Die Nervosität steigt langsam….

Donnerstag, 21. Mai 2026

Noch 3 Tage, dann geht es von Zürich mit dem Flieger nach Stockholm und mit dem Zug nach Gävle. Der Termin zum Einwassern am Pfingstmontag, 25. Mai ist organisiert.

Die letzten Wochen waren vor allem geprägt von Stress bei der Arbeit. Aber nebenbei musste ich natürlich noch planen und organisieren vor allem der Dinge die ich mitnehmen muss (abgesehen von Kleidung etc.). Ich hatte im letzten Beitrag ja schon etwas darüber geschrieben. Kraftstofffilter (den möchte ich vielleicht wechseln), eine Dichtung für das Porta Potti die getauscht werden muss, das Handset für das Funkgerät ist da, CO2 Patronen für die Rettungsweste (bei Swiss angemeldet) und Reparaturmaterial für das aufblasbare Kajak (der Boden hatte zuletzt Luft verloren).

Und: Diesmal mit im Gepäck – eine neue Drohne. Ich habe ja schon seit langem eine Drohne (DJI Phantom 4 Pro). Die wollte ich ursprünglich letztes Jahr mitnehmen (auch wenn ich etwas illegal unterwegs gewesen wäre). Doch mangels Platz blieb sie zu Hause. 2024 trat eine neue Drohnenregelung in Kraft weshalb ich die Phantom 4 Pro nicht mehr mit dem kleinen Drohnenführerschein hätte fliegen dürfen.

Deshalb wurde es jetzt eine DJI air 3s die ich in der Kategorie C1/A1 mit dem erneuerten Kompetenznachweis fliegen darf. Ich bin selbst gespannt darauf, welche Aufnahmen sich daraus ergeben. Man wird sehen…

Ein anderes Thema war die Verbraucherbatterie, die am Ende war. Es war etwas mühsam jemand in Gävle zu finden der mir sowohl eine neue Batterie am Pfingstmontag liefert und auch die alte Batterie gleich mitnimmt. In Deutschland ist die Rücknahme eine Selbstverständlichkeit. Dafür holt mich der Lieferant am Hotel ab und fährt mit mir zusammen raus zur Marina. Um sicher zu gehen gibt es auch eine neue Starterbatterie.

Und das ist der Punkt, der etwas anstrengend ist – nördlich von Stockholm beginnt die „Pampa“. Bedeutet, es wird zunehmend schwerer Zubehör oder Service für das Boot zu bekommen. Das wird etwas verständlich, wenn man Deutschland mit Schweden vergleicht. Deutschland: 84 Mio. Einwohner, Schweden: 11 Mio. Einwohner. Dabei ist Schweden 1,3 mal so groß wie Deutschland.

Anstrengende Anreise

Sonntag, 24 Mai 2026

Um 9 Uhr ging es los Richtung Flughafen Zürich. Dann Check in. Diskussion wegen der Co2 Patronen – er muss erst jemanden fragen. O.k. kein Problem – ich traue dem Braten noch nicht. Dann an der Sicherheitskontrolle. Mein Handgepäck läuft in die Kontrolle. Wieder Diskussion wegen der Co2 Patronen. Hätte ich die Rettungsweste dabei, wäre es kein Problem. Aber ohne Rettungsweste darf ich keine Co2 Patronen mitführen. Was ein Schwachsinn!!! Einzige Option: Zurück zum Check in und ein Handgepäckstück mit den Co2 Patronen als Aufgabegepäck. Also wieder zurück und zu dem gleichen Kollegen. Ich packe die Co2 Patronen in die Laptop-Tasche und gebe diese als Aufgabegepäck auf – ich bin gespannt, ob die noch in der Tasche sind wenn ich in Stockholm ankomme. Der Flieger hat 1 Stunde Verspätung. Egal – ich muss nicht auf den Zug….

Am Flughafen Stockholm Arlanda Stress mit der Zugverbindung. Ich merke ich werde alt… Das ärgerliche: In Schweden brauchst du drei, vier Apps je nachdem wo du gerade mit dem Zug fahren möchtest. Es gibt nicht eine(!) Deutsche Bahn sondern zig verschiedene Anbieter die bestimmte Strecken betreiben. Und vor lauter Stress habe ich dann den Bootshaken am Flughafen vergessen. Ich könnte mich in den Arsch beißen…

Nach etwa 10 Stunden dann Ankunft in Gävle. Das Wetter ist schön. 23 Grad, leicht bewölkt. Aber die Aussichten sind nicht so gut. Regen und kühler soll es werden. Morgen ist zuerst einmal der Termin zum Einwassern. Hoffen, dass Miss Sophie den Winter gut überstanden hat und der Motor läuft.

Bestes Wetter auch in Gävle

Zurück im Wasser

Montag, 25. Mai 2026

Pfingstmontag ist in Schweden kein Feiertag – das hatte ich schon letztes Jahr bemerkt. Letztes Jahr waren wir Pfingsten in Kalmar und am Pfingstmontag flog meine Frau zurück nach Hause.

Nach einer Nacht im Hotel in Gävle holt mich ein Schwede am Hotel ab. Ich hatte bei ihm zwei neue Batterien bestellt. Die Blei-Verbraucherbatterie war letztes Jahr ziemlich am Ende. Mein Bekannter, der mir beim Umbau der Elektrik geholfen hatte, meinte, dass die Blei-Batterien den schwedischen Winter nicht überleben. Deshalb bestellte ich auch eine neue Starterbatterie. Schweden ist teuer… Ich bezahlte für die beiden Batterien etwa 30% mehr als für vergleichbare Batterien in Deutschland.

Aber netterweise holte er mich dafür am Hotel ab und brachte mich zur Marina Fliskärsvarvet. Damit sparte ich mir das Taxi. Miss Sophie hatte den schwedischen Winter gut überstanden. Klar, etwas dreckig, aber nichts beschädigt. Das Einwassern war professionell wie das Auswassern im letzten Jahr. Der Motor sprang auf Anhieb mit der alten Starterbatterie an. Nun habe ich eine in Reserve dabei. Die alte Verbraucherbatterie konnte ich dort lassen. Dann ging es in den Stadthafen von Gävle. Hier bin ich nah an der Stadt und kann Vorräte bunkern. Damit begann ich dann auch gleich am späten Nachmittag.

Langsam richte ich mich wieder ein. Die Reisetasche wird ausgepackt und die Kleidung an ihrem Platz verstaut. Dann Sichten der Vorräte die ich hier gelassen hatte. Wohlweislich hatte ich die Dosen, die über den Winter auf dem Boot blieben, in Gefrierbeutel verpackt. Drei Tomatendosen hatten den Winter nicht überlebt.

Leider haben mir Zeit und Kraft nicht mehr gereicht, auch noch die Segel anzuschlagen. Jetzt muss ich sehen was das Wetter die nächsten Tage macht und auch noch einige Vorräte einkaufen. Achja, heute war es noch recht schön bei etwa 23 Grad. In Deutschland wird bei über 30 Grad geschwitzt…

Segel angeschlagen – Gastlandflagge gesetzt

Dienstag, 26. Mai 2026

Die erste Nacht auf dem Boot war etwas anstrengend. Von den Anstrengungen am Vortag (die schweren Batterien und das Gepäck die Leiter hinauf manövrieren) hatte ich ziemliche Rückenschmerzen. Die Hoffnungen auf brauchbares Wetter, um die Segel anzuschlagen, sind eher mäßig. Doch dann ist das Wetter am Morgen überraschend gut und es ist fast windstill. Also nütze ich den Moment. Gerade mit den ersten Regentropfen und Windböen werde ich fertig. Die Reffleinen müssen noch richtig eingestellt werden und das Lazyjack muss ich noch mal prüfen.

Da es dann immer wieder Regenschauer hat, nütze ich die Zeit fertig aufzuräumen. Alles weg, im letzten Stauraum verstaut, was jetzt erst einmal nicht mehr benötigt wird. Und anschließend eine warme Dusche genießen.

Dann muss ich noch einmal in die Stadt laufen. Das ist zwar nur ein guter Kilometer macht bei den Regenschauern aber keinen Spaß. Zum Glück finde ich bei Kjell & Company die richtigen Batterien. Und wie immer: viel zu teuer.

Eigentlich wäre ich jetzt fast startklar. Noch ein paar letzte Vorräte wie Getränke, Obst und Gemüse besorgen, dann könnte es losgehen. Aber die Wetteraussichten für die beiden kommenden Tage sind nicht so gut. Regen, Gewitter und teilweise auch Starkwind. Der Plan ist wieder die Bucht Synskär anzufahren. Dort hat es eine SXK Boje und einen kleinen Steg. Um die Zeit und unter der Woche rechne ich damit dort allein zu sein. Und dann weiter nach Hudiksvall. Freitag habe ich noch einen Arbeitstag. Insofern wäre es gut, wenn ich morgen und übermorgen diese beiden Schläge machen könnte. Mal sehen, wie es morgen aussieht…

Die Segel sind angeschlagen und die Gastlandflagge gesetzt. Inzwischen bin ich nicht mehr ganz alleine im Hafen

Kein Segeltag – Abwettern und dies und das

Mittwoch, 27. Mai 2026

O.k. es war vorhergesagt – Starkwind und immer wieder Regenschauer. Selbst im Stadthafen Böen bis 22 Knoten – draußen sicher bis 27 Knoten. Wellen laut FMI bis 2,5 Meter. Ist aber nicht ganz so schlimm. Ich habe noch ein paar Sachen zu erledigen. Zuerst brauche ich Spiritus für meinen Kocher. Die Facebook-Gruppe „Schwedenfreunde“ hilft mir weiter. Spiritus finde ich in einem Baumarkt etwa 1 Kilometer entfernt. Dann noch die Co2 Patrone der Rettungsweste tauschen, die ich letztes Jahr versehentlich ausgelöst hatte. Anschließend wird noch die Dichtung vom Porta Potti getauscht. Und weiter Akkus und Batterien laden wie die Taschenlampe, die Starterbatterie und die Batterien für die Stirnlampe geladen. Die Verfügbarkeit von Landstrom wird bei mir immer gut genutzt. Vor allem Abends mit dem Heizlüfter denn aktuell hat es 12 Grad in Gävle während in Deutschland schon wieder bei 30 Grad geschwitzt wird.

Grob hatte ich einmal nach der Tankanzeige geschaut denn die zeigt nichts mehr an – Null. Ich habe am Ende der Saison kurz vor dem Auswassern voll getankt. Also der Tank muss voll sein. In der Backskiste sehe ich die Kabel zum Tankgeber. Zumindest scheine ich kein Kabel beim Einräumen abgerissen zu haben. Aber an den Geber kommt man kaum hin. Bei Gelegenheit werde ich mal die Schalttafel abschrauben und schauen ob sich hier ein Kabel gelöst hat und messen. Vielleicht ist auch eine Sicherung durchgebrannt. So lange zähle ich einmal die Betriebsstunden. Laut Google AI sollte ich etwa 40 Stunden mit einer Tankfüllung fahren können. 10 Liter im Reservekanister habe ich für den Notfall dabei.

Dass es auch in Schweden gute Pizzabäcker gibt konnten wir schon im letzten Jahr erfahren

Erster Segeltag – etwas anstrengend

Donnerstag, 28. Mai 2026

Die Aussichten für heute sind gut. Leicht bewölkt und etwas Wind. Nur die Windrichtung ist nicht optimal – Nordwest. Nachdem sich die Aussichten bestätigen beeile ich mich den Rest zu erledigen. Der Baumniederholer muss noch befestigt werden und frische Lebensmittel möchte ich noch einkaufen. Mein Ziel für heute soll wieder Synskar sein. Das hatte ich auch im letzten Jahr von Gävle aus angelaufen. Eine SXK Boje und ein kleiner Steg. Letztes Jahr lag auf der einen Seite des Stegs ein Schwede – ich rechne in diesem Jahr alleine zu sein denn es ist sehr früh im Jahr.

Gegen 10:30 Uhr kann ich ablegen. Zuerst geht es unter Motor denn hier in der Stadt wechselt der Wind ständig seine Richtung. Draußen im Sund setze ich die Segel – zuerst nur das Großsegel. Ich muss erst wieder hinein kommen. Es ist etwas spezielles, wenn man ganz alleine ablegt. Es ist einfacher wenn man zu zweit oder mehr ist. Es ist auch einfacher als Einhandsegler beim Start einer Regatta wenn man mit 50 oder 100 anderen ablegt. Ich bin vollkommen alleine – kein anderes Segelboot im Sund, nicht einmal vom Sailing Club der hier sonst mit der Jugend trainiert. Auch im Sund wechselt der Wind immer wieder in der Richtung und Stärke. Es ist etwas schwierig denn ich muss mich an das Fahrwasser halten. Entgegen dem Vorschlag von Orca gehe ich raus vor die Inseln. Dort ist der Wind dann einigermaßen beständig und die Fock wird ausgerollt. Auch wenn der Kurs nicht ganz so passt, wie es Orca (meine zweite Navi-Software) sich vorstellt, ist es nicht ganz so schlecht. Ich kann annähernd die Höhe machen die ich machen muss um Richtung Norden zu kommen.

Das erste Mal wieder in diesem Jahr – raus auf die Ostsee

Doch dann wird auf halber Strecke der Wind immer schwächer. Zuletzt habe ich fast Flaute (5 Knoten Wind) und eine langgezogene Welle. Die Geschwindigkeit geht herunter erst auf 3 dann auf 2 Knoten. Schließlich werfe ich den Motor an. Zuerst als Unterstützung zuletzt berge ich die Segel da sie nur lustlos herum schlackern. Noch 3 1/2 Stunden bis Synskär. Kurz vor Synskär (typisch) frischt der Wind wieder auf. Dann, wenn man es eigentlich nicht gebrauchen könnte denn die Einfahrt ist etwas schmal und geht im Zick-Zack um einige Steine.

Doch dann bin ich in der Abdeckung der Insel. Wie erwartet ist alles leer und ich kann mir den schönsten Platz aussuchen. Ich bin k.o. obwohl es kein so großer Schlag war. Meine zervikale Dystonie (Schiefhals) strengt mich heute an obwohl ich noch kurz vor dem Urlaub meine Spritzen hatte. Ich merke das ich mich mehr dehnen und bewegen muss.

Ich mache mir ein Lagerfeuer und genieße die Stimmung. Es ist frisch, anders als letztes Jahr im Juli. Da war es doch etwas wärmer als jetzt Ende Mai.

Wieder in Synskär – diesmal habe ich mir den Schokoladenplatz genommen

Jetzt plane ich für den nächsten Tag. Ich muss noch einmal einen Tag arbeiten. Das hatte ich so eingeplant da es sonst mit meinen Urlaubstagen nicht ausgegangen wäre. Pfingsten ist dieses Jahr erheblich früher weshalb mir ein Feiertag fehlt. Und ausgerechnet morgen soll der Wind auf Südost drehen und es soll trocken sein. Also ideal. Ich denke ich werde einen Nacht-Törn planen. Also direkt nach der Arbeit am späten Nachmittag losmachen. Ich habe schon die letzten Abende und Nächte registriert, dass es nicht mehr richtig dunkel wird. Es geht Richtung Mittsommer. Und Samstag soll es regnen und da möchte ich nicht hier auf Synskär hängen bleiben. Denn es ist noch ziemlich frisch und den Heizlüfter (der Landstrom voraussetzt) kann ich noch gut in der Nacht gebrauchen. Wohl denen, die eine Diesel-Heizung haben.

Der frühe Vogel fängt den Wurm – der späte „nichts“

Freitag, 29. Mai 2026

Wie gesagt musste ich noch einen Tag arbeiten. Irgendwie liegt mein Zeitraum in diesem Jahr so, dass mir ein Urlaubstag fehlt. Aber bei der Arbeit ist es gerade sowie etwas intensiv…

Also 7 Uhr aufstehen und arbeiten. Ein Teams-Call nach dem nächsten. Dabei wäre der Tag heute der ideale Segeltag. Sonne und Wind aus Südost – genau richtig für mein Ziel Richtung Norden. Ich hoffe das Windy recht behält und der Wind so bis in die Nacht anhält. Ich mache etwas früher Feierabend und kann um 15.30 Uhr endlich ablegen. Der Wind ist ideal mit knapp 15 Knoten und ich segle nur mit dem Großsegel. Die Fock bringt bei der Windrichtung nicht viel da sie in der Abschattung des Großsegels nur flattert. Etwa 4,5 Knoten habe ich im Schnitt und Orca meint dass ich gegen 1 Uhr in Hudiksvall sein sollte.

Anfangs läuft es noch gut – etwa 4,5 Knoten im Schnitt

Nach einem Drittel der Strecke lässt der Wind nach – das hatte Windy anders vorhergesagt. Im Gegenteil – er sollte eigentlich später auffrischen. Die Geschwindigkeit sinkt mehr und mehr. Zuletzt weht der Wind noch mit 5 Knoten und es hat eine ekelhafte Kreuzwelle. Es hilft nichts – der Motor muss helfen. Zuerst versuche ich es noch mit Motorunterstützung doch das Segel schlägt mehr und mehr lautstark hin und her. Also Segel bergen und nur mit Motor weiter. Wenigstens die Welle beruhigt sich. Was tun? Ich hatte noch in Erinnerung, dass das Wetter zum Wochenende schlecht werden sollte. Deshalb wollte ich unbedingt nach Hudiksvall. Dort sollte ich wenigstens Strom im Hafen haben und könnte noch einkaufen. Also Augen zu und durch – meine erste Nachtfahrt auf der Ostsee.

Die Sonne geht unter und die kalte Nacht beginnt
24 Uhr Ende Mai in Schweden – dunkel wird es nicht mehr

Die Sonne geht unter und es wird kälter. Irgendwann reichen lange Unterhose und dicke Segelhose, Shirt, Fleece und Segeljacke nicht mehr aus. Die Kälte dringt durch. Da kann ich nur Schutz unter der Sprayhood suchen. „Johann“, mein Pinnenpilot (für Laien „Autopilot“) macht seinen Job. Doch im Sund ist ein Fahrwasser und ich muss mich wegen Untiefen an die Tonnen halten. Auch wenn Johann steuert muss ich ihm sagen wo es lang geht und prüfen ob es passt. Kurz nach 3 Uhr habe ich festgemacht. Die Nacht war interessant – nach dem Sonnenuntergang war es dämmrig und Rot am Horizont. Das blieb so etwa 2 Stunden dann begann schon wieder die Morgendämmerung und um 3.30 Uhr ging die Sonne auf. Dunkel wird es gerade nicht mehr…

Festgemacht in Hudiksvall

Alles anders – und wieder eine Bekanntschaft

Samstag, 30. Mai 2026

Nach ein paar Stunden Schlaf – denn ich hatte ich mir den Wecker gestellt da der Hafenmeister, wenn er denn da sein sollte, nur bis 13 Uhr da wäre, stehe ich schon wieder auf den Beinen. Doch der Hafenmeister ist nicht da. Auf dem Infoblatt lese ich, dass der Hafen am 16. Juni öffnet – Käsekuchen. Ich spreche trotzdem auf die Mailbox in der Hoffnung, dass er zurückruft. Denn hier in Hudiksvall, das wusste ich schon vom letzten Jahr, befindet man sich in der Steinzeit. Nichts mit App oder ähnlichem. Am Ende des Stegs ist eine unüberwindbare Türe und man benötigt einen Schlüssel, um wieder auf den Steg und an sein Boot zu kommen. Besagten Schlüssel, der auch für Dusche/WC benötigt wird, bekommt man vom Hafenmeister. Zu meinem Glück sind ein paar Schweden hier dir mir gestatten die Türe offen zu halten und mir das WC öffnen. Aber ohne Schlüssel bin ich etwas aufgeschmissen. Ich komme mit einem anderen Schweden ins Gespräch. Er kämpft wohl gerade damit seinen Dieselfilter zu wechseln. Er hat das Boot erst vor einiger Zeit gekauft und hat noch keine Ahnung vom Segeln. Ich biete ihm an ihm zu helfen und finde mich bald später in der Backskiste seines Bootes und versuche mit aller Anstrengung das Filtergehäuse des Vorfilters zu öffnen. Er muss stärkeres Werkzeug besorgen mit dem wir es schließlich schaffen, das Filtergehäuse zu öffnen. Doch welche Überraschung – es ist kein Filter im Vorfilter. Er fährt wieder los, um nach einem passenden Filter zu schauen. Ich sage ihm, wie dieser aussehen muss. Er ist ziemlich froh über meine Hilfe denn er hatte wohl erst vor kurzem eine Hüftoperation und wäre aufgrund dieser auch nie in der Lage gewesen, in die Backskiste zu klettern. Das passende Filter lässt sich nicht auftreiben und er möchte vorerst das Filtergehäuse erst einmal so wieder zusammenschrauben und ohne Vorfilter fahren. Doch dabei bemerke ich, dass hier mindestens eine Dichtung fehlt. Das war wohl der Grund, weshalb das Gehäuse so brachial zusammengeschraubt war.

Ich gebe ihm den Tipp, nach einem neuen Vorfilter zu schauen. Der ist nicht so teuer und das wird sonst eine never ending Story. Doch das lässt sich hier in Hudiksvall nicht auf die Schnelle besorgen. Er kommt eigentlich aus Gotland und möchte das Boot baldmöglichst dorthin überführen. Deshalb ist der Plan jetzt provisorisch das Filter (ja, es heißt „das“ Filter) wegzulassen und die beiden Schläuche einfach zu verbinden. Doch dazu benötigt man einen Schlauchverbinder. Wir fahren in den Baumarkt doch dort ist nichts zu finden und schließlich schließt der Baumarkt gerade. Unverrichteter Dinge fahren wir zurück an den Hafen – er möchte morgen noch einmal schauen ob er von irgendwo einen Schlauchverbinder bekommt.

Aber so lernt man neue Menschen kennen – spannende erste Woche… Am Abend gibt es dann ein typisches schwedisches – äähmm schwäbisches Gericht aus der Bordküche: Linsen mit Spätzle und Saitenwürst (die schwedischen Wienerle können mit den deutschen nicht mithalten).

Abends gibt es ein typisches schwedisches ähhmm, schwäbisches Gericht

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