Ein Tag in Hasle

Sonntag, 23. August 2026

Ich habe jetzt keine Eile – der Plan für die nächsten Tage steht. Ich habe jetzt noch etwa 5 sm bis Rønne, meinem Absprungort nach Sassnitz. Die kann ich nach Lust und Laune morgen oder übermorgen machen. Ich werde wie auf dem Hinweg den Hafen Rønne Lystbådehavn Nørrekås ansteuern. Die Bedingungen für den letzten langen Schlag sollten am Mittwoch ideal sein – Wind zuerst aus Südost später drehend auf Ost Nordost. Windstärke etwa 15 Knoten (4 Bft.) am Nachmittag zunehmend auf 5 Bft.

Deshalb lasse ich es heute einmal gemütlich angehen – für heute waren Regen und Gewitter vorhergesagt. Am Vormittag erst einmal Körperpflege mit duschen, rasieren usw. Ein ausgiebiges Frühstück mit Frühstücksei und dann schaue ich mal was ich hier machen kann.

Bornholm letzte kommerzielle Fischräucherei die nach traditioneller Art räuchert

In Hasle gibt es die letzte kommerzielle Fischräucherei die mit Erlenholz räuchert. Und es gibt dort geräucherten Fisch zu kaufen und zu konsumieren. Also nichts wie hin. Auf dem Weg sehe ich zufällig am Hafen noch ein kleines maritimes Museum. Es sind hauptsächlich alte Motoren ausgestellt die in Fischerbooten zum Einsatz kamen. Dann auch noch etwas Ausrüstung wie alte Radargeräte, Echolote und andere Ausrüstungsgegenstände. Es gibt auch eine Infotafel zur Geschichte der Heringsfischerei in Hasle. Den großen Aufschwung gab es wohl zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg. Interessant fand ich, dass der Hering mit Ködern gelockt wurde.

Kleines maritimes Museum am Hafen

Aber dann geht es weiter zur Fischräucherei die nur einen knappen Kilometer vom Hafen entfernt ist. Ein Blick auf das Fischbuffet und die Entscheidung für Buffet war gefallen. Eine sehr große Auswahl unterschiedlich zubereiteter Heringe und Lachs. Mal geräuchert, mal eingelegt, mal als Salat oder paniertes Filet. 190 DK für „all you can eat“ fand ich jetzt auch angemessen.

Das Fischbuffet lässt keine Wünsche offen
Lecker

Danach ging ich noch kurz Richtung Strand. Außer aufgeblasenen Wolken war nichts zu sehen – kein Regen, kein Gewitter. Draußen hat es wohl etwa 4 Bft. Aber egal, ich wollte ja sowieso etwas Hasle ansehen. Dann noch einen Abstecher zur Kirche. Die ist etwas speziell mit dem aufgesetzten Glockenturm mit Fachwerk. Leider war die Kirche verschlossen. Die Ausstattung hätte mich interessiert. Sehenswert soll das spätgotische Langhaus, ein Altar aus dem 17. Jhd. und die Renaissance Kanzel von 1610 sein.

Nichts gewesen außer dicken Wolken
Kirche in Hasle
Runenstein aus dem 11. Jhd.

Auf dem alten Friedhof steht neben alten Grabsteinen der fast 2 m hohe Runenstein Marevadstenen aus der Zeit um 1100.

Nach einer kleinen Pause ging es dann noch an eine Fleißarbeit, dem Aktualisieren der deutschen Papierseekarte. In Schweden, Finnland, Dänemark interessiert es niemanden, ob du aktuelle Seekarten in Papier an Bord hast. Aber unsere deutsche Bürokratie kennt keine Grenzen und fordert in deutschen Küstengewässern aktuelle Seekarten in Papierform. Die notwendigen Seekarten hatte ich für 2025 aktuell gekauft und jährlich gibt es dann Berichtigungen die man ausschneiden und aufkleben kann, um die Karte aktuell zu halten.

Die Berichtigungen hatte ich schon zu Hause ausgedruckt, die unliebsame Aufgabe aber immer wieder vor mir hergeschoben. Doch ich hatte gelesen, dass die Wasserschutzpolizei dies durchaus kontrolliert und bei fehlenden aktuellen Seekarten empfindliche Strafen fällig werden.

Bastelstunde – berichtigen der Seekarten

Nur ein kurzer Schlag – Rønne

Montag, 24. August 2026

Startposition bezogen… Ich hatte es ja offen gelassen, ob ich heute oder morgen den kurzen Schlag nach Rønne mache. Eigentlich waren für heute wieder 10 bis 15 Knoten Wind und für morgen so gut wie kein Wind vorhergesagt und ich hatte überlegt den kurzen Schlag morgen ggf. unter Motor entspannt zu machen. Doch am Vormittag hat es im Hafen 3 bis 7 Knoten Wind und die Sonne scheint. Daher beschließe ich kurzfristig nach der Arbeit los zu machen. Draußen hat es dann etwas mehr Wind, etwa 10 bis 12 Knoten und vor allem eine ekelhafte Welle. Ich weiß nicht, woran es liegt. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass hier in der südlichen Ostsee die Welle wesentlich unangenehmer ist als im botnischen Meerbusen. Sie ist irgendwie noch kabbeliger, unregelmäßiger, unangenehmer.

Blick zurück auf Hasle
Das Großsegel reicht für heute

Ich habe nur das Großsegel hochgezogen und der Wind kommt fast direkt aus West. So habe ich einen Halbwind bzw. fast Raumwindkurs und komme mit etwa 5 Knoten voran. Das reicht für die kurze Strecke. Da bin ich zu faul die Fock auszurollen nur um 2 Minuten früher am Ziel zu sein. Ich habe Zeit – ETA 15.30 Uhr.

Die Einfahrt in den Hafen ist ein Eiertanz, das Boot schaukelt gehörig von links nach rechts und ich muss massiv mit dem Ruder ständig den Kurs korrigieren denn hier ist nicht so viel Platz. Links wird es gleich ziemlich flach und zu nah an der Hafenmole sollte man auch nicht sein. Ich bin froh als ich dann drin bin und die Welle weg ist. Es sind schon recht viele Plätze belegt am Gaststeg aber ich sehe gleich einen freien Platz. Festmachen am Y-Ausleger, das ist mir jetzt ganz recht. Noch einmal kurz den Pinnenpilot bemühen, um zwei Fender auszubringen.

Ein anderer Segler hilft beim Anlegen aber es geht alles butterweich trotz 8 Knoten Wind im Hafen. Nur die Fender sind einmal wieder zu hoch. Bei den Y-Auslegern muss man die Fender einfach auf die Wasseroberfläche ausbringen weil diese so tief sind.

Nun bin ich am Startpunkt für den letzten großen Schlag. Mittwoch habe ich geplant den Schlag nach Sassnitz zu machen, etwa 55 sm. Der Wind soll mit etwa 4 Bft. (15 Knoten) aus Südost kommen. D.h. ich sollte einen Raumwindkurs haben. Da sollte ich flott mit einem Schnitt von 5 Knoten voran kommen was dann 10 bis 11 Stunden bedeuten würde. Das einzige, was mir etwas Sorge macht: Gegen Nachmittag soll der Wind etwas auffrischen. Anlegen in Sassnitz war letztes Jahr ein Abenteuer. Der Hafen ist recht groß und dadurch recht offen. Bedeutet er bietet nicht wirklich viel Windschutz. Mal sehen wie das diesmal geht. Auf jeden Fall werde ich so früh wie möglich ablegen.

Nichts besonderes – Hafentag in Rønne

Dienstag, 25. August 2026

Duschen, Wäsche waschen, arbeiten und etwas vorschlafen. Die Windvorhersage macht mich etwas nervös. Wie gesagt soll der Wind morgen zum Nachmittag auffrischen. Etwa 5 Bft. und die Welle soll zunehmen auf etwa 1,5 Meter.

Da der Wind aus Osten kommt habe ich die Welle bei der Einfahrt nach Sassnitz von der Seite. Das einzige was ich beitragen kann: So früh wie möglich los. Wir werden sehen…
Irgendwie seltsam – ich habe auf meiner Reise einige solche langen Schläge gemacht. Von Gotland nach Öland oder vom Kvarken Archipel an die schwedische Ostküste, von Enskär zurück nach Schweden, aber gerade der Schlag morgen beschäftigt mich speziell. Ich habe so viel wie möglich vorbereitet. Akkus sind geladen, Kaffeewasser steht schon auf der Herdplatte, Verpflegung vorbereitet. Vielleicht liegt es daran, dass ich keinen Plan B habe – ich muss nach Sassnitz rein.

15 Knoten wäre ja noch o.k., 20 Knoten machen weniger Spaß

Ich hasse diesen Hafen – Sassnitz

Mittwoch, 26. August 2026

Schon im letzten Jahr am Anfang meiner/unserer Reise war Sassnitz Kampf und Krampf. Aber bevor ich zum Ende komme, zurück auf Start….

Um 5 Uhr klingelt der Wecker und ich bin nicht der einzige, der so früh wach ist. Als ich aufstehe läuft schon das erste Boot aus dem Hafen aus. Ich mache mir noch einen Kaffee und esse ein Marmeladenbrot. Dann warm anziehen und die letzten Vorbereitungen treffen. Um 5:35 Uhr lege ich schon ab als drittes Boot.

Der Wind ist noch sehr schwach, nur etwa 7 Knoten. Aber die Richtung Stimmt schon einmal – im Moment noch Ost Südost. Deshalb lasse ich erst einmal den Motor laufen auch nachdem ich das Großsegel schon einmal hochgezogen habe. Ich möchte schnell an der großen Hafeneinfahrt von Rønne vorbei kommen. Eigentlich sollte so früh am Morgen keine Fähre ablegen oder ankommen aber der Teufel ist bekanntlich ein Eichhörnchen. Nach 1 1/2 Stunden zieht der Wind langsam an auf 10 Knoten und ich rolle die Fock aus und schalte den Motor ab. Im Moment mache ich so nur 4 bis 4,5 Knoten – das sollte besser werden. Der Wind dreht zunehmend auf Ost, wie vorhergesagt und zieht noch leicht an so das ich gut 5 Knoten Fahrt mache. Das passt jetzt.

Der große Windpark, der mittlerweile EnBW gehört, kommt langsam näher. Mittlerweile überholt mich auch die Fähre von Rønne nach Sassnitz. Ich schaue auf dem Plotter wie nah sie an den Windpark fährt. Ich nehme in etwa den gleichen Kurs. Die Sonne scheint und die Welle ist moderat – etwa einen halben Meter. Von mir aus dürfte so der Tag zu Ende gehen.

Am Windpark vorbei
Unsere Wege trennen sich

Ein anderer Segler, der kurz vor mir auch in Bornholm losgemacht hatte und inzwischen hinter mir ist, luvt nach dem Windpark etwas an. D.h. er geht etwas mehr Richtung Süd als ich. Ich falle ein wenig ab denn ich möchte noch einmal an den Kreidefelsen vorbei.

Unterwegs segle ich immer wieder durch gelbgraues Wasser – Blaualgen. Dann plötzlich ist das Wasser wieder weitgehend klar. Wahrscheinlich hängt das mit der Strömung zusammen das die Blaualgen sich dann in solchen Streifen konzentrieren. Langsam zieht der Wind weiter an und damit nimmt auch die Welle zu. Beides bräuchte ich nicht denn in größeren Wellen, die von schräg hinten kommen, dreht das Boot immer wieder. Dabei geht es manchmal bedenklich nahe an die 160 Grad AWA (scheinbare Windrichtung). Ich kontrolliere die Windanzeige denn das dürfte eigentlich nicht sein. Doch der Wind kommt nicht direkt aus Ost, wie vorhergesagt, sondern inzwischen immer wieder etwas aus Nordost. Das ist nicht gut. Irgendwann wird mir das zu heikel und ich korrigiere den Kurs um 10 Grad.

Zur Erinnerung: Kommt der Wind direkt von hinten steigt das Risiko der Patenthalse – der Großbaum/das Großsegel schlagen unkontrolliert auf die andere Seite. Im schlechtesten Fall kann dabei ein Schaden am Rigg entstehen und im allerschlechtesten Fall hat man in dem Moment den Kopf zu weit oben – schon mancher Unfall hat so tödlich geendet.

Die Kreidefelsen kommen immer näher und ich möchte so langsam Richtung Sassnitz anluven. Doch davor berge ich die Fock denn jetzt, bei diesem Raumwindkurs ist sie noch gut und einfach zu bergen. Der Wind hat inzwischen weiter zugelegt und zeigt immer wieder einmal 18 Knoten. Damit einher gehen auch immer wieder größere Wellen. Jetzt segle ich auf Halbwind an der Küste entlang und mache noch einige Fotos von den Kreidefelsen.

Kurz vor dem Hafen werfe ich dann den Motor an um das Boot gegen den Wind zu bringen damit ich das Großsegel bergen kann. Kein Spaß bei dem Wind und der Welle. Mit Schaukelfahrt geht es dann in den Hafen und es ist wie im letzten Jahr: Dieser Hafen bietet einfach keinen wirklichen Schutz gegen Wind.

Letztes Jahr hatten wir (anfangs war noch meine Frau dabei) starken Wind aus Nordwest und hatten das gleiche Problem. Diesen Hafen kannst du in Bezug auf Windschutz einfach vergessen – egal aus welcher Richtung der Wind kommt. Er ist einfach viel zu groß für Sportboote und deshalb steht die Hafenmauer in keinem Verhältnis zur Größe des Hafens. Dementsprechend ist das Anlegemanöver wieder einmal Kampf und Krampf.

Zu meinem Glück habe ich wieder zwei Helfer am Steg und mit einem Hin und Her Manöver zurück an den Pfahl (und abgebrochenem Flaggenstock) schaffe ich es zwei Festmacher für das Heck zu befestigen. Ich hasse diesen Hafen…

Schlechte Aussichten….

Eigentlich wollte ich hier (gemütlich) einen Tag Pause machen und dann (ebenfalls gemütlich) den letzten Schlag machen. Doch bei diesem Wind und diesem Schwell im Hafen kann man nicht an gemütlich denken. Dazu kommt die Wettervorhersage – Freitag: Wind auf Südost drehend (die Richtung in die ich muss), gegen Mittag/Nachmittag Regen/Gewitter, Samstag: Regen/Gewitter, Sonntag: Regen, Montag: Regen/Gewitter. Mal sehen was ich mache.

Pause in Sassnitz

Donnerstag, 27. August 2026

Ich habe ja auch noch das Problem das ich arbeiten muss. Gestern war ich am Ende über 11 Stunden unterwegs. Deshalb mache ich heute Pause in Sassnitz auch wenn das Wetter gut ist. Doch der Wind soll mit etwa 15 Knoten starten und im Laufe des Mittags auf 20 Knoten in Böen anziehen. Und so kommt es dann auch – im Hafen Böen bis 24 Knoten (6 Bft.). Darauf hatte ich keine Lust.

Deshalb arbeite ich etwas und gehe am Nachmittag noch einmal in die Stadt, auch um etwas einzukaufen.

Alte Villa von 1873

Der Hafen Sassnitz

Weil es mich interessierte, habe ich mich etwas über den Stadthafen Sassnitz informiert. Der Hafen wurde ab 1889 als Fischerei- und Schutzhafen gebaut und war der erste Hafen auf Rügen für Schiffe mit größerem Tiefgang. Der Bau des Hafens hat viel zu der Entwicklung von Sassnitz beigetragen. Auch erkennbar daran, das Sassnitz erst 1957 zur Stadt erhoben wurde.

Sieht aus wie ein Industriehafen

Weiter wurde der Hafen später als Fährhafen ausgebaut. 1909 wurde eine Eisenbahnfährverbindung zwischen Sassnitz und Trelleborg (Schweden) eingerichtet. Aus der Zeit der Eisenbahnverbindung steht noch das Gebäude „Alter Bahnhof“ im Hafen und man sieht auch noch ein Stück der Gleise. Ein weiterer größerer Umbau erfolgte zwischen 1956 und 1959. Dabei entstand der sogenannte Glasbahnhof als Landungsplattform für den Fährbetrieb der heute noch neben der geschwungenen Fußgängerbrücke steht. Um Unfälle zu vermeiden, war der untere Teil den Pkws vorbehalten während der obere Teil für Reisende ohne Fahrzeug war.

Riesenrad, alter Bahnhof (Gebäude mit rotem Dach), Fußgängerbrücke – einmal würfeln bitte

Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde der benachbarte Fährhafen Mukran gebaut wodurch sich der gesamte Fährverkehr in den folgenden Jahren in diesen Hafen verlagerte. Seitdem wird versucht den Hafen als Tourismushafen zu beleben. Im Jahr 2000 wurde wohl einiges ohne Genehmigung (und Konzept) abgerissen wodurch die historische Bedeutung des Hafens als wichtiger Fährhafen nur noch schwer zu erkennen ist.

Insgesamt macht der Hafen auf mich einen etwas wirren Eindruck ohne Gesamtkonzept. Die „Hafenmeile“, an der sich einige gastronomische Betriebe und kleine Geschäfte reihen, wirkt irgendwie lieb- und ideenlos dazu passend noch ein britisches U-Boot als Museum – schön ist anders.

Dazu passt zum „Sportboothafen“ das die sanitären Anlagen weit, weit von den Liegeplätzen entfernt sind. Eilig darf man es da nicht haben. Die Sanitäranlagen sind zwar schön (relativ neu) und sauber aber für die Dusche benötigt man 2 Euro Münzen die für 3 Minuten reichen. So etwas hatten wir am Bodensee in den 80er/90er Jahren des letzten Jahrhunderts. Es hat keine Küche oder zumindest eine Möglichkeit Geschirr zu spülen. Es gibt einen Parkplatz der als Wohnmobilstellplatz ausgewiesen ist, aber keine Möglichkeit eine Campingtoilette zu entleeren.

Mülltrennung gibt es ebenso nicht – nur ein paar graue Restmülltonnen in die man alles unsortiert hineinwerfen kann (was zwangsläufig auch so gemacht wird). Die Herren der Stadt sollten einmal einen Ausflug nach Bornholm machen. Da haben selbst wir in unserem Segelclub ein besseres Müllkonzept.

Schwimmsteg (ohne Wasser)

Passend zu dem Gesamteindruck zum Hafen und der Stadt der Stand der AFD gegenüber dem REWE Einkaufsmarkt und die Erkenntnis, dass dies hier AFD-Land ist – laut Prognose soll die AFD bei der kommenden Landtagswahl im September hier die meisten Stimmen erhalten. Ich fühle mich nicht wirklich wohl hier…

Immer noch Sassnitz

Freitag, 28. August 2026

Laut Wettervorhersage hätte es heute Regen und auch Gewitter geben sollen. Am Vormittag kommt der Wind noch mit 15 Knoten in den Hafen. Die Prognose sagt für morgen geringere Regenwahrscheinlichkeit voraus, der Wind soll auf Südwest drehen und gegen Nachmittag auch nachlassen. Deshalb ist es mein Plan morgen gegen 10 Uhr abzulegen (etwas abhängig vom Regenradar) und dann sollte ich gegen 15 Uhr in Kröslin sein.

Ich gehe noch einmal Mittagessen und shoppe ein paar Mitbringsel für Nachbarn und Freunde. Ansonsten ist alles im grünen Bereich.

Der letzte Schlag – Kröslin

Samstag, 29. August 2026

Das Wetter war für heute etwas unsicher, ich rechnete mit etwas Regen und studiere am Morgen erst einmal Regenradar und Wetterbericht. Aber es sieht gut aus, es scheint trocken zu bleiben. Der Wind im Hafen ist erträglich mit etwas weniger als 10 Knoten. Gegen 9:30 Uhr lege ich dann ab, etwas früher als ursprünglich geplant. Etwas ungewiss ist noch was Wind und Welle machen. Ich rechne mit etwa 15 Knoten Wind aus Südwest.

Es geht sich dann recht gemütlich an, etwa 10 bis 11 Knoten Wind und praktisch keine Welle. Richtung der Landspitze Göhren segle ich fast auf Halbwind und es geht gut mit 5 bis 6 Knoten voran. Doch nach Göhren werde ich anluven müssen.

Blick zurück auf Sassnitz
Gegenan – die hakige Ostseewelle bremst

Auf dem Plotter sehe ich ein Boot der Behörde – Wasserschutzpolizei. Eine Kontrolle bräuchte ich jetzt nicht zum Ende und sie bleiben letztendlich eine Zeit begleitend auf Abstand. Der Wind hat zwischenzeitlich zugelegt auf 17 Knoten und ich muss immer wieder etwas das Großsegel fieren weil Johann, der Pinnenpilot, auf Anschlag ist. Der Wind bleibt auf Südwest womit klar wird, dass ich nach Göhren gegenan kreuzen muss. Ich beobachte einen Segler vor mir, der auch auf der Kreuz ist. Ein anderer scheint gegenan mit Motor unterwegs zu sein und macht gerade einmal 3 Knoten Fahrt. Ein wenig erinnert es mich an das letzte Jahr in den Stockholmer Schären. Nein, unter Motor gegenan das möchte ich nicht machen.

Also geht es gegenan auf Holebug und auf Streckbug. Das läuft an sich auch gut und wären da nicht ab und an die Böen mit 20 Knoten und die hakige Ostseewelle könnte das sogar Spaß machen. Aber es geht voran, ich komme Richtung Kröslin. Kurz vor den engen Fahrwassern hole ich die Fock ein und starte sicherheitshalber den Motor.

An der Einmündung in das breitere Fahrwasser, nach dem schmalen Fahrwasser, sitze ich auf

Nach dem schmalen Fahrwasser rechne ich damit den Motor zu benötigen und luve kurz vor der Einmündung an. Dabei übersehe ich eine grüne Tonne die ich hätte noch rechts liegen lassen müssen. Plötzlich stoppt das Boot auf – aufgesessen. Mist, kurz vor dem Ende noch so ein Lapsus. Ich fiere das Großsegel und zum Glück zieht mich der Wind langsam aus meiner misslichen Lage heraus. Wieder im Fahrwasser unter Motor berge ich das Großsegel, ich muss jetzt auch nicht auf Profisegler machen. Also geht es die letzten 2 Seemeilen unter Motor in die Marina.

Marina Kröslin in Sicht
Festgemacht – Kröslin

Am Steg dann gibt es ein „Begrüßungskomitee“ – ein Mitglied des Segeln-Forum war in den letzten Wochen mit mir im Kontakt und hatte meine Ankunft abgepasst. Nach dem Festmachen werde ich zu Bier und Burger eingeladen und wir schnacken etwas über das Segeln.

Es ist geschafft – 1850 Seemeilen

Es ist fast eine Punktlandung, am Montag kommt meine Frau vom Bodensee via Flughafen Berlin mit dem Leihwagen nach Kröslin. Nächste Woche Freitag ist der Termin zum Auswassern.

1850 sm (in etwa) in diesem Jahr liegen hinter mir. In Summe mit dem letzten Jahr 3350 sm. Das Ziel Gelbe Tonne und Haparanda und zurück nach Kröslin habe ich erreicht. Ich denke ich muss das jetzt erst einmal alles verdauen. Im Winter werde ich die Videos verarbeiten und ich denke es werden schöne Erinnerungen wach werden.

Was die Zukunft bringt? Ich weiß es nicht. Ein anderer Segler, mit dem ich mich auf Christiansø unterhalten hatte, stellte es in Frage, ob ich auf dem Bodensee noch Freude am Segeln haben könnte. Segeln auf der Ostsee ist schon etwas anderes, etwas vollkommen anderes. Ich musste die Tage etwas müde lächeln über einen Segler der am Bodensee bei 5 Bft. und 1 Meter Welle in Seenot geriet.

Ich denke vor allem wird mir die Weite fehlen. Auf der Ostsee, auf einem Kreuzkurs, segelt man 1/2 Stunde oder eine Stunde auf einem Bug. Auf dem Bodensee musst du oft nach 10, 15 Minuten schon wieder eine Wende machen. Auf der Ostsee segelst du 5, 6 oder 7 Stunden mit 5 Knoten Fahrt auf einem Bug. Am Bodensee würdest du, wenn das überhaupt einmal passiert, am anderen Ende aufschlagen. Hier liegen noch hunderte Seemeilen Wasser vor dir. Diese Weite wird mir sicher fehlen.

Ist dies das Ende des Blogs?

Ob dies das Ende des Blogs ist? Nein, nicht ganz. Mal sehen – für Wiederholungstäter werde ich noch einen Beitrag der Rückreise machen. Ich denke das interessiert vielleicht den einen oder anderen.

Dann habe ich noch einen Entwurf zu den Top 10 meiner Reise und einen anderen Entwurf zu Tipps zu Schwedens Ostküste und Finnland. Es kommt also sicher noch etwas hinterher. Aber für heute ist erst einmal Schluss…

Danke

Am Ende noch ein Danke. Danke allem voran an Walter und Heinz vom heimischen Segelclub die mich bei der Vorbereitung und unterwegs mit Rat und Tat unterstützten. Danke, an die Mitglieder des Segeln Forum die mir vor und während der Reise mit Tipps und Ratschlägen geholfen haben. Danke an die Menschen, die ich unterwegs kennenlernen durfte. Danke an meine Kinder, sie wissen für was. Und der größte Dank geht an meine Frau, die mir den Freiraum gegeben hat, dieses Abenteuer zu erleben.

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