mühsam. Dann kommt mir gegen Ende noch ein traditionelles Segelboot etwas in die Quere. Offensichtlich möchte er auch auf Örskär und am Ende ist es auch so. Dass es Nordwind hatte, war jetzt vorteilhaft denn die kleine Anlegestelle liegt auf der Südseite der Insel.

Da wir zeitgleich am Anleger sind fahre ich beim ihm vorbei und frage ihn, ob er zuerst anlegen möchte. Er legt zuerst an und ein Crew-Mitglied nimmt meinen Bug als ich anlege. Ich ziehe schnell mein Ölzeug aus und beeile mich zum Lighthouse zu kommen.

Erstes Ziel erreicht – festgemacht auf Örskär

Dort sind etwa 30 Schweden, die bereits gegessen haben und wohl auf die Führung warten. Ich stelle mich im Lokal als der deutsche Segler vor und die Betreiberin fragt mich, ob ich noch auf das Lighthouse möchte. „I think I can’t really do both – lunch and the tour.“ antworte ich. Das wäre kein Problem, meint sie, ich kann auch nach der Führung essen. Hach, Schweden ist so nett! So komme ich doch noch zu meinem Leuchtturm.

Der jetzige Leuchtturm wurde 1738 gebaut (es gab einen Vorgänger aus Holz) und gehört zu den 12 Leuchttürmen Schwedens, die der Öffentlichkeit zugänglich sind. Er ist etwa 33 Meter hoch und eine Besonderheit ist, dass er innen einen Wendelgang (keine Treppe) hat. Der Grund liegt darin, dass das Leuchtfeuer zuerst mit Kohlen befeuert wurde und so konnte man mit einer Sackkarre die Kohlen einfacher nach oben bringen. Vom Leuchtturm oben hat man eine herrliche Aussicht in die Bucht von Öregrund.

Anschließend habe ich meinen Lunch – geräucherter Lachs mit französischem Kartoffelsalat.

Vom Anleger bis zum Leuchtturm sind es etwa 1,5 Kilometer
Örskärs Fyr
Auf dem Weg nach oben
Tolle Aussicht von oben
Das erste Hefeweizen seit 3 1/2 Monaten
Öregrund > Örskär 17 sm

Dann möchte ich schnell weiter. Ich hätte natürlich auch auf Örskär über Nacht bleiben können. Doch wie bereits gesagt – die Nächte sind kalt und da bevorzuge ich einen Hafen mit Landstrom für meinen Heizlüfter. Außerdem möchte ich ein Stück näher Richtung Gävle kommen. Für Sonntag ist wenig Wind vorhergesagt.

Auf der anderen Seite, am Festland, liegt der kleine Hafen Änskär, den ich schon einmal auf der Liste hatte. Er ist kombiniert mit einem Wohnmobilstellplatz und es gibt dort nur Strom, Wasser und sanitäre Anlagen. Aber mehr brauche ich auch nicht. Jetzt auf Halbwind geht es quer fast genau Richtung Westen. Die Welle hat inzwischen ordentlich zugenommen auf etwa 1 bis 1,5 Meter und mein Pinnenpilot Johann ist damit überfordert. Also übernehme ich die Pinne. Immer wieder müssen hohe Wellen ausgesteuert werden und Miss Sophie beschleunigt dabei auf 6,7 Knoten SOG. Die Einfahrt in den kleinen Hafen ist nicht ganz einfach. Zum einen hat es viele Steine unter Wasser und zum anderen ist die Einfahrt Richtung Süden. Bedeutet ich habe Wind und Welle von hinten. Trotz Rückwärtsgang im Standgas fährt das Boot noch mit 2 Knoten voraus. Aber das Anlegen geht dann doch noch durch die Schutzmauer, die den Wind von Norden abhält, recht entspannt. Ich suche mir eine Heckboje bei der ich mich im Notfall an das benachbarte Boot anlehnen kann. Gegen 17 Uhr habe ich dann festgemacht und blicke wieder einmal auf einen genialen Tag zurück.

Den weiteren Weg nach Gävle möchte ich in zwei Etappen machen. Doch das ist dann eine andere Geschichte…

Festgemacht in Ängskär
Ein schöner Tag geht zu Ende…
Örskär > Ängskär 10 sm

Unsere Dehler 28s „Miss Sophie“ war für 3 1/2 Monate mein zu Hause auf der Ostsee. Ich habe das Boot etwas für die Reise vorbereitet denn zum einen war ich die meiste Zeit einhand unterwegs und zum anderen brauchte ich die eine oder andere Ausrüstung. die am Bodensee nicht benötigt wird. Und dann habe ich es im Wesentlichen so organisiert, wie es für mich passte (auch wenn die ersten zwei Wochen noch meine Frau dabei war).

Youtuber machen ja eine Roomtour als Video – ich mache mal eine Roomtour als Blog-Beitrag.

Unser/Mein Schlafplatz

Wir/ich schlafen im Vorschiff, da hat die Dehler 28 einfach mehr Platz. Dem Kenner wird auffallen, dass wir den Sitzbügel entfernt haben. Normal hat die Dehler 28 einen halbrunden Bügel mit Polster den man herunterklappen kann. Dann hat man eine Sitzecke, um um den Tisch herum zu sitzen. Da wir sonst zu zweit unterwegs sind haben wir den Bügel ausgebaut. In den Schaps oben ist genug Platz für die gesamte Kleidung. In den Backskisten links und rechts unter den Polstern sind die Lebensmitteln. Das habe ich so aufgeteilt, dass ich links (Backbord) Konserven (Gemüse, Tomaten), Fertiggerichte und ähnliches habe. In der rechten (Steuerbord) habe ich hauptsächlich Kohlenhydrate also Nudeln, Tortellini, Reis und ähnliches. So weiß ich schnell wo ich was suchen muss.

Achja, was man sieht ist mein Daunenschlafsack. Mein steter Begleiter auch auf vielen Bergtouren. Der geht bis minus 20 Grad im Komfortbereich. Auf dem Boot verwende ich ihn in der Regel nur als Decke.

Unter dem Tisch habe ich die Kompressor-Kühlbox. Normal gibt es da bei der Dehler eine Kiste unter dem Tisch die herausgezogen werden kann. Doch die alte (kleinere) Kühlbox hatte vor zwei Jahren den Dienst quittiert. Und die neue Dometic passte nicht mehr in die Kiste. Aus Gewichtsgründen habe ich die Kiste dann raus genommen. Die Kühlbox wird vor dem Ablegen mit einem Zurrband fixiert.

Unter den Bodenbrettern ist die Bilge. Dort werden Wasserflaschen (PET) gelagert.

Kochen

Unter der Holzplatte ist ein 2-flammiger Spirituskocher. Den Spirituskocher verwende ich wenn ich keinen Landstrom habe. Ich verwende aber nur eine der beiden Flammen weil der Spiritus ja verdunstet. Ich fülle auch immer nur so viel Spiritus ein wie ich gerade benötige. Im Schiebefach sind Gewürze, Kaffee, Tassen und Kunststoffgläser. Unter dem Kocher sind Töpfe, Teller und weitere Kochutensilien.

Wenn ich Landstrom habe, habe ich eine elektrische Kochplatte. Ich koche alles auf einer Flamme (Platte). Das geht problemlos.

Das Spülbecken wird eigentlich nicht benützt da das Boot keinen Grauwassertank hat. Darunter ist ein Kunststoff-Behälter mit etwa 10 Liter den man dann leeren muss. Dort ist dann auch Essig, Öl, Spiritus und ähnliches gelagert. Zum Segeln muss natürlich alles verstaut werden was oben liegt da es sonst umher fliegt.

Naviecke

Für den Törn auf der Ostsee habe ich ein Funkgerät eingebaut. Zum einen damit ich im Notfall schnell ein „Mayday“ absetzen kann und zum anderen werden mit Hilfe des Funkgeräts andere Schiffe / Boote die AIS senden auf dem Plotter angezeigt. Ansonsten ist alles Standard bzw. wie es war.

Wer sich fragt weshalb ein Schalter mit Gafa-Tape fixiert ist… Mein Triton2 (sieht man später) zickt seit dem Winter. Wird es eingeschaltet flackert es nur hell/dunkel. Wartet man eine Weile und schaltet es wieder ein funktioniert es mal wieder. Meine Lösung war dann das Triton 2 immer eingeschaltet zu lassen. Damit es nicht versehentlich ausgeschaltet wird ist das Tape auf dem Schalter.

Ansonsten liegen da Fernglas, Powerbank für Handy oder iPad falls unterwegs der Saft ausgeht und Kfz-Adapter für den Laptop (rechts von der 220 V Steckdose ist eine Zigarettenanzünder-Dose). Seekarten (Papier) sind teilweise darunter im Fach oder woanders.

Checkliste

An der Türe zur Toilette hängt meine Checkliste vor dem Ablegen. Die Instrumente links im schönen Messing-Gehäuse sind mehr Zierde als das sie wirklich funktionieren. Das einzige, was einigermaßen funktioniert ist die Uhr.

Toilette

Wie gesagt hat unsere Dehler 28 keinen Grauwassertank (Standard). Deshalb haben wir ein Porta-Potti. Das Entsorgen des Porta-Potti ist in Schweden nicht so einfach. Nur in Häfen, bei denen ein Wohnmobil-Stellplatz angeschlossen ist, findet man eine Entleerungsstation. Ich versuche das Porta-Potti so weit als möglich nicht zu benützen. Für das große Geschäft habe ich mir „Kackbeutel“ besorgt (Hinweis: Das ist kein Affiliate-Link – nur ein normaler Link auf die Bezugsquelle). Das funktioniert sehr gut. Ich lege diese ins Porta Potti. Dann wird der Beutel zugeknotet und bis zum nächsten Hafen in der Backskiste in der Plicht gelagert und über den Restmüll entsorgt.

Dass hier Dinge im Waschbecken liegen ist auch Absicht. Denn es sollte nicht benützt werden. Wie für die Spüle gibt es einen kleinen Kunststoffbehälter (ca. 10 Liter) für das Grauwasser des Spülbeckens. Dieser ist normal hinter der Türe hinter der Toilette. Dort sind jetzt jedoch zwei 100 Ah LiFePo Batterien damit ich genügend Strom zum Arbeiten habe wenn ich vor Anker liege.

Die Segel-Stiefel stehen hier bereit falls ich sie schnell benötige.

Rumpelkammer

Die Achterkajüte ist eine Rumpelkammer. Hier sind das aufblasbare Kajak, Fotorucksack, Rucksack, noch eine Genua, Ölzeug, Werkzeug gebrauchte Wäsche u.a. In den Schaps darüber sind Handtücher usw. Alles Dinge die man weniger braucht (außer das Ölzeug und das liegt gleich um die Ecke).

Motivation

Meine Töchter haben mir eine Kaffeetasse und eine schöne Karte mit auf den Weg gegeben. Diese hängt an einem der Fenster immer in Sichtweite.

Plicht (Cockpit)

Der offene Teil eines Segelbootes wird Plicht oder Cockpit genannt. Für Nicht-Segler: hier fehlt kein „f“.

Wichtigste Erweiterung die für den Törn dazu kam war die Sprayhood. Ohne die Abdeckung wäre ich ganz schön nass geworden. Außerdem schützt sie gut vor dem Wind. Verdeckt durch die Großschot (Bildmitte) – auf dem Schiebeluck habe ich den Plotter montiert. Ein B&G Vulcan 7 – also ein 7 Zoll Plotter. Auf dem habe ich die elektronische Seekarte von Navionics. Außerdem werden mir auf dem Plotter alle Schiffe/Boote angezeigt, die AIS senden. Links liegt die Schwimmweste (obligatorisch) und rechts Handschuhe und Mütze. Die Anzeige rechts ist das Triton 2 das seit dem Winter zickt. Die momentane Anzeige ist mein Standard: Geschwindigkeit, scheinbare Windrichtung, Windgeschwindigkeit und Tiefe. Das sind die wichtigsten Informationen für mich. Rechts auf der Bank das iPad. Auf dem habe ich eine App mit einer anderen Seekarte (Orca). Orca ist etwas übersichtlicher und vor allem kann Orca unter Berücksichtigung der Wetterdaten einen Routenvorschlag machen.

Blick nach hinten

Mein Blick zurück… Zum einen sieht man die Starlink-Antenne. Durch Starlink habe ich immer und überall Internet. Selbst dort wo es keinen Handy-Empfang hat. Das hat wirklich zu 99,5% funktioniert. Die 0,5% beziehen sich auf Situation wo ich vor Anker oder an einer Boje lag. Wenn das Boot schwojt (also sich um einen Punkt dreht), dann kann es passieren das die Verbindung nicht mehr 100%ig ist.

Dann habe ich hier einen Heckanker mit einer 25 Meter langen Bleiankerleine. Und noch zwei Festmacher (Im Moment nur einer da der andere in Gebrauch). Ein weiterer Anker mit 20 Meter Kette und Leine befindet sich vorne im Ankerkasten.

Am Achterstag habe ich ein Solarpannel 50 Watt. Ein weiteres Solarpannel (100 Watt) hängt seitlich an der Reeling.

Dann sieht man noch meinen Pinnenpilot/Autopilot „Johann“ – ein Simrad TP22. Im Moment hat er Pause. Über Johann (leuchtend Orange) hängt mein Life-Belt. Eine Sicherheitsleine die ich immer dann habe wenn ich auf das Vordeck muss manchmal auch in der Plicht.

Was man nicht sieht

Der Bojenhaken mit 25 Meter Leine liegt immer auf der Seite griffbereit. Auch noch auf der anderen Seite habe ich noch einen Festmacher mit 25 Meter liegen. In der Backkiste (unter dem Johann) ist der Tank für den Motor und dort liegen Bootshaken, Paddel, Tisch für das Cockpit, Pütz (ein Eimer), Reinigungsmittel für das Boot.

Abwettern in Mariehamn

Sonntag, 17. August 2025

Die Nacht war stürmisch und der Vormittag ist es auch noch. Ich verbringe die Zeit damit, die nächste Woche zu planen. Ich werde die Åland Inseln gegen den Uhrzeigersinn erkunden. Ich habe mir einige Ziele auf der Runde herausgesucht. Mal sehen ob das so klappt. Bei dem derzeitigen Plan (falls er genau so aufgeht) habe ich noch fünf Tage für den Rückweg von Enskär nach Gävle und dann noch 3 bis 4 Tage Reserve. Wobei ich einen ganzen Tag einplanen muss, um das Boot winterfertig zu machen (alle Segel und Leinen abschlagen) und zu packen.

Vormittags noch Einkaufen. Bei den Preisen für das Bier vergeht einem der Durst (das sind Euro)
Am Abend ist der Sturm dann vorbei und die Sonne zeigt sich wieder

Erster Tag im Åland-Archipel – Rödhamn

Montag, 18. August 2025

Ich habe mir einen Plan gemacht. Ich werde versuchen die Åland-Inseln gegen den Uhrzeigersinn zu machen. Aus dem Internet und dem Segeln-Forum habe ich einige Empfehlungen mitgenommen. Ein erstes Ziel, das ich gerne erreichen möchte, ist Glada Laxen an der Nordseite der Insel Bärö. Das soll ein sehr gutes Restaurant sein. Von Mariehamn sind das etwa 60 bis 70 gesegelte Seemeilen. Da ich ja Teilzeit arbeiten muss und der Wind für heute eher schwach vorhergesagt ist, werde ich das nicht in zwei Etappen schaffen. Also teile ich mir die Strecke in drei Etappen auf. Denn das erste Ziel für heute, Rödhamn, ist auch eine Empfehlung die ich mehrfach gelesen habe. Und außerdem muss ich mich erst einmal an das Schärensegeln im Åland-Archipel gewöhnen. Ich hatte ja schon etwas Schärensegeln vor der schwedischen Ostküste. Aber das hier ist noch einmal anders. Es ist wesentlich flacher, enger und es hat zahlreiche Untiefen (u.a. Steine unter der Wasseroberfläche).

Rückblick nach Mariehamn

Der Wind kommt heute aus Nordwest bzw. West d.h. ich habe den Wind von hinten. Ich rechne damit, eine oder mehrere Halsen machen zu müssen. Da die Strecke nur kurz ist, etwa 10 sm, beschließe ich es nur mit dem Großsegel zu versuchen. Und das reicht auch. Anfangs hat es noch bis zu 13 Knoten Wind und ich lasse mich mit 3 bis 4 Knoten Fahrt gemütlich treiben. Es ist auch kein Segeln, bei dem man einmal den Kurs für eine halbe Stunde eingestellt hat und sich zurücklehnen kann. Es gleicht eher einem Slalom-Parcours durch zahlreiche Kardinalzeichen hindurch. Ständig muss der Kurs leicht korrigiert und die Segelstellung darauf angepasst werden.

Kurz vor Rödhamn

Aber das Gute: Ich komme mit einer Halse aus. Kurz vor Rödhamn schläft der Wind ein und der Motor wird angeworfen. Im Sommer, so habe ich gehört, braucht man um diese Zeit hier nicht mehr auf einen Liegeplatz zu hoffen. Doch die Saison ist vorbei. Am Steg, der etwa Platz für 60 Boote hat, liegen gerade einmal drei Boote und ich habe die freie Platzwahl (später kommen noch nach mir vier weitere Boote). Daher muss ich diesmal das Anlegemanöver mit Heckboje ohne Hilfe machen.

Festgemacht in Rödhamn
Das kleine Café

Rödhamn zeigt sich wirklich als ein sehr schöner Platz. Etwas oberhalb hat es ein kleines Café in dem auch die Hafengebühr bezahlt werden muss. 37 Euro. Im Café können auch gleich Brötchen bestellt werden, die morgens gegen 9 Uhr ans Boot gebracht werden.

Mariehamn – Rödhamn 11 sm

Anstrengender Tag – Ankerbucht Delholm

Dienstag, 19. August 2025

Der Tag begann eigentlich recht gut – Brötchenservice mit Wetterbericht auf der Brötchentüte in Rödhamn. Wind N – NW, 6 – 10 m/s (12 bis 20 Knoten), Bewölkt, Sonne, Regen. Meine Nachbarn legen bereits gegen 8 Uhr (LT) ab. Ich muss ja noch arbeiten. Die Brötchentüte war noch trocken geblieben doch später kamen dann die Regenschauer. Gegen Mittag studiere ich den Regenradar. Eigentlich sollte schon alles an Regen durch sein, ist es aber nicht. Ich sitze wie auf Kohlen. Bei dem Wetter möchte ich nicht ablegen. Also noch etwas arbeiten und in einer Stunde noch einmal schauen. Gegen 13 Uhr (LT) scheint es endlich trocken zu bleiben. Laut Regenradar kommt auch nichts mehr an. Aber sicherheitshalber lege ich die volle Montur und ziehe die Segelstiefel an. Man hat ja schon Pferde kotzen gesehen…

Der Morgen beginnt noch gut – Brötchenservice mit Wetterbericht

Raus aus der Bucht geht ganz gut. Wie geplant kann ich sofort das Großsegel setzen. Ich möchte es auch heute beim Großsegel belassen. Das ist alles so eng hier. Kaum komme ich in etwas weitläufigeres Fahrwasser, kommt schon der erste Dampfer von hinten – Finnlines. Alles zu eng. Also luve ich an, mache eine Wende und lasse den Dampfer erst einmal durch.

Rückblick auf Rödhamn

Eine ganze Zeit ist Ruhe bis, ja bis ich mal einen Blick nach hinten mache. Schon fast direkt hinter mir ist der nächste Dampfer – die roten. Wieder anluven, um etwas Abstand zu gewinnen. Dann nimmt der Wind immer mehr zu und kommt auch immer mehr von vorne. Kaum noch segelbar – unter 30 Grad am Wind. Und dabei muss ich gerade wieder durch ein enges Fahrwasser dem Tonnenstrich entlang. Ich nehme zuerst den Motor dazu. Doch mittlerweile hat der Wind auf 17 Knoten angezogen (5 Beaufort). Und er kommt noch mehr von vorne. Selbst mit Motor mache ich gerade noch 2,5 Knoten Fahrt. Das ist nichts.

Immer wieder eng vorbei an interessanten Felsformen

Vor mir hat gerade ein Schwede mit seiner Hanse von einem Steg abgelegt. Mir ist noch nicht klar was er macht. Jedenfalls entscheide ich mich, sobald das Fahrwassser etwas breiter wird, gegenan zu kreuzen. Ist zwar auch mühsam aber macht noch mehr Sinn als mit Motor gegenan zu stampfen.

Der Schwede setzt auch seine Segel – Großsegel und Fock und geht auch auf die Kreuz. Bald hat er mich eingeholt. Klar, ich, nur mit Großsegel, mache gerade mal 3 bis 5 Knoten Fahrt. Aber das ist für mich o.k. so. Das einzig positive, was ich dem Ganzen hier abgewinnen kann: Es hat so gut wie keine Welle.

Kurz vor der Einfahrt in die Ankerbucht kommt von links eine Fähre. Mann oh Mann. Anstrengend. Also stark abfallen. Dabei muss ich aufpassen, nicht zu stark abzufallen denn auf beiden Seiten der Einfahrt in die Bucht hat es Fahrwassertonnen die auf Untiefen hinweisen. Habe ich es schon gesagt? Anstrengend.

Die Fähre geht an mir vorbei und ich kann in die Bucht abbiegen. Nun hoffe ich, dass diese für die Ankernacht genug windgeschützt ist. In Schweden hätte ich keine Bedenken gehabt. Aber hier ist alles so flach. Keine hohen Bäume auf den Inseln, die den Wind abfangen könnten. Aber es geht einigermaßen. In der Bucht hat es dann noch etwa 8 Knoten Wind. Tiefe 3,5 Meter. Ich bringe den Anker mit 20 Meter Kette aus. Rückwärts-Gang einlegen und schauen ob der Anker hält. Er scheint zu halten. Aber sicherheitshalber beobachte ich das noch eine Weile. Der Anker-Alarm (App auf dem Handy) wird gestellt. Sollte ich driften, wird die Sirene auf dem Handy los gehen.

Hoffentlich ist die Nacht so friedlich wie sich der Himmel zeigt

Dann habe ich noch ein Problem mit meinen LiFePo-Batterien. Die eine steht auf 100%, die andere auf 47% Ladezustand. Das sollte nicht sein denn die beiden Batterien sind parallel geschaltet. D.h. im Idealfall sollten beide gleich geladen bzw. entladen sein. Beim Versuch das zu fixen schrotte ich meinen Inverter (ein Inverter macht aus 12 Volt Gleichstrom 230 Volt Wechselstrom). Einmal kurz nicht aufgepasst – verpolt kurz berührt und aus die Maus. Warum hat das blöde Ding auch keine Sicherung für solche Fälle? Anstrengend heute…

Aber jetzt ist es so. Der Inverter war mein Backup für den Laptop. Denn seltsamerweise quittiert der Kfz-Adapter für den Laptop unter einem gewissen Ladezustand der Batterien seinen Dienst. In dem Fall hatte ich mir mit dem Inverter beholfen. Wichtig, um sicher arbeiten zu können.

Ist jetzt aber auch kein Beinbruch. Denn ich werde jetzt vorzugsweise Liegeplätze ansteuern, an denen ich Landstrom habe. Und dort kann ich die LiFePo-Batterien immer voll laden falls es nicht genug Solarstrom haben sollte. Und dann habe ich noch einen Notfall-Plan vorbereitet: Die Starterbatterie ist mit der „alten“ Bleibatterie parallel geschaltet. Im Notfall werfe ich den Motor an. Die Lichtmaschine macht dann 14 Volt und ich schalte um von LiFePo auf alte Bleibatterie.

Rödhamn > Delholm 17 sm

Weitere Planung…

Jeden Abend aufs neue gehe ich die weitere Planung durch. Für den nächsten Tag stand Glada Laxen auf dem Wunschzettel. Danach sollte es auf die nördliche Seite der Åland-Inseln gehen. Von Glada Laxen würde ich mindestens 3 Etappen benötigen, um wieder nach Enskär zu kommen – meinem Ort für den Absprung zurück nach Schweden. Und hier treffen Wunsch und Realität aufeinander. Schon der nächste Tage nach Glada Laxen wäre Kampf und Krampf denn der Wind kommt mit bis zu 5 Beaufort aus Nord. Und Glada Laxen liegt nördlich von meiner jetzigen Position.

Das wäre der Plan gewesen bis Delholm (2) bin ich gekommen

Die Wind- und Wetteraussichten sind nicht gut – überhaupt nicht gut. Samstag – Starkwind bis 28 Knoten. Sonntag – bis 23 Knoten, Montag – Starkwind bis 27 Knoten. Dazu die Wetteraussichten: Freitagnachmittag – Regen/Gewitter, Samstag – gut, Sonntag – Regen, Montag – Gewitter, Dienstag – Regen.

So sieht die Wetterprognose aus dazu mein ursprünglicher Plan

Ich muss auf jeden Fall, Stand heute, mindestens zwei Tage irgendwo abwettern: Sonntag und Montag. Vielleicht auch noch den Samstag. Am 26. August wollte ich wieder in Schweden sein. 3 bis 5 Tage brauche ich zurück nach Gävle. Hinten raus habe ich noch einen Puffer von 3 Tagen.

Sollten aus den zwei Hafentagen drei werden, wäre der Puffer komplett verbraucht. Dann dürfte nichts mehr dazwischen kommen. Wie sagen die Österreicher so schön, wenn etwas zunehmend nicht möglich wird: „Des geht sich net aus“. Daher treffe ich die Entscheidung: Abbruch und zurück nach Mariehamn. Der Wind für den kommenden Tag aus NW ist wenigstens dafür fast ideal. Nur die letzten 8 sm werde ich wohl unter Motor machen müssen da gegen den Wind.

Zurück nach Mariehamn

Mittwoch, 20. August 2025

Am Vormittag hat es noch einige Regenschauer. Für den heutigen Tag sind bis zu 20 Knoten Wind (5 Beaufort) vorhergesagt. Ich schaue gegen Mittag mit dem Fernglas raus aus meiner Ankerbucht. Bei 5 Bft. gibt es leichte Wellen mit Schaumkronen. Schaumkronen sind noch keine zu sehen. Das beruhigt mich etwas. Gegen Abend soll der Wind etwas nachlassen. Ich hoffe, dass der Wind nicht zu sehr von hinten kommt denn das birgt immer die Gefahr einer Patenthalse.

Nach der Arbeit lichte ich den Anker und fahre vorsichtig aus der Ankerbucht – alles sehr flach hier. Gerade einmal 3,5 Meter tief. Raus aus der Ankerbucht ziehe ich das Großsegel hoch. Auch heute möchte ich nur mit diesem segeln. Bei sehr raumen Kursen flattert das Focksegel ohne Wind in der Abdeckung des Großsegels. Kaum habe ich das Großsegel gesetzt und den Kurs Richtung Südwest aufgenommen, steht schon wieder ein Dampfer direkt neben mir – Finnlines. Es ist unglaublich, wie schnell die sind. Ich falle ab, um ihm nicht zu nahe zu kommen. Zum Glück wird er gleich abdrehen Richtung Westen. Aber das mit den Dampfern hier strengt mich wirklich an.

Raus aus der Ankerbucht
Auf Raumwindkurs nur mit Großsegel geht es Richtung Südwesten
Und wieder steht plötzlich so ein Ding neben mir
Und noch ein kleiner Dampfer

Ein Stück vor mir segelt eine andere deutsche Segelyacht. Er hat sich für die Genua entschieden. Obwohl er ein Stück größer ist als ich, halte ich gut mit und komme ihm auch immer wieder näher. Der Kurs Richtung Südwest lässt sich gut segeln – der Wind kommt von Nordwest. Dann muss ich anluven, neuer Kurs West und schließlich immer mehr Richtung Nordwest.

Die Segelyacht vor mir rollt die Genua ein und wirft den Motor an. Er dreht früher nach Nordwest ab als ich es muss. Vermutlich steuert er Rödhamn an. Als es dann für mich Richtung Nordwest geht, kommt der Wind fast direkt von vorne. Ich gehe noch einmal auf Kreuzkurs und mache zwei Wenden bevor auch ich das Segel berge und den Motor anwerfe. 2 Stunden noch bis Mariehamn bei 4,5 Knoten Fahrt. Hier wäre es auch viel zu eng, um gegen den Wind zu kreuzen. Um 19:55 Uhr habe ich in Marienhamn festgemacht und bin erst einmal froh, dieses Stück geschafft zu haben.

Wieder in Mariehamn

Ich habe jetzt drei Tage Puffer gewonnen, um zurück nach Schweden zu kommen. Aber ich merke auch, dass bei mir langsam die Luft raus ist. Es waren jetzt genügend anstrengende Segeltage und was mich zunehmend anstrengt ist das Wetter. Es ist vor allem kalt geworden. Tagsüber klettert das Thermometer nicht mehr über 15 Grad. Nachts bleibt es gerade noch so zweistellig. Zusammen mit dem Wind kann ich Mütze und Handschuhe immer wieder gut gebrauchen. Wenn dann noch Regen dazu kommt, vergeht mir der Spaß. Jetzt sind es fast genau drei Monate, die ich unterwegs bin – also mit der Abfahrt von zu Hause.

Rödhamn > Mariehamn 27 sm

Mein Fazit zu Åland

Ich hatte mir das Segeln in Åland etwas anders vorgestellt. Ich hatte mehr Segeln zwischen Inseln und mehr Abdeckung durch die Inseln erwartet. Es ist jedoch so, dass man eigentlich nur im äußeren Bereich der Åland Inseln segeln kann. Quer durch Åland geht überhaupt nicht da viele der Inseln über feste Brücken mit geringer Durchfahrtshöhe miteinander verbunden sind. So segelt man doch eigentlich sehr oft im relativ offenen Gewässer ohne Abdeckung bei starkem Wind.

Obwohl man im äußeren Bereich der Inselgruppe segelt hat man viele ganz kleine Inseln durch die hindurch navigiert werden muss. Teilweise ist das Fahrwasser richtig eng (10 bis 20 Meter etwa). Das ist manchmal eine Herausforderung – je nach Wind.

Was mich überraschte und etwas angestrengt hat, sind die zahlreichen Fähren und Kursschiffe. Es fahren hier wohl Fähren nach Stockholm, Torku und Helsinki. Wenn man im Fahrwasser unterwegs ist (segelnd) und sowieso nicht viel Platz hat, durch den Wind im Handlungsspielraum eingeschränkt ist, dann war das für mich anstrengend.

Landschaftlich sehr schön. Die Felsen und die Landschaft sind eine andere als Schwedens Ostküste. Ich würde das Revier gerne noch einmal erleben bei etwas besserem Wetter als ich es hatte.

Überall lichtet es sich – die Saison ist vorbei

Im großen Hafen von Mariehamn sind gerade noch 10 Boote (mit mir) bei etwa 100 Liegeplätzen. Bei manchen Häfen habe ich auf deren Internetseite gelesen, dass die Saison beendet und der Hafen geschlossen ist. Und das Mitte August. Aber wie oben geschrieben – die Temperaturen sind alles andere als sommerlich. Und dann scheint es so zu sein, dass Richtung Herbst zunehmend mit Stürmen zu rechnen ist. Die Saison ist wohl vorbei.

Der Plan für den Rückweg nach Schweden

Ich hoffe, dass sich das Wetter nicht verschiebt. Bei der aktuellen Prognose plane ich Samstag sehr früh, gegen 7 Uhr, Richtung Enskär zu starten. Windrichtung wäre erst NO später auf N drehend. Für den Schlag von Enskär nach Mariehamn hatte ich 5 Stunden benötigt, war da aber auch schnell unterwegs (Schnitt 4,8 Knoten). Dann sollte ich spätestens gegen Mittag auf Enskär sein. Sonntag und Montag wäre dann Abwettern auf Enskär. Dienstagnachmittag sollte dann passen um rüber nach Schweden zu kommen. Von Öregrund nach Enskär hatte ich 7 Stunden gebraucht. Aber ich muss nicht zwingend bis Öregrund kommen. Es reicht, wenn ich wieder in der Abdeckung der ersten vorgelagerten Inseln bin. Da gibt es ein paar Möglichkeiten festzumachen oder auch zu ankern.

Arbeiten und Körperpflege

Donnerstag, 21. August 2025

Das Wetter ist besser als es vorhergesagt war. Kein Regen und relativ viel Sonnenschein. Aber nun bin ich hier in Marienhamn. Ich arbeite ein paar Stunden nach. Am Nachmittag gehe ich duschen, in die Sauna, unter die Dusche und wieder in die Sauna. Ich bin allein und die Sauna läuft hier 24 Stunden. Dann noch etwas einkaufen. Viel Möglichkeiten gibt es in Mariehamn ja nicht. Was mir auf dem Weg zum Einkaufen auffällt: Frisbee scheint eine beliebte Beschäftigung unter jungen Menschen zu sein. Es gibt hier einen Frisbee-Parcours der gut besucht ist.

Zurück Richtung Schweden – erstes Ziel: Enskär

Samstag, 23.08.2025

Ich habe die Tage davor immer wieder die verschiedenen Wettervorhersagen geprüft. Daraus ergab sich folgende Möglichkeit: Samstag bis nach Enskär (wie auf dem Hinweg). Dann voraussichtlich 2 Tage abwettern wegen Starkwind. Dienstagnachmittag könnte sich eine Möglichkeit ergeben nach Schweden zurück zu kommen.

Am Abend zuvor wird alles vorbereitet damit ich am Morgen nicht viel Zeit verliere. Um 6 Uhr lokale Zeit (MEZ 5 Uhr) klingelt der Wecker. Zwei Kaffee, anziehen – sicherheitshalber das Ölzeug. Gegen Mittag könnte es regnen. Auf dem Hinweg habe ich etwa 5 Stunden gebraucht. Der Wind könnte heute wieder günstig sein so dass ich die gleiche Zeit schaffen könnte. Zuerst ist NO vorhergesagt der später auf Nord drehen soll. NO ist fast ideal – am Wind aber nicht hoch am Wind. Je mehr er Richtung Nord dreht, umso ungünstiger. Windgeschwindigkeit 10 bis 15 Knoten, ansteigend gegen Mittag / Nachmittag.

Ich überlegte noch zu tanken aber der Tank ist halb voll und ich rechne bis Öregrund nicht mit langen Motorfahrten und dort kann ich auch noch tanken.

Alles schläft noch während ich ablege. Gestern hatte sich der Hafen wegen des schlechten Wetters etwas gefüllt. Vor mir legt gerade wieder eine Fähre ab. Gut, dann kommt sehr wahrscheinlich keine entgegen. ich folge ihr eine Weile unter Motor bis ich dann Richtung Westen abdrehe. Jetzt kann ich die Segel hochnehmen. Es hat schon gleich 10 bis 12 Knoten Wind und mit etwa 60 Grad am Wind komme ich gut voran. Aufgrund der Windrichtung bin ich noch in der Abdeckung von Åland und habe deshalb kaum Welle. So dürfte es von mir aus bis Enskär gehen.

Noch einmal ein Blick auf die Pommern
Seezeichen
Herrliche Stimmung am Morgen

Doch mit zunehmenden Weg muss ich mehr anluven und dann kommt auch noch ein kleiner Frachter um die Ecke. Mehr anluven kann ich nicht. Zum einen bin ich inzwischen schon relativ hoch am Wind und zum anderen ist nördlich von mir eine Untiefe. Eine Wende in die Richtung ist also auch keine Möglichkeit.

So bleibt als einzige Möglichkeit abfallen. Schlecht. Denn das bedeutet ich verliere Höhe und muss dann später auf jeden Fall eine Wende machen. Der Frachter kreuzt 1/2 Seemeile hinter mir und ich kann wieder anluven. Der Wind hat inzwischen kräftig zugenommen und damit auch die Welle. In Böen habe ich jetzt bis 20 Knoten (5 Beaufort). Das Segeln wird langsam nass. Aber wenigstens passt die Geschwindigkeit – 5 bis 6 Knoten. Gegen 12:00 Uhr sollte ich Enskär erreichen.

Zunehmend wird das Segeln nass. Bis 20 Knoten Wind
Einfahrt Enskär in Sicht. Passend lässt der Wind etwas nach
Der kleine Hafen von Enskär

Nach zwei Wenden kann ich Kurs auf die Einfahrt von Enskär nehmen. Kurz davor falle ich ab und berge das Focksegel. Noch ein kleines Stück mit dem Großsegel segeln dann wird der Motor angeworfen und auch das geborgen. Unter Motor geht es hinein wobei ich mich an dem Weg halte, den ich das letzte Mal hinaus genommen habe. Denn in der Einfahrt hat es zwei Untiefen. Das ist ziemlich gut an dem Plotter, das er den letzten Track anzeigt. Der Wind bläst hier heute etwas stärker als beim letzten Mal. Meine Hoffnung ist wieder den gleichen Platz in dem kleinen Hafenbecken zu bekommen. Doch da liegt bereits ein anderes Segelboot.

Ich erinnere mich daran, dass in dem kleinen Becken Platz für drei Boote ist und das der andere äußere Platz 1,6 Meter Tiefe hat. Das reicht mir, ich habe nur 1,40 Meter Tiefgang. Da Nordwind ist und auch für die nächsten Tage vorhergesagt ist, denke ich dort auch noch besser geschützt zu sein denn direkt daneben ist eine Hütte über die ganze Länge des Liegeplatzes.

Das andere Segelboot sind Finnen. Entweder sie schlafen noch oder sie sind unterwegs. Jedenfalls niemand zu sehen und ich muss ohne fremde Hilfe anlegen. Der Wind bläst doch stärker als erwartet bzw. die Abdeckung durch die Hütte ist nicht so gut wie erhofft. Das Anlegemanöver war alles andere als lehrbuchmäßig. Ich habe die Bugleine und das Heck fängt an sich weg zu drehen. Zum Glück habe ich nur 28 Fuß sonst hätte es einen Crash mit dem finnischen Boot gegeben. Diese Anlegesituation finde ich immer wieder bescheiden. Was tun, wenn man seitlich anlegen möchte (muss) und der Wind von der Seite kommt, an der man anlegen möchte? Nimmt man die Heckleine, dreht der Bug weg. Nimmt man die Bugleine, dreht das Heck weg. Das sind die Momente wo ich mir eine Mittelklampe wünsche.

Aber egal, Hauptsache fest. Mit einem langen Festmacher ziehe ich das Heck an den Anleger. Nachdem das Boot festgemacht ist, falle ich erst einmal müde in die Koje.

Festgemacht auf Enskär
Am Nachmittag dann 25 Knoten Wind

Der Wind hat wie vorhergesagt am Nachmittag zugenommen. Inzwischen bläst er selbst hier, wo es etwas geschützt ist, mit 25 Knoten. Die Messboje Finngrundet des SMHI meldet inzwischen Wellen bis 2 Meter. Nur gut, dass ich so früh los bin. Das wäre später kein Spaß gewesen.

Auf dem Hinweg bin ich hier spät angekommen und am nächsten Morgen sehr früh los nach Mariehamn. Jetzt habe ich etwas Zeit, mir die Insel anzuschauen. Im 2. Weltkrieg war hier eine Stellung und von hier aus wurden Seemienen ausgebracht. Es gibt ein kleines Museum mit Fotodokumenten aus dieser Zeit.

Auch nach dem 2. Weltkrieg war das Militär hier noch eine ganze Weile präsent. Aus dieser Zeit gibt es mehrere Häuser die offensichtlich erhalten werden. Heute überwacht ein Radar das Seegebiet.

Irgendwo hatte ich gelesen, dass man auch Zimmer mieten kann. Auch für den Fall, dass man nicht auf dem Boot übernachten möchte. Was natürlich nicht fehlen darf, ist eine Sauna. Diese wird mit Holz befeuert. Mal sehen, vielleicht gönne ich mir das morgen oder übermorgen. Ich habe ja Zeit.

Die Insel Enskär ist ein Naturschutzgebiet
Überbleibsel aus dem 2. Weltkrieg – Seemiene
Die kleine Sauna
Und zum Abkühlen in die Ostsee
Mariehamn > Enskär 23,5 sm

Zurück am Ziel – Gävle

Sonntag, 10. August 2025

Zurück am Ziel – komischer Titel. Aber ich war/bin auf dem Rückweg und habe heute das Ziel meines Rückwegs erreicht. Das lief jetzt wesentlich besser als gedacht. Der Segeltag heute war dazu aber auch perfekt. Wind aus Südwest bzw. West. D.h. der Wind kommt vom Land, dadurch hatte es keine Welle. Außerdem am Wind (nicht hart am Wind), da läuft Miss Sophie recht gut. Deshalb hatte ich mir diese knapp 35 sm für heute auch vorgenommen. Kurz nach 10 Uhr legte ich ab und konnte bald die Segel setzen. Der Wind drehte im laufe des Tages immer wieder etwas weshalb ich den Pinnenpilot (Johann) wieder auf Wind-Kurs einstellte. 5 Grad hin oder her machten bei der Strecke nichts aus – die konnte ich später korrigieren. So gab es für mich wenig zu tun. Ab und an etwas nach dem Segeltrimm schauen. Miss Sophie segelte mit 4 bis 5 Knoten dahin. Der Tag war so gemütlich, dass ich mir unterwegs sogar etwas kochen konnte.

Rückblick auf Storjungfrun
Rausschauen und die Landschaft vorbei ziehen lassen

Auf dem Plotter sah ich hinter mir die „Ballerina“. Eine schwedische Segelyacht, der ich auf meinem Weg öfter begegnet bin, zuletzt in Örnsköldsvik. Aber sie biegt ab Richtung Südost – ich bin auf dem Kurs Südsüdwest. Eine Zeit lang fährt in einiger Entfernung die Küstenwache parallel zu mir. Also den ganzen Tag nichts aufregendes. Nach Gävle hinein drehte der Wind immer wieder kräftig und schwankte auch sehr stark in der Stärke weshalb ich letztendlich die Segel herunter holte und noch 1 Sunde unter Motor hinein fuhr.

Beim Anlegen hilft mir ein Segler aus Finnland. Nach 7 Stunden und 30 Minuten ist Miss Sophie festgemacht. Nur eine unschöne Überraschung: Der Landstrom am Steg ist „out of order“. Morgen muss ich arbeiten. Mal sehen ob ich mit dem restlichen Strom in meinen Batterien auskomme. Zudem soll es morgen bedeckt ein.

Jetzt bin ich wesentlich früher da als gedacht und habe 3 1/2 Wochen übrig. Ich hatte mit 20 bis 30 Tagen von Örnsköldsvik bis Gävle gerechnet. Dazu noch etwas Reserve. Gebraucht habe ich jetzt 15 Tage. Und das ohne Stress. Am 5. September habe ich hier in Gävle den Termin zum auskranen. Miss Sophie wird den Winter hier in Gävle verbringen. Jetzt überlege ich, was ich mit der Zeit mache. Morgen werde ich erst einmal einkaufen und meine Vorräte wieder auffüllen. Vor allem Obst und Gemüse… Und falls es immer noch keinen Strom haben sollte, werde ich den Hafen wechseln.

Spät am Abend sehe ich dann zum ersten Mal seit vielen Wochen wieder Sterne am Himmel – diesen Anblick hatte ich fast vergessen.

Krönender Abschluss des Tages….
Storjungfrun > Gävle (34 sm)

Alles erledigt und bessere Startposition bezogen

Montag, 11. August 2025

Nachdem ich meine Einkäufe erledigt, geduscht, das Geschirr gespült, alles sortiert und natürlich gearbeitet habe, habe ich den windstillen Abend genützt eine bessere Startposition zu beziehen. Außerdem war im Stadthafen gerade der Landstrom „out of order“. Da ich noch nicht genau weiß, was auf mich die nächsten Tage zukommt, möchte ich gerne alle Batterien und Akkus voll geladen haben. Meine LiFePo Batterien waren jetzt knapp unter 50% und heute war es in Gävle bedeckt. D.h. keine Chance mit Hilfe von Solar diese zu laden.

Also ging es wieder raus nach Huseliiharen. Das letzte Mal, als ich vor einigen Wochen vom Stadthafen hier raus fuhr, hatte es mich ja voll im Gewitter erwischt. Diesmal studiere ich den Regenradar (Lessons learned).

Wieder raus aus Gävle. Sieht bedrohlicher aus als es war (es war nichts)
Vorbei an den Container-Verladestellen

Aber es ist alles ruhig und windstill. Perfekt zum Anlegen mit Heckboje. Denn ich rechne eigentlich nicht mit anderen Gästen dort. Das letzte Mal lag ich dort auch alleine. Doch es liegen eine schwedische und eine deutsche Segelyacht am Steg. Die Schwedin sieht mich kommen und fängt meinen Bugkorb auf und nimmt meine Bugleine – das ist immer hilfreich. Auch wenn ich jetzt meine Technik für dieses Anlegen entwickelt habe.

Dann sehe ich den deutschen Segler. Welche Überraschung – wir waren uns in Hudiksvall begegnet. Ich auf dem Weg Richtung Süden und er mit seinem Segelkameraden auf dem Weg Richtung Norden. Doch sein Segelkamerad wurde krank und musste nach Deutschland zurück fliegen. Jetzt ist er alleine auf dem Weg Richtung Süden und muss in 7 Tagen in Stockholm sein wo seine Frau dann an Bord kommt.

Ich werde heute Abend noch etwas die Möglichkeiten für die nächsten 2 – 3 Wochen studieren. Für morgen ist erst einmal Nordwind angesagt. Ideal für mich denn ich muss jetzt erst einmal ein Stück Richtung Südost wenn ich auf die Åland Inseln möchte.

Wieder festgemacht in Huseliiharen. Hier wartete ich vor ein paar Wochen auf die Lichtmaschine

Am Abend habe ich dann das erste Mal seit einigen Wochen den Heizlüfter wieder angeworfen. Es ist kühl geworden. Und da ich Landstrom habe, gönne ich mir diesen Luxus.

Die 2.000 Kilometer sind voll

Beim Segeln wird bekanntermaßen in Seemeilen gemessen. Vor kurzem hatte ich die 1.000 Seemeilen voll. Was das bedeutet, sagt Nicht-Wassersportlern wahrscheinlich wenig. Eine Seemeile sind 1,852 Kilometer. Jetzt habe ich etwas mehr als 1.100 Seemeilen und damit 2.000 Kilometer hinter mir. Nicht von zu Hause sondern nur unterwegs auf der Ostsee mit Miss Sophie – Wahnsinn.

Zu wenig Wind…

Dienstag, 12. August 2025

In Huseliiharen nütze ich noch die Gelegenheit für Lunch im Restaurant. Das ist eine günstige Gelegenheit zum Essen in Schweden. Dann geht es los Richtung Öregrund. Ich hatte den Hafen Ängskär auf der Liste weil ich den noch nicht kannte. Als Ausweichziel die Ankerbucht Rödhall denn es war wenig Wind vorhergesagt. Meine Hoffnung war, dass es Nordwest hat. Aber zuerst ging es raus aus dem Fahrwasser von Gävle.

Blick zurück auf Huseliiharen
Björns Fyr – kein Wind

Bei 7 Knoten Wind zog ich die Segel hoch. Doch der Wind kam aus Südost und ich musste nach Südost. Ich versuchte zu kreuzen doch bei 2,5 Knoten Fahrt gab ich dann auf. Da wäre ich, wenn überhaupt, erst weit nach Mitternacht irgendwo angekommen. Also Motor an. Ängskär habe ich aufgegeben – das wäre noch einmal eine Stunde mehr gewesen. Also wieder die Ankerbucht Rödhall angesteuert.

Diesmal war ich nicht alleine hier. Es lag bereits ein Boot in der Bucht. Also habe ich die Möglichkeit ganz tief in der Bucht angesteuert. Etwas tricky weil man zwischen einigen Steinen und Untiefen hindurch manövrieren muss. Dafür habe ich hier aber noch besseren Schutz vor dem Wind aus Süd der in der Nacht etwas auffrischen soll. Mal sehen was der nächste Tage bringt…

Diesmal nicht alleine in der Ankerbucht

Einfach weiterkommen….

Mittwoch, 13. August 2025

Am frühen Nachmittag lichte ich den Anker. Ich lag sehr gut in der Ankerbucht. Aber es war auch wenig Wind in der Nacht. Auch für heute war nicht viel Wind vorhergesagt. Aber es war dann weniger als wenig. Zuerst versuchte ich es noch unter Segel, reffte das Großsegel aus. Doch bei 7 Knoten Wind gegenan gab ich auf. Also wieder Motor an.

In Schleichfahrt raus aus der Ankerbucht – Steine unter Wasser sieht man schlecht
Einfahrt Öregrund

Heute war die Ostsee glatt wie ein Spiegel – also spiegelglatt. Das einzige positive: Es wurde eine extrem ruhige Motorfahrt. So konnte Johann den Job und ich es mir bequem machen. Andere Boote waren kaum unterwegs.

Vielleicht stellt jemand die Frage: Weshalb ich gestern und heute nicht auf besseren Wind gewartet habe. Die Antwort ist einfach: Ab Freitagmittag bis Sonntag soll es Starkwind aus Süd geben. Am Sonntagmittag bis 33 Knoten in Böen – das sind 7 Beaufort. Ich hätte (vielleicht) also morgen von Gävle bis in die Ankerbucht Rödhall (mit Gegenwind) segeln können und hätte es vielleicht Freitagvormittag noch nach Öregrund geschafft. Dann hätte ich zwei zusätzliche Tage im teuren (s. weiter unten) und langweiligen Hafen von Öregrund gehangen ohne Chance rüber auf die Åland-Inseln zu kommen.

Wenn mein Plan aufgeht, erreiche ich morgen Enskär auf den Åland-Inseln und schaffe es Freitagvormittag von Enskär nach Marienhamn. Zum einen bin ich dann im geschützten Archipel der Åland-Inseln und zum anderen, falls es nicht segelbar sein sollte, habe ich mit Marienhamn eine Stadt anzusehen und ggf. Einkaufsmöglichkeiten.

Gegen 19 Uhr erreichte ich dann Öregrund. 20 Seemeilen in 4:45 Stunden. Ich hatte die Maschine gemütlich laufen lassen, da braucht sie nicht so viel Diesel. Immer wieder nett finde ich die Hafenmeisterin, die einen Platz in der Art eines Einweisers auf dem Airport zuweist, die Festmacher übernimmt und die Mooringleine reicht. Aber 370 SEK mit Strom finde ich schon heftig für den Liegeplatz. Das ist nach Dalarö der zweitteuerste Liegeplatz in Schweden (später reihte sich noch Mariehamn mit 40 Euro ein).

Festgemacht in Öregrund

Am Abend war ich noch eine Pizza essen. Mit Abstand die schlechteste Pizza die ich in meinem Leben hatte. Der Boden der Pizza glich einer Pizza aus dem Tiefkühlfach. Da macht unser Italiener in der deutschen Provinz noch eine bessere Pizza. Dabei hatte ich schon hervorragende Pizzen in Schweden wie z.B. in Karlskrona.

Morgen kommt der spannende Tag. Ich mache den Sprung hinüber zu den Åland-Inseln. Dabei muss ich ein Verkehrstrennungsgebiet queren.

Ankerbucht Rödhall > Öregrund (19 sm)

Wieder ein wilder Ritt über die Ostsee

Donnerstag, 14. August 2025

Da mir ein längerer Schlag bevorsteht, lege ich gegen 13 Uhr in Öregrund ab (ich musste ja noch arbeiten sonst hätte ich natürlich früher los gemacht). Zuerst geht es zwischen zahlreichen Schäreninseln Richtung Südost. Der Wind kommt – richtig, aus Südost. Hier ist es noch recht eng zwischen den Inseln daher macht kreuzen gegen den Wind für mich zuerst keinen Sinn. Erst als es sich etwas mit den Inseln lichtet werden die Segel hochgezogen und gegen den Wind gekreuzt. Dann lasse ich endlich die letzte schwedische Insel hinter mir und es geht am Wind Richtung Åland – Kurs Ost. Bei etwa 15 Knoten Wind, 0,5 Meter Welle läuft Miss Sophie mit 6 Knoten. Auf dem Plotter erscheinen einige Frachter wie an einer Perlenkette auf dem Weg von Nord nach Süd. Wenigstens keiner auf dem umgekehrten Weg. Ich suche mir eine Lücke dazwischen – ein Frachter quert 1/2 Seemeile vor mir, der folgende dann eine Seemeile hinter mir.

Zwischen den Schären erst einmal unter Motor
Frachter kreuzt

Notreparatur unterwegs

Der Schäkel, der die Dirk mit dem Großbaum verbindet, war vor einiger Zeit schon einmal aufgegangen. Damals hatte ich es rechtzeitig bemerkt so dass ich Schraube und Schäkel retten konnte. Doch diesmal ist wohl die Schraube verloren gegangen. Keine Ahnung, weshalb der wieder aufgegangen ist. Dabei hatte ich die Schraube beim letzten Mal richtig festgezogen. Damit der Großbaum dann beim Bergen des Großesegels nicht nach unten fällt, muss eine Notreparatur her. Eine dünne, kurze Leine dient als Ersatz. Doch es ist kein leichtes diese Notreparatur während gut 6 Knoten Fahrt und der Welle durchzuführen.

Wilder Ritt – mit gut 6 Knoten über die Ostsee
Kurz vor Enskär – die Fock ist bereits geborgen

Nach 6 1/2 Stunden ist Enskär in Sicht. Eine kleine Inselgruppe vorgelagert vor dem eigentlichen Åland-Archipel. Ich hoffe kurz vor Enskär etwas Abdeckung zu bekommen, zumindest weniger Welle. Denn kurz vor Enskär gibt es noch eine schmale Durchfahrt zwischen zwei Untiefen. Das Focksegel möchte ich vor und das Großsegel dann nach dieser Durchfahrt bergen.

Zumindest die Welle ist dann etwas weg – der Wind leider nicht. Mir fällt gleich ein Unterschied zu Schweden auf – Åland ist noch flacher. Die Inseln sind so niedrig, dass sie so gut wie keine Abdeckung bieten.

An der Anlegestelle liegt ein finnisches Boot längsseits. Der Eigner ist auf dem Boot und kommt auf den Steg. Ich muss die Situation erst einmal studieren. Eigentlich sollte hier mit Heckboje angelegt werden und ich hatte den Bojenhaken auch vorbereitet. Ich fahre heran und er fragt rufend nach meinem Tiefgang – keine einfache Kommunikation bei gut 10 Knoten Wind (und ich mit meinen Hörgeräten). Er signalisiert mir dass ich in ein kleines Hafenbecken kann, das ich erst jetzt sehe. Also Planänderung. Ich drehe eine Runde, um einen Festmacher für das Anlagen längsseits vorzubereiten. Das kleine Becken bietet Platz für drei bis vier Boote und hat den Vorteil, dass es vollkommen windgeschützt ist. Der Finne schnappt meine Bugleine ich werfe die Heckleine über einen Poller. Perfekt angelegt.

Festgemacht in Enskär

Ich unterhalte mich kurz mit dem Finnen dessen Familie gerade in der Sauna ist. Sie wäre dann vorgeheizt, falls ich auch noch Lust auf Sauna hätte. Aber mich interessiert die Einschätzung eines Locals bezügl. der Windsituation morgen. Er hat den gleichen Plan wie ich ihn schon in meinem Kopf hatte. Morgen sehr früh ablegen denn im Laufe des Tages soll der Wind von dem was es jetzt hat, 10 bis 15 Knoten, noch zunehmen. Und Samstag/Sonntag sieht dann richtig übel aus – in der Nacht von Samstag auf Sonntag dann Böen bis 40 Knoten (9 Beaufort = Sturm). Um mich in das Åland-Archipel zu retten, muss ich noch etwa 20 Seemeilen ohne Schutz durch vorgelagerte Inseln machen.

Öregrund > Enskär (33 sm)

Eine kurze Nacht – ein anstrengender Schlag

Freitag, 15. August 2025

Um 5 Uhr (6 Uhr lokale Zeit) bin ich bereits wach, mache mir einen Kaffee, frühstücke etwas und richte mir ein Brot für unterwegs. Ich bin soweit fertig vorbereitet als auch die Finnen neben mir aufstehen. Wir unterhalten uns kurz über das Wetter und ich frage ihn, welchen Hafen in Mariehamn er ansteuern wird. Er würde gerne in den Osthafen aber der längere Weg und die Familie drängen ihn in den Westhafen. Mariehamn hat zwei große Sportboothäfen – der eine auf der westlichen der andere auf der östlichen Seite der Stadt. Von unserem Ausgangspunkt, der Insel Enskär, muss ein langer Weg außen herum gemacht werden, um in den östlichen Hafen zu kommen. Bei den Bedingungen heute macht das einen Unterschied von 2 – 3 Stunden.

Ich entscheide mich auch für den westlichen Hafen. Er soll zwar etwas weiter vom Stadtzentrum entfernt sein und ist etwas teurer als der östliche Hafen aber ich habe um 14 Uhr ein Teams-Meeting. Aus dem kleinen Hafenbecken geht es fast Vollgas rückwärts erst einmal gegen den Wind raus. Gedreht und Vorwärtsgang mit Schub. Denn gleich kommt eine Stelle an der es wieder zwischen zwei Untiefen relativ schmal hindurch geht. Bei 15 bis 20 Knoten Wind von der Seite muss ich sehen das ich die Kontrolle behalte und nicht der Wind übernimmt.

Enskär morgens um 6 Uhr
Bereits morgens um 6 Uhr 20 Knoten im kleinen Hafen von Enskär
Blick zurück auf Enskär

Danach kann das Großsegel gesetzt werden. Ich hatte zuerst überlegt, nur mit dem Großsegel zu segeln. Doch es hat bereits 0,5 bis 1 Meter Welle, das gegenan bringt zu wenig Schub. Also Focksegel ausgerollt. Jetzt geht es mit etwa 5 Knoten Fahrt voran. Wind und Welle steigern sich noch etwas und es kommen einige Wellen über die Sprayhood. Bereits nach 4 Stunden erreiche ich die vorgelagerten Inseln. Ich sehe eine Tonne welche ich aus der Entfernung als Kardinaltonne interpretiere. Doch wo ist die grüne und die rote Fahrwassertonne? Da ich mich am Beginn der Einfahrt befinde, hätte ich große, auffallende Tonnen erwartet. Ich drehe noch einmal etwas ab da ich mir unsicher darüber bin, wo ich mich gerade befinde. Kann ich dem Plotter und dem GPS trauen? Erst kurz vor dem Kardinalzeichen sehe ich endlich die rote und die grüne Fahrwassertonne. Es sind nur die schmalen Stöcke und deshalb kaum zu sehen.

Die ersten Tonnen mache ich noch mit voller Besegelung. Zum Bergen der Fock müsste ich auf einen Raumwindkurs abfallen. Dafür ist hier aber nicht genügend Platz – zu viele Untiefen. Erst nachdem ich die ersten Tonnen hinter mir habe, habe ich den Platz abzufallen. Ganz wohl ist mir dabei nicht denn im Kalmarsund und vor Härnösand habe ich schlechte Erfahrung mit Raumwind und Welle gemacht. Dies sind Situationen, wo der Pinnenpilot gerne einmal übersteuert. Doch diesmal geht alles gut.

Nachdem ich die ersten kleinen Inseln hinter mir habe, hat es jetzt auch weniger Welle und das Großsegel reicht mir erst einmal. Die Finnen, die die Nacht zuvor neben mir lagen, kommen in voller Besegelung angerauscht. Sie werden das Revier hier kennen. Ich hingegen mache mich daran auch das Großsegel zu bergen. Lieber fahre ich unter Motor die letzte Seemeile hinein – das ist sicherer.

Mariehamn in Sichtweite, die Finnen vor mir

Im Hafen von Mariehamn hat es genügend Platz also drehe ich erst zwei Runden, um mir einen Platz auszusuchen. Nahe der Sanitäranlagen ist mir immer ganz recht und ich bevorzuge es gegen den Wind anzulegen. Auch etwas in den hinteren Reihen ist nicht verkehrt angesichts der Windprognose.

Nachdem ich festgemacht, das wichtigste aufgeräumt und verstaut habe, geht es ins Teams-Meeting. Hier, in Mariehamn, werde ich die nächsten drei Tage abwettern. Ab Montag soll es wieder vorbei sein mit dem Starkwind.

Ergänzung bezügl. Liegeplatzgebühr: Es geht noch teurer als Dalarö – ÅSS-Marina in Mariehamn nimmt 40 Euro für den Liegeplatz. Größere Boote, die längsseits liegen, bezahlen noch mehr.

Enskär > Mariehamn (24 sm)

Abwettern in Mariehamn

Samstag, 16. August 2025

Bereits in der Nacht nimmt der Wind weiter zu. Der Wind hat auf Nord gedreht. Da der Hafen recht offen ist, hat es am Nachmittag Böen über 30 Knoten, Miss Sophie zerrt an der Heckboje. Aber draußen auf der Ostsee geht es bereits richtig zur Sache. Die Messbojen zeigen Wellen bis 5 Meter an. Die SMHI Windmessstation misst Böen bis 23 m/s (Schweden und Finnen messen den Wind in Meter/Sekunde) – das sind 45 Knoten.

Am späten Vormittag ist es noch schön und ich nütze die Gelegenheit mir die Pommern anzuschauen. Die Pommern ist ein Frachtsegler der 1903 gebaut wurde. Die typische Route führte um das Kap der Guten Hoffnung nach Südafrika, weiter nach Australien und dann weiter nach Chile und um das Kap Horn herum zurück nach Europa. Der Sohn des letzten Eigners schenkte die Pommern ihrer Heimatstadt Mariehamn unter der Auflage, sie im Originalzustand zu erhalten. Daher ist die Pommern das einzige im Originalzustand erhaltene Schiff aus dieser Zeit. Nach mehreren Restaurationen kam sie schließlich nach Mariehamn und liegt seitdem dort als Museumsschiff. Die Ausstellung ist wirklich sehr schön gemacht so dass man sich gut vorstellen kann, wie das Leben auf so einem Schiff gewesen sein muss. Im Frachtraum wird ein 20 minütiger Film gezeigt, der von einer der letzten Reisen erzählt (Englische Untertitel).

Der Eintritt für die Pommern beinhaltet den Eintritt für das gegenüberliegende Marinemuseum welches ich jetzt aber nicht so spannend fand.

Am Nachmittag gibt es immer wieder Regenschauer. Zeit den Blog-Beitrag fertig zu schreiben. Durch Mariehamn bin ich noch am Vorabend gelaufen. Keine besondere (besonders schöne) Stadt. Die Straßen sind im Muster quadratisch, praktisch gut angelegt. Das einzige was sofort auffällt: Die Häuser sind hier nicht einheitlich im Schweden-Rot (Falunrot) gestrichen. Selbst die Internetseite „Visit Åland“ weiß nicht viel mehr über Mariehamn zu erzählen.

Morgen werde ich einmal das Lebensmittelgeschäft besuchen. Vielleicht fällt mir ja noch etwas ein oder auf. Ansonsten nütze ich die Zeit, Ziele für die nächste Woche zu suchen. Ich muss meine Route ja gut planen, damit ich dann Ende August/Anfang September rechtzeitig zurück in Gävle bin.

Frachtraum
Marinemuseum
Marinemuseum