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Bisher segelten wir mit unserer Miss Sophie auf dem Bodensee. Sicher, der Bodensee ist jetzt auch keine Pfütze. Und es kann auch am Bodensee einmal etwas rauer zugehen. Mit der First 235 hatte ich auch einmal einen Mastbruch, als bei falscher Trimmung des Riggs eine Böe mit 7 oder 8 Bft. einschlug. Wir wurden auch schon mit Gewitter und Wellen um 0,5 Meter und 5 bis 6 Bft. vor der Hafeneinfahrt überrascht.

Aber sind wir ehrlich: Im Vergleich zur Ostsee ist der Bodensee dann doch eine Pfütze… Es kommen ganz andere Herausforderungen auf einen zu denen man sich stellen und auf die das Boot vorbereitet werden muss. Und darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Ankern

Am Bodensee ist ankern eher kein Thema. Wer hier ankert, der macht dies aus Spaß am ankern. Es gibt nur wenige Ankerplätze und wenn man ankert, dann macht man dies wahrscheinlich nur bei günstigen Bedingungen und 2 bis 3 Meter Wassertiefe.

Ich möchte auf meinem Törn so viel wie möglich ankern. In der Ostsee und auch in der nördlichen Ostsee gibt es genügend Häfen. Es wäre also nicht zwingend notwendig. Aber Übernachtung im Hafen bedeutet auch Kosten. Selbst bei meiner kleinen Bootsgröße (28 Fuss) liegen hier die Liegeplatzgebühren inzwischen bei etwa 25 bis 30 Euro die Nacht. Zum Teil dann noch plus Strom, plus Dusche, plus…. Da wäre ich schnell bei 900 Euro plus im Monat. Legt man im Hafen an, ist auch schnell die Verlockung da hier und da einzukehren und auf das Kochen an Bord zu verzichten. Dann ist man schnell bei 100 Euro für einen Hafentag für zwei Personen.
Daneben möchte ich hier auch einfach die Natur erleben.

Bisher hatte ich für den Hauptanker 8 Meter Kette und etwa 20 Meter Leine. Auf blauwasser.de gibt es einen guten Beitrag zum Thema Ankern und Ketttenlänge (dazu einen Link auf einen Beitrag wie ein Mathematiker die Kettenlänge berechnet). Da ich schon auf der First 235 den Anker umrüsten wollte, hatte ich bereits 20 Meter Kette in der Garage liegen. Genau das, was ich brauche. Also wird die Kette getauscht. Zusätzlich kommen an die Kette 20 Meter (Blei-) Ankerleine. Der Bleivorlauf beträgt 10 Meter.

Von meinem Kindern bekam ich vor einigen Jahren einen M-Anker aus Edelstahl zum Geburtstag geschenkt. Er war eigentlich einmal für die First 235 gedacht. Jetzt kommt er mit als Heckanker für den Fall, das ich an einer Schäre anlege. Dieser bekommt eine 30 Meter lange Blei-Ankerleine. Somit sollte das Thema „Ankern“ gut gelöst sein.

Festmacher

An den Liegeplätzen am Bodensee hat man in der Regel am Heck zwei Pfosten und am Steg entsprechende Ringe. Die Größe der Liegeplätze ist auf die Boote am Bodensee ausgerichtet. D.h. in der Regel kommt man mit zwei Festmachern am Heck mit etwa 10 Meter und zwei kurzen Festmachern am Bug klar.

In Schweden und Finnland hat man oft Heck-Bojen, die relativ weit vom Steg entfernt sind. D.h. ein bis zwei Festmacher mit 20 Meter Länge sollten parat sein. Auch für den Fall, dass man an einer Schäre festmachen möchte sind längere Festmacher sinnvoll. Des weiteren sollte man entscheiden, wie man an der Heck-Boje festmachen möchte. Da ich die meiste Zeit Einhand unterwegs sein werde, habe ich mich für einen Bojenhaken entschieden an dem dann eine 20 Meter lange Festmacherleine befestigt wird. Das machen dort wohl viele so.

Funk / AIS

Ein Funkgerät bräuchte ich jetzt für meinen geplanten Törn nicht zwingend. Wofür benötigt man ein Funkgerät? Es wird vor allem zur Kommunikation vor Schleusen oder Brücken (wirklich) benötigt. Ansonsten gibt es auf der Ostsee keinen zwingenden Grund dafür. Weshalb mir Funk auf der Ostsee wichtig ist:

Das Zauberwort heißt DSC – Digital Selectiv Call. DSC ist ein wichtiger Bestandteil des GMDSS (Global Maritime Distress Safety System) und unterstützt die schnelle und sichere Übermittlung von Notrufen. Ich bin zu 99% im Seegebiet A1 unterwegs. Im GMDSS wird die See in Seegebiete von A1 bis A4 unterteilt. Im Seegebiet A1 ist mindestens eine Seefunkstelle 24 Stunden für einen Notalarm erreichbar. Mittels DSC Notruf und GPS an Bord weiß innerhalb von 2 Minuten mindestens eine Seefunkstelle das ich a) einen Notfall habe und b) meine Position auf etwa 20 Meter genau. Das war für mich der wesentliche Grund den SRC Schein zu machen und ein Funkgerät einzubauen.

Zweiter, nicht unwichtiger Grund: Sollte ich einen Motorschaden haben und Hilfe benötigen kann ich per Funk einen „Pan Pan Pan“ senden. Bedeutet ich kann um Hilfe rufen (kein Notfall). Wen sollte ich in Schweden oder Finnland per Telefon anrufen?

Dritter Grund: AIS. Über AIS senden Schiffe ihre Position, Geschwindigkeit und ihren Kurs. Berufsschiffe führen heute verpflichtend AIS (wobei russische Schiffe das gerne ausschalten). AIS Informationen können zwar online über das Internet auch abgerufen werden aber a) sind diese Informationen verzögert und b) setzt es voraus das man Internetverbindung hat. Über das Funkgerät lassen sich die AIS Daten der umliegenden Schiffe empfangen und auf dem Kartenplotter (s. nächster Punkt) darstellen. Der Plotter kann dann auch frühzeitig einen Kollisionsalarm ausgeben.
In Hinblick darauf, dass ich das eine oder andere Verkehrstrennungsgebiet queren muss, ein Sicherheitsfaktor.

AIS im Internet über www.veselfinder.com

Seekarten / Navigation

Seekarten, Revierführer – es gibt einige Segler die heute lachen, wenn man angesichts der Möglichkeiten der elektronischen Navigation über Seekarten aus Papier spricht und fragt, welche Seekarten man haben sollte. Zumindest in deutschen Hoheitsgewässern ist es immer noch Pflicht, aktuelle Seekarten für das aktuelle Revier an Bord zu haben. Ich fühle mich auch etwas wohler, wenn ich diese als Backup habe und sitze auch lieber am Abend zur Planung über eine solche Karte als über dem Plotter.

Revierführer beschreiben genau die Einfahrt in einen Hafen oder in eine Ankerbucht. Sie geben die Information welche Infrastruktur (Wasser, Strom, Tanken, Dusche, Waschmaschine) vorhanden ist. Die sind zwar in schwedisch aber dank Google Translate auch schnell übersetzt. Und Icons, Bilder und Kartenausschnitte sind sprachunabhängig. Diese genauen Information sind in Schweden und Finnland nicht unwichtig denn das Revier ist eher flach als tief und von zahlreichen Steinen gesät.

Ja, das ist ein Kostenfaktor. Insgesamt habe ich etwa 1000 Euro nur für Seekarten und Revierführer ausgegeben.

Navigation – ich hatte es oben schon angesprochen. Viele verlassen sich heute auf die elektronische Navigation mittels Plotter, Tablet oder gar Handy. Die elektronische Navigation ist sicher ein Segen. Auch am Bodensee nütze ich gerne einmal eine App (insbesondere bei Nebel oder Nachtfahrt sehr hilfreich). Doch das GPS von Handy oder Tablet (iPad) ist recht ungenau. In den Schären ist eine Genauigkeit von 20 Meter zu wenig. Daher (und weil ich schon einen GPS Empfänger an Bord hatte) habe ich mich für einen Plotter entschieden. Da ich meine Instrumente (Log, Wind, Tiefe) schon auf B&G ausgerichtet hatte, wurde es ein Vulcan 7 von B&G mit der Karte von Navionics. Die Karte von Navionics hat noch den Vorteil, dass es hier auch Einträge der Community gibt. Z.B. genaue Informationen über das Anlegen an einer Schäre, oder genaue Tiefenangaben zu einer Bucht. Außerdem sind die blauen Bojen der Svenska Kryssarklubben (SXK) eingezeichnet. Das sind Bojen, an denen man festmachen kann, wenn man sich die Bojenflagge für das jeweilige Jahr gekauft hat (habe ich natürlich gemacht).

Als Backup habe ich noch Orca auf dem iPad. Aber nur als App mit einer Subscription, ohne Core.

Routenplanung – Es macht nicht viel Sinn, weiter als 5 bis 7 Tage voraus zu planen. Ich habe ein paar Zwischenziele, die ich zu einem Zeitpunkt erreichen sollte. Am Anfang begleitet mit 14 Tage meine Frau. Pfingstsonntag sollten wir in Kalmar sein. Am Montag geht ihr Flug zurück nach Zürich.
Am 16.6. sollte ich Nähe Stockholm sein. Da kommt meine Tochter mit ihrem Freund und am 19.06. kommt ein Bekannter der mich dann bis zum 28.06. begleitet. Mehr Termine habe ich nicht. Die Etappen habe ich mir angesehen und sollten alle gut zu schaffen sein, wenn ich jeden Tag zwischen 20 und 30 Seemeilen mache.

Was ich als Vorbereitung gemacht habe: Ich habe viele Videos von Seglern wie der SY Müggele, Twinkieler, Van Haas Sailing, Claus Aktoprak oder Sailing Meera gesehen, habe einige Blog-Beiträge von anderen Seglern und Beiträge in Foren gelesen. Dort habe ich empfehlenswerte Ankerbuchten und Häfen aufgegriffen.
Ich habe früher viel Landschaftsfotografie gemacht. Dabei hatte ich Google Maps genützt, um mir interessante Spots zu markieren. Das habe ich auch oft für Fotoreisen genützt. In Google Maps kann man sich eigene Karten erstellen in denen man Punkte markieren und Notizen dazu hinterlegen kann.

Daher hat es sich für mich angeboten, wieder Google Maps für die Planung zu nützen. Ich habe mir hier Ankerplätze, Bojen und Häfen markiert und mit Kommentaren und Links ergänzt. Das ist für die Planung unterwegs sicher hilfreich.

Eigene Karte in Google Maps. Blau sind Ankerbuchten oder Bojen, Gelb Häfen, Lila spezielle Orte wie z.B. Lidl

Sonstiges – dies und das

Lifeline – am Bodensee benützt wohl kaum jemand eine Lifeline. Sicher mit ein Grund, weshalb es jährlich mindestens einen Todesfall durch Ertrinken am Bodensee gibt. Da ich viel alleine unterwegs sein werde und das Gebiet sicher oft etwas rauer als der Bodensee ist, gehört eine Lifeline für mich zur Pflicht.

Wasser – Ich habe einen 80 Liter Frischwassertank. Am Bodensee benützen wir das Frischwasser (wenn wir den Tank überhaupt füllen) nur zum Duschen nach dem Baden oder zum Vorspülen des Geschirrs. In der Regel benützen wir diesen nicht und er bleibt leer. Hier, auf der Ostsee, in der Kombination mit der Planung viel zu Ankern hat dieser jedoch eine Bedeutung. Und da stellt sich die Frage, wie man das Frischwasser haltbar macht. Ich bin durch Zufall in einem Forum auf Chlordioxid gestossen. Chlordioxid wird häufig in Wohnmobilen verwendet, um Wassertanks und -Leitungen einmalig zu desinfizieren. In der Trinkwasserversorgung wird Chlordioxid aber auch verwendet, um Trinkwasser fortlaufend keimfrei zu halten. Deshalb habe ich mir hier Chlordioxid und Messstäbchen besorgt, um das Wasser aus dem Frischwassertank keimfrei zu halten damit ich es auch zum kochen verwenden kann. Natürlich muss man sich informieren und Wissen bezüglich der Dosierung aufbauen.

Neoprenanzug – Einer der schlechten Notfälle, die eintreten könnten wäre, dass sich irgendetwas in der Schraube verfängt. Z.B. irgendeine Leine oder ein Fischernetz. Die SY Müggele hatte einmal ein solches Erlebnis. Dabei musste er ohne Neopren in die noch kalte Ostsee. Daher eine Anschaffung: Ein Neopren-Anzug für diesen Notfall.

Sprayhood – Unsere Dehler 28 hatte leider keine Sprayhood. Am Bodensee auch nicht zwingend notwendig. Eher ein nice to have. Aber auf der Ostsee, bei Welle von vorne, auch mal Regen, etwas mehr als ein nice to have. Vielleicht nicht zwingend notwendig, aber doch anzuraten.

Pinnenpilot – Pinnnepilot oder Autopilot, hatten wir bisher nicht. Auf dem Bodensee auch nicht ganz so wichtig. Klar, in der Vergangenheit war es schon manchmal mühsam, wenn man 3 Stunden unter Motor an der Pinne saß. Jetzt, auf der Ostsee, und vor allem unter dem Gesichtspunkt alleine unterwegs zu sein, zum Segel setzen, Segel bergen, reffen und andere Situationen war ein Pinnenpilot unabdingbar. Da ich, wie gesagt, alles auf B&G ausgerichtet hatte, wurde es ein Simrad TP20 (Simrad wurde vor einigen Jahren von B&G aufgekauft daher erhoffe ich mir hier die bestmögliche Kommunikation).

Kanu/Beiboot – Wenn man in einer Bucht ankert möchte man vielleicht auch an Land, um die Insel kennenzulernen oder etwas die Füße vertreten. Wir hatten schon vor ein paar Jahren ein aufblasbares Kanu gekauft, weil wir hier am Bodensee auch mal Kanu fahren wollten. Haben es aber noch nie benutzt. Jetzt bekommt es einen Zweck.

Internet – Ich werde wahrscheinlich nicht immer (guten) Zugriff auch das schwedische oder finnische Mobilfunknetz haben. Auch wenn heute durch EU Roaming vieles besser geworden ist, mein Handy-Tarif wird für einige Teams-Meetings in der Woche nicht ausreichend sein. Deshalb war eine Frage, wie ich es sicherstelle, während meiner Workation-Zeit auch so arbeiten zu können als wenn ich zu Hause wäre. Leider gibt es derzeit dazu nur eine Lösung (außer W-Lan im Hafen): Starlink. Ich lehne Elon Musk so ab, wie ich xxx ablehne. Aber das war jetzt eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Ohne diese Sicherheit hätte ich den Törn mit Workation nicht planen können. Daher habe ich hier in den sauren Apfel gebissen, und eine Starlink Mini mit dem Tarif „Reise“ gewählt. Tarif „Reise“ bedeutet 70 Euro/Monat und unbegrenztes Datenvolumen. Das hätte ich selbst mit Lidl Connect nicht bekommen….

Essen – Essen/Verpflegung, nicht ganz unwichtig. Insbesondere unter dem Vorhaben, viel zu ankern und autark unterwegs zu sein. Nudeln (Spaghetti), Reis, Kartoffeln, Tomaten (Dose). Das Thema beschäftigte mich massiv. Was ist gut zu lagern? Was ist in welcher Form/Verpackung wie lange haltbar. Schweden und Finnland sind für Lebensmittel ein teures Pflaster. D.h. so viel wie möglich in Deutschland einkaufen und bunkern. „Bunkern“ ist dabei das nächste Stichwort. Habe ich den Platz, um Vorräte für 3 Monate zu bunkern? Für den Notfall habe ich mir etwas Trekkingnahrung bestellt. Das ist getrocknetes Essen, welches mit heißem Wasser aufgegossen wird. Womit ich mich vor allem schwer tue: Welche Mengen soll ich für 3 Monate von was rechnen? Reicht eine Packung Salz? Wie viele Nudeln wie viel Reis? Es bleibt spannend.

Kleidung – Hier gibt es eigentlich wenig besonderes außer der Tatsache, dass ich für mehrere Jahreszeiten bzw. Temperaturen planen muss. Ende Mai wird es wahrscheinlich noch nicht sommerlich sein. Dann komme ich in den Sommer mit Juli und August. Wassertemperaturen um 25 Grad im Sommer sind inzwischen in der Ostsee keine Überraschung. Anfang September wird es dann schon herbstlich sein. Bedeutet das ich mich für sehr unterschiedliche Situationen vorbereiten muss.
Da das Boot über den Winter in Schweden bleibt, muss ich so planen, dass die wesentliche Kleidung (die ich dann auch zu Hause brauche und gewaschen werden muss) für den Rückflug von Stockholm in eine große Reisetasche oder einen Koffer passt. Ölzeug und Badehose können über den Winter sicher an Bord bleiben.

Werkzeug/Bord-Apotheke – An Bord hat man in der Regel Standard-Werkzeug wie verschiedene Schraubendreher, Schraubenschlüssel. Das reicht zumindest für den Bodensee. Hier muss ich etwas weiter planen insbesondere nach dem Umbau der Stromversorgung. Deshalb gehören ein Messgerät, versch. Kabelschuhe, die Quetschzange, etwas Kabel, vor allem Sicherungen, Leuchtmittel und noch das eine oder andere Werkzeug an Bord. Für Segelreparaturen habe ich ein Reparaturband. Dann Segelgarn mit Nadel.
Medikamente muss ich sowieso einige mitnehmen da ich einige Medikamente regelmässig einnehmen muss. Aber hier muss ich noch etwas weiterdenken. Schmerzmittel, vielleicht etwas gegen Seekrankheit, Durchfall und etwas für Insektenstiche. Aber das werde ich noch mit meinem Doc besprechen.

Solo – alleine unterwegs

Zum Schluss: Solo, alleine unterwegs ist etwas ganz anderes wenn man zu zweit oder gar mit einer Crew unterwegs ist. Es muss alles alleine gedacht und entschieden werden. Mit Anfang 60 fällt das nicht mehr so leicht, wie mit 20 oder 30. Im Alter von etwa 30 Jahren war ich „alleine“ in Australien. Ich hatte meine Schwester in Melbourne besucht habe aber in den 6 Wochen sehr viel alleine unternehmen wie z.B. eine 5-tägige Trekkingtour durch das Outback auf den höchsten Berg Australiens. In dem Alter geht man da unbefangener und sorgloser heran.
Auch aus meiner früheren Zeit vom Klettern kenne ich das. Zu zweit in der Seilschaft fällt alles leichter. Entscheidungen treffen, Überlegungen anstellen, abseilen, Zelt aufstellen, kochen. Solo ist man eben auf sich alleine gestellt. Anlegen, ablegen, Segel setzen und Segel bergen, Fender ausbringen, Leinen vorbereiten und vor allem: Entscheidungen treffen!
Deshalb war es mir wichtig, dass mich die ersten 14 Tage meine Frau begleitet. Sie ist zwar keine Seglerin, aber eine Mitseglerin. Sie kennt unser Boot. Ich wollte keinen Kaltstart. Den abgemilderten Kaltstart werde ich dann haben, wenn sie in Kalmar das Boot verlässt und ich alleine Richtung Stockholm segel. Aber da kenne ich dann zumindest schon etwas das Revier…. Es wird spannend.

Meinem Magen geht es zunehmend unwohl… Noch 4 Wochen bis zum Start. Und die Elektrik steht noch eher mehr am Anfang als am Ende. Das Funkgerät ist eingebaut, das Antennenkabel vom Mastfuß bis zum Gerät gezogen. Stecker nicht montiert.

Solar: Der Anschluss der Module von Achtern zum Solarladeregler ist gezogen. Solarladeregler und 12/24V Konverter in der Achterkajüte montiert. Dann hört es auch schon langsam auf. Ich zähle einmal besser auf, was noch zu tun ist:

  • Anschluss der beiden neuen LiFePo Batterien inkl. zusätzlicher Hauptschalter
  • Anschluss Batterie-Monitor
  • Endgültiger Anschluss der Solar-Module
  • Antennenkabel Durchgang Deck
  • Anschluss/Montage B&G Vulcan 7 (Befestigung und Strom noch unklar)
  • Unterwasserschiff VC Offshore streichen
  • Sprayhood Montage (ist noch beim Hersteller)
  • MMSI im Funkgerät programmieren (würde ich gerne vor dem Start machen)
  • Pinnenpilot (endgültige Montage und Test)
  • Halterungen für beiden festen Solarpanels und Kabel
  • Fockschiene (endgültige Montage)
  • Borddusche (Anschluss erneuern)
  • Markierungen für Ankerkette
  • Verschiedene Einkäufe noch offen (Pumpe für Kajak, Kochplatte, Essgeschirr….)

Vor allem verursacht mir eines zunehmend Magenkrämpfe: Die Angst, irgendetwas vergessen zu haben. Ich habe mir zwar inzwischen Listen gemacht (Mitnehmen Essen, Mitnehmen Allgemein, Boot, Karten/Revierführer, To do/done). Aber irgendwie steigt mit jedem Tag die Angst, auf einer der Listen etwas vergessen zu haben.

Führerschein und Fahrzeug: Vor etwa 10 Wochen habe ich einen neuen Führerschein beantragt. Ich habe noch den grün-grauen „Lappen“ (ja, ich weiß – hätte ich schon längst umtauschen lassen müssen). Dazwischen kam auch mal eine Rechnung. Aber bis heute kein neuer Führerschein. Deutschland…. ohne Worte.
Mietwagen: Auch wenn es scheint, dass über Sixt nun alles gut gebucht ist – immer noch etwas die Angst, dass das Fahrzeug keine 3,5 to ziehen kann.

Vemas: Den Antrag für die Überbreiten-Genehmigung habe ich vorbereitet. Meine Tochter (die sich da auskennt und auf dem Landratsamt im entsprechenden Bereich arbeitet) wirkt entspannt – wird schon klappen. Den endgültigen Antrag kann ich erst stellen, wenn ich die Fahrzeugidentifikationsnummer des Zugfahrzeugs habe. Daher habe ich den Mietwagen schon für den Dienstag vor der Abreise gebucht. Vor Ort können wir das Fahrzeug dann noch für die letzten Einkäufe gebrauchen.

Wird das mit dem Rückflug für meine Frau von Kalmar nach Zürich mit Umstieg in Stockholm klappen?

Dann eine weitere Überraschung: Im Segeln-Forum hatten mir einige Lubmin als Start empfohlen. O.k. Liegeplatz entsprechend gebucht. Mail geschrieben wegen Einwassern (Einkranen). Keine Antwort. Anruf. Lubmin hat keinen Kran (Nebenbemerkung: In meinem Beitrag im segeln-forum hatte ich geschrieben, dass ich von Süddeutschland komme. In meinem Profil steht, dass ich eine Dehler 28 habe). Die Woche davor wäre ein Autokran da. Arrrggghhh….

Antwort am Telefon: „Kröslin oder Greifswald haben eine Kran“. Mail an Marina Kröslin – keine Antwort. Es kostet Nerven…. Dann doch eine Antwort. Kranen am 26. Mai geht klar. Jetzt noch Hotelzimmer für die Nacht von Sonntag auf Montag buchen. Stellplatz für Trailer klären. Liegeplatz für die ersten zwei Nächte hätte ich ja jetzt in Lubmin gebucht. Unter den Umständen wäre Kröslin praktischer. Lubmin stornieren geht – aber gibt es noch einen Platz in Kröslin? Ja, gibt es. Platz für den Trailer ist ebenfalls geklärt. Mast stellen auch geklärt.

26. Mai 2025 – noch vier Wochen….

Ein Club-Kamerad aus dem Segelclub hebt meinen Mast mit dem Gabelstapler vom Boot. Zum Glück geht das in meinem Winterlager alles so relativ unkompliziert (und ohne exorbitante Kosten). Wir montieren zusammen die Halterung für die Ukw-Antenne – er hat eine entsprechende Nietzange und Monel-Nieten. Im Mast finden wir eine Sorgleine zum Durchziehen von Kabeln. Doch es fuchst mal wieder. Immer wieder bleibt das Antennenkabel an einer Stelle hängen. Zum Schluss ziehen wie alles raus, was in dem Kanal läuft, also Kabel vom Toplicht und Fockfall. Endlich bekommen wir alles durchgezogen. 2 1/2 Stunden für ein Kabel…

Ich laminiere dann noch die Holzplatte unter der Backskiste für den Pinnenpilot. Dann geht es an das Buglicht. Umbau auf LED. Auch dies wieder eine Herausforderung. Bohren durch Edelstahl Am Ende geschafft. Das neue Buglicht ist montiert. Fehlt noch die Kabelverbindung – aber das ist eine Kleinigkeit….

In einem letzten Beitrag hatte ich darüber geschrieben, wie ich die Stromversorgung auf der Dehler 28 speziell auch für meinen Törn auf der Ostsee umbauen möchte.

Im wesentlichen geht es darum, eine autarke Versorgung mit Hilfe von Solar und zusätzlichen LiFoPo4 Batterien herzustellen. Ich hatte bereits ein paar Vorbereitungen gemacht wie die Montage des Pinnenpilots, Austausch der Leuchtmittel (Achterlaterne, Dampferlicht) gegen LED, Demontage des Buglicht (wird ausgetauscht gegen LED) und anderes.

Die Vorbereitung

Eine erste Vorbereitung war Strom und Datenkabel für den Pinnenpilot zu verlegen. Der Anschluss bzw. die Position der Dose ist klar – nahe dem Ruder, neben der Motorsteuerung. Aus dem Dehler Forum erfuhr ich, wie hier die Kabel bzw. Stoppzug und Bowdenzug laufen – innen unterhalb des Tanks. Das ging noch recht einfach und gut. Hier kommt man in der Achterkajüte nahe der Bordbatterie raus.

Doch nun ging es an das NMEA2000 Kabel welches nach vorne zur Naviecke musste. Da gibt es zwar ein kleines Leerrohr (Durchmesser ca. 10mm) oben Aussenseite Rumpf, aber da war keine Chance mit dem Kabel geschweige dem Stecker durchzukommen. Überlegen und nachdenken wie einst Wickie…
Da ist noch ein Spalt. Erster Versuch mit Kabeleinzugshilfe – keine Chance. Zweiter Versuch von der Naviecke nach hinten mit Hilfe der Latte des Lazy-Bag. Geht auch nicht weil diese sich nach unten biegt. Dritter Gedanke: Die längste Segellatte – wenn ich die senkrecht führe, fällt sie nicht nach unten und… Yippieh. Hinten angekommen konnte ich das Datenkabel an der Segellatte befestigen und so zur Naviecke ziehen. Manchmal ist Phantasie gefragt.

Jetzt geht’s los

Heute sollte es mit Hilfe meines Club-Kameraden (Elektromeister) an den eigentlichen Umbau bzw. die Erweiterung gehen. Im letzten Post dazu hatte ich ja meinen Plan geteilt. Der Plan berücksichtigte nicht Plus/Minus.

Dann kam die Überraschung: Bei der Dehler 28 ist Minus über den (bzw. die beiden) Hauptschalter getrennt. Erwartet hätten ich/wir, dass Plus über den Hauptschalter getrennt ist. Das hat uns erst einmal irritiert und wir überlegten, wie wir mit den beiden zusätzlichen LiFePo Batterien damit umgehen. Zuletzt blieb eigentlich nur eine Lösung: Ohne jetzt alles komplett umzubauen (aufgrund der Zeit auch nicht möglich) blieb nur die Variante das genau so fortzufahren.

Grundsätzlich kein Problem. Jetzt spuckte mir/uns nur eine Sache in die Suppe. Ich hatte einen Victron BMV 712 Batteriemonitor gekauft. Dieser sollte die beiden LiFePo Batterien noch etwas besser überwachen.

Nun ist es so, dass dazu beide Minus-Kabel der Batterien an den Shunt angeschlossen werden müssen. Damit werden automatisch (da alle Plus-Leitungen auf eine oder mehrere Sammelschienen laufen) die beiden LiFePo Batterien parallel geschaltet. Eigentlich wollte ich die ja getrennt haben.

Der ursprüngliche Plan war: Tag 1 Batterie 1 über Solar laden und Batterie 2 zu verwenden. Tag 2 Batterie 2 laden und Batterie 1 verwenden. Also jeden Tag im Wechsel. Um jetzt nicht zu viele Schalter dafür einzubauen, wurde der Plan aufgegeben. Ich werde die beiden LiFePo Batterien zwangsläufig parallel schalten.
Wie sich das dann mit dem Solarladeregler ausgeht, muss ich unterwegs sehen. Aber auch dafür gibt es inzwischen einen Plan B.

Der neue Plan. Was vielleicht etwas verwirrt: Der Plan mischt Plus und Masse. Abgesichert sind jeweils die Plus-Leitungen. Die Schalter beziehen sich auf die Minus-/Masseleitung

Eine weitere Überraschung war ein Kabel vom Minus der Starter-Batterie zum Minus der 85 Ah Verbraucherbatterie (so genau hatte ich mir die Elektrik auf Miss Sophie noch nicht angesehen). Das bedeutet, dass schon in der Vergangenheit die Verbraucherbatterie über die Lichtmaschine mit geladen wurde. Bisher ging ich davon aus, dass die Lima nur die Starterbatterie lädt und die Verbraucherbatterie nur über Landstrom geladen wird.

Im Segeln-Forum meinten auch einige das meine Lima zu schwach dafür wäre. Offensichtlich doch nicht. Trotzdem werde ich den VSR einbauen. Ich hoffe nur, dass dieser mit Minus funktioniert…

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen….

Next Job: Antennenkabel…

In einem späteren Beitrag werde ich schreiben, wie ich mich auf diesen Törn vorbereite. Zu der Vorbereitung gehört der Einbau eines Funkgerätes. Dazu bedarf es eines Antennenkabels und natürlich einer Decksdurchführung. Hinter der Deckenleuchte laufen die Kabel für das Toplicht und das Dampferlicht.

Also Deckenleuchte abmontiert und versucht, hier ein Antennenkabel Richtung Naviecke durchzuführen. Wer hier Leerrohre erwartet – Fehlanzeige. Die Kabel wurden lose verlegt. Was sich Dehler hier gedacht hat, erschließt sich mir nicht. Nur weil ich Löcher für die neue Fockschiene gebohrt hatte, war es uns überhaupt möglich das Kabel letztendlich irgendwie durch zu würgen. Das mit der Innenschale ist ja eine tolle Sache. Aber wenn man so die Elektrik verlegt, dann hat man beim Nachrüsten oder der Restaurierung echt die Axxxkarte gezogen….

Der Leser glaubt nicht, was ich auf Dehler geflucht habe. 3 Stunden haben wir gebraucht, um ein Antennenkabel vom Mastfuß (innen) zur Naviecke zu führen. Was nur möglich war, aufgrund der Löcher die ich für die Fockschiene gebohrt hatte. Ohne diese Löcher wäre es unmöglich gewesen.

In meinen beiden Beiträgen zum geplanten Ostsee-Törn über mehr als 100 Tage hatte ich schon etwas über den notwendigen Umbau bzw. der Erweiterung meiner Stromversorgung auf der Miss Sophie geschrieben.

Mein Törn geht etwas über 100 Tage. Davon sind zwei Monate „Workation“. Workation bedeutet ich arbeite vom Boot aus. Meine berufliche Tätigkeit als SAP Berater lässt dies zu. Seit Corona gibt es kaum noch Präsenz-Termine. Die meisten Meetings werden über Teams gehalten. Um zu gewährleisten, dass ich vom Boot aus arbeiten kann, musste ich zwei Themen betrachten:

Internet

Aus der Erfahrung meiner bisherigen Reisen in die skandinavischen Länder (Dänemark, Norwegen, Färör Inseln) weiß ich, dass die Versorgung mit mobilem Internet in diesen Ländern wesentlich besser ist als in Deutschland. Aber mein Plan ist, so viel wie möglich in einsamen Buchten zu ankern. Wie dort die Internetverbindung ist – schwer zu sagen. Etwas wider Willen entschied ich mich dann für Starlink. Ja, Elon Musk ist ein Arxxx. Aber was er mit Starlink geschaffen hat, ist einmalig. Mit einer kleinen Schüssel Highspeed-Internet mobil fast weltweit. Kosten: Im Tarif „Reise unbegrenzt“ 70 Euro im Monat. Selbst mit einer günstigen Alternative wie Prepaid von Lidl würde ich wahrscheinlich auf 40 Euro mtl. kommen plus Hafengebühren da in der Ankerbucht kein ausreichender Empfang.

Stromversorgung

Bei meiner Planung unterschied ich zwischen Segeltag und Arbeitstag. Wobei ich in beiden Fällen von einer Ankernacht ausging. Schon als ich die Elektrik der First 235 komplett erneuerte, hatte ich mir einen Rechner in Excel aus einem Forum heruntergeladen. In diesem führte ich meine Stromverbraucher auf: Pinnenpilot, Ankerlicht, Positionsleuchten, Kühlbox, Funk, Laptop, Instrumente, Starlink, Licht im Boot, usw.

Ich holte mir dann Rat im Segeln-Forum. Da sind einige User unterwegs, die diesbezüglich Erfahrung und gute Ideen haben. Eine Überlegung war dabei, die Auf-/Umrüstung so zu planen, dass ich sie nach den zwei Jahren wieder reduzieren kann auf „Bodensee-Niveau“. Und das ohne fünf unnötige Löcher oder Kabel zu hinterlassen.

Oben ist der fertige Plan. Grau hinterlegt ist das, was bereits besteht. Der Plan sieht vor, dass die Stromversorgung für jeden Tag über einen der beiden 100 Ah LiFePo4 Akku erfolgt. Der andere LiFePo4 Akku wird dann mit Hilfe von ingesamt 3 Solarmodulen mit einer gesamten Leistung von 250 Watt geladen. Dazu der Wahl-Schalter, welche LiFoPo gerade über Solar geladen wird. D.h. jeden Morgen schalte ich um zwischen der zu ladenden Batterie und der zu verwendenden Batterie. Die bestehende 85 Ah Bleibatterie, die über Landstrom geladen wird, bleibt als „eiserne“ Reserve. Im Notfall habe ich diese um noch sicher einen Hafen ansteuern zu können. Im Hafen kann ich dann alle Batterien wieder laden. Die 85 Ah Bleibatterie über das vorhandene Ladegerät und die LiFePo Batterien über ein zusätzliches mobiles Ladegerät.

Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass der gewählte Solarladeregler von Victron (MPPT 75/15) nicht ganz der Gesamtleistung der Module entspricht (nominale PV Leistung 12 Volt = 220 Watt). Aber: Ein 100 W Modul wird Steuerbord, ein weiteres 100 W Backbord und ein 50 W Modul achtern angebracht. Schon aufgrund der Anordnung ist klar, dass niemals die 250 W Gesamtleistung erreicht werden können. Ich rechne eher mit 150 bis 200 Watt.

Ein VSR ermöglicht das Laden der 85 Ah Bleibatterie unter Motorfahrt (über die Lichtmaschine). Da ich nur einen 9 PS Volvo Penta und damit keine sonderlich starke Lichtmaschine habe, wird dieser nur manuell zugeschaltet, wenn ich entsprechende Drehzahl habe (Marschfahrt).

Solarmodule

Neben der Leistung der Solarmodule ist die Spannung nicht ganz unwichtig. Die Spannung des Moduls ergibt sich (vereinfacht) aus der Anzahl der Solarzellen auf dem Modul und der Art wie diese geschaltet sind (parallel oder in Reihe). Ich habe mich dann für Solarmodule von Offgridtech mit einer Spannung von 39 Volt entschieden. Die höhere Spannung erlaubt dünnere Kabel. Oder umgekehrt: Je niedriger die Spannung bei gleicher Stromstärke (A) umso höher muss der Kabelquerschnitt sein. Wobei die Stromstärke bei gleicher Leistung mit zunehmender Spannung sinkt.

Nach dem Törn – 2027

Nach dem Törn, 2027, fliegt die Blei-Batterie raus und wird ersetzt durch eine der LiFePo4 Batterien. Der VSR kann bleiben. Die beiden 100 W Solarmodule werden in mein Balkonkraftwerk integriert (Richtung Osten) und steigern damit meine Solarleistung, die bisher nach Süden ausgerichtet ist, am Morgen. Der Batteriemonitor überwacht dann die Starter- und die Versorgungsbatterie. Überflüssig sind dann der Wahlschalter (welche Batterie wird durch Solar geladen) wobei man hier das noch umbauen könnte zwischen Starter- und Versorgerbatterie. Ebenso überflüssig der Wahlschalter welche Versorgerbatterie ist aktiv. Das ist letztendlich das einzige, was am Ende wirklich überflüssig ist.

Aber vielleicht wird das Boot ja dann Richtung Ost- oder Nordsee verkauft. Dann könnte der Käufer die Stromversorgung ohne viel Aufwand wieder so aufbauen, wie ich sie für diesen Törn nütze.

Umsetzung

Viele denken „12 Volt – kein Problem“. Doch 12 Volt können bei entsprechender Stromstärke mindestens genauso gefährlich sein wie 230 Volt. Neben der körperlichen Verletzung ist vor allem der Kabelbrand eine Gefahr. Was die Auslegung von Kabelquerschnitten und Sicherungen und die eigentliche Installation betrifft, hatte ich das Glück, einen Elektromeister aus dem Segelclub zur Hand zu haben. Mit ihm bin ich die Planung mehrfach durchgegangen und zusammen haben wir festgelegt, wo welche Sicherung und wo welcher Kabelquerschnitt zu verwenden ist.

In meinem vorherigen Beitrag hatte ich geschrieben, wie es überhaupt zu dieser Idee kam – Segeln auf der Ostsee – mit dem Traum bis zur gelben Tonne, dem nördlichsten Punkt der Ostsee.

Zuerst machte ich mir Gedanken darüber, wie viel Zeit ich dafür wohl benötige. Wie gesagt, wurde ich durch den Törn der SY Müggele angefixt von dieser Idee. Weitere Youtube-Kanäle und Blog-Beiträge steckten den Zeitrahmen – in drei Monaten sollte das gut zu schaffen sein. Ich setzte mir dann gedanklich noch einen Puffer. Wenn ich das Boot über den Winter südlich von Stockholm lasse und 2026 dann im Rahmen eines Sommerurlaubs zurück an den Bodensee bringe, dann sollte das gut gehen.

Wie jeder Arbeitnehmer habe ich 30 Tage Urlaub. Wie sollte das also gehen? Zeitgleich, als ich davon träumte, las ich den Beitrag einer SAP Beraterin die in einem Beratungsunternehmen tätig ist. „Workation“ war der Begriff. Sie bekam von ihrem Arbeitgeber ein Wohnmobil zur Verfügung gestellt mit dem sie durch Italien reiste und von unterwegs arbeitete.

Also stellte ich den Antrag: 5 Wochen Urlaub, 2 Monate Workation (80%) und dann noch eine Woche Urlaub. Und er wurde genehmigt. Jetzt konnte es mit der eigentlichen Planung los gehen.

Die eigentliche Planung

Zuerst stellte sich die Frage, wo der Törn starten soll. Greifswald war die erste Idee. Doch nach einige Studien des Greifswalder Bodden (durch den sollte die ersten Etappe führen) zeigte sich Lubmin als Startpunkt günstiger. Lubmin, Sassnitz, Bornholm, Karlskrona das sollten die ersten Etappenziele sein. Erstes großes Etappenziel Kalmar.

Auf den ersten 14 Tagen sollte mich meine Frau begleiten. Einfach auch weil ich in ihr viel Vertrauen habe. Wir kennen uns als Team auf dem Boot, sie kennt das Boot und unsere Anlegemanöver auf dem Bodensee sind eingespielt.

Von Kalmar gibt es eine Flugverbindung nach Stockholm und von Stockholm nach Zürich.

Elektrik/Stromversorgung

Ein weiterer wichtiger und großer Punkt war die Elektrik bzw. die Stromversorgung. Der Plan ist, so oft wie möglich zu ankern. In den Schären bieten sich unzählige Buchten dafür an. Da ich zwei Monate reduziert arbeiten muss, musste hier die Stromversorgung entsprechend geplant werden.

Hierzu habe ich mich intensiv im Segeln-Forum mit anderen ausgetauscht. Das Ergebnis war ein Plan der auf der einen Seite eine möglichst sichere Versorgung bietet aber auch nach der Rückkehr 2026 an den Bodensee einen Rückbau bzw. Reduktion auf das hier notwendige vorsieht. Zu dem Umbau gibt es einen separaten Blogbeitrag.

Und so sieht der Plan aus:

Grau unterlegt ist alles was bereits besteht

Funk / SRC

Theoretisch sollte in den skandinavischen Ländern weitgehend Mobilfunk verfügbar sein. Aber: je nach möglicher Strecke wird es möglicherweise kein Netz geben. Zum Beispiel zwischen Sassnitz und Bornholm. Oder zwischen Bornholm und der schwedischen Küste. Wie die Mobilfunk-Abdeckung im Norden Finnlands ist, ist auch schwer einzuschätzen. Da ich die meiste Zeit alleine unterwegs sein werde, die komplette Zeit im Seegebiet A11 unterwegs bin, entschied ich mich für Ukw-Funk für den Notfall. Mittels DSC (Digitalem Selektivruf), angeschlossenem GPS ist im Notfall innerhalb von 2 Minuten meine genaue Position mit Notmeldung übermittelt.

Die Voraussetzung zur Nutzung einer Ukw Seefunkanlage war der Erwerb des Short Range Certificates. Ich lernte mit Hilfe des SRC Tutor von Frey Software und einer Reihe Videos auf Youtube.

Pinnenpilot

Bisher hatte ich keinen Autopilot/Pinnenpilot. Auf dem Bodensee auch nicht so wichtig. Jetzt aber, da ich viel alleine unterwegs sein werde, ist ein Pinnenpilot fast unverzichtbar. Da ich eigentlich alles auf B&G ausgerichtet habe sollte es ein Simrad TP20 werden. Der sollte von der Leistung gut ausreichen.

Seekarten/Revierführer

In manchen Foren liest man heute: „was für Seekarten?“. Viele verlassen sich inzwischen auf Plotter und elektronische Seekarten. Doch in deutschen Hoheitsgewässern kontrolliert die Wasserschutzpolizei durchaus noch ob aktuelle Papier-Seekarten an Bord sind.

Mietwagen

Da unsere Dehler 28s keinen Trailer hatte, hatten wir nach dem Kauf einen Harbeck Straßentrailer dazu gekauft. Die Dehler 28s ist gerade an der Grenze des trailerbaren. Voraussetzung ist ein 3,5 to Straßentrailer (mit Zulassung versteht sich) und das Boot muss ziemlich leer geräumt werden (ggf. sogar Tankinkhalt reduzieren). Und dann kommt das nächste Problem: Man benötigt ein entsprechendes Zugfahrzeug. Und da gibt es nicht viele die 3,5 to ziehen dürfen. VW Touareg, Ford Ranger XL, Toyota Hilux, Land Rover Discovery um ein paar mögliche zu nennen. Die Suche nach einem One-way Mietwagen gestaltetet sich als sehr schwierig. Schließlich wurde ich bei Sixt fündig. Abholung in Überlingen am Bodensee und Rückgabe in Rostock.

Weshalb nicht chartern?

Manch einer stellt sich vielleicht die Frage, weshalb ich nicht einfach ein Segelboot charter. Ich kann es auf zwei Punkte reduzieren:
Kosten – Ein Segelboot dieser Größe kostet in diesem Zeitraum durchschnittlich 600 Euro/Woche im Charter (und das ist eher die untere Grenze). Im ersten Jahr bin ich 15 Wochen unterwegs. Im zweiten Jahr voraussichtlich noch einmal 5 Wochen. Ergibt etwa 12.000 Euro für eine Charter-Yacht.
Scheine – Ich habe keine Scheine (außer dem SRC jetzt). Also keinen Schein, der „offiziell“ anerkannt ist. Ich habe das Bodenseeschifferpatent für Segel und Motor welches die meisten Charterer an der Ostsee wahrscheinlich nicht kennen. Es gibt als „offizielle“ Scheine den SBF See, SKS, SSS und was weiß ich. Das sind die Scheine, die Charterer in der Regel verlangen. Hier stellt vielleicht mancher die Frage: Darf ich das? Ja, ich darf das. Für das Segeln auf dem Meer braucht es keinen Schein. In deutschen Küstengewässern ist ein SBF See ab einer Motorleistung von 15 PS vorgeschrieben. Der Motor der Dehler 28s hat 9 PS. Ist also scheinfrei.

Zu den Kosten: Jetzt mag manch einer gegenüber stellen, welche Kosten ich für die Auf-/Umrüstung des Bootes und den Transfer habe. Reduziert auf das, was ich jetzt nur(!) für diesen Törn mache liege ich bei ca. 7.000 Euro. Einiges nach dem Törn werde ich wieder verkaufen wie z.B. die Seekarten. In Summe rechne ich mit ca. 2.000 Euro. Die zwei 100 W Solarmodule kann ich nach dem Törn gut in mein Balkonkraftwerk integrieren. D.h. netto bleiben etwa 5.000 Euro. Das ist es mir wert.

In den folgenden Wochen trudelten zahlreiche Pakete ein. Meine Frau verdreht inzwischen die Augen wenn wieder an Paket am Kellereingang steht. Aber es geht dem Ende zu… 🙂


  1. Im Global Maritime Distress and Safety System werden die Weltmeere in Seegebiete von A1 bis A4 unterteilt. Im Seegebiet A1 gibt es mindestens eine UKW-Küstenfunkstelle, die ununterbrochen für DSC-Alarmierungen (Kanal 70/156,525 MHz) zur Verfügung steht. ↩︎

Ich segel seit etwas mehr als 20 Jahren auf dem Bodensee. Schön. Angefangen mit einer kleinen Jolle auf der ich mir die Grundkenntnisse selbst beigebracht hatte bis zu unserem aktuellen Boot – einer Dehler 28s.

Mit der First 235 versuchte ich mich auch einmal etwas im Regatta-Segeln. Doch das war nicht mein Ding. Etwa 2008 fragte ein Mitglied im Yacht-Forum nach „Hand gegen Koje“, um eine Amel von Italien nach Griechenland zu überführen. Ich war mit dem Foren-Mitglied ab und an in Kontakt und bekundete Interesse.

So wurde ich Mitglied der 3-köpfigen Crew. In etwa 4 Tagen überführten wir das Schiff nach Griechenland und verbrachten noch weitere 10 Tage im Ionischen Meer. Das hat mir richtig gut gefallen. Diese Weite und vor allem fast jeden Tag Wind zu haben. Nicht diese ständige Flautenschieberei auf dem Bodensee.

Mit der First 235 wollte ich dann einmal rund Rügen. Es war fast alles geplant. Dann, kurz vor dem geplanten Törn erlitt ich Mastbruch auf dem Bodensee. Der Törn fiel aus. In den folgenden Jahren verhinderten private Kapriolen die Gedanken. Wechsel der Beziehungen, Wechsel des Wohnorts, Wechsel des Arbeitgebers, Frage ob und wie es überhaupt mit dem Segeln weitergeht.

2021 dann der Kauf der Dehler 28s. Kurze Zeit später: Eine gute Bekannte (ebenfalls eine Dehler 20s am Bodensee) nimmt mir ihrem an der Silverrudder teil. Eine Regatta rund Fyn (Dänemark).

Meine Abende verbringe ich oft damit, Videos zum Segeln oder Segelbooten (Refit) zu sehen. So kam ich irgendwann auf den Kanal der SY Müggele. Ein Paar, welches mit einer Koopmann 29 (damals) durch die Oststee segelte. 1 Fuß (30 cm) größer als unsere Miss Sophie.

Die Segelvideos hatten mich irgendwie angefixt. Wir hatten zur Miss Sophie kurze Zeit nach dem Kauf einen Harbeck Straßentrailer gekauft. Klar, das Gewicht ist grenzwertig. Das Maximum liegt bei 3,5 Tonnen. Und dann benötigt man einen Überbreiten-Genehmigung da die Dehler 28s 2,8 Meter breit ist. Aber: Grundsätzlich alles machbar.

Ich hatte (habe) noch wenige Jahre bis zur Rente. Aber möchte man warten, bis man 67 Jahre alt ist, um dann festzustellen, dass man sich das nicht mehr traut? So entstand die Idee mit Anfang 60 die Runde zur gelben Tonne, dem nördlichste Punkt der Ostsee zu machen.

Meine Planung in Excel. Grün = Urlaub, Blau = Workation

Ein erster Plan auf dem Kalender wurde entworfen: 5 Wochen Urlaub im Mai (aufgrund der Feiertage mit relativ wenig Urlaubstagen). Dann zwei Monate Workation mit reduzierter Arbeitszeit. Workation bedeutet arbeiten von unterwegs. Als SAP Berater in einem mittelständischen Unternehmen ist das grundsätzlich kein Problem. Meine Arbeit findet schon seit Corona fast ausschließlich online statt. So nahm meine Idee langsam Formen an. Was noch fehlte: Grünes Licht des Arbeitgebers. Nach der Devise „Fragen kostet nichts“ formulierte ich meinen Plan. Und er wurde genehmigt. Damit stand der weiteren Planung nichts im Weg…

Die alte, wohl noch originale Anzeige für Geschwindigkeit und Tiefe war kaum mehr abzulesen. Da es hier auch keinen Ersatz gab hatte ich mich entschlossen, gleich nach dem Kauf der Dehler 28 das komplette System zu ersetzen. Die Entscheidung fiel dabei auf das B&G Triton 2 mit wireless Wind.

Die kabellose Übertragung mittels Bluetooth funktioniert ohne Probleme (Mast ca. 12 Meter). Auf der Steuerbordseite, neben dem Steckschot, befindet sich ein Lüftungsgitter. Dahinter kommt man an einen Hohlraum in dem zwei Leerrohre enden. In dem einen Leerrohr verliefen die Kabel der alten Anzeige. So war ich guter Dinge, dass ich das neue NMEA Kabel für die neue Anzeige mit Hilfe des alten Kabels gut zur Naviecke ziehen könnte. Tja, zu früh gefreut. Ich konnte machen was ich wollte, etwa auf halber Strecke ging es nicht mehr weiter. Und hier zeigte sich etwas problematisches an der Dehler 28: die Innenschale. Es gibt von der Innenseite auch praktisch keine Inspektionsöffnungen, um an die zwischen Innen- und Außenschale verlaufenden Kabel zu kommen. Das besagte Lehrrohr verläuft von oben, neben dem Steckschot, schräg nach unten Richtung Steuerbord Außenwand. Innen befindet sich hier der Toilettenraum. Es half nichts – ich musste die komplette Innenschale dieses Raums abschrauben. Da ich nicht auch noch den Wasser-/Abwasseranschluss des Waschbeckens demontieren wollte (da kommt man nämlich auch ganz schlecht hin) reichte mir das eben so, um mit dem Arm soweit hinter die Wand zu kommen, um das NMEA-Kabel packen.

Dabei stellte ich fest, dass das Lehrrohr hier nicht nur einen Bogen macht, sondern auch kurz danach endet. Das ist natürlich sehr schlecht gemacht.

Die zwei besagten Lehrrohre. Links davon Richtung Niedergang befindet sich das Lüftungsgitter. Hier habe ich einen Metallwinkel innen verklebt auf den ich den GPS-Empfänger geschraubt habe (deshalb die Schraubzwinge)

Das Kabel für den Geber (Logge, Tiefe) ging etwas besser zu verlegen. Allerdings mussten alle Durchgänge aufgebohrt werden da der NMEA-Stecker etwas größer ist als das alte Simrad-Kabel.

In dem Hohlraum hinter dem Lüftungsgitter konnte ich den Bluetooth-Empfänger und später noch einen GPS Empfänger von B&G verstecken.

Erst mit GPS Daten zeigt das Triton 2 alle Daten an wie TWS, TWA und TWD

Wohin das zweite Lehrrohr dort führt, habe ich noch nicht herausgefunden. Es geht Richtung Motorraum und führt ein rotes Kabel ca. 1,5qm welches nirgends angeschlossen ist. Mal sehen ob ich das noch herausfinde.

Der erste Segelsommer 2022 mit unserer Dehler 28s hatte eines gezeigt: Im Sommer wurde das Deck extrem heiß. Es war zeitweise nicht möglich barfuß darauf zu gehen.

Die Dehler 28 wurde ursprünglich mit einem Decksbelag aus TBS ausgeliefert. Der damals in den 90er Jahren verwendete TBS Belag verfärbte sich im Laufe der Jahre sehr unschön. Einige, wie auch der Vorbesitzer unserer Dehler 28, haben den Belag dann mit einer Antirutschfarbe überstrichen. Bei uns blätterte die Farbe stellenweise ab und war überall von Rissen durchzogen. Ein Versuch, den Belag neu zu überstreichen, ergab kein zufriedenstellendes Ergebnis.

An der Interboot Friedrichshafen haben wir uns dann über verschiedene Alternativen informiert und uns schließlich für Flexiteek entschieden. Es gibt verschiedene Anbieter, die die Schablone für die Dehler 28 bereits haben und dies so zum Festpreis anbieten können. Wir haben uns dann für einen Anbieter hier am Bodensee entschieden – auch weil er das günstigste Angebot gemacht hatte.

Um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, entfernten wir den alten TBS Belag selbst und wollte auch das neue Flexiteek selbst aufkleben.

Das Entfernen des alten TBS Belags war eine sehr mühsame und anstrengende Arbeit. Den einzigen Tipp, den man geben kann, ist den TBS Belag mit einem Cuttermesser in etwa 5 cm breite Streifen zu schneiden und diese dann abzuziehen. Darunter kommt dann jedoch ein dünner Filz der sich leider nicht mit löst. Ich habe verschiedene Werkzeuge probiert. Zuletzt bewährte sich noch am besten eine Drahttopfbürste auf dem Akkuschrauber. Hier muss man natürlich vorsichtig agieren, um keine tiefen Riefen in das Gelcoat zu schleifen.

Nach einigen Wochenenden war das Boot soweit für den neuen Belag vorbereitet.

Da sich unser Lieferant beim ersten Angebot etwas zu seinen Ungunsten verrechnet hatte und etwas korrigieren musste, hatte er angeboten beim Aufkleben des Belags zu helfen und seine Gewichte zur Verfügung zu stellen.

Eigentlich klebte er dann fast alleine den neuen Belag auf. Was wir dann noch machen mussten, war die Abschlussfuge rings um den Belag. Der neue Belag hübschte das Boot nicht nur enorm auf, er bewährte sich auch gleich im Sommer – barfuß auf dem Deck war nun möglich.

Im Zuge dessen kürzten wir achtern die schräge Platte etwa um die Hälfte und bauten noch eine Stufe ein. So ist die Badeleiter wesentlich leichter zu erreichen.

Arbeitsstunden: ca. 60 h / Kosten: ca. 2.400 Euro

Nach dem Kauf der Dehler 28s im Winter 2021/22 überführten wir im Frühjahr 2022 das Boot auf dem Wasser von Langenargen nach Bodman – unserem Heimathafen. Noch im Frühjahr 2022 wurde die First 235 an den Brombachsee verkauft.

Man darf dem Geld nicht nachtrauern. Ein Segelboot zu haben und zu verkaufen ist in den aller-seltensten Fällen eine Gewinn-Geschäft. Mit sehr viel Glück eine Null-Nummer. (Fast) jeder Eigner investiert, verbessert, erhält, rüstet auf. Und das ist in der Regel immer mit viel Geld verbunden. Eine Investition die man beim Verkauf nicht wieder bekommt. So ist das eben.

Wir freuten uns erst einmal an unserem neuen Boot, dem Platz auf und unter Deck und verbrachten einen großen Teil des Jahres 2022 auf unserem neuen Boot.

Es war ein neues Gefühl, mit dem wir uns erst einmal vertraut machen mussten. Einbau-Maschine starten und stoppen, die Größe, das Gewicht und damit die Reaktion. Aber das ging alles ganz gut. Und wir verbrachten natürlich einen großen Teil unseres Sommerurlaubs auf dem See. Vom Segelsommer 2022 gibt es ein Video auf Youtube

Unsere Tour: Bodman – Obere Güll (Ankernacht) – Konstanz BSB Hafen – Yachtclub Konstanz – Bodman – Konstanz Staad – YC Friedrichshafen – Romanshorn – Lochau – Fussach – Altenrhein – Langenargen – Immenstaad – Konstanz Staad – Bodman

Man wird älter…. Auch wenn die Beneteau First 235 ein schöner Weekend-Cruiser und sicher ein tolles Boot für sportliche Segler ist – im Laufe der Jahre und mit dem älter werden hat sich für mich eines gezeigt: Ich bin kein Regatta-Segler. Ich habe bei der einen oder anderen Regatta mitgemacht, Bekannte als Mitsegler auf Regatten begleitet. Doch eigentlich ist das nicht meine Welt. Ich möchte segeln, entdecken, erleben.

Und wie eingangs gesagt – man wird älter. In den letzten Jahren verbrachten wir gerne einen großen Teil unseres Sommerurlaubs auf dem Bodensee. Von Hafen zu Hafen tingeln – das war unser Ding. Jetzt, da es für mich auf die 60 und für meine Frau auf die 50 zuging, wünschten wir uns doch etwas mehr Platz, etwas mehr Komfort.

Für mich, mit meinen 183 cm Körpergröße war an einigermaßen aufrechten Stehen in der First 235 nicht zu denken. So schielte ich immer wieder einmal auf etwas größeres. Eine gute Bekannte hatte eine Dehler 28s und segelte mit dieser erfolgreich auf den Regatten am Bodensee. Eine „lahme Ente“ wie die Dufour T6 wollte ich natürlich nicht mehr. Und so beschäftigte ich mich mehr und mehr mit diesem Boot.

Obwohl die Dehler 28 relativ oft gebaut wurde, ist das Angebot an gebrauchten Booten sehr überschaubar. Ein besonderes Thema hier am Bodensee ist die Bodensee-Zulassung. Das betrifft vor allem die Motoren. Mit der Beneteau First 235 hatte ich da schon so mein „böses Erwachen“. Das Boot hatte einen recht neuen Honda Außenborder. Ich hatte das Boot damals in den Niederlanden gekauft. Am Bodensee musste ich dann feststellen, dass ich für den Motor keine Bodensee-Zulassung bekomme da er kein CE Kennzeichen hatte.

Dann gab es plötzlich ein Angebot am Bodensee. Eine Dehler 28s aus 1991 die bisher im Charter war. Wir schauten uns das Boot an. Klar, bei einem Boot, das im Charter war, weiß man dass wohl das eine oder andere zu tun ist. Doch grundsätzlich war das Boot segelfertig mit brauchbaren Segeln und – was wichtig war – einer Bodensee-Zulassung. Der Preis war nicht günstig aber marktgerecht (19 k Euro).

Lange Rede, kurzer Sinn – wir sagten „Ja“ und so wurden wir Eigner einer Dehler 28s. Die Übergabe war sehr herzlich. Der Eigner hatte zuvor fünf Boote am Bodensee im Charter und war jetzt im Alter das Geschäft aufzugeben (Mitte 70). Er hatte bereits alle Boote verkauft bis eben auf die Dehler 28s und einer Hallberg Rassy 29 die er für sich selbst behalten wollte.

Er riggte das Boot mit uns auf und machte eine ausführliche Einweisung. Das Boot kam mit „Pött und Pannen“ – also wirklich mit allem. Meine Frau sortierte bei der Übergabe gleich einiges aus weil sie meinte, das könnten die Eigner doch sicher noch gebrauchen.

Bei bestem Wetter überführten wir unser neues Schiff von Langenargen in unseren Heimathafen.