Husarenritt nach Öland – Byxelkrog

Sonntag, 09. August 2026

Eigentlich wollte ich ja den Zwischenstopp über Stora Karlsö machen, den ich aber windbedingt ausgelassen hatte. Wahrscheinlich wäre es doch gut gegangen denn am Samstag lies der Wind im Laufe des Tages deutlich nach und es hatte praktisch keine Welle.

Am Samstagabend habe ich noch mehrfach Windy studiert und verschiedene Optionen in Orca versucht denn am Nachmittag bzw. gegen Abend soll aus dem guten Wind aus Süd starker Wind mit etwa 25 Knoten werden. Am Vormittag soll der Wind noch auf Südwest bleiben. Ablegen gegen 10 Uhr scheint die beste Option zu sein.

Also klingelt der Wecker um 8 Uhr und gegen 9:30 Uhr lege ich ab. Anfangs muss ich noch ein wenig abfallen damit ich um die vorgelagerte Insel Lilla Karlsö herum komme. Dann muss ich anluven und es geht zuerst hoch am Wind. Zwischen Lilla Karlsö und Stora Karlsö entscheide ich mich aber doch eine Wende zu machen um etwas Höhe zu gewinnen. Denn ich möchte auch nah Stora Karlsö vorbei – wenn ich schon nicht anlegen konnte, dann wenigstens von der Nähe einen Blick darauf werfen.

Lilla Karlso im Vordergrund und Stora Karlsö im Hintergrund
Links von der Mitte wäre der Anleger gewesen. Das wäre sicher gut gegangen. Kein einziges Boot am Anleger

Der Wind dreht dann kontinuierlich langsam auf Süd und nimmt zu. Zwei Frachter gehen noch weit vor mir durch dann kommt nichts mehr. Diesbezüglich kann ich schon einmal entspannt sein. Aber mit dem zunehmenden Wind nimmt auch die Welle immer mehr zu. 5 sm vor Öland habe ich dann bis zu 23 Knoten Wind und 1,5 Meter Welle (SMHI hat 1,6 Meter gemessen). Die Wellen brechen schaumig zusammen. Inzwischen segle ich auf halben Wind und das Boot dreht immer wieder mit den größeren Wellen. Ich hoffe dann an der Nordseite von Öland auf etwas Beruhigung. Aber dafür habe ich einen super Schnitt – 6 sm in der Stunde.

20 bis 23 Knoten Wind

Johann´, mein Pinnenpilot, macht inzwischen seltsame Geräusche. Ich hoffe er hält durch bis Öland. An der Nordseite Ölands lassen dann Wind und Welle etwas nach. Ich hatte zwischendurch überlegt, gleich hier Nabbelund anzusteuern. Auf dem Plotter sehe ich ein Segelboot vor mir welches auch an Nabbelund vorbei steuert und jetzt Byxelkrog ansteuert. Ich bin unsicher welcher Hafen besseren Schutz gegen Süd bietet, bleibe dann aber bei meiner Entscheidung. Nachdem ich um das nördliche Ende herum bin muss ich wieder anluven aber ich schaffe nicht die notwendige Höhe. Noch 1 1/2 sm bis Byxelkrog. Ich entscheide mich den Motor anzumachen und so nahe wie möglich an der Küste entlang zu fahren. Auch hier am Ausgang des Kalmarsunds baut sich bei etwa 17 Knoten Wind eine kleine Welle auf.

Langer Erik

Die Personenfähre fährt auch gerade in den Hafen. Gut so, dann weiß ich das sie mir nicht entgegenkommt. Der Hafen ist ziemlich leer. Ich entscheide mich für einen Steg mit Heckboje, anlegen gegen den Wind. Niemand da, nur ein anderes deutsches Segelboot ein paar Plätze weiter. Aber es geht mal wieder super gut. Nach 7 Stunden und 41 sm habe ich Byxelkrog erreicht, genau das richtige Windfenster erwischt.

Schnell sind alle Leinen festgemacht, Landstrom angeschlossen und es gibt eine zweite Portion Köttbullar – der Rest von gestern. Dann die Sanitäranlagen inspizieren – sehen gut aus. Und auch gleich für morgen ein Zeitfenster für die Waschmaschine eingetragen. Erster Eindruck: Der Ort scheint sehr touristisch zu sein. Es hat hier zahlreiche Buden die Essen, Getränke, Eis oder irgendwelchen Nippes verkaufen.

Ein Blick ins Internet verrät dass es direkt am Ort nichts besonderes gibt. Etwa 2 km entfernt soll ein besonderer Strand mit Steinplatten sein. Mal sehen, vielleicht bleibe ich einen Tag und schaue mir das an. Wind und Wetter sehen für morgen nicht besonders toll aus. Wind aus Südwest, Wetter bedeckt. Dienstag soll der Wind auf Nordwest drehen – also ideal um den Kalmarsund herunter zu kommen.

Warten auf besseren Wind

Montag, 10. August 2026

Der Wind kommt heute weiter aus Südwest mit bis zu 20 Knoten. Ich bin jetzt am Beginn des Kalmarsund (Roter Kreis). Als Kalmarsund wird die Meerenge zwischen dem Festland und der Insel Öland bezeichnet. Mit dem Kalmarsund habe ich letztes Jahr schon meine Erfahrung bei Südwind gemacht und unter „Lessons learned“ abgelegt. Die Meerenge wirkt dabei wie ein Trichter und beschleunigt den Wind noch einmal. Das wäre heute gegenan kein Spaß. Morgen soll der Wind auf Nordwest drehen also warte ich den Tag hier ab und mache es mir morgen einfach.

Ich überlege, ob ich bei dem guten Wind morgen nicht sogar bis Kalmar durchfahren soll. Mittwoch soll der Wind schon wieder auf Süd drehen, zunächst aber sehr schwach sein. Donnerstag bis Samstag bleibt er wohl auf Südwest und stärker – etwa 10 – 15 Knoten. Sonntag wahrscheinlich West – das wäre die Chance aus dem Kalmarsund zu kommen.

Also stehen Wäsche waschen, nach dem Pinnenpilot schauen und duschen auf dem Programm.

Hört sich nicht gut an…

Ansonsten merke ich jetzt, wie ich gegen Ende meiner Reise stark vom Wind abhängig bin und mein Polster dadurch langsam schwindet. Durch den Kalmarsund durchkommen und dann habe ich drei große Schläge zu machen: Uttklippan – Christiansoe (oder Bornholm) 45 – 50 sm, Bornholm – Sassnitz 50 sm, Sassnitz – Kröslin 30 sm. Bei einem Schnitt von 4,5 Knoten sind das jeweils Etappen von 7 bis 12 Stunden.

In Kalmar werde ich voraussichtlich bis Samstag festhängen da durchgehend Wind aus Südwest vorhergesagt ist.

Die 1500 sm sind auch schon wieder erreicht (1560 sm) und nach meiner Rechnung habe ich noch etwa 300 sm vor mir. Am Ende werden es dann wohl etwa 1800 sm sein. Das sind etwa 3.300 Kilometer.

Mit dem letzten Abendlicht nach Kalmar

Montag, 11. August 2026

Windy hatte vorhergesagt, dass der Wind gegen Mittag auf Nord drehen und etwas nachlassen sollte. Die Nacht war eine Katastrophe. Ich bereute das Boot nicht umgelegt zu haben. Der Wind blies mit 20 Knoten aus Nordwest in die Hafeneinfahrt und sorgte im neuen Hafenbereich für ordentlich Schwell. Miss Sophie zerrte ruckartig an den Festmachern wie ein wildgewordenes Pferd. Einfach die Nacht durchstehen und dann weiter ziehen. Aber erst musste ich noch arbeiten. Der Plan war auf jeden Fall gegen Mittag abzulegen. Auch Byxelkrog hat Dockspot (eine App) in der darauf hingewiesen wird, dass der Platz bis 12 Uhr verlassen werden muss. Ich schaue noch nach dem Fahrplan der Fähre die zwischen Oskarshamn und Byxelkrog verkehrt. Um 12 Uhr sollte sie ablegen. Das passt mir gut, dann plane ich direkt nach der Fähre abzulegen.

Am Vormittag bläst der Wind noch immer kräftig mit bis zu 20 Knoten. Aber er macht keine Anstalten auf Nord zu drehen, er bleibt auf Nordwest. Egal, denke ich mir, das wird schon gehen. Gegen Mittag bereite ich alles vor. Die Fähre wird gerade beladen und legt dann 10 Minuten früher ab als angekündigt. Umso besser, denke ich mir. Die letzten Handgriffe und dann lege ich ab wie vor mir eine andere deutsche Segelyacht aus Berlin.

Fähre Oskarshamn – Byxelkrog
Zuerst geht es noch mit raumen Wind Richtung Süden

Sobald als möglich setze ich die Segel und lege den Kurs an – 200 Grad. Raumer Wind mit etwa 15 Knoten, es läuft gut mit 5 bis 6 Knoten Fahrt. Es ist natürlich schwer vorherzusagen, aber sollte es so weitergehen wäre ich gegen 20:30 Uhr in Kalmar. Doch mit zunehmender Strecke dreht der Wind. Nein, nicht auf Nord sondern eher auf West. Das ist schlecht denn gleichzeitig lässt er auch noch nach, unter 10 Knoten. Aus meinem Raumwindkurs wird ein Am-Wind-Kurs. Wenigstens läuft es noch einigermaßen da es so gut wie keine Welle hat, 4 bis 5 Knoten zeigt die Logge.

Höhe Borgholm, also nach 2/3 der geplanten Strecke nach Kalmar, lässt der Wind weiter nach. Ich schaue auf dem Plotter was die anderen Segelboote weit vor mir machen. Alle machen zwischen 5 und 7 Knoten. Sollte der Wind weiter südlich wieder auffrischen? Ich glaube eher nicht daran. Ich denke die fahren alle inzwischen unter Motor. Ich versuche es noch ein Stück weiter und jetzt dreht der Wind komplett, plötzlich habe ich den Wind direkt von hinten. Die Fock kann ich einrollen und das Großsegel komplett ausstellen. Aber mehr als 3,5 Knoten Fahrt mache ich nicht mehr. Auf dem Plotter sehe ich eine Armada von Segelbooten vor mir die Richtung Süden zieht. Was tun? Der Plan, Kalmar anzusteuern, war bewusst gewählt. Denn die nächsten Tage soll der Wind aus Südwest kommen. Wenn ich jetzt in Borgholm anlege sitze ich dort entweder fest oder muss mühsam gegenan kreuzen. Wobei es fraglich ist ob das geht. Ich hatte ja meine Erfahrung mit dem Kalmarsund gemacht.

Ein anderes Segelboot hinter mir, welches ich abgehängt hatte, hat wohl inzwischen auch den Motor angeworfen und schließt zu mir auf. Ich entschließe mich es ihm gleich zu tun und werfe auch den Motor an. Der Wind kommt inzwischen fast von vorne und ist auf 5 Knoten gefallen. Segeln macht jetzt keine Sinn mehr. Der Wind wechselt alle 5 Minuten komplett die Richtung und bleibt sehr schwach. Das ist was um Feierabend-Segler zu ärgern aber nichts, um von a nach b zu kommen.

Die Karawane zieht Richtung Süden… (alle blauen Pfeile sind andere Segelboote)
Das Schloss Borgholm soll auch einen Besuch wert sein

Meine erwartete Ankunftszeit verschiebt sich gegen 22 Uhr. Die Sonne bewegt sich langsam Richtung Horizont und ich kann ein paar schöne Fotos machen. Aber zunehmend mache ich mir Gedanken über die Dunkelheit. Die Sonne geht schließlich unter und ich mache die Navigationsbeleuchtung an. Noch ist in der Dämmerung alles gut zu sehen. Ein Schlepper zieht mit gut 10 Knoten an mir vorbei. Dann kommt die Brücke über den Kalmarsund. Hier hat es Leuchttonnen was jetzt sehr hilfreich ist. Die unbeleuchteten Fahrwasserzeichen sind kaum noch zu sehen. Ich habe Orca und die elektronische Seekarte von Navionics auf dem Plotter parallel laufen.

In der Hafeneinfahrt gehe ich dann auf Standgas. Am liebsten wäre mir ein Platz mit Y-Ausleger. Am Eingang des Hafens hat es einige aber die sind wohl weit entfernt von den Sanitäranlagen. Ich fahre bis zum Hafenende aber dort hat es nur Y-Ausleger für große Boote und die sind auch alle belegt. Also Rückwärtsgang rein. Ich werde wohl an einer Heckboje anlegen müssen. Ich sehe ein deutsches Segelboot und eine Person die auf das Deck geht. Ich rufe ihm meine Frage zu, ob er meinen Bug auffangen könnte. Er geht an Land und ich steuere eine Boje an. Nach 10 Stunden habe ich festgemacht in Kalmar.

Mit dem letzten Tageslicht in Kalmar festgemacht

Pause in Kalmar

Mittwoch, 12. August 2026

Jetzt bin ich erst einmal in Kalmar. Der südliche Teil des Kalmarsund ist sicher noch einmal eine Herausforderung. Bis Karlskrona sind es gut 50 sm – auf direktem Weg. Mal sehen wie ich die Aufgabe löse, zurück nach Kröslin zu kommen.

Manch einer wird die Frage stellen, weshalb ich mir jetzt solchen Druck mache. Ich werde zunehmend unsicher wegen der langen Schläge die mir bevorstehen. Aufgrund der Tageslänge kann ich solche langen Schläge nicht mehr machen wenn ich arbeiten muss. Außer ich würde über Nacht segeln. Aber das ist nicht wirklich eine prickelnde Alternative. Deshalb möchte ich mir lieber einen Puffer schaffen, um gegebenenfalls auf Utklippan oder Bornholm 4 bis 5 Tage auf ideale Bedingungen und Samstag/Sonntag warten zu können. Ich habe noch die Option einen oder zwei Tage Gleitzeit zu machen.

Aber heute arbeite ich erst einmal etwas um ein wenig Gleitzeit aufzubauen. Zu Mittag habe ich Lunch und dann geht es noch in die Stadt und ich finde endlich einen Friseur – war dringend nötig. Dann noch schön unter die Dusche, die Sauna ist eingeheizt. Mal sehen, vielleicht gönne ich mir morgen die Sauna.

Aktuell ergibt sich ein möglicher Plan nach Christiansø zu kommen. Freitag, Samstag herunter „kämpfen“ auf Utklippan. In der Nacht auf Sonntag soll der Wind auf West drehen – ideal um nach Christiansø zu kommen.

Der „Nachteil“ bei dieser Planung: Ich bin viel zu früh auf Bornholm bzw. in Sassnitz. Ich hätte dann 2 Wochen übrig. Ich könnte ein paar Tage auf Christiansø und auf Bornholm verbummeln. Mal sehen, vielleicht mache ich es auch anders.

Sonnenfinsternis in Kalmar – wie Sie sehen, sehen Sie nichts…

Wiedersehen mit Andreas

Donnerstag, 13. August 2026

ich bin weiter in Kalmar da weiterhin starker Südwind ist. Morgen früh soll der Wind schwach sein. Ich möchte die Gelegenheit nützen um hier aus dem schmalen Teil des Kalmarsund zu kommen. Denn der Kalmarsund wirkt, wie oben beschrieben, wie eine Düse.

So hoffe ich bis Kristianopel zu kommen. Gegenan werden das voraussichtlich 35 – 40 sm. Von Kristianopel werde ich Samstag entweder Utklippan oder Karlskrona ansteuern. Den Schlag von Utklippan oder einer anderen vorgelagerten Insel nach Christiansø habe ich auf Montag verschoben. Sonntag kommt der Wind zwar schon aus West aber teilweise wohl sehr stark mit bis zu 6 Bft. Auf 1,5 bis 2 Meter Welle und dann ggf. die Einfahrt nach Chrstiansø hinein habe ich keine Lust. Montag bleibt der Wind auf West aber etwas moderater.

Von meinem Arbeitgeber habe ich grünes Licht – ich kann mir die Zeit einteilen wie möchte. Hauptsache ich komme zurück.

Sonntag teilweise sehr starker Wind aus West (20 – 25 Knoten)
Montag weiterhin West aber moderat (10 – 15 Knoten)

Inzwischen ist auch Andreas, der Segler aus Kiel den ich das erste Mal in Gävle getroffen hatte, in Kalmar angekommen. Wir schnacken etwas und gehen noch zusammen etwas essen. Er muss erst später in Karlskrona sein wo er seine Frau dann aufnimmt. Vielleicht treffen wir uns noch einmal auf Bornholm.

Raus aus dem Kalmarsund – Kristianopel

Freitag, 14. August 2026

Höhe Kalmar ist die engste Stelle des Kalmarsunds. Hier führt auch die Brücke vom Festland zur Insel Öland. Bedeutet auch, dass hier die „Düse“ stark wirkt. Deshalb suchte ich nach einer günstigen Gelegenheit raus aus dem Kalmarsund zu kommen. Bis Samstag bleibt der Wind auf Süd. Aber es gibt eine Gelegenheit: Früh morgens soll es sehr schwachwindig sein – eine Gelegenheit erst einmal mit Hilfe des Motors ein Stück Richtung Süden zu kommen und dann vielleicht noch etwas gegenan segeln.

Wie erwartet kaum Wind am Morgen
Ein letzter Blick zurück

Deshalb plante ich meine Arbeitszeit um und hatte den Wecker noch etwas früher gestellt. Gegen 7:30 Uhr habe ich abgelegt und es folgen mir gleich einige andere deutsche Segler die wohl den gleichen Plan haben. Der Wind ist sehr schwach, etwa 5 Knoten, und es hat keine Welle. Die größeren Segelboote machen 5 bis 6,5 Knoten Fahrt, ich tuckere mit 4,5 Knoten. Nach etwa 4 Stunden zieht der Wind langsam an und die Welle nimmt zu. Als die Logge sich Richtung 3 Knoten Fahrt bewegt, ziehe ich das Segel hoch und mache den Motor aus. Der Wind zieht weiter an auf 10 bis 15 Knoten und hoch am Wind geht es mit gut 5 Knoten voran.

Alles in allem ein sehr entspanntes Segeln. Ich bin inzwischen alleine – die anderen Segler sind mir weit voraus. Als Zwischenziel habe ich Kristianopel gewählt. Nach etwas mehr als 8 Stunden habe in Kristianopel festgemacht. Jetzt noch etwas arbeiten, essen gehen und Blog schreiben. Und dann auch schon bald schlafen gehen denn morgen möchte ich wieder früh starten um dann Karlskrona zu erreichen. Noch einmal die gute Pizza essen und schön duschen. Sonntag werde ich mich vielleicht etwas vortasten an die äußeren Schären damit ich Montag den Weg etwas verkürzt habe. Aber Montag wird sicher wie letztes Jahr wieder ein langer Tag werden.

Festgemacht – Kristianopel
Dreifaltigkeitskirche
Abgetragene Stadtmauer

Kristianopel

Als ich den Namen das erste Mal hörte dachte ich: das klingt aber überhaupt nicht schwedisch. Als die Provinz Blekinge zu Dänemark gehörte, legte König Christian IV. die Stadt als Teil einer Verteidigungslinie an. Im Laufe des Kalmarkrieges wurde die Stadt 1611 kurzzeitig durch die Schweden eingenommen. Die Schweden brannten den Ort nieder. Die heutige Dreifaltigkeitskirche entstand zwischen 1618 und 1624. In den folgenden Jahrzehnten wechselte der Ort mehrmals die Staatszugehörigkeit und wurde immer wieder zerstört und wieder aufgebaut. 1677 ging der Ort endgültig in schwedischen Besitz über und Teile der gewaltigen Befestigungsanlage wurden niedergerissen und die Steine für den Bau in Karlskrona verwendet.

Heute lädt ein Schild die Besucher ein, auf einem etwas 1 km langen Abschnitt der ehemaligen Stadtmauer spazieren zu gehen. Die Stadtmauer ist insgesamt etwa 3 Kilometer lang.

Kristianopel ist recht touristisch. Es hat einige kleine Geschäfte, am Hafen gibt es kleine Buden mit Verkaufsständen und in der Saison wohl auch einige musikalische Veranstaltungen wie ich einem Plakat entnehmen konnte. Kristianopel ist sicher ein Ort an dem man einen zusätzlichen Tag verbringen kann.

Empfehlen kann ich auch das Café Sött o Salt direkt am Hafen – hier hatte ich Schnitzel…. 🙂

Ein Tag zum Vergessen – Karlskrona

Samstag, 15. August 2026

Aufgrund meines Plans ging es heute morgen sehr früh los. Um 6 Uhr klingelte der Wecker. Gegen 7 Uhr konnte ich ablegen. Noch ein kurzer Smaltalk mit dem Stegnachbarn – Niederländer. Sie wollen heute ebenfalls nach Karlskrona und wollten auch sehr früh ablegen.

Ich möchte versuchen gegenan zu kreuzen denn der Wind soll heute den ganzen Tag wieder aus Südwest kommen. Diesmal genau die Richtung in die ich muss. Trotzdem finde ich einen leichten Vorteil wenn ich auf Backborgbug segle, da mache ich mehr Strecke Richtung Süd. Nur ist der Backbordbug, also wenn der Wind von Steuerbord kommt, Miss Sophies schwache Seite. Da läuft sie nicht so viel Höhe und auch nicht so schnell.

Blick zurück auf Kristianopel
Viel Welle, wenig Wind

Der Wind ist schwächer als erwartet, nur 8 bis 10 Knoten. Dafür hat es aber ordentlich Welle, Kabbelwelle etwas einen halben Meter hoch. Und die bremst immer wieder das Boot aus. Wenn es etwas besser läuft, auf Steuerbordbug, dann mache ich 5 Knoten. Wenn es schlechter läuft geht die Geschwindigkeit runter auf 3 Knoten. Die Niederländer haben inzwischen auch abgelegt. Ihr wesentlich größeres Boot kommt wohl mit den Bedingungen besser klar – laut AIS machen sie 5 Knoten Fahrt und laufen mehr Höhe.

Von hinten, also aus dem Norden, kommen mehrere Segelboote unter Motor. Niemand der segelt. Die Niederländer ziehen bald an mir vorbei wie die anderen Segelboote unter Motor. Der Wind fällt zeitweise jetzt auf 5 bis 6 Knoten. Nach 2 1/2 Stunden gebe ich auf und werfe den Motor an. Es frustriert etwas weil auch unter Motor nur etwa 4 Knoten Fahrt drin sind und die Welle mich langsam nervt. Aber wenigstens bin ich jetzt auf dem direkten Weg.

Die Abkürzung geht direkt durch die Schären

Auf dem AIS sehe ich anhand des Kurses den der Niederländer macht, dass er wohl inzwischen auch den Motor angeworfen hat. Ich mache mir schon Gedanken über die Abkürzung durch die vorgelagerten Schären. Die meisten die ich auf dem AIS sehe fahren außen herum und nehmen die einfache Variante durch die Schären nach Karlskrona. Aber ich bin schon im letzten Jahr diese Abkürzung gefahren und die ging eigentlich gut zu segeln. Man hat zwei Abschnitte, an denen man sich genau an das Fahrwasser halten muss. Links und rechts davon wird es gleich flach. Aber ich möchte so bald als möglich raus aus diesem Mist.

Die Welle vor der Einfahrt in die Schären ist erträglich. Das Großsegel hatte ich stehen gelassen und jetzt kann ich auch langsam auf Halbwind segeln denn gleich nach der ersten Insel ist die Welle komplett weg. Den Motor lasse ich sicherheitshalber ausgekuppelt mitlaufen denn falls der Wind in einer der Engstellen plötzlich drehen sollte, muss ich schnell reagieren. Aber es geht bis kurz vor Karlskrona auch nur mit Großsegel ganz passabel zu segeln.

Vor Karlskrona – zum letzten Mal unter der Brücke durch

Nach 8 Stunden habe ich schließlich festgemacht. Ein anderer deutscher Segler half mir beim Anlegen. Wir unterhalten uns kurz. Sie müssen wohl Richtung Westen. Er meint, dass die Welle auch noch am Montag stehen wird und Christiansø aufgrund dessen eher nicht machbar ist. Ich bin unsicher was ich machen soll. Aber warten ist kaum eine Alternative. Am Dienstag soll der Wind schwächer werden und schwacher Wind und Welle bringen mich auch nicht voran. Es sind gut 50 sm nach Christiansø – d.h. bei einem Schnitt von 4,5 Knoten benötige ich 11 Stunden. Noch habe ich einen Tag Zeit zu entscheiden wie es weitergeht…

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