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Zusammen mit meiner Frau hatte ich noch einen Ruhetag in Kalmar – Pfingstsonntag. Auch wenn die Schweden nicht viele Feiertage haben – Pfingstsonntag ist einer. Normal haben in Schweden viele Geschäfte sonntags geöffnet, aber eben nicht am Feiertag. Selbst die Cafés, für die Kalmar bekannt ist, hatten geschlossen. Auf einem großen Platz fand ein Gottesdienst statt. Die Kirche konnte wegen eines Konzerts nicht besichtigt werden. Also gingen wir aufs Boot und machten uns dort einen Kaffee.

In Kalmar machte ich Bekanntschaft mit einem deutschen Segler der regelmäßig mit seiner Frau in diesem Revier segelt. Schon zwei Mal waren sie in Haparanda. Von ihm nahm ich einige Tipps mit.

Sightseeing in Kalmar

Montag, 9. Juni 2025

Pfingstmontag verabschiedete ich dann meine Frau die zurück nach Hause ging. Ab jetzt sollte ich eine Zeit einhand unterwegs sein. Ich machte noch einmal einen Hafentag, um einige Dinge einzukaufen. Heute hatten die Geschäfte wieder geöffnet denn Pfingstmontag ist in Schweden kein Feiertag.

Den angebrochenen Tag nützte ich, neben der Einkäufe, für einen Besuch des Schlosses in Kalmar. Es ist zwar wenig Inventar im Original aus dem späten Mittalter zu sehen, trotzdem ist es ein lohnender Besuch. Der Besucher erfährt einiges aus der Geschichte Schwedens und speziell um dieses Schloss.

Dann hatte ich noch einen weiteren Plausch mit meinen neuen Bekannten. Sie unterstützten mich bei meiner Planung Richtung Stockholm und gaben mir einige Tipps für Häfen und Ankerbuchten. Auch wenn ich mich für das Ankern bestens vorbereitet habe, nach Ankern ist mir bei den derzeitigen Temperaturen in der Nacht noch nicht. Ich habe keine Heizung. Also steuere ich Häfen an wo ich Landstrom habe. Dann läuft mein Heizlüfter auf Hochtouren.

Auf nach Oskarhamn

Dienstag, 10. Juni 2025

Dienstag begann dann der Ernst des Lebens. Das erste Mal einhand in diesem Revier. Ablegen ging gut. Mein Ziel für heute: Oskarshamn. Die Wetteraussichten waren nicht sonderlich gut. Aber Wind und Windrichtung sollten passen. Raumschots ging es unter der großen Brücke durch die das Festland mit Öland verbindet. Dann weiter im Kalmarsund Richtung Nord-Nordost. Gegen Mittag setzte der Regen ein. Rechtzeitig hatte ich mich ins Ölzeug geworfen und die Segelstiefel angelegt – so blieb ich wenigstens trocken. Im Kalmarsund war ich weitgehend alleine unterwegs. Zwei oder drei Segler die mich überholten. Anfangs hatte ich nur das Großsegel gesetzt, erst später, als ich mich sicher fühlte, hatte ich die Fock dazu genommen.

Einmal mehr AIS Alarm. Markierung auf das Boot – „Military“. Aha. Mir kamen drei Patrouillenboote der schwedischen Marine in hoher Geschwindigkeit entgegen. Nur eines hatte das AIS aktiviert. Zum Glück wollten sie nichts von mir. Eine Zeit später sichte ich etwas entfernt wieder ein militärisches Wasserfahrzeug. Leider konnte ich es nicht genau identifizieren. Für ein U-Boot hat es einen ungewöhnlich hohen Aufbau. Für eine Fregatte scheint es recht flach. Auch kein AIS aktiviert…

Der Wind nimmt zu und vor Oskarshamn wird das Bergen der Fock zur Herausforderung. Bei dem starken Wind und der inzwischen ausgeprägten Welle hat Johann Schwierigkeiten den Kurs zu halten.

Angesichts des starken Windes entscheide ich nicht den außen gelegenen Hafen sondern den in der Stadt anzusteuern. Anlegen mit Heckboje, das erste Mal. Und das auch noch Einhand. Aber wie gehofft ist es hier durch die umliegenden Gebäude windstill. Im zweiten Anlauf habe ich es geschafft. Zum Glück hatte ich viel Platz – ich war das einzige Boot am Steg.

Fazit zum Hafen: Kein schöner Hafen. Direkt angrenzend ist ein Parkplatz für Wohnmobile. Es hat im Moment deutlich mehr Wohnmobile als Segelboote hier in Oskarshamn. Geschätzt etwas 50 Stellplätze für Wohnmobile und dazu etwa 50 – 80 Liegeplätze und für diese Menge zwei Toiletten und zwei Duschen.

Festgemacht in Osarkshamn. 45 sm, 10,5 Stunden

Auch eine neue Erkenntnis: Dort, wo nur Wassersportler sind, sind die sanitären Anlagen sauber. Auch im Laufe des Tages. Dort, wo an den Häfen Wohnmobil-Stellplätze angeschlossen sind, sehen die Toiletten aus wie auf dem Campingplatz… Muss man nicht näher beschreiben.

In Oskarshamn möchte ich noch Bargeld holen. Das ältere Pärchen, das ich in Kalmar kennengelernt hatte, hatte mir empfohlen, auch immer etwas Bargeld dabei zu haben. Außerdem war mein nächstes Ziel Idö. In einer Google Rezension hatte ich gelesen, dass man hier die Hafengebühr bar entrichten muss.

Also startete ich am nächsten Morgen die Suche nach einem Geldautomat. Der erste, der laut Google Maps da sein sollte, war nicht da. Es gab ihn nicht. Also zweiten angesteuert. Gefunden. Maximaler Betrag, der bezogen werden kann: 500 SEK – das sind umgerechnet etwas weniger als 50 Euro. Lustig. Natürlich warf der Automat einen 500 Kronen Schein aus. Also in das nächste Shopping-Center, war gleich um die Ecke. Unten gab es eine Apotheke. Ich erkläre der Mitarbeiterin meine Situation und mein Anliegen den Schein etwas kleiner zu machen. Sie schaut mich ungläubig an und meint: „so viel Bargeld habe ich nicht in der Kasse. Aber versuchen sie es einmal bei Coop“. Die Kassiererin beim Coop zögert, macht mir dann aber den Gefallen.

Dann geht es vor der Abfahrt noch einmal unter die Dusche – nächstes Ziel Idö, ein Tipp von dem älteren Paar aus Deutschland.

Kalmar > Oskarshamn

Motorprobleme in Oskarshamn

Mittwoch, 11. Juni 2025

Als ich dann gegen 10 Uhr den Motor starten möchte, ein Problem. Der Motor startet nicht. Also der Anlasser macht ein paar zögerliche Umdrehungen aber nicht wirklich mit Schwung. Schweißperlen auf der Stirn. Nachdenken. Noch einmal versuchen. Noch weniger Reaktion. Überlegen. Sollte ich etwa hier in Oskarshamn einen Volvo-Techniker benötigen. Der mich dann belächelt angesichts meines 30 Jahre alten 9 PS Ein-Zylinder Volvo?

Ein Gedanke: Ich hatte abends zuvor vergessen die Starterbatterie auszuschalten. Passierte mir schon das eine oder andere Mal. War bisher aber nie ein Problem da a) die Batterie relativ neu ist und b) die Batterieanzeige mir abends immer 14 Volt anzeigte. Aber das ist zumindest einmal eine Hoffnung. Denn ein Batterieladegerät habe ich dabei. Also das angeschlossen und mal 15 Minuten gewartet. Neuer Versuch. Jetzt kommt der Motor in die Gänge. Motor wieder aus und erst einmal 2 Stunden Batterie laden. Das macht diese zwar nicht voll aber hoffentlich wieder so weit gebrauchsfähig, dass ich vor Idö den Motor starten kann.

Der Wind kommt wieder aus NNW. Anfangs gegenan segeln erst nur mit Großsegel dann noch mit Fock. Heute begegnete mir kein einziges Boot. D.h. ein Segelboot das gerade nach Oskarshamn einfuhr. Aber dann nichts mehr. Nicht mal ein Frachter.

Solarpanel wird auch während des Segelns ausgerichtet

Als es wieder in die Schären geht habe ich den Wind direkt auf der Nase. Also Motor an und nach 1 1/2 Stunden in Idö angelegt. Ein nettes deutsches Paar hilft beim Anlegen und gibt mir die Mooringleine. Auch hier ist noch nicht viel los. Der Steg, an dem man mit Heckanker anlegen soll, ist komplett leer. Kurzer Plausch mit dem netten deutschen Ehepaar. Sie haben neben dem Schiff, das sie gerade Richtung Stockholm überführen, einen Waarschip Jollenkreuzer am Bodensee liegen. Daher fiel ihnen gleich mein Kennzeichen am Bug auf.

Sunset Idö. Oskarshamn – Idö 36 sm, 10 Stunden

Aktuelle Info: In Idö wird nicht mehr bar bezahlt. Der Liegeplatz wird oben im Restaurant (natürlich mit Karte) bezahlt. Dort gibt es auch zwei Toiletten und zwei Duschen. Ist aber ein Weg bis dorthin…

Von Idö nach Fyrudden

Donnerstag, 12. Juni 2025

Am nächsten Morgen mache ich noch einen Spaziergang über die Insel. Ich kann mir gut vorstellen, was hier im Sommer los ist. Dann sind die kleinen Badeplätze sicher begehrt. Auch in Schweden gibt es Trolle, die mich am Wegesrand begrüssen.

Hafen Idö

Durch diesen Spaziergang lege ich erst spät ab. Mein nächstes Ziel ist Fyrudden – auch ein Tipp von dem älteren Ehepaar welches ich in Kalmar kennenlernte. Zuerst wollte ich den kurzen Weg durch die Schären nehmen. Der Hafennachbar in Idö meinte noch, dass der Wind heute heftig wäre. Naja, heftig wie die anderen Segeltage. 15 Knoten in Böen mal 20 Knoten. Jedenfalls, das mit dem kurzen Weg durch die Schären war nichts. Wind genau gegenan. Mit Maschine machte ich noch 2,5 Knoten. Also neuer Plan: Raus aus den Schären auf die offene See und dort gegenan kreuzen. Der Wind war stark aber die Welle angenehmer als zuletzt. Länger, nicht so kurz und hackig. Wie so oft segelte ich zuerst nur mit dem Großsegel im ersten Reff und später nahm ich die Fock dazu. Trotzdem wurde es ein langer Tag. Um 20:00 Uhr hatte ich in Fyrudden angelegt. Auch hier: gähnende Leere. Nur eine weitere deutsche Segelyacht lag im Hafen. Auch hier wieder bekam ich Hilfe beim Anlegen.

Fyrudden

Zum Glück waren noch Tortellini vom Vortag übrig die nur aufgewärmt werden mussten. Nach zwei Bier fiel ich tot in die Koje. Anstrengender aber schöner Segeltag.

Idö > Fyrudden

Durch den Schärengarten nach Nävekvarn

Freitag, 13. Juni 2025

Heute soll es durch den Schärengarten gehen. Tagesziel ist Nävekvarn. Weshalb, dazu später. Es hat heute keinen Wind also geht es unter Maschine weiter. Die Schären sind faszinierend. Hunderte oder vielleicht tausende von kleinen Inseln. Man fährt direkt an einer Insel vorbei und der Tiefenmesser zeigt 25 Meter. Kaum zu glauben. Einmal geht es recht eng zwischen zwei kleinen Inseln durch. Aber auch dort immer noch 10 Meter Wasser unter dem Kiel. Ich merke dass ich mich Stockholm nähere. Es scheint jetzt mehr kleine Häfen zu geben die auch alle gut belegt aussehen. Außerdem sind jetzt hier doch einige Schweden unterwegs die trotz des schwachen Windes (etwa 8 Knoten) segeln. Also offensichtlich so wie ich am Bodensee Feierabend- und Wochenend-Segler ohne weit entferntes Ziel. Beim Anlegen in Nävekvarn erfahre ich Hilfe durch einen Segler aus Frankreich. Ihm ist der Mast gebrochen und jetzt liegt er hier und wartet auf einen neuen Mast – 3 Wochen. Dumm gelaufen. Ist mir aber auch einmal passiert. Auf dem Bodensee mit meinem vorherigen Boot, einer Beneteau First 325. Mast falsch getrimmt, eine Böe mit 8 Bft. und knack hat es gemacht.

Festgemacht. Idö – Nävekvarn 6:15 Stunden

Auch der Hafen von Nävekvarn ist gut belegt. Wie gesagt, jetzt spürt man die Nähe von Stockholm. Und das obwohl es hier sicher 2 – 5 Grad kühler ist als in Südschweden. Ansonsten ist der Hafen nicht besonders toll. Die Sanitäranlagen sind sehr einfach und auch schon in die Jahre gekommen. Morgen Vormittag werde ich hier noch ein paar Einkäufe erledigen und dann geht es weiter.

Idö > Nävekvarn

Immer wieder kleinere Reparaturen

Auch unterwegs ergeben sich immer wieder kleinere Reparaturen. Vor Oskarshamn hing auf einmal der Baum unten nachdem ich das Segel geborgen hatte. Ein Schäkel an der Dirk war offen/defekt. Provisorisch gelöst mit einer dünnen Leine. Dann machte mir die Kühlbox schon einige Zeit Probleme. Unterwegs, ziemlich am Anfang, waren zwei Dosen Flensburger in der Bilge aufgegangen und hatten diese (nicht unter Wasser) unter Bier gesetzt. Heute kontrollierte ich noch einmal und entdeckte noch etwas Restflüssigkeit. Dabei realisierte ich, dass die Kühlbox mit einer Zigarettenanzünder-Steckdose angeschlossen ist. Wäre eine Möglichkeit für meinen Laptop – dachte ich. Nachdem ich den Stecker gezogen hatte sah ich, dass dieser vollkommen korrodiert war. Zum Glück hatte ich einiges an Werkzeug und Kleinmaterial eingepackt. Stecker und Dose abgezwickt und zwei Wago-Klemmen lösen das Problem mit der Kühlbox.

Zweites Etappenziel erreicht

Im Wesentlichen habe ich mein zweites Etappenziel „in time“ erreicht. Ich bin im Großraum Stockholm. Hier möchte ich mich in drei oder vier Tagen mit meiner Tochter treffen die mit ihrem Freund einen Städtetripp nach Stockholm macht. Deshalb der Termin und das Ablegen heute Morgen. Jetzt geht es nur noch darum einen Hafen zu suchen, der eine gute Verkehrsanbindung nach Stockholm hat.

Und in sechs Tagen picke ich dann noch einen Bekannten vom Bodensee auf, der mich dann etwa 10 Tage begleitet. Doch zu alledem dann im nächsten Teil.

Der eine oder andere wird sich fragen, weshalb ich bei meinem Umbau und meinem „temporären“ Törn nicht auf Orca gegangen bin. Zuerst für die, die nicht wissen was Orca ist:

Was ist Orca?

Orca ist eine recht neue Lösung für die elektronische Navigation. Bevor ich hier eine lange Abhandlung schreibe, was Orca ist, was Orca kann verweise ich einfach auf einen Beitrag im float Magazin.

Über das segeln-forum wurde ich auf Orca aufmerksam. Orca, das ist zum einen eine App für iOs oder Android. Dazu gibt es die Option mit dem Core. Der Core (das Herz) beinhaltet einen GPS Empfänger und die Möglichkeit, alle möglichen Datengeber mit dem Core zu verbinden. Darüber hinaus beinhaltet das gesamte Paket ein besonders robustes Tablet auf Android Betriebssystem.

Eine weitere Besonderheit: ohne große Zusatzkosten werden Seekarten bereitgestellt. Upps…. Da wird wohl mancher hellhörig. Denn von bisherigen Plottern kennen es Wassersportler so, dass teure Seekarten von Navionics, Cmap oder what ever gekauft werden müssen. Alleine damit rührt Orca den Markt deutlich auf.

Erster Eindruck…

Um einen ersten Eindruck zu bekommen, habe ich mir die Orca App auf dem iPad installiert und die einfachste Subcription gebucht.

Erster Eindruck: Übersichtlich. Die Seekarten wirken sehr aufgeräumt und übersichtlich. Sie sind nicht so bunt wie z.B. die Seekarten von Navionics. Und das gefällt wohl einigen. Viele Kommentare dazu sagen, dass die Seekarten aufgrund der Farbgebung übersichtlicher wären.

Die erste Versuche mit dem Setzen von Wegpunkten, importieren von Routen liefen etwas holprig. Mit Umwegen funktionierte auch das Importieren.

Also, warum nicht Orca?

Meine Ausgangssituation: Ich hatte das B&G Tridata für Lot, Logge und Wind inklusive Anzeige installiert. Das war meine Ausgangssituation. Jetzt sollte noch ein Funkgerät, vor allem auch für den Empfang von AIS Daten, dazu kommen. Und ein Pinnenpilot, aufgrund der Kompatibilität zu B&G ein Simrad TP22 (Simrad wurde vor einigen Jahren von B&G aufgekauft). Zuletzt wollte ich einen Plotter für die Routenplanung, die Darstellung der Schiffe die über AIS ihre Position, Geschwindigkeit und Richtung senden, eine digitale Seekarte mit genauen Tiefenangaben, Seezeichen etc. und was sonst noch geht.

Und da sind wir beim ersten Punkt. Wie in anderen Beiträgen geschrieben, war eine Motivation für diesen Törn für mich der Youtube Kanal der SY Müggele. Und von dort habe ich zwei wichtige Infos zu den Karten von Navionics mitgenommen: Auf den Navionics Karten sind auch die Bojen des SXK (der Svenska Kryssarklubben) in den Karten eingezeichnet.

Da ich möglichst viel ankern, bzw. an den Bojen festmachen möchte, war mir das wichtig. Zweiter Grund: In der Navionics App gibt es Kommentare bzw. Messungen anderer Benutzer. Es gibt in Schweden und Finnland zahlreiche Buchten, die nicht genau vermessen sind. Mit etwas Glück findet man Messungen anderer User.

Kosten: Wenn ich den Orca Core (wird benötigt um die bestehenden Geräte Lot, Logge, Wind, Pinnenpilot einzubinden), das Orca Display (das Android Tablet), eine Halterung für das Tablet rechne, komme ich aktuell auf rd. 2150 Euro. Für das nächste Jahr benötige ich mind. eine Subscription in Höhe von 150 Euro. Also in Summe bin ich dann am Ende des Törn bei 2300 Euro.

Dem gegenüber stehen die Kosten für den B&G Vulcan 7 plus Seekarte Navionics Baltic Sea Large – in Summe rd. 890 Euro. Auf ein Update der Karte 2026 kann ich auch verzichten. Also keine weiteren Kosten. Und wenn ich nächstes Jahr ein Update der Karte „Baltic Sea“ wollte, kostet dies Stand 2025 124 Euro – also noch weniger als die Subscription.

Orca ist eine tolle Sache. Und ich denke auch, dass das die Zukunft ist. In der Vergangenheit versuchten verschiedene Hersteller ihr proprietäres System zu schaffen, um die Kunden zu binden. Die Zukunft wird sicher ein offenes System wie Orca sein. Für alle, die dauerhaft mit eigenem Kiel auf dem Meer unterwegs sind, die sehr unterschiedliche Reviere ansteuern wie Ostsee, westliche Ostsee, Atlantikküste, Mittelmeer usw. definitiv auch kostenmäßig interessant da alle Seekarten inklusive sind (Anmerkung: Orca deckt derzeit noch nicht alle Seegebiete ab. Aber Europa komplett).
Für jemand der nur auf der Ostsee unterwegs ist, ist die Subscription oder das Update einer Navionics Karte wohl kein großer preislicher Unterschied. Für mich wären es 1.400 Euro Mehrkosten gewesen, die sich nicht rechtfertigen ließen.

Wie geschrieben hatte ich mir die App Orca mit dem Abo „Orca Plus“ (Kosten 49,99 Euro) auf dem iPad als Ergänzung installiert. Und im ersten Rückblick war ich ganz froh darüber. Denn: Ich hatte mir für den Vulcan 7 die Seekarte „Baltic Sea“ von Navionics gekauft. Was ich nicht wusste (und wer wie ich bei SVB bestellt – auf der Seite wird nicht(!) darauf hingewiesen), dass Bornholm und auch die Erbseninseln nicht in dieser Seekarte enthalten sind. Dafür hätte ich noch einmal eine andere Seekarte von Navionics kaufen müssen (obwohl Bornholm mitten drin liegt – das verstehe wer will).

Autorouting

Was ich an der Orca App ganz cool finde, ist das Autorouting. Also man gibt einen Zielpunkt an und lässt Orca eine mögliche Route planen. Dabei kann auch das Start-Datum angepasst werden. Orca macht dann einen Routenvorschlag unter Berücksichtigung der Wetterdaten. Nun kommt das „aber“…. Aber das Autorouting funktioniert manchmal nicht so toll. Bei Christansoe sollte ich z.B. die ersten Meilen quer über die Insel „segeln“.

Bei der Törnplanung von Karlskrona nach Kalmar wollte mich das Autorouting partout nicht durch ein enges Fahrwasser südlich von Torhamn navigieren. Dass es mit dem Autorouting noch hapert, liest man auch in der Facebook-Gruppe „Orca Owner’s Club“.

Was mir ebenfalls unangenehm auffiel, ist der Energiebedarf der App. Wie gesagt habe ich „nur“ die App mit Subscription auf meinem iPad. Wenn ich den Energiespar-Modus ausschalte und Orca ständig auf dem iPad laufen lasse, dann ist in etwa 4 Stunden der Akku leer gesaugt. Wir hatten jetzt einige Schläge die Richtung 10 Stunden gingen. Für den kompletten Schlag war Orca nicht zu gebrauchen.

Fazit

Trotz der zuvor genannten Nachteile: Mir gefallen die Karten von Orca sehr gut. Für meinen Geschmack übersichtlicher als die Karten von Navionics. Aber das ist Geschmackssache. Auch wenn das Autorouting Schwächen hat: Ich finde es hilfreich bei der Planung. Die Kosten, knapp 50 Euro für ein Jahr für die App finde ich o.k.

Jedenfalls habe ich mich dann gegen den Orca Core mit dem Tablet und für ein B&G Vulcan 7 mit der Karte von Navionics entschieden. Und rückblickend, nach mehr als 2 Monaten an Schwedens Ostküste und mehr als 1000 sm bin ich froh darüber. Unten ein Beispiel dafür, wie schlecht das Kartenmaterial von Orca im Detail ist.

Die Einfahrt, wie sie Orca hier vorschlägt, ist nicht möglich!
So sieht die Realität aus und so zeigt es mir auch die Karte von Navionics

Kalmar – erstes Etappenziel erreicht

Samstag, 7. Juni 2025

Nur einen Tag später, nachdem ich Teil 1 veröffentlicht habe, schreibe ich am zweiten Teil. Nur ein Segeltag, aber der hatte es in sich. Außerdem (ich nehme es vorweg): Mit dem Etappenziel „Kalmar“ habe ich das erste Etappenziel „in time“, also so wie geplant, erreicht.

Ich habe meine Ostseerunde, also die Wunschvorstellung, grob in Etappen aufgeteilt. Etappe 1: von Kröslin nach Kalmar. Und dazu stehen Daten. Für Kalmar stand das Datum für die Ankunft 07.06.25. Ein Ruhetag mit meiner Frau bevor sie dann am Montag (9. Juni) nach Hause fliegt.

Angesichts der verspäteten Abreise in Kröslin, dem ungeplanten (zweiten) Hafentag in Karlskrona und dem Tag ohne Wind auf Christiansø dachte ich nicht, Kalmar zum geplanten Datum zu erreichen.

Die Ausgangssituation hatte ich im letzten Teil beschrieben. Aufgrund des Wetters blieben wir einen weiteren Tag in Karlskrona, für heute war „moderater“ Wind (etwa 4 bis 5 Bft) aus südwest vorhergesagt. Gute Bedingungen. In der Nacht blies der Wind noch ordentlich in den Hafen von Karlskrona weshalb ich es am Morgen gemütlich anging. Die Hoffnung war, dass der Wind weiter etwas nachlässt.

Die ersten Seemeilen waren richtig schön. Auch wenn es immer noch gut Wind hatte, dadurch, dass wir hinter den vorgelagerten Inseln bzw. zwischen Inseln Richtung Kalmarsund segelten, hatte es keine Welle und es war fast wie auf dem Bodensee (mit dem Unterschied, dass es Wind hatte). Ein kurzes Stück hatten wir dabei gegenan und wurde mit Hilfe des Motors bewältigt. Auch eindrucksvoll: Das erste Mal unter einer Brücke hindurch segeln. Die Brücke hatte eine Durchfahrtshöhe von 18 Metern. Miss Sophie etwa 13,5 Meter plus Antenne wohl 14 Meter. Es hat gereicht aber da hält man doch eben einmal die Luft an.

Segeln durch die Inseln südöstlich von Karlskrona
Erster Vorgeschmack auf das Schärensegeln
Erste Brückendurchfahrt

Schließlich erreichten wir den Kalmarsund und der Wind blies stärker als erwartet/gehofft und es hatte auch mehr Welle als erwartet/gehofft. Doch es ging noch ganz gut. So gut, dass ich das Steuern an Johann, unseren Pinnenpiloten delegieren konnte.

Etwa auf halbem Weg kam mir eine deutsche Yacht entgegen (das einzige Segelboot an diesem Tag im Kalmarsund). Ich Backbord-Bug, er Backbord-Bug. Er im Lee, also hatte er Vorfahrt. So musste ich die erste Halse machen und ich merkte zum ersten Mal die Kräfte, die heute wirkten. Die Großschot war kaum dicht zu holen.

Inzwischen kam der Wind fast genau von hinten, die Wellen hatten zugenommen so dass mir Johann nicht mehr helfen konnte. Ich musste alles selbst steuern und jede Welle, die unter dem Boot hindurch rollte, aussteuern. Miss Sophie begann auf den Wellen zu surfen und erreichte Geschwindigkeiten, die mir Angst machten. Einmal hatten wir 9,2 Knoten auf der Logge – weit über Rumpfgeschwindigkeit und das Ruder begann zu vibrieren. Zum Glück waren das immer nur kurze Momente und die Geschwindigkeit kam wieder auf ein vernünftiges Maß. Es war aber extrem schwierig, die Wellen so platt vor dem Wind auszusteuern. So legte ich 3 Patenthalsen hin (das Großsegel schlägt ungeplant und mit Wucht auf die andere Seite). Einmal waren leider meine Fingerknöchel und der Bizeps im Weg – schmerzhafte Erfahrung.

Im Kalmarsund – Erinnerung an die Beach Boys „Everbody’s surfing“

Kurz vor Kalmar ging es an das Bergen des Großsegels. Motor an und in den Wind steuern. Johann macht wieder seinen Job (sehr gut). In der Welle geht es auf allen vieren zum Großsegel. Leider fällt unser Großsegel nicht einfach von selbst herunter sondern benötigt etwas Hilfe dabei. Dabei bekam ich (wieder einmal) meine zweite Dusche durch eine Welle die über das Deck schlug.

Später habe ich recherchiert, wie die Windverhältnisse waren (unser Windmesser zickt im Moment). Am Airport Kalmar wurden 47 km/h in Böen gemessen.

Die Ansteuerung von Kalmar verlief sehr gut. Im Hafenbecken dann endlich etwas Ruhe und wir finden wieder einmal einen Liegeplatz in erster Reihe. Ganz in der Nähe von Dusche, WC, Sauna etc.

Fazit: Ich denke das war der härteste Segeltag in meinem bisherigen Seglerleben. 52,5 sm in 11:00 Stunden. Durchschnitt 4,8 Knoten. Jetzt zwei Tage Pause. Dann geht es einhand weiter. Ich bin sehr gespannt wie mir das gelingt und wie weit ich komme.

Es wird Zeit, mich um meinen Blog zu kümmern. Bereits 12 Tage sind wir jetzt unterwegs. Und je mehr Zeit vergeht, umso mehr vergesse ich wieder. Aber bisher war ich Abends oft zu k.o. bzw. gab es noch andere Baustellen.

Der Start

Samstag, 24. Mai 2025

Am Abend zuvor wurde das Auto bis an den Rand voll gepackt. Zum Glück hatte der Audi Q7, den ich bei Sixt gemietet hatte, so viel Platz. Trotzdem gab es am Ende Engpässe. Die Polster mussten ins Boot, hatten im Audi keinen Platz mehr. Und auch die Drohne musste zu Hause bleiben.

Also Samstagmorgen noch einmal mit dem Opel zum Boot fahren und die Polster aufladen. Boot verzurren und der Versuch zu wiegen. Hat leider nicht geklappt. Also hoffen und vertrauen, dass ich die 3,5 to einhalte (in etwa). Ankuppeln und gegen Mittag geht es los. Ich bin froh, als ich auf der Autobahn bin. Da geht das Fahren relativ entspannt.

Ganz schön langes Gespann….

Mit 80 km/h ist es ein langsames Vorankommen. Wir machen immer wieder Pause denn das Fahren strengt schon an – insbesondere in Baustellen. Ca. 100 km vor Berlin, es ist bereits 20 Uhr, steuern wir eine Raststätte zum Übernachten an. Gute Nachricht: Einige Kilometer weiter wären wir wg. Vollsperrung im Stau gestanden.

Geschlafen wird im Boot. Immer noch besser, als im Auto zu schlafen. Am nächsten Morgen geht es nach einem kleinen Frühstück und Kaffee gegen 10 Uhr weiter. Erst gegen 18 Uhr erreichen wir das Hotel bei Kröslin. Lecker Abendessen und noch einmal komfortabel übernachtet.

Marina Kröslin

Montag, 26. Mail 2025

Am nächsten Morgen geht es zur nur wenige Kilometer entfernten Marina. Alle sehr nett, entspannt, hilfsbereit, freundlich. Ganz anders, als ich es vom Bodensee kenne.

Miss Sophie geht in die Ostsee.

Nach dem Einkranen, vor dem Stellen des Masts, ein Schreck: Unterwegs habe ich die Abdeckung des Toplichts verloren. Die Hafenmitarbeiter schauen in der eigenen Werft, ob sie einen Ersatz finden. Fehlanzeige. Also Mast erst einmal stellen und trimmen. Schauen wir morgen in Greifswald nach Ersatz.

Kosten: Clubmitglieder vom Bodensee jammern immer wieder über die Kosten für das Ein- Auswassern, Mast stellen, Transfer am Bodensee (damit ist ein bestimmter Dienstleister gemeint). Als ich die Rechnung bekomme, staune ich nicht schlecht: Einwassern, Mast stellen, trimmen – 600 Euro. O.k. am Bodensee trimmen sie nicht den Mast (weil sie es nicht können).

Nächster Tag Greifswald: Erstes Mal einkaufen und nach einem Ersatzteil für das Toplicht schauen. In einem Yachtshop fühle ich mich schon glücklich, als der Mitarbeiter einen Deckel in der Werft findet (Marke Hella Marina).

Erstes Mal einkaufen…

Nächster Tag: Ein Mitarbeiter geht am Kran mit Seemannsstuhl in den Mast. Ernüchterung. Der Deckel passt nicht. Das Toplicht ist von Aqua Signal und gibt es nicht mehr. Nicht einmal auf Ebay. Also neues Toplicht im Yachtshop der Marina Kröslin gekauft. Am nächsten Tag (Vatertag, oder besser gesagt Herrentag, wie er hier heißt, soll gutes Wetter und wenig Wind sein). So gehe ich am nächsten Tag (das wäre der spätere, geplante Abreisetag gewesen) selbst in den Tackelmast, um das Toplicht zu tauschen. 2 1/2 Stunden Arbeit.

Blick aus etwa 13 Meter Höhe auf Miss Sophie

Lessons learned….

Bereits jetzt hatte ich erste Lehren gezogen: Es war Blödsinn, schon im Vorfeld so viel Lebensmittel zu kaufen und diese in Kartons zu verpacken. Alle Einkäufe hätte ich vor Ort besorgen können (außer ein paar Besonderheiten wie Trekking-Nahrung oder regionale Produkte). Ich hätte Pakete vorab an die Marina senden können, dann wäre im Auto mehr Platz gewesen.

Die Ostsee begrüßt uns mit einem Tritt in den Allerwertesten

Freitag, 13. Mai 2025

Endlich geht es los und die Ostsee begrüßt uns mit einem Tritt in den Allerwertesten. Mit ein bzw. zwei Tagen Verspätung geht es los. Wetter und Wind sollten für den Freitag, den 13. Mai passen.

Vorsichtig starte ich erst einmal nur mit dem Großsegel und erstem Reff. Im Greifswalder Bodden geht es immer schön im Fahrwasser bis zur letzten Tonne. Der Wind passt, so das alles gesegelt werden kann.

Um Göhren herum nimmt der Wind fortlaufend zu. Inzwischen hatte ich die Fock ausgerollt die bald wieder geborgen wurde. Eine Weile ging es mit Groß, doch der Wind nahm weiter zu. Inzwischen 5 Bft. und Böen 7 Bft. (hatte ich später als Ist-Wert recherchiert) und 1 bis 1,5 Meter Welle. Das ganze gegenan. Bald kamen die ersten Wellen über die Sprayhood und ich bekam meine zweite Dusche. Nur mit Motorunterstützung konnten wir uns in den Hafen retten. Und auch dort: Schwieriges Anlegen da der Wind hier aus allen Richtungen herein prasselte. Nur mit der Hilfe zweier Segler am Steg konnte Miss Sophie festgemacht werden.

Festgemacht in Sassnitz
Unsere erste Etappe auf der Ostsee

Nach dem Erlebnis brauchen wir erst einmal einen Hafentag. Außerdem wollten wir noch einmal frische Lebensmittel hier einkaufen. Die Promenade war eher eine Enttäuschung. Für den Namen „Rügen“ hätten wir uns mehr erwartet. Aber ein Fischbrötchen gab es wenigstens.

Wenigstens die Sanitäranlagen waren o.k. Auch wenn etwas weit vom Hafen entfernt. Dringend darf man es hier nicht haben. Die Hafengebühr betrug etwa 30 Euro.

25,8 sm, 7h 15 min, Durchschnitt 3,6 Knoten

Erste große Etappe: Sassnitz – Rønne

Sonntag, 1. Juni 2025

Das nächste Ziel auf dem Weg Richtung Schweden war die Insel Bornholm und hier Rønne. Wir starten um 7:30 Uhr denn heute stehen 50 Seemeilen an. Der Wind sollte gut passen. Zuerst benötigen wir noch den Motor. Es geht vorbei an den Kreidefelsen und bald kann ich schon die Segel setzen. Es hat wieder eine ordentliche Welle (ca. 1 Meter) was dazu führt, dass meine Frau seekrank wird. Die meiste Zeit liegt sie unten in der Koje während ich das Boot Richtung Bornholm steuer. Bei etwa 15 Knoten Wind erreichen wir 6 Knoten. Als Segler schlägt mein Herz natürlich höher. Nicht diese Flautenschieberei wie auf dem Bodensee. Der Wind kommt ideal aus s/w, wieder etwa 13 Knoten, und es kann alles auf einem Bug mit hoher Geschwindigkeit gesegelt werden.

Vorbei an den Kreidefelsen von Rügen
Schnellfähre überholt mit 20 Knoten und das AIS schlägt Alarm

Dass Passieren der Offshore-Windparks ist problemlos. Recht nah segle ich daran vorbei. Einzig eine Regenfront holt uns inzwischen ein und ich muss die Fock bergen.

Die Einfahrt in den Hafen Nørrekås ist unkompliziert. Es geht etwas ums Eck herum aber auf dem Plotter gut erkennbar. Die Hafengebühr betrug etwa 30 Euro. Die Sanitäranlage – naja. Noch ertragbar aber sauber ist anders. Sind auch recht veraltet.

Am Abend sehen wir noch ein Gewitter welches wir am nächsten Tag spüren werden

Am Abend sehen wir ein Gewitter welches in einiger Entfernung vorbei zieht.

48,7 sm, 9h 41 min, Durchschnitt 5 Knoten

Auf zu den Erbseninseln

Montag, 2. Juni 2025

Die nordöstlich von Bornholm gelegenen Erbseninseln bzw. Christiansø soll unser Sprungbrett nach Schweden sein. „Nur“ 30 sm – aber die haben es angesichts Wind und Welle wieder in sich…

Der Wind bläst wieder ideal aus südwest mit 15 Knoten plus/minus also etwa 4 bis 5 Bft. Wahrscheinlich aufgrund des Gewitters in der letzten Nacht ist die See sehr unruhig. Wieder ordentlich Welle. Aber keine, die das Segeln stört. Nur meine Frau liegt wieder flach – seekrank. Ich genieße die Rauschefahrt auf der Ostsee. Und Johann, so wurde jetzt mein Pinnenpilot getauft, macht einen hervorragenden Job. Miss Sophie gibt Gas und rauscht mit 6 bis 7 Knoten dahin.

Mit Großsegel und Genua geht es entlang der Küste von Bornholm. Gegen Ende Bornholm kreuze ich eine andere deutsche Yacht. Der Wind kommt inzwischen sehr achterlich. Während er einen Schmetterling segelt (Großsegel auf der einen, Genua/Fock auf der anderen Seite) übe ich mich mit Johann im Halsen mit Pinnenpilot. Für meine Verhältnisse ist der Winkel von 110 Grad, den er wählt, zu groß. Ich muss sofort korrigieren, damit das Boot nicht zu sehr anluvt. Der Konkurrent ist schneller….

Da der Wind weiter zunimmt, nehme ich die Fock weg und segle mit dem Großsegel weiter. Der „Konkurrent“ hat das Großsegel eingeholt und segelt mit Genua. Obwohl er einige Füße (Länge) mehr hat als wir, ist er bald eingeholt und liegt hinter uns. Die Dehler 28 ist ein Boot, welches vor allem vom Großsegel angetrieben wird.

Festmachen auf Christiansø

Wie gesagt hatte es ordentlich Wind und auch gut Welle. Der Wind aus Süd/Südwest.

Alleine benötige ich etwas mehr Zeit das Boot in den Wind zu bringen, um das Großsegel zu bergen. Der „Konkurrent“ musste nur seine Genua einrollen. So lag er wieder vor mir und ich konnte beobachten, wie er die Einfahrt in Christiansø bewältigt. Sein Boot schlug ordentlich auf die Seite und mir war klar, das wird keine einfache Sache. Aber wir hatten so etwas ähnliches schon einmal auf dem Bodensee vor Langenargen erlebt. Da gibt es nur eine Möglichkeit: Mit guter Geschwindigkeit schauen, dass man so schnell wie möglich in das Hafenbecken kommt. Wer hier zögert hat verloren.

An der Mauer lagen schon einige Boote im Päckchen. Nebenbei: Ich hatte die südliche Einfahrt gewählt da ich es in Erinnerung hatte, irgendwo gelesen zu haben, dass im nördlichen Becken irgendwelche Arbeiten über den Sommer stattfinden (hätte ich nur einmal richtig gelesen…).

Am Ende des Hafenbeckens stand ein großer Potton. Also die Arbeiten waren hier. Links hatte es ein paar Bojen an denen bereits drei deutsche Yachten lagen. Ganz links schien noch ein Platz frei. Also das erste Mal Bojenhaken gerichtet und langsam angelaufen. „Tschaka“ – Boje erwischt doch dann – Rumms. Ich hatte schon Angst die Yacht daneben gerammt zu haben. Nein: Grundberührung – Stein. Also wieder zurück und eine weitere Runde drehen. Links an der Hafenmauer wäre noch eine Möglichkeit. Also noch einmal langsam angefahren. Schwierig – aber es geht gerade so. Lot zeigt 1,6 Meter und das Lot sitzt ja vor dem Kiel.

Festgemacht auf Christiansø

Wir sind erst einmal froh, festgemacht zu haben und erkunden die kleine, schnuckelige Insel.

Es hat einen kleinen Kaufladen, eine Gaststätte, Toiletten, Duschen und sogar Waschmaschinen. Die Liegeplatzgebühr, Dusche und Waschmaschine wird online bezahlt. Der Code kommt dann online. Cleveres System welches uns gut gefällt.

Abends gibt es (muss ja sein) Schinkennudeln mit Erbsen aus der Bordküche. Der Kapitän kocht.

30 sm, 6h 30 min, 4,6 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit

Ruhetag

Die Erbseninseln gefallen uns besonders. Ein kleines, idyllisches Fleckchen Erde. Keine Autos, keine Hektik. Für den Abend haben wir geplant, lecker Essen zu gehen.

Für mich stehen zuerst ein paar kleine Arbeiten an. Zuerst Wasserpumpe prüfen. Fazit: Geht. War eigentlich nichts zu tun. Nur Luft im System.

Dann wollte ich meine Stromversorgung prüfen. Da gab es Unsicherheit, ob die Trennung der beiden Systeme (alte Bleibatterie, neue LiFePo-Batterien) funktioniert. Jetzt, ohne Landstrom, konnte ich das prüfen. Funktioniert.

Das nächste: Reffleine des ersten Reff tauschen. Die alten Leinen liefen einfach nicht mehr und es war ständig ein Kraftakt der mehr schlecht als recht gelang, das Reff zu setzen. Die Rollen am Großbaum sind jedoch so eng, das es nur mit einer Pilotleine möglich war, die neue Leine einzuziehen.

Dann konnten wir endlich die Insel etwas erkunden, in der Sonne auf der Terrasse sitzen und die Aussicht genießen. Während ich in der Dusche war, kam der Hafenmeister und meinte zu meiner Frau, dass wir unser Boot wegen der Arbeiten an der Hafenmauer auf die andere Seite verlegen sollten. Dort wollte ich eigentlich nicht liegen. Inzwischen war dort Platz für ein Boot, aber ich ging davon aus, dass im Laufe des späten Nachmittags noch einige Boote kommen würden. Und ich wollte dort nicht im Päckchen liegen da unser Plan war, am nächsten Morgen gegen 6 Uhr zu starten.

Apropos – „Arbeiten an der Mauer“… Während ich am Boot arbeitete beobachtete ich einige Male die beiden Arbeiter an der Hafenmauer. Bei uns würde man sagen „Die kommen nicht von Schaffhausen“. Schaffhausen ist eine schweizer Stadt in der Nähe unserer Heimat. Dort ist auch der Rheinfall. „Schaffen“ steht im alemannischen Dialekt für „arbeiten“. Entweder schauten sie auf das Meer oder auf ihr Handy. Ab und an wurde einmal ein Stein in die Hand genommen. Wenn die in der Geschwindigkeit weiter machen, werden die Arbeiten wohl noch Jahre gehen. Ich meinte zu meiner Frau, dass das sicher ein von der EU gefördertes Projekt ist.

Und auf meiner folgenden Reise sah ich dann oft ein Schild in einem Hafen welches darauf hinwies, dass der Hafen mit Fördermitteln der EU ausgebaut wurde. Also da gehen die Fördermittel u.a. hin…

Auf dem Weg zur Gaststätte mussten wir über die Brücke welche die beiden Inseln verbindet. Dabei sahen wir, das inzwischen zwei Boote im nördlichen Hafenbecken lagen. Meine Frau meinte noch, ob wir nicht da rüber wechseln sollen. Doch ich hatte keine Lust das Boot zu verlegen (ein Fehler, wie sich später herausstellte).

Auch wenn es nicht ganz billig ist: Die Gaststätte auf Christiansø ist eine Empfehlung. Selten so gut gegessen. Wir hatten gemeinsam ein Lachs-Tartar als Vorspeise, ein Rindfleisch mit Kartoffeln und Gemüse und Getränke. Das Fleisch war butterzart. Summe 100 Euro.

Die Nacht des Grauens…

Mittwoch, 4. Juni 2025

Der Ruhetag war weitgehend windstill. Das war auch ein Grund für den Ruhetag. Ohne Wind kein Wegkommen von Christiansø. Für den kommenden Tag war wieder kräftiger Wind aus Südwest vorhergesagt der bereits in der Nacht eintreten sollte. Im Laufe des Tages sollte der Wind stark nachlassen. Deshalb war der Plan, sehr früh am Morgen zu starten.

Wir waren gerade in der Koje als der Schwell in den Hafen zunahm und unser Boot immer wieder in den Leinen ruckte und an die Hafenmauer geworfen wurde. Ich stand in der Nacht mehrmals auf, um die Fender wieder neu zu setzen. Vor allem hatte ich Sorge um unser Heck. Einige Male spielte ich den Gedanken durch, mitten in der Nacht abzulegen.

Um 5 Uhr klingelte der Wecker und mühsam quälten wir uns aus den Schlafsäcken. Ohne Heizung war es eine kalte Nacht. um 6:30 Uhr machten wir dann los was besser ging als befürchtet.

Vor der Insel ein ordentlicher Schwell bzw. ordentlich Welle. Doch diesmal hatte meine Frau bereits am Morgen eine Tablette gegen Übelkeit genommen. Die Welle war zuerst unangenehm hackig. Später wurde die Welle zwar länger, dafür aber höher. Etwa 1,5 Meter wieder. Das einzige, was gut war, war die Windrichtung und die Stärke. Der Wind trieb uns wenigstens mit etwa 5 Knoten voran. ETA Karlskrona: 17:30 Uhr. Nur Johann (der Pinnenpilot) gab unter diesen Bedingungen auf. D.h. ich musste alles selbst steuern was sehr anstrengend war. Immer wieder, mit der nächsten Welle, musste Gegenruder gegeben werden, um den Kurs zu halten. Besonders unangenehm waren die großen Wellen die unter dem Boot hindurch rauschten.

Am Horizont sah ich graue Wolken. Etwas Regen war vorhergesagt. Es begann zu tröpfeln. Und dann lies der Wind plötzlich nach und es gab Winddreher – ich fühlte mich fast wie auf dem Bodensee (wäre da nicht die Welle). So, mit der Geschwindigkeit, machte segeln keinen Sinn mehr. Also Segel runter und Maschine an. Südlich von Stürko hatte ich einen Wegpunkt mit Kurswechsel auf Nordwest gesetzt. Da sollte der Wind wenigstens von der Richtung wieder passen. 2 Stunden Motorfahrt dann Groß und Fock wieder gesetzt. Wind passte jetzt wieder aber er war inzwischen zu schwach. Nur 3 Knoten Fahrt. ETA neu: 20:30 Uhr.

Bei wenig Wind geht es mit Maschinenkraft Richtung Karlskrona

Nach einer Stunde hoffen, sich Karlskrona noch segelnd zu nähern, wurden die Segel gestrichen und die Maschine wieder angeworfen. Nachdem wir die ersten Inseln vor Karlskrona passiert hatten, hatten wir auch endlich glattes Wasser. Aber die Einfahrt in den Hafen zieht sich. Gegen 18:30 Uhr hatten wir dann nach 13 1/2 Stunden und 56,5 sm festgemacht. Dieser Schlag hat auch mich gefordert.

Festgemacht in Karlskrona

Aber wir haben einen Top-Liegeplatz. Ganz vorne, kürzester Weg Richtung sanitäre Anlagen und ein Italiener 25 Meter vom Liegeplatz entfernt. So wird kurzfristig umdisponiert: Es gibt Pizza beim Italiener. Und auch hier wieder: Selten so eine gute Pizza gehabt. Auch der Stadthafen Karlskrona – eine Top-Entscheidung. Die sanitären Anlagen richtig schön, großzügig mit Handwaschbecken in jeder Toilette, sauber, modern. Dusche, Waschmaschine, Trockner, Sauna – alles in der Liegeplatzgebühr enthalten. Nichts, was man extra bezahlen müsste wie in den vorherigen Häfen. Und dabei ist die Liegeplatzgebühr günstiger als in den vorherigen Häfen.

Geschafft – endlich in Schweden…

Es war mir bei meiner Planung immer klar, dass der anstrengende Teil der ist, überhaupt nach Schweden zu kommen. Angefangen vom Transfer des Bootes an die Ostsee, über Sassnitz, Bornholm, die Erbseninseln nach Karlskrona. Jeder Schlag war eine neue Herausforderung für mich. Ab jetzt wird es gemütlicher denn jetzt es geht immer der Küste entlang an der es zahlreiche Häfen und Ankerbuchten gibt. Bei starkem Wind gibt es meist die Möglichkeit sich hinter den Schären zu verstecken. Auf das, was jetzt kommt, freue ich mich besonders.

56,5 Seemeilen, 13,5 Stunden, Durchschnitt 4,2 Knoten

Hafentag Karlskrona

Donnerstag, 5. Juni 2025

Trotz gutem Wetter und der Möglichkeit, weiter zu segeln gibt es einen Tag Erholung. Duschen, Wäsche waschen, einkaufen und durch die Stadt bummeln.

Die Hafengebühr wird am Automat mit Karte bezahlt. Dann gibt es ein Klebestreifen der am Boot befestigt werden muss.
Marina Karslkrona. Super ausgestattet mit Waschmaschinen und Trocknern all inkl
Fredrikskyrkan (Friedrichskirche)
Trefaldighetskyrkan / Dreifaltigkeitskirche
Unterwegs kleine Stärkung. Bezahlt wird ausschließlich mit (Kredit-) Karte
Blick von der Insel Saltö auf die Kleingartensiedlung der Insel Brändåholm

Zwangspause

Freitag, 6. Juni 2025

Am nächsten Tag wollte ich eigentlich weiter. Doch es regnet am Morgen leicht und dann später auch etwas mehr. Zeitgleich nimmt der Wind zu. Windy kündigt 7 bis 8 Bft. draußen an. Eine Option wäre noch gewesen, hinter den Inseln bis Torhamn zu kommen. Doch inzwischen bläst der Wind auch im Hafen ordentlich mit 15 bis 20 Knoten. Daher beschließen wir heute hier im geschützten Hafen zu bleiben und morgen weiter zu gehen. Das bedeutet zwar, dass das Zeitfenster für den Rückflug meiner Frau am Montag ab Kalmar immer enger wird, aber es hilft nichts. Zwei Tage haben wir dann noch Zeit, nach Kalmar zu kommen.

Wie es weiterging kommt im nächsten Teil.

Bisher segelten wir mit unserer Miss Sophie auf dem Bodensee. Sicher, der Bodensee ist jetzt auch keine Pfütze. Und es kann auch am Bodensee einmal etwas rauer zugehen. Mit der First 235 hatte ich auch einmal einen Mastbruch, als bei falscher Trimmung des Riggs eine Böe mit 7 oder 8 Bft. einschlug. Wir wurden auch schon mit Gewitter und Wellen um 0,5 Meter und 5 bis 6 Bft. vor der Hafeneinfahrt überrascht.

Aber sind wir ehrlich: Im Vergleich zur Ostsee ist der Bodensee dann doch eine Pfütze… Es kommen ganz andere Herausforderungen auf einen zu denen man sich stellen und auf die das Boot vorbereitet werden muss. Und darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Ankern

Am Bodensee ist ankern eher kein Thema. Wer hier ankert, der macht dies aus Spaß am ankern. Es gibt nur wenige Ankerplätze und wenn man ankert, dann macht man dies wahrscheinlich nur bei günstigen Bedingungen und 2 bis 3 Meter Wassertiefe.

Ich möchte auf meinem Törn so viel wie möglich ankern. In der Ostsee und auch in der nördlichen Ostsee gibt es genügend Häfen. Es wäre also nicht zwingend notwendig. Aber Übernachtung im Hafen bedeutet auch Kosten. Selbst bei meiner kleinen Bootsgröße (28 Fuss) liegen hier die Liegeplatzgebühren inzwischen bei etwa 25 bis 30 Euro die Nacht. Zum Teil dann noch plus Strom, plus Dusche, plus…. Da wäre ich schnell bei 900 Euro plus im Monat. Legt man im Hafen an, ist auch schnell die Verlockung da hier und da einzukehren und auf das Kochen an Bord zu verzichten. Dann ist man schnell bei 100 Euro für einen Hafentag für zwei Personen.
Daneben möchte ich hier auch einfach die Natur erleben.

Bisher hatte ich für den Hauptanker 8 Meter Kette und etwa 20 Meter Leine. Auf blauwasser.de gibt es einen guten Beitrag zum Thema Ankern und Ketttenlänge (dazu einen Link auf einen Beitrag wie ein Mathematiker die Kettenlänge berechnet). Da ich schon auf der First 235 den Anker umrüsten wollte, hatte ich bereits 20 Meter Kette in der Garage liegen. Genau das, was ich brauche. Also wird die Kette getauscht. Zusätzlich kommen an die Kette 20 Meter (Blei-) Ankerleine. Der Bleivorlauf beträgt 10 Meter.

Von meinem Kindern bekam ich vor einigen Jahren einen M-Anker aus Edelstahl zum Geburtstag geschenkt. Er war eigentlich einmal für die First 235 gedacht. Jetzt kommt er mit als Heckanker für den Fall, das ich an einer Schäre anlege. Dieser bekommt eine 30 Meter lange Blei-Ankerleine. Somit sollte das Thema „Ankern“ gut gelöst sein.

Festmacher

An den Liegeplätzen am Bodensee hat man in der Regel am Heck zwei Pfosten und am Steg entsprechende Ringe. Die Größe der Liegeplätze ist auf die Boote am Bodensee ausgerichtet. D.h. in der Regel kommt man mit zwei Festmachern am Heck mit etwa 10 Meter und zwei kurzen Festmachern am Bug klar.

In Schweden und Finnland hat man oft Heck-Bojen, die relativ weit vom Steg entfernt sind. D.h. ein bis zwei Festmacher mit 20 Meter Länge sollten parat sein. Auch für den Fall, dass man an einer Schäre festmachen möchte sind längere Festmacher sinnvoll. Des weiteren sollte man entscheiden, wie man an der Heck-Boje festmachen möchte. Da ich die meiste Zeit Einhand unterwegs sein werde, habe ich mich für einen Bojenhaken entschieden an dem dann eine 20 Meter lange Festmacherleine befestigt wird. Das machen dort wohl viele so.

Funk / AIS

Ein Funkgerät bräuchte ich jetzt für meinen geplanten Törn nicht zwingend. Wofür benötigt man ein Funkgerät? Es wird vor allem zur Kommunikation vor Schleusen oder Brücken (wirklich) benötigt. Ansonsten gibt es auf der Ostsee keinen zwingenden Grund dafür. Weshalb mir Funk auf der Ostsee wichtig ist:

Das Zauberwort heißt DSC – Digital Selectiv Call. DSC ist ein wichtiger Bestandteil des GMDSS (Global Maritime Distress Safety System) und unterstützt die schnelle und sichere Übermittlung von Notrufen. Ich bin zu 99% im Seegebiet A1 unterwegs. Im GMDSS wird die See in Seegebiete von A1 bis A4 unterteilt. Im Seegebiet A1 ist mindestens eine Seefunkstelle 24 Stunden für einen Notalarm erreichbar. Mittels DSC Notruf und GPS an Bord weiß innerhalb von 2 Minuten mindestens eine Seefunkstelle das ich a) einen Notfall habe und b) meine Position auf etwa 20 Meter genau. Das war für mich der wesentliche Grund den SRC Schein zu machen und ein Funkgerät einzubauen.

Zweiter, nicht unwichtiger Grund: Sollte ich einen Motorschaden haben und Hilfe benötigen kann ich per Funk einen „Pan Pan Pan“ senden. Bedeutet ich kann um Hilfe rufen (kein Notfall). Wen sollte ich in Schweden oder Finnland per Telefon anrufen?

Dritter Grund: AIS. Über AIS senden Schiffe ihre Position, Geschwindigkeit und ihren Kurs. Berufsschiffe führen heute verpflichtend AIS (wobei russische Schiffe das gerne ausschalten). AIS Informationen können zwar online über das Internet auch abgerufen werden aber a) sind diese Informationen verzögert und b) setzt es voraus das man Internetverbindung hat. Über das Funkgerät lassen sich die AIS Daten der umliegenden Schiffe empfangen und auf dem Kartenplotter (s. nächster Punkt) darstellen. Der Plotter kann dann auch frühzeitig einen Kollisionsalarm ausgeben.
In Hinblick darauf, dass ich das eine oder andere Verkehrstrennungsgebiet queren muss, ein Sicherheitsfaktor.

AIS im Internet über www.veselfinder.com

Seekarten / Navigation

Seekarten, Revierführer – es gibt einige Segler die heute lachen, wenn man angesichts der Möglichkeiten der elektronischen Navigation über Seekarten aus Papier spricht und fragt, welche Seekarten man haben sollte. Zumindest in deutschen Hoheitsgewässern ist es immer noch Pflicht, aktuelle Seekarten für das aktuelle Revier an Bord zu haben. Ich fühle mich auch etwas wohler, wenn ich diese als Backup habe und sitze auch lieber am Abend zur Planung über eine solche Karte als über dem Plotter.

Revierführer beschreiben genau die Einfahrt in einen Hafen oder in eine Ankerbucht. Sie geben die Information welche Infrastruktur (Wasser, Strom, Tanken, Dusche, Waschmaschine) vorhanden ist. Die sind zwar in schwedisch aber dank Google Translate auch schnell übersetzt. Und Icons, Bilder und Kartenausschnitte sind sprachunabhängig. Diese genauen Information sind in Schweden und Finnland nicht unwichtig denn das Revier ist eher flach als tief und von zahlreichen Steinen gesät.

Ja, das ist ein Kostenfaktor. Insgesamt habe ich etwa 1000 Euro nur für Seekarten und Revierführer ausgegeben.

Navigation – ich hatte es oben schon angesprochen. Viele verlassen sich heute auf die elektronische Navigation mittels Plotter, Tablet oder gar Handy. Die elektronische Navigation ist sicher ein Segen. Auch am Bodensee nütze ich gerne einmal eine App (insbesondere bei Nebel oder Nachtfahrt sehr hilfreich). Doch das GPS von Handy oder Tablet (iPad) ist recht ungenau. In den Schären ist eine Genauigkeit von 20 Meter zu wenig. Daher (und weil ich schon einen GPS Empfänger an Bord hatte) habe ich mich für einen Plotter entschieden. Da ich meine Instrumente (Log, Wind, Tiefe) schon auf B&G ausgerichtet hatte, wurde es ein Vulcan 7 von B&G mit der Karte von Navionics. Die Karte von Navionics hat noch den Vorteil, dass es hier auch Einträge der Community gibt. Z.B. genaue Informationen über das Anlegen an einer Schäre, oder genaue Tiefenangaben zu einer Bucht. Außerdem sind die blauen Bojen der Svenska Kryssarklubben (SXK) eingezeichnet. Das sind Bojen, an denen man festmachen kann, wenn man sich die Bojenflagge für das jeweilige Jahr gekauft hat (habe ich natürlich gemacht).

Als Backup habe ich noch Orca auf dem iPad. Aber nur als App mit einer Subscription, ohne Core.

Routenplanung – Es macht nicht viel Sinn, weiter als 5 bis 7 Tage voraus zu planen. Ich habe ein paar Zwischenziele, die ich zu einem Zeitpunkt erreichen sollte. Am Anfang begleitet mit 14 Tage meine Frau. Pfingstsonntag sollten wir in Kalmar sein. Am Montag geht ihr Flug zurück nach Zürich.
Am 16.6. sollte ich Nähe Stockholm sein. Da kommt meine Tochter mit ihrem Freund und am 19.06. kommt ein Bekannter der mich dann bis zum 28.06. begleitet. Mehr Termine habe ich nicht. Die Etappen habe ich mir angesehen und sollten alle gut zu schaffen sein, wenn ich jeden Tag zwischen 20 und 30 Seemeilen mache.

Was ich als Vorbereitung gemacht habe: Ich habe viele Videos von Seglern wie der SY Müggele, Twinkieler, Van Haas Sailing, Claus Aktoprak oder Sailing Meera gesehen, habe einige Blog-Beiträge von anderen Seglern und Beiträge in Foren gelesen. Dort habe ich empfehlenswerte Ankerbuchten und Häfen aufgegriffen.
Ich habe früher viel Landschaftsfotografie gemacht. Dabei hatte ich Google Maps genützt, um mir interessante Spots zu markieren. Das habe ich auch oft für Fotoreisen genützt. In Google Maps kann man sich eigene Karten erstellen in denen man Punkte markieren und Notizen dazu hinterlegen kann.

Daher hat es sich für mich angeboten, wieder Google Maps für die Planung zu nützen. Ich habe mir hier Ankerplätze, Bojen und Häfen markiert und mit Kommentaren und Links ergänzt. Das ist für die Planung unterwegs sicher hilfreich.

Eigene Karte in Google Maps. Blau sind Ankerbuchten oder Bojen, Gelb Häfen, Lila spezielle Orte wie z.B. Lidl

Sonstiges – dies und das

Lifeline – am Bodensee benützt wohl kaum jemand eine Lifeline. Sicher mit ein Grund, weshalb es jährlich mindestens einen Todesfall durch Ertrinken am Bodensee gibt. Da ich viel alleine unterwegs sein werde und das Gebiet sicher oft etwas rauer als der Bodensee ist, gehört eine Lifeline für mich zur Pflicht.

Wasser – Ich habe einen 80 Liter Frischwassertank. Am Bodensee benützen wir das Frischwasser (wenn wir den Tank überhaupt füllen) nur zum Duschen nach dem Baden oder zum Vorspülen des Geschirrs. In der Regel benützen wir diesen nicht und er bleibt leer. Hier, auf der Ostsee, in der Kombination mit der Planung viel zu Ankern hat dieser jedoch eine Bedeutung. Und da stellt sich die Frage, wie man das Frischwasser haltbar macht. Ich bin durch Zufall in einem Forum auf Chlordioxid gestossen. Chlordioxid wird häufig in Wohnmobilen verwendet, um Wassertanks und -Leitungen einmalig zu desinfizieren. In der Trinkwasserversorgung wird Chlordioxid aber auch verwendet, um Trinkwasser fortlaufend keimfrei zu halten. Deshalb habe ich mir hier Chlordioxid und Messstäbchen besorgt, um das Wasser aus dem Frischwassertank keimfrei zu halten damit ich es auch zum kochen verwenden kann. Natürlich muss man sich informieren und Wissen bezüglich der Dosierung aufbauen.

Neoprenanzug – Einer der schlechten Notfälle, die eintreten könnten wäre, dass sich irgendetwas in der Schraube verfängt. Z.B. irgendeine Leine oder ein Fischernetz. Die SY Müggele hatte einmal ein solches Erlebnis. Dabei musste er ohne Neopren in die noch kalte Ostsee. Daher eine Anschaffung: Ein Neopren-Anzug für diesen Notfall.

Sprayhood – Unsere Dehler 28 hatte leider keine Sprayhood. Am Bodensee auch nicht zwingend notwendig. Eher ein nice to have. Aber auf der Ostsee, bei Welle von vorne, auch mal Regen, etwas mehr als ein nice to have. Vielleicht nicht zwingend notwendig, aber doch anzuraten.

Pinnenpilot – Pinnnepilot oder Autopilot, hatten wir bisher nicht. Auf dem Bodensee auch nicht ganz so wichtig. Klar, in der Vergangenheit war es schon manchmal mühsam, wenn man 3 Stunden unter Motor an der Pinne saß. Jetzt, auf der Ostsee, und vor allem unter dem Gesichtspunkt alleine unterwegs zu sein, zum Segel setzen, Segel bergen, reffen und andere Situationen war ein Pinnenpilot unabdingbar. Da ich, wie gesagt, alles auf B&G ausgerichtet hatte, wurde es ein Simrad TP20 (Simrad wurde vor einigen Jahren von B&G aufgekauft daher erhoffe ich mir hier die bestmögliche Kommunikation).

Kanu/Beiboot – Wenn man in einer Bucht ankert möchte man vielleicht auch an Land, um die Insel kennenzulernen oder etwas die Füße vertreten. Wir hatten schon vor ein paar Jahren ein aufblasbares Kanu gekauft, weil wir hier am Bodensee auch mal Kanu fahren wollten. Haben es aber noch nie benutzt. Jetzt bekommt es einen Zweck.

Internet – Ich werde wahrscheinlich nicht immer (guten) Zugriff auch das schwedische oder finnische Mobilfunknetz haben. Auch wenn heute durch EU Roaming vieles besser geworden ist, mein Handy-Tarif wird für einige Teams-Meetings in der Woche nicht ausreichend sein. Deshalb war eine Frage, wie ich es sicherstelle, während meiner Workation-Zeit auch so arbeiten zu können als wenn ich zu Hause wäre. Leider gibt es derzeit dazu nur eine Lösung (außer W-Lan im Hafen): Starlink. Ich lehne Elon Musk so ab, wie ich xxx ablehne. Aber das war jetzt eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Ohne diese Sicherheit hätte ich den Törn mit Workation nicht planen können. Daher habe ich hier in den sauren Apfel gebissen, und eine Starlink Mini mit dem Tarif „Reise“ gewählt. Tarif „Reise“ bedeutet 70 Euro/Monat und unbegrenztes Datenvolumen. Das hätte ich selbst mit Lidl Connect nicht bekommen….

Essen – Essen/Verpflegung, nicht ganz unwichtig. Insbesondere unter dem Vorhaben, viel zu ankern und autark unterwegs zu sein. Nudeln (Spaghetti), Reis, Kartoffeln, Tomaten (Dose). Das Thema beschäftigte mich massiv. Was ist gut zu lagern? Was ist in welcher Form/Verpackung wie lange haltbar. Schweden und Finnland sind für Lebensmittel ein teures Pflaster. D.h. so viel wie möglich in Deutschland einkaufen und bunkern. „Bunkern“ ist dabei das nächste Stichwort. Habe ich den Platz, um Vorräte für 3 Monate zu bunkern? Für den Notfall habe ich mir etwas Trekkingnahrung bestellt. Das ist getrocknetes Essen, welches mit heißem Wasser aufgegossen wird. Womit ich mich vor allem schwer tue: Welche Mengen soll ich für 3 Monate von was rechnen? Reicht eine Packung Salz? Wie viele Nudeln wie viel Reis? Es bleibt spannend.

Kleidung – Hier gibt es eigentlich wenig besonderes außer der Tatsache, dass ich für mehrere Jahreszeiten bzw. Temperaturen planen muss. Ende Mai wird es wahrscheinlich noch nicht sommerlich sein. Dann komme ich in den Sommer mit Juli und August. Wassertemperaturen um 25 Grad im Sommer sind inzwischen in der Ostsee keine Überraschung. Anfang September wird es dann schon herbstlich sein. Bedeutet das ich mich für sehr unterschiedliche Situationen vorbereiten muss.
Da das Boot über den Winter in Schweden bleibt, muss ich so planen, dass die wesentliche Kleidung (die ich dann auch zu Hause brauche und gewaschen werden muss) für den Rückflug von Stockholm in eine große Reisetasche oder einen Koffer passt. Ölzeug und Badehose können über den Winter sicher an Bord bleiben.

Werkzeug/Bord-Apotheke – An Bord hat man in der Regel Standard-Werkzeug wie verschiedene Schraubendreher, Schraubenschlüssel. Das reicht zumindest für den Bodensee. Hier muss ich etwas weiter planen insbesondere nach dem Umbau der Stromversorgung. Deshalb gehören ein Messgerät, versch. Kabelschuhe, die Quetschzange, etwas Kabel, vor allem Sicherungen, Leuchtmittel und noch das eine oder andere Werkzeug an Bord. Für Segelreparaturen habe ich ein Reparaturband. Dann Segelgarn mit Nadel.
Medikamente muss ich sowieso einige mitnehmen da ich einige Medikamente regelmässig einnehmen muss. Aber hier muss ich noch etwas weiterdenken. Schmerzmittel, vielleicht etwas gegen Seekrankheit, Durchfall und etwas für Insektenstiche. Aber das werde ich noch mit meinem Doc besprechen.

Solo – alleine unterwegs

Zum Schluss: Solo, alleine unterwegs ist etwas ganz anderes wenn man zu zweit oder gar mit einer Crew unterwegs ist. Es muss alles alleine gedacht und entschieden werden. Mit Anfang 60 fällt das nicht mehr so leicht, wie mit 20 oder 30. Im Alter von etwa 30 Jahren war ich „alleine“ in Australien. Ich hatte meine Schwester in Melbourne besucht habe aber in den 6 Wochen sehr viel alleine unternehmen wie z.B. eine 5-tägige Trekkingtour durch das Outback auf den höchsten Berg Australiens. In dem Alter geht man da unbefangener und sorgloser heran.
Auch aus meiner früheren Zeit vom Klettern kenne ich das. Zu zweit in der Seilschaft fällt alles leichter. Entscheidungen treffen, Überlegungen anstellen, abseilen, Zelt aufstellen, kochen. Solo ist man eben auf sich alleine gestellt. Anlegen, ablegen, Segel setzen und Segel bergen, Fender ausbringen, Leinen vorbereiten und vor allem: Entscheidungen treffen!
Deshalb war es mir wichtig, dass mich die ersten 14 Tage meine Frau begleitet. Sie ist zwar keine Seglerin, aber eine Mitseglerin. Sie kennt unser Boot. Ich wollte keinen Kaltstart. Den abgemilderten Kaltstart werde ich dann haben, wenn sie in Kalmar das Boot verlässt und ich alleine Richtung Stockholm segel. Aber da kenne ich dann zumindest schon etwas das Revier…. Es wird spannend.

Meinem Magen geht es zunehmend unwohl… Noch 4 Wochen bis zum Start. Und die Elektrik steht noch eher mehr am Anfang als am Ende. Das Funkgerät ist eingebaut, das Antennenkabel vom Mastfuß bis zum Gerät gezogen. Stecker nicht montiert.

Solar: Der Anschluss der Module von Achtern zum Solarladeregler ist gezogen. Solarladeregler und 12/24V Konverter in der Achterkajüte montiert. Dann hört es auch schon langsam auf. Ich zähle einmal besser auf, was noch zu tun ist:

  • Anschluss der beiden neuen LiFePo Batterien inkl. zusätzlicher Hauptschalter
  • Anschluss Batterie-Monitor
  • Endgültiger Anschluss der Solar-Module
  • Antennenkabel Durchgang Deck
  • Anschluss/Montage B&G Vulcan 7 (Befestigung und Strom noch unklar)
  • Unterwasserschiff VC Offshore streichen
  • Sprayhood Montage (ist noch beim Hersteller)
  • MMSI im Funkgerät programmieren (würde ich gerne vor dem Start machen)
  • Pinnenpilot (endgültige Montage und Test)
  • Halterungen für beiden festen Solarpanels und Kabel
  • Fockschiene (endgültige Montage)
  • Borddusche (Anschluss erneuern)
  • Markierungen für Ankerkette
  • Verschiedene Einkäufe noch offen (Pumpe für Kajak, Kochplatte, Essgeschirr….)

Vor allem verursacht mir eines zunehmend Magenkrämpfe: Die Angst, irgendetwas vergessen zu haben. Ich habe mir zwar inzwischen Listen gemacht (Mitnehmen Essen, Mitnehmen Allgemein, Boot, Karten/Revierführer, To do/done). Aber irgendwie steigt mit jedem Tag die Angst, auf einer der Listen etwas vergessen zu haben.

Führerschein und Fahrzeug: Vor etwa 10 Wochen habe ich einen neuen Führerschein beantragt. Ich habe noch den grün-grauen „Lappen“ (ja, ich weiß – hätte ich schon längst umtauschen lassen müssen). Dazwischen kam auch mal eine Rechnung. Aber bis heute kein neuer Führerschein. Deutschland…. ohne Worte.
Mietwagen: Auch wenn es scheint, dass über Sixt nun alles gut gebucht ist – immer noch etwas die Angst, dass das Fahrzeug keine 3,5 to ziehen kann.

Vemas: Den Antrag für die Überbreiten-Genehmigung habe ich vorbereitet. Meine Tochter (die sich da auskennt und auf dem Landratsamt im entsprechenden Bereich arbeitet) wirkt entspannt – wird schon klappen. Den endgültigen Antrag kann ich erst stellen, wenn ich die Fahrzeugidentifikationsnummer des Zugfahrzeugs habe. Daher habe ich den Mietwagen schon für den Dienstag vor der Abreise gebucht. Vor Ort können wir das Fahrzeug dann noch für die letzten Einkäufe gebrauchen.

Wird das mit dem Rückflug für meine Frau von Kalmar nach Zürich mit Umstieg in Stockholm klappen?

Dann eine weitere Überraschung: Im Segeln-Forum hatten mir einige Lubmin als Start empfohlen. O.k. Liegeplatz entsprechend gebucht. Mail geschrieben wegen Einwassern (Einkranen). Keine Antwort. Anruf. Lubmin hat keinen Kran (Nebenbemerkung: In meinem Beitrag im segeln-forum hatte ich geschrieben, dass ich von Süddeutschland komme. In meinem Profil steht, dass ich eine Dehler 28 habe). Die Woche davor wäre ein Autokran da. Arrrggghhh….

Antwort am Telefon: „Kröslin oder Greifswald haben eine Kran“. Mail an Marina Kröslin – keine Antwort. Es kostet Nerven…. Dann doch eine Antwort. Kranen am 26. Mai geht klar. Jetzt noch Hotelzimmer für die Nacht von Sonntag auf Montag buchen. Stellplatz für Trailer klären. Liegeplatz für die ersten zwei Nächte hätte ich ja jetzt in Lubmin gebucht. Unter den Umständen wäre Kröslin praktischer. Lubmin stornieren geht – aber gibt es noch einen Platz in Kröslin? Ja, gibt es. Platz für den Trailer ist ebenfalls geklärt. Mast stellen auch geklärt.

26. Mai 2025 – noch vier Wochen….

Ein Club-Kamerad aus dem Segelclub hebt meinen Mast mit dem Gabelstapler vom Boot. Zum Glück geht das in meinem Winterlager alles so relativ unkompliziert (und ohne exorbitante Kosten). Wir montieren zusammen die Halterung für die Ukw-Antenne – er hat eine entsprechende Nietzange und Monel-Nieten. Im Mast finden wir eine Sorgleine zum Durchziehen von Kabeln. Doch es fuchst mal wieder. Immer wieder bleibt das Antennenkabel an einer Stelle hängen. Zum Schluss ziehen wie alles raus, was in dem Kanal läuft, also Kabel vom Toplicht und Fockfall. Endlich bekommen wir alles durchgezogen. 2 1/2 Stunden für ein Kabel…

Ich laminiere dann noch die Holzplatte unter der Backskiste für den Pinnenpilot. Dann geht es an das Buglicht. Umbau auf LED. Auch dies wieder eine Herausforderung. Bohren durch Edelstahl Am Ende geschafft. Das neue Buglicht ist montiert. Fehlt noch die Kabelverbindung – aber das ist eine Kleinigkeit….

In einem letzten Beitrag hatte ich darüber geschrieben, wie ich die Stromversorgung auf der Dehler 28 speziell auch für meinen Törn auf der Ostsee umbauen möchte.

Im wesentlichen geht es darum, eine autarke Versorgung mit Hilfe von Solar und zusätzlichen LiFoPo4 Batterien herzustellen. Ich hatte bereits ein paar Vorbereitungen gemacht wie die Montage des Pinnenpilots, Austausch der Leuchtmittel (Achterlaterne, Dampferlicht) gegen LED, Demontage des Buglicht (wird ausgetauscht gegen LED) und anderes.

Die Vorbereitung

Eine erste Vorbereitung war Strom und Datenkabel für den Pinnenpilot zu verlegen. Der Anschluss bzw. die Position der Dose ist klar – nahe dem Ruder, neben der Motorsteuerung. Aus dem Dehler Forum erfuhr ich, wie hier die Kabel bzw. Stoppzug und Bowdenzug laufen – innen unterhalb des Tanks. Das ging noch recht einfach und gut. Hier kommt man in der Achterkajüte nahe der Bordbatterie raus.

Doch nun ging es an das NMEA2000 Kabel welches nach vorne zur Naviecke musste. Da gibt es zwar ein kleines Leerrohr (Durchmesser ca. 10mm) oben Aussenseite Rumpf, aber da war keine Chance mit dem Kabel geschweige dem Stecker durchzukommen. Überlegen und nachdenken wie einst Wickie…
Da ist noch ein Spalt. Erster Versuch mit Kabeleinzugshilfe – keine Chance. Zweiter Versuch von der Naviecke nach hinten mit Hilfe der Latte des Lazy-Bag. Geht auch nicht weil diese sich nach unten biegt. Dritter Gedanke: Die längste Segellatte – wenn ich die senkrecht führe, fällt sie nicht nach unten und… Yippieh. Hinten angekommen konnte ich das Datenkabel an der Segellatte befestigen und so zur Naviecke ziehen. Manchmal ist Phantasie gefragt.

Jetzt geht’s los

Heute sollte es mit Hilfe meines Club-Kameraden (Elektromeister) an den eigentlichen Umbau bzw. die Erweiterung gehen. Im letzten Post dazu hatte ich ja meinen Plan geteilt. Der Plan berücksichtigte nicht Plus/Minus.

Dann kam die Überraschung: Bei der Dehler 28 ist Minus über den (bzw. die beiden) Hauptschalter getrennt. Erwartet hätten ich/wir, dass Plus über den Hauptschalter getrennt ist. Das hat uns erst einmal irritiert und wir überlegten, wie wir mit den beiden zusätzlichen LiFePo Batterien damit umgehen. Zuletzt blieb eigentlich nur eine Lösung: Ohne jetzt alles komplett umzubauen (aufgrund der Zeit auch nicht möglich) blieb nur die Variante das genau so fortzufahren.

Grundsätzlich kein Problem. Jetzt spuckte mir/uns nur eine Sache in die Suppe. Ich hatte einen Victron BMV 712 Batteriemonitor gekauft. Dieser sollte die beiden LiFePo Batterien noch etwas besser überwachen.

Nun ist es so, dass dazu beide Minus-Kabel der Batterien an den Shunt angeschlossen werden müssen. Damit werden automatisch (da alle Plus-Leitungen auf eine oder mehrere Sammelschienen laufen) die beiden LiFePo Batterien parallel geschaltet. Eigentlich wollte ich die ja getrennt haben.

Der ursprüngliche Plan war: Tag 1 Batterie 1 über Solar laden und Batterie 2 zu verwenden. Tag 2 Batterie 2 laden und Batterie 1 verwenden. Also jeden Tag im Wechsel. Um jetzt nicht zu viele Schalter dafür einzubauen, wurde der Plan aufgegeben. Ich werde die beiden LiFePo Batterien zwangsläufig parallel schalten.
Wie sich das dann mit dem Solarladeregler ausgeht, muss ich unterwegs sehen. Aber auch dafür gibt es inzwischen einen Plan B.

Der neue Plan. Was vielleicht etwas verwirrt: Der Plan mischt Plus und Masse. Abgesichert sind jeweils die Plus-Leitungen. Die Schalter beziehen sich auf die Minus-/Masseleitung

Eine weitere Überraschung war ein Kabel vom Minus der Starter-Batterie zum Minus der 85 Ah Verbraucherbatterie (so genau hatte ich mir die Elektrik auf Miss Sophie noch nicht angesehen). Das bedeutet, dass schon in der Vergangenheit die Verbraucherbatterie über die Lichtmaschine mit geladen wurde. Bisher ging ich davon aus, dass die Lima nur die Starterbatterie lädt und die Verbraucherbatterie nur über Landstrom geladen wird.

Im Segeln-Forum meinten auch einige das meine Lima zu schwach dafür wäre. Offensichtlich doch nicht. Trotzdem werde ich den VSR einbauen. Ich hoffe nur, dass dieser mit Minus funktioniert…

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen….

Next Job: Antennenkabel…

In einem späteren Beitrag werde ich schreiben, wie ich mich auf diesen Törn vorbereite. Zu der Vorbereitung gehört der Einbau eines Funkgerätes. Dazu bedarf es eines Antennenkabels und natürlich einer Decksdurchführung. Hinter der Deckenleuchte laufen die Kabel für das Toplicht und das Dampferlicht.

Also Deckenleuchte abmontiert und versucht, hier ein Antennenkabel Richtung Naviecke durchzuführen. Wer hier Leerrohre erwartet – Fehlanzeige. Die Kabel wurden lose verlegt. Was sich Dehler hier gedacht hat, erschließt sich mir nicht. Nur weil ich Löcher für die neue Fockschiene gebohrt hatte, war es uns überhaupt möglich das Kabel letztendlich irgendwie durch zu würgen. Das mit der Innenschale ist ja eine tolle Sache. Aber wenn man so die Elektrik verlegt, dann hat man beim Nachrüsten oder der Restaurierung echt die Axxxkarte gezogen….

Der Leser glaubt nicht, was ich auf Dehler geflucht habe. 3 Stunden haben wir gebraucht, um ein Antennenkabel vom Mastfuß (innen) zur Naviecke zu führen. Was nur möglich war, aufgrund der Löcher die ich für die Fockschiene gebohrt hatte. Ohne diese Löcher wäre es unmöglich gewesen.

In meinen beiden Beiträgen zum geplanten Ostsee-Törn über mehr als 100 Tage hatte ich schon etwas über den notwendigen Umbau bzw. der Erweiterung meiner Stromversorgung auf der Miss Sophie geschrieben.

Mein Törn geht etwas über 100 Tage. Davon sind zwei Monate „Workation“. Workation bedeutet ich arbeite vom Boot aus. Meine berufliche Tätigkeit als SAP Berater lässt dies zu. Seit Corona gibt es kaum noch Präsenz-Termine. Die meisten Meetings werden über Teams gehalten. Um zu gewährleisten, dass ich vom Boot aus arbeiten kann, musste ich zwei Themen betrachten:

Internet

Aus der Erfahrung meiner bisherigen Reisen in die skandinavischen Länder (Dänemark, Norwegen, Färör Inseln) weiß ich, dass die Versorgung mit mobilem Internet in diesen Ländern wesentlich besser ist als in Deutschland. Aber mein Plan ist, so viel wie möglich in einsamen Buchten zu ankern. Wie dort die Internetverbindung ist – schwer zu sagen. Etwas wider Willen entschied ich mich dann für Starlink. Ja, Elon Musk ist ein Arxxx. Aber was er mit Starlink geschaffen hat, ist einmalig. Mit einer kleinen Schüssel Highspeed-Internet mobil fast weltweit. Kosten: Im Tarif „Reise unbegrenzt“ 70 Euro im Monat. Selbst mit einer günstigen Alternative wie Prepaid von Lidl würde ich wahrscheinlich auf 40 Euro mtl. kommen plus Hafengebühren da in der Ankerbucht kein ausreichender Empfang.

Stromversorgung

Bei meiner Planung unterschied ich zwischen Segeltag und Arbeitstag. Wobei ich in beiden Fällen von einer Ankernacht ausging. Schon als ich die Elektrik der First 235 komplett erneuerte, hatte ich mir einen Rechner in Excel aus einem Forum heruntergeladen. In diesem führte ich meine Stromverbraucher auf: Pinnenpilot, Ankerlicht, Positionsleuchten, Kühlbox, Funk, Laptop, Instrumente, Starlink, Licht im Boot, usw.

Ich holte mir dann Rat im Segeln-Forum. Da sind einige User unterwegs, die diesbezüglich Erfahrung und gute Ideen haben. Eine Überlegung war dabei, die Auf-/Umrüstung so zu planen, dass ich sie nach den zwei Jahren wieder reduzieren kann auf „Bodensee-Niveau“. Und das ohne fünf unnötige Löcher oder Kabel zu hinterlassen.

Oben ist der fertige Plan. Grau hinterlegt ist das, was bereits besteht. Der Plan sieht vor, dass die Stromversorgung für jeden Tag über einen der beiden 100 Ah LiFePo4 Akku erfolgt. Der andere LiFePo4 Akku wird dann mit Hilfe von ingesamt 3 Solarmodulen mit einer gesamten Leistung von 250 Watt geladen. Dazu der Wahl-Schalter, welche LiFoPo gerade über Solar geladen wird. D.h. jeden Morgen schalte ich um zwischen der zu ladenden Batterie und der zu verwendenden Batterie. Die bestehende 85 Ah Bleibatterie, die über Landstrom geladen wird, bleibt als „eiserne“ Reserve. Im Notfall habe ich diese um noch sicher einen Hafen ansteuern zu können. Im Hafen kann ich dann alle Batterien wieder laden. Die 85 Ah Bleibatterie über das vorhandene Ladegerät und die LiFePo Batterien über ein zusätzliches mobiles Ladegerät.

Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass der gewählte Solarladeregler von Victron (MPPT 75/15) nicht ganz der Gesamtleistung der Module entspricht (nominale PV Leistung 12 Volt = 220 Watt). Aber: Ein 100 W Modul wird Steuerbord, ein weiteres 100 W Backbord und ein 50 W Modul achtern angebracht. Schon aufgrund der Anordnung ist klar, dass niemals die 250 W Gesamtleistung erreicht werden können. Ich rechne eher mit 150 bis 200 Watt.

Ein VSR ermöglicht das Laden der 85 Ah Bleibatterie unter Motorfahrt (über die Lichtmaschine). Da ich nur einen 9 PS Volvo Penta und damit keine sonderlich starke Lichtmaschine habe, wird dieser nur manuell zugeschaltet, wenn ich entsprechende Drehzahl habe (Marschfahrt).

Solarmodule

Neben der Leistung der Solarmodule ist die Spannung nicht ganz unwichtig. Die Spannung des Moduls ergibt sich (vereinfacht) aus der Anzahl der Solarzellen auf dem Modul und der Art wie diese geschaltet sind (parallel oder in Reihe). Ich habe mich dann für Solarmodule von Offgridtech mit einer Spannung von 39 Volt entschieden. Die höhere Spannung erlaubt dünnere Kabel. Oder umgekehrt: Je niedriger die Spannung bei gleicher Stromstärke (A) umso höher muss der Kabelquerschnitt sein. Wobei die Stromstärke bei gleicher Leistung mit zunehmender Spannung sinkt.

Nach dem Törn – 2027

Nach dem Törn, 2027, fliegt die Blei-Batterie raus und wird ersetzt durch eine der LiFePo4 Batterien. Der VSR kann bleiben. Die beiden 100 W Solarmodule werden in mein Balkonkraftwerk integriert (Richtung Osten) und steigern damit meine Solarleistung, die bisher nach Süden ausgerichtet ist, am Morgen. Der Batteriemonitor überwacht dann die Starter- und die Versorgungsbatterie. Überflüssig sind dann der Wahlschalter (welche Batterie wird durch Solar geladen) wobei man hier das noch umbauen könnte zwischen Starter- und Versorgerbatterie. Ebenso überflüssig der Wahlschalter welche Versorgerbatterie ist aktiv. Das ist letztendlich das einzige, was am Ende wirklich überflüssig ist.

Aber vielleicht wird das Boot ja dann Richtung Ost- oder Nordsee verkauft. Dann könnte der Käufer die Stromversorgung ohne viel Aufwand wieder so aufbauen, wie ich sie für diesen Törn nütze.

Umsetzung

Viele denken „12 Volt – kein Problem“. Doch 12 Volt können bei entsprechender Stromstärke mindestens genauso gefährlich sein wie 230 Volt. Neben der körperlichen Verletzung ist vor allem der Kabelbrand eine Gefahr. Was die Auslegung von Kabelquerschnitten und Sicherungen und die eigentliche Installation betrifft, hatte ich das Glück, einen Elektromeister aus dem Segelclub zur Hand zu haben. Mit ihm bin ich die Planung mehrfach durchgegangen und zusammen haben wir festgelegt, wo welche Sicherung und wo welcher Kabelquerschnitt zu verwenden ist.

In meinem vorherigen Beitrag hatte ich geschrieben, wie es überhaupt zu dieser Idee kam – Segeln auf der Ostsee – mit dem Traum bis zur gelben Tonne, dem nördlichsten Punkt der Ostsee.

Zuerst machte ich mir Gedanken darüber, wie viel Zeit ich dafür wohl benötige. Wie gesagt, wurde ich durch den Törn der SY Müggele angefixt von dieser Idee. Weitere Youtube-Kanäle und Blog-Beiträge steckten den Zeitrahmen – in drei Monaten sollte das gut zu schaffen sein. Ich setzte mir dann gedanklich noch einen Puffer. Wenn ich das Boot über den Winter südlich von Stockholm lasse und 2026 dann im Rahmen eines Sommerurlaubs zurück an den Bodensee bringe, dann sollte das gut gehen.

Wie jeder Arbeitnehmer habe ich 30 Tage Urlaub. Wie sollte das also gehen? Zeitgleich, als ich davon träumte, las ich den Beitrag einer SAP Beraterin die in einem Beratungsunternehmen tätig ist. „Workation“ war der Begriff. Sie bekam von ihrem Arbeitgeber ein Wohnmobil zur Verfügung gestellt mit dem sie durch Italien reiste und von unterwegs arbeitete.

Also stellte ich den Antrag: 5 Wochen Urlaub, 2 Monate Workation (80%) und dann noch eine Woche Urlaub. Und er wurde genehmigt. Jetzt konnte es mit der eigentlichen Planung los gehen.

Die eigentliche Planung

Zuerst stellte sich die Frage, wo der Törn starten soll. Greifswald war die erste Idee. Doch nach einige Studien des Greifswalder Bodden (durch den sollte die ersten Etappe führen) zeigte sich Lubmin als Startpunkt günstiger. Lubmin, Sassnitz, Bornholm, Karlskrona das sollten die ersten Etappenziele sein. Erstes großes Etappenziel Kalmar.

Auf den ersten 14 Tagen sollte mich meine Frau begleiten. Einfach auch weil ich in ihr viel Vertrauen habe. Wir kennen uns als Team auf dem Boot, sie kennt das Boot und unsere Anlegemanöver auf dem Bodensee sind eingespielt.

Von Kalmar gibt es eine Flugverbindung nach Stockholm und von Stockholm nach Zürich.

Elektrik/Stromversorgung

Ein weiterer wichtiger und großer Punkt war die Elektrik bzw. die Stromversorgung. Der Plan ist, so oft wie möglich zu ankern. In den Schären bieten sich unzählige Buchten dafür an. Da ich zwei Monate reduziert arbeiten muss, musste hier die Stromversorgung entsprechend geplant werden.

Hierzu habe ich mich intensiv im Segeln-Forum mit anderen ausgetauscht. Das Ergebnis war ein Plan der auf der einen Seite eine möglichst sichere Versorgung bietet aber auch nach der Rückkehr 2026 an den Bodensee einen Rückbau bzw. Reduktion auf das hier notwendige vorsieht. Zu dem Umbau gibt es einen separaten Blogbeitrag.

Und so sieht der Plan aus:

Grau unterlegt ist alles was bereits besteht

Funk / SRC

Theoretisch sollte in den skandinavischen Ländern weitgehend Mobilfunk verfügbar sein. Aber: je nach möglicher Strecke wird es möglicherweise kein Netz geben. Zum Beispiel zwischen Sassnitz und Bornholm. Oder zwischen Bornholm und der schwedischen Küste. Wie die Mobilfunk-Abdeckung im Norden Finnlands ist, ist auch schwer einzuschätzen. Da ich die meiste Zeit alleine unterwegs sein werde, die komplette Zeit im Seegebiet A11 unterwegs bin, entschied ich mich für Ukw-Funk für den Notfall. Mittels DSC (Digitalem Selektivruf), angeschlossenem GPS ist im Notfall innerhalb von 2 Minuten meine genaue Position mit Notmeldung übermittelt.

Die Voraussetzung zur Nutzung einer Ukw Seefunkanlage war der Erwerb des Short Range Certificates. Ich lernte mit Hilfe des SRC Tutor von Frey Software und einer Reihe Videos auf Youtube.

Pinnenpilot

Bisher hatte ich keinen Autopilot/Pinnenpilot. Auf dem Bodensee auch nicht so wichtig. Jetzt aber, da ich viel alleine unterwegs sein werde, ist ein Pinnenpilot fast unverzichtbar. Da ich eigentlich alles auf B&G ausgerichtet habe sollte es ein Simrad TP20 werden. Der sollte von der Leistung gut ausreichen.

Seekarten/Revierführer

In manchen Foren liest man heute: „was für Seekarten?“. Viele verlassen sich inzwischen auf Plotter und elektronische Seekarten. Doch in deutschen Hoheitsgewässern kontrolliert die Wasserschutzpolizei durchaus noch ob aktuelle Papier-Seekarten an Bord sind.

Mietwagen

Da unsere Dehler 28s keinen Trailer hatte, hatten wir nach dem Kauf einen Harbeck Straßentrailer dazu gekauft. Die Dehler 28s ist gerade an der Grenze des trailerbaren. Voraussetzung ist ein 3,5 to Straßentrailer (mit Zulassung versteht sich) und das Boot muss ziemlich leer geräumt werden (ggf. sogar Tankinkhalt reduzieren). Und dann kommt das nächste Problem: Man benötigt ein entsprechendes Zugfahrzeug. Und da gibt es nicht viele die 3,5 to ziehen dürfen. VW Touareg, Ford Ranger XL, Toyota Hilux, Land Rover Discovery um ein paar mögliche zu nennen. Die Suche nach einem One-way Mietwagen gestaltetet sich als sehr schwierig. Schließlich wurde ich bei Sixt fündig. Abholung in Überlingen am Bodensee und Rückgabe in Rostock.

Weshalb nicht chartern?

Manch einer stellt sich vielleicht die Frage, weshalb ich nicht einfach ein Segelboot charter. Ich kann es auf zwei Punkte reduzieren:
Kosten – Ein Segelboot dieser Größe kostet in diesem Zeitraum durchschnittlich 600 Euro/Woche im Charter (und das ist eher die untere Grenze). Im ersten Jahr bin ich 15 Wochen unterwegs. Im zweiten Jahr voraussichtlich noch einmal 5 Wochen. Ergibt etwa 12.000 Euro für eine Charter-Yacht.
Scheine – Ich habe keine Scheine (außer dem SRC jetzt). Also keinen Schein, der „offiziell“ anerkannt ist. Ich habe das Bodenseeschifferpatent für Segel und Motor welches die meisten Charterer an der Ostsee wahrscheinlich nicht kennen. Es gibt als „offizielle“ Scheine den SBF See, SKS, SSS und was weiß ich. Das sind die Scheine, die Charterer in der Regel verlangen. Hier stellt vielleicht mancher die Frage: Darf ich das? Ja, ich darf das. Für das Segeln auf dem Meer braucht es keinen Schein. In deutschen Küstengewässern ist ein SBF See ab einer Motorleistung von 15 PS vorgeschrieben. Der Motor der Dehler 28s hat 9 PS. Ist also scheinfrei.

Zu den Kosten: Jetzt mag manch einer gegenüber stellen, welche Kosten ich für die Auf-/Umrüstung des Bootes und den Transfer habe. Reduziert auf das, was ich jetzt nur(!) für diesen Törn mache liege ich bei ca. 7.000 Euro. Einiges nach dem Törn werde ich wieder verkaufen wie z.B. die Seekarten. In Summe rechne ich mit ca. 2.000 Euro. Die zwei 100 W Solarmodule kann ich nach dem Törn gut in mein Balkonkraftwerk integrieren. D.h. netto bleiben etwa 5.000 Euro. Das ist es mir wert.

In den folgenden Wochen trudelten zahlreiche Pakete ein. Meine Frau verdreht inzwischen die Augen wenn wieder an Paket am Kellereingang steht. Aber es geht dem Ende zu… 🙂


  1. Im Global Maritime Distress and Safety System werden die Weltmeere in Seegebiete von A1 bis A4 unterteilt. Im Seegebiet A1 gibt es mindestens eine UKW-Küstenfunkstelle, die ununterbrochen für DSC-Alarmierungen (Kanal 70/156,525 MHz) zur Verfügung steht. ↩︎

Ich segel seit etwas mehr als 20 Jahren auf dem Bodensee. Schön. Angefangen mit einer kleinen Jolle auf der ich mir die Grundkenntnisse selbst beigebracht hatte bis zu unserem aktuellen Boot – einer Dehler 28s.

Mit der First 235 versuchte ich mich auch einmal etwas im Regatta-Segeln. Doch das war nicht mein Ding. Etwa 2008 fragte ein Mitglied im Yacht-Forum nach „Hand gegen Koje“, um eine Amel von Italien nach Griechenland zu überführen. Ich war mit dem Foren-Mitglied ab und an in Kontakt und bekundete Interesse.

So wurde ich Mitglied der 3-köpfigen Crew. In etwa 4 Tagen überführten wir das Schiff nach Griechenland und verbrachten noch weitere 10 Tage im Ionischen Meer. Das hat mir richtig gut gefallen. Diese Weite und vor allem fast jeden Tag Wind zu haben. Nicht diese ständige Flautenschieberei auf dem Bodensee.

Mit der First 235 wollte ich dann einmal rund Rügen. Es war fast alles geplant. Dann, kurz vor dem geplanten Törn erlitt ich Mastbruch auf dem Bodensee. Der Törn fiel aus. In den folgenden Jahren verhinderten private Kapriolen die Gedanken. Wechsel der Beziehungen, Wechsel des Wohnorts, Wechsel des Arbeitgebers, Frage ob und wie es überhaupt mit dem Segeln weitergeht.

2021 dann der Kauf der Dehler 28s. Kurze Zeit später: Eine gute Bekannte (ebenfalls eine Dehler 20s am Bodensee) nimmt mir ihrem an der Silverrudder teil. Eine Regatta rund Fyn (Dänemark).

Meine Abende verbringe ich oft damit, Videos zum Segeln oder Segelbooten (Refit) zu sehen. So kam ich irgendwann auf den Kanal der SY Müggele. Ein Paar, welches mit einer Koopmann 29 (damals) durch die Oststee segelte. 1 Fuß (30 cm) größer als unsere Miss Sophie.

Die Segelvideos hatten mich irgendwie angefixt. Wir hatten zur Miss Sophie kurze Zeit nach dem Kauf einen Harbeck Straßentrailer gekauft. Klar, das Gewicht ist grenzwertig. Das Maximum liegt bei 3,5 Tonnen. Und dann benötigt man einen Überbreiten-Genehmigung da die Dehler 28s 2,8 Meter breit ist. Aber: Grundsätzlich alles machbar.

Ich hatte (habe) noch wenige Jahre bis zur Rente. Aber möchte man warten, bis man 67 Jahre alt ist, um dann festzustellen, dass man sich das nicht mehr traut? So entstand die Idee mit Anfang 60 die Runde zur gelben Tonne, dem nördlichste Punkt der Ostsee zu machen.

Meine Planung in Excel. Grün = Urlaub, Blau = Workation

Ein erster Plan auf dem Kalender wurde entworfen: 5 Wochen Urlaub im Mai (aufgrund der Feiertage mit relativ wenig Urlaubstagen). Dann zwei Monate Workation mit reduzierter Arbeitszeit. Workation bedeutet arbeiten von unterwegs. Als SAP Berater in einem mittelständischen Unternehmen ist das grundsätzlich kein Problem. Meine Arbeit findet schon seit Corona fast ausschließlich online statt. So nahm meine Idee langsam Formen an. Was noch fehlte: Grünes Licht des Arbeitgebers. Nach der Devise „Fragen kostet nichts“ formulierte ich meinen Plan. Und er wurde genehmigt. Damit stand der weiteren Planung nichts im Weg…