Ohne Ziel Richtung Süden…. (Prästgrundet)
Sonntag, 12. Juli 2026
Bevor ich los lege mit dem Tag heute… Noch eine Ergänzung zu Stocka – ich liebe die Handseife auf der Toilette mit Blaubeer-Aroma. Ich weiß, wenn ich zu Hause bin, werde ich nach einer solchen Handseife Ausschau halten.
Genug von Stocka geschwärmt. Ich hatte den Wetterbericht studiert, den Hamnguiden studiert, Orca und meine gespeicherten Orte in Google Maps studiert. Was sollte das Ziel für heute sein? Schwer zu sagen. Das Ziel war einfach maximal Richtung Süden zu kommen. Etwas um die 40 bis 50 Seemeilen sollten schon drin sein wenn die Windvorhersage zutreffen sollte. Das heißt Wind aus Nord mit 4 bis 5 Beaufort, also ideal um Richtung Süden zu kommen. Den Wecker hatte ich auf 8 Uhr gestellt denn am frühen Nachmittag soll der Wind wieder einschlafen.

Um 8 Uhr klingelt der Wecker und es regnet. Also erst noch einmal umdrehen. Gegen 9 Uhr stehe ich auf und mache ein ausgiebiges Frühstück mit Frühstücksei. Laut Regenradar sollte es bald vorbei sein. Kurz nach 10 Uhr kann ich dann ablegen – Kurs erst einmal Südwest. Inzwischen habe ich Prästgrundet als Ziel gesteckt. Dort war ich schon im letzten Jahr und das war sehr schön dort. Sollte es mit dem Wind nicht so laufen, gibt es etwa auf 2/3 des Weges die Insel Agö. Auf der Südseite hat es eine große Bucht in der es einen Steg, zwei SXK Bojen und die Möglichkeit zu ankern geben soll. Gut gegen alle Richtungen geschützt, außer Süd. Aber aus Süd ist kein Wind zu erwarten – es soll bei Nordwind bleiben.
Die Schweden hatten 1/2 Stunde vor mir abgelegt und haben eine etwas andere Taktik. Sie segelten zuerst weit raus Richtung Ost um dann einen Kurs Richtung Südsüdwest zu segeln. Vielleicht etwas angenehmer als der Kurs, den ich segle denn ich segle bei sehr raumen Wind und es hat gleich eine Welle mit 1/2 Meter. Also eine ziemliche Schaukelfahrt. Als ich dann weit genug Richtung Ost gekommen bin kann auch ich die Halse machen und auf Richtung Süd gehen. Es ist etwas angenehmer mit der Welle doch mittlerweile rauscht die eine oder andere Welle mit 1 Meter Höhe durch. Zeitweise beginnt Miss Sophie wieder ansatzweise zu surfen. Aber noch ist der Kurs sicher weshalb ich mir keine weiteren Sorgen mache.
Doch der Wind, der Anfangs noch aus Nordnordwest kam, dreht ganz langsam immer weiter Richtung Nord – wie es eigentlich auch vorhergesagt war. Ich kann zwar inzwischen leicht etwas anluven Richtung Südsüdwest aber die Fock verhungert mal wieder in der Abdeckung des Großsegels. Letztendlich rolle ich sie weg.
Zeitlich ist alles im Rahmen weshalb ich auch bei der Annäherung an Agö bei meinem Plan bleibe. Mindestens eine Boje wurde inzwischen besetzt – wie ich auf dem Plotter verfolgen konnte. Und als ich an Agö vorbei bin kommen hinter mir zwei weitere kleine Segelboote, die wohl die Bucht von Agö ansteuern.
Ich gehe davon aus in Prästgrundet relativ alleine zu sein denn schon in der Einfahrt weist ein Schild darauf hin, dass es maximal 1,60 Meter Wasser hat. Der Wind lässt jetzt doch immer mehr nach aber weniger die Welle. Noch 10 sm bis Prästgrundet. Also fälle ich wieder einmal die Entscheidung den Rest mit Motorkraft zu machen.
Die Einfahrt nach Prästgrundet erfolgt von Südwest, deshalb ist die Welle schon vor der Einfahrt weg – angenehmer als im letzten Jahr, da hatte ich bis kurz vor der Einfahrt die Welle. Seitlich vom Steg liegt dann nur ein Motorboot mit einer Gruppe von Jugendlichen. Der Heckanker fällt und zwei der Jugendlichen fangen meinen Bug auf. Danach legen sie ab. Sollte ich wie letztes Jahr hier alleine sein?

Ich nehme mein Anleger-Bier und gehe an einem der Tische an Land. Noch bevor ich das Bier aufgemacht habe kommt ein weiteres Segelboot. Es sieht groß aus, mit Ketsch-Rigg, hat aber wohl auch wenig Tiefgang. Ich gehe auf den Steg um die Festmacherleinen anzunehmen. Außer einem kurzen „Hello“ nichts. Ich würde sie ja gerne fragen, ob sie aus Stockholm sind. Roger (mein schwedischer Freund) meinte, dass die Menschen aus Stockholm etwas hochnäsig wären. Egal.

Same procedure as last year – ich mache mir mein Feuer im Grill an. In der Kühlbox ist noch Grillfleisch, Kartoffeln in der Backskiste. Als Vorspeise gibt es eine Portion von den geräucherten Garnelen mit Aiolo. Lecker. Nach dem Essen gehe ich noch einmal zu der kleinen Kapelle und zum Leuchtturm und genieße die Abendsonne.





Wie es aussieht kann ich wohl morgen die Bucht von Synskär erreichen. Dann wäre ich nicht mehr weit entfernt von Gävle. Wenn es gut läuft gewinne ich diese Woche zwei oder drei Tage.
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben – Synskär
Montag, 13. Juli 2026
Nach der Arbeit, gegen 13 Uhr, ging es dann gleich los. Ich wollte keine Zeit verlieren denn mein Ziel ist Synskär. Hier, in Prästgrundet bekam ich vom Wind nicht sehr viel mit, dafür ist es zu geschützt. Aber es soll weiterhin nördlichen Wind haben. Gleich raus aus Prästgrundet sieht es vielversprechend aus. Etwa 10 Knoten Wind aus Nordost und so gut wie keine Welle. Also wird gleich das Segel hochgezogen – durch die Untiefen bei Prästgrundet kann ich gut raumschots hindurch segeln.

Es verspricht ein gemütlicher und sehr schöner Segeltag zu werden. Der Wind bleibt bei etwa 10 Knoten und der Richtung Nordost – ideal. Der gesegelte Kurs ist etwa 60 – 70 Grad am Wind. Miss Sophie läuft mit etwas mehr als 5 Knoten wie auf Schienen dahin. Das sieht schön aus. Auf dem Plotter sehe ich einige andere Segelboote kreuz und quer. Eines hinter mir, welches nicht meine Geschwindigkeit läuft. Eines vor mir, das mit gut 6 Knoten vor mir weg rauscht. Und dann kommt mir ein deutscher Segler entgegen, der nicht auf dem Plotter erschien. Jetzt, fast Mitte Juli, noch hier Richtung Norden? Optimistisch….
Dann geht es auf Störjungfrun zu – eine größere Insel. Dort hatte ich im letzten Jahr einen Stopp gemacht. Der Hafen ist weniger schön. Der Leuchtturm war wegen Sanierung gesperrt, die Kapelle war recht schön. Aber ansonsten kein Grund für mich dort noch einmal Zwischenstopp zu machen.

Das Segelboot etwas weiter vor mir, das lange Zeit mit gut 6 Knoten Fahrt angezeigt wurde, zeigt jetzt nur noch 2,5 Knoten Fahrt. Ich überlege was sein könnte. Vielleicht möchte er in den Hafen von Störjungfrun abbiegen? Nein, er fährt daran vorbei und es bleibt bei 2,5 Knoten.
Dann komme auch ich in die Höhe der Hafeneinfahrt von Störjungfrun und der Wind lässt mehr und mehr nach. Auch kommt er jetzt mehr aus Ost weshalb es immer mehr ein Am-Wind segeln wird. Ich trimme ständig die Segel nach. Nach einer Kardinaltonne kann ich ein klein wenig abfallen. Aber meine Geschwindigkeit sinkt auf 3 bis 3,5 Knoten. Der „schnelle“ Segler vor mir ist laut AIS mittlerweile mit gut 5 Knoten unterwegs. Sollte der Wind nach dem Passieren der Insel wieder anziehen? Ich hoffe zumindest darauf. Nach knapp 1 Stunde erreiche ich das Ende von Störjungfrun aber der Wind wird immer lausiger. Zum einen schwächer und zum anderen hat er inzwischen so weit gedreht, dass ich mit dem wenigen Wind versuche hart am Wind zu fahren. Der Kollege hat also den Motor gestartet.
Ich tue es ihm schließlich gleich und werfe den Motor an – noch knapp 10 sm bis Synskär. Ich beobachte ihn weiter auf dem Plotter – sollte er auch nach Synskär wollen. Doch unser Kurs weicht mehr und mehr ab. Er möchte wohl direkt bis Gävle durchfahren. Ich hoffe darauf in Synskär wieder alleine zu sein.
Dann wieder die Einfahrt mit zwei Ansteuerungstafeln. Das schöne am B&G Plotter ist, dass er die letzten Tracks in anderen Farben anzeigt. So kann ich mich auch an meiner letzten Ein- und Ausfahrt orientieren. Was beim letzten Mal gut ging sollte wieder gut gehen.
An der einen Seite (meiner Lieblingsseite) liegt ein Motorboot mit einer Familie. Aber wenigstens die andere Seite ist frei. Ich gehe davon aus, dass sie hier nicht übernachten denn es ist ein kleineres Motorboot ohne große Kabine. So trinke ich erst einmal gemütlich mein Anlegerbier und genieße die Sonne.

Schließlich macht sich die Familie zum Aufbruch fertig und ich plane schon dann gleich die Seiten zu wechseln. Just (Gerade) als die Familie endlich nach endlosen Aktionen zum Ablegen startet, biegt ein weiteres Segelboot in die Bucht ein. Nichts mit Seitenwechsel, nichts mit einsamer Nacht – schade. Ich bin ja nicht unfreundlich und auch nicht nachtragend (in diesem Fall) und nehme die Leinen entgegen. Eine schwedische Familie mit drei Kindern auf einer Hallberg Rassy 26. Aber wenigstens sehr diszipliniert und kein Geschrei. Ja, ich habe Kinder (die inzwischen groß und erwachsen sind) und inzwischen auch ein Enkelkind. Aber mit zunehmenden Alter suche ich vor allem eines: Ruhe.
Stechmücken – Moskitos
Ein Absatz dazwischen zu einem Thema, das mich in diesem Jahr leider beschäftigt… Stechmücken. Im letzten Jahr hatte ich Stechmücken überhaupt nicht so stark wahrgenommen. Ich glaube es waren wirklich wenige Tage bei Öregrund, gegen Ende meines letztjährigen Törns, als ich mein Elefantentuch über die Sprayhood hing. In diesem Jahr ist es wirklich lästig. Es hat schon nach der gelben Tonne beim Töre Båtklubb begonnen. Als ich mich mit einem Schweden unterhielt, er mich fragte ob ich nicht in die Sauna kommen möchte. Er mit Stechmücken übersäht war und er meinte, dass sie auch etwas gegen die Stechmücken hätten. Und seitdem begleiten mich diese Mistviecher immer wieder. Einmal hatte ich etwa 10 Mückenstiche auf der Stirn. Ich hatte dann ja gehofft, dass es in Schweden etwas besser wäre. Ist es aber nicht. Und das wundert mich etwas – obwohl ich die Temperaturen in diesem Jahr als niedriger empfinde als letztes Jahr, begleiten mich diese Viecher auf unangenehme Weise wesentlich stärker als im letzten Jahr. Ich denke in Gävle muss ich jetzt doch danach schauen das ich ein Mittel gegen diese Plagegeister finde.
Ein lustiger Tag – zurück in Gävle
Dienstag, 14. Juli 2026
Die letzte Nacht hatte es noch netten Wind – ich glaube aus Richtung Nord, was mir aber nichts nützte. Windy hatte es vorhergesagt: Schon am Vormittag soll der Wind stark nachlassen und auf Südost drehen. Im Laufe des Nachmittags drehend auf unterschiedliche Richtungen und sehr schwach. Egal, ich muss sowieso erst einmal arbeiten.
Bei dem schwachen Wind ist mein Gedanke unter Motor weiter zu kommen. Und als nächstes Ziel Gävle, knapp 30 sm. Für Mittwoch ist ebenfalls schwacher Wind vorhergesagt. Ob ich jetzt in einem Tag oder in zwei Tagen nach Gävle mit Motor fahre macht keinen Unterschied.
Kurz nach Mittag kann ich dann ablegen. Draußen, wie gedacht, nur schwacher Wind. Etwa 7 bis 8 Knoten. Und auch noch aus Südsüdost, mehr oder weniger die Richtung, in die ich muss. Aber es hat keine Welle. Bedingungen fast wie am Bodensee. Also werden, wie am Bodensee, die Segel hochgezogen beziehungsweise ausgerollt, ist ja ein Segelboot und kein Motorboot.


So versuche ich so gut wie es eben geht (so hoch wie möglich) gegen den Wind zu segeln. Es ist ein mühsames gegenan kreuzen bei etwa 4 Knoten Fahrt. Ich sehe das eine oder andere Segelboot unter Segel und unter Motor. Die, die unter Segel sind, haben aber einen anderen und damit günstigeren Kurs als ich. Nach 4 Stunden schwächelt der Wind noch einmal mehr und fällt unter 5 Knoten. Meine Geschwindigkeit noch knapp über 3 Knoten. An diesem Punkt enden meine Ambitionen. Der Motor wird angeworfen und die Segel geborgen – noch 3 Stunden bis Gävle.
Vor mir, in der Einfahrt zu Gävle beobachte ich zwei Frachter und einen Piloten (Hafenlotsen). Sie sind noch weit von mir weg und deshalb nicht wichtig. Aber interessant auf dem Plotter anzusehen, wie der Pilot an den Frachter fährt. Ansonsten ist die Einfahrt wie erwartet recht unaufgeregt. Achja, ein besonderes Vorkommnis: kurz bevor sich das Fahrwasser verengt, hinter mir ein Motorboot, kommt die Polizei aus der Seite heraus geschossen und stoppt das Motorboot. Alkoholkontrolle? Die Aufklärung kommt weiter unten…

Der Stadthafen ist wie immer recht leer (ich weiß nicht wie oft ich jetzt hier schon war – fünf Mal, sechs Mal?). Ein deutsches Segelboot sehe ich. Der Eigner sitzt im Cockpit und steht gleich auf als er mich sieht. Ich sage ihm das ich die übernächste Box nehme (hier wird an Y-Stegen angelegt). Er steht am Steg, ich kümmere mich um die Heckleine und er fängt meinen Bug auf. Ich gehe nach vorne um mich zu bedanken. „Ich dachte doch, dass du hier demnächst vorbei kommen musst“, werde ich begrüßt. Kennen wir uns – frage ich mich gerade gedanklich.
Andreas aus Kiel hat meinen Reisebericht vom letzten Jahr gelesen und auf Youtube gesehen. Er ist sonst mit seiner Dehler 36 wohl mehr in Dänemark und an Schwedens Westküste unterwegs. Für seinen Törn an der schwedischen Ostküste suchte er im Internet nach Informationen (wie ich damals) und ist so auf mich gestoßen. Wie klein die Welt doch ist.
Spontan lädt mich Andreas auf ein Anlegerbier ein, was ich gerne annehme. Er hat noch einen Segelkameraden an Bord, der morgen abreist. Wir schnacken viel (wie die Norddeutschen wohl sagen) über das Revier, über die Schweden, über Schären und den einen oder anderen Hafen.
Zurück zur Polizei – Andreas meint, dass sie hier in der Hafeneinfahrt Geschwindigkeitskontrollen machen und der Kollege wohl zu schnell unterwegs war. Wir tauschen die Kontaktdaten aus denn Andreas wird in etwa der gleichen Zeit wie ich Richtung Süden unterwegs sein. Er muss Richtung Ende August in Karlskrona sein. Vielleicht ergibt sich noch der eine oder andere gemeinsame Schlag. Jedenfalls habe ich einige Informationen zu den Stockholmer Schären mitgenommen.
Und dann das zweite lustige Ereignis: Als ich so hoch am Wind segle, pingt das Handy – Whatsapp Nachricht. Eine unbekannte Nummer und ein ausführlicher Text. Ein Segler vom Bodensee der mich verfolgt und mir einige Zeilen schreibt. Lustig, bin ich jetzt eine Person des öffentlichen Lebens?
Ich mach mein Ding (wie Udo Lindenberg es so schön gesungen hat). So wie heute mit Gävle. Jetzt bin ich wieder hier wo ich am 28. Mai, also vor etwa 6 Wochen, gestartet bin. 1.100 Seemeilen habe ich zurückgelegt und mein großes Ziel erreicht. Hier mache ich jetzt einen Tag Pause. Einkaufen, Körperpflege, Wäsche waschen. Dann bereite ich mich auf den Genuss-Teil vor. Noch einmal Väddö Kanal und dann vor allem Schären. Davon hatte bisher auf meiner Reise zu wenig.
Und ein klein wenig, nur als Option falls es weiter sehr gut laufen sollte, habe ich noch eine besondere Option im Hinterkopf… Aber wie heißt es so schön: über ungelegte Eier soll man nicht reden.

Hafentag in Gävle
Mittwoch, 15. Juli 2026
Andreas, der Segler aus Kiel, hat seinen Bekannten verabschiedet und ist weiter gezogen. Er sucht sich einen Ankerplatz. Für mich heißt es arbeiten, duschen, Wäsche waschen und einkaufen. Und dann habe ich natürlich Zeit weiter zu planen. Die Planung ist nicht einfach… Zuerst: Es ist jetzt sehr warm geworden – fast 30 Grad. Der Wind ist aktuell sehr schwach und kommt überwiegend aus einer ungünstigen Richtung – Südost.
Am Freitag kommt wohl gegen Abend eine Kaltfront mit Regen, Samstag und Sonntag soll es den ganzen Tag regnen. Erst ab Montag soll sich das Wetter langsam bessern. Öregrund sollte ich aber locker in den nächsten 5 Tagen erreichen – soviel hatte ich geplant. Die Frage ist nur, wo ich Samstag/Sonntag abwettern soll. Denn die Erfahrung vom letzten Jahr zeigte, dass bei 2 Tagen Schlechtwetter mein Strom knapp wird wenn ich arbeiten muss. Und die Nacht von Donnerstag auf Freitag wird wahrscheinlich eher eine Nacht ohne Landstrom.

Und jetzt kommt es noch ganz dick… ausgerechnet für hier ist am Sonntag Starkwind mit 30 bis 40 Knoten aus nördlicher Richtung vorhergesagt. Das schlechte Wetter mit starkem Wind soll von Samstag bis Dienstag anhalten. Genau zwischen Gävle und Öregrund. Und hier, zwischen Gävle und Öregrund, finde ich nichts was gut gegen Nord geschützt ist. Ankern möchte ich unter solchen Bedingungen nur, wenn es sehr gut gegen Nord geschützt ist.
Das einzige was ich im Moment machen kann, ist morgen soweit als möglich Richtung Osten zu segeln. Richtung Abend/Nacht soll der Wind besser sein (ab 22 Uhr 10 – 20 Knoten aus Süd/Südwest). Bis Freitag, 20 Uhr sollte ich einen sicheren Unterschlupf gefunden haben. Außer Öregrund zu erreichen habe ich nur zwei Optionen gefunden.

Flucht nach vorne – Ankerbucht Rödhall
Donnerstag, 16. Juli 2026
Bezüglich des Reviers verpasse ich hier nichts zwischen Gävle und Öregrund. Hier gibt es nur sehr wenige Häfen bzw. Anlegemöglichkeiten. Östlich von Gävle ist es erst einmal noch industriell geprägt. Die wenigen „Highlights“ habe ich bereits im letzten Jahr gesehen wie z.B. Örskärs mit dem Leuchtturm.
Die Sturmwarnung für Samstag/Sonntag ist „offiziell“. Heute wurde mir eine Warnung auf Facebook angezeigt. Erwartete Windgeschwindigkeit 40 bis 50 Knoten, sehr hohe Wellen. Segler und andere Wassersportler sollen entsprechend planen.
Da die Vorhersage bis heute Vormittag noch so aussah, dass es bis einschließlich Dienstag dann regnen soll, ist mein Ziel bis Freitagabend Öregrund zu erreichen. Bei Schlechtwetter komme ich, wenn ich arbeiten muss, 2 Tage mit dem Strom aus, aber nicht mehr. Die zwei Optionen die gegen Nord geschützt sein könnten, sind keine echten Optionen. Das eine wäre der Anleger bei der Insel Örskär und das andere eine SXK Boje. An beiden Plätzen wollte ich bei Regen und Starkwind nicht mehr als 1 Tag liegen.
Deshalb lege ich heute zügig kurz nach Mittag ab. Zuerst muss ich nach der Einfahrt von Gävle durch ein paar vorgelagerte Inseln mit engem Fahrwasser. Da der Wind aus östlicher Richtung kommt und das auch die Richtung ist in die ich muss, mache ich das erst einmal unter Motor.

Dann setze ich die Segel um gegenan zu kreuzen. Ich muss erst einmal Richtung Osten und der Wind kommt aus Südost. So kann ich wenigstens zeitweise auf einen längeren Streckbug gehen. Nach etwa 3 Stunden kommt der Wind mehr und mehr aus östlicher Richtung und nimmt auch ab. Genau gegen den Wind zu segeln bringt mich kaum noch weiter Richtung Osten. Also fällt der Entschluss, wieder den Motor anzuwerfen. Ich möchte die Ankerbucht Rödhall erreichen. In dieser war ich bereits zweimal und sie liegt auf halbem Weg zwischen Gävle und Öregrund. Außerdem soll der Wind in der Nacht auf Süd drehen und auf 10 bis 20 Knoten anziehen. Die Bucht ist in allen Richtungen, außer Nord, sehr gut geschützt.

Auf dem Plotter sehe ich ein anderes Segelboot, das wohl zuerst an einer der Bojen bei Björns Fyr festmachen wollte. Ein dem Wind aus allen Richtungen sehr ausgesetzter Platz. Aber dann drehen sie wieder ab und steuern auch die Ankerbucht Rödhall an. Ich hoffe, dass sie weiter vorne bleiben und nicht ganz nach hinten gehen. Den Platz hätte ich gerne. Aber die Hoffnung erfüllt sich leider nicht. Egal, dann nehme ich eben den Platz in der Mitte der Bucht.
Auf 3,5 Meter fällt dann schließlich der Anker. Sicherheitshalber bringe ich die 20 Meter Kette aus und noch etwas Ankerleine. Etwa 18 Meter Kette sollte auf dem Boden liegen. Rückwärtsgang rein und prüfen ob der Anker hält – es sieht gut aus. Ich stelle den Ankeralarm mit einem Schwojkreis von 30 Meter. Ich habe ringsum etwa 50 bis 70 Meter mindestens Platz.


Durcharbeiten bis Öregund
Freitag, 17. Juli 2026
Da ich von Regen und Starkwind für Samstag/Sonntag ausgehe, ist mein Ziel Öregrund – einfach ein sicherer Hafen. Als ich am Morgen aufstehe, ist das andere Segelboot bereits weg. Da hätten sie mir auch den Platz hinten in der Bucht lassen können, denke ich so für mich.
Am Vormittag muss ich ja noch arbeiten. Der Wind hat auf Süd gedreht und ist inzwischen etwas stärker – zeitweise 10 Knoten in der Bucht. Aber die Anker-App zeigt mir, dass der Anker hält. Miss Sophie schwojt etwas um den Fixpunkt.
Anker aufholen geht problemlos und dann geht es raus. Ich verabschiede mich innerlich von dieser Bucht in der ich meine dritte gute, sichere Nacht verbracht habe. Ich überlegte noch ein Reff in das Großsegel zu machen aber da es bei etwa 10 Knoten Wind blieb rechne ich draußen mit maximal 15 Knoten Wind – das sollte erst einmal ohne Reff gehen. Die Welle ist o.k., weniger als 1/2 Meter. Aber was klar ist: es wird heute eine gegenan kreuzen gegen den Wind. So wird es ein Wechselspiel zwischen Holebug und Streckbug. Auf dem Holebug falle ich etwas ab Richtung Nordost, auf dem Streckbug kann ich Strecke Richtung Süden machen. Mein Ziel, Öregrund, liegt Richtung Südost. Etwa auf 2/3 Drittel der Strecke nehmen Wind und Welle zu. Als es Richtung 20 Knoten Wind geht, setze ich das erste Reff im Großsegel. Dann wird es zunehmend unangenehmer. Zum Wind kommt eine ekelhafte Hackwelle. Ich beobachte die größeren Wellen (etwa 1 Meter) – sie liegen gerade 2 – 3 Meter auseinander. Das führt dazu, dass Miss Sophie trotz des relativ starken Windes (etwa 15 Knoten) immer wieder ausgebremst wird. Der Spaß geht zunehmend verloren. Aber was soll’s – auf Kreuzkurs arbeite ich mich Stück für Stück Richtung Öregrund.


Der Sund wird jetzt zunehmend enger und ich überlege mir, wie ich das mit dem Bergen des Focksegels machen soll. Zum Bergen der Fock muss ich stark abfallen damit die Fock im Windschatten des Großsegels möglichst einfällt und keinen (oder wenig) Winddruck hat. Danach, so sieht es mein ideales Manöver vor, möchte ich wieder stark anluven auf den letzten Am-Wind-Kurs. Doch das wird dann zunehmend im engen Sund schwieriger. Deshalb entschließe ich mich knapp 3 sm vor dem Hafen das Manöver so zu fahren. Das Focksegel ist schließlich geborgen und ich segle noch etwas mit dem Großsegel.
Auf dem Plotter sehe ich Andreas (den ich in Gävle getroffen hatte) vor dem Hafen und ich sende ihm eine Whatsapp Nachricht mit der Bitte, mir einen Platz frei zu halten. Das ist natürlich nicht ernst gemeint, denn er kann mir natürlich keinen Platz reservieren. Letztendlich habe ich keine Lust mehr auf diesen starken Wind mit der unangenehmen Welle und berge das Großsegel. Unter Motor geht es die letzten 3 sm Richtung Hafen.
Am Steg steht Andreas und hält mir die Mooringleine hoch – es hat noch zwei Plätze auf der von mir bevorzugten Südseite des Stegs. Festgemacht. Die Hafenmeisterin ist auch gleich zur Stelle – wie im letzten Jahr.

Ich hatte jetzt wegen der Wetterprognose etwas Gas gegeben und bin nun 7 Tage eher in Öregrund als ursprünglich geplant. 2 Tage gehen jetzt wegen des Wetters wieder verloren aber ich habe 5 Tage „gewonnen“. Deshalb möchte ich es jetzt ab Montag etwas gemütlicher angehen. Denn jetzt kommt wieder ein schönerer Teil – die Schären südlich von Öregrund. Hier hatte ich letztes Jahr, gegen Ende meiner Reise, einmal an einer Schäre angelegt. Und das möchte ich in diesem Jahr noch ein paar Mal wiederholen. Und dann werde ich wieder durch den Väddö Kanal gehen.

Hafentag in Öregrund
Samstag, 18. Juli 2026
Den Tag erwähne ich nur der Vollständigkeit halber. Der Wind nimmt langsam zu, der Regen bleibt noch aus. Ich gehe noch etwas einkaufen. Wer oben das Bild meiner Vorräte gesehen hat, dem wird die Menge an Flapjacks auffallen. Eine Art Müsliriegel aber wesentlich nahrhafter (etwa 400 Kalorien). Leider gibt es die nicht in Deutschland und ich fülle die Backskiste, um dann einige mit nach Hause zu nehmen (haltbar bis 2027).
Dann kenne ich vom letzten Jahr hier noch eine nette Konditorei wo ich mir süße Stückchen zum Kaffee hole. Ansonsten werde ich etwas arbeiten, um ein paar Stunden aufzuholen. Hoffen auf Montag…
