Wieder nur ein kleiner Schlag – Ulvön

Sonntag, 5. Juli 2026

Das Wetter war ja dann ja besser als vorhergesagt. In Skeppsmalen habe ich eine sehr ruhige Nacht verbracht. Für den Nachmittag ist aber Regen und später sind Gewitter vorhergesagt. Deshalb schaue ich das ich möglichst früh weg komme. Ich habe heute wieder nur einen kleineren Schlag geplant. In Ulvön war ich letztes Jahr zum tanken auf dem Rückweg Richtung Süden und ich dachte damals „das sieht auch nett aus hier“.

Früh morgens in Skeppsmalen
Rückblick nach Skeppsmalen

Für Montag ist den ganzen Tag Regen vorhergesagt und es soll wieder auf 15 Grad abkühlen. Deshalb wollte ich nach einem Hafen mit Landstrom schauen. In Norra Ulvön gibt es mehrere Anlegemöglichkeiten. Der Wind kommt aus Nordost weshalb ich auf einem schönen Raumwindkurs gemütlich segeln kann. Was jetzt auffällt: Es sind jetzt einige Segler hier unterwegs und ich muss mehr darauf achten. Die Region Höga Kusten ist bei den Schweden und den Finnen sehr beliebt. Und natürlich sind auch einige Deutsche hier unterwegs.

Vorbei an Trysunda – da war ich im letzten Jahr

Angelegt wird in Ulvön mit Heckboje – nicht mein Lieblingsmanöver. Beim ersten Versuch vertreibt der Seitenwind mein Boot und der Abstand ist zu groß um die Boje zu erreichen. Der zweite Versuch geht dann gut und wieder steht ein Schwede am Steg um meinen Bug aufzufangen. Kurzer Smaltalk auch über das Wetter und über die Kälte im Norden. Er kommt aus Umeå. Auch er ist mit dem Sommer bisher nicht zufrieden. Er meint, es müsse einmal ein Hoch im Norden durchziehen, um die warme Luft aus dem Süden anzuziehen. Für heute können wir uns jedenfalls nicht beklagen. Es ist warm und ich sitze ohne Shirt (und ohne Socken!) im Cockpit.

Festgemacht Norra Ulvön

Regenpause

Montag, 6. Juli 2026

Spät am Vorabend kam dann der für Mittag angekündigte Regen. Ich war dann aber doch froh, so früh in Ulvön zu sein denn der Hafen füllte sich. Auch einige Teilnehmer der Midsummer Sail kamen hier an und liegen nun im Päckchen.

Ich überlege die nächsten Tage und stelle fest, dass ich hier an den Höga Kusten schon sehr viel gesehen habe. Zum einen, weil ich im letzten Jahr dann entschieden hatte genau diese Region zu genießen und zum anderen weil ich jetzt dann zum vierten Mal in dieser Region bin. Alle bekannten und beliebten Ziele und auch einige weniger bekannte Orte habe ich hier bereits besucht. Daher fällt es etwas schwer, ein sinnvolles Ziel zu finden.

Außerdem ist das Wetter (für mich ohne Heizung) noch nicht so, dass ich nach Ankerplätzen oder SXK Bojen Ausschau halte. Heute hat es abgekühlt auf 12 Grad(!) und die nächsten Tage erholt es sich nur langsam etwas.

Kein Hochdruckgebiet im Moment in Sicht

Im Moment ist kein Hochdruckgebiet in Sicht. Der einzige Vorteil: Tiefdruckgebiete drehen auf der Nordhalbkugel der Erde gegen den Uhrzeigersinn. Das bringt mir Wind aus nördlicher Richtung – also ideal für mich. Mal sehen wie ich das in der Kombination mit dem Wetter nützen kann.
Um es für den Laien besser zu erklären: Ein Hochdruckgebiet liegt nördlich von England. Das Tiefdruckgebiet über Südschweden wandert langsam Richtung Osten. Dadurch kommt es zuerst in der südlichen und später in der mittleren Ostsee zu Starkwind aus Nord bzw. Nordwest. In Landnähe moderat – 15 bis 20 Knoten Wind geschätzt.

Ulvön

Ulvön wird auch die „Perle des Bottnischen Meeres“ genannt. Norra Ulvön ist die Hauptattraktion des Schärengartens von Höga Kusten. Der Ort zeigt mit seinen Häusern, den Bootshäusern und dem Museum die Entwicklung von Fischerei, Bergbau und Landwirtschaft im 17. Jhd. bis zum heutigen Tourismus. Ulvön war einst das größte Fischerdorf von Norrland.

Besonders sehenswert ist die alte Kapelle die von den Fischern bereits 1622 erbaut und mehrmals umgezogen wurde. Dass die Kapelle mehrmals umgezogen wurde hängt wohl mit der Landhebung zusammen. Einst stand sie an einem höheren Punkt. Wie andere Kapellen wurde auch diese in den Wintermonaten genutzt die Fischereiausrüstung zu lagern. Eine Besonderheit sind die Wand und Deckenmalereien. Das sieht man sehr selten in solchen Fischerkapellen. Im 19. Jhd. wurde die Kapelle schließlich zu klein, war baufällig und eine größere Kirche wurde an einem anderen Platz gebaut. Es gab bereits eine Abrissgenehmigung für die alte Kapelle. König Oscar II., der Ulvön besuchte, erkannte jedoch den Wert der Wandmalereien und stiftete 200 Reichstaler für deren Erhalt.

Von außen wirkt die alte Kapelle sehr unscheinbar
Die neue Kirche aus dem 19. Jhd.

Ansonsten bietet Ulvön einige Cafés, Möglichkeiten zum Essen und kleine Geschäfte. Zwei Kursschiffe fahren mehrmals täglich nach Ulvön.

Ein richtig schöner Segeltag – Hörsång

Dienstag, 07. Juli 2026

Das Wetter bessert sich im Laufe des Tages. Zuerst ist es noch bewölkt aber schon deutlich wärmer als gestern. Dann findet langsam die Sonne einen Weg durch die Wolkenlücken. Nach getaner Arbeit lege ich deshalb zügig ab. Mein Ziel für heute ist Hörsång – knapp 25 sm. Der Wind kommt aus West, teilweise aus Nordwest. Das bedeutet Halb-Wind bis Am-Wind segeln.

Herrlich Halbwind bis Am-Wind

Ich überlege zuerst noch ob ich hier tanken soll, etwa 20 Liter könnten hinein passen. Aber ich möchte dann doch keine Zeit verlieren – wer weiß, was der Wind im Laufe des Tages noch macht. Da der Wind von der Landseite kommt und ich zwischen Inseln oder an der Landseite entlang segle, hat es praktisch keine Welle. Der Wind bläst schön mit 10 bis 13 Knoten und beschleunigt Miss Sophie auf 6 Knoten – herrlich.

Der Leuchtturm vor Bönhamn

Ich erkenne die Bucht, wo ich letztes Jahr in eine herrliche Ankerbucht abgebogen bin und es geht an Bönhamn und Barstahamn vorbei. Was auffällt: Es sind jetzt deutlich mehr Segler unterwegs. Nach dem Leuchtturm vor Barstahamn muss ich anluven aber ich schaffe es zuerst nicht die von Orca angedachte Höhe zu laufen. Doch dann dreht der Wind wieder etwas zu meinen Gunsten und ich segle hoch am Wind – soweit es geht. Doch der Wind wird jetzt immer unbeständiger, sowohl in der Richtung als auch der Windstärke. Mal fällt er runter auf 7 Knoten um kurz darauf auf 15 Knoten anzuziehen. Ich weiß nicht ob es an den Hügeln, Buchten und Inseln liegt. Die Ursache ist letztendlich egal. Ich muss sehen wie ich damit umgehe.

Leuchttürmchen

Kurz vor Storön (dort hatte ich letztes Jahr eine SXK Boje) wird es dann ganz verrückt. Schlagartig dreht der Wind um 45 Grad und ich sollte es so nicht in die Lücke zwischen Storön und dem Festland schaffen. Dann lässt der Wind wieder stark nach und ich nütze die Gelegenheit, erst einmal die Fock zu bergen. Dann mache ich eine Wende, es ist nicht mehr weit bis Hörsång. Ich hoffe mit der Wende durchzukommen aber wieder dreht der Wind mal links mal rechts. Schließlich habe ich die Faxen dicke und werfe den Motor an. Der Wind kann mich mal.

Noch 5 sm bis Hörsång. Es geht in den Sund hinein und ich hoffe hier auf mehr Schutz vor dem Wind. Denn am Ende wartet wieder Anlegen mit Heckanker. Ein größeres Segelboot liegt vor Anker am Ende der Bucht. Im Hamnguiden steht das es flach am Steg wäre und nur Motorboote oder kleinere Segelboote den Weg hierher finden. Doch es liegt ein etwas größeres Boot am Steg womit ich optimistisch bin mit meinen 1,40 Meter Tiefgang ebenfalls anlegen zu können.

Ich habe alles vorbereitet und ich werfe den Heckanker. Der Finne vom anderen Segelboot geht an den Steg um meinen Bug aufzufangen. Langsam, langsam geht es Richtung Steg. Aber genauso langsam geht mir die Leine des Heckankers aus. Ich hoffe das es reicht denn sonst müsste ich das Manöver abbrechen, Anker lichten und noch einmal anfahren. Es reicht gerade so um noch zwei Schläge mit der Ankerleine auf die Klampe machen zu können. Aber auch etwas Gutes: Der Heckanker hält sofort bombenfest. Nur mit großer Kraftanstrengung bekomme ich das Boot nah genug an den Steg gezogen.

Und dann erst einmal genießen – was ein schöner Platz. Die Sonne scheint noch etwas, Kinder springen ins Wasser und wir, der Finne und ich, sind hier alleine am Steg. Ruhe. Kein Vergleich mit dem ähnlich Sardinen liegenden Booten in Ulvön. Achja, und der Tiefgang reicht genau – 1,60 Meter zeigt das Lot.

Festgemacht – Hörsång
Eine sehr schöne Bucht, ein sehr schöner Platz

40 sm sind einfach grenzwertig

08. Juli 2026

Die Wetteraussichten für heute waren eher durchwachsen. Immer wieder sollen Regenschauer durchziehen. Aber ich möchte Sundsvall erreichen. Erstens weil ich einkaufen muss – ich habe mal wieder keine frischen Lebensmittel. Zweitens weil ich duschen und Wäsche waschen möchte. Drittens weil mich das so oder so einen Tag Pause kostet und ich sonst meinem Zeitplan hinterher hinke. Und viertens weil ich den guten Norwestwind nützen möchte. Orca meint was um die 35 sm ohne eine Wende oder Halse.

Rückblick auf Hörsang – ein schöner Ort

Also lege ich kurz nach Mittag ab (so früh wie derzeit für mich möglich). Gerade da fängt es an zu tröpfeln. In weiser Voraussicht hatte ich das Ölzeug und die Segelstiefel angezogen. Ich hasse nasse Schuhe. Doch es blieb bei ein paar Tropfen. Immer wieder schaue ich auf den Regenradar. Ein größeres Regengebiet zieht vor mir weg – also im Moment alles gut. Gleich raus aus dem Sund werden die Segel gesetzt und es geht auf raumen Kurs voran. Erst mit etwa 5 Knoten was aber durchaus reicht. Wieder geht es an bekannten Orten vorbei. Der Insel Storön, wo ich letztes Jahr an der SXK Boje lag. Härnösand, wo ich den Anlasser für den Motor bekam und der taubstumme Mitarbeiter mit mir den Anlasser wechselte. Sehr schöne Erinnerungen auch an Lustholmen und den Ausflug zur Höga Kusten Brücke.

Ringsum Regenschauer – aber ich habe Glück

Der Wind hat mittlerweile angezogen und die leichte Welle kommt schräg von hinten. Miss Sophie beschleunigt auf über 6 Knoten, das eine oder andere Mal steht eine 7 auf der Logge. Das kann mir nur recht sein. Je eher ich ankomme umso besser. Aber die Ankunftszeit bleibt bei etwa 20:30 Uhr.

Ich benütze LocaToWeb (www.locatoweb.com). So können meine Frau und meine Kinder (und wer möchte) mich verfolgen. Ich sehe die zurückgelegten Seemeilen und die vergangene Zeit. Irgendwas passt mit der Ankunftszeit und den 35 sm, die ich im Kopf habe, nicht zusammen. Der Wind lässt plötzlich nach und die Geschwindigkeit sinkt unter 3,5 Knoten. Das ist zu langsam – ich habe keine Lust um 23 Uhr noch etwas anzukommen. Also wird der Motor als Unterstützung genommen. Nach 1/2 Stunde legt der Wind wieder zu und der Motor kann wieder Pause machen. Das gleiche passiert dann noch einmal eine ganze Zeit später. Seltsam.

Vor Sundsvall nimmt der Wind dann noch einmal Fahrt auf. Das Wasser kräuselt sich leicht – daran erkennt man gut Böen bzw. das es böig ist. Johann, mein elektronischer Steuermann ist ausgestiegen (hat aufgegeben). Entweder luvt er zu stark an oder fällt zu stark ab. Egal ob ich schnell Druck aus dem Großsegel nehme indem ich die Schot fiere oder ob ich das Segel dichter nehme. Mit dem Achterliek des Segels kann ich bei dem alten, ausgelutschtem Segel nicht viel machen. Das Achterstag ist schon gut durchgesetzt. Weil ich Sorge habe, dass Johann einen Sonnenschuss* verursacht, übernehme ich die Pinne. Kurz vor Sundsvall hoffe ich in die Windabdeckung einer Insel zu kommen. Die Gelegenheit möchte ich nützen, das Focksegel zu bergen und das klappt dann auch wie geplant – Wind nur noch 6 Knoten.

Dann geht es noch ein Stück nur mit Großsegel weiter. In den Sund hinein muss ich gegen den Wind weshalb ich den Motor starte und das Großsegel berge. Ich hoffe darauf, dass es hinten im Hafen windstill ist. Ich habe in Erinnerung das ein Gebäude vor dem Steg steht und das müsste eigentlich vor dem Wind schützen. Doch es ist nicht windstill – 7 Knoten Wind. Vier andere Segelboote liegen am Steg aber keine helfende Hand für das Anlegemanöver an Heckboje in Sicht.

Den ersten Versuch versemmel ich gleich – die Leine hat sich verheddert. Also noch einmal, zweiter Versuch. Und diesmal hängt die Leine an der Starlink Antenne, wie auch immer das geht. Also erst noch einmal raus aus dem Hafen – hier im Hafen bei dem Wind habe ich keinen Platz um alles noch einmal zu sortieren. Draußen vor dem Hafen sortiere ich noch einmal die Leine und bereite sie sauber vor. Dann wieder rein, schauen an welchem Platz es am wenigsten Wind hat. Eigentlich sollte der Wind ja von vorne kommen, kommt er aber nicht – er kommt schräg von vorne. Eigentlich ein Situation um sich an einem Nachbar anlehnen zu können. Das geht aber nicht weil die Abstände zwischen den Bojen zu groß sind. Egal, Versuch macht kluch (klug). Bojenhaken eingehangen, Leine läuft, ich lasse den Motor auf Standgas gebe Leine nach und hoffe das sich das Boot irgendwie stabilisiert. Kurz vor dem Steg sprinte ich nach vorne. Zum Glück hatte ich einen Festmacher so vorbereitet, dass ich ihn nur schnell von der Bugreling nehmen musste. Es reicht gerade noch auf den Steg zu springen und die Leine um einen Poller zu legen denn schon driftet das Boot ab Richtung Nachbar. Puh, das ist gerade mal so gut gegangen.

Wieder festgemacht in Sundsvall
Wäsche waschen in Sundsvall – alles verständlich, oder?

Das ist der Nachteil von so einem kleinen, leichten Boot. Der Wind hat einen ganz anderen Einfluss als auf ein 36 Fuß Boot welches das doppelte auf die Waage bringt. Nun noch etwas essen. Die Wäsche wandert gleich in die Waschmaschine und dann kommt später noch mein schwedischer Freund Roger (der Diesel-Lieferant).

Achja, es waren dann 44 sm und das ist einfach grenzwertig wenn ich am Vormittag arbeiten muss. Bei meiner Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,1 Knoten werden das über 10 Stunden – too much. Heute hatte ich dann eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Knoten – da geht das gerade noch so. Aber je weiter ich Richtung Süden komme und das Jahr voran schreitet (kürzere Tage) desto schwieriger wird das – Ankommen in der Dunkelheit hatte ich ja schon letztes Jahr unfreiwillig geübt.


*Sonnenschuss: Wenn ein Boot aufgrund der Auswahl der Segel, der Stellung und dem Trim der Segel zu viel Wind hat, dann sollte es (wenn es richtig konstruiert ist) dazu neigen in den Wind zu drehen. Im Extremfall dreht es komplett in den Wind (Rumpf gegen den Wind) und im schlechtesten Fall geht dann der Bug auf die andere Seite. Deshalb ist der Sonnenschuss unbedingt zu vermeiden.

Memories – Erinnerungen

Donnerstag, 09. Juli 2026

Von meiner Tochter

Ich hatte die Tage zuvor schon das eine oder andere Mal über Erinnerungen geschrieben. Gestern Abend war noch mein schwedischer Freund (Roger) in den Hafen von Sundsvall gekommen. Am Vormittag musste ich wie bekannt arbeiten. Wir hatten uns verabredet, heute nach Lill-Lubban zu gehen. Dort war ich bereits im letzten Jahr zweimal. Einmal „alleine“ auf dem Weg Richtung Norden und das zweite Mal mit den damals neu gewonnenen Freunden vom Cruisingklubben – u.a. Roger.

Roger legte schon früher ab und segelte. Nach getaner Arbeit startete ich auch – noch mit Wind aus Nordost – und konnte schön raumschots segeln. Roger warnte mich vor, dass nach der letzten vor Sundsvall vorgelagerten Insel der Wind sich vollkommen verändern wird. Ich war vorgewarnt. Aber was dann passierte, habe ich selten erlebt. Der Wind drehte um mehr als 90 Grad und nahm plötzlich komplett ab. Zum Schluss hatte ich eine spiegelglatte Ostsee vor mir – oder wie ein Bekannter kommentierte: „Arschglatt“.

Der Wind dreht komplett
Spiegelglatt – kein Wind

Otto musste einspringen und so wurde es wieder einmal eine mehrstündige Motorfahrt. Und ich war so müde. Manchmal, wenn es solche Situationen hat, ich müde bin, der Kurs feststeht, ringsum nichts zu sehen ist, dann mache ich 10 Minuten Power-naps. Ich hatte das mal von einem Bekannten gehört der Langstrecken-Radrennen fährt. Wie z.B. in der USA von der Westküste zur Ostküste oder vom nördlichen Ende Deutschlands nach Garmisch-Partenkirchen. Das funktioniert. Ich stelle dann den Timer vom Handy auf 10 Minuten und schließe die Augen. Es ist kein richtiges Schlafen – mehr Dösen.

In Lill-Lubban waren wir beide alleine. Kaum zu glauben – so ein schöner Naturhafen und kein anderes Segelboot hier. Manchmal nicht zu verstehen. Roger hatte ein tolles Fleisch für den Grill vorbereitet, aus seinem Bord-Ofen gab es Kartoffelgratin und ich machte noch einen Tomatensalat dazu. Wir lebten wie Gott in Frankreich.

Zu den Erinnerungen: Auf dem Weg fuhr ich an Lorrüden vorbei. Da war ich im letzten Jahr zum Lunch. Eine tolle Erinnerung – der Wirt bot mir an die Nacht dort zu bleiben, er würde das mit dem Fischer klären. Und dann die Erinnerung an Lill-Lubban mit dem Svenska Kryssarklubben. Ich sauge diese Erinnerungen gerade auf da wie gesagt dies für mich ein „einmaliges“ Erlebnis ist. Am Ende dieses Törns wird das alles nur noch Erinnerung sein. Es gibt keine Wiederholung. Das macht das alles etwas besonders, auch wenn es kein „toller“ Segeltag war. Es gibt Dinge im Leben, die lassen sich nicht wiederholen. Sie sind und bleiben einmalig.

Lorrüden
Festgemacht – Lill Lubban
Die Blaubeersaison hat begonnen…. (Vogelshit)

Zum Mittagessen – Skatan

Freitag, 10. Juli 2026

Roger, mein schwedischer Freund, und ich hatten ein tolles BBQ auf Lill-Lubban. Er hatte dafür ein Fleisch vorbereitet wie wir es im letzten Jahr hatten als ich mit dem Svenska Kryssarklubben weiterzog. Am Tag zuvor hatte er erwähnt, dass man hier in einer Bucht daneben sehr gut essen könnte. Deshalb hatte ich die Idee heute dort Lunch zu haben. Für mich ein kleines Stück zurück und für Roger in der Richtung seinem zu Hause.

Also wurde nach der Arbeit der Motor angeworfen. Viel Wind hatte es nicht und es sollte dann ein enges Fahrwasser folgen das etwas im Zick-Zack verläuft. Aber alles gut markiert mit Fahrwasserzeichen. Die Navionics-Karte auf dem Plotter war mir trotzdem recht denn links und rechts gerät man schnell man in die Nähe (oder auf) eines Steins. Am Steg empfängt mich der „Hafenmeister“ – also der Einweiser. Ich hatte eigentlich mit dem Anlegen in einer Box mit Y-Steg oder Heckboje gerechnet weshalb ich weiter nichts vorbereitet hatte. Aber es war wieder einmal Anlegen mit Heckanker. Mittlerweile bin ich das wieder geübt und das Anlegemanöver läuft wie geschmiert. Ein sehr schöner Platz. Man ist praktisch mitten im Fischerdorf direkt neben dem Restaurant.

Das Essen war, wie nicht anders zu erwarten, hervorragend. Dann hieß es Abschied nehmen – Roger musste zurück und für mich sollte es morgen weiter Richtung Süden gehen. Ob wir uns noch einmal wieder sehen?

Jedenfalls hat er mir seine Bavaria 37 angeboten. Ich kann jederzeit kommen und wenn ich an den Höga Kusten segeln möchte würde er sie dort hin bringen und mir sagen wo ich das Boot übernehmen kann. Ich werde Schweden und die Freunde vom Svenska Kryssarklubben vermissen.

Festgemacht – Skatan
Das Restaurant direkt neben dem Steg
Skatan

Die Temperaturen sind langsam erträglich

Schon die letzte Nacht auf Lill-Lubban hatte ich ja keinen Heizlüfter und auch heute in Skatan verzichte ich auf Landstrom. Es ist (verhältnismäßig) noch kühl aber o.k. Vergleichbar mit unserem späten Frühjahr. Tagsüber wärmt die Sonne ziemlich gut – am Nachmittag saß ich wieder im T-Shirt im Cockpit. Abends zieht man dann gerne etwas über. Ich denke ich werde jetzt langsam vermehrt Ankerplätze und SXK-Bojen ansteuern. Es wird…

Hauptsache weiter – Stocka

Samstag, 11. Juli 2026

Ich stehe relativ früh auf (obwohl Wochenende) weil ich eigentlich etwas früher weg möchte. Aber ich möchte auch noch geräucherte Garnelen kaufen – das ist wohl eine Spezialität die es hier in Skatan gibt. Und wie sich dann herausstellt öffnen die wohl erst gegen 12 Uhr das Geschäft. Also warte ich noch. Gegen 11:30 Uhr ist es dann soweit – ich habe meine Garnelen und ich kann ablegen.

Wieder durch das enge Zick-Zack Fahwasser

An der Anlegestelle hatte es noch zeitweise etwa 7 bis 8 Knoten Wind. Als ich dann draußen bin ist vom Wind nichts mehr zu sehen. Aber ich möchte weiter kommen. Ich bin jetzt einen Tag hinterher. Ich wollte nach meinem Plan gestern in Stocka sein. Also muss es heute weitergehen.

Heute wird es eine richtig öde Fahrt. Nicht viel zu sehen. Ab und an ein anderes Segelboot. Hinter mir sehe ich auf dem AIS ein größeres Segelboot und bald kann ich es auch mit bloßem Auge sehen. 12 Meter soll es lang sein. Es hat die Segel oben und macht 5,7 Knoten Fahrt. Also die Gesetze der Physik lassen sich auch mit Länge nicht überlisten. Sicher hat er ebenfalls den Motor an.

Dann hat es mal etwas Wind aber er kommt zu direkt von vorne. Ich bin zu faul jetzt gegenan zu kreuzen. Gegen 17 Uhr sollte ich in Stocka sein – das ist mir spät genug.

Weshalb wieder Stocka? Viel Alternativen gibt es hier nicht Melanfjärden wäre eine gewesen. Von Melanfjärden war ich letztes Jahr etwas enttäuscht. Typisches Touristen-Fischerdorf, lausige Sanitäranlagen und ein mittelmäßiger Steg. In Stocka hat es sehr gute Sanitäranlagen, es ist günstiger (nur 150 SEK mit Strom) und ich kann das Porta Potti hier leeren. Beim Anlegen mit Heckboje hilft mir ein Schwede die ich auch in Skatan waren. Sie sind früh los und hatten wohl noch brauchbaren Wind auf dem Großteil der Strecke.

Morgen früh soll es Nordwind mit 4 bis 5 Bft. haben der bis Mittag anhält. Montag wohl auch noch einmal. Das bedeutet die nächsten zwei Tage kann ich Strecke machen.

Achja, noch eine Randnotiz: Die 1.000 Seemeilen sind jetzt voll. Mit etwa 1.700 sm habe ich gerechnet. Soweit sollte ich im Plan liegen.

Wieder in Stocka

Write A Comment