Was tun, sprach Zeus

Sonntag, 14. August 2026

Der deutsche Segler der mir gestern beim Anlegen geholfen hatte meinte ja, dass das auch Montag nichts mit Christiansø wäre aufgrund des Schwells vom anhaltenden Südwestwind der letzten Woche. Und dann noch der starke Westwind heute.

Eine Option hatte ich jedenfalls gestrichen: Heute Utklippan anzulaufen. Utklippan kann zwar von zwei Seiten, von West oder von Ost, angelaufen werden, aber der Hamnguiden meint das bei starkem Wind und Welle beide Optionen schwierig sind.

Ich hatte noch einmal die Windvorhersage für die weiteren Tage studiert. Dienstag zuerst sehr schwach aus Nordwest, später drehend auf Südwest. Mittwoch Südwind, Donnerstag konfus aus südlicher Richtung eher schwach. Alles keine guten Aussichten. Also bleibe ich bei meinem Plan: Montag nach Christiansø. Besseren Wind bekomme ich die kommenden Tage nicht.

Jetzt blieb nur noch eine Frage: Heute noch raus auf eine der vorgelagerten Schären oder Montag direkt von hier los. Hinaus auf eine der Schären würde mir 5 sm bringen. Das ist etwa eine Stunde. Letztendlich entscheide ich mich hier in Karlskrona zu bleiben. Morgen früh gegen 7 Uhr möchte ich starten. Dann sollte ich gegen 17 Uhr Christiansø erreichen.

Es wird sicher keine Kaffeefahrt. Am Vormittag muss ich noch mit leichtem Regen rechnen. Wind wohl maximal 17 Knoten, meist 13 bis 15 Knoten. Welle 1 bis 1,5 Meter. Was etwas ungünstig ist: Gegen späten Nachmittag, zu der Zeit zu der ich Christiansø erreichen sollte, sollen Wind und Welle noch einmal anziehen. Aber ich habe inzwischen einen Plan B – falls die Einfahrt Christiansø zu heikel sein sollte, werde ich direkt die Nordostküste Bornholms ansteuern. Das sind etwa 10 sm. Und sollte der Wind dann so sein, dann habe ich einen Schnitt von 5 Knoten also etwa 2 Stunden.

Vorhersage des Deutschen Wetterdienst

Wie jeden Abend telefoniere ich mit meiner Frau und wir unterhalten uns über den Unterschied zwischen letztem Jahr und diesem Jahr. Letztes Jahr war ich gegen Ende meiner Reise recht entspannt. Nachdem ich Åland abgebrochen hatte und zurück am schwedischen Festland war, lag ich gut im Zeitfenster und ich hatte nur überschaubare Etappen von etwa 25 sm der Küste entlang zu machen. Jetzt habe ich zum Ende meiner Reise solch lange Etappen auf denen ich stark wind- und wetterabhängig bin.

Draußen auf der Ostsee sehe ich am Abend viel Verkehr auf dem Plotter. Sicher 30 bis 40 Frachter die in dem Gebiet unterwegs sind. Ich erinnere mich nicht daran im letzten Jahr auf der Etappe so viele Frachter gesehen zu haben.

Nächstes „Problem“: Sollte ich morgen Christiansø erreichen, sehe ich bis einschließlich Freitag kein günstiges Windfenster die Westküste Bornholms zu erreichen.

Das alles stresst mich etwas. Hätte ich unendlich Zeit, würde ich hier eine Woche im Archipel verbringen und auf einen günstigeren Moment warten.

Was Otto betrifft….

Inzwischen bin ich etwas schlauer was das Wasser unter dem Motor betrifft. Ich dachte zuerst es wäre der Impeller bzw. die Dichtung am Deckel. Andreas gab mir den entscheidenden Tipp: Es ist die Seewasserpumpe selbst bzw. die Dichtung bzw. Simmerring zur Welle welche die Pumpe antreibt. Ich habe dazu inzwischen ein paar Infos gefunden. Einige tauschen die Pumpe komplett aus, Kostenpunkt (Nachbau) etwas mehr als 100 Euro. Die Dichtungen/Simmerringe verhindern das Wasser über die Welle in den Motor gelangt und somit das Motoröl unbrauchbar macht. Deshalb kontrolliere ich jetzt fortlaufend den Schraubdeckel wo das Motorenöl eingefüllt wird. Kommt das Motorenöl mit Wasser zusammen wird es milchig, schaumig. Das sieht man zuerst an diesem Deckel. Aber machen könnte ich im Moment sowieso nichts. Ich kann nur hoffen das es bis Kröslin hält.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir alle genug haben. Johann, der Pinnenpilot, Otto, der Motor und auch mir reicht es langsam. An den Händen habe ich Schwielen vom vielen Schoten und Fallen ziehen und ich habe keinen Bock mehr auf diesen Stress durch Wind und Wetter.

Nichts mit Christiansø – Gudhjem

Montag, 17. August 2026

Ich möchte den guten Westwind nützen um zurück zu kommen. Mein Ziel ist Christiansø. Im letzten Jahr benötigten wir 13 1/2 Stunden von Christiansø nach Karlskrona. Allerdings schlief da gegen Ende der Wind ein. Trotzdem, es bleiben etwa 55 Seemeilen und selbst bei einem sehr guten Schnitt von 5 Knoten sind das 11 Stunden. Also klingelt um 6 Uhr der Wecker. Ich brauche nicht viel, einen Kaffee, etwas frisch machen und dann gut einpacken denn ich rechne mit etwas Regen.

Um 6:45 Uhr habe ich losgemacht. Die Niederländer sind schon weg, ein anderes deutsches Segelboot macht zeitgleich mit mir los. Anfangs geht es noch etwas durch die Schären. Gerade als ich das Großsegel oben habe läuft eine Fähre ein. Ich habe aber auch ein „Glück“. Also schaue ich gleich wie ich dieser ausweiche.

Ein letzter Blick zurück
Die letzte vorgelagerte Insel

Ich weiß nicht was mich draußen auf der Ostsee erwartet. Ich rechne mit allen Möglichkeiten – 10 bis 17 Knoten Wind, 0,5 bis 1 Meter Welle und etwas Regen. Aber es ist dann besser als befürchtet. Der Wind ist um die 10 bis 13 Knoten, 0,5 Meter Welle und es ist trocken.

Bei 10 bis 13 Knoten Wind auf Halbwindkurs geht es gut voran

Bei 10 bis 13 Knoten Wind auf Halbwindkurs habe ich bald einen Schnitt von 5,2 Knoten. Das passt. Wenn es so gut weiterläuft sollte ich zwischen 17 und 18 Uhr in Christiansø sein. Mit mir sind drei weitere Segelboote in etwa auf gleichem Kurs. Wobei ich derjenige bin, der am meisten versucht etwas Höhe zu machen. Abfallen kann man immer aber wenn man Höhe verloren hat und der Wind ungünstig dreht, dann wird es schwierig. Und das war auch eine gute Entscheidung denn der Wind kommt nicht so direkt aus West wie vorhergesagt, eher Südwest. Genau gesagt pendelt er zwischen 240 und 260 Grad.

Dann geht es auf das Verkehrsgebiet zu. Es sind einige Frachter unterwegs und ein Schlepper, der eingeschränkt manövrierfähig sein soll (sagt mir das AIS). Bald sehe ich auch weshalb – er schleppt irgendeinen großen Klotz hinter sich her. Ich prüfe die vom Plotter berechnete geringste Annäherung und wann diese eintrifft. Der Wind lässt jetzt etwas nach, geht sogar runter auf 8 Knoten und meine Geschwindigkeit geht runter auf 3 Knoten denn die Welle bleibt. Da mir das zu riskant mit den Frachtern wird, werfe ich den Motor zur Unterstützung an damit ich wenigstens etwa 4,5 Knoten mache. Der Schlepper geht hinter mir durch und ich gehe vor einem parallel fahrenden Frachter durch. Jetzt kommt doch noch ein angekündigter Regenschauer. Aber er erweist sich als harmloser als er noch von weitem aussah. Auch die Sicht bleibt dabei noch einigermaßen gut.

Der Wind zieht schließlich wieder etwas an auf 10 bis 11 Knoten und der Motor hat wieder Pause. Jetzt warte ich noch ob der angekündigte stärkere Wind kommt. Ich sollte am frühen Nachmittag in das Gebiet hinein kommen und dieser sollte bis zur erwarteten Ankunft halten. Erst gegen Abend soll der Wind dann wieder abschwächen. Ich schaue auf die Windanzeige und sehe wie sie kontinuierlich steigt. Erst 11, dann 12, dann13 Knoten und auf einmal, fast von einer Minute auf die andere, zieht er an auf 17 Knoten. Und dann kommt die Welle dazu die schnell auf einen Meter steigt. Aber es geht soweit noch ganz gut zu segeln. Nicht ganz so optimal wie von Gotland nach Öland da ich höher am Wind segeln muss. Jetzt häufen sich dann noch die Ausreißer mit 20 Knoten Wind und es kommen immer mehr Wellen über das Boot und in das Cockpit.

Ich zweifle zunehmend unter diesen Bedingungen Christiansø anlaufen zu können. Bei der Welle und dem Wind, vor allem auch der Windrichtung, möchte ich das nicht wagen. Die Einfahrt nach Christiansø ist vom Süden und wenn der Wind aus Südwest kommt wäre das Wellenreiten. Ich beobachte die anderen Segler auf dem AIS. Ein Boot vor mir scheint direkt Bornholm anzusteuern. Ein anderes welches ich abgehängt habe (er hatte seine Fock geborgen – warum auch immer) scheint noch nicht zu wissen was er will. Der dritte scheint Christiansø anzusteuern, allerdings dann von der Ostseite zur Einfahrt kommend. Ich warte noch, noch habe ich etwa 2 Stunden Zeit zu entscheiden. Die Wellen sind jetzt massiv, immer wieder ein, zwei die höher als 1 Meter sind. Parallel schaue ich schon einmal welchen Hafen auf Bornholm ich bei meinem Kurs gut anlaufen könnte. Gudjhem würde passen, den hatte ich schon am Vorabend als Option ausgemacht.

Bornholm in Sicht
Gudhjem erreicht

Nach zwei Stunden treffe ich die Entscheidung – Bornholm. Unter den Bedingungen möchte ich Christiansø nicht anlaufen. Das bedeutet zwei weitere Stunden segeln. Mein Schnitt ist soweit gut. Trotz der Welle halte ich die 5,1 Knoten. Und dann ist Bornholm in Sicht. Ich hoffe ja, da ich von Norden komme und der Wind aus Südwest kommt, in Landnähe etwas Abdeckung vor Wind und Welle zu haben. Ich beobachte den Segler vor mir auf dem AIS, aufgrund seines Kurses ist er wohl gerade dabei das Großsegel zu bergen. Dann dreht er und steuert auch Gudjhem an. Der andere Segler, der Chrstiansø ansteuerte ist an der Ostseite herum gegangen und legt jetzt aber auch Kurs auf Bornholm an. Also habe ich die richtige Entscheidung getroffen.

Festgemacht in Gudjhem – mittleres Hafenbecken

In Landnähe lässt die Welle dann etwas nach aber der Wind bleibt in der Stärke. Inzwischen ist es 18 Uhr. Laut Windfinder und Windy sollte er um die Zeit abflauen auf 3 Bft. Aber der Wind hält sich nicht an die Vorhersage. Die Fock bei über 15 Knoten Wind bergen ist immer etwas anstrengend und ich bin wieder einmal froh als sie eingerollt ist. Jetzt unter Motor in den Wind fahren um das Großsegel zu bergen und schon geht es Richtung Einfahrt.

Gudjhem hat drei Hafenbecken. Das äußere bietet Platz für ein bis zwei größere Boote um längsseits zu liegen. Im mittleren Becken soll es Mooringleinen haben und im dritten Hafenbecken Plätze die belegt werden dürfen wenn sie auf Grün stehen. Ich komme in das zweite Hafenbecken und ein Mann kommt auf die Mauer um mir zu signalisieren, dass ich außen neben einem anderen kleinen Segelboot festmachen soll. Ich fahre einen engen Halbkreis, Miss Sophie kann das, und liege daneben. Es hat keine weitere Mooringleine weil das kleine dänische Segelboot (eine junge Mannschaft) es vergeigt hat und eine Mooringleine ausgelassen hatte. Egal, ich mache mich an dem kleinen Segelboot nach hinten und seitlich fest und für die Bugleinen hat es ein Rohr auf der Hafenmauer. Nach 12 1/2 Stunden, 63 sm habe ich Dänemark erreicht, ein wichtiges Etappenziel.

Jetzt habe ich noch 10 Tage Zeit wobei ich noch einen größeren Schlag machen muss – den von Bornholm auf Rügen. Das sind auch etwa 55 sm. Nächsten Samstag/Sonntag muss ich jedenfalls nicht nach Sassnitz – da findet der Sail Grand Prix vor 13.000 Zuschauern statt.

Und noch die Gastlandflagge wechseln

Ein Tag in Gudjhem

Dienstag, 18. August 2026

Bornholm hatte ich jetzt ja noch nicht wirklich gesehen. Im letzten Jahr waren wir nur eine Nacht im Rønne Lystbådehavn Nørrekås. Also auch nicht direkt in Rønne. Und das war am 01. Juni – da fanden wir noch Schneereste… Von dort ging es dann gleich weiter nach Christiansø.

Da ich jetzt also Zeit habe, war der Plan etwas Zeit auf Bornholm zu verbummeln. Also nütze ich den Nachmittag mir etwas Gudhjem anzusehen. Was mir zuerst auffällt, ist die Menge an Touristen. Das liegt sicher nicht nur am Ort selbst sondern auch daran, das von hier das Schiff nach Christiansø fährt. Soweit ich es beobachten konnte ist das immer recht gut gebucht und das hatten wir schon im letzten Jahr in Christiansø gesehen, dass dieser Transport recht beliebt ist.

Gudjhem selbst nennt sich auf seiner Internetseite „einzige Bergstadt“. Also ja, auffallend sind die Felsen bzw. Klippen und vom Hafen zum Lebensmittelladen muss man einen Höhenunterschied von 70 Metern überwinden. Was zuerst ins Auge fällt sind die farbenfrohen Häuser, teilweise mit Fachwerk. Sieht eigentlich ganz schnuckelig aus der Ort. Dann wirbt der Ort selbst Ausgangspunkt für einen Besuch von Christiansø zu sein.

Es soll hier noch einen schönen Abschnitt des Küstenwanderwegs geben. Der 120 km lange Küstenwanderweg ist in 7 Abschnitte unterteilt. Für morgen ist Regen vorhergesagt. Mal sehen ob das Wetter gegen Abend noch so gut ist, das ich ein Stück davon gehen kann.

Alles in allem macht der Ort einen ganz schnuckeligen Eindruck.

Das fand ich interessant das die Dänen auch ein Schiff in der Kirche aufhängen

Der unschöne Teil…

Nun zu einem etwas unschöneren Teil: Ich hatte ja gestern geschrieben, dass ich im mittleren Hafenbecken einen Platz gefunden hatte. Dann gibt es am Ende noch ein drittes Hafenbecken in dem man liegen kann wenn der Platz Grün markiert ist. Ich bin froh nicht da hinein gefahren zu sein (es hätte freie Plätze gehabt). Im hinteren Hafenbecken liegt ein übler Schleim auf der Wasseroberfläche und wenn man daran vorbei geht (was man machen muss wenn man in den Ort, zu den Sanitäranlagen oder zum Bezahlautomaten möchte), dann hat es einen Gestank original wie Kläranlage. Das ist wirklich extrem übel. Die Ursache sind Blaualgen.

Blaualgen im hinteren Hafenbecken

Die Verbreitung der Blaualgen in der Ostsee hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Und das hat auch zwei einfache Gründe: Zum einen der Klimawandel, der kommt auch an der Ostsee an. Warme Temperaturen fördern das Wachstum der Blaualgen. Der zweite Grund ist Überdüngung. Das gleiche Problem hatten wir in den 70er Jahren am Bodensee. Düngemittel aus der Landwirtschaft gelangen über die Zuflüsse in die Ostsee.

Ich hatte gestern auf dem Schlag zwischen Karlskrona und Gudjhem, zwischen dem Verkehrsgebiet und Christiansø auch so einen braunen Streifen auf der Ostsee gesehen und dachte zuerst an Umweltfrevel. Also das irgendein Tanker hier etwas abgelassen hat. Aber es waren ebenfalls Blaualgen. Man sieht diese mittlerweile auch auf Satellitenbildern.

Zweiter Tag in Gudjhem

Mittwoch, 19. August 2026

Für heute waren Regenschauer und weiter Wind mit etwa 15 Knoten aus West vorhergesagt. Aus diesem Grund blieb ich einen weiteren Tag hier und nützte auch die Gelegenheit wieder ein paar Stunden bei der Arbeit aufzubauen – ich werde sie wohl nächste Woche gebrauchen können.

Gegen späten Nachmittag sollte es wieder aufklaren und ich wollte los um ein Stück auf dem Küstenwanderweg zu gehen. Aber die Kollegen ärgern mich etwas und halten mich auf. Schließlich komme ich doch noch los. Es ist ein sehr schöner Weg der sehr gut angelegt ist. Immer wieder hat man Aussichtspunkte. Der Weg geht etwas auf und ab ist aber gut zu gehen. An einem Platz sehe ich zwei jüngere Frauen die ihr Zelt aufgebaut haben. In der Nähe ist mit einem Schild auch eine Möglichkeit zum zelten und ein WC ausgewiesen. Diese Variante den Küstenwanderweg zu gehen scheint also auch recht beliebt zu sein. Schön, dass so etwas möglich ist.

Die Hafeneinfahrt von Gudjhem

Morgen möchte ich am Nachmittag den Versuch unternehmen, doch noch Christiansø zu erreichen. Sollte es nicht möglich sein in Christiansø einzulaufen, drehe ich um und werde einen anderen Hafen an der Nordostküste von Bornholm ansteuern. Von hier sind es nur 10 sm nach Christiansø – das sollte ich in 2,5 Stunden schaffen.

Warten auf schwächeren Wind – Christiansø

Donnerstag, 20. August 2026

Also erstens habe ich noch Zeit und zweitens wollte ich, wenn es irgendwie möglich ist, noch nach Christiansø. An viele und schöne Orte meiner Reise kann man mit dem Auto kommen aber Christiansø ist so ein Ort, da kommt man nicht so schnell wieder hin. Sicher, es gibt die Touristenschaukel die von Gudhjem aus fährt. Aber dazu musst du erst einmal nach Bornholm kommen.

Bis zum Nachmittag soll der Wind noch kräftig aus West kommen, etwa 15 bis 20 Knoten. Auf diesen Wind und diese Welle hatte ich keine Lust. Gegen Abend soll der Wind nachlassen auf 3 bis 4 Bft. Ich überlege welches ein guter Zeitpunkt ist zu starten. Denn sollte ich vor Christiansø wegen Wind und Welle scheitern, dann muss ich abdrehen zurück nach Bornholm. Also noch weitere 2 bis 3 Stunden.

Ich versuche denn passenden Zeitpunkt so zu finden, das ich etwa zwischen 17 und 18 Uhr vor Christiansø sein sollte. Es sind nur 10 sm, also etwa 2 Stunden. Gegen 15.30 Uhr lege ich dann ab. Im Hafen sieht es gut aus, kaum Wind aber aus dem Hafen draußen habe ich dann gleich deutlich mehr Wind und vor allem Welle. Wind etwa 15 Knoten und Welle 0,5 Meter wobei immer wieder ein paar größere kommen. Ich habe Raumwind-Kurs d.h. der Wind und auch die Welle kommen von schräg hinten. Das ist ungünstig denn bei jeder größeren Welle dreht das Boot um 30 bis 40 Grad, etwas was ich überhaupt nicht mag. Aber die Geschwindigkeit passt, im Schnitt 5 Knoten. Damit sollte ich in 2 Stunden in Christiansø sein.

Blick zurück nach Gudjhem
Nur mit Großsegel, der Schnitt von 5 Knoten reicht mir

Immer wieder denke ich mir, dass der Wind jetzt doch nachlassen müsste. Aber der Wind hält sich mal wieder nicht an der Vorhersage. Ich segle nur mit dem Großsegel, mehr braucht es nicht. Kurz vor Christiansø wird dann das Segel geborgen und ich steuere auf die Einfahrt zu. Jetzt habe ich die Welle von der Seite und es ist eine ordentliche Schaukelfahrt. Gas geben und rein kommen ist die Devise. Die meisten Heckbojen an der Westseite sind frei doch alleine mit dem Wind gegenan und einer gemauerten Hafenmauer möchte ich das nicht riskieren. Ich fahre weiter zu den längsliegenden Booten. Es gibt schon einige Päckchen. Kurz vor der Brücke liegt ein deutsches Segelboot, sie waren auch in Gudhjem. Ich fahre daran vorbei und frage ob es in Ordnung ist, wenn ich zu ihnen ins Päckchen gehe – ist in Ordnung. Sie hatten schon Fender draußen. Ich drehe noch eine Runde, Fender hatte ich in der Vorahnung schon an der Steuerbordseite ausgebracht.

Ich stoppe das Boot parallel zu ihnen mit einem halbem Meter Abstand. Den Rest macht der Wind, der von der Seite kommt. Schnell sind wir miteinander verbunden. Kurzer Smalltalk – sie möchten morgen nach Karlskrona und dann weiter Richtung Stockholm.

Miss Sophie im Päckchen

Ich beeile mich noch in das Restaurant zu kommen. Schon letztes Jahr hatten wir hier gut gegessen und es ist wieder einmal sehr gut.

Wer jetzt denkt: „Wieso fährt er denn jetzt zurück Richtung Norden?“ – es ist weiter Westwind vorhergesagt. D.h. Richtung Westen gegenan kämpfen bei 20 Knoten Wind und 1 bis 1,5 Meter Welle ist mit meinem Boot fast sinnlos. Von hier kann ich am Samstag bei Nordwest Allinge ansteuern. Das ist zwar am Wind aber nicht hoch am Wind. Der einzige Nachteil: Ich muss Samstag früh los denn gegen Mittag soll der Wind auf West drehen.

Und dann muss ich sehen wie ich um das Eck komme, also die Nordwestspitze Bornholms. Im Notfall irgendwie mit Hilfe des Motors. Wenn ich da herum bin, dann stört mich der Westwind nicht mehr und ich kann Rønne ansteuern. Wenn der Plan aufgeht, dann könnte ich voraussichtlich Dienstag guten Wind haben, um den letzten großen Schlag von Bornholm nach Sassnitz zu machen. Soweit der Plan. Aber jetzt werde ich morgen Nachmittag noch einmal schön Christiansø genießen.

Die Frösche sind nicht da – Christiansø

Freitag, 21. August 2026

Nach getaner Arbeit mache ich einen Spaziergang über die Insel und dabei eine große Enttäuschung: Die Frösche sind nicht da. Im letzten Jahr, als wir Anfang Juni hier waren, hatten wir ein herrliches Froschkonzert. Doch die Regenauffangbecken sind leer oder fast leer. Ich kann nicht beurteilen ob das um diese Jahreszeit normal ist oder ob die Trockenheit auch auf Christiansø angekommen ist.

Dafür ist diesmal der große Festungsturm geöffnet. Der war letztes Jahr geschlossen und so nütze ich die Gelegenheit diesen zu besichtigen. Im Innenraum findet sich einiges über die Geschichte von Christiansø. Die Insel wurde von den Dänen als Antwort auf den Ausbau von Karlskrona zum Flottenstützpunkt durch die Schweden befestigt. Erst den Britten gelang es viele Jahrzehnte später Christiansø zu zerstören aber anlanden konnten auch sie nicht.

Dänisch ist eine lustige Sprache – Møntvask = Waschmaschine

Dann genieße ich einfach noch etwas die Spätsommersonne und die herrlichen Gassen hier. Gegen Abend unterhalte ich mich noch mit einem anderen deutschen Segler, der auch im Segeln-Forum ist, bei einem Bier. Vor allem die Ostseewelle ist immer wieder Thema. Er kommt von der Nordsee wo die Welle wohl angenehmer, länger sein soll als diese hackige Ostseewelle. Ich selbst habe keinen Vergleich fand die Welle aber auch immer wieder anstrengend.

Morgen soll es sehr früh los gehen denn da soll der Wind noch erträglich sein. Es geht zurück auf Bornholm – Allinge ist das Ziel. Dann bin ich fast an der Nordwestspitze Bornholms.

Die Gunst der Stunde genutzt – Hasle

Samstag, 22. August 2026

Eigentlich sollte es heute nach Allinge gehen. Die Windvorhersage war Nordwest. Also ein leichter Am-Wind-Kurs. Ich habe etwas unruhig geschlafen weil ich sehr früh raus wollte. Am frühen Morgen sollte der Wind und damit die Welle sehr schwach sein. Schon bevor der Wecker um 6 Uhr klingelte stand ich auf um etwas zu frühstücken und einen Kaffee zu trinken. Dann machte ich gleich alles segelfertig. Alle anderen schliefen noch.

Blick zurück auf Christiansø

Raus aus Christiansø, als ich die Segel gesetzt hatte, war ich überrascht. Der Wind kam fast aus Nord – 350 Grad. Ich überlegte was ich mit dieser neuen Lage mache und plane kurzfristig um. Wenn der Wind so gut ist, etwa 10 Knoten, keine Welle, dann möchte ich die Gelegenheit nützen um gleich um die Nordspitze Bornholm herum zu kommen. Denn das war etwas was mir noch etwas im Magen lag. Die ist zwar von Allinge nicht weit (etwa 3 sm), aber einen Wind zu haben, der sowohl Richtung Nordnordwest als auch Richtung Südsüdwest gut ist, das gibt es praktisch nicht.

Die Bedingungen sind gut, nur ab und an später eine etwas größere Welle

Ich hoffe nur das der Wind hält. Er dreht dann zwar etwas Richtung Nordwest aber ich kann immer noch gut am Wind den Kurs Richtung Hammerodde halten. Langsam nimmt der Wind an Stärke zu und es kommen die ersten Wellen über das Vordeck. Vor der Nordspitze Bornholms dreht der Wind dann endgültig Richtung West Nordwest aber jetzt kann ich abfallen und segle auf halbem bis raumen Wind mit 5 bis 6 Knoten. Nach 4 Stunden stehe ich vor Hasle und kann die Segel bergen. Mit gut Welle von der Seite geht es in den Hafen in dem einige Gaffelkutter liegen. Das Hafenbecken 3 ist dadurch weitgehend belegt. Im Hafenbecken 2 liegt ein deutsches Segelboot und an der Mauer ist genügend Platz um längsseits festzumachen. Also noch eine Runde drehen, Fender ausbringen und schon geht es an die Mauer.

Festgemacht – Hasle Havn

Für morgen sind Regen und Gewitter vorhergesagt, Montag starker Wind aus West (etwa 20 Knoten), Dienstag kein Wind. Also ist der Plan am Dienstag gemütlich die 5 sm nach Rønne zu machen und Mittwoch sollte der Wind ideal für den Sprung nach Sassnitz sein. Die letzten Segeltage brechen an…

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