Zusammen mit meiner Frau hatte ich noch einen Ruhetag in Kalmar – Pfingstsonntag. Auch wenn die Schweden nicht viele Feiertage haben – Pfingstsonntag ist einer. Normal haben in Schweden viele Geschäfte sonntags geöffnet, aber eben nicht am Feiertag. Selbst die Cafés, für die Kalmar bekannt ist, hatten geschlossen. Auf einem großen Platz fand ein Gottesdienst statt. Die Kirche konnte wegen eines Konzerts nicht besichtigt werden. Also gingen wir aufs Boot und machten uns dort einen Kaffee.

In Kalmar machte ich Bekanntschaft mit einem deutschen Segler der regelmäßig mit seiner Frau in diesem Revier segelt. Schon zwei Mal waren sie in Haparanda. Von ihm nahm ich einige Tipps mit.

Sightseeing in Kalmar

Montag, 9. Juni 2025

Pfingstmontag verabschiedete ich dann meine Frau die zurück nach Hause ging. Ab jetzt sollte ich eine Zeit einhand unterwegs sein. Ich machte noch einmal einen Hafentag, um einige Dinge einzukaufen. Heute hatten die Geschäfte wieder geöffnet denn Pfingstmontag ist in Schweden kein Feiertag.

Den angebrochenen Tag nützte ich, neben der Einkäufe, für einen Besuch des Schlosses in Kalmar. Es ist zwar wenig Inventar im Original aus dem späten Mittalter zu sehen, trotzdem ist es ein lohnender Besuch. Der Besucher erfährt einiges aus der Geschichte Schwedens und speziell um dieses Schloss.

Dann hatte ich noch einen weiteren Plausch mit meinen neuen Bekannten. Sie unterstützten mich bei meiner Planung Richtung Stockholm und gaben mir einige Tipps für Häfen und Ankerbuchten. Auch wenn ich mich für das Ankern bestens vorbereitet habe, nach Ankern ist mir bei den derzeitigen Temperaturen in der Nacht noch nicht. Ich habe keine Heizung. Also steuere ich Häfen an wo ich Landstrom habe. Dann läuft mein Heizlüfter auf Hochtouren.

Auf nach Oskarhamn

Dienstag, 10. Juni 2025

Dienstag begann dann der Ernst des Lebens. Das erste Mal einhand in diesem Revier. Ablegen ging gut. Mein Ziel für heute: Oskarshamn. Die Wetteraussichten waren nicht sonderlich gut. Aber Wind und Windrichtung sollten passen. Raumschots ging es unter der großen Brücke durch die das Festland mit Öland verbindet. Dann weiter im Kalmarsund Richtung Nord-Nordost. Gegen Mittag setzte der Regen ein. Rechtzeitig hatte ich mich ins Ölzeug geworfen und die Segelstiefel angelegt – so blieb ich wenigstens trocken. Im Kalmarsund war ich weitgehend alleine unterwegs. Zwei oder drei Segler die mich überholten. Anfangs hatte ich nur das Großsegel gesetzt, erst später, als ich mich sicher fühlte, hatte ich die Fock dazu genommen.

Einmal mehr AIS Alarm. Markierung auf das Boot – „Military“. Aha. Mir kamen drei Patrouillenboote der schwedischen Marine in hoher Geschwindigkeit entgegen. Nur eines hatte das AIS aktiviert. Zum Glück wollten sie nichts von mir. Eine Zeit später sichte ich etwas entfernt wieder ein militärisches Wasserfahrzeug. Leider konnte ich es nicht genau identifizieren. Für ein U-Boot hat es einen ungewöhnlich hohen Aufbau. Für eine Fregatte scheint es recht flach. Auch kein AIS aktiviert…

Der Wind nimmt zu und vor Oskarshamn wird das Bergen der Fock zur Herausforderung. Bei dem starken Wind und der inzwischen ausgeprägten Welle hat Johann Schwierigkeiten den Kurs zu halten.

Angesichts des starken Windes entscheide ich nicht den außen gelegenen Hafen sondern den in der Stadt anzusteuern. Anlegen mit Heckboje, das erste Mal. Und das auch noch Einhand. Aber wie gehofft ist es hier durch die umliegenden Gebäude windstill. Im zweiten Anlauf habe ich es geschafft. Zum Glück hatte ich viel Platz – ich war das einzige Boot am Steg.

Fazit zum Hafen: Kein schöner Hafen. Direkt angrenzend ist ein Parkplatz für Wohnmobile. Es hat im Moment deutlich mehr Wohnmobile als Segelboote hier in Oskarshamn. Geschätzt etwas 50 Stellplätze für Wohnmobile und dazu etwa 50 – 80 Liegeplätze und für diese Menge zwei Toiletten und zwei Duschen.

Festgemacht in Osarkshamn. 45 sm, 10,5 Stunden

Auch eine neue Erkenntnis: Dort, wo nur Wassersportler sind, sind die sanitären Anlagen sauber. Auch im Laufe des Tages. Dort, wo an den Häfen Wohnmobil-Stellplätze angeschlossen sind, sehen die Toiletten aus wie auf dem Campingplatz… Muss man nicht näher beschreiben.

In Oskarshamn möchte ich noch Bargeld holen. Das ältere Pärchen, das ich in Kalmar kennengelernt hatte, hatte mir empfohlen, auch immer etwas Bargeld dabei zu haben. Außerdem war mein nächstes Ziel Idö. In einer Google Rezension hatte ich gelesen, dass man hier die Hafengebühr bar entrichten muss.

Also startete ich am nächsten Morgen die Suche nach einem Geldautomat. Der erste, der laut Google Maps da sein sollte, war nicht da. Es gab ihn nicht. Also zweiten angesteuert. Gefunden. Maximaler Betrag, der bezogen werden kann: 500 SEK – das sind umgerechnet etwas weniger als 50 Euro. Lustig. Natürlich warf der Automat einen 500 Kronen Schein aus. Also in das nächste Shopping-Center, war gleich um die Ecke. Unten gab es eine Apotheke. Ich erkläre der Mitarbeiterin meine Situation und mein Anliegen den Schein etwas kleiner zu machen. Sie schaut mich ungläubig an und meint: „so viel Bargeld habe ich nicht in der Kasse. Aber versuchen sie es einmal bei Coop“. Die Kassiererin beim Coop zögert, macht mir dann aber den Gefallen.

Dann geht es vor der Abfahrt noch einmal unter die Dusche – nächstes Ziel Idö, ein Tipp von dem älteren Paar aus Deutschland.

Kalmar > Oskarshamn

Motorprobleme in Oskarshamn

Mittwoch, 11. Juni 2025

Als ich dann gegen 10 Uhr den Motor starten möchte, ein Problem. Der Motor startet nicht. Also der Anlasser macht ein paar zögerliche Umdrehungen aber nicht wirklich mit Schwung. Schweißperlen auf der Stirn. Nachdenken. Noch einmal versuchen. Noch weniger Reaktion. Überlegen. Sollte ich etwa hier in Oskarshamn einen Volvo-Techniker benötigen. Der mich dann belächelt angesichts meines 30 Jahre alten 9 PS Ein-Zylinder Volvo?

Ein Gedanke: Ich hatte abends zuvor vergessen die Starterbatterie auszuschalten. Passierte mir schon das eine oder andere Mal. War bisher aber nie ein Problem da a) die Batterie relativ neu ist und b) die Batterieanzeige mir abends immer 14 Volt anzeigte. Aber das ist zumindest einmal eine Hoffnung. Denn ein Batterieladegerät habe ich dabei. Also das angeschlossen und mal 15 Minuten gewartet. Neuer Versuch. Jetzt kommt der Motor in die Gänge. Motor wieder aus und erst einmal 2 Stunden Batterie laden. Das macht diese zwar nicht voll aber hoffentlich wieder so weit gebrauchsfähig, dass ich vor Idö den Motor starten kann.

Der Wind kommt wieder aus NNW. Anfangs gegenan segeln erst nur mit Großsegel dann noch mit Fock. Heute begegnete mir kein einziges Boot. D.h. ein Segelboot das gerade nach Oskarshamn einfuhr. Aber dann nichts mehr. Nicht mal ein Frachter.

Solarpanel wird auch während des Segelns ausgerichtet

Als es wieder in die Schären geht habe ich den Wind direkt auf der Nase. Also Motor an und nach 1 1/2 Stunden in Idö angelegt. Ein nettes deutsches Paar hilft beim Anlegen und gibt mir die Mooringleine. Auch hier ist noch nicht viel los. Der Steg, an dem man mit Heckanker anlegen soll, ist komplett leer. Kurzer Plausch mit dem netten deutschen Ehepaar. Sie haben neben dem Schiff, das sie gerade Richtung Stockholm überführen, einen Waarschip Jollenkreuzer am Bodensee liegen. Daher fiel ihnen gleich mein Kennzeichen am Bug auf.

Sunset Idö. Oskarshamn – Idö 36 sm, 10 Stunden

Aktuelle Info: In Idö wird nicht mehr bar bezahlt. Der Liegeplatz wird oben im Restaurant (natürlich mit Karte) bezahlt. Dort gibt es auch zwei Toiletten und zwei Duschen. Ist aber ein Weg bis dorthin…

Von Idö nach Fyrudden

Donnerstag, 12. Juni 2025

Am nächsten Morgen mache ich noch einen Spaziergang über die Insel. Ich kann mir gut vorstellen, was hier im Sommer los ist. Dann sind die kleinen Badeplätze sicher begehrt. Auch in Schweden gibt es Trolle, die mich am Wegesrand begrüssen.

Hafen Idö

Durch diesen Spaziergang lege ich erst spät ab. Mein nächstes Ziel ist Fyrudden – auch ein Tipp von dem älteren Ehepaar welches ich in Kalmar kennenlernte. Zuerst wollte ich den kurzen Weg durch die Schären nehmen. Der Hafennachbar in Idö meinte noch, dass der Wind heute heftig wäre. Naja, heftig wie die anderen Segeltage. 15 Knoten in Böen mal 20 Knoten. Jedenfalls, das mit dem kurzen Weg durch die Schären war nichts. Wind genau gegenan. Mit Maschine machte ich noch 2,5 Knoten. Also neuer Plan: Raus aus den Schären auf die offene See und dort gegenan kreuzen. Der Wind war stark aber die Welle angenehmer als zuletzt. Länger, nicht so kurz und hackig. Wie so oft segelte ich zuerst nur mit dem Großsegel im ersten Reff und später nahm ich die Fock dazu. Trotzdem wurde es ein langer Tag. Um 20:00 Uhr hatte ich in Fyrudden angelegt. Auch hier: gähnende Leere. Nur eine weitere deutsche Segelyacht lag im Hafen. Auch hier wieder bekam ich Hilfe beim Anlegen.

Fyrudden

Zum Glück waren noch Tortellini vom Vortag übrig die nur aufgewärmt werden mussten. Nach zwei Bier fiel ich tot in die Koje. Anstrengender aber schöner Segeltag.

Idö > Fyrudden

Durch den Schärengarten nach Nävekvarn

Freitag, 13. Juni 2025

Heute soll es durch den Schärengarten gehen. Tagesziel ist Nävekvarn. Weshalb, dazu später. Es hat heute keinen Wind also geht es unter Maschine weiter. Die Schären sind faszinierend. Hunderte oder vielleicht tausende von kleinen Inseln. Man fährt direkt an einer Insel vorbei und der Tiefenmesser zeigt 25 Meter. Kaum zu glauben. Einmal geht es recht eng zwischen zwei kleinen Inseln durch. Aber auch dort immer noch 10 Meter Wasser unter dem Kiel. Ich merke dass ich mich Stockholm nähere. Es scheint jetzt mehr kleine Häfen zu geben die auch alle gut belegt aussehen. Außerdem sind jetzt hier doch einige Schweden unterwegs die trotz des schwachen Windes (etwa 8 Knoten) segeln. Also offensichtlich so wie ich am Bodensee Feierabend- und Wochenend-Segler ohne weit entferntes Ziel. Beim Anlegen in Nävekvarn erfahre ich Hilfe durch einen Segler aus Frankreich. Ihm ist der Mast gebrochen und jetzt liegt er hier und wartet auf einen neuen Mast – 3 Wochen. Dumm gelaufen. Ist mir aber auch einmal passiert. Auf dem Bodensee mit meinem vorherigen Boot, einer Beneteau First 325. Mast falsch getrimmt, eine Böe mit 8 Bft. und knack hat es gemacht.

Festgemacht. Idö – Nävekvarn 6:15 Stunden

Auch der Hafen von Nävekvarn ist gut belegt. Wie gesagt, jetzt spürt man die Nähe von Stockholm. Und das obwohl es hier sicher 2 – 5 Grad kühler ist als in Südschweden. Ansonsten ist der Hafen nicht besonders toll. Die Sanitäranlagen sind sehr einfach und auch schon in die Jahre gekommen. Morgen Vormittag werde ich hier noch ein paar Einkäufe erledigen und dann geht es weiter.

Idö > Nävekvarn

Immer wieder kleinere Reparaturen

Auch unterwegs ergeben sich immer wieder kleinere Reparaturen. Vor Oskarshamn hing auf einmal der Baum unten nachdem ich das Segel geborgen hatte. Ein Schäkel an der Dirk war offen/defekt. Provisorisch gelöst mit einer dünnen Leine. Dann machte mir die Kühlbox schon einige Zeit Probleme. Unterwegs, ziemlich am Anfang, waren zwei Dosen Flensburger in der Bilge aufgegangen und hatten diese (nicht unter Wasser) unter Bier gesetzt. Heute kontrollierte ich noch einmal und entdeckte noch etwas Restflüssigkeit. Dabei realisierte ich, dass die Kühlbox mit einer Zigarettenanzünder-Steckdose angeschlossen ist. Wäre eine Möglichkeit für meinen Laptop – dachte ich. Nachdem ich den Stecker gezogen hatte sah ich, dass dieser vollkommen korrodiert war. Zum Glück hatte ich einiges an Werkzeug und Kleinmaterial eingepackt. Stecker und Dose abgezwickt und zwei Wago-Klemmen lösen das Problem mit der Kühlbox.

Zweites Etappenziel erreicht

Im Wesentlichen habe ich mein zweites Etappenziel „in time“ erreicht. Ich bin im Großraum Stockholm. Hier möchte ich mich in drei oder vier Tagen mit meiner Tochter treffen die mit ihrem Freund einen Städtetripp nach Stockholm macht. Deshalb der Termin und das Ablegen heute Morgen. Jetzt geht es nur noch darum einen Hafen zu suchen, der eine gute Verkehrsanbindung nach Stockholm hat.

Und in sechs Tagen picke ich dann noch einen Bekannten vom Bodensee auf, der mich dann etwa 10 Tage begleitet. Doch zu alledem dann im nächsten Teil.

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