Gegen den Wind nach Stockholm
Sonntag, 26. Juli 2026
Früh am Morgen um 7 Uhr klingelt der Wecker. Eigentlich hätte er nicht klingeln müssen denn ich war sowieso schon wach da die Blase drückte. Nach zwei Kaffee, auf das Frühstück habe ich heute verzichtet, bereite ich mich auf das Ablegen vor. Der Hafen von Linanäs ist echt kacke. Ich hatte es am Ende meines letzten Blogs schon geschrieben: Aus der Karte hatte ich gedacht das er besser gegen Südwest geschützt ist als er es tatsächlich ist. Der Wind bläst schon wieder mit bis zu 17 Knoten hinein. Und da muss ich Andreas, dem deutschen Segler aus Kiel den ich unterwegs kennengelernt habe, etwas Recht geben – die meisten „Häfen“ an der schwedischen Ostküste sind wenig oder überhaupt nicht durch zusätzliche Bebauung, wie z.B. Hafenmauer, geschützt. Man muss die Häfen immer nach dem natürlichen Schutz (Landschaft) aussuchen. Meistens werden ein paar Schwimmstege aus Beton ins Wasser geworfen, Heckbojen ausgebracht, Strom und Wasser verlegt und das ist dann ein „Hafen“.
Bei Linanäs kam dazu, dass es nur eine, ich wiederhole: eine(!), Toilette gab, keine Dusche oder sonstige Infrastruktur. Und dafür musste ich von 19 Uhr bis 12 Uhr am nächsten Tag 34 Euro bezahlen (mit Strom). Ich hatte zwar schon etwa um 16. 30 Uhr angelegt, aber das hatte ich jetzt wirklich nicht akzeptiert, dafür ein Tagesticket für über 40 Euro zu lösen.

Zurück zum Morgen, weshalb mich das mit dem Wind so beschäftigte. Die Gästeplätze befinden sich auf der Innenseite des äußeren Schwimmstegs. Die Boxengasse ist nicht sonderlich breit. Zwei Plätze weiter lag ein Finne dessen Boot eigentlich viel zu lang war um hier innen zu liegen – etwas 32 Fuß. Jeder vernünftige Hafenmeister hätte ihn auf die Außenseite zum längsseits anlegen verwiesen. Aber einen Hafenmeister gibt es hier nicht. Dadurch war die enge Boxengasse noch enger. Schon beim Anlegen am Tag zuvor hatte es mein Boot bei dem Wind vertrieben und ich hing am Heckanker des Finnen. Im zweiten Versuch mit viel Gas, zwei Personen am Steg die meinen Bug aufgefangen haben, hatte ich es in die Box geschafft.
Mir graute es schon. Egal. Ich hatte alle Leinen bis auf eine am Heck gelöst und wartete auf einen Moment in dem der Wind zumindest etwas abflaute. Dann mit relativ viel Gas rückwärts raus aus der Box in der Hoffnung, dass sich Miss Sophie ausreichend dreht. In einer „normalen“ Boxengasse hätte es auch gereicht. Weiter zurück konnte ich nicht denn schon war ich auf der anderen Seite der Box wo mich eine Reihe von Außenbordern bzw. deren aus dem Wasser gehobenen Schrauben anlächelten. Also Vorwärtsgang, wieder mit relativ viel Gas. Der Vorteil der Dehler 28 ist, dass sie, wenn sie fährt, fasst auf der Stelle gedreht werden kann. Gerade so schaffte ich es an dem Finnen vorbei um gleich wieder Gegenruder zu geben um nicht mit dem Bug die Reihe der Außenborder zu touchieren. Schexxxx. Solche Manöver mag ich überhaupt nicht.
Dann ging es erst einmal zur Tankstelle die, dem Herrn sei es gedankt, im vollkommen windstillen Bereich liegt. Nachdem der Tank gefüllt war konnte es losgehen.

Wie gesagt kam der Wind wie am Vortag aus Südwest. Etwas schwächer als am Vortag, mit etwa 10 bis 15 Knoten. Aber eben wieder genau auf die Nase. Darauf, dass es eine reine Motorfahrt werden würde, hatte ich mich schon eingestellt. Die großen Fähren oder Kreuzfahrtschiffe hatten schon am Morgen abgelegt. Da ich zuerst zwischen den Schären in keinem oder Nebenfahrwasser unterwegs war, sah ich diese nur vorbei ziehen und ich musste mich nicht mit diesen beschäftigten.
Doch auch in den Nebenfahrwassern sah ich mich bald mit den Personentransporten konfrontiert. Diese sind mit 15 bis 20 Knoten unterwegs und kennen keine Vorfahrts- oder Verhaltensregeln – nur Wegerecht (welches sie wohl alleine haben). Als kleine Ameise in einem großen Teich versuche ich sowieso allem aus dem Weg zu gehen und versuche mich so weit als möglich am Rand oder außerhalb des Fahrwassers zu bewegen.

Dazu kommen mit voran Schreiten des Tages zahlreiche Wassersportler – also Segel- und Motorboote. Bei den Motorbooten fällt mir auf, dass diese ebenso wenig Rücksicht auf (kleine) Segelboote nehmen. Mit Vollgas wird im Abstand von 20 Metern vorbei gebrettert. Meine Nussschale wird einige Male in den Wellen ziemlich durchgeschaukelt. Aber egal – ich komme nach Stockholm.




Zum Schluss kommt der Wasa Gasthamn schneller als gedacht und ich schaffe es gerade noch die Fender auszubringen. Ich bin ganz froh, dass ich meinen Platz über Dockspot im Voraus reserviert und gebucht habe. So weiß ich genau wo ich hin muss. Anlegen mit Heckboje. Der Wind kommt dann beim Anlegen genau von hinten, das ist am einfachsten. Zudem links und rechts die Plätze bereits belegt sind und etwa 3,5 Meter dazwischen Platz ist – ideal. Am Steg steht bereits ein anderer Segler der meinen Bug auffängt. Perfekt. Noch etwas aufräumen, Landstrom anschließen, Leinen sortieren und dann geht es los in die Altstadt. Ich habe ja „nur“ den Nachmittag heute und den Nachmittag morgen. Die Tatsache, dass ich in Stockholm bin, ändert nichts daran das ich arbeiten muss.
Wie gesagt ist mein Ziel die Alstadt. Gamla Stan, wo sich auch der Palast der Königsfamilie befindet, fand ich schon im letzten Jahr sehr reizvoll. Letztes Jahr hatte ich mich mit meiner Tochter und ihrem Freund hier getroffen und wir hatten einen Schnelldurchgang durch Stockholm gemacht. Gamla Stan, Wasa Museum, einen Fotospot den meine Tochter wollte, Wachablösung am Palast und Östermalms Saluhall – das war wirklich Fast-Sightseeing. Jetzt nehme ich mir einen ganzen Nachmittag Zeit, Gamla Stan zu erkunden. Schlendere durch die Gassen und schaue mir die Geschäfte an. An einer Statue die den heiligen Georg als Drachentötet darstellt komme ich (Raucher) mit einem Italiener ins Gespräch. Er und seine Frau sind im Urlaub hier. Und witzig (meine Frau meinte ich komme im Gespräch immer auf das Segeln), wie sich herausstellte ist er auch Segler. Er hat eine Beneteau First 210 am Lago Maggiore.




Bei der Gelegenheit: Ich muss das mal in irgendeinem Blog unterbringen – ich wurde u.a. per Mail darauf angesprochen, weshalb ich diese Reise alleine mache. Um eines Vorweg zu nehmen: Wäre ich hier mit meiner Frau oder einem Bekannten unterwegs, wäre ich mit hoher Wahrscheinlichkeit mit diesem italienischen Ehepaar nicht ins Gespräch gekommen. Ohje, ich merke – viel Text.
Skansen Freilichtmuseum
Montag, 27. Juli 2026
Da ich im Hafen der Museumsinsel liege, bietet es sich an das Skansen Freilichtmuseum zu besuchen. Wir haben auch so etwas ähnliches am Bodensee, allerdings kleiner und nur mit Häusern aus der Region.
Skansen ist das älteste Freilichtmuseum der Welt und wurde 1891 von dem Sprachwissenschaftler, Lehrer und Volkskundler Artur Hazelius gegründet. Hier wurden Gebäude, Pflanzen und Tiere aus ganz Schweden zusammengetragen, um zu zeigen, wie die Menschen in verschiedenen Teilen des Landes lebten und arbeiteten.
Einige Häuser sind geöffnet und Personal beantwortet Fragen (falls man welche hat). Kombiniert ist das Freilichtmuseum mit einem kleinen Tierpark – so bekomme ich doch noch die Gelegenheit Seehunde aus nächster Nähe zu sehen. Ebenfalls sehr schön ist das Baltic Sea Science Center mit großen Aquarien in denen sich die typischen Fische der Ostsee finden.
Ebenfalls interessant fand ich die Information, dass die Ostsee ein Brackwasser ist und, dass die Ostsee das Problem Sauerstoffmangel hat welches vor allem durch Überdüngung und Klimawandel forciert wird. Ich hatte es unterwegs schon registriert, dass hier früher wesentlich mehr Fisch gefangen wurde als heute. Sicher, Überfischung spielt auch eine Rolle. Dabei sehe ich Parallelen zum Bodensee. Auch der Bodensee war kurz davor umzukippen. Dann wurde in den 70er/80er Jahren der Bau von Kläranlagen forciert und das Düngen in der Nähe es Bodensees eingeschränkt. Seitdem ist der Bodensee wesentlich sauberer und Fischer beschweren sich darüber weil sie meinen, dass die Fische durch das saubere Wasser nichts mehr zu fressen hätten. Paradoxe Welt…
Jedenfalls kann ich jedem der etwas mehr Zeit in Stockholm hat, das Skansen Freilichtmuseum sehr empfehlen. Einzig was ich etwas schade fand, dass nicht so viele Häuser geöffnet waren und innen nicht besichtigt werden konnten.





Nun muss ich morgen Vormittag noch arbeiten und dann geht meine Reise Richtung Süden bzw. Südwesten weiter. Morgen soll der Wind aus West kommen – das ist vielversprechend. Ab Mittwoch bis Freitag soll der Wind auf Südwest drehen, d.h. es wird schwierig.
Weiter Richtung Südwesten – Ornö – Kolnäsviken
Dienstag, 28. Juli 2026
Laut Dockspot, der App über die ich den Liegeplatz in Stockholm gebucht hatte, muss ich bis 12 Uhr den Liegeplatz verlassen. Normal arbeite ich bis etwa 13 Uhr – heute mache ich dann aber früher Schluss weil es sein kann, dass ein anderes Boot den Platz ab 12 Uhr gebucht hat. Unter Stress möchte ich nicht ablegen. Also lege ich gegen 11:45 Uhr ab und setze sobald als möglich schon einmal das Großsegel. Der Wind kommt wie vorhergesagt aus westlicher Richtung. Ab und an dreht er etwas Richtung Nordwest was mich aber nicht stört denn zuerst geht es Richtung Osten. Da ich hier fast auf einem Vorwindkurs unterwegs bin verzichte ich zuerst auf das Focksegel. Im Hauptfahrwasser, in dem ich zuerst unterwegs bin, ist wieder viel Verkehr. Ich halte mich möglichst außerhalb am Rand aber selbst da muss ich auf die zahlreichen Schiffe für den Personentransport achten.


Ich bin dann froh, als ich in das Nebenfahrwasser Richtung Süden abbiegen kann. Allerdings wird es hier teilweise auch sehr eng insbesondere im Zusammenhang mit dem Verkehr der vielen Freizeitboote. Ein kurzes Stück, in dem es sehr eng wird, muss ich den Motor anwerfen. Die Geschwindigkeit ist hier auf 5 Knoten begrenzt und auch die Motorboote können jetzt nicht überholen. So fahre ich mit einigen Segel- und Motorboote diese Engstelle im Gänsemarsch mit 4,5 bis 5 Knoten, meinem Vordermann hinterher.
Nachdem das enge Fahrwasser zu Ende und der neue Kurs Südost ist, wird die Fock ausgerollt und es geht sehr schön ohne Welle mit 10 bis 15 Knoten Wind mit etwa 6 Knoten bei Halbwind dahin. Wieder einmal ein richtig schöner Segeltag. Ich muss dann noch einige Male zwischen kleineren und größeren Schären hindurch, aber unter den Bedingungen macht das richtig Spaß. Das einzige, was manchmal nervt, sind die Motorbootfahrer. Nicht einmal wegen dem Vorbeifahren, das kenne ich vom Bodensee und inzwischen auch aus Schweden. Nein, manchmal stehen sie mitten im Fahrwasser dumm herum, fahren etwas links, etwas rechts ohne klaren Kurs und offensichtlich ohne zu wissen wohin sie wollen. Das strengt an…

Vor der Insel Ornö muss ich dann anluven. Laut der Navi-App Orca sollte es am Wind reichen. Doch inzwischen kommt der Wind wieder aus West, zeitweise sogar etwas leicht südwestlich. Damit schaffe ich nicht die Höhe. Ich segle so nah als möglich ans Ufer um dann gleich eine Wende zu machen. Das gleiche Spiel wieder nach etwa 500 Metern. Nach einigen Wenden entschließe ich mich die Segel zu bergen – es ist nur noch 1/2 Stunde unter Motor bis in die Bucht Kolnäsviken. Auf dem Plotter hatte ich schon zwei Boote in der Bucht gesehen, von draußen sehe ich jetzt, dass es einige mehr sind. Egal, mal schauen ob es noch einen Platz gibt, ansonsten habe ich ein Ausweichziel. Langsam fahre ich in die Bucht in der bereits etwa 20 Boote liegen. Teils vor Anker und teils an der Schäre festgemacht. Hinter mir kommt ein weiteres Segelboot. Eigentlich hätte ich gerne in Ruhe ein oder zwei Runden gedreht.
Ich fahre tief in die Bucht und sehe eine große Bavaria (36?) festgemacht an der Schäre. Ein Stück weiter ein weiteres größeres Segelboot. Eigentlich sieht das Ufer überhaupt nicht so aus, das man meinen könnte hier mit dem Bug an Land festmachen zu können. Bäume und Waldboden reichen bis ans Ufer – kein Fels. Aber wenn die das können, sollte ich das mit meinen 1,40 Meter Tiefgang auch können. Ich suche mir eine Stelle dazwischen und fahre sie langsam an. Es scheint zu passen. Also Rückwärtsgang rein, Heckanker und eine lange Leine am Bug vorbereitet. Wieder langsam anfahren, Heckanker fällt. Ich gehe nach vorne doch es fehlt ein Meter um trockenen Fußes an Land zu kommen. Heckankerleine weiter lösen, Vorwärtsgang noch einmal rein, wieder nach vorne gehen. Es fehlt immer noch etwas. Ich vermute den Heckanker und ziehe deshalb schnell Schuhe und Socken aus, springe mit der Leine aufs Land und ziehe – aber da geht nichts. Offensichtlich reicht es hier doch nicht. Also wieder aufs Boot, Heckanker wieder hochholen und ein zweiter Versuch ein paar Meter daneben. Diesmal scheint es besser zu passen. Also noch einmal Rückwärtsgang rein, Heckanker wieder fallen lassen und langsam anfahren – es reicht. Eine Leine um einen Baum und eine zweite um einen anderen Baum und schon ist Miss Sophie fest. Sehr schön.
Mit einem Anlegerbier genieße ich noch die Abendsonne bevor sie hinter den Bäumen verschwindet. Was mich erstaunt: Nach Einbruch der Dunkelheit, gegen 22 Uhr ist es vollkommen ruhig. Kein Geschnatter von anderen Booten – nichts. Keine einzige Welle in der Bucht, kein Windhauch – vollkommene Stille. Herrlich.



Morgen und für die nächsten Tage soll der Wind auf Südwest drehen, das ist genau die Richtung in die ich jetzt muss. Aber das kenne ich bereits. Einfach mal schauen was geht. Ich möchte als nächstes Nynäshamn erreichen, meine Joghurt Vorräte für das morgendliche Müsli und Brötchen sind aufgebraucht. Kaffee ist fast leer. Außerdem brauche ich Tempos und Zewa. Und dann noch etwas Proviant.
Hoch am Wind – Nynäshamn
Mittwoch, 29. Juli 2026
Gut, ich wusste was mich heute erwartet. Aber im Detail zeigt es sich dann erst auf dem Wasser. Anfangs war ich noch zwischen kleineren Schären unterwegs, welche die Welle etwas abbremsten. Das Segeln gegen den Wind ging dann erstaunlich gut. Die Windstärke variierte zwischen 10 und 15 Knoten. Das einzige, was etwas anstrengend war, waren die vielen entgegenkommenden Segler. Da sie aus Süd kamen lagen sie (aus meiner Sicht betrachtet) im Lee – bedeutete, wenn wir auf gleichem Bug segelten, hatten die entgegenkommenden Segler Vorfahrt. So musste ich das eine oder andere Male ausweichen. Aber ich kam gut voran. Mein Ausweichziel musste ich nicht in Anspruch nehmen – Nynäshamn erreichte ich locker gegen 18.30 Uhr.

Langsam kamen wieder die Erinnerungen vom letzten Jahr hoch. Noch draußen hatte ich eine größere Fähre gesehen und dann erinnerte ich mich wieder daran, dass es hier einen großen Fähranleger gibt. An dem kam ich letztes Jahr vorbei als ich zum Lidl gelaufen bin. Ich sehe bei der Einfahrt noch eine größere Fähre am Terminal liegen und denke mir so „ja, die liegt da wohl“. Da ich hier schon etwas in der Windabdeckung war, bereitete ich alles für das Festmachen vor. Fender raus, Bugleinen vorbereitet, Bojenhaken bereit gemacht. Gerade schaue ich auf und sehe die große Fähre auf mich zukommen. In Windeseile warf ich den Motor an und schaute das ich auf die Seite komme. Dann Großsegel runter und rein in den Hafen. Ganz schön voll hier, war mein erster Gedanke. Ich hatte mir vom Hafenplan die Plätze zur Landseite ausgedacht. Doch beim Hineinfahren sehe ich, dass bei diesen wohl die Heckbojen weiter weg sind da die Plätze offensichtlich für größere Boote gedacht sind. Auch die Heckbojen am Längssteg erscheinen mir relativ weit weg. Ich fahre um den Steg und sehe das es auf der anderen Seite Boxen hat. „Max. 11 Meter“ steht da auf dem Schild. Na damit habe ich kein Problem. Also suche ich mir eine schöne Box. Der Wind kommt genau von hinten und ich muss etwas Rückwärtsschub geben – aber es geht alles gut und locker leicht.
Zum Lidl möchte ich morgen nicht laufen – das war ein ganzes Stück zu gehen. Deshalb schaue ich schon ob ich in der Nähe einen Coop oder ICA finde. In 800 Meter Entfernung werde ich fündig. Das werde ich dann morgen schnell machen und wieder versuchen zeitnah abzulegen. Der Wind soll morgen direkt aus Süd mit Böen bis zu 25 Knoten kommen. Das wird morgen anstrengend werden denn Großteils bin ich ohne dem Schutz der Schären unterwegs.

Besser so als anders – Ringsön
Donnerstag, 30. Juli 2026
Wie gesagt war ich auf starken Wind aus Süd eingestellt. Gegen Mittag erledigt ich noch schnell meine Einkäufe. SMHI hatte die gleiche Vorhersage mit zunehmenden Wind aus Süd am späten Nachmittag bis 27 Knoten (6 Bft). Das ist dann nicht mehr lustig für mich. Deshalb bemühte ich mich so zeitig wie möglich abzulegen. Denn eines bereitete mir etwas Bauchschmerzen: Von Nynäshamn musste ich zuerst genau Richtung Süden und der Wind kam genau aus Süden. Wenn er etwas versetzt, also Südsüdost oder Südsüdwest kommen würde, dann hätte ich wenigstens auf einem Bug einen Vorteil.

Aber der Wind kam genau wie vorhergesagt aus Süden. Aber ich möchte nichts unversucht lassen also setzte ich, sobald das Fahrwasser für das Kreuzen gegen den Wind etwas breiter war, die Segel. Und ich war selbst überrascht wie gut das ging. Da ich noch etwas im Schutz der vorgelagerten Schäre war, waren die Wellen sehr erträglich und ich konnte auf Backbordbug und Steuerbordbug 30 bis 40 Grad Richtung Süden machen. So kam ich mit 6 Wenden aus um dann den neuen Kurs Richtung Westen anzulegen. Jetzt segelte ich fast auf Halbwindkurs. Allerdings hatte ich auch jetzt keinen Schutz durch vorgelagerte Schären. Die Welle nahm zu, wurde langgezogener. So wurde es eine ziemliche Schaukelfahrt die mir dann nur an Engstellen etwas Sorge bereitete denn es war schwierig bei der Welle den Kurs zu halten.

Wieder kamen mir einige Segler entgegen aber heute ohne große Probleme. Mein Ziel war Ringsön (Hummelviksfjärden norra). Ich schaute immer wieder einmal auf dem Plotter um zu sehen, wie viele Segler diese Bucht ansteuern. Die Bucht ist sehr vielfältig. Es hat einige kleinere Buchten mit Möglichkeiten zum Anlegen an der Schäre oder zum Ankern. Andreas, der Segler aus Kiel, hatte in Whatsapp einen Status – „alle Ankerbuchten voll“. Ich hatte schon Alternativen auf der Karte vorab ausgesucht. Einige davon auf dem Weg nach Ringsön. Doch meine Alternativen waren zumeist belegt. Egal, rein in die Bucht und schauen. Ich denke immer: „ich, mit meinen 1,40 Meter Tiefgang muss doch einen Platz finden, den die meisten anderen Segelboote nicht ansteuern können“.
In der von mir ausgedachten Bucht liegen bereits mehr als 20 Segel- und Motorboote. Teils an den Schären und zum Teil vor Anker. Ich fahre langsam Richtung dem Ende der Bucht und sehe einen möglichen Platz an der Schäre zwischen einem Segel- und einem Motorboot. Also langsam mal anfahren. Es sieht gut aus. Das Segelboot ist aus Deutschland und der Skipper geht von Bord um mir beim Anlegen zu helfen. Er macht mich auf eine Leine aufmerksam, die er von seinem Heck Richtung Land gespannt hat. Heckanker fällt, die Stelle ist ideal denn es geht unter Wasser recht steil nach unten. Nachdem ich drei Leinen an Land ausgebracht habe, ist das Boot sicher festgemacht. Was ein schöner Tag.
Achja, der Wind war dann doch nicht so wie vorhergesagt. Auch am späten Nachmittag blieb es bei 10 bis 15 Knoten Wind. Aber besser so, als anders.


Kein schöner Segeltag mit happy end – Marö Kupa
Freitag, 31. Juli 2026
In meinem Plan stand für heute „soweit als möglich“. Die Windvorhersage war schwierig. Auf der einen Seite eigentlich gut, denn der Wind sollte im Laufe des Tages auf West drehen, also ideal um Richtung Süden bzw. Südwest zu kommen. Andererseits sollte er aber im Laufe des Tages stark nachlassen. Das Problem: ich muss etwa 15 sm „überbrücken“. Ich füge unten mal den Track mit ein, dann wird das klarer. Oxelösund wäre die nächste Option gewesen. Wenig Seemeilen davon viel nach West. Dann kommt eben lang nichts sinnvolles bis zum Sankt Anna Archipel. Deshalb setzte ich mir dieses auch als Ziel.


In der Bucht ist es noch herrlich ruhig, kaum Wind, glattes Wasser. Doch dann geht es gleich raus Richtung offene Ostsee, der Schutz der Schären ist weg. Und damit kommt eine sehr unruhige, kabbelige Welle etwa 0,5 Meter hoch. Der Wind hat etwa 10 Knoten und kommt noch mehr südwestlich als westlich. Für die Welle zu wenig Wind. Immer wieder wird das Boot durch die Welle ausgebremst. Bei glatter See und bei diesem Kurs würde Miss Sophie normal 5 Knoten machen. Aber so nur etwas mehr als 4 Knoten. Und diese Welle ist mir heute auch richtig unangenehm. Ich muss etwas essen und immer wieder etwas am Horizont fixieren. Lesen am Handy oder Karte und mögliche Buchten auf dem iPad studieren ist nicht viel. Da wird es mir bald flau im Magen.

Bald realisiere ich, dass ich unter den Bedingungen, eine Insel bzw. Bucht im südlichen Teil des Sankt Anna Archipels so nicht erreichen werde. Denn der Wind schwächelt recht bald, die Welle bleibt, die Geschwindigkeit sinkt. Als die 2 auf der Logge steht, werfe ich erst einmal den Motor an. Denn über Oxelösund bin ich auch schon hinaus. Johann, mein Pinnenpilot, hält erst einmal den Kurs währenddessen ich auf dem iPad Alternativen suche.
Es kommt nur eine Bucht in Frage – hier gibt es keinen Hafen. Entweder ankern oder festmachen an einer Schäre. Ich finde ein paar Optionen im Hamnguiden und in der digitalen Seekarte von Orca. Aber ich sehe auch auf dem Plotter, das einige (recht viele) Segler im Archipel unterwegs sind. Alle werden einen solchen Platz für die Nacht suchen.
Der Wind frischt wieder auf und der Motor kann wieder Pause machen. Das geht dann später noch einmal so. Mit Verspätung dreht der Wind dann auf West und überraschend auf Nordwest. Die Welle lässt nach womit es dann doch noch annehmbares Segeln wird.

Da die Einfahrt zum Archipel eng wird, berge ich an den ersten Fahrwassertonnen das Focksegel. Dann muss ich anluven und der Kurs ist jetzt dermaßen am Wind, dass das Segeln keinen Sinn mehr macht. Mühsam die letzten Seemeilen ankreuzen möchte ich jetzt auch nicht. Deshalb fahre ich das Boot unter Motor in den Wind und hole auch das Großsegel herunter.
Schon gleich sehe ich die ersten Masten von anderen Segelbooten in verschiedenen Buchten und auf der Leeseite von den größeren Schären. Das Suchen nach einem Platz kann „lustig“ werden. Der erste angedachte Platz scheint mir beim Vorbeifahren schon übervoll zu sein. Etwas gegenüber liegen drei schwedische Segelboote im Lee einer kleinen Schäre vor Anker – nicht wirklich ein guter Platz denn auch hier hat es noch 10 Knoten Wind.
Ich fahre weiter zur zweiten Option und die sieht gut aus. Nur ein Segelboot liegt in der Bucht. Es soll hier Möglichkeiten zum Anlegen an der Schäre oder zum Ankern geben. Der Raum zum ankern scheint mir jedoch recht eng zu sein deshalb schaue ich, ob ich vielleicht doch an der Schäre anlegen könnte. Die einzige Option ist etwas neben dem anderen Segelboot. Ich fahre langsam hinein. Auf dem schwedischen Segelboot ist eine Familie mit Kindern. Ich grüße wie es unter Seglern üblich ist mit Handzeichen. Der Gruß wird etwas unlustig erwidert. Der Mann des Hauses kommt mit einem Bier in der Hand hoch. Anstatt zu grüßen begrüßt er mich mit dem Hinweis auf seine Leine des Heckankers. Entschuldige, ich bin nicht doof. Ich weiß das du eine Heckankerleine hast und habe die auch im Blick. Deshalb antworte ich: „I see it. I think I am far away enough“.
Ich drehe und möchte einen Platz etwa 50 Meter von ihm entfernt antesten. Kurz vor den Felsen gehe ich schnell an den Bug um zu schauen wie es unter Wasser aussieht. Nicht so gut. Ich gehe wieder schnell ins Cockpit und werfe kurz den Rückwärtsgang ein um gleich wieder in den Leerlauf zu gehen. Dann gehe ich gleich noch einmal an den Bug um nach anderen Option zu schauen. Das Boot treibt etwa 5 Meter von der Schäre entfernt und ich mache eine Stelle aus, die als geeignet erscheint. Ich bereite eine lange Leine und den Heckanker vor. Dann drehe ich noch einmal eine Runde und steure langsam die Stelle an. Heckanker fällt, weiter langsam voran.
Der Schwede vom anderen Boot macht keine Anstalten zu helfen. Nur ab und an ein paar mürrische Blicke auf den deutschen Segler. Miss Sophie rumst etwas auf einen Stein. Nicht so tragisch – sie hat eine Edelstahlschiene am Bug. Ich springe an Land und bringe eine erste Leine provisorisch aus. Wieder aufs Boot, Motor aus und jetzt in Ruhe alle Landleinen platzieren.

Der Platz ist optimal, hier bin ich perfekt vor dem Wind aus West und Nordwest geschützt. Und es ist ein schöner Platz. Einziger Wermutstropfen ist der unsympathische Schwede der vom Begriff „Seemannschaft“ wohl noch nie etwas gehört hat. Es gehört sich einfach unter Wassersportlern zu helfen, wenn man helfen kann. Insbesondere wenn man sieht, dass jemand einhand unterwegs ist. Und er hätte ohne Problem helfen können. Das einzige Problem: Er hätte sein Bier abstellen müssen.
Auf den nunmehr fast 3.000 sm auf der Ostsee hatte ich bisher nur positive Erfahrungen mit den Schweden. Das war das erste negative Erlebnis. Aber die Welt ist eben ein bunt gemixter Haufen – solche Menschen gibt es auf der ganzen Welt. An manchen Orten mehr, an anderen Orten weniger.

Auf Umwegen Richtung Süden – Lickershamn
Samstag, 1. August 2026
Im vorletzten Blog hatte ich geschrieben, dass ich, falls es gut laufen würde, eine Option im Hinterkopf hätte. Jetzt ist es raus – Gotland war der Gedanke. Ich hatte in Hudiksvall einem schwedischen Segler mit seinem Motor geholfen. Er kam aus Gotland und meinte, wenn ich auf dem Rückweg an Gotland vorbei kommen sollte, soll ich mich melden – dann würde er mir Gotland zeigen.
Es lief ja jetzt in den letzten Wochen sehr gut unter anderem auch weil ich wetterbedingt ein paar längere Schläge gemacht hatte. Also machte ich mir Gedanken, wie ich nach Gotland kommen könnte. auf skippersguide.com hatte ich gelesen, dass Lickershamn ein kleiner gemütlicher Hafen sein soll. Auch wesentlich ruhiger als Visby. Außerdem kann man hier die „Raukar“, besondere geologische Steinformationen erwandern. Der günstigste Ausgangspunkt für den Sprung nach Gotland schien mir das Sankt Anna Archipel, südöstlich von Norrköping, zu sein. Also dachte ich, wenn Wind- und Wettervorhersage passen, dann suche ich mir eine Schäre am äußeren Rand damit ich schnell auf der offenen Ostsee bin. Auch deshalb steuerte ich gestern die Schäre an. Die Wind- und Wettervorhersage konnte nicht besser sein. Der Wind sollte auf West drehen und über den Tag bleiben so das ich mit raumen Wind Richtung Südost segeln konnte.


Ich stellte mir also den Wecker denn etwas mehr als 60 Seemeilen sind für mein Boot eine gewaltige Strecke. Am Morgen ist dann alles wie gewünscht – schönes Wetter und Wind mit 10 bis 13 Knoten aus West. Ein kleines Stück geht es noch um und zwischen ein paar kleinere Inseln und dann raus auf die Ostsee. Der Kurs kann eingestellt werden und Johann übernimmt. Es lief den ganzen Tag dermaßen genial, das ich es kaum glauben wollte. Schon bald hatte ich einen Schnitt von 5,8 Knoten, lange Zeit zwischen 6 und 7 Knoten auf der Logge. Nur ab und an musste ich den Kurs ein klein wenig korrigieren oder die Segel etwas nachtrimmen. Gegen Abend drehte der Wind auf Südost was aber auch nicht tragisch war. Das einzige, was ab und an etwas anstrengend war (für den Magen) war eine größere unter dem Boot durchrollende Welle. Mit etwas Anstrengung konnte ich mir sogar unterwegs ein Travellunch zubereiten. Nach 11 Stunden, mit einem Schnitt von 5,6 Knoten am Ende, hatte ich in Lickershamn festgemacht.


Wer nun denkt: „das gleiche muss er aber zurück machen“… jein – den Sprung zurück auf das Festland möchte ich über Öland machen. Und im besten Fall, von dem ich natürlich noch nicht weiß ob er so aufgeht, ist dann die längste Etappe 26 sm.
Aber jetzt erst einmal ein Tag Pause und die Gegend erkunden und dann sehen wir weiter….

