Zeit zum nachdenken…
Sonntag, 28. Juni 2026
Ich sitze in Mässkär – eine kleine Insel vor Jakobstad. Ich hatte Mässkär ja nicht nur wegen des anhaltenden Südwestwindes ausgesucht. Sondern auch weil ich hier Strom haben sollte. Gestern, als ich hier anlegte, half mir ein finnischer Motorbootfahrer der am Steg lag. Wir unterhielten uns etwas und ich meinte, das es an diesem Steg wohl keinen Strom hätte. Er zeigte auf einen Stromkasten und meinte „doch, hier hat es Strom. Aber ich weiß nicht ob dieser geht“. Er hatte eine Kabeltrommel zu einer Steckdose an Land gelegt und ich könnte sonst auch bei ihm einstecken. Ich versuchte zuerst die Steckdosen auf dem Steg. Doch jedes Mal wenn ich den Stecker einsteckte, haute es die Sicherung heraus. Dabei wäre der einzige Verbraucher das Landstromladegerät zum Laden der Verbraucherbatterie. Ich gab dann schließlich auf und steckte mein Kabel in seiner Kabeltrommel ein.

Am Abend höre ich ein Motorboot und denke mir nichts weiter. Als ich noch einmal hinausgehe, um ein paar Videos von der Stimmung zu machen registriere ich, dass der Finne einfach weggefahren ist. Mein Kabel lag auf dem Steg. Er hatte noch am Nachmittag zu mir gesagt, dass er bis morgen bleiben würde. Manchmal sind sie seltsam die Finnen. Ich meine, er hätte mal ans Boot klopfen und Bescheid geben können. Hätte ich zumindest gemacht. Egal.

Am Nachmittag kommt ein anderer deutscher Segler. Es hat sie voll im Gewitter erwischt und er fragt ob er bei mir im Päckchen liegen kann da sein Landstromkabel zu kurz wäre. Ich sage ihm, das die Steckdose nicht geht. Laut einem finnischen Motorbootfahrer, der auf der anderen Seite des Stegs liegt, soll die Steckdose jetzt wieder funktionieren. Doch dem deutschen Segler fehlt ein Adapter von Schuko-Stecker auf CE Stecker. Ich biete ihm meinen an. Meine LifPo Batterien sind recht voll und ich bin trocken. Da stellt sich heraus, dass mein Adapter defekt ist – Kabelbruch. Mit einem anderen Schuko-Stecker einer Mehrfachsteckdose, die ich nicht unbedingt benötige, wird der Adapter geflickt und funktioniert wieder.
Neue Pläne schmieden…
Nachdem ich Samstag ja nur den kleinen Schlag nach Mässkär gemacht hatte, heute ein Tag Auszeit wegen Regen ist, hinke ich meiner ursprünglichen Planung um zwei Tage hinterher. Eigentlich wäre ich zum Ende meines Urlaubs gerne in Schweden gewesen weil ich dazu ja noch den längeren Schlag quer über die Ostsee machen muss.

Mein Plan, zurück nach Schweden zu kommen, sieht zwei Etappen vor: Von der Klobbskat Marina auf die kleine Insel Norrskär – Vasa und von dort zum Järnäsklubbs Gästhamn (Schweden). Einmal 14 sm und einmal 29 sm (direkter Weg). Doch dazu muss ich von hier erst einmal zur Klobbskat Marina kommen die knapp 50 sm entfernt ist. Für morgen (Montag) ist es sehr schwachwindig angekündigt. Motoren kann ich nicht mehr so viel denn mit dem Tanken hat es ja bisher nicht geklappt. Am Samstag hatte ich die 25 Liter, die mir mein Bekannter aus Schweden geschenkt hatte, eingefüllt. Geschätzt habe ich jetzt etwa 35 Liter im Tank. 10 Liter habe ich noch als Reserve dabei.

Ich suche noch einmal im Internet ob ich nicht doch eine Seetankstelle in Jakobstad finde. Irgendwo müssen ja auch die Finnen tanken. Ich finde eine Seetankstelle am Ende der Bucht. Nur ob ich da mit meinem Tiefgang hin komme, weiß ich noch nicht. Das wären etwa 1 Stunde unter Motor dort hin.
Auf jeden Fall habe ich meinen Plan geändert. Eigentlich wollte ich als nächstes Stubben-Lillskäret ansteuern. Aber da ich jetzt ja den Zwischenstopp in Mässkär gemacht habe, wären das nur 15 sm von hier. Deshalb habe ich mir die Insel Kummelskäret ausgesucht. Das sind knapp 30 sm. Und damit habe ich dann den Weg zur Klobbskat Marina um 15 sm verkürzt.
Mein Ziel, zurück nach Schweden zu kommen, rückt in greifbare Nähe. Wenn es gut läuft, bin ich Freitagabend in Örnsköldvik und habe dann den Samstag um meine Vorräte wieder aufzufrischen.

Motortag
Montag, 29. Juni 2026
Windy hatte schon sehr wenig Wind für heute vorhergesagt. Orca meinte das es zumindest mit raumen Wind, auch bei wenig Wind, segelbar sein sollte. Doch zuerst ging es nach Jakobstad zum tanken. Ich hatte eine Seetankstelle in Google gefunden. Fraglich war nur, ob ich mit meinem Tiefgang da hin komme. Sie ist ein kurzes Stück nach dem Segelsällskapet. Dort ist weiter kein Fahrwasser angegeben weshalb ich dort langsam hinein fahre. Aber es ist gut durch Kardinalzeichen markiert und ich habe immer 2 Meter Tiefe.

Der Tank wird voll gemacht und auch der 25 Liter Kanister den ich vorgestern in den Tank gefüllt hatte. So habe ich wieder den Tank voll und 35 Liter als Reserve. Unter Motor geht es wieder hinaus und wieder vorbei an Mäskär jetzt aber mit Kurs Südwest. Die Aktion hat mich insgesamt 2 1/2 Stunden und 10 Seemeilen gekostet. Aber so fühle ich mich sicherer in Hinblick auf die kommenden Tage. Außerdem weiß ich vom Vorjahr, dass die nächste Möglichkeit in Schweden zu Tanken erst in Ulvön ist – die Tankstelle in Örnsköldvik, die noch im Hamnguiden eingezeichnet ist, gibt es nicht mehr.
Ich bin wieder draußen auf der Ostsee – aber von Wind ist keine Spur zu sehen. 2 Knoten, 3 Knoten, spiegelglattes Wasser. Es bleibt mir nichts anderes als weiter den Motor laufen zu lassen. Ich erwarte einen gemütlichen Tag da ich etwa weiter draußen bin sind keine anderen Motorboote zu erwarten. Und Segler sind sowieso nur sehr wenig unterwegs.


Mein Ziel ist Kummelskäret. Die Bezeichnung „Hafen“ wäre übertrieben, nennen wir es Anlegemöglichkeit. Es soll einige Heckbojen und einen Steg zum längsseits festmachen geben. Kein Strom, kein Wasser. Da ich jetzt Richtung Südwest fahre ist mein 100 Watt Solarpanel, das sonst immer auf Steuerbordseite hängt, den ganzen Tag im Schatten. Deshalb überlege ich es umzubauen und auf die andere Seite zu hängen. Ich muss etwas die Kabel neu sortieren, aber das geht. In der App studiere ich die Leistung des Moduls, was die LifPo Batterien jetzt machen (laden oder entladen?) und über den Batteriemonitor (auch über App) die Leistung.
Während ich so intensiv damit beschäftigt bin realisiere ich das irgendetwas nicht stimmt. Ich mache keine Fahrt mehr, 1 Knoten, 0,5 Knoten. Ich überlege was jetzt passiert sein könnte der Motor klingt noch relativ normal. Habe ich die Schraube verloren? Ich schaue ins Wasser und sehe das Übel – ein Fischernetz. Schxxxx – denke ich. Leerlauf, Rückwärtsgang und hoffen, dass sich das Netz nicht um die Schraube gewickelt hat. Ich sehe mich schon den Neoprenanzug irgendwo in der Achterkajüte suchen und mit Taucherbrille in der Ostsee.
Doch ich habe Glück, das Boot fährt rückwärts. Offensichtlich bin ich am Kiel hängen geblieben und das Netz kam nicht in die Schraube. Richtig Glück gehabt. Ich fluche etwas. Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet. 5 sm vom Festland entfernt legen die finnischen Fischer Netze aus. Von Mäskär hatte ich es gelesen deshalb hatte ich gestern immer wieder die Augen offen gehalten. Aber hier hatte ich wirklich nicht damit gerechnet.
Ab sofort halte ich ständig Ausschau. Aber es kommt kein weiteres Netz. Dann geht es hinein ins Archipel. Wie immer sehr flach. Aber das Fahrwasser ist sehr gut mit Fahrwasserzeichen, Kardinalzeichen und Ansteuerungsmarkierungen am Land bezeichnet. Die Anlegemöglichkeit entpuppt sich dann etwas anders als ich es erwartet hätte. Ich hatte im Internet eine Seite mit Informationen und ein paar Drohnenaufnahmen gefunden. Aber die waren wohl schon älter. Die Heckbojen sind extrem weit weg vom Steg, vor allem für meine Bootsgröße. Aber ich muss es probieren. Am Steg sitzen ein paar Segler, sie werden wohl beim Anlegen helfen. Im Notfall muss ich abrechen und die Leine am Bojenhaken verlängern. Aber mit der Hilfe von Land reicht die Leine gerade so, um festzumachen. Später kann ich sie dicht holen und habe genug Leine auf der Klampe.


Der Platz ist ganz nett und vor allem: Es ist heute das erste Mal so richtig warm. So sitze ich im Cockpit im T-Shirt, ohne Socken (meine Frau meint „riskant“ weil ich selten die Socken ausziehe) und mit der leichten Segelhose. Und mir ist es immer noch zu warm.
Am Abend mache ich ein Feuer und hole die Steaks aus der Kühlbox. Dazu ein paar Folienkartoffeln. So einen Platz und so eine Gelegenheit muss man ausnützen. Später am Abend kommt das angekündigte Gewitter und es kühlt wieder deutlich ab. Socken wieder anziehen und langärmliges Shirt anziehen. Aber der Sommer kommt hier langsam an.

Wieder einmal gegen den Wind
Dienstag, 30. Juni 2026
Mein letzter Urlaubstag – morgen beginnt wieder der Ernst des Lebens. Naja, nicht ganz. Ich habe ja die Workation Vereinbarung für die nächsten zwei Monate, so wie im letzten Jahr. Und das ging ganz gut.
Aber zuerst habe ich noch einen anspruchsvollen Segeltag vor mir. Mein Ziel ist Klobbskat am westlichen Ende des Kvarken-Archipels. Finnlands einziges UNESCO-Weltnaturerbe. Besonderheit ist die schnelle Landhebung von etwa 9 mm pro Jahr. Es gibt über 5600 Inseln und aufgrund der flachen Lagunen verändert sich die Landschaft fortlaufend. Bootshäuser, die einst am Wasser standen, stehen heute an Land.
So lege ich in freudiger Erwartung aber auch mit einer gewissen Anspannung ab – weshalb, dazu später. Ich muss zuerst auf der offenen Ostsee Strecke Richtung Westen machen bevor ich die richtige Einfahrt in das Archipel Richtung Südwest nehmen kann. Es ist keine Überraschung wenn ich sage, der Wind kommt aus West. Nicht ganz direkt, aber ziemlich genau. Also einmal wieder gegenan kreuzen. Anfangs hat es noch eine kabbelige Welle, vermutlich ein Überbleibsel des Gewitters am Vorabend. Die beruhigt sich später zum Glück etwas. Der Wind ist mit 12 Knoten (noch) o.k. So mache ich meine Strecken auf Holebug und Streckbug und nähere mich der Einfahrt. Zuerst macht der Wind den Eindruck, dass er jetzt abschwächen würde. Das hatte zumindest SMHI vorhergesagt. Windy meinte dass der Wind zunehmen sollte. Heute hatte Windy recht – er zieht etwas an, zeitweise auf 15 Knoten. Kurz vor der Einfahrt berge ich die Fock denn jetzt wird es die kommende Stunde eng im Fahrwasser und es kommt ein Teilstück, bei dem ich weder die Höhe laufen kann noch Platz um aufkreuzen habe.
Also wird dazu noch der Motor angeworfen und läuft erst einmal im Leerlauf mit. Die Geschwindigkeit von 4 Knoten nur mit dem Großsegel ist für mich ausreichend. Das Fahrwasser ist sehr gut markiert mit Fahrwasser- und Kardinalzeichen. Außerdem sind Orca auf dem iPad und die Navionics-Karte auf dem Plotter sehr hilfreich.


Dann kommt eine Strecke, die in Orca Rot markiert ist. Ein Hinweis darauf, dass es jetzt flach wird. Ich halte mich exakt an das Fahrwasser, die minimale Tiefe die ich messe ist 2,7 Meter. Es ist sehr interessant zu sehen wie links und rechts immer wieder Steine aus dem Wasser ragen. Unzählige Inseln umgeben mich. Aber ich bin dann noch ganz froh aus diesem Flachwasser draußen zu sein. Dann kommt noch die Einfahrt in den Hafen wo ich dann wieder die Welle von der Ostsee habe – diesmal von der Seite.

Im Hafen habe ich dann noch 8 Knoten Wind, beim Anlegen mit Heckboje von vorne. Am Steg liegt noch ein finnischer Segler der bereits am Steg steht, um meinen Bug aufzufangen. Das war mir jetzt sehr recht denn Anlegen gegen den Wind mit Heckboje und einhand ist immer eine Herausforderung.

Vom Hafen selbst bin ich dann etwas enttäuscht. Ich hatte auf eine warme Dusche gehofft und es gibt auch kein Wasser. Aber zumindest meine Wasservorräte sehen gut aus. Der Windvorhersage für morgen ist eher schlecht – wenig bis kein Wind. Im Notfall werde ich die 15 sm unter Motor zurücklegen.
Wir sind alle Motorbootfahrer
Mittwoch, 1. Juli 2026
Ich und Miss Sophie kommen ja eigentlich vom Bodensee. Wellen kennt man als Segler dort primär als Wellen, die von Motorbootfahrern ausgelöst werden. Das kann ärgerlich sein wenn man auf dem glatten Bodensee bei wenig Wind versucht zu segeln, die Segel optimal eingestellt hat, mit 2 bis 3 Knoten dahin gleitet und dann ein vorbeifahrendes Motorboot die Segel und den Großbaum schlagen lässt. Einmal auf einen solch geäußerten Unmut im Segelclub (durch einen anderen Segler) meinte ein anderer Club-Kamerad: „Wir sind alle Motorbootfahrer – die einen mit Segel, die anderen ohne Segel“. Jedenfalls war ich heute an Otto, meiner 9 PS Einbaumaschine sehr froh.


Nach getaner Arbeit, es war ja mein erster „Arbeitstag“ nach dem Urlaub, kann ich kurz nach Mittag ablegen. Aber davor lasse ich es mir nicht entgehen die Brauerei zu besuchen. Das war mit ein Grund, weshalb ich Klobbskat ausgewählt hatte. Hier, direkt am Hafen, gibt es eine kleine Brauerei mit Werksverkauf. Also habe ich ein paar Hopfenvorräte mitgenommen.
Der Wind war wie angekündigt sehr schwach mit etwa 3 bis 4 Knoten. Zudem kam er genau aus der Richtung, in die ich musste. Bei dem Wind gegenan kreuzen macht überhaupt keinen Sinn. Aber es sollten ja nur 15 sm sein und so hatte ich kurzerhand beschlossen mittels Motorkraft nach Norrskär-Vasa zu kommen.


Ich dachte eigentlich niemanden, also keinem anderen Schiff, auf dieser Strecke zu begegnen als ich auf dem AIS etwas sah, was meinen Weg kreuzen könnte. Ein Blick in die Details verriet: Fähre, Geschwindigkeit 15 Knoten. Da erinnerte ich mich, als ich vor wenigen Wochen bei Umeå war, an die Fährverbindung Umeå – Vaasa. Und da ich jetzt in der Nähe von Vaasa bin, war es klar das diese hier durch muss. Zudem steuerte ich gerade auf ein Verkehrstrennungsgebiet zu. Also Kurskorrektur, um dieses möglichst im rechten Winkel zu passieren. Die Fähre ging dann gut 1 sm hinter mir durch – keine Gefahr in Verzug.

Dann sah ich etwas im Wasser schwimmen. Wieder Kurskorrektur, um dies genauer anzusehen. Könnte ja auch eine Wasserleiche sein. Aber es war nur ein Heliumballon. Das ist das zweite Mal das ich so etwas auf dem Wasser sehe. Zuvor hatte ich mir nie Gedanken darüber gemacht aber jetzt sehe ich, was das für ein Müll für die Umwelt ist.
Die Ansteuerung nach Norrskär-Vasa ist bei diesen Bedingungen unkompliziert. Nur die Suche nach einem Platz zum Festmachen dauert etwas. Denn eigentlich ist der Hafen von Norrskär-Vasa kein Gasthafen. Es ist ein kleiner Fischereihafen für die wenigen Fischer, die hier die Sommermonate verbringen. Der überwiegende Teil der Häuser wird heute als Ferienhäuser genutzt. Aber ich finde schließlich einen Platz an einer Mauer und kläre das sicherheitshalber mit einem Finnen, der kein Englisch spricht (dafür reicht die Verständigung mit Händen und Füßen gerade so). Mit Google Translate frage ich ihn noch, ob er Fisch zu verkaufen hat.
Er geht mit mir zu den Fischerbooten wo zwei junge Männer zugange sind. Sie können Englisch. Also bekomme ich für 3 Euro einen frischen Fisch aus der Ostsee – lucky man.


Dann kommt noch ein großes Schlauchboot mit 2 x 250 PS Außenbordern und einer Horde von finnischen Touristen. Im Internet kann ich lesen, dass von Klobbskat aus Exkursionen nach Norrskär-Vasa angeboten werden. Der eine oder andere kennt vielleicht von Bildern die großen „Schlauchboote“ die auch beim Wale-Watching verwendet werden.
Am Abend kehrt dann langsam Ruhe ein. Die letzten Fischer sind heimgekehrt und der eine oder andere hat noch den Hund Gassi geführt. Nun muss ich sehen was ich morgen mache. Der kürzeste Weg von hier nach Schweden beträgt etwa 29 sm (53 km) Luftlinie und wäre zum Järnässklub. Die Wind- und Wetteraussichten für die nächsten Tage sind gerade nicht besonders toll. Ich möchte mich gerne nach Örnsköldvik retten. Mal sehen wie ich das löse. Mein favorisiertes Ziel in Schweden ist der Jänärsklubb.




Zurück in Schweden – zurück am Anfang
Donnerstag/Freitag, 02./03. Juli 2026
Zurück am Anfang – zurück in Örnsköldvik. Wie bitte? Ja, Örnsköldvik.
Ich erkläre es… Mein favorisiertes Ziel wäre ja der Jänärsklubb gewesen – etwa 28 sm. Und ich wollte mich irgendwie nach Örnsköldvik retten. Der Grund sind meine Vorräte. Ich habe noch Pfirsiche, 1/2 Paprika, Würstchen, 2 Joghurt und natürlich Nudeln, Tomatensauce und einige Dosen. Aber mir fehlte es an Brot, Zwiebeln, Müsliriegel, Tomaten, Getränke und anderem.
Und nun kommt die Wettervorhersage: Freitagnachmittag Gewitter bis spät am Abend danach Nebel. Samstag Gewitter/Nebel, Sonntag Regen. Hätte ich noch Urlaub, dann wäre Jänärsklubb sicher das Ziel gewesen und dann Freitag früh Morgens los um vor den Gewittern in Örnsköldvik zu sein, ca. 5 Stunden. Jetzt musste ich aber Freitagvormittag arbeiten. D.h. ich wäre in Jänärsklubb gehangen ohne Möglichkeit einzukaufen.

Deshalb suchte ich nach einer Alternative und wählte zuerst Husum – etwa 35 sm. Dort sollte man Fahrräder ausleihen können und in ca. 10 Minuten im Ort sein wo es einen ICA gibt. Nur ein Problem: Das Gebiet um die Hafeneinfahrt ist nicht vermessen, weder in Orca noch in Navionics finden sich Tiefenangaben. Ich überlege es zu riskieren. Auf 2/3 des Weges überlege ich weiter – was, wenn ich nicht nach Husum hinein komme? Dann würde mir nichts anderes übrig bleiben, als von dort Örnsköldvik anzusteuern, was mich dann aber viel Zeit kosten würde.
Deshalb messe ich noch einmal die Entfernung (Luftlinie). Örnsköldvik ist von meinen derzeitigen Standort nur 15 sm weiter entfernt als Husum. Ich studiere noch einmal den Wetterbericht und werfe alles über den Haufen – durch nach Örnsköldvik.
Aber zuerst zurück zum Vormittag. Ich musste ja noch arbeiten. Gegen 11 Uhr kommt ein Patrouillenboot nach Nörskär-Vasa das genau dort anlegen möchte, wo ich liege. Blöd. Um 11 Uhr habe ich noch ein Meeting. Ich bin ja in keinem richtigen Hafen. Dies ist ja nur ein Fischereihafen. Ich lege provisorisch um an eines der Fischerboote und beende meine Arbeit zeitnah nach dem Meeting. Dann lege ich gleich ab und hoffe auf etwas Wind.

Orca machte für die Route unter Segel in etwa die gleiche Zeitangabe wie unter Motor. Es hat dann auch etwas Wind aus Nordost und ich kann raumschots noch relativ gut segeln, auch weil es so gut wie keine Welle hat. Nach 2 Stunden lässt der Wind mehr und mehr nach. Zuerst benütze ich den Motor als Unterstützung und lasse die Segel stehen. Doch als der Wind mehr und mehr dreht und gleichzeitig nachlässt, die Segel nur noch hin und her schlagen, packe ich die Segel ein fahre unter Motor weiter.
Dann kommt eben die oben beschriebene Situation. Ja, das macht nicht unbedingt Spaß. Aber da musste ich jetzt durch. Die hoffnungsvolle Aussicht: Bei schlechtem Wetter 3 Tage in Örnsköldvik abwettern. Wäsche waschen, einkaufen, duschen, ausruhen. Gegen 1:30 Uhr habe ich festgemacht. Der Hafen ist ziemlich voll. So hatte ich es hier noch nie gesehen. Aber ja, jetzt ist „Sommer“ und die Schweden haben Urlaub. Das werde ich die nächste Zeit wohl noch öfter erleben.


Atempause
Freitag, 03. Juli 2026
Zurück am Anfang, hatte ich oben geschrieben. In Örnsköldvik hatte ich vor mehr als 3 Wochen die Entscheidung getroffen: Gelbe Tonne ja/nein. Und dann begann für mich Neuland. Es war sehr spannend und ich bin selbst überrascht, wie gut alles bisher lief. Ich liege in meinem angedachten Zeitplan. Anfang Juli wollte ich zurück in Örnsköldvik sein. Und auch die Relation Urlaubstage/Segeltage stimmt jetzt mit etwa 65%.
Auch das ich diese „abgekürzte“ Ostseerunde gemacht habe, bereue ich nicht. Finnland ist irgendwie nicht meins. Ja, es war ganz nett, ein paar interessante Orte. Aber was mir fehlte war etwas Struktur in der Landschaft. Es ist einfach nur flach. Die Landschaft bildet eine Linie mit dem Horizont. Kein Hügel, nichts. Das Flache setzt sich unter Wasser im Küstenbereich fort. 5 sm vom Festland entfernt hat man 20 Meter Wassertiefe. Das hat zur Folge, dass man oft entfernt vom Ufer unterwegs ist und wenig sieht. In Schweden segelt man mit 10 Meter Abstand an einer Schäre vorbei und hat 10 oder 20 Meter Wassertiefe. Dadurch sieht man Häuser, die Felsen und einfach mehr von der Landschaft. Vielleicht wäre das Turku Archipel noch etwas gewesen. Aber ich habe das Kvarken Archipel mitgenommen, was auch recht interessant war. Und dann hatte ich letztes Jahr auch etwas von den Åland Inseln mitgenommen.

Das Wetter ist dann heute nicht so schlecht wie vorhergesagt. Einmal sieht es so aus, als würde gleich ein Gewitter kommen, aber es kommt nichts. Also der ganze Stress gestern, die lange Motorfahrt umsonst? Nein. Als ich mich anmelden möchte fragt mich die junge Frau ob ich zum Wettbewerb gehöre. „Nein“, meine ich. Am Wochenende ist eine Speedboat Veranstaltung und die meisten Liegeplätze innen sind dafür reserviert. Ich könne außen im Hafen festmachen. Diese eine Nacht kann ich noch auf dem Platz bleiben. Da hätte ich eine Überraschung gehabt, wenn ich heute am Abend gekommen wäre. Für morgen sieht das Wetter nicht mehr so schlecht aus. Also werde ich morgen weiterziehen denn auf den Lärm der Speedboote habe ich keine Lust. Einige sind schon heute gekommen und haben ihre Motoren röhren lassen. Nein danke.

Meine weiteren Pläne
Nachdem ich zurück in Schweden bin möchte ich jetzt noch ein paar schöne Orte an den Höga Kusten mitnehmen. Das ist der Abschnitt zwischen Örnsköldvik und Härnösand und der mir im letzten Jahr am besten gefallen hat.
Dann möchte ich vielleicht Anfang/Mitte August ein paar Tage in den Stockholmer Schären verbringen. Da bin ich letztes Jahr nur durch gerauscht und das soll sehr schön sein dort. Das eine oder andere Mal anlegen an einer Schäre möchte ich auch noch einmal erleben. Mal sehen was geht.
Kollege „Schröder“ sagte mir einmal, er würde voll im Plan liegen. Er hätte sich einen Plan gemacht, wann er an welchem Breitengrad sein muss. Die Idee finde ich nicht einmal schlecht weshalb ich auch einmal einen solchen Plan gemacht habe. Es macht die Zeitplanung zumindest etwas greifbarer. In der Planung habe ich einmal zwei Tage Reserve für den Abschnitt Bornholm – Kröslin gelassen. Aber das sieht alles realistisch aus wenn ich es mit dem letzten Jahr vergleiche.
Hinweis: Im letzten Jahr hatte ich dann viel Zeit an den Höga Kusten verbracht (Örnsköldvik – Stocka) und in Gävle hatte ich 4 Tage „vertrödelt“ weil ich auf die Lichtmaschine gewartet hatte.

Nichts wie weg aus Örnsköldvik
Samstag, 04. Juli 2026
Die Nacht war eine Katastrophe. Bis 0:30 Uhr ließen die Speedboote immer wieder einmal ihre Motoren aufheulen um zu zeigen, was sie für tolle Typen sind. Dazwischen immer wieder laut aufgedrehte Bum-Bum Musik. Am Morgen bin ich deshalb gleich noch einmal einkaufen gegangen, habe etwas Müll entsorgt und mich verabschiedet.



Heute habe ich nur einen kurzen Schlag geplant. Am Eingang zum Sund nach Örnsköldvik liegt das kleine Fischerdorf Skeppsmalen. Noch einmal ein ganz kleines Stück Richtung Nordost bevor es dann für den Rest der Reise Richtung Südwest geht. Es hat herrlichen Wind aus West bzw. leicht nordwestlich. Ideal, um aus dem Sund heraus zu segeln. So brauche ich auch nur 3 Stunden für den Schlag.
Im Hammguiden steht, dass der kleine Anleger oft überfüllt wäre weil Skeppsmalen ein sehr beliebtes Ausflugsziel ist. Für den Notfall hatte ich einen Plan B – weiter nach Ulvön. Die Einfahrt ist extrem schmal und es hat Felsen links und rechts. Ganz langsam taste ich mich hinein. Doch es geht alles gut. Am Steg, der etwa Platz für 4 – 6 Boote hat, liegt nur ein schwedischer Segler der bereits bereit steht als er mich sieht. Ich weiß zuerst nicht ob ich rechts oder links von ihm anlegen soll. Angelegt wird hier mit Heckanker. Rechts hat es mehr Platz, links wäre mir wegen des Windes lieber, der von Backbord kommt. Trotzdem tendiere ich zuerst nach rechts als er auf seine Ankerleine deutet. Ja, das wird schwierig. Ich will zurücksetzen und doch die linke Seite wählen. „Rums“ – das war wohl ein Stein. Zum Glück war ich sehr langsam. Aber jetzt hatte es mich nach über 2.000 sm doch noch erwischt. Wo ich doch eigentlich Sorge hatte, in Finnland auf einen Stein zu laufen. Im Nachhinein schaue ich auf dem Plotter – ja, der wäre eingezeichnet gewesen. Ich muss mir wieder angewöhnen im Vorfeld genau das Hafenbecken zu studieren denn das gibt es in Schweden öfter, das ein oder mehrere Steine herumliegen.
Dann mache ich gleich einen Spaziergang durch den kleinen Ort, besuche die Kapelle und ein altes Fischerhaus. Was ein schöner Platz. Die Schweden legen ab. Sie möchten nach Örnsköldvik und nun bin ich hier ganz alleine. Was habe ich doch ein Glück…





Damals war Erik Wilhelm Högberg der letzte Fischer aus Gävle, der seinen Beruf in Skeppsmalen ausübte.


