Author

wp_admin

Browsing

Zurück am Ziel – Gävle

Sonntag, 10. August 2025

Zurück am Ziel – komischer Titel. Aber ich war/bin auf dem Rückweg und habe heute das Ziel meines Rückwegs erreicht. Das lief jetzt wesentlich besser als gedacht. Der Segeltag heute war dazu aber auch perfekt. Wind aus Südwest bzw. West. D.h. der Wind kommt vom Land, dadurch hatte es keine Welle. Außerdem am Wind (nicht hart am Wind), da läuft Miss Sophie recht gut. Deshalb hatte ich mir diese knapp 35 sm für heute auch vorgenommen. Kurz nach 10 Uhr legte ich ab und konnte bald die Segel setzen. Der Wind drehte im laufe des Tages immer wieder etwas weshalb ich den Pinnenpilot (Johann) wieder auf Wind-Kurs einstellte. 5 Grad hin oder her machten bei der Strecke nichts aus – die konnte ich später korrigieren. So gab es für mich wenig zu tun. Ab und an etwas nach dem Segeltrimm schauen. Miss Sophie segelte mit 4 bis 5 Knoten dahin. Der Tag war so gemütlich, dass ich mir unterwegs sogar etwas kochen konnte.

Rückblick auf Storjungfrun
Rausschauen und die Landschaft vorbei ziehen lassen

Auf dem Plotter sah ich hinter mir die „Ballerina“. Eine schwedische Segelyacht, der ich auf meinem Weg öfter begegnet bin, zuletzt in Örnsköldsvik. Aber sie biegt ab Richtung Südost – ich bin auf dem Kurs Südsüdwest. Eine Zeit lang fährt in einiger Entfernung die Küstenwache parallel zu mir. Also den ganzen Tag nichts aufregendes. Nach Gävle hinein drehte der Wind immer wieder kräftig und schwankte auch sehr stark in der Stärke weshalb ich letztendlich die Segel herunter holte und noch 1 Sunde unter Motor hinein fuhr.

Beim Anlegen hilft mir ein Segler aus Finnland. Nach 7 Stunden und 30 Minuten ist Miss Sophie festgemacht. Nur eine unschöne Überraschung: Der Landstrom am Steg ist „out of order“. Morgen muss ich arbeiten. Mal sehen ob ich mit dem restlichen Strom in meinen Batterien auskomme. Zudem soll es morgen bedeckt ein.

Jetzt bin ich wesentlich früher da als gedacht und habe 3 1/2 Wochen übrig. Ich hatte mit 20 bis 30 Tagen von Örnsköldsvik bis Gävle gerechnet. Dazu noch etwas Reserve. Gebraucht habe ich jetzt 15 Tage. Und das ohne Stress. Am 5. September habe ich hier in Gävle den Termin zum auskranen. Miss Sophie wird den Winter hier in Gävle verbringen. Jetzt überlege ich, was ich mit der Zeit mache. Morgen werde ich erst einmal einkaufen und meine Vorräte wieder auffüllen. Vor allem Obst und Gemüse… Und falls es immer noch keinen Strom haben sollte, werde ich den Hafen wechseln.

Spät am Abend sehe ich dann zum ersten Mal seit vielen Wochen wieder Sterne am Himmel – diesen Anblick hatte ich fast vergessen.

Krönender Abschluss des Tages….
Storjungfrun > Gävle (34 sm)

Alles erledigt und bessere Startposition bezogen

Montag, 11. August 2025

Nachdem ich meine Einkäufe erledigt, geduscht, das Geschirr gespült, alles sortiert und natürlich gearbeitet habe, habe ich den windstillen Abend genützt eine bessere Startposition zu beziehen. Außerdem war im Stadthafen gerade der Landstrom „out of order“. Da ich noch nicht genau weiß, was auf mich die nächsten Tage zukommt, möchte ich gerne alle Batterien und Akkus voll geladen haben. Meine LiFePo Batterien waren jetzt knapp unter 50% und heute war es in Gävle bedeckt. D.h. keine Chance mit Hilfe von Solar diese zu laden.

Also ging es wieder raus nach Huseliiharen. Das letzte Mal, als ich vor einigen Wochen vom Stadthafen hier raus fuhr, hatte es mich ja voll im Gewitter erwischt. Diesmal studiere ich den Regenradar (Lessons learned).

Wieder raus aus Gävle. Sieht bedrohlicher aus als es war (es war nichts)
Vorbei an den Container-Verladestellen

Aber es ist alles ruhig und windstill. Perfekt zum Anlegen mit Heckboje. Denn ich rechne eigentlich nicht mit anderen Gästen dort. Das letzte Mal lag ich dort auch alleine. Doch es liegen eine schwedische und eine deutsche Segelyacht am Steg. Die Schwedin sieht mich kommen und fängt meinen Bugkorb auf und nimmt meine Bugleine – das ist immer hilfreich. Auch wenn ich jetzt meine Technik für dieses Anlegen entwickelt habe.

Dann sehe ich den deutschen Segler. Welche Überraschung – wir waren uns in Hudiksvall begegnet. Ich auf dem Weg Richtung Süden und er mit seinem Segelkameraden auf dem Weg Richtung Norden. Doch sein Segelkamerad wurde krank und musste nach Deutschland zurück fliegen. Jetzt ist er alleine auf dem Weg Richtung Süden und muss in 7 Tagen in Stockholm sein wo seine Frau dann an Bord kommt.

Ich werde heute Abend noch etwas die Möglichkeiten für die nächsten 2 – 3 Wochen studieren. Für morgen ist erst einmal Nordwind angesagt. Ideal für mich denn ich muss jetzt erst einmal ein Stück Richtung Südost wenn ich auf die Åland Inseln möchte.

Wieder festgemacht in Huseliiharen. Hier wartete ich vor ein paar Wochen auf die Lichtmaschine

Am Abend habe ich dann das erste Mal seit einigen Wochen den Heizlüfter wieder angeworfen. Es ist kühl geworden. Und da ich Landstrom habe, gönne ich mir diesen Luxus.

Die 2.000 Kilometer sind voll

Beim Segeln wird bekanntermaßen in Seemeilen gemessen. Vor kurzem hatte ich die 1.000 Seemeilen voll. Was das bedeutet, sagt Nicht-Wassersportlern wahrscheinlich wenig. Eine Seemeile sind 1,852 Kilometer. Jetzt habe ich etwas mehr als 1.100 Seemeilen und damit 2.000 Kilometer hinter mir. Nicht von zu Hause sondern nur unterwegs auf der Ostsee mit Miss Sophie – Wahnsinn.

Zu wenig Wind…

Dienstag, 12. August 2025

In Huseliiharen nütze ich noch die Gelegenheit für Lunch im Restaurant. Das ist eine günstige Gelegenheit zum Essen in Schweden. Dann geht es los Richtung Öregrund. Ich hatte den Hafen Ängskär auf der Liste weil ich den noch nicht kannte. Als Ausweichziel die Ankerbucht Rödhall denn es war wenig Wind vorhergesagt. Meine Hoffnung war, dass es Nordwest hat. Aber zuerst ging es raus aus dem Fahrwasser von Gävle.

Blick zurück auf Huseliiharen
Björns Fyr – kein Wind

Bei 7 Knoten Wind zog ich die Segel hoch. Doch der Wind kam aus Südost und ich musste nach Südost. Ich versuchte zu kreuzen doch bei 2,5 Knoten Fahrt gab ich dann auf. Da wäre ich, wenn überhaupt, erst weit nach Mitternacht irgendwo angekommen. Also Motor an. Ängskär habe ich aufgegeben – das wäre noch einmal eine Stunde mehr gewesen. Also wieder die Ankerbucht Rödhall angesteuert.

Diesmal war ich nicht alleine hier. Es lag bereits ein Boot in der Bucht. Also habe ich die Möglichkeit ganz tief in der Bucht angesteuert. Etwas tricky weil man zwischen einigen Steinen und Untiefen hindurch manövrieren muss. Dafür habe ich hier aber noch besseren Schutz vor dem Wind aus Süd der in der Nacht etwas auffrischen soll. Mal sehen was der nächste Tage bringt…

Diesmal nicht alleine in der Ankerbucht

Einfach weiterkommen….

Mittwoch, 13. August 2025

Am frühen Nachmittag lichte ich den Anker. Ich lag sehr gut in der Ankerbucht. Aber es war auch wenig Wind in der Nacht. Auch für heute war nicht viel Wind vorhergesagt. Aber es war dann weniger als wenig. Zuerst versuchte ich es noch unter Segel, reffte das Großsegel aus. Doch bei 7 Knoten Wind gegenan gab ich auf. Also wieder Motor an.

In Schleichfahrt raus aus der Ankerbucht – Steine unter Wasser sieht man schlecht
Einfahrt Öregrund

Heute war die Ostsee glatt wie ein Spiegel – also spiegelglatt. Das einzige positive: Es wurde eine extrem ruhige Motorfahrt. So konnte Johann den Job und ich es mir bequem machen. Andere Boote waren kaum unterwegs.

Vielleicht stellt jemand die Frage: Weshalb ich gestern und heute nicht auf besseren Wind gewartet habe. Die Antwort ist einfach: Ab Freitagmittag bis Sonntag soll es Starkwind aus Süd geben. Am Sonntagmittag bis 33 Knoten in Böen – das sind 7 Beaufort. Ich hätte (vielleicht) also morgen von Gävle bis in die Ankerbucht Rödhall (mit Gegenwind) segeln können und hätte es vielleicht Freitagvormittag noch nach Öregrund geschafft. Dann hätte ich zwei zusätzliche Tage im teuren (s. weiter unten) und langweiligen Hafen von Öregrund gehangen ohne Chance rüber auf die Åland-Inseln zu kommen.

Wenn mein Plan aufgeht, erreiche ich morgen Enskär auf den Åland-Inseln und schaffe es Freitagvormittag von Enskär nach Marienhamn. Zum einen bin ich dann im geschützten Archipel der Åland-Inseln und zum anderen, falls es nicht segelbar sein sollte, habe ich mit Marienhamn eine Stadt anzusehen und ggf. Einkaufsmöglichkeiten.

Gegen 19 Uhr erreichte ich dann Öregrund. 20 Seemeilen in 4:45 Stunden. Ich hatte die Maschine gemütlich laufen lassen, da braucht sie nicht so viel Diesel. Immer wieder nett finde ich die Hafenmeisterin, die einen Platz in der Art eines Einweisers auf dem Airport zuweist, die Festmacher übernimmt und die Mooringleine reicht. Aber 370 SEK mit Strom finde ich schon heftig für den Liegeplatz. Das ist nach Dalarö der zweitteuerste Liegeplatz in Schweden (später reihte sich noch Mariehamn mit 40 Euro ein).

Festgemacht in Öregrund

Am Abend war ich noch eine Pizza essen. Mit Abstand die schlechteste Pizza die ich in meinem Leben hatte. Der Boden der Pizza glich einer Pizza aus dem Tiefkühlfach. Da macht unser Italiener in der deutschen Provinz noch eine bessere Pizza. Dabei hatte ich schon hervorragende Pizzen in Schweden wie z.B. in Karlskrona.

Morgen kommt der spannende Tag. Ich mache den Sprung hinüber zu den Åland-Inseln. Dabei muss ich ein Verkehrstrennungsgebiet queren.

Ankerbucht Rödhall > Öregrund (19 sm)

Wieder ein wilder Ritt über die Ostsee

Donnerstag, 14. August 2025

Da mir ein längerer Schlag bevorsteht, lege ich gegen 13 Uhr in Öregrund ab (ich musste ja noch arbeiten sonst hätte ich natürlich früher los gemacht). Zuerst geht es zwischen zahlreichen Schäreninseln Richtung Südost. Der Wind kommt – richtig, aus Südost. Hier ist es noch recht eng zwischen den Inseln daher macht kreuzen gegen den Wind für mich zuerst keinen Sinn. Erst als es sich etwas mit den Inseln lichtet werden die Segel hochgezogen und gegen den Wind gekreuzt. Dann lasse ich endlich die letzte schwedische Insel hinter mir und es geht am Wind Richtung Åland – Kurs Ost. Bei etwa 15 Knoten Wind, 0,5 Meter Welle läuft Miss Sophie mit 6 Knoten. Auf dem Plotter erscheinen einige Frachter wie an einer Perlenkette auf dem Weg von Nord nach Süd. Wenigstens keiner auf dem umgekehrten Weg. Ich suche mir eine Lücke dazwischen – ein Frachter quert 1/2 Seemeile vor mir, der folgende dann eine Seemeile hinter mir.

Zwischen den Schären erst einmal unter Motor
Frachter kreuzt

Notreparatur unterwegs

Der Schäkel, der die Dirk mit dem Großbaum verbindet, war vor einiger Zeit schon einmal aufgegangen. Damals hatte ich es rechtzeitig bemerkt so dass ich Schraube und Schäkel retten konnte. Doch diesmal ist wohl die Schraube verloren gegangen. Keine Ahnung, weshalb der wieder aufgegangen ist. Dabei hatte ich die Schraube beim letzten Mal richtig festgezogen. Damit der Großbaum dann beim Bergen des Großesegels nicht nach unten fällt, muss eine Notreparatur her. Eine dünne, kurze Leine dient als Ersatz. Doch es ist kein leichtes diese Notreparatur während gut 6 Knoten Fahrt und der Welle durchzuführen.

Wilder Ritt – mit gut 6 Knoten über die Ostsee
Kurz vor Enskär – die Fock ist bereits geborgen

Nach 6 1/2 Stunden ist Enskär in Sicht. Eine kleine Inselgruppe vorgelagert vor dem eigentlichen Åland-Archipel. Ich hoffe kurz vor Enskär etwas Abdeckung zu bekommen, zumindest weniger Welle. Denn kurz vor Enskär gibt es noch eine schmale Durchfahrt zwischen zwei Untiefen. Das Focksegel möchte ich vor und das Großsegel dann nach dieser Durchfahrt bergen.

Zumindest die Welle ist dann etwas weg – der Wind leider nicht. Mir fällt gleich ein Unterschied zu Schweden auf – Åland ist noch flacher. Die Inseln sind so niedrig, dass sie so gut wie keine Abdeckung bieten.

An der Anlegestelle liegt ein finnisches Boot längsseits. Der Eigner ist auf dem Boot und kommt auf den Steg. Ich muss die Situation erst einmal studieren. Eigentlich sollte hier mit Heckboje angelegt werden und ich hatte den Bojenhaken auch vorbereitet. Ich fahre heran und er fragt rufend nach meinem Tiefgang – keine einfache Kommunikation bei gut 10 Knoten Wind (und ich mit meinen Hörgeräten). Er signalisiert mir dass ich in ein kleines Hafenbecken kann, das ich erst jetzt sehe. Also Planänderung. Ich drehe eine Runde, um einen Festmacher für das Anlagen längsseits vorzubereiten. Das kleine Becken bietet Platz für drei bis vier Boote und hat den Vorteil, dass es vollkommen windgeschützt ist. Der Finne schnappt meine Bugleine ich werfe die Heckleine über einen Poller. Perfekt angelegt.

Festgemacht in Enskär

Ich unterhalte mich kurz mit dem Finnen dessen Familie gerade in der Sauna ist. Sie wäre dann vorgeheizt, falls ich auch noch Lust auf Sauna hätte. Aber mich interessiert die Einschätzung eines Locals bezügl. der Windsituation morgen. Er hat den gleichen Plan wie ich ihn schon in meinem Kopf hatte. Morgen sehr früh ablegen denn im Laufe des Tages soll der Wind von dem was es jetzt hat, 10 bis 15 Knoten, noch zunehmen. Und Samstag/Sonntag sieht dann richtig übel aus – in der Nacht von Samstag auf Sonntag dann Böen bis 40 Knoten (9 Beaufort = Sturm). Um mich in das Åland-Archipel zu retten, muss ich noch etwa 20 Seemeilen ohne Schutz durch vorgelagerte Inseln machen.

Öregrund > Enskär (33 sm)

Eine kurze Nacht – ein anstrengender Schlag

Freitag, 15. August 2025

Um 5 Uhr (6 Uhr lokale Zeit) bin ich bereits wach, mache mir einen Kaffee, frühstücke etwas und richte mir ein Brot für unterwegs. Ich bin soweit fertig vorbereitet als auch die Finnen neben mir aufstehen. Wir unterhalten uns kurz über das Wetter und ich frage ihn, welchen Hafen in Mariehamn er ansteuern wird. Er würde gerne in den Osthafen aber der längere Weg und die Familie drängen ihn in den Westhafen. Mariehamn hat zwei große Sportboothäfen – der eine auf der westlichen der andere auf der östlichen Seite der Stadt. Von unserem Ausgangspunkt, der Insel Enskär, muss ein langer Weg außen herum gemacht werden, um in den östlichen Hafen zu kommen. Bei den Bedingungen heute macht das einen Unterschied von 2 – 3 Stunden.

Ich entscheide mich auch für den westlichen Hafen. Er soll zwar etwas weiter vom Stadtzentrum entfernt sein und ist etwas teurer als der östliche Hafen aber ich habe um 14 Uhr ein Teams-Meeting. Aus dem kleinen Hafenbecken geht es fast Vollgas rückwärts erst einmal gegen den Wind raus. Gedreht und Vorwärtsgang mit Schub. Denn gleich kommt eine Stelle an der es wieder zwischen zwei Untiefen relativ schmal hindurch geht. Bei 15 bis 20 Knoten Wind von der Seite muss ich sehen das ich die Kontrolle behalte und nicht der Wind übernimmt.

Enskär morgens um 6 Uhr
Bereits morgens um 6 Uhr 20 Knoten im kleinen Hafen von Enskär
Blick zurück auf Enskär

Danach kann das Großsegel gesetzt werden. Ich hatte zuerst überlegt, nur mit dem Großsegel zu segeln. Doch es hat bereits 0,5 bis 1 Meter Welle, das gegenan bringt zu wenig Schub. Also Focksegel ausgerollt. Jetzt geht es mit etwa 5 Knoten Fahrt voran. Wind und Welle steigern sich noch etwas und es kommen einige Wellen über die Sprayhood. Bereits nach 4 Stunden erreiche ich die vorgelagerten Inseln. Ich sehe eine Tonne welche ich aus der Entfernung als Kardinaltonne interpretiere. Doch wo ist die grüne und die rote Fahrwassertonne? Da ich mich am Beginn der Einfahrt befinde, hätte ich große, auffallende Tonnen erwartet. Ich drehe noch einmal etwas ab da ich mir unsicher darüber bin, wo ich mich gerade befinde. Kann ich dem Plotter und dem GPS trauen? Erst kurz vor dem Kardinalzeichen sehe ich endlich die rote und die grüne Fahrwassertonne. Es sind nur die schmalen Stöcke und deshalb kaum zu sehen.

Die ersten Tonnen mache ich noch mit voller Besegelung. Zum Bergen der Fock müsste ich auf einen Raumwindkurs abfallen. Dafür ist hier aber nicht genügend Platz – zu viele Untiefen. Erst nachdem ich die ersten Tonnen hinter mir habe, habe ich den Platz abzufallen. Ganz wohl ist mir dabei nicht denn im Kalmarsund und vor Härnösand habe ich schlechte Erfahrung mit Raumwind und Welle gemacht. Dies sind Situationen, wo der Pinnenpilot gerne einmal übersteuert. Doch diesmal geht alles gut.

Nachdem ich die ersten kleinen Inseln hinter mir habe, hat es jetzt auch weniger Welle und das Großsegel reicht mir erst einmal. Die Finnen, die die Nacht zuvor neben mir lagen, kommen in voller Besegelung angerauscht. Sie werden das Revier hier kennen. Ich hingegen mache mich daran auch das Großsegel zu bergen. Lieber fahre ich unter Motor die letzte Seemeile hinein – das ist sicherer.

Mariehamn in Sichtweite, die Finnen vor mir

Im Hafen von Mariehamn hat es genügend Platz also drehe ich erst zwei Runden, um mir einen Platz auszusuchen. Nahe der Sanitäranlagen ist mir immer ganz recht und ich bevorzuge es gegen den Wind anzulegen. Auch etwas in den hinteren Reihen ist nicht verkehrt angesichts der Windprognose.

Nachdem ich festgemacht, das wichtigste aufgeräumt und verstaut habe, geht es ins Teams-Meeting. Hier, in Mariehamn, werde ich die nächsten drei Tage abwettern. Ab Montag soll es wieder vorbei sein mit dem Starkwind.

Ergänzung bezügl. Liegeplatzgebühr: Es geht noch teurer als Dalarö – ÅSS-Marina in Mariehamn nimmt 40 Euro für den Liegeplatz. Größere Boote, die längsseits liegen, bezahlen noch mehr.

Enskär > Mariehamn (24 sm)

Abwettern in Mariehamn

Samstag, 16. August 2025

Bereits in der Nacht nimmt der Wind weiter zu. Der Wind hat auf Nord gedreht. Da der Hafen recht offen ist, hat es am Nachmittag Böen über 30 Knoten, Miss Sophie zerrt an der Heckboje. Aber draußen auf der Ostsee geht es bereits richtig zur Sache. Die Messbojen zeigen Wellen bis 5 Meter an. Die SMHI Windmessstation misst Böen bis 23 m/s (Schweden und Finnen messen den Wind in Meter/Sekunde) – das sind 45 Knoten.

Am späten Vormittag ist es noch schön und ich nütze die Gelegenheit mir die Pommern anzuschauen. Die Pommern ist ein Frachtsegler der 1903 gebaut wurde. Die typische Route führte um das Kap der Guten Hoffnung nach Südafrika, weiter nach Australien und dann weiter nach Chile und um das Kap Horn herum zurück nach Europa. Der Sohn des letzten Eigners schenkte die Pommern ihrer Heimatstadt Mariehamn unter der Auflage, sie im Originalzustand zu erhalten. Daher ist die Pommern das einzige im Originalzustand erhaltene Schiff aus dieser Zeit. Nach mehreren Restaurationen kam sie schließlich nach Mariehamn und liegt seitdem dort als Museumsschiff. Die Ausstellung ist wirklich sehr schön gemacht so dass man sich gut vorstellen kann, wie das Leben auf so einem Schiff gewesen sein muss. Im Frachtraum wird ein 20 minütiger Film gezeigt, der von einer der letzten Reisen erzählt (Englische Untertitel).

Der Eintritt für die Pommern beinhaltet den Eintritt für das gegenüberliegende Marinemuseum welches ich jetzt aber nicht so spannend fand.

Am Nachmittag gibt es immer wieder Regenschauer. Zeit den Blog-Beitrag fertig zu schreiben. Durch Mariehamn bin ich noch am Vorabend gelaufen. Keine besondere (besonders schöne) Stadt. Die Straßen sind im Muster quadratisch, praktisch gut angelegt. Das einzige was sofort auffällt: Die Häuser sind hier nicht einheitlich im Schweden-Rot (Falunrot) gestrichen. Selbst die Internetseite „Visit Åland“ weiß nicht viel mehr über Mariehamn zu erzählen.

Morgen werde ich einmal das Lebensmittelgeschäft besuchen. Vielleicht fällt mir ja noch etwas ein oder auf. Ansonsten nütze ich die Zeit, Ziele für die nächste Woche zu suchen. Ich muss meine Route ja gut planen, damit ich dann Ende August/Anfang September rechtzeitig zurück in Gävle bin.

Frachtraum
Marinemuseum
Marinemuseum

Ich entscheide mich für weiter

Montag, 04. August 2025

Am Vortag war ich ja noch unschlüssig was ich jetzt tun soll. Drei Tage aussitzen in Mellanfjärden oder weiterziehen? Wie im letzten Beitrag geschrieben, waren für Dienstag und Mittwoch Starkwind aus Süd angesagt. Am Dienstag bis 30 Knoten. Also wenn weiterziehen, dann brauchte ich etwas was gut gegen Süd geschützt ist. Stocka und Hudiksvall waren zwei Optionen. Alles andere wie Ankerbuchten war eher weniger geeignet, um zwei Tage auszusitzen oder nicht gegen Südwind geschützt. Stocka wären gerade einmal 10 sm. Hudiksvall einiges mehr. In beiden Häfen war ich vor ein paar Wochen auf dem Weg Richtung Norden. Stocka war sehr günstig (130 SEK) und Hudiksvall hat gute Einkaufsmöglichkeiten.

Vorhersage für Dienstagabend – Orange sind 30 Knoten

Aber ich muss ja sowieso erst noch arbeiten und am Vormittag regnet es wie vorhergesagt. Gegen Mittag studiere ich den Regenradar. Nach 13 Uhr soll nichts mehr nachkommen. Das hört sich schon einmal gut an. Der Wind kam wieder aus Südost. Aber bei weitem nicht so stark wie am Vortag. Soweit ich nach draußen blicken und es beurteilen konnte, hatte es nicht viel Welle.

Kurz nach Mittag kommt ein finnisches Paar mit ihrem Segelboot. Ich helfe beim Anlegen und wir haben einen kurzen Smalltalk. Draußen hat es wohl keine Welle und wenig Wind. Damit fällt letztendlich der Entschluss weiterzuziehen. Mellanfjärden ist zwar nett, aber es ist ein typischer Touristenort. Die schnuckeligen roten Häuser sind alles Ferienhäuser von denen inzwischen viele nicht mehr belegt sind. Ansonsten gibt es etwas Gastronomie und Kunsthandwerk. Wenn man das gesehen hat, hat man Mellanfjärden gesehen.

Also wird alles seefest gemacht und die Leinen los geworfen. Davor bezahle ich noch meinen Liegeplatz – 250 SEK mit Strom. Wohin es gehen soll, möchte ich unterwegs entscheiden wenn ich sehe wie es läuft. Wie gesagt kommt der Wind wieder aus Südost heute mit 8 bis 10 Knoten. Zuerst aber keine Welle. Das bedeutet wieder am Wind. Ich setze die Segel und mit 4 bis 5 Knoten geht es voran. Da der Wind so leicht ist, habe ich das Großsegel ausgerefft. Im Laufe des Nachmittags nimmt der Wind etwas zu. Eigentlich sollte er laut Windy erst gegen Abend zunehmen. Bei 13 bis 15 Knoten Wind reffe ich wieder das Großsegel.

Tschüss Mellanfjörden
Ein kleines Regengebiet zieht an mir vorbei

In dem Moment gehe ich davon aus, dass es so für den Rest des Tages bleibt und entscheide mich Stocka rechts liegen zu lassen. Obwohl ich in Orca meine Performance etwas angepasst habe, kann ich immer noch nicht der vorgeschlagenen Route folgen. Dadurch rutscht meine berechnete Ankunftszeit mehr und mehr nach hinten.

Die Durchfahrt ist wesentlich schmaler als OpenSeaMap es zeigt

Auf dem Weg überlege ich, wie ich vielleicht abkürzen könnte. Der Routenvorschlag von Orca geht außen herum um die Insel Bälsön. Ich überlege hier abzukürzen. Der Wind kommt aus Süd. Mit Unterstützung des Motors sollte das auch bei stärkerem Wind gehen. Der Wind hatte inzwischen weiter zugenommen und damit auch etwas die Welle. Ich segelte hart am Wind und so kam manche Welle wieder über das Deck. ich steuere die Durchfahrt an, die durch eine grüne Tonne markiert sein soll. Sein oder Nichtsein – mache ich das oder nicht? Der Wind erreicht inzwischen in Böen 20 Knoten. Ich hoffe auf nachlassendem Wind und nachlassender Welle aufgrund der Abdeckung. Die Welle ist zwar etwas weniger, der Wind aber nicht. Nicht weit entfernt von der Einfahrt mache ich die Wende. Man muss das Glück nicht herausfordern. Der Weg außen herum ist länger und unangenehmer aber sicherer. So segle ich wieder auf dem Holebug und so bald als möglich mache ich wieder eine Wende – hoffentlich die letzte.

Heute geht es wieder hoch am Wind
Prächtige Lichtstimmung
Die Sonne geht jetzt um 21:22 Uhr unter

Die Sonne geht unter und die Navigationsbeleuchtung wird angemacht. Aber es ist sowieso weit und breit kein anderes Boot oder Schiff zu sehen. Oder doch? In der Einfahrt Richtung Hudiksvall sehe ich auf dem Plotter plötzlich einen Frachter. Das hätte ich jetzt nicht gebraucht, dass mir bei einbrechender Dunkelheit und den Bedingungen ein Frachter entgegenkommt. Ich beobachte ihn weiter auf dem Plotter, doch er bewegt sich nicht. Noch einmal angeklickt, um die Informationen zu sehen. SOG (Speed over Ground) 0 Knoten. O.k. der liegt direkt neben dem Fahrwasser vor Anker.

Ein Frachter liegt auf Reede neben dem Fahrwasser

Am Leuchtfeuer Hölickskärs kann ich dann endlich abfallen. Jetzt geht es dann auf Raumwindkurs. Noch immer steuert Johann und ich höre wieder (wie damals im Kalmarsund) das Ruder vibrieren. Ein Blick auf die Logge zeigt weshalb – 8,2 Knoten. Das Surfen geht wieder los. Mir wäre es lieber, es hätte weniger Wind und weniger Welle denn die Einfahrt nach Hudiksvall ist stellenweise eng und es wird zunehmend dunkel. Und dazu gibt es einige unbeleuchtete Fahrwassertonnen. Und was die Fahrwassertonnen betrifft, kann man sich auf die elektronischen Seekarten auch nicht verlassen. Navionics zeigt z.B. eine rote Tonne. Orca eine rote und eine grüne. Was stimmt nun?

Der Sommer geht Richtung Ende und ich komme südlicher. Jetzt wird es wieder um 23 Uhr dunkel. Als ich das letzte Mal, am 4. Juli, um 23 Uhr in die Einfahrt kam, war es geradezu hell. Das hatte ich nicht so auf dem Schirm. Aber jetzt ist es zu spät. Jetzt heißt es Augen zu und durch.

Und dann passiert was passieren musste (ich hätte es nach der Erfahrung im Kalmarsund eigentlich wissen müssen): Nach einer schrägen, höheren Welle übersteuert der Pinnenpilot und plötzlich bin ich auf dem falschen Bug. Das herum schlagende Großsegel kann ich gerade so noch etwas abbremsen. Aber dadurch habe ich im Moment vollkommen die Orientierung verloren. Ich möchte den Kartenausschnitt auf dem Plotter verschieben aber die Großschot klemmt mich ein. Plötzlich macht es laut „Puff“. Was war das? Bei den Bemühungen an den Plotter zu kommen, bin ich wohl an der manuellen Auslösung der Rettungsweste hängengeblieben, die sich jetzt aufgeblasen hat. Auch das noch…

Als ich die Orientierung einigermaßen wieder gewonnen habe, sehe ich an Backbord in etwa 2 Meter Abstand eine Fahrwassertonne an mir vorbei ziehen. Der Großbaum auf der gleichen Seite. Keine „Stengel-Tonne“ sondern eine von den größeren Leuchttonnen die etwa 3 Meter aus dem Wasser ragen. Das hätte gerade übel ausgehen können…

Nachdem ich wieder alles unter Kontrolle habe, werden zuerst die Segel geborgen. Die letzte Stunde geht es unter Motor in den Hafen. Das ist sicherer.

Am nächsten Tag – 25 Knoten im Hafen
Mellanfjärden > Hudiksvall 46 sm

Die 1.000 sind voll

Zusammengezählt habe ich jetzt 1050 sm auf dieser Reise hinter mir (müssten etwas mehr sein da ich immer nur die Werte von locatoweb gezählt habe und die sind oft kleiner da nicht ständig getrackt und deshalb abgekürzt wird).

Wieviel es wohl am Ende sein werden? Nach Gävle habe ich jetzt noch etwa 80 sm. Achja, mein Logbuch ist auch voll. Da muss ich jetzt mit einem Block weitermachen. Achja, und wieder einmal Lessons learned:

Lessons learned…

Habe immer die passenden CO2-Patronen und Tabletten für die Rettungswesten dabei. Kann ja auch sein, dass man versehentlich ins Wasser fällt oder am manuellen Auslöser hängen bleibt.

und dahinter noch ein zweites Lessons learned:

Lessons learned….

Wenn du bei Dunkelheit in einen dir wenig bekannten oder unbekannten Hafen fährst, riskiere nichts wie z.B. bei schwierigen Windbedingungen. Lieber einmal mehr unter Motor als zu wenig.

Die „Häfen“ des Svenska Kryssarklubben (SXK)

Da ich eine wetterbedingte Auszeit habe, habe ich etwas Stunden bei der Arbeit nachgeholt. Ich möchte aber auch die Gelegenheit nützen und eine Information weitergeben für alle die an der schwedischen Ostküste mit dem Segelboot oder Motorschiff unterwegs sind oder unterwegs sein möchten. Wahrscheinlich jeder, der sich vorbereitet, hat den Hamnguiden, den Revierführer, an Bord. Neben den Bojen (s. vorheriger Bericht) die der SXK ausbringt und betreut hat der SXK einige Anlegestellen. Diese Anlegestellen bestehen in der Regel aus ein oder zwei Stegen, Heckbojen, an Land eine Trockentoilette, eine Grillstelle, eine holzbefeuerte Sauna und manchmal noch ein kleines, einfaches Gebäude zum Aufhalten (wie z.B. in Lill-Lubban).

Die Liegeplatzgebühr ist recht günstig – 75 SEK für Mitglieder und 150 SEK für andere.

Was man als Tourist/Gast nicht so registriert, ist der Aufwand dahinter. Durch meine Bekanntschaft mit dem SXK habe ich erfahren, dass jede Anlegestelle einen festen Betreuer hat. Dieser Betreuer schaut das alles in Ordnung ist, bringt Toilettenpapier für das Trockenklo, Holz für die Sauna oder die Grillstelle. Ggf. organisiert er Helfer falls größere Reparaturen oder Erweiterungen (z.B. Setzen weiterer Heckbojen oder Neubau Trockenklo) zu tun sind. In der Regel versucht der SXK das Gelände zu kaufen. Teilweise ist es aber auch nur zur Verfügung gestellt oder für einen geringen Betrag gepachtet. Die Anlegestellen des SXK befinden sich an ausgewählten besonders schönen Orten. Für die Betreuung der Anlegestelle besucht der Betreuer diese etwa 20 Mal im Jahr. Das kann ein kurzer Besuch zum Nachschauen oder ein Tag Arbeit sein. Ich glaube an keinem anderen Platz als diesen ist es einfacher die Liegeplatzgebühr zu prellen (nicht zu bezahlen). Der SXK ist ein Verein, nicht gewinnorientiert (wie gemeinnützige Vereine in Deutschland). Ich wollte das nur einmal weitergeben weil das vielleicht vielen so nicht bewusst ist, welche Arbeit dahinter steht. Z.B. sollen in Lill-Lubban noch dieses Jahr 10 weitere Heckbojen gesetzt werden.

Planung für die nächsten Tage

Mittwoch, 06. August 2025

Heute windet es noch kräftig. Nicht mehr ganz so kräftig wie gestern aber es war die richtige Entscheidung, zwei Hafentage hier zu machen. Ich kann etwas Stunden machen bei der Arbeit und noch ein paar andere Dinge erledigen wie Wäsche waschen, etwas das Boot putzen und vor allem meine Einkäufe von letzter Woche verarbeiten. Heute gab es Gulasch mit Kartoffelbrei. Warum die Schweden so viel Kartoffeln essen ist etwas, was ich noch nicht herausgefunden habe. Ich habe noch auf keiner Speisekarte etwas mit Nudeln gesehen. Und auch beim Event des SXK gab es Kartoffelsalat (nicht so wie wir ihn kennen) und gekochte Kartoffeln.

Und dann musste ich ja noch einen Plan für die nächsten Tage machen. Nach Gävle sind es noch etwas 80 gesegelte Seemeilen. Bedeutet etwa 3 Tage. Die Wetteraussichten und Windvorhersagen sind recht gut. Also kann ich die nächsten 3 Tage planen. Wieder bin ich auf der Suche nach besonderen und lohnenden Zielen. Ich denke ich habe jetzt zwei ganz gute Zwischenziele gefunden. Mal sehen ob das klappt. Falls der Plan so aufgeht, wäre ich am Samstag in Gävle. Und dann hätte ich noch 3 1/2 Wochen Zeit bis zum Auskranen in Gävle. Deshalb stelle ich schon erste Überlegungen an, was ich mit dieser Zeit mache…

Erstes Zwischenziel – Kråkö Hamn

Donnerstag, 7. August 2025

Nach der Arbeit geht es gleich los. Erwartet hatte ich etwa 10 Knoten Wind aus Süd. Es waren dann aber gleich zwischen 8 und 15 Knoten aus Südost. Ein Schwede hat gleich die Segel hochgezogen. Vermutlich ein Local der das Gebiet gut kennt. In der Ausfahrt bei Hudiksvall hat es aber auch einige Untiefen. Ich halte mich lieber an das Fahrwasser und fahre unter Motor. Anfangs mag das mit dem Kreuzen noch ganz gut gehen, aber später wird es eng weshalb auch der Schwede, dort wo es eng wird, die Segel streicht und unter Motor weiterfährt. Sobald als möglich ziehe ich das Großsegel hoch. Angesichts des kräftigen Windes möchte ich schauen, ob mir das nicht reicht. Der Wind soll gegen Nachmittag zunehmen. Doch nur mit dem Großsegel mache ich nur etwa 3 Knoten Fahrt. Das ist zu wenig. Also wird die Fock ausgerollt und schon läuft es besser – 5 bis 6 Knoten. Ich muss wegen einiger Untiefen und Wind von vorne zwar immer noch kreuzen, aber trotzdem läuft das so ganz gut.

Tschüss Hudiksvall
Hoch am Wind. Aber die Welle ist heute erträglich
In der Abdeckung der Inseln praktisch keine Welle

In der Abdeckung der Inselgruppe ist es dann segeln wie auf dem Bodensee. Null Welle und ein schöner Wind mit 10 Knoten. Kurz vor Kråkö werden die Segel geborgen und der Motor gestartet. Jetzt kommt die spannende Einfahrt. Es hat zwei Geröllhaufen die im Zick-Zack umfahren werden müssen.

Die Einfahrt ist erst spät zu sehen
Am Steg liegt nur ein anderes Segelboot

In Kråkö hat es nur einen kleinen Steg der Platz für etwa 4 bis 5 Boote hat. Meine Sorge, dass es voll sein könnte, erweist sich als unbegründet. Nur ein Schwede liegt auf der einen Seite des Stegs und ich nehme die andere Seite. Der kleine Ort mit der Bucht ist wunderschön.

Nachdem ich alles sortiert und organisiert habe, mache ich mich auf durch die Häuser zu gehen. Ich möchte zu der kleinen Kapelle aus dem Jahr 1736. Inzwischen weiß ich, dass der Schlüssel für die Kapelle immer an der Seite hängt. Im Sommer lebten damals hier die Fischer von Hudiksvall. Kråkö war wohl keine Insel, die ständig bewohnt war. Und auch heute werden die Häuser nur noch als Ferien- oder Wochenend-Häuschen genutzt.

Sehr idyllisch der Ort
Der Schlüssel für die Kapelle – etwa 30 cm lang
Eine sehr schöne Kapelle

Der Sommer ist vorbei – oder doch nicht?

Abgesehen davon, dass ich registriert habe das es jetzt wieder dunkel wird, wird es vor allem auch kühler. Vor allem Abends und in der Nacht. Aber auch tagsüber beim Segeln kann ich die Segeljacke wieder gut gebrauchen. Das Wasser ist noch warm. Im Hafen von Hudiksvall hatte es noch 24 Grad. Sollte es das gewesen sein? In Süddeutschland steigen die Temperaturen gerade wieder auf 30 Grad. Das bräuchte ich nicht, aber etwas wärmer dürfte es schon sein. Ich rechne jeden Tag mit Nebel. Bisher blieb ich davon verschont…

Hudiksvall > Kråko 16 sm

Ein verrückter Tag…

Freitag, 08. August 2025

Eigentlich wollte ich wie immer gegen 14 Uhr ablegen. Ich habe schon alles vorbereitet, also alles versorgt und soweit seefest gemacht. Kurz nach Mittag kommt ein Schwede mit seinem Segelboot. Ich frage ihn, wie es draußen ist. Windig, sagt er. Böen mit 20 Knoten.

Ich studiere noch einmal den Windfinder, die Vorhersagen von SMHI und andere Quellen. Ich habe heute ein spezielles Ziel – Prästgrundet. Speziell deshalb, weil in die kleine Bucht mit der kleinen Anlegestelle ein kleiner Kanal führt. Maximal 1,60 Meter steht im Hamnguiden. Die Dehler 28s hat einen Tiefgang von 1,40 Meter.

Der andere Schwede, der hier am Steg lag, hat bereits kurz vor Mittag abgelegt. Mit ihm hatte ich mich am Vortag über mein Ziel kurz unterhalten. Er meinte, dass das kein Problem wäre. Außerdem wäre gerade geringer Luftdruck. Das hatte ich schon einmal in einem Blog gelesen – der Luftdruck kann 10 bis 20 cm ausmachen. 20 cm mehr oder weniger können entscheidend sein wenn es knapp ist. Zudem ist die Einfahrt Richtung Südwest bzw. Nordost ausgerichtet. Und dann liegen da noch ein paar Steine links und rechts der Einfahrt. Der eine laut Hamnguiden 30 cm unter der Wasseroberfläche. Und der Hamnguiden meint weiter, dass es gut wäre wenn einer Ausguck hält. Der Wind kommt aus Süd. Wellen kann man bei einer solchen Einfahrt nicht gebrauchen.

Der Segler neben mir meint das es morgen weniger Wind hätte und besser wäre. Ich ringe mit mir. Ablegen oder nicht ablegen? Ich studiere wieder Windfinder & Co. Alle Quellen sagen das es morgen auch nicht viel anders ist. Das Problem: Sollte ich vor der Einfahrt von Prästgrundet entscheiden, dass es zu riskant ist, dann habe ich nicht viel Alternativen. Die nächste, naheliegende Alternative, wäre eine SXK Boje – Stålnäset. Doch die Einfahrt zu dieser Boje ist auch nicht einfach. Enges Fahrwasser, viele Steine.

Die Alternative (SXK Boje) sieht auch nicht so toll aus

Ich entschließe mich abzulegen und Prästgrundet zu versuchen. Ich habe noch ein weiteres Ausweichziel auf 3/4 des Weges – Skärså. Zwar auch eine kurvige Einfahrt aber in Ost-West Ausrichtung. Irgendwie scheint hier alles voller Steine zu sein.

Wind und Welle zeigen sich dann zuerst moderater als befürchtet. 10 bis 15 Knoten. Das ist o.k. Die Welle ist auch nicht ganz so hakig wie schon erlebt. So geht es hart am Wind Richtung Prästgrundet. Im Westen, also über dem Festland, sehe ich dunkle Regenwolken. Ein Blick auf den Regenradar. Ein paar kleinere Regengebiete die von Süd nach Nord ziehen. Sollten mich nicht betreffen – denke ich.

Rückblick auf Kråkö Hamn
Zuerst unter Motor (da Wind von vorne) zwischen den Inseln durch

Doch dann wird es vor mir zunehmend grauer. Erste leichte Tropfen. Ich meine mich am Rand der Regengebiete zu befinden und diese zu streifen. Aber was man wissen muss: Wenn Wetter kommt, kommt meistens auch Wind. Aus leichten Tropfen werden immer mehr Tropfen und der Wind nimmt immer mehr zu. Zuletzt regnet es richtig und der Wind hat auf etwas über 25 Knoten angezogen. Johann, mein Pinnenpilot, hat schön längst den Dienst quittiert. Also habe ich alle Hände zu tun. Mit dem zunehmend Wind hat sich auch die Richtung geändert. Voraus ist es grau, im Osten sehe ich blauen Himmel. Soll ich abfallen, raus auf die Ostsee? Ich entscheide mich durchzufahren. Ich hoffe, dass zumindest die Info „kleine Regengebiete“ vom Regenradar stimmen. Augen zu und durch. Aber mehr Wind dürfte es jetzt nicht mehr sein. Ich muss etwas abfallen, um nicht auf eine Untiefe zuzusteuern. Inzwischen bin ich nass bis auf die Unterhose und es ist kalt.

Aber dann lässt der Regen nach und bald auch der Wind. Es pendelt sich wieder ein auf 10 bis 15 Knoten Wind und die Welle ist segelbar. Bei 50 Grad am Wind kann Johann wieder übernehmen und ich spurte nach unten, um zumindest die Jeans gegen die Segelhose zu tauschen. Das ist etwas besser als zuvor.

Das Regengebiet ist durch
Nach dem Regen noch einmal etwas Sonne

Wie so oft nach Durchzug eines Regengebiets lässt der Wind immer mehr nach und fällt unter 10 Knoten. Daher entschließe ich mich die Segel zu bergen und den Motor anzumachen. Der Kurs wird eingestellt – noch 2 Stunden bis Prästgrundet. Der Wind nimmt wieder ein wenig zu auf etwa 10 Knoten. Aber genau von gegenan. Ich habe keine Lust mehr die Segel noch einmal hochzuziehen und gegenan zu kreuzen. Nur noch 1 Stunde.

Zwischendurch gehe ich hinunter und esse ein paar Kekse. Zucker ist ein super Energieträger in solchen Situationen. Ich bin der einzige Verrückte weit und breit der bei diesem Wetter auf der Ostsee unterwegs ist. Die Welle beruhigt sich vor Prästgrundet und ich folge exakt dem vom Plotter vorgegebenen Fahrwasser. Es geht besser als befürchtet. Vor der Einfahrt steht noch einmal ein Schild: „Maximal 1,60 Meter“. Im Kanal selbst habe ich aber immer 2 Meter auf dem Lot. Der Ort und die Bucht erscheinen wunderschön. Gut, dass ich das gemacht habe. Wie zu erwarten – am kleinen Steg kein Boot. Normal soll man hier mit Heckanker und dem Bug nach vorne anmachen. Aber ich glaube kaum, dass heute noch jemand kommt – es ist bereits nach 20 Uhr. Und morgen wird sicher auch niemand am Morgen kommen, gegen Mittag bin ich spätestens weg. Also lege ich längsseits am Steg. Nur ein Mist: Ich habe vergessen vor der Einfahrt die Fender raus zu machen. Miss Sophie küsst den Steg der zum Glück aus Holz ist. Aber eine kleine Erinnerung bleibt im Gelcoat.

Einfahrt Prästgrundet fast in Sicht
Wieder einmal wunderschön
Miss Sophie festgemacht am kleinen Steg

Festgemacht. Das erste, was ich mache: alle nassen Sachen ausziehen und neue trockene Wäsche anziehen. Da fühlt man sich gleich wohler. Dann erste Erkundung der Anlegestelle. Eine schöne Grillstelle, ein noch schöneres Trockenklo (mit Waschbecken – das habe ich noch nie gesehen), schön vorbereitetes Holz, und eine Müllstation. Alles super.

Also wird die Gelegenheit genützt ein Feuer zu machen. Grillfleisch ist noch in der Kühlbox. Dazu gibt es Folienkartoffeln. Was ein Tag….

Gute Nacht Prästgrundet
Kråko > Prästgrundet 14 sm

Und noch ein verrückter Segeltag… Ziel Storjungfrun

Samstag, 09. August 2025

Nach einem gemütlichen Frühstück am Morgen möchte ich unbedingt die Kapelle von Prästgrundet sehen. Sie ist nur 6 x 4 Meter groß und damit die kleinste Kapelle an der südlichen Küste von Norrland. Ein Schild in der Kapelle weist darauf hin, dass sie Platz für 32 Kirchgänger bietet. Aufgrund der Größe gibt es keinen Altar sondern eine Lesekanzel.

Kapelle Prästgrundet – nur 4 x 6 Meter groß
Platz für 32 Kirchgänger
Bei den Schlössern muss man etwas probieren. Meistens muss man den Schlüssel „falsch“ herum drehen
Prästgrundet

Dann mache ich auch schon bald los. Mein Ziel für heute ist Storjungfrun, die größte der 500 Inseln in der Gemeinde Söderhamn. Der Wind kommt wieder aus Südsüdost und mein Ziel liegt in dieser Richtung.

Die Ausfahrt aus Prästgrundet klappt ohne Probleme. Dann muss ich erst einmal um eine kleinere, vorgelagerte Insel herum bevor ich den Kurs in Richtung Storjungfrun aufnehmen kann. Erstaunlicherweise hat es heute so gut wie keine Welle – anfangs. Der Wind kommt mit etwa 10 Knoten und ich mache 4 Knoten Fahrt. Gegenan kreuzen ist immer mühsam. Aber es wird noch mühsamer. Draußen schläft der Wind fast ein und ich mache teilweise nur noch 2 Knoten Fahrt. Ich sehe ein anderes Segelboot nahe der Küste. Sollte der Wind dort besser sein? Andererseits hat es vor der Küste zahlreiche Untiefen und dort hindurch zu kreuzen macht auch keinen Spaß. So warte und hoffe ich. Die Wellen haben etwas zugenommen und ich übernehme das Ruder denn auf die kleinen Winddreher in Kombination mit den Wellen kann ich besser reagieren als der Pinnenpilot. So schaffe ich wenigstens 3 Knoten Fahrt.

Ausfahrt aus Prästgrundet
Wind von – bis – anstrengend

Dann nimmt der Wind wieder etwas zu womit Johann, der Pinnenpilot, wieder übernehmen darf. Diesmal stelle ich ihn jedoch um von Kompasskurs auf Windkurs damit er die Winddreher etwas ausgleicht. Es kommen mir überraschend viel Segelboote auf Raumwindkurs entgegen. Viele mit Spinnaker. Etwa sechs oder acht. So viele Boote sind mir schon lange nicht mehr begegnet. Oft war ich die letzten Tage alleine auf der Ostsee.

Nach mühsamen 5 Stunden und 50 Minuten erreiche ich schließlich Storjungfrun. Ich habe Glück und es ist noch eine der beiden Heckbojen frei. Ansonsten hätte ich den Heckanker verwenden müssen – darauf hatte ich jetzt keine Lust. Allerdings brauche ich aufgrund der ungewohnten Konstruktion auf der Heckboje und dem leichten Seitenwind zwei Anläufe, um diese zu erwischen.

Festgemacht – Storjungfrun

Nach einer kleinen Pause mache ich mich auf zum Leuchtturm der Insel und zu der daneben liegenden Kapelle. Meist sieht man in Schweden ja nur so Leuchtfeuerchen. Kleine Türmchen die etwa 5 Meter hoch sind. Hier hat es jedoch einen richtigen Leuchtturm. Der Leuchtturm besteht aus einem weißen, runden, etwa 21,3 Meter hohen Steinturm mit einem schwarzen Band an der Spitze unterhalb der Laterne. Früher hatte er auch ein rotes Mittelband. Seit 1935 steht der Leuchtturm unter Denkmalschutz. Es ist der Leuchtturm, der noch am längsten mit Kohle betrieben wurde.

Der mächtige Leuchtturm

Dann geht es zu der kleinen Kapelle. Die Kapelle stammt aus dem frühen 17. Jhd. und ähnelt in vielerlei Hinsicht anderen Fischerkapellen entlang der Küste von Hälsingland. Interessant ist, dass die Kapelle einige Einrichtungsgegenstände der ersten Kirche von Söderhamn bewahrt wie die Kanzel und andere Holzarbeiten.

Drei Tage – drei Inseln. Das war jetzt ein interessanter und spannender Abschnitt meiner Reise. Alles ohne Landstrom – nur mit Solarenergie. Das hat dank Sonnenschein gut funktioniert. Morgen geht es nach Gävle. Das sind noch etwa 35 gesegelte Seemeilen. Dann hat mich sozusagen die Zivilisation wieder. Ich freue mich auf eine warme Dusche und frisches Obst und Gemüse.

Prästgrundet > Storjungfrun 19 sm

Es geht zurück Richtung Heimat

Samstag, 26. Juli 2025

Örnsköldvik soll der nördlichste Punkt sein, den ich auf meiner Reise erreicht habe. Ich rechne mit etwa 250 sm bis Gävle. Dafür habe ich jetzt dann 5 1/2 Wochen „Zeit“. Zeit in Anführungszeichen, da ich ja auch im August die Workation-Vereinbarung mit meinem Arbeitgeber habe. D.h. jeden Werktag ein paar Stunden arbeiten.

Am Morgen habe ich noch ein Zeitfenster zum Waschen meiner Wäsche und ich erledige die letzten Einkäufe. Dann ziehen im Westen wieder Gewitterwolken auf. Ich studiere den Regenradar. Gegen 13 Uhr sollte alles durch sein und es scheint auch nichts nachzukommen.

Morgendliche Stimmung im Hafen
Und wieder zieht ein Gewitter durch
Rückblick – der nördlichste Punkt meiner Reise

Also noch eine kleine Pause und dann geht es los. Erste Überraschung: ich wollte ja noch tanken. In dem ersten Hafen, den ich am Donnerstag angelaufen hatte, sollte es eine Tankstelle geben. Aber die gab es nicht mehr. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mit der Ungewissheit bezügl. der Tankanzeige los zu fahren.

Noch im Sund setzte ich die Segel doch schon nach zwei Seemeilen schlief der Wind ein und der Motor musste wieder angeworfen werden. Ich muss das gute Wetter nützen Richtung Süden zu kommen denn für nächste Woche sieht es nicht so gut aus. Ich rechne mit zwei oder drei ungewollten Hafentagen.

Mein ursprünglicher Plan war Köpmanholmen anzusteuern. Doch angesichts der spiegelglatten Ostsee, kein Wind, überlege ich eine Ankerbucht anzusteuern. Ich brauche ja keinen Hafen. Die Akkus sind alle voll und die Sonne scheint. Die Vorräte sind ebenfalls aufgefüllt. Ein Blick in Windy und auf Windfinder – auch die kommende Nacht ist kein Wind zu erwarten.

Spiegelglatte Ostsee

Im Hamnguiden finde ich die Ankerbucht Kälsviken. Von allen Seiten gut geschützt außer Ost bzw. Nordost. Doch von dort ist kaum Wind zu erwarten. Also ändere ich meinen Plan und steure diese Bucht an. Ich war schon fast in Erwartung, dort alleine zu sein. Doch liegt bereits ein Segelboot in der Bucht. Und in der Ansteuerung sehe ich von hinten zwei weitere Segelyachten mit Kurs auf diese Bucht. Aber die Bucht ist groß genug und reicht üppig für vier. Auf etwa 6 Meter Tiefe werfe ich den Anker.

Die Bucht ist Teil des Skulekogens Nationalpark und am Ufer sind ein paar Wanderer und Camper zu sehen. Es ist hier wohl erlaubt, das Zelt aufzustellen und zu übernachten. Das Wasser hat fast 25 Grad und so nütze ich die Gelegenheit für ein Bad in der Ostsee. Ein sehr schöner Platz.

Sehr schöne Ankerbucht
Nur nach Ost bzw. Nord-Ost ist die Bucht offen. Aber viel Wind ist nicht zu erwarten
Örnsköldsvik > Kälaviken 23 sm

Geschützter Platz gesucht

Sonntag, 27. Juli 2025

Die nächsten Tage möchte ich Barstahamn und Bönhamn besuchen. Beide Orte scheinen eine schöne Kapelle zu haben. Bönhamn soll ein sehr schönes Fischerdorf sein mit guten Möglichkeiten zum Essen.

Für die kommende Nacht sind jedoch Gewitter angekündigt. Der Wind bläst heute und voraussichtlich bis Dienstag aus Süd. Bönhamn wäre der erste Hafen auf dem Weg nach Süden. Doch ich möchte noch einmal ankern. Die SXK Bojen sind hier leider sehr rar.

Im Hamguiden fällt mir die Bucht Norra Räsöviken auf. Nach allen Seiten, außer Norden, sehr gut geschützt. Doch zuerst möchte ich mein Tank-Problem lösen. Ich bin die letzten Wochen (für mein Gefühl) recht viel unter Motor gefahren. Die Tankanzeige zeigt knapp halb voll. Irgendwie traue ich dem Braten nicht. Die Tankstelle in Örnsköldvik gibt es nicht mehr. Die nächste Möglichkeit sollte laut Karte Ülvöhamn sein. Den Hafen hatte ich auch einmal vorgemerkt weil er sehr gut gegen Nord und gut gegen Süd geschützt sein sollte.

Doch zuerst muss ich den Vormittag aussitzen. Eine Gewitterzelle ist auf dem Weg und sollte genau über mich hinwegziehen. Ab 13 Uhr sollte alles vorbei sein. So mache ich einen gemütlichen Vormittag mit einem Frühstücksei. Dann geht es los. Kurs Südost. Leider bläst der Wind auch aus Südost. So muss ich die etwa 7 sm unter Motor machen. Zwei entgegenkommende Segelboote segeln gemütlich auf Raumwindkurs.

Am Vormittag zieht noch ein Gewitter durch
Einfahrt Ulvöhamn
Ulvöhamn – sieht nett aus, vielleicht nächstes Jahr
Endlich tanken…

Die Tankstelle in Ülvöhamn existiert. Der Hafen sieht sehr nett aus – vielleicht nächstes Jahr. Im Tank verschwinden 40 Liter. Also so ganz falsch war die Tankanzeige nicht. Trotzdem bin ich beruhigt zu wissen, einen vollen Tank zu haben.

Nach dem Tankstopp ist der neue Kurs Südwest. Damit kann ich jetzt hoch am Wind segeln. Bei etwa 10 Knoten Wind komme ich mit 5 Knoten voran. Vor der Bucht hole ich das Fernglas um zu schauen, ob bereits andere Boote in der Bucht liegen. Doch es ist kein Boot zu sehen. Also kreuze ich noch gemütlich so weit es geht in die Bucht hinein. Auf etwa 6 Meter Tiefe fällt der Anker. Was eine schöne Bucht und ich bin vollkommen alleine. Selbst die wenigen Ferienhäuser an der Bucht sind derzeit unbesucht.

Nach dem Tankstopp bin ich alleine unterwegs
Einfahrt in die Ankerbucht – kein anderes Boot zu sehen
Selbst die wenigen Ferienhäuser sind aktuell nicht bewohnt

Wie gedacht sieht die Bucht sehr geschützt aus. Am Ufer geht es bergauf und es ist dicht bewaldet. Hier fühle ich mich gut aufgehoben für die kommende Nacht.

Kälaviken > Norra Räsöviken 18 sm

Nichts war’s – weiter nach Bönhamn

Montag, 28. Juli 2025

Windy hatte viel Wind um nichts gemacht. Die Nacht war vollkommen ruhig. Aber ich hatte nichts dagegen und dafür einen ruhigen Schlaf. Nach der Arbeit wurde der Anker gelichtet. Wie vorhergesagt – Südwind. Aber es sollte ja sowieso nur ein kleiner Schlag nach Bönhamn sein, weniger als 10 sm. Draußen auf der offenen Ostsee ging es mal wieder gut ab. Etwa 13 Knoten Wind und 0,5 bis 1 Meter Welle und das gegenan. Also habe ich mal schnell wieder das erste Reff rein gemacht.

Wieder raus aus der Ankerbucht die ich in sehr guter Erinnerung behalten werde
Hoch am Wind. Dabei wurde das Deck gewaschen

Man muss ja auch über sich selbst lachen können… Unterwegs, so hoch am Wind, Miss Sophie gut Schräglage dachte ich, ich könnte doch mal einen Videoclip machen, wie ich auf der hohen Kante sitze. Meine GoPro ist am Heckkorb befestigt. Johann (der Pinnenpilot) hatte keine Probleme beim Steuern. Also Lifeline angelegt und GoPro an. Gerade sitze ich eine halbe Minute auf der Kante kommt eine Welle über das Boot. Einmal Dusche bitte… Den ganzen Tag kam keine einzige Welle dermaßen über das Boot, ausgerechnet, als ich auf der Kante sitze und den Videoclip machen möchte. Das gibt ein lustiges Video…

Kurz vor Bönhamn rolle ich bei 10 Knoten Wind die Fock ein – ich hatte mehr Windabschattung durch die vorgelagerten Inseln erwartet. Ein kleines Stück geht es noch mit dem Großsegel dann fällt auch dieses und mit Motorkraft geht es in die Bucht. Verteilt gibt es etwa 30 Liegeplätze wobei vorzugsweise mit Heckanker und dem Bug zum Steg angelegt wird. Ich hoffe darauf, längs festmachen zu können. Am nördlichen Steg liegt ein Schwede mit Heckanker. Links von ihm ist jede Menge Platz. Er steht am Steg um meine Leine anzunehmen. Festgemacht.

Einfahrt Bönhamn – unkompliziert

Börnhamn wird im Hamnguiden als Juwel bezeichnet. Im Restaurant soll man gut Fisch essen zu können und es gibt eine kleine Kapelle der Gävle-Fischer aus dem 17. Jhd. Ich verstehe nicht, was alle an Trysunda finden. Diesen Ort finde ich wesentlich schöner. Wer am nördlichen Steg liegt hat wunderschöne Abendsonne. Die Hafengebühr beträgt gerade mal 160 SEK. Es wird aber auch geschrieben, dass die Hafengebühr nur zum Erhalt der Anlegestellen erhoben wird. Non profit eben. Hier werde ich zwei Nächte bleiben da für den nächsten Tag Regen vorhergesagt ist.

Längsseits festgemacht – viel andere Boote werden wohl nicht mehr kommen
Wirklich sehr schön hier
Die Kapelle der Gävle-Fischer aus dem 17. Jhd.
Norra Räsöviken > Bönhamn 9 sm

Regentag

Dienstag, 29. Juli 2025

Heute nichts besonderes – aber das hatte ich so erwartet. Den ganzen Vormittag Regen mit Starkwind. Deshalb hatte ich in Bönhamn gleich zwei Nächte gebucht. Am Nachmittag spielt eine Band alte Rocksongs von einem Schiff. Die Schweden neben mir erzählen, dass die das jedes Jahr machen – für die Touristen. Sie ziehen von Insel zu Insel bzw. von einem Touristenort zum nächsten. Sie sagen mir auch, dass in Bönhamn noch zwei Familien ganzjährig leben. Der Rest sind alles Ferienhäuser.

Ich plane derweil die nächsten Tage. Die Wettervorhersage ist überwiegend gut, unterbrochen von einem Regentag. Den werde ich wahrscheinlich in Härnösand verbringen. Dann kann ich dort noch einmal zum Lidl. Diesmal werde ich aber den nördlichen Hafen ansteuern.

Heute kein Segeltag

„Segeltage“ die ich nicht mag

Mittwoch, 30. Juli 2025

Als ich mich vor ein paar Wochen, noch auf dem Weg Richtung Norden, über Wind und Wetter auskotzte, meinte jemand im Segeln-Forum, ich solle doch mit dem Wind segeln. Das ist leichter gesagt als getan. Wieder ist Südwind mit Sonnenschein angesagt und ich muss Richtung Süden. Warten macht auch keinen Sinn denn das Wetter wird dann etwas schlechter. Der Blick am Mittag nach der Arbeit Richtung Hafeneinfahrt verrät anhand der Brandung das wieder gut Welle zu erwarten ist. Orca meint ich könnte hoch am Wind segeln. Die Welle bestätigt sich dann draußen auf der offenen Ostsee. 1 bis 1,5 Meter und mal wieder gegenan. Wind? 5 Knoten. Segeln macht keinen Sinn. Also geht es mit Hilfe des Motors Richtung Süden. Eigentlich wollte ich in eine Ankerbucht – ca. 15 sm. Angesichts der Bedingungen schaue ich nach Alternativen die ich schon im Vorfeld angesehen hatte. An der Südspitze der Insel Storön gibt es eine SXK-Boje. Sobald als möglich steure ich auf die Westseite von Storön. Wind und Welle kommen aus Südost. Endlich komme ich in die Abdeckung und die ekelhafte Welle ist wenigstens weg. Nun hoffen, dass die Boje auch frei ist. Eine Alternative wäre sonst noch einmal Lustholmen anzusteuern. Doch die Boje ist frei. Und wie ich richtig spekulierte reicht die Landspitze der Insel um hier Ruhe vor der Welle zu haben. In der Nacht soll der Wind auf Nord drehen, auch deshalb hatte ich diese Boje auf dem Schirm. Zum ersten Mal befestige ich die Bojen-Flagge am Achterstag.

Tschüss Börnhamn
Wenig Wind, viel Welle aber es gibt nur diesen Weg über die offene Ostsee
Endlich – im Schutz der Inseln wenigstens keine Welle

Die blauen Bojen werden von der Swedish Cruising Association, kurz SXK, ausgebracht. Daran anlegen darf wer die Bojenflagge hat, die jährlich zu erwerben ist. Um diese zu erwerben, muss man Mitglied sein. Bisher waren diese Bojen weniger mein Ziel. Im Juni, auf dem Weg Richtung Norden, war es so kalt, dass ich häufig Häfen ansteuerte, um mit Landstrom nachts die Heizung laufen lassen zu können. Nördlich von Sundsvall gibt es relativ wenig Bojen des SXK.

Jetzt kommt auch einmal die Bojenflagge zum Einsatz

Nachdem ich an der Boje festgemacht habe, wird das Kanu fertig gemacht. Erster Landgang. Am Ufer hat es Sitzgelegenheiten, eine Grillstelle und eine Trockentoilette. Also wird kurzerhand geplant. Zurück aufs Boot, Tomatensalat machen, Grillwurst und alles notwendige in den Rucksack einpacken. Wieder ins Kanu und am Ufer etwas Brennholz sammeln. Schnell brennt das Feuer und die Wurst liegt auf dem Grill. Es könnte kaum schöner sein.

Miss Sophie liegt sicher an der Boje
Es gibt eine Toilette, eine Grillhütte und Sitzgelegenheiten

Ein Wermutstropfen….

Seit einigen Tagen habe ich abendliche Gäste – Stechmücken. Inzwischen ist das richtig lästig. In der Bucht von Mjältön fragte ich einen Schweden, weshalb sie in der Bucht ankern, es wäre doch genügend Platz hier am Steg gewesen. Darauf meinte er: zum einen wegen der Privatsphäre und zum anderen wegen der Stechmücken. Ich habe jetzt die letzten Tage einige Male geankert oder wie heute an der Boje festgemacht. Doch das es weg vom Ufer weniger Stechmücken geben würde, kann ich jetzt nicht bestätigen. Inzwischen habe ich abends das Elefantentuch vor dem Eingang gespannt. Und trotzdem jage ich jeden Abend 10 bis 20 Stechmücken. Ich fürchte diese Viecher werden mich bis zum Ende meiner Reise begleiten.

Bönhamn > SXK Boje Storön 12 sm

Härnösand – wieder einmal…

Donnerstag, 31. Juli 2025

Mit Härnösand verbinde ich gemischte Gefühle. Zum einen das Warten auf den Anlasser (fünf Tage habe ich hier verloren) und zum anderen die Hilfsbereitschaft und die netten Mitarbeiter der Werkstatt.

Aber es gibt hier nicht viel andere Möglichkeiten. Insbesondere auch dadurch, dass dieses Jahr die Durchfahrt durch Härnösand wegen des Neubaus der Drehbrücke nicht möglich ist. D.h. so oder so muss ich wieder an der Ostküste der Insel Härnön vorbei. Die Idee, den nördlichen Hafen anzusteuern, hatte ich verworfen da es dieses Jahr aufgrund der Baustelle dort keinen Landstrom gibt.

Bis zum Mittag liege ich noch an der SXK Boje. Das Wetter sieht gut aus, strahlend blauer Himmel. Es sieht auch nach weniger Welle aus als am Vortrag und das Beste: Der Wind kommt aus Nordost. Großsegel hochgezogen und Fock ausgerollt und schon geht es mit etwa 4 bis 5 Knoten voran. Nur ab und an ärgert eine etwas größere Welle die unter dem Boot durchrollt und den Magen etwas reizt.

Rückblick auf die Bucht mit der SXK Boje

Leider lässt auf der Hälfte der Strecke der Wind etwas nach. Ich prüfe sicherheitshalber den Regenradar und sehe aus dem Osten Gewitter im Anzug. Etwa 1830 sollen sie in Härnösand sein. Meine erwartete Ankunftszeit laut Orca wäre etwa identisch. Im Sund würden mich die Gewitter nicht allzu sehr stören. Nur auf der offenen See, das muss nicht sein. Mit nachlassendem Wind sinkt meine Geschwindigkeit auf 3 Knoten. Um nichts zu riskieren, nehme ich den Motor dazu. Die Fock wird weggerollt. Inzwischen kommt der Wind so achterlich, dass diese in der Abschattung des Großsegels nur hin und her schlägt.

Einfahrt in den Sund von Härnösand

Etwa 5 sm vor dem Sund muss ich eine Halse machen und kann dann etwas anluven. Jetzt kann ich wieder auf den Motor verzichten und die Fock ausrollen. Die wechselnden Winde im Sund kenne ich bereits und bringen mich nicht aus der Ruhe. Einfach die Segel stehen lassen und warten. 1 oder 2 Minuten später bläst der Wind wieder in die Segel und Miss Sophie beschleunigt wieder.

Der Gästesteg ist wie erwartet recht leer. Nur ein anderes deutsches Segelboot liegt da und ein Crew-Mitglied der Yacht fängt meinen Bug beim Anlegen auf.

Härnösand ist insofern praktisch, weil ich hier noch einmal gut einkaufen kann. Hier gibt es einen Lidl und im Lidl gibt es H-Milch.

Die Planung der nächsten Tage ist schwierig. Windy sagt für Samstag recht viel Regen voraus. Die deutschen Nachbarn meinen das es morgen keinen Wind hätte. Windy und Orca meinen etwas anderes. Ich denke ich entscheide morgen im Laufe des Vormittags was ich mache.

Wieder festgemacht in Härnösand
Bereits festgemacht da zieht das erwartete Gewitter durch
SXK Boje Storön > Härnösand 20 sm

Das wird ein lustiger Tag

Freitag, 01. August 2025

Meine Stegnachbarn in Härnösand hatten gemeint, heute würde es keinen Wind geben. Doch es hat Wind und dazu noch Nordost, genau das, was ich brauche. Also beende ich meine Arbeit etwas früher und beeile mich meine Einkäufe zu erledigen.

Am Nachmittag lege ich ab. Ich habe ein etwas spezielles Ziel: Kattskär. Speziell deshalb, weil ich vor einigen Wochen nur wenige hundert Meter entfernt war – Tynderökanalen. Ich muss das mal auf einem Kartenausschnitt zeigen. Der geplante Liegeplatz ist durch eine Brücke mit 4 Meter Durchfahrtshöhe vom letzten geteilt. Speziell ist dieser Platz zum anderen, weil der Hamnguiden sehr unsichere Angaben zur Einfahrt macht. Nach Kattskär muss ich von Süden kommend durch einen schmalen Kanal. Der Kanal war wohl ursprünglich einmal 6 Meter tief. Die letzte bekannte Tiefe soll 2 Meter betragen. Auf der kleinen Insel befindet sich eine Anlegestelle des SXK (Svenska Kryssarklubben). Ein Steg mit Heckbojen, eine Trockentoilette, eine Sauna und eine Grillstelle.

Tschüss Härnösand – für dieses Jahr zum letzten Mal
Wenig Wind und Welle von hinten
Erholung pur – Null Welle und Wind von der Seite

Wie gesagt konnte ich dann am Nachmittag ablegen. Zuerst ging es unter Motor raus aus dem Sund da hier der Wind noch schwach war und (das kannte ich schon) ständig seine Richtung wechselte. Kurz vor dem Ende des Sunds wurden dann die Segel gesetzt und es ging bei leichtem raumen Wind Richtung Südosten. Nur die Welle war wieder einmal etwas nervig so dass ich einen Bullenstander (eine Sicherungsleine für den Großbaum) setzen musste. Denn ansonsten schlug der Großbaum immer wieder heftig wenn eine größere Welle kam.

Am südlichen Ende der Insel Åston (s. Karte oben) konnte ich endlich anluven und lief zuerst auf Halbwind-Kurs und schließlich am Wind. Und das Beste: Da ich jetzt durch die Insel Åston in der Abschattung war, war die Welle komplett weg. So etwas hatte ich in den Wochen noch nie: Schönen Wind etwas von vorne und null Welle. Es war fast wie auf dem Bodensee (dort kommen Wellen eher von den vielen Motorbooten).

Wer noch einmal einen Blick auf die Karte oben wirft sieht, dass ich an einer größeren Bucht vorbei segelte. An deren Ende hat es ebenfalls einen Steg und es wäre der kürzere Weg gewesen. Ich schaute beim Vorbeifahren mit dem Fernglas und sah einige Boote in der Bucht. In Kattskär rechnete ich eher mit wenig Stegnachbarn. Aber diese Bucht wäre sonst das Ausweichziel.

Die Einfahrt war wie erwartet spannend doch es reichte gut im Kanal – 2 Meter Tiefe wie angekündigt. Nur nach dem Kanal bekam ich kurz einen Schreck, als das Lot nur 1,1 Meter anzeigte. Eigentlich sollte es jetzt wieder tiefer sein. Doch dann sah ich den Grund dafür: Seegras. Ich war wieder beruhigt.

Enge Einfahrt mit unsicherer Tiefenangabe
Alles voll und ein Partyzelt

Als ich dann um die erste der beiden Inseln fuhr, bekam ich den zweiten Schreck. Auf der Insel stand ein Partyzelt und beide Stege waren voll belegt mit Segel- und Motorbooten. Ich fuhr noch etwas heran, um vielleicht doch noch einen Platz zu finden. Da standen drei Männer am Stegende und signalisierten mir, dass ich zwischen zwei Boote fahren und eine der belegten Heckbojen mit nützen soll. Ich passte mit meinem Bug gerade so in die Lücke.

Nun stellte sich heraus, dass dies alles Mitglieder des Svenska Kryssarklubben waren, die auf ihrer jährlichen Club-Ausfahrt unterwegs waren. Und in einer unglaublichen Herzlichkeit hatten sie mich sofort eingeladen, an ihrem Event teilzunehmen. Es hätte noch genug zu Essen und zum Trinken. Und so verbrachte ich einen lustigen und geselligen Abend mit anderen Wassersportfreunden. Der Abend wurde lang – ich denke es war gegen 2 Uhr, als ich in die Koje plumpste.

Krabben (Garnelen) essen bis zum Abwinken

Doch bevor es dazu kam, wurde ich noch gefragt, ob ich nicht mit ihnen weiterziehen möchte. Ich sagte: „wenn das Ziel Richtung Süden liegt, bin ich dabei“. Lill-Lubban sollte das nächste Ziel sein. Dort war ich schon auf dem Hinweg. Auch hier hat der SXK einen „Hafen“. Und es liegt Richtung Süden. Also bin ich dabei.

Härnösand > Kattskär 22 sm

Ein schöner Segeltag und ein schöner Abend mit neuen Freunden

Samstag, 02. August 2025

Nach einem gemeinsamen Frühstück am Morgen wird gegen 10 Uhr abgelegt. Das Wetter ist sehr gut und es hat Ostwind. Ein Boot nach dem anderen verlässt den Steg und ich reihe mich ein. Ich wollte eigentlich den gleichen Weg hinaus nehmen, wie ich hinein gefahren war. Doch ich dachte die Locals werden sich besser auskennen und fuhr hinterher. Für meinen Geschmack etwas zu langsam. Und dann passierte es: Plötzlich ging unter Motor nichts mehr. Ich konnte den Gashebel soweit nach vorne legen wie ich wollte – der Motor änderte nicht mehr seine Drehzahl. Ein Blick ins Wasser lies mich böses ahnen: Seegras in der Schraube. Das hatte ich schon einmal auf dem Bodensee. Damals konnte ich mir behelfen durch ein beherztes Einlegen des Rückwärtsgangs mit viel Schub. Doch jetzt ging nichts mehr. Nicht vorwärts und nicht rückwärts. Und wäre es nicht doof genug, drückte mich noch der Wind näher an Land und damit tiefer in das Seegras. Um den letztendlichen Legerwall zu vermeiden, sprang ich nach vorne und warf den Anker raus.

Die neuen Freunde des SXK signalisierten mir, dass jemand kommen wird, um mich aus dem Seegras raus zu ziehen. Ein Motorboot mit starkem Außenborder kam dann und warf eine Leine hinüber und schleppte mich frei. Doch das hatte nichts an der Situation mit meiner Schraube geändert. Es half nichts. Kleider ausziehen, Badehose an, Taucherbrille holen. Und dann ging es ins Wasser. Die Schraube war komplett voll mit Seegras. Kein Wunder, dass sie nichts mehr machte. Nachdem die Schraube vom Seegras befreit war, ging der Motor wieder auf Drehzahl. Diesmal legte ich den Gashebel nach vorne, um schnell durch diese kurze Passage zu kommen. Aufatmen. Ich sah mich schon beinahe überwintern in Kattskär.

Nachdem die Schraube wieder frei ist – mit Vollgas raus aus dem Kanal
Trotz etwa 1 Stunde Verspätung habe ich dann den ersten eingeholt.

Draußen wurden dann die Segel gesetzt und auf schönem Halbwindkurs ging es mit 5 bis 6 Knoten nach Lill-Lubban.

Auf Lill-Lubban sollte es ein Barbecue geben. Deshalb stellte ich die Frage, was man mitbringen kann. Meine Vorräte waren ja gut gefüllt. Nichts, war die Antwort. Nur Getränke wie Bier und Wein bringt jeder selbst mit. Wow, das hatte mich fast von den Socken gehauen. In der Grillhütte saßen ein paar der Schweden und grillten einige Schweinefilet. Dazu waren einige Salate vorbereitet und es war ein festliches und reichliches Essen.

Wieder festgemacht auf Lill-Lubban

Nach dem Essen gab es durch einen Schweden musikalische Unterhaltung der wohl einige lustige schwedische Lieder zum Besten gab. Der Abend wurde noch länger als der vorherige und es waren lustige, interessante und aufschlussreiche Gespräche. Alles in allem war dies sicher einer meiner Höhepunkte dieser Reise. Natürlich gab ich das Versprechen, sich im nächsten Jahr wieder zu sehen.

Und noch eine Anekdote zum Schluss: Auch in Schweden läuft an Silvester auf jedem Fernsehprogramm „Dinner for one“. So sorgte der Bootsname „Miss Sophie“ für einige Schmunzler.

Diese Gastfreundschaft werde ich nie vergessen
Kattskär > Lill Lubban 16 sm

Anstrengender Segeltag

Sonntag, 03. August 2025

Wieder hatte ich ein gemeinsames Frühstück. Doch jetzt sollten sich die Wege trennen. Während die Mitglieder des SXK Richtung Nordost steuerten, sollte es für mich weiter Richtung Süden gehen. Nur kam heute der Wind aus Südost. Nicht gut. Denn für mich bedeutete dies viel Welle und, wie sich dann noch zeigen sollte, auch noch viel Wind. Raus aus der Bucht hatte ich erst einmal ein Problem mit meinem Focksegel welches sich selbständig gemacht hatte. Das Großsegel war zum Glück schon gesetzt. Aber die Fock flatterte jetzt ohne Kontrolle im starken Wind und dadurch hatten sich auch noch die Schoten vertüdelt weshalb ich die Fock nicht unter Kontrolle bringen konnte. Bei starker Welle, etwa 1 Meter, 10 bis 15 Knoten Wind, natürlich mit Lifebelt, krabbelte ich auf den Bug, um das Problem zu lösen. Extrem anstrengend. Nachdem ich zumindest die Leeschot wieder soweit im Griff hatte, geriet ich unfreiwillig in das Manöver „Beiliegen“. Das bedeutet die Fock steht back, also eigentlich auf der falschen Seite. Aber in dem Moment schaltete ich und begrüßte die Situation. Mit hart dagegen gelegtem Ruder, das Großsegel lose, kam erst einmal wieder etwas Ruhe in die ganze Situation. Vom Ufer war ich weit genug entfernt so dass mich die leichte Abdrift nicht besorgen musste. So konnte ich mich, jetzt mit etwas mehr Ruhe im Schiff, um die andere Schotleine der Fock kümmern. Nachdem alles wieder einigermaßen organisiert war, ich etwas getrunken hatte, konnte ich die Fock auf die richtige Seite nehmen und das Boot Fahrt aufnehmen lassen. Jetzt ging es erst einmal auf dem Holebug Richtung offene Ostsee.

Heckanker voll mit Seegras

Waren Wind und Welle gerade noch anstrengend, wurde beides zunehmend sehr anstrengend. Der Wind nahm zu auf bis zu 18 Knoten und die hackige Ostseewelle auf 1,5 Meter. Einige Wellen schlugen über das Boot und ich musste immer wieder schnell meinen Kopf unter die Sprayhood ziehen, um nicht eine Dusche abzubekommen.

Der kundige Ostsee-Segler ahnt Wind und Welle
Viel Schräglage heute

Achja, mein heutiges Ziel hatte ich noch nicht erwähnt: Mellanfjärden. Etwa 15 Seemeilen sollten es sein, also nicht zu viel. Tatsächlich waren es am Ende etwas über 20 sm. Denn in der Ansteuerung Richtung Mellanfjärden lagen noch zwei Untiefen – die eine östlich, die andere westlich meiner Route. Also galt es hier den Weg dazwischen zu finden. Nicht einfach bei diesen Bedingungen.

Wie gesagt kam der Wind aus Südöst. Und die Bucht bzw. Einfahrt von Mellanfjörden verläuft in Richtung Nordwest. Bedeutet Wind und Welle genau von hinten. Etwas, was man bei einer schwierigen Einfahrt als Segler nicht unbedingt haben möchte. Ich hatte das schon einmal am Anfang meiner Reise, bei der Einfahrt nach Christansø beschrieben. Meine Hoffnung war: Die Bucht ist ziemlich groß und in der Mitte hat es eine Insel. Der Gästehafen liegt nördlich der Insel also im Lee. Dadurch sollten Wind und Welle weitgehend weg sein. Die Einfahrt ging dann doch besser als befürchtet. Es war zwar schwierig, den Kurs genau zu halten, doch das Fahrwasser war dann doch breiter als gedacht.

Einfahrt Mällanfjärden
Festgemacht Mällanfjärden

Am Gästesteg dann kein einziges Boot. Anlegen mit Heckboje, D.h. voraussichtlich auch niemand, der den Bug entgegennimmt. Die Welle war weg aber der Wind blies immer noch mit knapp 10 Knoten. Zum Glück von hinten. Für das Anlegen vorteilhaft. Der Bojenhaken ist gesetzt, langsam geht es auf den Steg zu. Ein paar Touristen laufen auf dem Steg aber niemand der sieht, dass hier einer Einhand unter etwas erschwerten Bedingungen anlegen muss. Irgendwie bekomme ich das alles unter Kontrolle und kann mit der Bugleine auf den Steg springen. Festgemacht. Selten habe ich mich so erleichtert und auch gleichzeitig k.o. gefühlt.

Nachdem die zweite Bugleine fest, das Großsegel verstaut, alle Leinen versorgt und der Landstrom angeschlossen ist, falle ich erst einmal in die Koje. Ich brauchte dringend etwas Schlaf nach der kurzen Nacht und diesem anstrengenden Tag. Nach einer Stunde Schlaf war ich wieder soweit fit, um mir etwas zum Essen zu machen. Selbstgemachte Bolognese. Nicht mit Spaghetti sondern mit Fusilli, die lagen gerade noch auf dem Tisch.

Lill Lubban > Mellanfjärden 21 sm

Wie es weitergeht? Schwierig. Für Dienstag und Mittwoch ist Starkwind aus Süden und für morgen Regen vorhergesagt. Bleibe ich hier oder kann ich morgen noch etwas weiter? Im Moment weiß ich es noch nicht.

Traumplätze besuchen

Samstag, 19. Juli 2025

Ich glaube es ist das erste Wochenende mit Traumwetter (um die 25 Grad) und ohne technische Probleme. Ich freue mich so darauf. Meine Entscheidung war ja nun die, die Höga Kusten etwas zu erkunden und hier die Zeit zu verbringen bevor ich wieder Richtung Süden muss. Ich studiere den Hamnguiden („den“ Revierführer für Schweden). Einige Schweden hatten mir Häggvik empfohlen und auch der Hamnguiden schwärmt von diesem Ort. Dementsprechend gut besucht soll er sein. Ich riskiere es. Falls alles belegt sein sollte, habe ich ein Ausweichziel nicht weit entfernt. Ich muss wieder raus auf die Ostsee und habe auf dem Weg teilweise keine Abdeckung durch Inseln. Deshalb studiere ich diesmal lieber etwas ausführlicher die Wettervorhersagen. Der Deutsche Wetterdienst kündigt NO an. Welle 0,5 Meter. Windy kündigt SO an, etwa 10 Knoten. Das Wettermodell von Orca geht wohl auch von SO aus. Zuerst geht es den Fluss Ångermanälven wieder hinunter. Das ist Richtung SO. Ich habe hier eigentlich schon mit Gegenwind gerechnet und so war es dann auch. Aber heute merke ich die leichte Strömung. Über Grund mache ich 0,5 Knoten mehr Fahrt als durchs Wasser.

Wieder unter der Höga-Kusten-Brücke hindurch geht es wieder auf die Ostsee

Laut Orca sollte ich nach der Höga-Kusten-Brücke segeln können. Geht aber nicht. Denn mein Kurs ist weiter Richtung SO und aus der Richtung kommt der Wind. Erst als es dann bei Hamnholmen ums Eck geht und der neue Kurs NO ist, kann ich segeln. Das dafür aber sehr schön bei immer noch knapp 10 Knoten Wind.

Unterwegs ständig wechselnde Felsformen. Weich geschwungen, hart und kantig, Geröllfelder

Nur einmal, als zwischen der Insel Storön und dem Festland bin, komme ich in die Abdeckung und bin am verhungern. Null Knoten Fahrt. Hinter mir war ein Trimaran aufgerückt. Ich glaube, wäre ich alleine gewesen, hätte ich den Motor angeworfen. So entsteht ein kleiner Wettbewerb darum, wer bei 0 bis 3 Knoten Wind aus wechselnden Richtungen als erstes aus dem Windloch kommt. Am Ende habe ich die glücklichere Nase und komme schneller aus dem Windloch. Doch bald kommt auch er aus dem Windloch und zieht mühelos an mir vorbei.

Der Wind kommt inzwischen fast aus südlicher Richtung und hatte inzwischen etwas geschwächelt. Doch bei der Insel Germündson verengt sich das Fahrwasser und ich vermutete einen Düseneffekt der dann auch eintrat. Von nur noch 7 Knoten zog der Wind auf bis zu 13 Knoten an und es ging wieder mit 6 Knoten Fahrt voran.

Der Streifen im Wald dürfte eine Skipiste sein

Kurz vor Häggvik wurden die Segel geborgen und unter Motor ging es in die enge Einfahrt. Die Landschaft ist ein Traum. Und die Bucht ist ein Träumchen. Es könnte kaum schöner sein. Eine ganz andere Landschaft als ich sie im Süden gesehen hatte. Es mutet ein klein wenig an wie die Schweiz. Die Ufer gehen relativ steil nach oben. Es sind Wiesen zu sehen auf denen die Heuballen liegen. Es sind auch einmal nicht nur Fichten sondern auch Laubbäume zu sehen. Eine richtige Postkartenlandschaft. Es sind noch ein paar Bojen frei und so kann ich entspannt festmachen.

Enge Einfahrt in die Bucht
Festgemacht in Häggvik
Blick vom Boot

Weiter Richtung Norden

Sonntag, 20. Juli 2025

Ich kann noch einige Seemeilen Richtung Norden gehen, bevor ich den Rückweg antrete. Ich möchte ja auch das Revier der Höga Kusten reichlich mitnehmen, wenn ich schon hier bin. Und hier gibt es so viele Inseln und Buchten zu entdecken. Trysunda soll laut Hamnguiden die schönste Insel Schwedens sein. Von Häggvik sollen das gut 20 zu segelnde Seemeilen sein. Bei einigermaßen brauchbarem Wind als 5 bis 6 Stunden. Also kann ich es am Morgen gemütlich angehen.

Rückblick auf Häggvik

Aus der Bucht bei Häggvik heraus habe ich jetzt Gegenwind. Das habe ich nicht anders erwartet. Also geht es zuerst unter Motor los. Um wieder Richtung Norden weiter zu können, muss ich erst einmal etwa 5 sm Richtung Süden bzw. Südost. Dann ist der neue Kurs Nordost. Windy und Orca gehen von Ost bzw. Nordost Wind aus. Also sollte segeln hoch am Wind möglich sein. Als ich den neuen Kurs anlege kommt der Wind noch zu sehr von vorne. Nicht segelbar. Also läuft der Motor erst einmal weiter. Erst nach etwa einer Stunde kommt der Wind mehr östlich und erlaubt es die Segel zu setzen. Besonders stark ist der Wind nicht. Etwa 5 bis 6 Knoten. Und dabei bin ich nicht einmal hinter den Inseln. Noch geht es einigermaßen mit etwa 3,5 Knoten Fahrt. Aber auf der Route werde ich auch hinter vorgelagerten Inseln sein. Wenn draußen schon so wenig ist, dann ist da zwischen den Inseln Null Wind zu erwarten. Und so kam es dann auch. Also Motor wieder an. Insgesamt lies der Wind im Laufe des Tages mehr und mehr nach. Das einzige, was es reichlich hatte, war Sonne. Ich hatte gerade ein Drittel der Strecke geschafft. Nur unter Motor würde ich noch 4 bis 5 Stunden brauchen. Dazu hatte ich keine Lust. Also lies ich Johann (meinen Pinnenpilot) steuern während der Motor lief und suchte im Hamnguiden nach Alternativen die möglichst auf dem Weg liegen. Mjältön – dort soll es eine Bucht mit ein paar Stegen geben. Anlegen mit Heckanker. Kein Strom, Trockentoilette, Grillstelle. Das hört sich gut an. Nur Heckanker – das hatte ich noch nie gemacht. Ich hatte mich vorbereitet, habe einen M-Anker dabei, den ich am Heck befestigt habe. In meiner Rumpelkammer (der Achterkajüte) liegt eine Bleiankerleine die dafür gedacht ist. Alles ist irgendwann das erste Mal. Ich musste hier zum ersten Mal an Heckbojen anlegen, was inzwischen fast zur Routine geworden ist. Das erste Mal „richtig“ ankern (das Ankern am Bodensee ist Kinderspiel). Also sollte heute zum ersten Mal das Manöver Heckanker kommen.

Kein Wind und das auf der offenen Ostsee

Neues Ziel Mjältön

Ich hoffe nur, dass ich in der Bucht noch einen Platz finde. Andernfalls müsste ich ein Stück zurück oder Umwege fahren die ich gerne vermeiden möchte. Auch diese Bucht hat eine sehr schmale Einfahrt mit geringem Tiefgang. An Steuerbord sollen einige Steine im Wasser liegen. Aber es hat ja keinen Wind, so kann ich langsam in die Bucht hinein fahren. Es gibt Stege auf der nördlichen Seite der Bucht und vor der Sauna am Ende der Bucht. Die Plätze auf der nördlichen Seite sind gut belegt. Am Steg vor der Sauna liegen ein Motorboot und ein Segelboot. Dazwischen Platz für zwei Boote. Also steuere ich diesen Platz an. Den Heckanker hatte ich schon unterwegs vorbereitet.

Erster Anlauf. Der Eigner des Segelboots steht schon am Steg, um mich aufzufangen. Etwa 15 Meter vor dem Steg lasse ich den Heckanker fallen, gebe die Leine nach, steuere und versuche die Geschwindigkeit Richtung Steg zu regulieren. Der Schwede hat meinen Bug und ich gehe nach vorne. Dabei sehe ich, dass meine Ankerleine über seiner liegt. Schlecht. Ich bedanke mich für die Hilfe und sage ihm auch gleich, dass dies für mich das erste Mal mit Heckanker war bzw. ist. Er meint, mein Anker wird so wahrscheinlich nicht halten und fragt, wann ich am nächsten Tag gehen möchte. Da ich ja am kommenden Tag am Vormittag arbeiten muss, erst gegen Nachmittag. Er möchte am Morgen gehen. Auch wieder schlecht wenn meine Ankerleine über seiner liegt. Er schlägt vor, das Manöver noch einmal zu fahren und darauf zu achten, dass meinen Anker so fallen zu lassen, dass die Leinen nebeneinander sind. Er gibt mir auch den Tipp, erst einmal den Anker auf den Boden fallen zu lassen und dann Richtung Steg zu fahren. Also lege ich den Rückwärtsgang ein, ziehe die Ankerleine wieder hoch und schaue das ich genügend seitlichen Abstand zu seinem Boot bzw. seinem Anker habe.

Festgemacht – das erste Mal mit Heckanker

Womit ich mich schwer tue, ist den Abstand einzuschätzen. Ich habe auf dem Weg noch einmal die Bleiankerleine versucht mit Armlängen zu messen. Es müssten etwa 25 Meter sein. Der Anker sollte etwa 20 Meter vor dem Steg fallen. Mein Boot ist 8,5 Meter lang. Sein Boot etwa 10 Meter. Anhand dessen versuche ich einzuschätzen, wann der Anker fallen muss. Der Anker fällt und ich steuere wieder auf den Steg zu. Der freundliche Schwede fängt wieder meinen Bug auf und diesmal gibt mir auch die Ankerleine das Gefühl, dass sich der Anker eingegraben hat. Geschafft!

Jetzt kann ich auch die herrliche Kulisse hier genießen. Wieder ein Traumplatz. An der Grillstelle mache ich zusammen mit dem anderen Schweden ein Feuer. Während das Feuer langsam wird, bereite ich einen Tomatensalat mit Feta und Oliven vor. Dann wandert das marinierte Schnitzel auf den Grill. Könnte es schöner sein?

Vorbereitungen für das Abendessen laufen

Kein Segeltag

Montag, 21. Juli 2025

Bisher bin ich oft von Hafen zu Hafen gesegelt und habe, wenn dann eher aufgrund äußerer Umstände mehr als einen Tag an einem Ort verbracht. Da ich keine Eile mehr habe, möchte ich einen Tag länger hier auf Mjältön verbleiben. Mjältön ist Schwedens höchste Insel. Der höchste Punkt des Berges Bastuto liegt 236 Meter über dem Meeresspiegel. Es gibt einen Rundweg der einen Abstecher zum höchsten Punkt macht und dann gibt es noch einen Abstecher zu einer besonderen Höhle. Doch nach der Arbeit kühle ich mich erst einmal in der Ostsee ab. Hier in der Bucht beträgt die Wassertemperatur mittlerweile 24 Grad. Draußen sind es etwa 21,5 Grad.

Der Rundweg führt zuerst durch Fichtenwälder um dann auf die andere Seite der Insel zu kommen. Der Blick auf die See zeigt keinen Wind. Gute Entscheidung, heute hier zu bleiben. Es geht etwas auf und ab. Dann ein Geröllfeld, Steine groß wie Bowlingkugeln. Richtung dem höchsten Punkt lichtet sich der Wald mehr und mehr was hauptsächlich an den Felsen und der fehlenden Erde liegt. Am höchsten Punkt hat man eine herrliche Aussicht über die Schären. Es ist Tradition, dass jeder der mit dem Boot hierher kommt, einen Stein mitbringt. So ist der Steinhaufen inzwischen über 1,50 Meter hoch.

Beim Abstieg gibt es noch einen Abstecher bei dem noch einmal etwas bergauf gelaufen werden muss. Der Weg ist mit blauen Punkten markiert und führt zu einer besonderen Höhle. Es handelt sich um einen Felsriss dessen Ränder durch die Wellen geformt wurden. Doch wie geht das? Schließlich liegt die Höhle 100 Meter über dem Meeresspiegel. Mit Beginn des postglazialen Zeitalters und dem Rückzug der Gletscher atmete die Landmasse förmlich auf und stieg nach oben. Auch heute hebt sich die skandinavische Landmasse um etwa 0,8 cm im Jahr. Daher gibt es auch zahlreiche aufgegebene Fischerdörfer die vor 200 oder 300 Jahren noch einem Zugang zum Meer hatten den es aber aufgrund der Landhebung nicht mehr gibt.

Jetzt aber – Trysunda

Dienstag, 22. Juli 2025

Es ist richtig warm geworden – 28 Grad sollen es heute werden. Ich sollte einen Am Wind Kurs haben, das könnte für etwas Abkühlung sorgen. Doch die ersten 2 sm gehen zuerst unter Motor. Dann passen Windrichtung und Stärke einigermaßen. Es ist nicht viel Wind – etwa 6 Knoten. Aber das reicht, um mit etwa 4 Knoten voran zu kommen. Von der Bucht sind es nur knapp 10 sm nach Trysunda und ich sollte dann am späten Nachmittag ankommen. Es geht wieder zwischen einigen Inseln hindurch und jede ist anders. Jetzt fällt das rötliche Gestein auf. Schon von weitem fällt die Trysunda vorgelagerte Insel Skrubban mit ihren steilen Felswänden auf. Von hinten sehe ich einen Finnen mit seinem Segelboot regelrecht anrauschen. Er hat AIS – so kann ich sehen mit welcher Geschwindigkeit er unterwegs ist. Gut 6 Knoten. Ach, diese Wettrennen kurz vor dem Hafen kenne ich vom Bodensee und ich kann darüber nur milde lächeln. Mir tun solche Menschen leid.

Rückblick auf die Bucht von Mjältön
Da rauscht der Finne an mir vorbei – ohne zu grüßen

Doch vor uns beiden kommt noch ein Personenschiff mit 20 Knoten in die Bucht gerauscht und sorgt erst einmal für ordentlich Welle. Ich sehe den Finnen vor mir die Liegeplätze abfahren. Es scheint keine Boje frei zu sein. Ich fahre auch langsam auf die Liegeplätze zu und sehe gerade wie vor mir ein schwedisches Segelboot losmacht. Also warte ich. Für den Finnen wäre der Platz sowieso viel zu eng. Selbst ich brauche die Unterstützung der daneben liegenden Boote die ich aber bekomme und die mir signalisieren, dass ich in die Lücke hinein fahren soll. Viel breiter dürfte ich nicht sein. Aber wie heißt es so schön: „Platz ist in der kleinsten Hütte“.

Ganz schön eng hier…

Mein erster Eindruck – nett. Ja, ist ganz schön so mit den alten Fischerhäusern die heute wohl allesamt Ferienhäuser sind. Aber auf dem ersten Blick ist Trysunda in meinem Ranking im oberen Mittelfeld. Es ist vor allem sehr voll und dementsprechend auch etwas laut hier. Viele Familien mit ihren Kindern.

Mal sehen – vielleicht bleibe ich hier einen Tag, um die Insel etwas zu entdecken.

Ein Tag in Trysunda

Mittwoch, 23. Juli 2025

Ich habe mich entschlossen, noch einen Tag in Trysunda zu bleiben. Erstens gewinne ich nichts, wenn ich jetzt gleich weiter nach Örnsköldvik gehe und zweitens möchte ich noch etwas vom Ort bzw. der Insel sehen. Es gibt eine kleine Kapelle aus dem 17. Jahrhundert und es soll einen besonders schönen Kiesstrand geben. Aber zu erst einmal arbeiten was bei der Hitze keinen Spaß macht. Für die Gegend gibt es eine Hitzewarnung – mehr als 30 Grad.

Am späten Nachmittag ziehe ich dann los. Die Kapelle ist leider verschlossen. Von dem kleinen „Berg“, der 85 Meter hoch ist, hat man einen schönen Blick auf die Bucht. Dann geht es weiter durch einen Wald zum besagten Strand Storviken der wirklich sehr schön ist. Es hat rund geschliffene Kiesel aus Nordingrå-Granit, dunklem Diabas und grauem Sandstein. Und daneben hat es sanft geschwungene Felsen aus Diabas, ein Überbleibsel der vulkanischen Aktivitäten.

Planung für den Rückweg

Morgen geht es nach Örnsköldvik, einer etwas größeren Stadt. Dort möchte ich noch einmal die Vorräte auffüllen, bevor es zurück Richtung Süden geht. Außerdem sollte ich einmal tanken – ich traue gerade meiner Tankanzeige nicht (zeigt seit längerem halb voll). Die Wetteraussichten sind schwierig. Windy sagt für Freitag relativ starken Wind aus Südwest an – in Böen bis 25 Knoten. Ich kann es noch nicht einschätzen, was sich da für eine Welle aufbaut. Ab Samstag/Sonntag soll das Wetter schlechter werden. Regen und Temperaturen um 25 Grad und das gleich für mehrere Tage. Da muss ich mal sehen was ich daraus mache.

Auf jeden Fall brauche ich für Freitag und Samstag Liegeplätze die gegen südliche Winde geschützt sind. In der Nacht von Samstag auf Sonntag soll der Wind um 180 Grad drehen. Das macht die Auswahl besonders schwierig.

Umkehrpunkt Örnsköldvik

Donnerstag, 24. Juli 2025

Was zieht einen nach Örnsköldvik? Zugegeben, touristisch betrachtet gibt es keinen Grund, Örnsköldvik anzusteuern. Doch bevor ich den Kurs Richtung Süden einschlage, muss ich noch einmal einkaufen, tanken und Wäsche waschen. Das ist der Nachteil der kleinen Inseln. Sie sind zwar alle sehr schön, doch man muss da schon recht autark unterwegs sein. Es sind nur 12 sm von Trysunda nach Örnsköldvik.

Der Wind bläst bereits, wie auch für die nächsten Tage vorhergesagt, aus Südwest. Für mich heute natürlich ideal. Raumschots rausche ich zwischen den Inseln mit 4 bis 6 Knoten. Und das nur mit dem Großsegel. Eine Zeitlang habe ich noch Begleitung von der Küstenwache, die sich aber dann doch nicht für mich interessiert.

Rückblick nach Trysunda
Vorbei an felsigen Inseln
An der Kulisse unschwer zu erkennen – Örnsköldvik ist eine Industriestadt

In Örnsköldvik mache ich zuerst im ersten Hafen fest, den ich wegen tanken auf der Liste hatte. Doch nach dem ersten Einkauf realisiere ich, dass dieser keine Ausstattung hat und auch recht weit weg ist von der Stadt.

Also verlege ich das Boot zum Gasthamn der am Ende der Bucht liegt.

Festgemacht zum zweiten
Passender Abschluss

Örnsköldvik ist auch das nördliche Ende des Gebiets Höga Kusten. Die nächste größere Stadt nördlich wäre dann Umeå. Aber ich muss mich jetzt Richtung Süden orientieren. Nach Gävle sind es von hier etwa 250 sm (gesegelt – nicht Luftlinie). Aus der Erfahrung der letzten zwei Monate benötige ich dafür 20 bis 30 Tage.

Der Start dieser Etappe hat schon einmal schlechte Voraussetzungen. Die nächsten beiden Tage soll es kräftigen Südwestwind haben. In Böen bis 6 Bft. Und dann sind einige Tage mit schlechtem Wetter vorhergesagt. Keine guten Voraussetzungen. Ich muss mir Gedanken machen, was ich daraus mache. Denn eigentlich wollte ich auf dem Rückweg, und gerade hier in den Höga Kusten, noch ein paar nette Inseln mitnehmen. Es bleibt spannend.

Ungewollter Hafentag

Freitag, 25. Juli 2025

Am Vormittag musste ich ja erst noch arbeiten. Gleichzeitig nahm im Laufe des Vormittags der Wind immer mehr zu. Gegen den frühen Nachmittag, als ich hätte ablegen können, blies der Wind mittlerweile in Böen mit 6 Bft. ziemlich direkt aus Süden. D.h. auch hier im Sund hätte ich erst einmal gegen an müssen. Dazu bauten sich im Westen Gewitterwolken auf und bald zuckten die ersten Blitze vom Himmel. Also kein Segeltag.

Am frühen Nachmittag blies es mit 6 Bft. in den Sund
Und im Westen zog dazu noch ein Gewitter durch

Die nächsten Tage werde ich wohl eher spontan entscheiden müssen, was geht und was nicht geht. Von Westen zieht ein Tiefdruckgebiet heran welches dann voraussichtlich Dienstag von einem Tief aus dem Süden abgelöst wird. Es sieht also bescheiden aus. Egal was geht, es geht jetzt auf jeden Fall wieder Richtung Süden.

Wendepunkt meiner Reise Richtung Norden

Samstag, 12. Juli – Dienstag, 15. Juli 2025

Recherchieren, Suchen, Warten, Arbeiten

Mit einem defekten Anlasser wäre das Risiko, einfach weiter zu gehen zu hoch. Zudem muss ich mindestens 250 sm zurück nach Gävle für das Winterlager. Das sind etwa 15 Segeltage. Gerade auch wenn man in Ankerbuchten geht, ist die Einfahrt nicht so einfach. Ohne Motor, nur unter Segel wäre das sehr gewagt. Dazu kommt, dass ich ja alleine unterwegs bin. Ankern (ohne Ankerwinsch), Boje einfangen nur unter Segel – für mich kaum denkbar.

Zudem benötige ich Ersatz für die abgerissene Schraube an der Lichtmaschine. Ich hatte gleich Google mit den Stichwörtern „Volvo Penta Härnösand“ bemüht und einen Händler gefunden, der Samstag offen hatte. Also bin ich dorthin und habe mein Anliegen geschildert. Doch er macht nur Außenborder und hat mir eine Telefonnummer und einen Namen gegeben.

Zurück auf dem Boot recherchiere ich. Das ist eine Art Kette – wohl Volvo Penta Vertragshändler. Der nächste wäre aber in Sundsvall. Das sind fast 50 km von hier. Das macht keinen Sinn. Also recherchiere ich weiter. Es gibt hier in der Nähe des Hafens zwei Marine-Werkstätten. Dort möchte ich am Montag mein Glück versuchen.

Den Sonntagabend habe ich dann noch genützt, endlich die Leine für das zweite Reff zu tauschen. Die war vollkommen hinüber weshalb ich kaum ausreffen und auch das zweite Reff nicht setzen konnte. Damit ist das Problem auch endlich gelöst.

Härnösand – ansonsten nicht unbedingt eine Reise wert

Am Montagvormittag laufe ich zu den beiden Werkstätten, die direkt nebeneinander liegen. Die erste sieht ziemlich abgewrackt aus und macht keinen vertrauensvollen Eindruck. Also gehe ich zur zweiten. Das Tor ist offen und ich spreche den ersten Mitarbeiter an. Er deutet mir an, dass er taubstumm ist und verweist mich an einen Kollegen. Doch welche Überraschung – der ist ebenfalls taubstumm. Mittels Papier und Stift tauschen wir uns aus und er sucht mit mir bei seinem Lieferanten nach dem passenden Anlasser. Kostenpunkt 180 Euro. Bestellt. Sollte in ein oder zwei Tagen da sein.

Dann gehe ich noch in die Stadt, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Brennspiritus für meinen Kocher suche ich schon seit längerem und werde endlich fündig. Dann suche ich noch einen Friseur. Wird nach mehr als zwei Monaten mal wieder Zeit. Da dessen Englischkenntnisse recht eingeschränkt sind, muss es mit Zeichensprache gehen. Erstaunt war ich über den Preis: 400 SEK. Das sind fast 36 Euro. Zu Hause bezahle ich etwa 25 Euro (ohne waschen). Schweden ist teuer… (Anmerkung: Das war kein Nobel-Friseur, eher ein etwas abgewrackter Laden).

Pläne schmieden

Derweil nütze ich die Zeit, Pläne für die kommenden Tage zu machen. Dies hier wird mein Umkehrpunkt sein. Ich kann (vorausgesetzt das klappt jetzt so mit dem Anlasser) noch etwa 5 bis 7 Tage etwas Richtung Norden segeln. Hier, in Härnösand, beginnt die Höga Kusten (die hohe Küste). Seit dem Jahr 2000 Weltnaturerbe. Alle Segler, die mir entgegenkommen, schwärmen von dieser Gegend. Also suche ich mir Ziele, die ich als „krönenden“ Abschluss sehen möchte. Da wäre die Höga-Kusten-Brücke. Das zweithöchste Bauwerk Schwedens, 1,8 km lang, Durchfahrtshöhe 40 Meter. Trysund soll die schönste Insel Schwedens sein. Das Wetter passt. Der Sommer ist in Schweden endgültig angekommen. Es ist dauerhaft schön. Den Wind muss man nehmen wie er kommt. Nur mit Wärmegewittern muss jetzt zunehmend gerechnet werden.

Anlasser ist da – weiter geht’s

Mittwoch, 16. Juli 2025

Mittwochvormittag bekomme ich eine SMS von der Werkstatt. Der Anlasser ist da. Dazu die Frage, ob ich ihn abhole oder ob jemand kommen soll, um den Austausch gemeinsam zu machen. Da mir das passende Werkzeug fehlt (Imbusschlüssel), bitte ich darum das jemand kommt. Zusammen tauschen wir den Anlasser. Die Schrauben des Anlassers sind selten blöd beim Volvo Penta angebracht. Nach gut einer Stunde ist der Anlasser getauscht. Test – Motor springt an. Anlasser funktioniert. Scheint mir nicht ganz so kraftvoll wie der alte. Aber egal – wichtig ist das er funktioniert und der Motor anspringt.

Neuer Anlasser ist eingebaut und funktioniert

Als Tagesziel hatte ich mir eine Ankerboje südlich von Storön ausgesucht. Der Wind bläst immer noch kräftig aus Nord (Windy erzählt immer noch Mist). Nachdem die letzten Einkäufe erledigt waren, ging es dann am Nachmittag los. Zuerst raus aus dem Sund – also Richtung Süden. Da der Wind sehr böig war (im Hafen blies es zwischen 10 und 20 Knoten) setzte ich dazu erst einmal nur die Fock. Und das war auch gut so.

Ich hatte bereits geschrieben, dass Härnösand zur Hälfte auf einer Insel und zur Hälfte auf dem Festland liegt. Ich lag im südlichen Hafen Södra Sundet. Normal hätte ich jetzt den kurzen Weg durch die Stadt nehmen können. Da gibt es zwei Klappbrücken. Doch eine der beiden Klappbrücken wird in 2025/2026 durch eine Drehbrücke ersetzt. Dadurch ist die Durchfahrt nicht möglich. D.h. ich muss den Sund Richtung Süden herunter und um Härnön herum, um Richtung Norden in die Inselwelt der Höga Kusten zu kommen. Hier einmal ein Kartenausschnitt, um das zu verdeutlichen. Der Pfeil zeigt auf den Hafen. Darüber (nördlich) die Stadt.

Luftlinie habe ich dann gerade einmal 2,7 sm geschafft. Das sind etwa 5 km. Gesegelt waren es 18,8 sm

Auch wenn der Wind im Sund stark wechselt, sowohl in Richtung aus auch in Stärke, geht das mit der Fock ganz gut. Ich vermute die umliegenden Hügel sind die Ursache für diesen Wechsel.

Selten war ich so froh, von einem Ort weg zu kommen. Ciao Härnösund

Dort, wo der Sund dann breiter wird, tausche ich Fockksegel gegen Großsegel und versuche dann den Kurs zu laufen, den Orca vorgeschlagen hat. Doch wie so oft, so hoch am Wind kann ich nicht segeln. Draußen, auf der offenen See, wird es jetzt richtig ungemütlich – trotz strahlendem Sonnenschein. Es hat etwa 10 bis 15 Knoten Wind und Wellen um 1,5 Meter. Immer wieder mal eine mit 2 Meter. Das gegenan, das wird sogar für meinen Magen etwas anstrengend. 3 Stunden so zu segeln macht keinen Sinn. Denn trotz des guten Windes, auch wenn ich hoch am Wind segle, macht Miss Sophie aufgrund der Welle nur 3,5 bis 4 Knoten. Jedes Mal wenn sie in eine Welle kracht, wird sie ausgebremst. Der Nachteil des Kurzkielers.

Im Sund ist es noch angenehm

Also muss ein neuer Plan her. Ich plane, sobald als möglich, eine Wende zu machen, um wieder hinter die Inseln zu kommen. Lustholmen scheint eine gute Alternative zu sein. Ein beliebter Naturhafen mit etwa 25 Liegeplätzen. Hoffentlich bekomme ich noch einen Platz. Ansonsten fehlt mir Plan C.

Zwischen den Inseln. Keine Welle, nur Wind
Festgemacht in Lustholmen

Die erste Insel, die mir etwas Abdeckung gibt, ist Lungön. Die Welle lässt mehr und mehr nach und auch meinem Magen geht es besser. Jetzt ist es wieder schönes Segeln. Nach etwa 5 Stunden erreiche ich Lustholmen und finde noch eine freie Boje. Luftlinie bin ich gerade einmal etwa 5 km vom Ausgangspunkt entfernt. Gesegelt bin ich knapp 19 sm – also etwa 35 Kilometer. Verrückt.

„Lustiger“ Track. Einmal im Viereck gesegelt

Einfach treiben lassen

Donnerstag, 17.07.2025

Ich habe kein festes Ziel im Moment. Ich habe jetzt noch etwa eine Woche, dann sollte ich langsam den Rückweg Richtung Gävle angehen. Ich möchte jetzt einfach noch etwas hier die Höga Kusten erkunden, sehen und entdecken. Deshalb starte ich am Mittag zuerst ohne Ziel und entschließe mich dann doch die Högakustenbron  (Höga-Kusten-Brücke) zu durchfahren.

Passieren einer Fähre. Ähnlich spannend wie am Bodensee, nur sind hier die Wege kürzer

Hier, zwischen den Inseln, wechselt der Wind immer wieder etwas. Vor allem in der Stärke. Aber ich habe Wind aus NO und Kurs NW. So setze ich nur die Fock und lasse mich einfach treiben. Ich habe jegliche Eile verloren. Dass die Logge immer wieder mal unter 3 Knoten fällt stört mich nicht. Ich genieße einfach die Landschaft.

Die Höga-Kusten-Brücke war bei ihrer Eröffnung 1997 mit 1800 Metern die neuntlängste Hängebrücke der Welt. Vorbild war die Golden Gate Bridge. Daneben ist es eines der höchsten Bauwerke Schwedens (186 Meter). Die Durchfahrtshöhe beträgt 40 Meter.

Höga-Kusten-Brücke in Sicht
Es kommt einem trotzdem immer knapp vor
Ein imposantes Bauwerk

Direkt bei der Brücke hat es einen Steg mit Gastliegeplätzen. Ich versuche mein Glück, doch die wenigen Plätze sind alle belegt. Viel weiter möchte ich nicht. Ich möchte nicht wieder spät Abends ankommen. Also suche ich mir die nächste Möglichkeit heraus. Bei Västby hat ein kleiner Club einige Gastplätze. Also steuere ich diesen an – wieder nur mit Fock. Sind nur 5 oder 6 sm. Die Gastplätze sind alle frei. Ich mache fest und finde jemanden im Hafen. Ich frage wie das mit der Bezahlung läuft und er fragt mich, wie lange ich bleiben möchte. Hierher verirren sich wohl nicht viele Gäste und mir wird auch bald klar weshalb. Direkt dahinter liegt eine Eisenbahntrasse und dahinter eine Schnellstraße. In der einen Richtung ist die Kulisse recht idyllisch, in die andere weniger. Aber ich habe jetzt auch keine Lust mehr weiter zu ziehen. Die Möglichkeiten zu ankern sind hier bescheiden. Der Mann entpuppt sich als Mitglieds des Clubs und meint für eine Nacht müsste ich nichts bezahlen. Wie heißt es so schön: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.

Festgemacht

Und noch etwas erwähnenswertes: Die Wassertemperatur beträgt 24 Grad. Da nehme ich doch gleich einmal das erste Bad auf der Reise. Der Sommer ist mittlerweile auch in Schweden angekommen. Am Polarkreis hatte es gestern gegen Abend 24 Grad. Im Moment ist es in Norden wärmer als im Süden. In einigen Regionen sind jetzt offene Feuer wegen der Waldbrandgefahr verboten. Das Wetter und dann noch Südwind, das hätte ich mir einige Wochen früher gewünscht.

Flusssegeln vom Feinsten

Freitag, 18. Juli 2025

Heute mache ich nur einen kurzen Schlag. Da ich wegen der Höga-Kusten-Brücke schon in den Fluss Ångermanälven eingebogen war, und der kleine Bootsclub von Frånö nicht weit entfernt war, sollte dies mein Tagesziel sein. Nur 6 sm. Aber der kleine Hafen ist nur 4 km von der Stadt Kramfors entfernt und laut Hamnguiden sollte es Fahrräder zum Ausleihen geben. Denn bevor es wieder raus geht Richtung Ostsee, wollte ich die Vorräte auffüllen.

Tschüss Västby … Im Hintergrund sieht man die Oberleitung der Eisenbahn

Dank Ostwind bzw. später Südost konnte ich sehr schön den Fluss hinauf segeln was sehr spannend war. Denn aufgrund der Biegungen, Wendungen und Inseln musste immer wieder die Segelstellung geändert werden. Steuerbordbug, Backbordbug oder mal Schmetterling. Der Fluss hat hier kaum Strömung und so kam ich gut voran und war am späten Nachmittag im Hafen. Wie immer bekam ich Hilfe beim Anlegen. Wieder war ich der einzige Gast. In diese Gegend verirren sich wohl nur wenige (dabei verpassen sie die schöne Landschaft).

Und wieder eine Brücke – diesmal 30 Meter Durchfahrtshöhe
Festgemacht in Frånö

Es waren drei Männer vom Club da und natürlich interessierte man sich dafür woher ich komme, seit wann ich unterwegs bin. Und ich erzählte von manchem Erlebnis, den letzten Tagen und vor allem weshalb ich hierher gekommen war. Auf meine Frage, ob ich den ein Fahrrad ausleihen könnte meinte einer: „er wird dich fahren“ und zeigte auf einen der Männer. Auf meine Frage, wie ich dann zurück in den Hafen komme, meinte er „er bringt dich auch wieder hierher“.

Gesagt, getan. So hatte ich mein kostenloses Taxi in die Stadt zum Coop und beim Systembolaget ging es auch nur kurz vorbei. Achja, und noch einmal etwas Bargeld holen. Hier musste ich zum ersten Mal die Hafengebühr bar bezahlen. Ansonsten wäre Swish möglich gewesen, aber dieses Bezahlsystem steht nur Schweden zur Verfügung.

So, und jetzt freue ich mich auf das erste schöne Wochenende mit Sonne, Wind und ohne technische Probleme seit acht Wochen auf der Ostsee…

Sonntag, 6. Juli 2025

Heute regnet es nur einmal – von morgens bis abends. Aber das habe ich gewusst. Meine Einkäufe habe ich bereits am Vortag erledigt und da es mit dem Regen auch kalt ist, bleibe ich gemütlich in meinem Daunenschlafsack eingemummelt bis 11 Uhr liegen. Gemütliches Frühstück. Bei dem Wetter habe ich keine Lust von Bord zu gehen.

Regen – ein Tag an dem man keinen Hund vor die Türe jagt

Nachdem jetzt alle Akkus voll geladen sind, richte ich an den LiFePo Batterien alles so, das ich schnell und einfach die Peripherie aktivieren kann. D.h. der 230 V Konverter bleibt angeschlossen und auch das Ladekabel für das Ladegerät der LiFePo Akkus. Dann sortiere ich noch das am Vortag verursachte Chaos etwas und spüle das Geschirr der letzten zwei Tage. Der Akku der starken LED-Taschenlampe wird auch noch gleich geladen.

Am Nachmittag setze ich mich an den Laptop, neben mir das iPad. Überlegungen anstellen, wie ich die nächsten zwei Tage gestalten kann. Das Traumziel, Haparanda, habe ich mit dem heutigen Tag abgeschrieben. Es ist für mich nicht mehr erreichbar. Es wären immer noch etwa 600 gesegelte Seemeilen von hier bis Haparanda. Etwa 650 Seemeilen bin ich jetzt unterwegs. Die Frage ist: Soll ich noch etwas in den Norden oder gleich wieder zurück Richtung Süden. Im Moment kann ich mich nicht entschließen. Ich denke ich entscheide es am nächsten Tag spontan im Laufe des Vormittags.

Achja, inzwischen kann ich den kühlen Temperaturen auch etwas abgewinnen: Schon in Älmsta (als noch mein Bekannter mit an Bord war) bemerkten wir, dass es hier ordentlich Stechmücken haben kann. Das ist hier nicht besser. Trotz der kühlen Temperaturen „verirren“ sich zwei oder drei Stechmücken in das Boot. Das Thema möchte ich mir gerade nicht bei 25 Grad ausdenken.

Kuggören

Montag, 7. Juli 2025

Nachdem ich meine Arbeit vorerst erledigt habe, kann ich gegen 14 Uhr ablegen. Zum nächsten Hafen wäre es zu weit auch aufgrund des schwachen, ungünstigen Windes. Deshalb suchte ich irgendeine Ankerbucht oder SXK-Boje in machbarer Entfernung. Das einzige, was sich anbot, war eine SXK-Boje bei Kuggören. Zuerst ging es wieder raus aus der Bucht von Hudiksvall. Diesmal jedoch unter Segel. Musste zwar ein paar Mal improvisieren, aber letztendlich ging das ganz gut. Es war ein ziemlich wechselnder Wind sowohl in Stärke als auch in Richtung.

Nachdem ich wieder einmal eine Durchfahrt zwischen zwei Inseln hatte, ging es gezwungenermaßen raus auf die offene See. Leider stimmte die Windrichtung nicht so, wie sich das Orca gedacht hatte. Ich segelte erst einmal weiter auf dem ungünstigen Kurs (hoch am Wind). Die Welle nahm mehr und mehr zu. Am Ende waren es etwa 2 Meter. Gleichzeitig lies der Wind nach – nur noch 7 bis 8 Knoten. So machte ich nur noch etwa 3 Knoten Fahrt am Wind. Das machte keinen Sinn. Deshalb holte ich dann letztendlich die Segel herunter, um die letzten 10 sm mit Motor zu machen.

In der Bucht bei Kuggören war die Welle endlich weg. Aber die SXK-Boje war leider bereits belegt. Nach der Karte von Navionics sollte es noch eine Besucher-Boje geben. Aber die gab es nicht. Also blieb zuletzt nur noch die Option den Anker zu werfen. Auf 7 Meter Tiefe brachte ich 20 Meter Kette plus 7 Meter Bleiankerleine aus. Aber der Anker hielt nicht. Ich wollte noch einen Versuch weiter innen machen, da winkte mir eine Schwedin von einem Bootshaus. Ich fuhr zu ihr hin und sie bot mir an, am Bootshaus längs festzumachen. Das Angebot nahm ich gerne an. Sie bot mir auch noch Frischwasser an, erklärte mir wo ihre Toilette ist und meinte ich solle am Haus klopfen wenn ich etwas brauche. Könnte Schweden schöner sein?

Festgemacht am Bootshaus
Hier hat jede/r sein eigenes Toilettenhäuschen
Da liegt Miss Sophie am Bootshaus. Rechts wäre die SXK Boje die belegt ist
Frühgeschichtliches Labyrinth
Keine Ahnung was das für ein Fisch ist – war aber lecker und hat 2 Tage gereicht

Von der freundlichen Bewohnerin erfahre ich, dass hier noch acht Menschen leben. Die restlichen Häuser sind alles Ferienhäuser. Ich machte noch einen Spaziergang in das Dorf. Dort sollte es frischen und geräucherten Fisch zu kaufen geben. Und auch wenn es schon spät ist (gegen 21 Uhr), bekomme ich noch einen geräucherten Fisch der gleich zu meinem Abendessen wird.

Stocka

Dienstag, 8. Juli 2025

Heute habe ich ein paar geschäftliche Termine am Nachmittag weshalb ich gleich am Morgen los mache. Ich durfte ja nur eine Nacht am Bootshaus bleiben. Sonst wäre ich vielleicht noch geblieben, um noch etwas die Gegend anzuschauen. Die SXK Boje war natürlich immer noch belegt.

Aber da auch wieder einmal eine Dusche gut wäre, habe ich mir einen Hafen ausgesucht. Nur 13 Seemeilen – das sollte flott zu schaffen sein, dachte ich. Doch raus aus der Bucht, wie soll es anders sein, kam der Wind mal wieder direkt auf die Nase und damit anders, als es Orca berechnet hatte. Ich wollte nichts unversucht lassen und zog einmal die Segel hoch. doch bei 6 bis 7 Knoten Wind und der Welle machte ich gerade mal 2,5 Knoten Fahrt. Das würde nicht reichen, um rechtzeitig für die Arbeit online zu sein. Deshalb wurden die Segel geborgen und unter Maschine die kurze Strecke zurückgelegt.

3h 20 min für 13 Seemeilen sind noch o.k. Aber normal, ohne diese Welle, macht Miss Sophie 5 Knoten. Nebenbei: Auch die großen sind bei diesen Bedingungen ohne Segel unterwegs. Es ist oft eher so, dass ich unter Segel bin, während mir ein Segler in Maschinenfahrt begegnet.

Anlegen war mal wieder mit Heckboje. Für mich (einhand) immer noch eine aufregende Aufgabe. Beim ersten Versuch hat es mir den Bug verrissen, als der Festmacher von der Boje dicht kam und ich den Vorwärtsgang im Standgas drin hatte. Beim zweiten Versuch stand ein Helfer am Steg und ich gab die Heckleine kontrolliert nach und Vorwärtsschub nur soweit als notwendig. So geht es wesentlich besser.

Überrascht war ich von der Hafengebühr – 130 SEK (weniger als 12 Euro) das ist bisher mit Abstand der günstigste Hafen. Und die Sanitäranlagen sind sehr ordentlich. Statt Papierhandtücher gibt es kleine Frottee-Handtücher auf den Toiletten, die jeden Tag frisch aufgefüllt werden. Vielleicht liegt es auch daran, dass angrenzend bzw. dazugehörend ein Stellplatz für Wohnmobile ist.

Mein Winterplatz in Gävle ist jetzt so gut wie in trockenen Tüchern. Darüber bin ich ganz froh. Im anderen Fall (Nävekvarn) müsste ich jetzt schauen das ich zurück komme. Denn von hier sind es etwa 300 sm bis Nävekvarn. Also 10 bis 15 Segeltage. Und so kann ich mir die Aland Inseln bequem für nächstes Jahr aufheben.

Ich denke diese Überlegungen stellen viele deutsche Segler an, die für den Winter meist zurück in die Heimat müssen. Denn seit einigen Tagen sehe so gut wie keine deutschen Segler mehr. Überhaupt wenig ausländische Segler. Wenn, dann sind es oft Finnen. Ist ja naheliegend.

Den lauen Abend habe ich dann noch genützt, nach dem Deckslüfter zu schauen. Wenn eine Welle über das Boot kommt oder es stark regnet, tropft es auf den Tisch. Aufgeschraubt und erst einmal sauber gemacht. Die mehr als 30 Jahre alten Dichtungen sind vollkommen hinüber. Mit Gafa-Tape (ich liebe es) versuche ich das so zu präparieren, dass in Zukunft kein Wasser hinein schwappt. Sollte das nicht funktionieren, wird das Ding komplett zu geklebt. Funktioniert sowieso nicht mehr. Eine andere Baustelle habe ich noch an einem Decksdurchlass für das Toplicht. Auch der ist nicht dicht.

Mit wenig Wind geht es weiter

Mittwoch, 9. Juli 2025

Das ist mir jetzt schon lange nicht mehr passiert – ich habe verschlafen. Ich glaube ich hatte vergessen den Wecker zu stellen. Es ist aber auch so schwer, hier ein Gefühl für die Uhrzeit zu bekommen. Um 6 Uhr morgens strahlt hier schon die Sonne ins Boot. Ich drehe mich noch einmal um und gegen 9 Uhr wache ich erschrocken auf. Das gibt wenig Arbeitsstunden heute. Gegen 13.30 Uhr gehe ich noch zum Lunch. Lunch ist eine günstige Gelegenheit zu essen. Wie die Mittagskarte in Deutschland. Wobei es hier meistens Lunch zwischen 11 und 15 Uhr gibt. Manchmal sogar bis 16 Uhr.

Tschüss Stocka

Der Wind soll heute schwach sein und ich möchte auch keinen langen Schlag machen. Nachdem ich Haparanda gestrichen habe, nehme ich einfach mit was kommt. Inzwischen habe ich eine Online-Karte des SXK mit allen Bojen und auch Naturhäfen gefunden. Teilweise sogar verlinkt zu weiteren Informationen. Dort fand ich den Naturhafen Lill-Lubban. Dieser wurde vom SXK angelegt, steht aber allen offen. Es gibt einen Grillplatz, eine Trockentoilette und eine Sauna (mit Holz betrieben). Da die Batterien wieder voll geladen waren, ein ideales Ziel.

So glatt wie heute hatte ich die Ostsee bisher nicht gesehen. Es ist fast wie auf dem Bodensee. So läuft es trotz schwachem Wind (etwa 8 Knoten) ganz gut mit 3 bis 4 Knoten Fahrt auf raumen und manchmal auf halben Wind.

Doch zunehmend kommt der Wind mehr von Süden und damit mal wieder direkt von hinten. Außerdem lässt er stark nach. Ich möchte nicht zu spät ankommen und werfe den Motor an. Nach einiger Zeit nimmt der Wind wieder etwas zu. Auch wenn er jetzt direkt von hinten kommt, denke ich hier ganz gut einen Schmetterling segeln zu können. Einen Spinnaker habe ich nicht dabei. Zur Sicherheit setze ich diesmal einen Bullenstander. Das ist eine Sicherung des Großbaums, um eine Patenthalse zu vermeiden. Das geht eine ganze Zeit ganz gut. Doch dann nimmt der Wind wieder ab und der Motor muss doch wieder einspringen.

Die Einfahrt in die Bucht – kaum zu erkennen

Die Einfahrt geht etwas im Zick-Zack. Aber dank Orca und Navionics auf dem Plotter gut zu bewältigen. Am Steg, der etwa Platz für 10 Boote bietet, ist noch eine Heckboje frei. Hier ist es windstill und ich kann die Boje gemütlich ansteuern. Aber auch hier wieder kommt eine helfende Hand und fängt meinen Bug auf. An der Grillstelle brennt schon ein Feuer und ich kann mein Grillfleisch direkt auflegen. Dazu noch schnell einen Tomatensalat mit Feta-Käse gemacht. Der Tag könnte kaum schöner sein.

Abendessen mit Aussicht

Zum Tynderökanalen mit Zwischenstopp

Donnerstag, 10. Juli 2025

Ich möchte Härnösand erreichen. Das sind zwar „nur“ 35 bis 40 sm auf relativ direktem Weg aber wir haben wie so oft? Richtig: Nordwind. Bzw. jetzt eigentlich kaum Wind. Die Ostsee ist fast spiegelglatt. So habe ich sie in den vergangenen Wochen nicht gesehen. Also plane ich viel Zeit unter Motor ein und einen Zwischenstopp. Ich schaue im Hamnguiden und auch auf der Karte des SXK. Wobei ich jetzt gerne wieder einen Hafen mit Strom anlaufen würde. Im Hamnguiden finde ich den Tynderökanalen etwa auf halbem Weg. Etwa auf 1/3 des Weges liegt Lörudden. Dort empfiehlt der Hamnguiden das Restaurant Sillmans welches im White Guide (einem schwedischen Restaurantführer) aufgeführt ist. Ich schaue auf der Internetseite, ob sie auch Lunch anbieten (Mittagsmenü in Deutschland). Eine reduzierte Auswahl zu einem günstigeren Preis. Und ja, das bieten sie an von 11 bis 16 Uhr. Na, das sollte doch passen.

Nachdem ich um 13 Uhr meine Arbeit vorerst beendet habe, geht es wieder vorsichtig hinaus im Zick-Zack um die Steine herum aus dem Naturhafen. Wie angekündigt hat es kaum Wind und der wenige Wind kommt aus Nord. Also geht es unter Maschine weiter Richtung Norden. Auch die Einfahrt in den kleinen Hafen von Lörudden ist steinig und es muss genau navigiert werden. In Stocka habe ich einen Schweizer beim Aufrumsen auf einen Stein beobachtet – sein Schiff hat einen schönen Sprung gemacht. Ich wäre damit in den nächsten Hafen gefahren…. (Habe ihn am nächsten Tag vor Anker wieder gesehen – mutig).

Direkt vor dem Restaurant kann ich einparken. Eng, aber es passt. Ich entscheide mich für das 2-Gänge Fischmenü. Lachstartar auf Smörebröd und einen anderen Meeresfisch auf jungen Kartoffeln mit einer Hummersauce. Etwa 25 Euro. Das ist teurer als das, was sonst als Mittagsmenü angeboten wird aber angesichts der Qualität, des Namens und der Lage ein Schnäppchen. Es wird mir sogar angeboten, mit meinem Boot hier über die Nacht liegen zu bleiben. Er würde mit dem Fischer reden. Aber dann wäre der Weg nach Härnösand wieder weit und auch für die nächsten Tage ist Nordwind angesagt.

Lörudden – direkt vor dem Restaurant liegt Miss Sophie
Ein malerisches Dörfchen dieses Lörudden

Also Leinen los und weiter. Zuerst wieder unter Motor aber dann sehe ich, dass ein Am-Wind Kurs gut möglich sein sollte und die Segel werden gesetzt. Ich segle auf Backbord-Bug und zwei entgegenkommende Yachten müssen mir etwas ausweichen. Sie sind schon wieder auf dem Weg Richtung Süden. Eine deutsche und eine niederländische Yacht. Beide mit einem schönen Gennaker auf raumschot Kurs. Ich beneide sie.

Aber auch bei mir läuft es ganz gut. Knapp 8 Knoten Wind bringen 4 bis 5 Knoten Fahrt am Wind. Doch leider verlässt mich dieser auf halber Strecke. Die Ostsee wird noch glatter. Also wieder Maschine an – ich möchte ja noch ankommen. Nach etwa einer Stunde erreiche ich den Tynderökanalen. Es wird eng. Richtig eng. Kurz vor der Einfahrt in die enge Stelle signalisiert mir eine Gruppe junger Männer vom Ufer, dass ich hier nicht weiterfahren soll. Ich stoppe und fahre etwas heran. Ich sage ihnen meinen Tiefgang von 1,40 Meter und sie signalisieren mir, zwischen den Flaggen zu fahren die etwa 5 Meter auseinander sind.

Im Standgas fahre ich hinein und beobachte das Lot. Im Notfall haue ich den Rückwärtsgang rein und überlege mir Plan B (dazu weiter unten). Aber es sieht gut aus. Im engen Kanal habe ich etwa 2,2 Meter. Reicht. Dann mache ich längsseits fest – 1,50 Meter. Reicht doch. Klar, bei felsigem Untergrund und vielleicht zu erwartenden Wellen würde ich so etwas nicht machen. Aber hier ist das kein Risiko da es ein weicher Untergrund ist.

Im Kanal. Hier ist es noch nicht eng

Anmerkung zum Plan B

Ich habe gelernt, nach Möglichkeit immer ein oder besser zwei Alternativen zu haben. Der Plan geht nicht immer auf (z.B. Kuggören wo Ankern der Plan B gewesen wäre). Ich hatte mir für heute in der Nähe mögliche Ankerbuchten oder SXK Bojen ausgesucht. Kurz vor dem Kanal hat es eine Ankerboje des SXK. Die war natürlich belegt. Doch laut Navionics sollte es noch eine zweite „Visitors“ Boje geben. Ich habe sie nicht gesehen. Das war wie in Kuggören.

Lessons learned

Verlasse dich weder auf elektronische Seekarten wie Navionics noch auf Revierführer. Sie stimmen vielleicht zu 98%. Aber nicht zu 100%.

Zum Hamnguiden: Er gibt hier 1,80 Meter am Liegeplatz an. Ein Träumchen. Ich habe gerade noch 10 cm Wasser unter dem Kiel (mein Tiefgang 1,40 Meter). Ich bin das einzige Segelboot am Platz. Laut dem Hamnguiden soll es hier Strom geben – gibt es nicht.

Kommt man von Osten ist der Tynderökanalen ist es hier für Segelboote fertig

Neuer Tag, neue Probleme…

Freitag, 11. Juli 2025

Ich freue mich auf das Wochenende. Die Wetteraussichten sind gut. Dass es wie immer Nordwind gibt und geben soll, stört mich nicht mehr. Dann schaue ich eben, was ich hoch am Wind erreiche oder nicht. Ich habe kein festes Ziel mehr. Ich möchte einfach nur noch mitnehmen was geht. Im Naturhafen Lill-Lubban hatte ich mich mit einer deutschen Seglerin unterhalten die von der Höga Kusten schwärmte.

Da ich auch dringend mal wieder einkaufen sollte (Joghurt leer, Brot leer, Getränke werden knapp, Bier leer,….) sehe ich Härnösand als erreichbares Ziel. Laut der Routenberechnung von Orca gut 20 sm. Nach getaner Arbeit, allen Vorbereitungen zum Ablegen, möchte ich den Motor starten. „Klack“. Nichts. Noch einmal versucht. Jetzt nicht einmal mehr ein „Klack“. In der Rumpelkammer freigeräumt, um die Batteriespannung messen zu können. 12,5 Volt. Das sollte eigentlich ausreichend sein. Blick in den Motorraum und ein erster Schock. Eine der beiden Befestigungsschrauben der Lima ist abgerissen – die am Motorblock. Das Reststück bekomme ich heraus gedreht. Anruf bei meinem Remote-Support in Deutschland in Sachen Motor.

Erste Klärung: Kann der Motor auch ohne Lima laufen? Ja, kann er. Beantwortung der Frage nach den Geräuschen. Seine Vermutung: Der Anlasser. Ich soll dem Anlasser mal ein paar leichte Hammerschläge geben (nachdem ich die Lima ausgebaut habe). Also zuerst mal Batterie abklemmen, Lima ausbauen, alle Kabel isolieren und beschriften. Dann ein paar leichte Hammerschläge – neuer Versuch. Der Motor springt an.

Rücksprache mit meinem Remote-Support. Fazit: Anlasser ist wohl hinüber und ich brauche einen neuen. Und zwar bald. Dazu kommt noch die abgerissene Schraube an der Lima für die ich Ersatz brauche. Ich könnte heulen. Samstag / Sonntag stehen an. Das sind die Tage, an denen ich während meines Workation den ganzen Tag segeln könnte. Samstag und Sonntag werde ich auch in Härnösand nichts erreichen.

Raus aus dem Kanal und froh, wieder etwas Wasser unter dem Kiel zu haben

Aber jetzt muss ich hier erst einmal weg. Denn hier, im Tynderökanalen, bin ich in der Pampa. Weit weg von einer größeren Stadt. Ich muss es nach Härnösand schaffen. Richtung Süden ist auch keine größere Stadt in Sicht. Wie gesagt – mal wieder Nordwind. Der optimistischen Routenberechnung von Orca kann ich nicht gerecht werden. Aber was soll’s. Also segle ich hoch am Wind weit hinaus auf die offene Ostsee. Mit etwas Welle ist es ein nasses Segeln aber dank Sprayhood bleibe ich im Trockenen. Und die Geschwindigkeit passt. Zuerst bei 10 Knoten mit gut 5 Knoten hoch am Wind. Später mit etwas zunehmenden Wind erreiche ich 6 Knoten. Ich habe eben die Wende Richtung Härnösand gemacht, als ein Frachter auf dem Plotter erscheint. Ziemlich genau auf meinem Kurs. Ich schaue mir das noch eine Weile an und hoffe zu sehen, dass er eindeutig vor mir durchgeht. Er ist mit etwa 15 Knoten unterwegs. Doch auch nach längerer Beobachtung ist mir das zu vage. Also mache ich gezwungenermaßen noch eine Wende. Ich hätte zwar Vorfahrt da ich unter Segel bin und wir sind auf offener See, kein Verkehrstrennungsgebiet. Doch ich möchte es nicht darauf ankommen lassen. Schließlich empfange ich nur AIS, sende aber kein AIS. Wer weiß, ob ich auf der Brücke gesehen werde.

Der optimistischen Routenberechnung von Orca kann ich nicht ganz folgen
Segeln hoch am Wind
Die Aktion am Morgen hat etwas Chaos hinterlassen. Alles zu seiner Zeit…

Nach der Wende kann ich den Kurs wieder auf Härnösand anlegen. Der Wind hat inzwischen auf 15 Knoten zugelegt und die Welle auf etwa 0,5 Meter.

Härnösand liegt zur Hälfte auf dem Festland und zur Hälfte auf einer Insel. Es gibt drei oder vier Häfen für Sportboote. Eigentlich wollte ich, in Hinblick auf meinen Weiterweg, den nördlichen Hafen Norra Sundet anlaufen. Doch 2025/2026 wird die Klapp-Brücke am Norra Sundet neu gebaut. Daher wurde der Sportboothafen provisorisch verlegt, hat nur noch wenige Liegeplätze und keinen Strom. Also bleibt nur der südliche Hafen Södra Sundet. Und wegen der Bauarbeiten komme ich auch nicht durch die Stadt Richtung Norden sondern muss auf meinem Weiterweg zuerst wieder zurück, um um die Insel zu kommen. Aber das ist jetzt erst einmal nicht mein Problem.

Vor der Einfahrt in den Sund hatten Wind und Welle zugenommen. Der Wind bläst aus NNO. Deshalb versuche ich so hoch wie möglich zu segeln damit ich möglichst in die östliche Landabdeckung komme. Meine Hoffnung und Erwartung ist, dass Wind und Welle aufgrund der Landabdeckung abnehmen. Der Plan geht relativ gut auf. Ich überlege zuerst noch mit Fock und Großsegel in den Sund hinein zu segeln. Doch der Wind ist auch hier noch so stark, dass ich entschließe die Fock zu bergen und nur mit dem Großsegel zu segeln. Das geht mit der Dehler 28s relativ gut. Außerdem kann ich im Notfall das Großsegel recht schnell bergen. Boot in den Wind und runter.

Einfahrt in den Sund – ilustre Häuser

So schippere ich mit etwa 3,5 Knoten in den Sund. Anfangs steuert noch Johann – mein Pinnenpilot. Aber zunehmend dreht der Wind immer wieder und damit übernehme ich das Ruder. So schaffe ich zumindest einen Teil des Sund unter Segel. Doch schließlich muss ich meine Ambitionen aufgeben. Der Windeinfallswinkel wird zu steil und es wird zunehmend enger, um hier noch zu kreuzen. So wird das letzte Stück unter Motor bewältigt.

Härnösand in Sicht
Festgemacht in Härnösand. Der Gästesteg ist ziemlich leer

Achja, den Motor hatte ich sicherheitshalber schon draußen gestartet, nachdem ich die Fock geborgen hatte. das war mir dann doch zu heiß, es im Sund darauf ankommen zu lassen. So lief er eine Zeit im Leerlauf mit.

Angekommen in Härnösand

An den Gästestegen liegt nur eine einzige Segelyacht – aus Finnland. Alle anderen Plätze sind frei. Also suche ich mir aufgrund der Windrichtung den für mich günstigen Platz aus. Hier hat es wieder die Y-Ausleger. Darüber bin ich ganz froh, denn ich habe für den heutigen Tag genug Stress gehabt. Nach 6 Stunden und 23 Seemeilen bin ich fest am Steg und auch etwas k.o. Aber es war ein toller Segeltag. Alles hoch am Wind, etwas nass aber mit schönem Speed. Ich bin zufrieden. Drei Begegnungen: 2 Yachten auf dem Weg Richtung Süden und der Frachter.

Morgen werde ich erst einmal einkaufen und dann mir einen Plan machen bezüglich des Anlassers und der abgerissenen Schraube an der Lima. Handelsgeschäfte haben in Schweden Samstag und Sonntag geöffnet. Aber Werften und ähnliches sind Samstag / Sonntag wie bei uns geschlossen. D.h. da werde ich am Wochenende nichts erreichen, außer das ich Adressen und Telefonnummern recherchieren kann.

Einerseits ärgert mich das sehr, da eben das Wochenende der Zeitraum wäre, an dem ich ohne Rücksicht auf Arbeit und Meetings segeln könnte. Andererseits: Ich bin jetzt so weit gekommen. Ich habe jetzt etwas die Hälfte des Bottnischen Meerbusens besegelt – etwa 750 Seemeilen. Das sind fast 1.400 Kilometer. Ich bin schon dabei, langsam einen Blick zurück zu werfen. Wenn ich an all die Erlebnisse denke, welche Schwierigkeiten ich gemeistert habe und das als Anfänger auf der Ostsee, da blicke ich jetzt entspannt nach vorne.

In plus/minus 10 Tagen habe ich meinen Umkehrpunkt erreicht. Dann muss ich Kurs Richtung Süden nehmen, damit ich mein Winterlager in Gävle erreiche (das jetzt sicher und alles geklärt ist). Und sollte mein Umkehrpunkt mein heutiger Liegeplatz sein, ist das auch o.k.

Es geht auf jeden Fall weiter. Das Boot schwimmt noch und noch mehr, es segelt hervorragend. Das neue Problem mit dem Motor werde ich sicher auch gelöst bekommen. Wäre doch gelacht…

Fortsetzung folgt….

Nur ein kleiner Schlag…

Sonntag, 29. Juni 2025

Noch liege ich im Gästhamn von Gävle und ich sollte jetzt nach Huseliiharen da voraussichtlich am Dienstag dort die Lichtmaschine eintreffen sollte. Selbst in dem Hafen, der praktisch in der Stadt liegt, hat es 10 – 15 Knoten Wind mit Böen um 20 Knoten. Da ich in Huseliiharen an einer Heckboje anlegen muss, nicht weiß wie die Situation dort ist, studiere ich mehrfach über den Tag Windfinder und Windy. Gegen 17 Uhr soll der Wind etwas nachlassen bevor er dann in der Nacht wieder zunimmt. Für den nächsten Tag sieht es nicht besser aus. Gegen 17 Uhr lässt der Wind tatsächlich etwas nach. Es hilft nichts – ich muss dort rüber. Nur ein kurzer Schlag von 5 sm die ich unter Motor mache. Also ca. 1 Stunde.

In einer Windpause werfe ich die Leinen los und lege ab. Was ich nicht beachtet hatte, das waren dunkle Regenwolken im Westen. Der Wind kommt aus Südwest. Keine 10 Minuten später spüre ich die ersten Regentropfen und dann geht das „Inferno“ auch gleich los. Der Wind legt zu auf 20 Knoten und es hat Böen bis 30 Knoten. Auch ohne Segel legt sich Miss Sophie auf die Seite. Dazu schüttet es in Strömen. Und das im engen Fahrwasser.

Ein Stück weiter draußen kann ich das Fahrwasser verlassen und den Pinnenpilot verwenden. Zeit genug, um die nassen Klamoten gegen Ölzeug zu tauschen. Kurz vor Huseliiharen ist der Spuk vorbei. Der Wind hat wieder nachgelassen. Die Bojenplätze liegen windgeschützt und ein Finne, der wohl auch eben angelegt hat, nimmt mir freundlicherweise die Bugleinen während ich die Heckboje belegen kann.

Lessons learned

Bevor du ablegst, auch wenn es nur ein kurzer Schlag ist, studiere den Himmel in alle Richtungen und außer den Windvorhersagen auch den Wetterbericht und ggf. auch den Regenradar.

Angekommen in Huseliiharen

Der Gefle Segel Sällskap ist der älteste Segelclub Schwedens – gegründet 1880. Ich hatte hier einen elitären Hafen mit Clubhaus erwartet. Ein Clubhaus gibt es wohl, das ist aber geschlossen. Auch sonst ist niemand zu sehen. Was ebenfalls überrascht: Es liegen einige Motorboote im Hafen. Das wäre bei unserem Segelclub am Bodensee undenkbar. Das Restaurant hat eine gehobene Karte und gehobene Preise. Aber es gibt wohl Lunch um die Mittagszeit. Das werde ich gleich am nächsten Tag testen. Ich buche jedenfalls den Liegeplatz für 2 Tage über Dockspot.

Die sanitären Anlagen sind sehr einfach – zwei einfache Toiletten, zwei Duschen, eine Waschmaschine.

Gästehafen Huseliiharen

Ich brauche einen Plan…

Mehr und mehr muss ich mir Gedanken machen, wie es weitergehen soll. Mein Urlaub ist am Montag zu Ende. Für Juli und August habe ich einen geänderten Arbeitsvertrag – Workation. Ich muss 6 Stunden täglich arbeiten. Das kann ich vom Boot aus, da bei meiner Tätigkeit die meisten Meetings über Teams stattfinden. Dafür hatte ich Starlink angeschafft. Im Nachhinein denke ich, ich hätte besser auf 50% reduziert. Aber nun ist es so.

Auch wenn die Tage gerade noch lang sind (Sonnenuntergang 22:25 Uhr), bedeutet das eine sehr reduzierte Zeit segeln zu können. Außerdem werden die Tage jetzt kürzer. Mein Traum war die Gelbe Tonne bei Haparanda. Ich hatte dafür extra noch einen Club-Stander mitgenommen, um diesen dort zu lassen. Doch der Traum löst sich mehr und mehr in Luft auf. Das Problem mit der Lichtmaschine hat mich noch einmal um Tage zurück geworfen.

Mein zweites Problem: Das Winterlager. Das Boot soll über den Winter in Schweden bleiben. Ohne diese Option wäre es überhaupt nicht realistisch gewesen, die Gelbe Tonne zu erreichen. Ich habe ein Winterlager sicher in Nävekvarn. Das ist etwa 75 sm südlich von Stockholm. Also etwa 3 Segeltage. Ich bin jetzt etwa 3 Segeltage nördlich von Stockholm. Hätte ich ein Winterlager nördlich von Stockholm, würde mir das etwa 6 Segeltage sparen. Doch bis jetzt ist jede Suche erfolglos.

ChatGPT hilft mir, das überhaupt einzuschätzen. Von hier sind es noch etwa 600 – 700 gesegelte Seemeilen bis Haparanda (Luftlinie 350 sm). Ich müsste mit 15 bis 20 Segeltagen rechnen. Wenn man bedenkt, dass ich in 4 Wochen (wetterbedingt) gerade einmal 18 Segeltage hingebracht habe, ist das eine ganz knappe Nummer.

Die Alternative

Die Alternative ist jetzt, oder spätestens in einer Woche, umzukehren und sich Richtung Nävekvarn zu orientieren. Wenn ich dann sehe, dass ich noch gut Zeit habe, könnte ich den Sprung hinüber zu den Åland Inseln machen. Und mit etwas Glück könnte ich von den Åland Inseln das Turku Archipel erreichen und somit noch die finnische Gastland Flagge hochziehen.

Die Entscheidung

Ich schaue auf meine Excel-Tabelle – bisher habe ich auf dieser Reise 590 sm geschafft. Wenn ich hoch scrolle und sehe, dass es noch 600 bis 700 sm bis Haparanda sind, dann ist das Ziel mit dem Rückweg bis Nävekvarn nicht in der Zeit zu schaffen, die mir noch zur Verfügung steht. Einzige Hoffnung ist noch einen Winterliegeplatz nördlich von Stockholm zu finden. Ich schiebe die Entscheidung noch auf.

Der bisher schönste Segeltag (und mein erster Arbeitstag)

Dienstag, 1. Juli 2025

Der 1. Juli ist nach fünf Wochen Urlaub mein erster Arbeitstag unter besonderen Bedingungen. „Workation“ ist der neudeutsche Begriff. Ich muss 6 Stunden täglich arbeiten. Ich bin im Hafen des Segelclubs bei schönstem Wetter. Am liebsten würde ich los segeln. Aber ich warte ja auch noch auf die Lichtmaschine, die heute kommen sollte. Am Morgen rufe ich gleich den Sendungsstatus ab. Sendung wurde für die Zustellung eingeladen. Ich habe eine Notiz für Nord Paket vorbereitet die ich am Restaurant befestige.

Ich beginne meine Mails abzuarbeiten und hole mir einen Status von meinen Arbeitskollegen. Ab 11 Uhr ist das Restaurant geöffnet. Der Paketbote war wohl noch nicht da. Ich informiere noch einmal die Damen im Restaurant. Um 13 Uhr gehe ich dort zum Essen – immer noch kein Paket. Meine Arbeit habe ich vorerst beendet und ich warte. Um 14.30 Uhr kommt endlich der Paketbote und bringt das lang ersehnte Paket. Donnerstag soll das Wetter sehr schlecht sein – da plane ich den Wechsel der Lichtmaschine.

Aber jetzt erst einmal Leinen los. Ich habe mir am Vorabend drei Optionen herausgesucht und markiert. Ziel ist erst einmal die entfernteste – eine Boje des SXK zwischen den Inseln Gäsholmen und Synskär. Zuerst fahre ich noch unter Motor im Fahrwasser. Dann setze ich zuerst die Fock. Der Wind kommt raumschots und da es in Böen 15 Knoten hat, möchte ich erst einmal sehen wie die Bedingungen sind. Mit etwa 4 Knoten läuft es nicht schlecht aber ich denke das Großsegel setzen zu können. Also Fock erst einmal geborgen und Großsegel gesetzt. Jetzt läuft es schon etwas schneller. Wie fast immer bleibt das Großsegel im ersten Reff. Es hat praktisch keine Welle. Sonnenschein und etwa 25 Grad Lufttemperatur. Die Windrichtung ist ideal. Der scheinbare Wind kommt aus 70 bis 90 Grad. Also wird die Fock noch dazu ausgerollt und die Fahrt kann beginnen. Mit gut 5 bis 6 Knoten rauscht Miss Sophie dahin und gegen 19 Uhr sollte das Ziel erreicht sein. Die meiste Zeit steuert Johann, mein Pinnenpilot, und ich kann mich um den Segeltrimm kümmern. Nur an zwei Engstellen übernehme ich kurz das Ruder.

Dann kommt die Einfahrt zwischen den beiden Inseln. Zahlreiche Steine liegen hier unter Wasser. Unter Motor, ganz langsam, taste ich mich hinein. Landmarken helfen bei der Navigation. Aber ohne Navionics und Orca wollte ich das nicht machen. Die SXK Boje ist frei. Doch welche Überraschung – das hatte ich nicht mehr in Erinnerung – es gibt hier noch einen kleinen Steg. An der einen Seite liegt bereits eine schwedische Segelyacht. Ich hatte eigentlich schon alles zum Einfangen der Boje vorbereitet. Die Frau des Skippers kommt an das Stegende. Ich frage, ob ich daneben anliegen kann. Sie fragt nach meinem Tiefgang. Kein Problem. Also neue Vorbereitung für Leinen zum seitlich anlegen. Der Wind kommt genau von hinten und beim Anfahren muss ich immer wieder kräftig rückwärts Schub geben. Doch beide, also der Skipper und seine Frau, stehen am Steg, um mich aufzufangen. Ich liebe Schweden!

Um das Leuchtfeuer geht es herum und dann zwischen die beiden Inseln

Könnte es einen schöneren Platz geben? Das habe ich schon bei meiner ersten Ankerbucht gefragt. Und auch Ilö war wunderschön. Doch das hier übertrifft alles bisherige. Ich habe einen kurzen Schwatz mit der Frau, erzähle woher ich komme usw. Sie sagt mir, dass ihr Mann gerade an der Grillstelle den Grill angeworfen hat und falls ich etwas habe, kann ich es auf den Grill legen. Da habe ich doch noch eine tolle italienische Wurst in der Kühlbox die gleich auf der Feuerstelle landet. Dazu noch schnell einen Tomatensalat gemacht und ein kühles Bier aus der Bilge geholt. Könnte es schöner sein?

Nur zur Info: das kleine Boot ist Miss Sophie
Feuerstelle
Toilettenhäuschen

Regentag und eine erfreuliche Perspektive

Mittwoch, 2. Juli 2025

Den heutigen Regentag hatte ich eingeplant und wollte am Nachmittag die Lichtmaschine wechseln. Das hat auch ganz gut geklappt. Im Moment habe ich noch ein Kabel übrig bei dem ich nicht sicher bin, wo ich es anschließen muss. Ich habe eine Vermutung aber warte noch auf Antwort von Motor-Spezi (von denen kam die Lichtmaschine).

Morgen werde ich auch hier bleiben. Für den Nachmittag / Abend ist draußen Sturm (30 – 40 Knoten Wind) vorhergesagt. DWD und FMI (Finnisches Meteorologisches Institut) sagen Orkanböen und See bis 4 Meter. Hier am Steg bin ich recht sicher und die Bucht scheint einigermaßen geschützt. Ggf. muss ich noch ein paar Fender ausbringen. Freitagmittag sollte sich alles beruhigt haben. Nur die Welle macht mir etwas Sorgen. Wenn es so stürmt, steht da am nächsten Tag sicher noch eine ordentliche Welle. Mal sehen was morgen der Deutsche Wetterdienst sagt.

Regentag
Neue Lichtmaschine ist eingebaut.

Und dann ergab sich noch eine erfreuliche Perspektive: Ich hatte bisher eine sichere Option für das Winterlager. Die wäre in Nävekvarn. Das ist Luftlinie ca. 100 km südlich von Stockholm. Ich hatte die letzten Wochen vergeblich eine Option nördlich von Stockholm gesucht. Zum einen würde mir das „Luft“ für den Rückweg dieses Jahr geben. Und zum anderen hatte ich vor (wenn ich es dieses Jahr nicht schaffen sollte), im nächsten Jahr die Aland Inseln zu bereisen. Von Nävekvarn müsste ich dazu wieder in den Norden segeln.

Gräddö wäre eine gute Option gewesen. Ich hatte zwei Marinas angeschrieben, aber keine Antwort erhalten. Der Schwede, der jetzt neben mir liegt, nannte mir noch eine Option in Gävle und gab mir gleich die Kontaktdaten dazu. Schon am nächsten Tag bekam ich Antwort. In Summe ist das Winterlager auch noch ein gutes Stück günstiger als in Nävekvarn. Mit Ein- und Auswassern etwa 500 Euro. Für die „Mitgliedschaft“ muss ich ein Deposit von ca. 500 Euro bezahlen, die ich dann nächstes Jahr wieder zurück bekomme.

Da dies mir ca. 6 – 8 Tage Rückweg spart, kann ich im Moment auf jeden Fall weiter Richtung Norden segeln. Von hier nach Gävle sind es 20 sm, also gut in einem Tag zu schaffen. Im anderen Fall (Nävekvarn) müsste ich jetzt langsam an den Rückweg denken da ich ich von hier bis Nävekvarn mit etwa 10 Segeltagen rechnen müsste. Plus 10 Tage schlechtes Wetter = 20 Tage.

Nach dem Regen ist vor dem Sturm…
Schön bunt – so soll es Donnerstag gegen 19 Uhr aussehen

Anstrengender Tag…

Freitag, 4. Juli 2025

Um 7 Uhr aufgestanden – ich muss ja noch ein paar Stunden arbeiten. Freitag. Wind und Wetter sind perfekt angesagt. Wind aus Süd. Das bedeutet Halbwind und Raumwind und gutes Vorankommen. Schon am Vorabend hatte ich mir Hudiksvall als maximales Ziel gesetzt. Für den Notfall einige Ankerbuchten bzw. SXK Bojen davor. Ich brauche Strom… Die beiden Schlechtwetter-Tage und das Arbeiten haben meine LiFePo-Akkus leer gesaugt. Der Laptop braucht 5 Ah. Das ist viel. Um 13.30 Uhr kann ich ablegen. Meine „Nachbarn“ die Schweden, haben schon gegen 11 Uhr abgelegt. Wie gerne ich hätte ich es ihnen gleich getan.

Wieder vorsichtig heraus aus diesem Platz zwischen den beiden Inseln. Ich navigiere mit Hilfe von Navionics entlang der Route, die ich beim Einfahren genommen habe. Die ist sicher.

Dann kann ich schon bald die Segel setzen und es geht flott voran. Halber bis raumer Wind mit 10 bis 15 Knoten. Da beschleunigt Miss Sophie auf 5 bis 6 Knoten über Grund. Die meiste Zeit geht es geradeaus mit leichten Korrekturen. D.h. Johann kann den Job machen und ich schaue etwas nach dem Segeltrimm. Eine etwas engere Durchfahrt zwischen zwei Inseln dachte ich zuerst selbst steuern zu müssen. Aber auch dies meistert Johann.

Bestes Segelwetter. Etwa 15 Knoten Wind auf halb oder etwas raum. Miss Sophie läuft mit 5 bis 6 Knoten
Wieder einmal geht es etwas eng zwischen zwei Inseln durch. Mal lässt der Wind nach, dann bläst es wieder durch die Düse
Die Landschaft fasziniert immer wieder
Regenschauer sind nicht ausgeschlossen

Etwa 10 sm vor Hudiksvall muss ich dann doch die Segel bergen. Der Wind lässt nach, es hat einige Wellen und vor allem kam mir eben ein Frachter mit seinem Piloten recht nah – ich bin im Einfahrtsbereich von einem anderen Hafen. Noch 1,5 Stunden unter Motor. Die Einfahrt irritiert mich mehrfach. Irgendwie komme ich heute mit den Tonnen und der Orientierung nicht klar. Kann vielleicht auch daran liegen, dass bereits die Sonne untergegangen ist. Es ist zwar noch relativ hell, aber trotzdem eben nur Dämmerung.

Um 23:30 Uhr komme ich im Hafen an. Kein Gast. Deshalb mache ich frech an den Bojenplätzen längsseits an. Ich habe jetzt keine Lust noch eine Boje einzufangen.

Kein Saft mehr – böse Überraschung

Der Hauptgrund, weshalb ich Hudiksvall angelaufen habe war der, dass ich keinen Saft mehr hatte. Klar, der Tag war anstrengend und ich war auch recht k.o. Das bezieht sich jetzt aber nicht auf mich, sondern auf meine Batterien. Meine LiFePo Akkus (2 x 100 Ah) waren kurz vor dem Ende. Die eine hatte noch 20% und die andere 15%. Was unter anderem daran lag, dass ich jetzt 2 Tage in der Bucht ohne Strom war und in diesen beiden Tagen kaum Sonnenstrom mit Hilfe der Solarmodule ernten konnte.

Der Plan war also hier über Nacht die Akkus aufzuladen, damit ich am nächsten Tag weiter segeln kann. Denn der kommende Tag sollte noch guten Wind und brauchbares Wetter (bedeckt aber trocken) bieten.

Also gleich nach dem Festmachen das Landstromkabel eingesteckt – kein Strom an Bord. Noch zwei andere Steckdosen versucht – gleiches Ergebnis. Ich dachte schon, dass hier der Strom erst mit der Hafengebühr freigeschaltet wird. Die Steckdosen sind nummeriert. So etwas hatte ich schon einmal in Gävle. Da gab es einen extra Code für den Landstrom.

Also bin ich Richtung Hafengebäude gelaufen. Dann die nächste böse Überraschung: Am Ende des Stegs (also am Anfang wenn man von Land kommt) eine Gittertüre mit Umrahmung, so, dass man sie auch nicht umgehen kann. An der Türe eine Info: Hafenmeister ist von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr und Samstag, Sonntag von 9 bis 13 Uhr da. Spät kommende Gäste sollen sich am nächsten Tag anmelden. D.h. man bekommt mit der Anmeldung einen Schlüssel für die Türe (und für die Sanitäranlagen). Willkommen zurück in der Vergangenheit. Kein Dockspot, kein Automat für die Anmeldung und zu alledem: Kein Strom.

Was soll’s. Ändern kann ich es nicht. Nach einem Glas Rotwein falle ich gegen 1 Uhr erschöpft in die Koje.

Alle Akkus leer – alle Ladegeräte angeschlossen

Samstag, 5. Juli 2025

Am nächsten Morgen also angemeldet beim Hafenmeister. Der Hafen ist günstig (im Verhältnis zu dem, was ich bisher bezahlte): 200 SEK – umgerechnet etwa 20 Euro. „Mit Strom?“ frage ich. „Ja, mit Strom“. Dann sage ich ihm, dass kein Strom an den Anschlüssen ist. Er wird jemanden anrufen. Nach dem Duschen gehe ich noch einmal zum Hafenmeister. Er hat jemanden auf die Mailbox gesprochen. Ich glaube das wird nichts mehr mit Strom. Aber man soll ja nichts unversucht lassen. Also ziehe ich mein Boot einige Meter Richtung Land, damit mein Landstromkabel an die nächste Säule reicht. Heureka! Es gibt Strom. Schnell alle Ladegeräte angeschlossen. Aber gleich die Erkenntnis: Heute komme ich nicht mehr weiter.

Das ärgert mich dreifach: Zum einen ist heute Samstag, also nicht arbeiten d.h. ich habe mehr Zeit. Zum zweiten: Morgen wird es den ganzen Tag regnen, heute wäre der Wind perfekt gewesen (Westwind mit 3 bis 4 Bft.) und zum dritten: Montag muss ich wieder arbeiten, d.h. nur ein eingeschränkter Segeltag. Also ein richtig verlorener Tag. Ich versuche das beste daraus zu machen. Nach einer langen Dusche, wieder einmal rasieren, gehe ich verschiedene Einkäufe erledigen. Ich verlängere das Kabel vom 12/24 Volt Konverter damit ich Starlink abends ausstecken kann und dieser somit keinen Strom verbraucht.

Hudiksvall

Mein Energie-Management

Damit komme ich zu meinem Energie-Management. Vor zwei Tagen, nach meinem ersten Arbeitstag, war ich noch recht euphorisch was meinen Stromverbrauch und die Akkus betrifft. Ich hatte für diese Reise ja meine Energieversorgung geplant, umgebaut, erweitert (siehe Blog-Beiträge dazu).

Nun wäre ich fast auf Null gelaufen und hätte dann keine Unterstützung durch meine ganzen Navi-Instrumente mehr gehabt. Angefangen von Windanzeige (noch verzichtbar wie auch Logge), über Lot (kann schon kritisch sein) über Plotter (elektronische Seekarte, da wird es schon kritisch). Ich habe zwar alle Seekarten auch auf Papier dabei. Aber bei 4 bis 5 Bft. Einhand von Hand steuern (Pinnenpilot geht dann ja auch nicht mehr) und auf Seekarten schauen – schwierig. Und Funk für den Notfall wäre dann auch nicht mehr gewesen. O.k. da ich in der Nähe von Land bin, hätte ich im Notfall noch das Handy gehabt. Aber etwas beunruhigt hat mich das schon.

Deshalb habe ich den Nachmittag genützt, noch einmal mein Energie-Management zu rekapitulieren. Jetzt hatte ich ja aufgrund der Geräte (Solar-Laderegler, Batterie-Monitor) und der Verbraucher die ich jetzt kenne konkrete Werte mit denen ich rechnen kann.

Stromverbrauch Segeltag

Egal ob ich nun einen reinen Segeltag oder einen Arbeitstag betrachte – mein Stromverbrauch liegt bei etwa 200 Ah. Das ist genau die Kapazität meiner LiFePo-Batterien. Noch etwas höher ist der Stromverbrauch bei einem Arbeits-/Segeltag. D.h. ohne Stromzufuhr sind beide Akkus in einem Tag leer.

Meine Ausbeute an Solarstrom dazu ist etwas ernüchternd. Das liegt auch daran, dass das Wetter die letzten Tage eher schlecht war. An einem guten Sonnentag kann ich 40 bis 50 Ah gewinnen. D.h. ich muss in Zukunft für Tage ohne Landstrom noch besser das Wetter im Blick haben. Zwei Tage ohne Landstrom und schlechtes Wetter bringen mein Energie-Management an die Grenze. Bedeutet auch, dass ich dann sorgsamer mit dem Energieverbrauch umgehen muss. Eine erste Maßnahme war heute die Verlängerung des Kabels vom Starlink damit ich das Abends bequem ausstecken kann. Bisher hatte ich das sorglos immer laufen gelassen.

Weiterer Gedanke: An Tagen ohne Landstrom den Laptop nur nützen wenn notwendig (zum Arbeiten). Bei den anderen Verbrauchern kann ich nicht mehr einsparen.

Meine Ausbeute an Solarstrom

Ein Wort zum Wetter…

Bisher habe ich das Wetter ja eher nebenbei erwähnt. Aber dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass es die letzten Wochen nicht so toll war. Ich telefoniere täglich mit meiner Frau und inzwischen habe ich wieder Kontakt mit meinen Arbeitskollegen. Während Deutschland wohl gefrustet ist über Dauerhitze (35 Grad), keine Abkühlung und kein Regen bin ich langsam etwas gefrustet über das Wetter hier auf meiner Reise.

Die Tage hatte ich noch einmal einen Teil des Videos der SY Müggele auf Youtube gesehen da das der Teil ist, auf dem ich gerade unterwegs bin (ich meine Folge 8). Also entweder hatten die extrem Glück mit dem Wetter oder ich habe extremes Pech. Sie hatten eigentlich keinen Regentag, fast immer den richtigen Wind und meist kaum Welle.

Ich hatte die letzten Wochen fast nur scheiß Wetter, scheiß Wind oder/und scheiß Welle (Entschuldigung wegen der Vulgärsprache – aber ich muss es schreiben, wie ich es empfinde). Das Verhältnis Urlaubstage zu Segeltage ist einfach nur schlecht. In 35 Urlaubstagen hatte ich 17 Segeltage.

Heute hatte ich den Hafenmeister darauf angesprochen, dass ich der einzige Gast bin. Er meinte das es ab nächste Woche wohl mehr werden – da soll das Wetter besser werden. Ich versuche optimistisch zu bleiben und sage mir „Die Hoffnung stirbt zuletzt“… oder anders gesagt: „Dein Wort in Gottes Ohr“

Fortsetzung folgt auf jeden Fall – irgendwohin muss ich ja – ob Nord oder Süd

Dienstag, 24. Juni 2025

Es zehrt an den Nerven… Wir haben bzw. hatten jetzt zwei Tage auszusitzen hier in Öregrund. Da ich das Thema mit meiner Lichtmaschine habe, recherchiere ich, welche Lichtmaschine ich benötige. Ich habe einen Volvo Penta MD2001 aus 1991 (oder 1992). Die Lichtmaschine als Originalteil gibt es seit langem nicht mehr. Aber zahlreiche Nachbauten. Nur welche ist die richtige? Und wo bestellen? Alleine dies beschäftigt mich Stunden. Beim Lieferanten noch einmal versichern, ob die ausgewählte Lima wirklich passt. Dann Klärung wegen Versand nach Schweden. Was mir jetzt fehlt, ist eine Anlieferadresse. Unser Plan für die kommenden Tage sieht zuerst eine Ankerbucht und dann den Hafen von Gävle vor. Also Gästehafen Gävle versucht anzurufen – nimmt niemand ab. Mail geschrieben, keine Antwort. Der Gästehafen wird von der Kommune (Stadt) verwaltet (am späten Nachmittag kam dann eine Antwort. Da hatte ich die Lima schon mit der Adresse des Segelclubs bestellt.

Die Suche einer Anlieferadresse

Weitere Recherche – Frage in der Facebook-Gruppe „Schwedenfreunde“ gestellt, auch ob es so etwas wie „postlagernd“ in Schweden gibt. Gibt es wohl nicht. Dann Antworten, die nichts mit meiner Frage zu tun haben (das nervt mich immer gewaltig). Dann ein Tipp von dem älteren Seglerpaar welches ich in Kalmar kennengelernt hatte. Etwas nordöstlich von Gävle gibt es einen Segelclub. Sie senden mir Infos mit einer Telefonnummer. Doch die stimmt wohl nicht mehr. Wieder neu recherchieren. Auf der Facebook-Seite des Segelclubs eine neue Telefonnummer gefunden. Kurz angerufen – nach zwei Sätzen legt dieser auf und blockiert weitere Anrufe. Dann in meinem Hamnguiden geschaut. Neue Telefonnummer gefunden. Endlich klappt die Kommunikation. Die Frau gehört aber wohl zum Restaurant, nicht zum Segelclub. Sie meint ich kann die Adresse versuchen, die ich im Internet gefunden habe. Also Lima bestellt. Jetzt bleibt nur hoffen, dass das klappt.

Anmerkung für Besserwisser

Ja, ich weiß, dass es sein kann (vielleicht sogar wahrscheinlich ist), dass nur der Laderegler der Lima defekt ist und ausgetauscht werden muss. Aber: welchen Laderegler ich benötigen würde, würde ich erst sehen, wenn ich die Lima und den Laderegler ausbaue (Teilenummer auf dem Laderegler). Erst dann könnte ich einen Laderegler bestellen. Sollte sich dann herausstellen, dass es nicht nur der Laderegler ist, habe ich umsonst einen Laderegler bestellt und verliere noch einmal weitere Tage, um eine Lichtmaschine zu bekommen. Ich habe keine Lust deshalb zwei Wochen in einem Hafen zu verbringen. Deshalb war es ja auch mein Ansinnen, einen Hafen als Anlieferadresse zu suchen, den ich in den nächsten Tagen erreichen werde und nicht in einem Hafen nach der Adresse zu fragen und dann dort ggf. 4 Tage auf ein Paket zu warten.

Um dieses Teil geht es – das ist die Lichtmaschine. Über den Keilriemen wird sie angetrieben und erzeugt Strom

Hafen Öregrund

In Öregrund soll im Sommer der Bär steppen. Zahlreiche Lokale säumen sich um den Hafen und im Sommer soll es hier laute Musik bis spät in die Nacht geben. Der Hafen ist dann laut anderen Deutschen, mit denen ich kurz gesprochen habe, rappelvoll. Miss Sophies Kennzeichen KN 53989 fällt auf. Das Paar ist aus Friedrichshafen und hat ein Motorschiff an der Ostsee liegen.

Öregrund wurde 1491 von den Einwohnern Osthammar gegründet deren Hafen aufgrund der Landhebung zu flach wurde. Öregrund ist der einzige Ort an Schwedens Ostküste, an dem man den Sonnenuntergang in der Ostsee beobachten kann. Der Ort ist bekannt als eine der am besten erhaltenen Holzstädte des Landes weshalb er im Sommer viele Touristen anzieht. Der Hauptteil der Bebauung stammt noch aus dem 18. und 19. Jhd.

Der Hafen bzw. die Sanitäranlagen sind nicht der Hit. Toiletten aus Edelstahl und eine Wanne als Pissoire auf der Herrentoilette haben etwas Bahnhofscharakter. Waschmaschine und Wasser am Steg müssen extra bezahlt werden – das ist eher nicht üblich.

Im Hafen kachelt es immer noch mit gut 20 Knoten und es regnet. Eben kam ein kleines Segelboot mit Außenborder aus der Richtung Väddö-Kanal. Kurz vor dem Hafen fällt der Außenborder aus. Zum Glück ist die Hafenmeisterin noch da die schnell ein Schlauchboot hinaus schickt, um den Havaristen sicher in den Hafen zu bringen. So schnell kann es gehen…

Endlich geht es weiter…

Mittwoch, 25. Juni 2025

Zwei Tage Zwangspause können lang sein. Insbesondere, wenn man sich mit so unliebsamen, zähen Dingen beschäftigen muss wie ich es musste.

Das nächste Ziel ist Gävle. Dort könnte mein Bekannter einen Schnellzug nach Stockholm nehmen. Allerdings sind das gut 50 sm und der Wind ist für den Tag nicht besonders gut vorhergesagt. Anfangs 10 – 15 Knoten aus NNW, später drehend Richtung NW bzw. West und stark abschwächend. Also wird ein Ziel dazwischen gesucht. Es gibt zwei Optionen – eine kleine, vorgelagerte, flache Insel auf deren Südseite es zwei Bojen vom SXK hat. Die Bojenflagge habe ich aber die fehlende Abdeckung gefällt mir nicht. Zweite Option ist die Ankerbucht Rödhall-Måsörarna. Was mir an dieser nicht gefällt: Sie ist nach Norden offen und hat zahlreiche Steine unter Wasser. Trotzdem entscheide ich diese anzusteuern. Das war wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Aber die Windvorhersage sagt Nordwest – dann sollte die Bucht genügend Schutz bieten.

Die See hat sich relativ beruhigt. Es steht aber immer noch eine kabbelige Welle die sich erst etwas gutmütiger zeigt, nachdem wir etwas aus dieser Art Bucht bei Öregrund sind. Der Wind kommt wie vorhergesagt mehr oder weniger von vorne. D.h. gegenan kreuzen. Mein Bekannter hatte sich am Vorabend noch mit einem deutschen Segler im Hafen von Öregrund unterhalten. Er ist mit einer Ecume de Mer mit Ziel Haparanda unterwegs. Er hatte etwa 1 Stunde vor uns abgelegt. Bald haben wir ihn eingeholt. Sein Boot tut sich auf der Kreuz schwer.

Wie angekündigt lässt der Wind im Laufe des Nachmittags nach und kommt jetzt weiter aus NW – die Richtung in die wir möchten. Gleichzeitig jetzt eine langgezogene Welle die immer wieder unter dem Boot durchrollt. Mehrere Segler kommen uns entgegen bzw. fahren an uns vorbei – ohne Segel nur unter Maschine.

Etwa 10 sm vor dem Ziel entscheide auch ich die Segel zu streichen damit wir noch zu einer normalen Zeit ankommen. Die Einfahrt zur Bucht ist nicht einfach. Andererseits markiert der leichte Schwell die Einfahrt. In die Bucht geht es dann im Standgas. Auf Orca finden sich überhaupt keine Details. Aber anhand der Navionics-Karte kann ich mich ganz gut orientieren. Schließlich fällt der Anker auf 4 – 5 Meter Wassertiefe und fast 20 Meter Kette werden ausgebracht. Anker eindampfen und Ankeralarm stellen. Gegen Morgen soll der Wind wieder auffrischen.

Herrliche Ankerbucht und wir haben sie für uns ganz allene
Stimmung in der Ankerbucht um 23 Uhr. So richtig dunkel wird es derzeit nicht

Die Nacht ist unruhig

Ich habe mich noch nicht daran gewöhnt, vor Anker zu liegen. Obwohl ich eine Ankerkralle gesetzt habe (das ist eine Entlastung bzw. Entkoppelung der Ankerkette vom Boot) sind es andere Geräusche als wenn man im Hafen liegt. Und da ist immer die Sorge, dass der Anker hält. Erst gegen Morgen finde ich einigermaßen Schlaf. Dann, plötzlich, ein lautes Geräusch. Aufgesprungen und zur Ankerkette. Die Ankerkralle ist weg. Also richtig weg. Sie liegt wohl in 5 Meter Tiefe. Palstek – was ein doofer Knoten. Unter Wassersportlern sehr beliebt, weil er sich leicht lösen lässt. Aber ohne Belastung kann es passieren, dass er von selbst aufgeht. Also Ankerkette provisorisch auf die Klampe und noch zwei Stunden schlafen.

Etappenziel Gävle

Donnerstag, 26. Juni 2025

Dann geht es los. Wieder einmal die Diskrepanz zwischen dem Routenvorschlag von Orca und der Realität. Laut Orca sollte die Windrichtung passen, um alles segeln zu können. Doch zuerst einmal Anker lichten. Mit etwas Gas im Vorwärtsgang lässt sich der Anker lösen. Dann erst einmal unter Motor raus aus der Ankerbucht und um eine Ansammlung von Steinen herum. Danach Kurs Richtung Gävle also Nordwest. Wieder einmal Wind aus Nordwest. Also muss zuerst die Maschine weiterlaufen. Dazu eine unangenehme Welle, die immer wieder mit etwa 1 Meter Höhe unter dem Boot durchrollt. Nichts für einen schwachen Magen.

Erst langsam dreht der Wind auf Nord und später auf Nordost und zuletzt auf Ost (das, was eigentlich angekündigt war) und wir können die Fock setzen und auf den Motor verzichten. Da der Wind eben sehr von hinten kommt und immer noch diese Welle ärgert, ist hier die Fock die bessere Wahl. Patenthalsen hatte ich genug. Die Einfahrt Gävle ist teils eng durch Fahrwassertonnen begrenzt. Es geht aber weiterhin alles gut unter Segel. Nach dem Passieren der ersten Inseln ist auch die Welle weg.

Bevor der Kurs Richtung Gävle gesetzt werden kann, müssen einige unter Wasser liegende Steine umrundet werden

Gävle erscheint als moderne Industriestadt. Ganz anders als die Städte, die ich bisher an der schwedischen Ostküste gesehen habe. Die Stadt wurde 1446 gegründet (älteste Stadt Norrlands) und brannte mehrfach nieder, zuletzt 1869. Lange Zeit war Gävle eine stapelstad, also eine Stadt, die das Recht zum internationalen Handel besaß.  U.a. gibt es hier ein großes Unternehmen der Papier- und Verpackungsindustrie weshalb am Eingang der Bucht die Holzlager gleich auffallen.

Miss Sophie in Gävle

Eingangs, vor der Stadt, liegt ein Sportboothafen. Doch zum einen verlässt mich am nächsten Tag mein Bekannter Richtung Heimat (d.h. er muss auf den Zug) und zum anderen möchte ich in Gävle noch einkaufen (hier gibt es einen Lidl). Also steuern wir die Liegeplätze im Zentrum an. Alles sehr neu gemacht. Neue Sanitäranlagen (mit Sauna) und neue Stege. Einzig was stört: Hinter der Brücke liegen einige Motorboote die hier gerne etwas zu schnell fahren und damit für ordentlichen Schwell sorgen.

Ankerbucht Rödhall > Gävle

Ein weiterer (Regen-) Ruhetag

Der heutige Regen- bzw. Ruhetag war nicht ganz so dramatisch. Zum einen wollte ich noch einkaufen (in Gävle gibt einen Lidl) und ich wollte noch bei einem Marineshop vorbei der gleich beim Lidl um die Ecke ist. Einziger Wermutstropfen: Heute regnet es und es sind fast 4 km zu Fuß dorthin. Die Busverbindung ist nicht sonderlich gut. Also Segeljacke an und losgelaufen. Vor dem Marineshop dann Frust – geöffnet von Montag – Donnerstag. Heute ist Freitag. Also der Weg war umsonst. Aber der Einkauf bei Lidl war wenigstens erfolgreich.

Morgen geht es dann unter Motor rüber zum Segelclub Gävle. Das sind nur 5 sm. Heute bei dem Regen wollte ich das nicht machen da das Fahrwasser hier stellenweise sehr eng ist und links und rechts davon wird es sofort richtig flach. Und dann hoffe ich einmal, dass meine Lichtmaschine morgen ankommt. Ansonsten werde ich dort bis Montag wohl warten müssen. Das wären dann wieder zwei verlorene Tage…

Update von Nord Post

Am Morgen prüfe ich den Sendungsstatus meines Pakets. Jetzt ein Update von Nord Post: Voraussichtlicher Zustelltermin ist Dienstag, 1. Juli. Das ist doppelt doof. Zum einen weil ich jetzt zwei Tage mit Warten und Nichtstun verbringe und zum anderen weil dies meine letzten Urlaubstage sind.

Am 1. Juli muss ich wieder arbeiten. Zwar reduziert und auf dem Boot aber trotzdem werde ich ab 1. Juli nicht mehr den vollen Tag zum Segeln zur Verfügung haben. D.h. ich muss da auch erst einmal sehen, wie sich beides arrangieren lässt. Und für Mittwoch und Donnerstag nächste Woche ist schon wieder Regen vorhergesagt.

Für den heutigen Tag mache ich erst einmal das Beste daraus. Ich ändere meinen Plan und schaue mir heute Gävle an. Gävle würde ich nicht als besonders sehenswert bezeichnen. Es ist vor allem eine Stadt zum shoppen mit vielen Geschäften und einer großzügigen Fußgängerzone. Was sehr schön ist, ist der Weg vom Hafen in die Stadt entlang des (oder der?) Gavleån.

Inzwischen bin ich der einzige Gastlieger hier. Also nütze ich die Gelegenheit und heize ganz für mich alleine die Sauna ein. Dann gehe ich noch in den nahegelegenen Coop, um ein paar frische Sachen einzukaufen. Sollte es das Wetter zulassen, plane ich dann nächste Woche vermehrt an den blauen Bojen des SXK festzumachen.

Wie es weitergeht erzähle ich dann im nächsten Teil…

Was ein scheixx Tag…

Donnerstag, 19. Juni 2025

Gestern dachte ich noch – 25 sm bis Gräddö, locker zu schaffen. Pustekuchen. Der Morgen begann noch sehr gut. Fast windstill in der Ankerbucht. Anker konnte gut gelöst werden. Kette recht sauber, der Anker voll Schlamm. Drei, vier Mal ins Wasser getaucht und er war sauber. Problemlos von der Ankerbucht abgelegt. Dann wieder raus. Richtung Gräddö war ich jetzt in den Außenschären. Wenig Schutz. Der Wind blies mir wieder einmal genau entgegen. Von wegen – was haben mir viele erzählt, dass man hier fast immer Südwest oder West hätte und das Problem das Zurückkommen wäre. Ich habe genug von diesem NNW und NNO.

Doch was hilft es. Mein Bekannter ist im Flugzeug bereits unterwegs nach Stockholm Arlanda. D.h. ich muss dort hin. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber an diesem Tag stirbt sie recht früh. Der Wind nimmt stetig zu. Höhe Blidö versuche ich einmal das Großsegel zu setzen. Doch gleich nimmt der Wind noch mehr zu und bläst mit 25 Knoten. Auf dem Bodensee würde ich das noch locker segeln. Aber hier fühlen sich 25 Knoten wie 7 Bft. auf dem Bodensee an. Hier kommt eben dann noch die Welle dazu, die immer wieder krachend über die Sprayhood schlägt. Schon nach kurzer Zeit hole ich mit größter Anstrengung das Großsegel wieder runter. Es macht keinen Sinn, da ich das Boot kaum kontrollieren kann. Hier fehlt mir jetzt das zweite Reff, das ich dringend instand setzen sollte. Die Reffleine ist so alt, dass sie nicht mehr zu gebrauchen ist.

Also wieder Motor an und gegen den Wind kämpfen. Es ist fast wie am ersten Tag vor Sassnitz. Die Welle ist nicht ganz so hoch. Dafür ist die Strecke länger. Währenddessen mache ich mir Gedanken zu Gräddö. Der Hafen ist nach Norden vollkommen offen. Es gibt zwei vorgelagerte Inseln. Aber ich merke hier draußen, dass auch die Inseln kaum Abdeckung bieten. Sie sind einfach zu niedrig oder der Wind einfach zu kräftig. Inzwischen bläst es mit 28 Knoten. Miss Sophie kämpft mühsam mit 2,5 Knoten gegen den Wind. Ich zähle jede zehntel Seemeile und hoffe bald zwischen Gräddö und den vorgelagerten Inseln zu kommen.

Im Fjord Richtung Nörrtalje – Endlich etwas Beruhigung

Ich lege einen neuen Plan fest. Auch wenn es lange 10 sm sind, entschließe ich meinen Bekannten in Norrtälje aufzunehmen. Hier sollte es geschützt durch die Bebauung besser sein. Schon im Fjord kommt die Erleichterung. Wenigstens die Welle ist weg auch wenn der Wind immer noch mit 15 bis 20 Knoten bläst. Aber jetzt von halb und nicht mehr von vorne. ETA 1830. Im Gästhamn liegen kaum Boote. Drei deutsche Segelyachten und ein paar Schweden. Der Steg, an dem ich mit Heckboje anlege, ist vollkommen leer. Wann ist in Schweden Segelsaison?

Ich bin von dem Tag vollkommen k.o. Weniger körperlich, mehr geistig. Ständig Sorge, ob der Sprit noch reicht. Mit so vielen Motorstunden hatte ich nicht gerechnet.

Mein Bekannter ist am Steg und hilft beim Anlegen. Dann gehen wir etwas Essen. Norrtälje ist eine kleine feine Stadt mit einigen älteren schön renovierten Häusern und einer sehr gepflegten Innenstadt. Die Sanitäranlagen sind o.k. Aber die Liegeplatzgebühren schon gehoben. Auch wieder fast 400 SEK.

Lessons learned….

Wenn du jemanden an einem bestimmten Tag an einem bestimmten Ort abholen musst, dann plane einen Tag Reserve und rechne damit, dass es nicht läuft wie gewünscht.

Finnhamns > Norrtälje 33 sm

Was ein toller Tag…

Freitag, 20. Juni 2025

Noch am Abend werden Windfinder und Wetterbericht studiert. Mein Bekannter möchte gerne segeln. Ja, verstehe ich. Aber hier geht es um das Ankommen. Deshalb meine Entscheidung: Unter den Windbedingungen (sollten nicht anders als am Vortag sein) und der Tatsache, dass es draußen überhaupt keine vorgelagerten Inseln gibt, fällt meine Entscheidung Richtung Väddö Kanal. Aber zuerst wird einmal getankt – etwa 35 Liter für 600 SEK.

Im Fjord können wir noch segeln da wir Richtung Osten unterwegs sind. Der Wind kommt wieder aus NNO. Bei Storholmen biegen wir ab und haben den Wind gegenan. D.h. die Maschine muss uns voran bringen. Nach Björhövda Richtungswechsel – neuer Kurs NW und wir können wieder die Segel setzen. Keine einzige Welle. Hier, geschützt, haben wir zwischen 7 und 15 Knoten. Kurz vor dem Väddö Kanal bergen wir die Segel. Durch den engen Kanal (teilweise nur etwa sieben Meter breit) geht es mit Motorkraft. Zuerst geht es unter einer Brücke mit 18 Meter Durchfahrtshöhe. Auch wenn wir mit etwa 14 Meter noch 4 Meter Luft haben, erscheint es immer knapper je näher man kommt.

Erste Brücke mit 18 Meter Höhe

Dann bald die erste (südliche) Brücke auf deren Öffnung wir warten müssen. Sie öffnet jeweils zur halben Stunde. Die Landschaft ist einzigartig. Am Ufer sehen wir immer wieder Familien, die heute Mittsommer feiern. Der Mittsommertag wird offensichtlich vor allem mit der Familie gefeiert. Es sind große Gruppen mit 10 bis 20 Personen die auch immer wieder winken und rufen. Alle sind in ausgelassener Feierlaune.

Kurzer Schreckmoment

Wir genießen die Landschaft, schauen links und schauen rechts. Dort schöne Häuser, dort Rinder, die direkt am Ufer laufen. Auf einmal ein Geräusch, das nicht zum segeln gehört – „Ratsch“. Blätter und Astreste fallen auf das Deck. Ein geschockter Blick nach oben. Die Mastspitze der Miss Sophie fährt gerade durch einen Baum. Ich könnte über mich selbst fluchen. Wie oft habe ich die Videos der SY Müggele auf Youtube gesehen. Ich habe noch den Kommentar in Erinnerung: „…. nur auf die Bäume muss man achten da sie teilweise in den Kanal ragen…“. Bangender Blick nach oben und auf das Triton 2 Display. Wie steht es um die elektronische Windanzeige? Glück gehabt – kein Schaden genommen.

Bald erreichen wir die zweite (nördliche) Brücke, die jeweils zur vollen Stunde öffnet. Hält man sich an die vorgegebenen 5 Knoten Höchstgeschwindigkeit, passt das ziemlich genau. Nach der zweiten Brücke geht es nur noch wenige Kilometer bis wir den Gästehafen Älmsta erreichen. Auch hier wieder: viele leere Liegeplätze. Eine deutsche, eine finnische Segelyacht und ein schwedisches Motorboot. Später kommt noch eine deutsche Segelyacht dazu. Hafengebühr wieder knapp 400 SEK. Das geht ins Geld.

Aber dieser Tag macht den vorherigen vergessen. Ein Traumtag.

Wir besprechen noch den Weiterweg bevor wir uns im Rahmen der Möglichkeiten kulinarisch verwöhnen. Morgen Nachmittag soll es draußen dann wohl bis zu 30 Knoten haben – aus Nord. Das Ziel ist also einen Hafen zu finden, der nicht allzu weit entfernt ist und der gut gegen Nord geschützt ist. Die Wahl fällt auf Grisslehamn. Das sind knapp 10 sm.

Bei der ersten Brücke mussten wir kurz auf die Öffnung warten
Norrtälje > Väddö (Älmsta) 19 sm

Nächster Tag, neuer Plan – Hafentag

Samstag, 21. Juni 2025

Die einzige Option, die ggf. für heute in Frage gekommen wäre, wäre Grisslehamn gewesen. Vom Hafenmeister erfahre ich, dass heute dort ein Event mit zwei DJs ist. Der deutsche Nachbar am Steg meint, dass es dort keine freien Liegeplätze geben würde. Außerdem gibt mir der Hafenmeister die Info, dass 500 SEK für den Gastplatz verlangt werden (das sind etwa 45 Euro). Bereits am Morgen hat der Wind kräftig zugenommen und kommt aus Nord. Wir müssten alles gegenan unter Motor fahren da der Väddö Kanal ja noch ein Stück geht. Bringen würde es nur etwa 10 sm. Also neuer Plan: Wir bleiben hier. Hier sind wir einigermaßen geschützt vor dem Sturm, der für heute Nachmittag draußen angesagt ist. Deutscher Wetterdienst sagt für die nördliche Ostsee 6 Bft. und Welle bis 2 Meter. Das brauche ich nicht. Morgen soll es sich beruhigen.

Selbst hier bläst es teilweise mit über 20 Knoten – das macht draußen keinen Spaß

So kümmere ich mich etwas um meine Elektrik. Mein Elektriker vom Segelclub gab mir die Aufgabe, ein paar Messungen zu machen. Es gibt den Verdacht, dass die Lichtmaschine die Starterbatterie nicht lädt. Im Hafen mit hoher Drehzahl getestet. 12,5 Volt. Das ist zu wenig. Sicherung nach der Lichtmaschine geprüft – ist i.O. Rätselraten. Im Moment fällt mir und ihm nichts ein. Ich prüfe morgen noch einmal unter Fahrt.

Dann NMEA-Kabel am Triton 2 getauscht. Das Display nervt langsam. True Wind Speed und True Wind Direction funktionieren jetzt. Ursache war der Pinnenpilot. Der brauchte ein Update. Aber der Kabeltausch hat nicht das Problem „Geht, geht nicht“ gelöst. Ich bin langsam echt genervt von dem B&G Kram. die App auf dem iPad funktioniert auch nicht richtig. Synchronisation mit dem Vulcan 7 geht nicht. Meldung an den Support aus dem Vulcan 7 geht auch nicht, obwohl der Plotter über Starlink mit dem Internet verbunden ist.

Derweil führe ich in GPX-Studio einmal meine bisherigen Tracks zusammen während in der Laundry meine Wäsche wäscht. Bisher habe ich etwas mehr als 500 sm hinter mir. Das in 12 Segeltagen ergibt bisher einen Schnitt von etwa 35 sm täglich.

Meine bisherige Route

Wo ist denn der vielbesagte Südwest-Wind?

Wie viel hatte ich darüber gelesen und gehört, dass es hier immer Südwest, Süd oder Südostwind hätte. Das Problem wäre nicht, in den Norden zu kommen. Das Problem wäre das zurück kommen.

Ich hatte bisher fast nur nördliche Winde. Immer wieder gegenan. Die Planung für die nächsten Tage ist schwierig. Ein Tiefdruckgebiet jagt das nächste. Dienstag und Mittwoch ziehen sie genau dort durch, wo wir unterwegs sein werden. Deshalb entsteht der Plan, als nächstes Öregrund anzusteuern. Gerne hätte ich an einer Schäre oder einer blauen Boje des SXK angelegt. Doch sollte sich das Wetter so bestätigen, würden wir zwei Tage ohne Hafen und ohne Versorgung festhängen. Wäre grundsätzlich kein Problem. Alle Batterien sind voll und in den Backskisten gibt es genügend Proviant und Wasser. Aber Spaß macht das nicht.

Nächstes Problem….

In Oskarshamn hatte ich das erste Mal Probleme mit der Starterbatterie. Ich schob das darauf, dass ich am Abend zuvor vergessen hatte, den Hauptschalter der Starterbatterie nicht ausgeschaltet zu haben. Mein Elektriker vom Segelclub hatte mir noch die Aufgabe gegeben, einige Messungen durchzuführen um zu prüfen, ob alle Batterien von den jeweiligen Stromquellen richtig geladen werden. Solar ist gut. Landstrom ist gut. Starterbatterie ist schlecht. Es kommt kein Strom von der Lichtmaschine. Sicherungen geprüft – alle o.k. Direkt an der Lichtmaschine gemessen – kein Strom. 9,5 Volt bei guter Motorfahrt mit 5 Knoten. Fazit: Die Lichtmaschine ist offensichtlich hinüber. D.h. überlegen – wo in Schweden eine Lichtmaschine bestellen. Wohin bestellen. Den Austausch der Lichtmaschine traue ich mir zu. Wird zwar (für mich) ein Tag Arbeit sein. Aber zu bewältigen. So lange die Nacht im Hafen verbracht wird, kann ich mit Hilfe von Landstrom und Batterieladegerät die Starterbatterie jeweils wieder aufladen. Aber das ist nicht das Ziel.

Nächstes Ziel – Öregrund

Sonntag, 22. Juni 2025

Das Wetter passt am Morgen. Der Starkwind ist durch. Es bläst hier in Älmsta zwar immer noch etwas aber kein Problem. Die nächsten Seemeilen geht es noch etwas im Väddö Kanal, dann können wir abbiegen Richtung NW und die Segel gesetzt werden. Der Wind kam zuerst aus NNO. Segelbar. Im Laufe des Tages dreht der Wind auf O und am Ende auf SO. Ideal für unser Ziel Öregrund. 27 sm in 6h 45 min. Schnitt 4 Knoten. Das ist gut. Den ganzen Tag Sonnenschein. Aber die Luft ist noch kühl. Achja, und mittlerweile habe ich den 60. Breitengrad passiert.

Beim Anlegen in Öregrund dirigiert uns die Hafenmeisterin an den Platz. Wieder einmal Mooringleine. Passt mir inzwischen ganz gut. Wir werden zwischen zwei schwedischen Yachten gequetscht. Miss Sophie macht sich dünn und passt gerade so hinein.

Segeln zwischen den Schären
Angekommen in Öregrund
Väddö (Älmsta) > Öregrund 27 sm

Wieder abwettern…

Das nächste Tiefdruckgebiet kündigt sich an. Und es zieht genau über uns hinweg. Ich studiere Windfinder, Windy, Deutscher Wetterdienst und andere Wetterdienste. Man kann es drehen und wenden wie man will – wir werden hier wohl zwei Tage festsitzen. Nicht der schlechteste Ort. Es hat hier in Öregrund zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten. Die „Altstadt“ soll sehenswert sein. Aber es sind für mich zwei Tage, die ich nicht nach Norden komme. Dann wird das Thema Lichtmaschine noch einen oder auch mehrere Tag kosten. Ende nächste Woche werde ich wohl eine Entscheidung treffen müssen – noch weiter Richtung Norden oder wieder zurück Richtung Süden.

Das nächste Tiefdruckgebiet wird genau über uns hinweg ziehen

Von Nävekvarn bin ich relativ spät aufgebrochen. Ich war am Morgen noch etwas einkaufen für unterwegs. Windy hatte für den Tag relativ guten Wind aus Süd-Südost vorhergesagt und lt. Planung von Orca (meiner zweiten Navi-App) sollte ich in etwa 5 – 6 Stunden in Nynäshamn sein. Irgendwie kam ich sowie gerade selbst mit meiner eigenen Planung durcheinander denn im Nachhinein dachte ich noch Norrköping als Zwischenstopp auf dem Schirm gehabt zu haben. Aber egal…

Etappenziel Nynäshamn

Samstag, 14. Juni 2025

Jedenfalls aus dem Hafen raus und Richtung Nordost. Erste Ernüchterung – der Wind kam aus Nordost. Also blieb mir nichts anderes übrig, als erst einmal die Maschine zu bemühen und dann einen Plan zu machen.

Kreuzen, hier zwischen den zahlreichen Inseln und Untiefen erschien mir nicht wirklich als Option. Vielleicht Höhe Oxelsund. Da sollte sich das mit den Inseln und Untiefen etwas lichten. Aber nach gut einer Stunde drehte der Wind langsam auf Südost und ich konnte einen schönen Am-Wind Kurs segeln. Auch nicht hart am Wind wodurch ich mit gut 6 Knoten voran kam. Wind kam mit etwa 15 Knoten. Voraussichtliche Ankunftszeit: 17:30 Uhr. Das war nicht schlecht (in dem Moment).

Vorbei an unzähligen Schären

Doch je länger der Tag um so mehr lies der Wind nach und drehte weiter nach Süd wodurch aus dem Am-Wind Kurs bald ein Raumwind-Kurs und zuletzt vor dem Wind wurde. Und das bei blöder Welle. Schmetterling segeln funktionierte wegen der Welle nicht wirklich. Die von Orca berechnete Ankunftszeit verschob sich immer weiter nach hinten. Ich hatte keine Lust nach 21 Uhr anzukommen auch wenn es inzwischen hier sehr lange hell ist. Deshalb wurde etwa 10 sm vor dem Ziel der Motor angeworfen. Nach etwa einer 3/4 Stunde kam der Wind (zwar nicht besonders stark) etwas raumschots, auch weil mein neuer Kurs jetzt Nordost war, weshalb ich die Fock als Unterstützung dazu nahm – Sprit sparen. Ich weiß, Segel und Motor ist nicht Gentlemen-like – aber wir sind hier nicht auf dem Bodensee… Hier ist ankommen das Ziel.

Hafeneinfahrt Nynäshamn

Gegen 20 Uhr kam ich an und legte neben einer schwedischen Familie an. Er sprang gleich von seinem Boot, um mir beim Anlegen zu helfen.

Jetzt hatte ich zu meiner eigenen Überraschung einen zusätzlichen Hafentag und konnte planen, mich in zwei Tagen mit meiner Tochter in Stockholm zu treffen. In Nynäshamn ist der Bahnhof in unmittelbarer Nähe zum Hafen und hier ist eine Endstation der SL Stockholm (Storstockholms Lokatrafik). Und hier fährt der sogenannte Pendeltåg (wohl ein Zug für Pendler). D.h. sehr häufig (jede Stunde oder so).

Den kommenden Tag (Sonntag) hatte ich dann einen Tag Zeit mich von den langen Schlägen der letzten Tage etwas zu erholen, einzukaufen, das Boot mal zu reinigen und in Ruhe die Planung für die weiteren Tage zu machen.

Daneben habe ich auch etwas Zeit, in diesem Blog-Beitrag auch einmal etwas außerhalb von meinen Tagestörns, über gesammelte Erfahrungen und „Lessons learned“ zu schreiben…

Alle hilfsbereit

Eine Erfahrung, die ich nicht nur in den letzten Tagen sondern auf dem gesamten Törn immer wieder sammelte: Es gibt hier unwahrscheinlich viele hilfsbereite Menschen. Das begann in der Marina Kröslin mit dem Problem mit meinem Toplicht wo die Mitarbeiter in der Werft suchten, ob sie vielleicht einen Ersatz finden. Ich weiß genau, wie das am Bodensee wäre: „Dein Problem, interessiert uns nicht“.

Beim Anlegen in Sassnitz bei 15 – 20 Knoten Wind mit dem Liegeplatznachbar und dem Einheimischen. Zu zweit haben sie uns geholfen das Boot zu fixieren. Hier in Nynäshamn sprang der Nachbar sofort von seinem Boot (auf dem er auch zwei kleine Kinder hatte), um mir beim Anlegen zu helfen.

Das ältere Ehepaar, welches ich in Kalmar kennengelernt hatte, das mir zahlreiche Tipps gab für Häfen, Ankerbuchten und Bojen des SXK (die Flagge habe ich und das Erlebnis wird auch noch kommen).

Heute der Nachbar aus Schweden am Liegeplatz, der mir zahlreiche Tipps gab für gute Anlegestellen auf dem Weg nach Norden, die ich nicht auf dem Schirm hatte und mir auch noch einen Tipp für das Winterlager geben konnte. Inzwischen habe ich drei gute Tipps für das Winterlager gesammelt und habe dann die Auswahl.

Was man dazu machen muss: Man muss mit den Menschen reden. Von seinen Plänen erzählen. In Fyrudden traf ich einen anderen deutschen Segler, der das offensichtlich nicht getan hat. Der willkürlich irgendeine Marina angeschrieben und nach einem Winterlagerplatz gefragt hat. für 4 bis 5 tausend Euro bekam er eine Info. Ich habe Infos für ein Winterlager deutlich unter 1000 Euro. Wie gesagt – man muss mit den Menschen reden.

Achtung Stein!

Ich hatte es oben schon geschrieben. Nach dem Ablegen in Nävekvarn mit dem Ziel Nynäshamn kam der Wind aus der falschen Richtung und die ersten 10 – 20 sm sollte ich zwischen zahlreichen Inseln und Untiefen unterwegs sein. Gerade die Untiefen muss man hier echt auf dem Schirm haben. Die Ostsee ist eine Pfütze – das soll nicht abwertend sein. Was ich sagen möchte: die Ostsee ist nicht tief – sie ist extrem flach. Das maximale, was ich bisher am Lot hatte, waren 60 bis 70 Meter. Hier, in den Schären sind es zwischen 10 und 20 Meter Wassertiefe.

Die Ostsee ist flach – wirklich flach

In Idö meinte der deutsche Segler, der mir auch beim Anlegen geholfen hatte, mein Manöver um die grüne Tonne wäre mutig gewesen (um nicht leichtsinnig zu sagen) – gleich dahinter hat es Steine.

Heute, in Nynäshamn, sah ich ein deutsches Segelboot, das auf einem Stein aufgesessen war. Die Hafeneinfahrt hier ist etwas tricky. Aber wer die Karte studiert und sich an der empfohlenen Einfahrt hält, wird keine Probleme haben. Östlich der niedrigen Hafenmauer gibt es keine Mauer und man könnte meinen, hier einfach abkürzen zu können, um in den Hafen bzw. heraus zu kommen. Aber grüne Tonnen weisen darauf hin, dass es hier ein Fahrwasser gibt. Das deutsche Segelboot hatte das wohl nicht studiert und meinte den kurzen Weg nehmen zu können. Prompt saßen sie auf einem Stein. Ich hatte mich beim Einfahren in diesen Hafen bewusst nahe den Stegen gehalten, weil ich das auf der Karte gesehen hatte.

Was ich als „Lessons learned“ weitergeben kann: Wenn es ein Fahrwasser gibt, sollte man sich die Situation außerhalb des Fahrwassers genau anschauen, bevor man dieses verlässt. Das kann abhängig vom Tiefgang unproblematisch sein, kann aber auch gefährlich sein.

In Schweden wird nicht geraucht…

Zugegeben, ich bin Raucher. Aber wenn ich in ein anderes Land komme, achte ich erst einmal darauf, wie die Gepflogenheiten diesbezüglich in dem Land sind. Was mir sofort im ersten schwedischen Hafen auffiel: In Schweden wird nicht geraucht. Ich habe jetzt in den etwa 14 Tagen in Schweden nur einen einzigen Menschen gesehen, der auf der Straße geraucht hat. Ich habe dann im Internet danach geschaut und erfahren, dass Schweden schon vor 2025 das Ziel hatte, bis 2025 das erste rauchfreie Land Europas zu sein. Und sie haben das Ziel vor 2025 erreicht (rauchfrei bedeutet, dass weniger als 5% der Bevölkerung regelmäßig raucht). Was man (aber auch selten) sieht, sind E-Zigaretten. Ich habe auch praktisch keine Kippen auf dem Boden gesehen. In Gaststätten (auch außen!) ist das Rauchen verboten. Oft finden sich Schilder das hier oder im Umkreis von x Meter das Rauchen verboten ist.

Alkohol gibt es nicht so einfach…

Wer sein Anlegerbier aus der Bilge holen und trinken möchte, muss sich gut mit Vorrat eindecken. Denn Alkohol gibt es in Schweden nicht so einfach zu kaufen. Für den Verkauf von Alkohol gibt es spezielle Geschäfte – „Systembolag“ ist der Name. Nur dort darf Alkohol verkauft werden. Und auch nur an Personen älter als 20 Jahre. An der Kasse wird bei jungen Menschen auch der Ausweis verlangt (bei mir natürlich nicht). Viele Geschäfte und Lebensmittelmärkte haben Sonntags geöffnet – aber nicht die Systembolag. Manchmal wird einem in einem kleinen Ort ein Systembolag auf Google (Maps) angezeigt. Dabei handelt es sich aber um kleine Einzelhandelsgeschäfte die keine alkoholischen Getränke auf Vorrat haben. Vielmehr kann man online bestellen, um die Getränke dann dort abzuholen. Das ist eher für die Einheimischen gedacht. Also „Systembolag“ auf Google (Maps) bedeutet nicht zwingend, dass ihr dort Bier kaufen könnt.

Was die Preise betrifft: Es ist etwas teurer als in Deutschland. Aber nicht übertrieben. Etwa 20 – 30% teurer. Eine Dose Bier bekommt man für etwa 1,50 Euro. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass in Norwegen Alkohol wesentlich teurer ist (auch Bier).

Hamnguiden – die schwedischen Hafenführer

Die sogenannten „Hamnguiden“ sind „die“ Hafenführer für Schweden. Hier ist nicht nur jeder Hafen im Detail beschrieben sondern auch zahlreiche Ankerplätze, Anlegemöglichkeiten an Schären und an SXK-Bojen. Deshalb hatte ich mir im Vorfeld alle Hamnguiden der schwedischen Ostküste bestellt. Das sind Ringbücher etwa im DIN A4 Format und ein Hamnguiden kostet etwa knapp 80 Euro (in Summe hatte ich etwas als 1.000 Euro für Hafen-/Revierführer und Seekarten ausgegeben).

Der deutsche Segler in Idö machte mich dann darauf aufmerksam, dass es von den Hamnguiden eine App gibt und in jedem Hamnguiden findet sich am Ende ein Rabattcode zum frei rubbeln. Installiert man sich die App und nützt diesen Rabattcode, hat man alle(!) Häfen, die in den Hamnguiden gelistet sind, freigeschaltet. D.h. wenn man ein Tablett oder iPad hat, muss man eigentlich nur einen(!) Hamnguiden kaufen und hat damit alle anderen Häfen in der App. Und noch ein Plus-Punkt der App: Es gibt eine deutsche Übersetzung die relativ gut ist.

Liegeplatzgebühr

Ich hatte es unterwegs schon von dem einen oder anderen Segler gehört: In Schweden haben in den letzten Jahren die Preise erheblich angezogen. Vor fünf oder zehn Jahren war das noch wesentlich günstiger. Im Schnitt bezahlte ich knapp 30 Euro für den Liegeplatz. In manchen Häfen kann man entscheiden, ob man mit oder ohne Landstrom möchte. Macht etwa 5 Euro aus. Teilweise finde ich die 30 Euro o.k., wenn man sieht was enthalten ist. Z.B. in Kalmar oder Nynäshamn. Gute Sanitäranlagen, Waschmaschinen, Trockner, Sauna, Strom. Aber ich hatte auch einige Häfen, die das gleiche verlangten schlechte Sanitäranlagen, keine Waschmaschinen, keine Sauna etc. hatten. Spitzenreiter bisher ist Dalarö (bei Stockholm) mit 440 SEK – das sind etwa 40 Euro. Es wird Zeit, dass es etwas wärmer wird und ich ankern oder an SXK Bojen festmachen kann.

Zurück zu meinem Törn….

Nach diesem kleinen Ausflug zurück zu meinem Törn… Wie oben geschrieben, war ich jetzt einen Tag früher in Nynäshamn als ursprünglich gedacht. Den ersten Hafentag hatte ich wie geschrieben für verschiedenes genützt. Für den zweiten Hafentag hatte ich mich mit meiner Tochter und ihrem Freund für eine Tour durch Stockholm verabredet. Und da ist Nynäshamn für alle, die die nicht mit dem Boot nach Stockholm hinein fahren möchten (wie ich), ideal. Denn unmittelbar hinter dem Hafen liegt der Bahnhof. Und hier fährt die Linie der SL (Stockholms Lokaltrafik). Für Touris gibt es ein 24 Stunden oder Mehrtagesticket mit dem man eigentlich alle öffentlichen Verkehrsmittel in Stockholm (U-Bahn, Bus, Fähren) nützen kann. Finde ich sogar noch besser als die Oyster-Card in London weil es einfach ein Fixpreis ist.

Ausflug nach Stockholm

Wer hier segelnd her kommt, sollte auf jeden Fall den Ausflug nach Stockholm machen. Es lohnt sich.

Zum Glück war meine Tochter besser vorbereitet als ich. Sie hatte einige schöne Spots herausgesucht. Den einzigen Beitrag, den ich leisten konnte, war das Vasa-Museum.

Saluhall (Markthalle) ein Paradies für Feinschmecker
Spezieller Blick auf den Königspalast
Vasa-Museum

Weiter geht’s Richtung Norden

Die Planung für den Weiterweg ist gerade etwas schwierig. Es ist Dienstag. Am Donnerstag soll ein Segel-Bekannter aus der Heimat dazu stoßen. Er wird in Stockholm Arlanda landen. Vor Stockholm hat es hunderte von Inseln, die natürlich nicht einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden können.

Nynäshamn, meine letzte Station, war natürlich ideal. Aber ich wollte jetzt auch nicht einfach weitere drei Tage tatenlos herumsitzen und warten. Also begann die Suche nach Optionen Richtung Norden. Und da gibt es leider nicht viele. Norrtälje war einmal eine ursprüngliche Idee die ich aber inzwischen verworfen hatte. Denn hier müsste ich von See kommend tief hinein fahren, etwa 10 sm (20 km). Das würde 2,5 Stunden unter Motor bedeuten. Und das gleiche dann wieder heraus.

Saltsjöbaden wurde mir mehrfach genannt. Doch von Saltsjöbaden bin ich jetzt nur noch 8 sm entfernt. Da würde ich zwei Tage sitzen, um auf meinen Bekannten zu warten und wäre kaum Richtung Norden weitergekommen. Kappelskär war eine Idee – doch den Hafen gibt es nicht mehr bzw. ist nicht mehr zugänglich für Sportboote.

Nach weiterer Suche bin ich doch noch fündig geworden – Gräddö. Ist zwar nicht so ganz ideal zu erreichen (mit dem Bus und dreimal umsteigen) aber es hat den Vorteil, dass ich weiter in den Norden komme und der Ort außen liegt, also kein unnötig langer Weg ins Land hinein.

Nächster Halt – Dalarö

Dienstag, 17. Juni 2025

In Nynäshamn hatte ich wieder das ältere Ehepaar getroffen, welches ich in Kalmar kennengelernt hatte. Sie meinten, ich solle doch Dalarö als nächstes ansteuern. Ein Blick in die Karte – 21 sm. Sollte ein gemütlicher Schlag sein. Also lies ich es gemütlich an. Noch einmal die Windsituation gecheckt – etwas kompliziert heute. Über Land kam der Wind aus Südwest. Über dem Wasser drehte er auf Süd. Heute sollte es durch die Schären gehen. Da hat man gerne beständigen Wind.

Kurz nach dem Hafen setzte ich das Großsegel und mit diesem ging es erst einmal Richtung NNO. Nachdem der Wind recht moderat und beständig erschien, die Ankunftszeit nach hinten rückte, wurde die Fock ausgerollt. Jetzt ging es wieder flott voran und der Pinnenpilot (Johann) machte weitgehend den Job. Aber ich hatte es schon geschrieben: Ich war jetzt im Großraum Stockholm unterwegs. D.h. mehr Verkehr. Mehrmals musste ich anderen Booten ausweichen, da diese Vorfahrt hatten. Backbord-Bug vor Steuerbord-Bug. Wobei ich nicht weiß, ob das die Schweden wissen.

Dazu dazwischen eine kleine Anekdote: In Nynäsham lag eine schwedische Familie mit einer Bavaria 30 neben mir und wir kamen am Morgen bevor sie ablegten noch kurz ins Gespräch. Ich fragte ihn, ob er die Bavaria neu gekauft hatte und er meinte nein, gebraucht vor ein paar Jahren. Anfangs wären sie nur mit dem Motor gefahren um einmal zu sehen, wie das so geht. Erst dann hatten sie einmal die Fock gesetzt und später dann auch einmal das Großsegel. Ich fragte ihn, ob man in Schweden denn keinen Segelschein oder so etwas benötigt. „Nein, einen Schein benötigt man nicht. Das habe ich mir selbst beigebracht“ meinte er. Seitdem halte ich lieber Abstand auch wenn ich auf Backbord-Bug segle.

Mittlerweile den 59. Breitengrad passiert

Der Wind drehte langsam und kam mehr und mehr achterlich und ich musste zwischen zwei Schären hindurch. Da es kaum Welle hatte war die einzig sinnvolle Entscheidung ein Stück weit wieder Schmetterling zu segeln – Großsegel auf die eine, Fock auf die andere Seite. So etwas muss man von Hand diffizil aussteuern damit es nicht zur Patenthalse kommt. Wäre man zu zweit, würde ein Crew-Mitglied sich jetzt darum kümmern, einen Bullenstander zu setzen (fixieren des Großbaums, um die Patenthalse zu vermeiden). Einhand geht das schlecht denn diesen Kurs kann Johann nicht gut segeln.

Schärensegeln – im wieder zwischen Inseln hindurch.

Nachdem ich genügend Raum gewonnen hatte, konnte das Großsegel wieder auf die Seite der Fock geworfen und etwas angeluvt werden. So ging es immer wieder zwischen zwei Schären hindurch. Wenige Seemeilen vor Dalarö wurde die Fock eingeholt. Der Wind hatte (wie so oft im Laufe des Tages) zugenommen. Nur mit dem Großsegel war ich fast so schnell wie mit der Fock (auf sehr raumen Kursen bringt das Focksegel nicht mehr viel Geschwindigkeit). In der Bucht vor Dalarö kachelte es – 5 bis 6 Bft. In der Mitte noch eine Untiefe mit 2 Meter die beachtet werden sollte. Also Maschine an, Boot in den Wind gesteuert und Johann sollte den Kurs halten damit ich das Großsegel bergen kann. Das läuft inzwischen ganz gut.

Meine Sorge war noch das Anlegen bei diesem Wind denn der Wind pfiff mir schon ordentlich um die Ohren. Ich rechnete beim Anleger eigentlich mit einem Wind von Backbord und suchte mir einen freien Anleger an steuerbord. Den entdeckte ich auch gleich und steuerte diesen an. Doch bei der Ansteuerung registrierte ich, dass der Wind hier nun plötzlich von hinten kam. Der Gashebel war sowieso zurückgelegt. Doch nun musste ich mit Vollgas den Rückwärtsgang einlegen um nicht mit hartem Knall den Steg zu begrüßen. Das gelang gerade noch so und Miss Sophie legte sich butterweich am Steg an. Herunter gesprungen und die erste Leine belegt. Wieder auf das Boot gesprungen, um die Heckleine zu belegen. Auch wenn es in dem einen oder anderen Moment noch Nervosität gibt, merke ich langsam die Routine die ich gewinne, auch schwere Situationen einhand zu bewältigen.

Festgemacht in Dalarä

Als ich in der Bucht vor dem Hafen unter Motor anluvte, um das Großsegel zu bergen, die 15 bis 20 Knoten Wind spürte, den „Hafen“ erst einmal so richtig realisierte, dachte ich: „was machst du jetzt, wenn aufgrund der jetzigen Wind-Situation der Hafen für dich einhand nicht anzusteuern ist?“. Plan B hat gefehlt. Auf der Fahrt in die Bucht vor dem Hafen sah ich ein Segelboot, das in der Abdeckung einer kleinen Insel vor Anker lag. Ein guter Platz bei diesem Wind. Doch für ein zweites Boot war die Insel zu klein. Andere gut geschützte Plätze waren mir auf dem letzten Stück nicht aufgefallen. Was ich heute gelernt habe: Ich muss mich im Vorfeld mit einem Plan B beschäftigten. Was, wenn der Hafen aus irgendwelchen Gründen nicht angesteuert werden kann? Draußen, auf offener See, ist das weniger ein Problem. Halbwind-Kurs, Johann machen lassen und in Ruhe die Karten studieren. Das habe ich schon mehrfach praktiziert. Hier in den Schären ist das alles (bei starkem Wind) viel zu eng. Da kann ich nicht einfach einen Halbwind-Kurs anlegen. Und wenn, dann bleibt oft wenig Zeit, sich Gedanken zu machen. Denn bei 15 bis 20 Knoten Wind rauscht Miss Sophie mit gut 6 Knoten voran.

Lessons learned…

Habe für den Hafen oder das Anlegen immer einen Plan B. Es kann sein, dass du nicht so oder dort anlegen kannst, wie du das vorab geplant oder gedacht hattest.

Ziel Grädö

Die Frage war, wo picke ich am besten meinen Bekannten vom Bodensee auf, der am Donnerstag in Stockholm-Arlanda landen sollte. Nynäshamn wäre natürlich für ihn ideal gewesen. Aber da hätte ich noch einmal zwei Tage tatenlos gesessen und Nynäshamn ist jetzt wirklich kein Tourismusziel. Der Segler, den ich in Kalmar kennengelernt und in Nynäshamn wieder getroffen hatte, meinte Saltsjöbaden wäre gut. Doch von Dalarö waren das nur gut 8 sm. Viel zu wenig Strecke nach Norden. Norrtälje hatte ich meinem Bekannten noch vor meiner Reise als mögliches Etappenziel genannt. Gut zu erreichen mit dem öffentlichen Nahverkehr. Doch schon in Kalmar hatte ich realisiert, was es bedeutet tief hinein zu fahren. Das sind (mit Einschränkung) vergeudete Stunden. Nach Norrtälje müsste ich gut 2 Stunden mit dem Motor tief ins Land hinein fahren. Und das gleiche müssten wir dann wieder raus. Am Eingang dieses Fjörd liegt Grädö. Nicht ganz ideal für meinen Bekannten. Er muss den Bus nehmen und zweimal umsteigen. Das Problem mit dem ÖPNV in Schweden: Es gibt nicht den einen Betreiber sondern viele. Das betrifft nicht nur die Busse, auch die Bahn wird von verschiedenen Unternehmen betrieben. Und man benötigt dann von jedem Unternehmen eine Fahrkarte. Da hier alles online abläuft (man kann im Bus nicht bezahlen), benötigt man vom jeweiligen Unternehmen die App für das Handy und muss dort das Ticket buchen.

Im Stockholmer Schärengarten

Durch den Stockholmer Schärengarten

Mittwoch, 18. Juni 2025

In Dalarö blies der Wind am Morgen wieder mit gut 10 Knoten in den Hafen und ich lag ziemlich außen. Ein älterer Mann (noch älter als ich, lach) bot mir Hilfe an und hielt meinen Bug. Ich sagte ihm, dass ich einen Moment abwarte in dem der Wind etwas nachlässt. Dann Vollgas den Rückwärtsgang und erst einmal rückwärts aus dem Hafen an den Untiefen vorbei. Noch in der Bucht konnte ich das Großsegel setzen und den Motor ausmachen. Der Wind kam wieder nicht ganz so, wie es Windy meinte. Mehr von vorne. Aber es konnte noch gut gesegelt werden. So gut, dass ich schon bald auch die Fock dazu nehmen konnte. Heute ging es durch ziemlich viele Schären hindurch. Leider konnte ich den Kurs dann nicht mehr so halten, wie es sich der Routenvorschlag von Orca dachte (Orca hat wohl die gleichen Windmodelle wie Windy). Gleichzeitig nahm der Wind wieder zu und erreichte 17 Knoten. Nach drei Wenden im engen Schärengewässer nahm ich die Fock weg.

Mal wieder Rauschefahrt mit gut 6 Knoten am Wind

Inzwischen kam der Wind zunehmend von vorne. Dazu kamen jetzt noch Regenschauer. Mein Ziel für heute war eine Ankerbucht etwa 15 sm vor Grädö. Doch wie so oft wanderte die berechnete Ankunftszeit mehr und mehr nach hinten. Inzwischen hatte ich den Motor angeworfen. Ich war im breiten Gewässer und konnte Johann den Job machen lassen. Währenddessen suchte ich auf dem iPad im Hamnguiden und auf Orca nach Alternativen. Es sollte eine Bucht sein, die gut Richtung West und Nordwest geschützt ist. Schließlich fand ich etwas – Finhamns. Eine Ankerbucht, die sowohl von Norden als auch Süden angelaufen werden kann.

Im Regen ist dann nicht mehr viel zu sehen. Da lernt man GPS und Kartenplotter zu schätzen

Es lagen schon einige Boote vor Anker und so musste ich erst einmal die Lage prüfen. Weit genug von den anderen Booten weg wg. Schwojkreis (so wird das Drehen eines Bootes im Wind um den Anker oder einer Boje genannt) und nicht zu tief. Ich fand dann einen Platz auf 5 Meter Tiefe. 20 Meter Ankerkette gingen nach unten. Rückwärtsgang eingelegt, hält. Noch einmal richtig Gas geben – hält. Ankeralarm mit 30 Meter Toleranz eingestellt und Plotter beobachten. Auch in der gut geschützten Bucht hat es zeitweise noch 10 Knoten Wind.

Durch die südliche Einfahrt im Standgas in die Bucht
Ankerbucht Fynhämn

Nach 1 Stunde bin ich beruhigt und mache mich daran Essen zu kochen und zu essen. Auch wenn ich nicht die Ankerbucht erreicht habe, die ich erreichen wollte, bin ich sehr zufrieden. Ich bin noch etwa 25 sm von Grädö entfernt. Das ist morgen gut zu schaffen. Einzig das Wetter könnte mir einen Strich durch die Rechnung machen – Windfinder meint, dass es am Morgen regnet…

Fortsetzung folgt…

Kann ein Segeltag schöner zu Ende gehen?