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Sonntag, 6. Juli 2025

Heute regnet es nur einmal – von morgens bis abends. Aber das habe ich gewusst. Meine Einkäufe habe ich bereits am Vortag erledigt und da es mit dem Regen auch kalt ist, bleibe ich gemütlich in meinem Daunenschlafsack eingemummelt bis 11 Uhr liegen. Gemütliches Frühstück. Bei dem Wetter habe ich keine Lust von Bord zu gehen.

Regen – ein Tag an dem man keinen Hund vor die Türe jagt

Nachdem jetzt alle Akkus voll geladen sind, richte ich an den LiFePo Batterien alles so, das ich schnell und einfach die Peripherie aktivieren kann. D.h. der 230 V Konverter bleibt angeschlossen und auch das Ladekabel für das Ladegerät der LiFePo Akkus. Dann sortiere ich noch das am Vortag verursachte Chaos etwas und spüle das Geschirr der letzten zwei Tage. Der Akku der starken LED-Taschenlampe wird auch noch gleich geladen.

Am Nachmittag setze ich mich an den Laptop, neben mir das iPad. Überlegungen anstellen, wie ich die nächsten zwei Tage gestalten kann. Das Traumziel, Haparanda, habe ich mit dem heutigen Tag abgeschrieben. Es ist für mich nicht mehr erreichbar. Es wären immer noch etwa 600 gesegelte Seemeilen von hier bis Haparanda. Etwa 650 Seemeilen bin ich jetzt unterwegs. Die Frage ist: Soll ich noch etwas in den Norden oder gleich wieder zurück Richtung Süden. Im Moment kann ich mich nicht entschließen. Ich denke ich entscheide es am nächsten Tag spontan im Laufe des Vormittags.

Achja, inzwischen kann ich den kühlen Temperaturen auch etwas abgewinnen: Schon in Älmsta (als noch mein Bekannter mit an Bord war) bemerkten wir, dass es hier ordentlich Stechmücken haben kann. Das ist hier nicht besser. Trotz der kühlen Temperaturen „verirren“ sich zwei oder drei Stechmücken in das Boot. Das Thema möchte ich mir gerade nicht bei 25 Grad ausdenken.

Kuggören

Montag, 7. Juli 2025

Nachdem ich meine Arbeit vorerst erledigt habe, kann ich gegen 14 Uhr ablegen. Zum nächsten Hafen wäre es zu weit auch aufgrund des schwachen, ungünstigen Windes. Deshalb suchte ich irgendeine Ankerbucht oder SXK-Boje in machbarer Entfernung. Das einzige, was sich anbot, war eine SXK-Boje bei Kuggören. Zuerst ging es wieder raus aus der Bucht von Hudiksvall. Diesmal jedoch unter Segel. Musste zwar ein paar Mal improvisieren, aber letztendlich ging das ganz gut. Es war ein ziemlich wechselnder Wind sowohl in Stärke als auch in Richtung.

Nachdem ich wieder einmal eine Durchfahrt zwischen zwei Inseln hatte, ging es gezwungenermaßen raus auf die offene See. Leider stimmte die Windrichtung nicht so, wie sich das Orca gedacht hatte. Ich segelte erst einmal weiter auf dem ungünstigen Kurs (hoch am Wind). Die Welle nahm mehr und mehr zu. Am Ende waren es etwa 2 Meter. Gleichzeitig lies der Wind nach – nur noch 7 bis 8 Knoten. So machte ich nur noch etwa 3 Knoten Fahrt am Wind. Das machte keinen Sinn. Deshalb holte ich dann letztendlich die Segel herunter, um die letzten 10 sm mit Motor zu machen.

In der Bucht bei Kuggören war die Welle endlich weg. Aber die SXK-Boje war leider bereits belegt. Nach der Karte von Navionics sollte es noch eine Besucher-Boje geben. Aber die gab es nicht. Also blieb zuletzt nur noch die Option den Anker zu werfen. Auf 7 Meter Tiefe brachte ich 20 Meter Kette plus 7 Meter Bleiankerleine aus. Aber der Anker hielt nicht. Ich wollte noch einen Versuch weiter innen machen, da winkte mir eine Schwedin von einem Bootshaus. Ich fuhr zu ihr hin und sie bot mir an, am Bootshaus längs festzumachen. Das Angebot nahm ich gerne an. Sie bot mir auch noch Frischwasser an, erklärte mir wo ihre Toilette ist und meinte ich solle am Haus klopfen wenn ich etwas brauche. Könnte Schweden schöner sein?

Festgemacht am Bootshaus
Hier hat jede/r sein eigenes Toilettenhäuschen
Da liegt Miss Sophie am Bootshaus. Rechts wäre die SXK Boje die belegt ist
Frühgeschichtliches Labyrinth
Keine Ahnung was das für ein Fisch ist – war aber lecker und hat 2 Tage gereicht

Von der freundlichen Bewohnerin erfahre ich, dass hier noch acht Menschen leben. Die restlichen Häuser sind alles Ferienhäuser. Ich machte noch einen Spaziergang in das Dorf. Dort sollte es frischen und geräucherten Fisch zu kaufen geben. Und auch wenn es schon spät ist (gegen 21 Uhr), bekomme ich noch einen geräucherten Fisch der gleich zu meinem Abendessen wird.

Stocka

Dienstag, 8. Juli 2025

Heute habe ich ein paar geschäftliche Termine am Nachmittag weshalb ich gleich am Morgen los mache. Ich durfte ja nur eine Nacht am Bootshaus bleiben. Sonst wäre ich vielleicht noch geblieben, um noch etwas die Gegend anzuschauen. Die SXK Boje war natürlich immer noch belegt.

Aber da auch wieder einmal eine Dusche gut wäre, habe ich mir einen Hafen ausgesucht. Nur 13 Seemeilen – das sollte flott zu schaffen sein, dachte ich. Doch raus aus der Bucht, wie soll es anders sein, kam der Wind mal wieder direkt auf die Nase und damit anders, als es Orca berechnet hatte. Ich wollte nichts unversucht lassen und zog einmal die Segel hoch. doch bei 6 bis 7 Knoten Wind und der Welle machte ich gerade mal 2,5 Knoten Fahrt. Das würde nicht reichen, um rechtzeitig für die Arbeit online zu sein. Deshalb wurden die Segel geborgen und unter Maschine die kurze Strecke zurückgelegt.

3h 20 min für 13 Seemeilen sind noch o.k. Aber normal, ohne diese Welle, macht Miss Sophie 5 Knoten. Nebenbei: Auch die großen sind bei diesen Bedingungen ohne Segel unterwegs. Es ist oft eher so, dass ich unter Segel bin, während mir ein Segler in Maschinenfahrt begegnet.

Anlegen war mal wieder mit Heckboje. Für mich (einhand) immer noch eine aufregende Aufgabe. Beim ersten Versuch hat es mir den Bug verrissen, als der Festmacher von der Boje dicht kam und ich den Vorwärtsgang im Standgas drin hatte. Beim zweiten Versuch stand ein Helfer am Steg und ich gab die Heckleine kontrolliert nach und Vorwärtsschub nur soweit als notwendig. So geht es wesentlich besser.

Überrascht war ich von der Hafengebühr – 130 SEK (weniger als 12 Euro) das ist bisher mit Abstand der günstigste Hafen. Und die Sanitäranlagen sind sehr ordentlich. Statt Papierhandtücher gibt es kleine Frottee-Handtücher auf den Toiletten, die jeden Tag frisch aufgefüllt werden. Vielleicht liegt es auch daran, dass angrenzend bzw. dazugehörend ein Stellplatz für Wohnmobile ist.

Mein Winterplatz in Gävle ist jetzt so gut wie in trockenen Tüchern. Darüber bin ich ganz froh. Im anderen Fall (Nävekvarn) müsste ich jetzt schauen das ich zurück komme. Denn von hier sind es etwa 300 sm bis Nävekvarn. Also 10 bis 15 Segeltage. Und so kann ich mir die Aland Inseln bequem für nächstes Jahr aufheben.

Ich denke diese Überlegungen stellen viele deutsche Segler an, die für den Winter meist zurück in die Heimat müssen. Denn seit einigen Tagen sehe so gut wie keine deutschen Segler mehr. Überhaupt wenig ausländische Segler. Wenn, dann sind es oft Finnen. Ist ja naheliegend.

Den lauen Abend habe ich dann noch genützt, nach dem Deckslüfter zu schauen. Wenn eine Welle über das Boot kommt oder es stark regnet, tropft es auf den Tisch. Aufgeschraubt und erst einmal sauber gemacht. Die mehr als 30 Jahre alten Dichtungen sind vollkommen hinüber. Mit Gafa-Tape (ich liebe es) versuche ich das so zu präparieren, dass in Zukunft kein Wasser hinein schwappt. Sollte das nicht funktionieren, wird das Ding komplett zu geklebt. Funktioniert sowieso nicht mehr. Eine andere Baustelle habe ich noch an einem Decksdurchlass für das Toplicht. Auch der ist nicht dicht.

Mit wenig Wind geht es weiter

Mittwoch, 9. Juli 2025

Das ist mir jetzt schon lange nicht mehr passiert – ich habe verschlafen. Ich glaube ich hatte vergessen den Wecker zu stellen. Es ist aber auch so schwer, hier ein Gefühl für die Uhrzeit zu bekommen. Um 6 Uhr morgens strahlt hier schon die Sonne ins Boot. Ich drehe mich noch einmal um und gegen 9 Uhr wache ich erschrocken auf. Das gibt wenig Arbeitsstunden heute. Gegen 13.30 Uhr gehe ich noch zum Lunch. Lunch ist eine günstige Gelegenheit zu essen. Wie die Mittagskarte in Deutschland. Wobei es hier meistens Lunch zwischen 11 und 15 Uhr gibt. Manchmal sogar bis 16 Uhr.

Tschüss Stocka

Der Wind soll heute schwach sein und ich möchte auch keinen langen Schlag machen. Nachdem ich Haparanda gestrichen habe, nehme ich einfach mit was kommt. Inzwischen habe ich eine Online-Karte des SXK mit allen Bojen und auch Naturhäfen gefunden. Teilweise sogar verlinkt zu weiteren Informationen. Dort fand ich den Naturhafen Lill-Lubban. Dieser wurde vom SXK angelegt, steht aber allen offen. Es gibt einen Grillplatz, eine Trockentoilette und eine Sauna (mit Holz betrieben). Da die Batterien wieder voll geladen waren, ein ideales Ziel.

So glatt wie heute hatte ich die Ostsee bisher nicht gesehen. Es ist fast wie auf dem Bodensee. So läuft es trotz schwachem Wind (etwa 8 Knoten) ganz gut mit 3 bis 4 Knoten Fahrt auf raumen und manchmal auf halben Wind.

Doch zunehmend kommt der Wind mehr von Süden und damit mal wieder direkt von hinten. Außerdem lässt er stark nach. Ich möchte nicht zu spät ankommen und werfe den Motor an. Nach einiger Zeit nimmt der Wind wieder etwas zu. Auch wenn er jetzt direkt von hinten kommt, denke ich hier ganz gut einen Schmetterling segeln zu können. Einen Spinnaker habe ich nicht dabei. Zur Sicherheit setze ich diesmal einen Bullenstander. Das ist eine Sicherung des Großbaums, um eine Patenthalse zu vermeiden. Das geht eine ganze Zeit ganz gut. Doch dann nimmt der Wind wieder ab und der Motor muss doch wieder einspringen.

Die Einfahrt in die Bucht – kaum zu erkennen

Die Einfahrt geht etwas im Zick-Zack. Aber dank Orca und Navionics auf dem Plotter gut zu bewältigen. Am Steg, der etwa Platz für 10 Boote bietet, ist noch eine Heckboje frei. Hier ist es windstill und ich kann die Boje gemütlich ansteuern. Aber auch hier wieder kommt eine helfende Hand und fängt meinen Bug auf. An der Grillstelle brennt schon ein Feuer und ich kann mein Grillfleisch direkt auflegen. Dazu noch schnell einen Tomatensalat mit Feta-Käse gemacht. Der Tag könnte kaum schöner sein.

Abendessen mit Aussicht

Zum Tynderökanalen mit Zwischenstopp

Donnerstag, 10. Juli 2025

Ich möchte Härnösand erreichen. Das sind zwar „nur“ 35 bis 40 sm auf relativ direktem Weg aber wir haben wie so oft? Richtig: Nordwind. Bzw. jetzt eigentlich kaum Wind. Die Ostsee ist fast spiegelglatt. So habe ich sie in den vergangenen Wochen nicht gesehen. Also plane ich viel Zeit unter Motor ein und einen Zwischenstopp. Ich schaue im Hamnguiden und auch auf der Karte des SXK. Wobei ich jetzt gerne wieder einen Hafen mit Strom anlaufen würde. Im Hamnguiden finde ich den Tynderökanalen etwa auf halbem Weg. Etwa auf 1/3 des Weges liegt Lörudden. Dort empfiehlt der Hamnguiden das Restaurant Sillmans welches im White Guide (einem schwedischen Restaurantführer) aufgeführt ist. Ich schaue auf der Internetseite, ob sie auch Lunch anbieten (Mittagsmenü in Deutschland). Eine reduzierte Auswahl zu einem günstigeren Preis. Und ja, das bieten sie an von 11 bis 16 Uhr. Na, das sollte doch passen.

Nachdem ich um 13 Uhr meine Arbeit vorerst beendet habe, geht es wieder vorsichtig hinaus im Zick-Zack um die Steine herum aus dem Naturhafen. Wie angekündigt hat es kaum Wind und der wenige Wind kommt aus Nord. Also geht es unter Maschine weiter Richtung Norden. Auch die Einfahrt in den kleinen Hafen von Lörudden ist steinig und es muss genau navigiert werden. In Stocka habe ich einen Schweizer beim Aufrumsen auf einen Stein beobachtet – sein Schiff hat einen schönen Sprung gemacht. Ich wäre damit in den nächsten Hafen gefahren…. (Habe ihn am nächsten Tag vor Anker wieder gesehen – mutig).

Direkt vor dem Restaurant kann ich einparken. Eng, aber es passt. Ich entscheide mich für das 2-Gänge Fischmenü. Lachstartar auf Smörebröd und einen anderen Meeresfisch auf jungen Kartoffeln mit einer Hummersauce. Etwa 25 Euro. Das ist teurer als das, was sonst als Mittagsmenü angeboten wird aber angesichts der Qualität, des Namens und der Lage ein Schnäppchen. Es wird mir sogar angeboten, mit meinem Boot hier über die Nacht liegen zu bleiben. Er würde mit dem Fischer reden. Aber dann wäre der Weg nach Härnösand wieder weit und auch für die nächsten Tage ist Nordwind angesagt.

Lörudden – direkt vor dem Restaurant liegt Miss Sophie
Ein malerisches Dörfchen dieses Lörudden

Also Leinen los und weiter. Zuerst wieder unter Motor aber dann sehe ich, dass ein Am-Wind Kurs gut möglich sein sollte und die Segel werden gesetzt. Ich segle auf Backbord-Bug und zwei entgegenkommende Yachten müssen mir etwas ausweichen. Sie sind schon wieder auf dem Weg Richtung Süden. Eine deutsche und eine niederländische Yacht. Beide mit einem schönen Gennaker auf raumschot Kurs. Ich beneide sie.

Aber auch bei mir läuft es ganz gut. Knapp 8 Knoten Wind bringen 4 bis 5 Knoten Fahrt am Wind. Doch leider verlässt mich dieser auf halber Strecke. Die Ostsee wird noch glatter. Also wieder Maschine an – ich möchte ja noch ankommen. Nach etwa einer Stunde erreiche ich den Tynderökanalen. Es wird eng. Richtig eng. Kurz vor der Einfahrt in die enge Stelle signalisiert mir eine Gruppe junger Männer vom Ufer, dass ich hier nicht weiterfahren soll. Ich stoppe und fahre etwas heran. Ich sage ihnen meinen Tiefgang von 1,40 Meter und sie signalisieren mir, zwischen den Flaggen zu fahren die etwa 5 Meter auseinander sind.

Im Standgas fahre ich hinein und beobachte das Lot. Im Notfall haue ich den Rückwärtsgang rein und überlege mir Plan B (dazu weiter unten). Aber es sieht gut aus. Im engen Kanal habe ich etwa 2,2 Meter. Reicht. Dann mache ich längsseits fest – 1,50 Meter. Reicht doch. Klar, bei felsigem Untergrund und vielleicht zu erwartenden Wellen würde ich so etwas nicht machen. Aber hier ist das kein Risiko da es ein weicher Untergrund ist.

Im Kanal. Hier ist es noch nicht eng

Anmerkung zum Plan B

Ich habe gelernt, nach Möglichkeit immer ein oder besser zwei Alternativen zu haben. Der Plan geht nicht immer auf (z.B. Kuggören wo Ankern der Plan B gewesen wäre). Ich hatte mir für heute in der Nähe mögliche Ankerbuchten oder SXK Bojen ausgesucht. Kurz vor dem Kanal hat es eine Ankerboje des SXK. Die war natürlich belegt. Doch laut Navionics sollte es noch eine zweite „Visitors“ Boje geben. Ich habe sie nicht gesehen. Das war wie in Kuggören.

Lessons learned

Verlasse dich weder auf elektronische Seekarten wie Navionics noch auf Revierführer. Sie stimmen vielleicht zu 98%. Aber nicht zu 100%.

Zum Hamnguiden: Er gibt hier 1,80 Meter am Liegeplatz an. Ein Träumchen. Ich habe gerade noch 10 cm Wasser unter dem Kiel (mein Tiefgang 1,40 Meter). Ich bin das einzige Segelboot am Platz. Laut dem Hamnguiden soll es hier Strom geben – gibt es nicht.

Kommt man von Osten ist der Tynderökanalen ist es hier für Segelboote fertig

Neuer Tag, neue Probleme…

Freitag, 11. Juli 2025

Ich freue mich auf das Wochenende. Die Wetteraussichten sind gut. Dass es wie immer Nordwind gibt und geben soll, stört mich nicht mehr. Dann schaue ich eben, was ich hoch am Wind erreiche oder nicht. Ich habe kein festes Ziel mehr. Ich möchte einfach nur noch mitnehmen was geht. Im Naturhafen Lill-Lubban hatte ich mich mit einer deutschen Seglerin unterhalten die von der Höga Kusten schwärmte.

Da ich auch dringend mal wieder einkaufen sollte (Joghurt leer, Brot leer, Getränke werden knapp, Bier leer,….) sehe ich Härnösand als erreichbares Ziel. Laut der Routenberechnung von Orca gut 20 sm. Nach getaner Arbeit, allen Vorbereitungen zum Ablegen, möchte ich den Motor starten. „Klack“. Nichts. Noch einmal versucht. Jetzt nicht einmal mehr ein „Klack“. In der Rumpelkammer freigeräumt, um die Batteriespannung messen zu können. 12,5 Volt. Das sollte eigentlich ausreichend sein. Blick in den Motorraum und ein erster Schock. Eine der beiden Befestigungsschrauben der Lima ist abgerissen – die am Motorblock. Das Reststück bekomme ich heraus gedreht. Anruf bei meinem Remote-Support in Deutschland in Sachen Motor.

Erste Klärung: Kann der Motor auch ohne Lima laufen? Ja, kann er. Beantwortung der Frage nach den Geräuschen. Seine Vermutung: Der Anlasser. Ich soll dem Anlasser mal ein paar leichte Hammerschläge geben (nachdem ich die Lima ausgebaut habe). Also zuerst mal Batterie abklemmen, Lima ausbauen, alle Kabel isolieren und beschriften. Dann ein paar leichte Hammerschläge – neuer Versuch. Der Motor springt an.

Rücksprache mit meinem Remote-Support. Fazit: Anlasser ist wohl hinüber und ich brauche einen neuen. Und zwar bald. Dazu kommt noch die abgerissene Schraube an der Lima für die ich Ersatz brauche. Ich könnte heulen. Samstag / Sonntag stehen an. Das sind die Tage, an denen ich während meines Workation den ganzen Tag segeln könnte. Samstag und Sonntag werde ich auch in Härnösand nichts erreichen.

Raus aus dem Kanal und froh, wieder etwas Wasser unter dem Kiel zu haben

Aber jetzt muss ich hier erst einmal weg. Denn hier, im Tynderökanalen, bin ich in der Pampa. Weit weg von einer größeren Stadt. Ich muss es nach Härnösand schaffen. Richtung Süden ist auch keine größere Stadt in Sicht. Wie gesagt – mal wieder Nordwind. Der optimistischen Routenberechnung von Orca kann ich nicht gerecht werden. Aber was soll’s. Also segle ich hoch am Wind weit hinaus auf die offene Ostsee. Mit etwas Welle ist es ein nasses Segeln aber dank Sprayhood bleibe ich im Trockenen. Und die Geschwindigkeit passt. Zuerst bei 10 Knoten mit gut 5 Knoten hoch am Wind. Später mit etwas zunehmenden Wind erreiche ich 6 Knoten. Ich habe eben die Wende Richtung Härnösand gemacht, als ein Frachter auf dem Plotter erscheint. Ziemlich genau auf meinem Kurs. Ich schaue mir das noch eine Weile an und hoffe zu sehen, dass er eindeutig vor mir durchgeht. Er ist mit etwa 15 Knoten unterwegs. Doch auch nach längerer Beobachtung ist mir das zu vage. Also mache ich gezwungenermaßen noch eine Wende. Ich hätte zwar Vorfahrt da ich unter Segel bin und wir sind auf offener See, kein Verkehrstrennungsgebiet. Doch ich möchte es nicht darauf ankommen lassen. Schließlich empfange ich nur AIS, sende aber kein AIS. Wer weiß, ob ich auf der Brücke gesehen werde.

Der optimistischen Routenberechnung von Orca kann ich nicht ganz folgen
Segeln hoch am Wind
Die Aktion am Morgen hat etwas Chaos hinterlassen. Alles zu seiner Zeit…

Nach der Wende kann ich den Kurs wieder auf Härnösand anlegen. Der Wind hat inzwischen auf 15 Knoten zugelegt und die Welle auf etwa 0,5 Meter.

Härnösand liegt zur Hälfte auf dem Festland und zur Hälfte auf einer Insel. Es gibt drei oder vier Häfen für Sportboote. Eigentlich wollte ich, in Hinblick auf meinen Weiterweg, den nördlichen Hafen Norra Sundet anlaufen. Doch 2025/2026 wird die Klapp-Brücke am Norra Sundet neu gebaut. Daher wurde der Sportboothafen provisorisch verlegt, hat nur noch wenige Liegeplätze und keinen Strom. Also bleibt nur der südliche Hafen Södra Sundet. Und wegen der Bauarbeiten komme ich auch nicht durch die Stadt Richtung Norden sondern muss auf meinem Weiterweg zuerst wieder zurück, um um die Insel zu kommen. Aber das ist jetzt erst einmal nicht mein Problem.

Vor der Einfahrt in den Sund hatten Wind und Welle zugenommen. Der Wind bläst aus NNO. Deshalb versuche ich so hoch wie möglich zu segeln damit ich möglichst in die östliche Landabdeckung komme. Meine Hoffnung und Erwartung ist, dass Wind und Welle aufgrund der Landabdeckung abnehmen. Der Plan geht relativ gut auf. Ich überlege zuerst noch mit Fock und Großsegel in den Sund hinein zu segeln. Doch der Wind ist auch hier noch so stark, dass ich entschließe die Fock zu bergen und nur mit dem Großsegel zu segeln. Das geht mit der Dehler 28s relativ gut. Außerdem kann ich im Notfall das Großsegel recht schnell bergen. Boot in den Wind und runter.

Einfahrt in den Sund – ilustre Häuser

So schippere ich mit etwa 3,5 Knoten in den Sund. Anfangs steuert noch Johann – mein Pinnenpilot. Aber zunehmend dreht der Wind immer wieder und damit übernehme ich das Ruder. So schaffe ich zumindest einen Teil des Sund unter Segel. Doch schließlich muss ich meine Ambitionen aufgeben. Der Windeinfallswinkel wird zu steil und es wird zunehmend enger, um hier noch zu kreuzen. So wird das letzte Stück unter Motor bewältigt.

Härnösand in Sicht
Festgemacht in Härnösand. Der Gästesteg ist ziemlich leer

Achja, den Motor hatte ich sicherheitshalber schon draußen gestartet, nachdem ich die Fock geborgen hatte. das war mir dann doch zu heiß, es im Sund darauf ankommen zu lassen. So lief er eine Zeit im Leerlauf mit.

Angekommen in Härnösand

An den Gästestegen liegt nur eine einzige Segelyacht – aus Finnland. Alle anderen Plätze sind frei. Also suche ich mir aufgrund der Windrichtung den für mich günstigen Platz aus. Hier hat es wieder die Y-Ausleger. Darüber bin ich ganz froh, denn ich habe für den heutigen Tag genug Stress gehabt. Nach 6 Stunden und 23 Seemeilen bin ich fest am Steg und auch etwas k.o. Aber es war ein toller Segeltag. Alles hoch am Wind, etwas nass aber mit schönem Speed. Ich bin zufrieden. Drei Begegnungen: 2 Yachten auf dem Weg Richtung Süden und der Frachter.

Morgen werde ich erst einmal einkaufen und dann mir einen Plan machen bezüglich des Anlassers und der abgerissenen Schraube an der Lima. Handelsgeschäfte haben in Schweden Samstag und Sonntag geöffnet. Aber Werften und ähnliches sind Samstag / Sonntag wie bei uns geschlossen. D.h. da werde ich am Wochenende nichts erreichen, außer das ich Adressen und Telefonnummern recherchieren kann.

Einerseits ärgert mich das sehr, da eben das Wochenende der Zeitraum wäre, an dem ich ohne Rücksicht auf Arbeit und Meetings segeln könnte. Andererseits: Ich bin jetzt so weit gekommen. Ich habe jetzt etwas die Hälfte des Bottnischen Meerbusens besegelt – etwa 750 Seemeilen. Das sind fast 1.400 Kilometer. Ich bin schon dabei, langsam einen Blick zurück zu werfen. Wenn ich an all die Erlebnisse denke, welche Schwierigkeiten ich gemeistert habe und das als Anfänger auf der Ostsee, da blicke ich jetzt entspannt nach vorne.

In plus/minus 10 Tagen habe ich meinen Umkehrpunkt erreicht. Dann muss ich Kurs Richtung Süden nehmen, damit ich mein Winterlager in Gävle erreiche (das jetzt sicher und alles geklärt ist). Und sollte mein Umkehrpunkt mein heutiger Liegeplatz sein, ist das auch o.k.

Es geht auf jeden Fall weiter. Das Boot schwimmt noch und noch mehr, es segelt hervorragend. Das neue Problem mit dem Motor werde ich sicher auch gelöst bekommen. Wäre doch gelacht…

Fortsetzung folgt….

Nur ein kleiner Schlag…

Sonntag, 29. Juni 2025

Noch liege ich im Gästhamn von Gävle und ich sollte jetzt nach Huseliiharen da voraussichtlich am Dienstag dort die Lichtmaschine eintreffen sollte. Selbst in dem Hafen, der praktisch in der Stadt liegt, hat es 10 – 15 Knoten Wind mit Böen um 20 Knoten. Da ich in Huseliiharen an einer Heckboje anlegen muss, nicht weiß wie die Situation dort ist, studiere ich mehrfach über den Tag Windfinder und Windy. Gegen 17 Uhr soll der Wind etwas nachlassen bevor er dann in der Nacht wieder zunimmt. Für den nächsten Tag sieht es nicht besser aus. Gegen 17 Uhr lässt der Wind tatsächlich etwas nach. Es hilft nichts – ich muss dort rüber. Nur ein kurzer Schlag von 5 sm die ich unter Motor mache. Also ca. 1 Stunde.

In einer Windpause werfe ich die Leinen los und lege ab. Was ich nicht beachtet hatte, das waren dunkle Regenwolken im Westen. Der Wind kommt aus Südwest. Keine 10 Minuten später spüre ich die ersten Regentropfen und dann geht das „Inferno“ auch gleich los. Der Wind legt zu auf 20 Knoten und es hat Böen bis 30 Knoten. Auch ohne Segel legt sich Miss Sophie auf die Seite. Dazu schüttet es in Strömen. Und das im engen Fahrwasser.

Ein Stück weiter draußen kann ich das Fahrwasser verlassen und den Pinnenpilot verwenden. Zeit genug, um die nassen Klamoten gegen Ölzeug zu tauschen. Kurz vor Huseliiharen ist der Spuk vorbei. Der Wind hat wieder nachgelassen. Die Bojenplätze liegen windgeschützt und ein Finne, der wohl auch eben angelegt hat, nimmt mir freundlicherweise die Bugleinen während ich die Heckboje belegen kann.

Lessons learned

Bevor du ablegst, auch wenn es nur ein kurzer Schlag ist, studiere den Himmel in alle Richtungen und außer den Windvorhersagen auch den Wetterbericht und ggf. auch den Regenradar.

Angekommen in Huseliiharen

Der Gefle Segel Sällskap ist der älteste Segelclub Schwedens – gegründet 1880. Ich hatte hier einen elitären Hafen mit Clubhaus erwartet. Ein Clubhaus gibt es wohl, das ist aber geschlossen. Auch sonst ist niemand zu sehen. Was ebenfalls überrascht: Es liegen einige Motorboote im Hafen. Das wäre bei unserem Segelclub am Bodensee undenkbar. Das Restaurant hat eine gehobene Karte und gehobene Preise. Aber es gibt wohl Lunch um die Mittagszeit. Das werde ich gleich am nächsten Tag testen. Ich buche jedenfalls den Liegeplatz für 2 Tage über Dockspot.

Die sanitären Anlagen sind sehr einfach – zwei einfache Toiletten, zwei Duschen, eine Waschmaschine.

Gästehafen Huseliiharen

Ich brauche einen Plan…

Mehr und mehr muss ich mir Gedanken machen, wie es weitergehen soll. Mein Urlaub ist am Montag zu Ende. Für Juli und August habe ich einen geänderten Arbeitsvertrag – Workation. Ich muss 6 Stunden täglich arbeiten. Das kann ich vom Boot aus, da bei meiner Tätigkeit die meisten Meetings über Teams stattfinden. Dafür hatte ich Starlink angeschafft. Im Nachhinein denke ich, ich hätte besser auf 50% reduziert. Aber nun ist es so.

Auch wenn die Tage gerade noch lang sind (Sonnenuntergang 22:25 Uhr), bedeutet das eine sehr reduzierte Zeit segeln zu können. Außerdem werden die Tage jetzt kürzer. Mein Traum war die Gelbe Tonne bei Haparanda. Ich hatte dafür extra noch einen Club-Stander mitgenommen, um diesen dort zu lassen. Doch der Traum löst sich mehr und mehr in Luft auf. Das Problem mit der Lichtmaschine hat mich noch einmal um Tage zurück geworfen.

Mein zweites Problem: Das Winterlager. Das Boot soll über den Winter in Schweden bleiben. Ohne diese Option wäre es überhaupt nicht realistisch gewesen, die Gelbe Tonne zu erreichen. Ich habe ein Winterlager sicher in Nävekvarn. Das ist etwa 75 sm südlich von Stockholm. Also etwa 3 Segeltage. Ich bin jetzt etwa 3 Segeltage nördlich von Stockholm. Hätte ich ein Winterlager nördlich von Stockholm, würde mir das etwa 6 Segeltage sparen. Doch bis jetzt ist jede Suche erfolglos.

ChatGPT hilft mir, das überhaupt einzuschätzen. Von hier sind es noch etwa 600 – 700 gesegelte Seemeilen bis Haparanda (Luftlinie 350 sm). Ich müsste mit 15 bis 20 Segeltagen rechnen. Wenn man bedenkt, dass ich in 4 Wochen (wetterbedingt) gerade einmal 18 Segeltage hingebracht habe, ist das eine ganz knappe Nummer.

Die Alternative

Die Alternative ist jetzt, oder spätestens in einer Woche, umzukehren und sich Richtung Nävekvarn zu orientieren. Wenn ich dann sehe, dass ich noch gut Zeit habe, könnte ich den Sprung hinüber zu den Åland Inseln machen. Und mit etwas Glück könnte ich von den Åland Inseln das Turku Archipel erreichen und somit noch die finnische Gastland Flagge hochziehen.

Die Entscheidung

Ich schaue auf meine Excel-Tabelle – bisher habe ich auf dieser Reise 590 sm geschafft. Wenn ich hoch scrolle und sehe, dass es noch 600 bis 700 sm bis Haparanda sind, dann ist das Ziel mit dem Rückweg bis Nävekvarn nicht in der Zeit zu schaffen, die mir noch zur Verfügung steht. Einzige Hoffnung ist noch einen Winterliegeplatz nördlich von Stockholm zu finden. Ich schiebe die Entscheidung noch auf.

Der bisher schönste Segeltag (und mein erster Arbeitstag)

Dienstag, 1. Juli 2025

Der 1. Juli ist nach fünf Wochen Urlaub mein erster Arbeitstag unter besonderen Bedingungen. „Workation“ ist der neudeutsche Begriff. Ich muss 6 Stunden täglich arbeiten. Ich bin im Hafen des Segelclubs bei schönstem Wetter. Am liebsten würde ich los segeln. Aber ich warte ja auch noch auf die Lichtmaschine, die heute kommen sollte. Am Morgen rufe ich gleich den Sendungsstatus ab. Sendung wurde für die Zustellung eingeladen. Ich habe eine Notiz für Nord Paket vorbereitet die ich am Restaurant befestige.

Ich beginne meine Mails abzuarbeiten und hole mir einen Status von meinen Arbeitskollegen. Ab 11 Uhr ist das Restaurant geöffnet. Der Paketbote war wohl noch nicht da. Ich informiere noch einmal die Damen im Restaurant. Um 13 Uhr gehe ich dort zum Essen – immer noch kein Paket. Meine Arbeit habe ich vorerst beendet und ich warte. Um 14.30 Uhr kommt endlich der Paketbote und bringt das lang ersehnte Paket. Donnerstag soll das Wetter sehr schlecht sein – da plane ich den Wechsel der Lichtmaschine.

Aber jetzt erst einmal Leinen los. Ich habe mir am Vorabend drei Optionen herausgesucht und markiert. Ziel ist erst einmal die entfernteste – eine Boje des SXK zwischen den Inseln Gäsholmen und Synskär. Zuerst fahre ich noch unter Motor im Fahrwasser. Dann setze ich zuerst die Fock. Der Wind kommt raumschots und da es in Böen 15 Knoten hat, möchte ich erst einmal sehen wie die Bedingungen sind. Mit etwa 4 Knoten läuft es nicht schlecht aber ich denke das Großsegel setzen zu können. Also Fock erst einmal geborgen und Großsegel gesetzt. Jetzt läuft es schon etwas schneller. Wie fast immer bleibt das Großsegel im ersten Reff. Es hat praktisch keine Welle. Sonnenschein und etwa 25 Grad Lufttemperatur. Die Windrichtung ist ideal. Der scheinbare Wind kommt aus 70 bis 90 Grad. Also wird die Fock noch dazu ausgerollt und die Fahrt kann beginnen. Mit gut 5 bis 6 Knoten rauscht Miss Sophie dahin und gegen 19 Uhr sollte das Ziel erreicht sein. Die meiste Zeit steuert Johann, mein Pinnenpilot, und ich kann mich um den Segeltrimm kümmern. Nur an zwei Engstellen übernehme ich kurz das Ruder.

Dann kommt die Einfahrt zwischen den beiden Inseln. Zahlreiche Steine liegen hier unter Wasser. Unter Motor, ganz langsam, taste ich mich hinein. Landmarken helfen bei der Navigation. Aber ohne Navionics und Orca wollte ich das nicht machen. Die SXK Boje ist frei. Doch welche Überraschung – das hatte ich nicht mehr in Erinnerung – es gibt hier noch einen kleinen Steg. An der einen Seite liegt bereits eine schwedische Segelyacht. Ich hatte eigentlich schon alles zum Einfangen der Boje vorbereitet. Die Frau des Skippers kommt an das Stegende. Ich frage, ob ich daneben anliegen kann. Sie fragt nach meinem Tiefgang. Kein Problem. Also neue Vorbereitung für Leinen zum seitlich anlegen. Der Wind kommt genau von hinten und beim Anfahren muss ich immer wieder kräftig rückwärts Schub geben. Doch beide, also der Skipper und seine Frau, stehen am Steg, um mich aufzufangen. Ich liebe Schweden!

Um das Leuchtfeuer geht es herum und dann zwischen die beiden Inseln

Könnte es einen schöneren Platz geben? Das habe ich schon bei meiner ersten Ankerbucht gefragt. Und auch Ilö war wunderschön. Doch das hier übertrifft alles bisherige. Ich habe einen kurzen Schwatz mit der Frau, erzähle woher ich komme usw. Sie sagt mir, dass ihr Mann gerade an der Grillstelle den Grill angeworfen hat und falls ich etwas habe, kann ich es auf den Grill legen. Da habe ich doch noch eine tolle italienische Wurst in der Kühlbox die gleich auf der Feuerstelle landet. Dazu noch schnell einen Tomatensalat gemacht und ein kühles Bier aus der Bilge geholt. Könnte es schöner sein?

Nur zur Info: das kleine Boot ist Miss Sophie
Feuerstelle
Toilettenhäuschen

Regentag und eine erfreuliche Perspektive

Mittwoch, 2. Juli 2025

Den heutigen Regentag hatte ich eingeplant und wollte am Nachmittag die Lichtmaschine wechseln. Das hat auch ganz gut geklappt. Im Moment habe ich noch ein Kabel übrig bei dem ich nicht sicher bin, wo ich es anschließen muss. Ich habe eine Vermutung aber warte noch auf Antwort von Motor-Spezi (von denen kam die Lichtmaschine).

Morgen werde ich auch hier bleiben. Für den Nachmittag / Abend ist draußen Sturm (30 – 40 Knoten Wind) vorhergesagt. DWD und FMI (Finnisches Meteorologisches Institut) sagen Orkanböen und See bis 4 Meter. Hier am Steg bin ich recht sicher und die Bucht scheint einigermaßen geschützt. Ggf. muss ich noch ein paar Fender ausbringen. Freitagmittag sollte sich alles beruhigt haben. Nur die Welle macht mir etwas Sorgen. Wenn es so stürmt, steht da am nächsten Tag sicher noch eine ordentliche Welle. Mal sehen was morgen der Deutsche Wetterdienst sagt.

Regentag
Neue Lichtmaschine ist eingebaut.

Und dann ergab sich noch eine erfreuliche Perspektive: Ich hatte bisher eine sichere Option für das Winterlager. Die wäre in Nävekvarn. Das ist Luftlinie ca. 100 km südlich von Stockholm. Ich hatte die letzten Wochen vergeblich eine Option nördlich von Stockholm gesucht. Zum einen würde mir das „Luft“ für den Rückweg dieses Jahr geben. Und zum anderen hatte ich vor (wenn ich es dieses Jahr nicht schaffen sollte), im nächsten Jahr die Aland Inseln zu bereisen. Von Nävekvarn müsste ich dazu wieder in den Norden segeln.

Gräddö wäre eine gute Option gewesen. Ich hatte zwei Marinas angeschrieben, aber keine Antwort erhalten. Der Schwede, der jetzt neben mir liegt, nannte mir noch eine Option in Gävle und gab mir gleich die Kontaktdaten dazu. Schon am nächsten Tag bekam ich Antwort. In Summe ist das Winterlager auch noch ein gutes Stück günstiger als in Nävekvarn. Mit Ein- und Auswassern etwa 500 Euro. Für die „Mitgliedschaft“ muss ich ein Deposit von ca. 500 Euro bezahlen, die ich dann nächstes Jahr wieder zurück bekomme.

Da dies mir ca. 6 – 8 Tage Rückweg spart, kann ich im Moment auf jeden Fall weiter Richtung Norden segeln. Von hier nach Gävle sind es 20 sm, also gut in einem Tag zu schaffen. Im anderen Fall (Nävekvarn) müsste ich jetzt langsam an den Rückweg denken da ich ich von hier bis Nävekvarn mit etwa 10 Segeltagen rechnen müsste. Plus 10 Tage schlechtes Wetter = 20 Tage.

Nach dem Regen ist vor dem Sturm…
Schön bunt – so soll es Donnerstag gegen 19 Uhr aussehen

Anstrengender Tag…

Freitag, 4. Juli 2025

Um 7 Uhr aufgestanden – ich muss ja noch ein paar Stunden arbeiten. Freitag. Wind und Wetter sind perfekt angesagt. Wind aus Süd. Das bedeutet Halbwind und Raumwind und gutes Vorankommen. Schon am Vorabend hatte ich mir Hudiksvall als maximales Ziel gesetzt. Für den Notfall einige Ankerbuchten bzw. SXK Bojen davor. Ich brauche Strom… Die beiden Schlechtwetter-Tage und das Arbeiten haben meine LiFePo-Akkus leer gesaugt. Der Laptop braucht 5 Ah. Das ist viel. Um 13.30 Uhr kann ich ablegen. Meine „Nachbarn“ die Schweden, haben schon gegen 11 Uhr abgelegt. Wie gerne ich hätte ich es ihnen gleich getan.

Wieder vorsichtig heraus aus diesem Platz zwischen den beiden Inseln. Ich navigiere mit Hilfe von Navionics entlang der Route, die ich beim Einfahren genommen habe. Die ist sicher.

Dann kann ich schon bald die Segel setzen und es geht flott voran. Halber bis raumer Wind mit 10 bis 15 Knoten. Da beschleunigt Miss Sophie auf 5 bis 6 Knoten über Grund. Die meiste Zeit geht es geradeaus mit leichten Korrekturen. D.h. Johann kann den Job machen und ich schaue etwas nach dem Segeltrimm. Eine etwas engere Durchfahrt zwischen zwei Inseln dachte ich zuerst selbst steuern zu müssen. Aber auch dies meistert Johann.

Bestes Segelwetter. Etwa 15 Knoten Wind auf halb oder etwas raum. Miss Sophie läuft mit 5 bis 6 Knoten
Wieder einmal geht es etwas eng zwischen zwei Inseln durch. Mal lässt der Wind nach, dann bläst es wieder durch die Düse
Die Landschaft fasziniert immer wieder
Regenschauer sind nicht ausgeschlossen

Etwa 10 sm vor Hudiksvall muss ich dann doch die Segel bergen. Der Wind lässt nach, es hat einige Wellen und vor allem kam mir eben ein Frachter mit seinem Piloten recht nah – ich bin im Einfahrtsbereich von einem anderen Hafen. Noch 1,5 Stunden unter Motor. Die Einfahrt irritiert mich mehrfach. Irgendwie komme ich heute mit den Tonnen und der Orientierung nicht klar. Kann vielleicht auch daran liegen, dass bereits die Sonne untergegangen ist. Es ist zwar noch relativ hell, aber trotzdem eben nur Dämmerung.

Um 23:30 Uhr komme ich im Hafen an. Kein Gast. Deshalb mache ich frech an den Bojenplätzen längsseits an. Ich habe jetzt keine Lust noch eine Boje einzufangen.

Kein Saft mehr – böse Überraschung

Der Hauptgrund, weshalb ich Hudiksvall angelaufen habe war der, dass ich keinen Saft mehr hatte. Klar, der Tag war anstrengend und ich war auch recht k.o. Das bezieht sich jetzt aber nicht auf mich, sondern auf meine Batterien. Meine LiFePo Akkus (2 x 100 Ah) waren kurz vor dem Ende. Die eine hatte noch 20% und die andere 15%. Was unter anderem daran lag, dass ich jetzt 2 Tage in der Bucht ohne Strom war und in diesen beiden Tagen kaum Sonnenstrom mit Hilfe der Solarmodule ernten konnte.

Der Plan war also hier über Nacht die Akkus aufzuladen, damit ich am nächsten Tag weiter segeln kann. Denn der kommende Tag sollte noch guten Wind und brauchbares Wetter (bedeckt aber trocken) bieten.

Also gleich nach dem Festmachen das Landstromkabel eingesteckt – kein Strom an Bord. Noch zwei andere Steckdosen versucht – gleiches Ergebnis. Ich dachte schon, dass hier der Strom erst mit der Hafengebühr freigeschaltet wird. Die Steckdosen sind nummeriert. So etwas hatte ich schon einmal in Gävle. Da gab es einen extra Code für den Landstrom.

Also bin ich Richtung Hafengebäude gelaufen. Dann die nächste böse Überraschung: Am Ende des Stegs (also am Anfang wenn man von Land kommt) eine Gittertüre mit Umrahmung, so, dass man sie auch nicht umgehen kann. An der Türe eine Info: Hafenmeister ist von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr und Samstag, Sonntag von 9 bis 13 Uhr da. Spät kommende Gäste sollen sich am nächsten Tag anmelden. D.h. man bekommt mit der Anmeldung einen Schlüssel für die Türe (und für die Sanitäranlagen). Willkommen zurück in der Vergangenheit. Kein Dockspot, kein Automat für die Anmeldung und zu alledem: Kein Strom.

Was soll’s. Ändern kann ich es nicht. Nach einem Glas Rotwein falle ich gegen 1 Uhr erschöpft in die Koje.

Alle Akkus leer – alle Ladegeräte angeschlossen

Samstag, 5. Juli 2025

Am nächsten Morgen also angemeldet beim Hafenmeister. Der Hafen ist günstig (im Verhältnis zu dem, was ich bisher bezahlte): 200 SEK – umgerechnet etwa 20 Euro. „Mit Strom?“ frage ich. „Ja, mit Strom“. Dann sage ich ihm, dass kein Strom an den Anschlüssen ist. Er wird jemanden anrufen. Nach dem Duschen gehe ich noch einmal zum Hafenmeister. Er hat jemanden auf die Mailbox gesprochen. Ich glaube das wird nichts mehr mit Strom. Aber man soll ja nichts unversucht lassen. Also ziehe ich mein Boot einige Meter Richtung Land, damit mein Landstromkabel an die nächste Säule reicht. Heureka! Es gibt Strom. Schnell alle Ladegeräte angeschlossen. Aber gleich die Erkenntnis: Heute komme ich nicht mehr weiter.

Das ärgert mich dreifach: Zum einen ist heute Samstag, also nicht arbeiten d.h. ich habe mehr Zeit. Zum zweiten: Morgen wird es den ganzen Tag regnen, heute wäre der Wind perfekt gewesen (Westwind mit 3 bis 4 Bft.) und zum dritten: Montag muss ich wieder arbeiten, d.h. nur ein eingeschränkter Segeltag. Also ein richtig verlorener Tag. Ich versuche das beste daraus zu machen. Nach einer langen Dusche, wieder einmal rasieren, gehe ich verschiedene Einkäufe erledigen. Ich verlängere das Kabel vom 12/24 Volt Konverter damit ich Starlink abends ausstecken kann und dieser somit keinen Strom verbraucht.

Hudiksvall

Mein Energie-Management

Damit komme ich zu meinem Energie-Management. Vor zwei Tagen, nach meinem ersten Arbeitstag, war ich noch recht euphorisch was meinen Stromverbrauch und die Akkus betrifft. Ich hatte für diese Reise ja meine Energieversorgung geplant, umgebaut, erweitert (siehe Blog-Beiträge dazu).

Nun wäre ich fast auf Null gelaufen und hätte dann keine Unterstützung durch meine ganzen Navi-Instrumente mehr gehabt. Angefangen von Windanzeige (noch verzichtbar wie auch Logge), über Lot (kann schon kritisch sein) über Plotter (elektronische Seekarte, da wird es schon kritisch). Ich habe zwar alle Seekarten auch auf Papier dabei. Aber bei 4 bis 5 Bft. Einhand von Hand steuern (Pinnenpilot geht dann ja auch nicht mehr) und auf Seekarten schauen – schwierig. Und Funk für den Notfall wäre dann auch nicht mehr gewesen. O.k. da ich in der Nähe von Land bin, hätte ich im Notfall noch das Handy gehabt. Aber etwas beunruhigt hat mich das schon.

Deshalb habe ich den Nachmittag genützt, noch einmal mein Energie-Management zu rekapitulieren. Jetzt hatte ich ja aufgrund der Geräte (Solar-Laderegler, Batterie-Monitor) und der Verbraucher die ich jetzt kenne konkrete Werte mit denen ich rechnen kann.

Stromverbrauch Segeltag

Egal ob ich nun einen reinen Segeltag oder einen Arbeitstag betrachte – mein Stromverbrauch liegt bei etwa 200 Ah. Das ist genau die Kapazität meiner LiFePo-Batterien. Noch etwas höher ist der Stromverbrauch bei einem Arbeits-/Segeltag. D.h. ohne Stromzufuhr sind beide Akkus in einem Tag leer.

Meine Ausbeute an Solarstrom dazu ist etwas ernüchternd. Das liegt auch daran, dass das Wetter die letzten Tage eher schlecht war. An einem guten Sonnentag kann ich 40 bis 50 Ah gewinnen. D.h. ich muss in Zukunft für Tage ohne Landstrom noch besser das Wetter im Blick haben. Zwei Tage ohne Landstrom und schlechtes Wetter bringen mein Energie-Management an die Grenze. Bedeutet auch, dass ich dann sorgsamer mit dem Energieverbrauch umgehen muss. Eine erste Maßnahme war heute die Verlängerung des Kabels vom Starlink damit ich das Abends bequem ausstecken kann. Bisher hatte ich das sorglos immer laufen gelassen.

Weiterer Gedanke: An Tagen ohne Landstrom den Laptop nur nützen wenn notwendig (zum Arbeiten). Bei den anderen Verbrauchern kann ich nicht mehr einsparen.

Meine Ausbeute an Solarstrom

Ein Wort zum Wetter…

Bisher habe ich das Wetter ja eher nebenbei erwähnt. Aber dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass es die letzten Wochen nicht so toll war. Ich telefoniere täglich mit meiner Frau und inzwischen habe ich wieder Kontakt mit meinen Arbeitskollegen. Während Deutschland wohl gefrustet ist über Dauerhitze (35 Grad), keine Abkühlung und kein Regen bin ich langsam etwas gefrustet über das Wetter hier auf meiner Reise.

Die Tage hatte ich noch einmal einen Teil des Videos der SY Müggele auf Youtube gesehen da das der Teil ist, auf dem ich gerade unterwegs bin (ich meine Folge 8). Also entweder hatten die extrem Glück mit dem Wetter oder ich habe extremes Pech. Sie hatten eigentlich keinen Regentag, fast immer den richtigen Wind und meist kaum Welle.

Ich hatte die letzten Wochen fast nur scheiß Wetter, scheiß Wind oder/und scheiß Welle (Entschuldigung wegen der Vulgärsprache – aber ich muss es schreiben, wie ich es empfinde). Das Verhältnis Urlaubstage zu Segeltage ist einfach nur schlecht. In 35 Urlaubstagen hatte ich 17 Segeltage.

Heute hatte ich den Hafenmeister darauf angesprochen, dass ich der einzige Gast bin. Er meinte das es ab nächste Woche wohl mehr werden – da soll das Wetter besser werden. Ich versuche optimistisch zu bleiben und sage mir „Die Hoffnung stirbt zuletzt“… oder anders gesagt: „Dein Wort in Gottes Ohr“

Fortsetzung folgt auf jeden Fall – irgendwohin muss ich ja – ob Nord oder Süd

Dienstag, 24. Juni 2025

Es zehrt an den Nerven… Wir haben bzw. hatten jetzt zwei Tage auszusitzen hier in Öregrund. Da ich das Thema mit meiner Lichtmaschine habe, recherchiere ich, welche Lichtmaschine ich benötige. Ich habe einen Volvo Penta MD2001 aus 1991 (oder 1992). Die Lichtmaschine als Originalteil gibt es seit langem nicht mehr. Aber zahlreiche Nachbauten. Nur welche ist die richtige? Und wo bestellen? Alleine dies beschäftigt mich Stunden. Beim Lieferanten noch einmal versichern, ob die ausgewählte Lima wirklich passt. Dann Klärung wegen Versand nach Schweden. Was mir jetzt fehlt, ist eine Anlieferadresse. Unser Plan für die kommenden Tage sieht zuerst eine Ankerbucht und dann den Hafen von Gävle vor. Also Gästehafen Gävle versucht anzurufen – nimmt niemand ab. Mail geschrieben, keine Antwort. Der Gästehafen wird von der Kommune (Stadt) verwaltet (am späten Nachmittag kam dann eine Antwort. Da hatte ich die Lima schon mit der Adresse des Segelclubs bestellt.

Die Suche einer Anlieferadresse

Weitere Recherche – Frage in der Facebook-Gruppe „Schwedenfreunde“ gestellt, auch ob es so etwas wie „postlagernd“ in Schweden gibt. Gibt es wohl nicht. Dann Antworten, die nichts mit meiner Frage zu tun haben (das nervt mich immer gewaltig). Dann ein Tipp von dem älteren Seglerpaar welches ich in Kalmar kennengelernt hatte. Etwas nordöstlich von Gävle gibt es einen Segelclub. Sie senden mir Infos mit einer Telefonnummer. Doch die stimmt wohl nicht mehr. Wieder neu recherchieren. Auf der Facebook-Seite des Segelclubs eine neue Telefonnummer gefunden. Kurz angerufen – nach zwei Sätzen legt dieser auf und blockiert weitere Anrufe. Dann in meinem Hamnguiden geschaut. Neue Telefonnummer gefunden. Endlich klappt die Kommunikation. Die Frau gehört aber wohl zum Restaurant, nicht zum Segelclub. Sie meint ich kann die Adresse versuchen, die ich im Internet gefunden habe. Also Lima bestellt. Jetzt bleibt nur hoffen, dass das klappt.

Anmerkung für Besserwisser

Ja, ich weiß, dass es sein kann (vielleicht sogar wahrscheinlich ist), dass nur der Laderegler der Lima defekt ist und ausgetauscht werden muss. Aber: welchen Laderegler ich benötigen würde, würde ich erst sehen, wenn ich die Lima und den Laderegler ausbaue (Teilenummer auf dem Laderegler). Erst dann könnte ich einen Laderegler bestellen. Sollte sich dann herausstellen, dass es nicht nur der Laderegler ist, habe ich umsonst einen Laderegler bestellt und verliere noch einmal weitere Tage, um eine Lichtmaschine zu bekommen. Ich habe keine Lust deshalb zwei Wochen in einem Hafen zu verbringen. Deshalb war es ja auch mein Ansinnen, einen Hafen als Anlieferadresse zu suchen, den ich in den nächsten Tagen erreichen werde und nicht in einem Hafen nach der Adresse zu fragen und dann dort ggf. 4 Tage auf ein Paket zu warten.

Um dieses Teil geht es – das ist die Lichtmaschine. Über den Keilriemen wird sie angetrieben und erzeugt Strom

Hafen Öregrund

In Öregrund soll im Sommer der Bär steppen. Zahlreiche Lokale säumen sich um den Hafen und im Sommer soll es hier laute Musik bis spät in die Nacht geben. Der Hafen ist dann laut anderen Deutschen, mit denen ich kurz gesprochen habe, rappelvoll. Miss Sophies Kennzeichen KN 53989 fällt auf. Das Paar ist aus Friedrichshafen und hat ein Motorschiff an der Ostsee liegen.

Öregrund wurde 1491 von den Einwohnern Osthammar gegründet deren Hafen aufgrund der Landhebung zu flach wurde. Öregrund ist der einzige Ort an Schwedens Ostküste, an dem man den Sonnenuntergang in der Ostsee beobachten kann. Der Ort ist bekannt als eine der am besten erhaltenen Holzstädte des Landes weshalb er im Sommer viele Touristen anzieht. Der Hauptteil der Bebauung stammt noch aus dem 18. und 19. Jhd.

Der Hafen bzw. die Sanitäranlagen sind nicht der Hit. Toiletten aus Edelstahl und eine Wanne als Pissoire auf der Herrentoilette haben etwas Bahnhofscharakter. Waschmaschine und Wasser am Steg müssen extra bezahlt werden – das ist eher nicht üblich.

Im Hafen kachelt es immer noch mit gut 20 Knoten und es regnet. Eben kam ein kleines Segelboot mit Außenborder aus der Richtung Väddö-Kanal. Kurz vor dem Hafen fällt der Außenborder aus. Zum Glück ist die Hafenmeisterin noch da die schnell ein Schlauchboot hinaus schickt, um den Havaristen sicher in den Hafen zu bringen. So schnell kann es gehen…

Endlich geht es weiter…

Mittwoch, 25. Juni 2025

Zwei Tage Zwangspause können lang sein. Insbesondere, wenn man sich mit so unliebsamen, zähen Dingen beschäftigen muss wie ich es musste.

Das nächste Ziel ist Gävle. Dort könnte mein Bekannter einen Schnellzug nach Stockholm nehmen. Allerdings sind das gut 50 sm und der Wind ist für den Tag nicht besonders gut vorhergesagt. Anfangs 10 – 15 Knoten aus NNW, später drehend Richtung NW bzw. West und stark abschwächend. Also wird ein Ziel dazwischen gesucht. Es gibt zwei Optionen – eine kleine, vorgelagerte, flache Insel auf deren Südseite es zwei Bojen vom SXK hat. Die Bojenflagge habe ich aber die fehlende Abdeckung gefällt mir nicht. Zweite Option ist die Ankerbucht Rödhall-Måsörarna. Was mir an dieser nicht gefällt: Sie ist nach Norden offen und hat zahlreiche Steine unter Wasser. Trotzdem entscheide ich diese anzusteuern. Das war wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Aber die Windvorhersage sagt Nordwest – dann sollte die Bucht genügend Schutz bieten.

Die See hat sich relativ beruhigt. Es steht aber immer noch eine kabbelige Welle die sich erst etwas gutmütiger zeigt, nachdem wir etwas aus dieser Art Bucht bei Öregrund sind. Der Wind kommt wie vorhergesagt mehr oder weniger von vorne. D.h. gegenan kreuzen. Mein Bekannter hatte sich am Vorabend noch mit einem deutschen Segler im Hafen von Öregrund unterhalten. Er ist mit einer Ecume de Mer mit Ziel Haparanda unterwegs. Er hatte etwa 1 Stunde vor uns abgelegt. Bald haben wir ihn eingeholt. Sein Boot tut sich auf der Kreuz schwer.

Wie angekündigt lässt der Wind im Laufe des Nachmittags nach und kommt jetzt weiter aus NW – die Richtung in die wir möchten. Gleichzeitig jetzt eine langgezogene Welle die immer wieder unter dem Boot durchrollt. Mehrere Segler kommen uns entgegen bzw. fahren an uns vorbei – ohne Segel nur unter Maschine.

Etwa 10 sm vor dem Ziel entscheide auch ich die Segel zu streichen damit wir noch zu einer normalen Zeit ankommen. Die Einfahrt zur Bucht ist nicht einfach. Andererseits markiert der leichte Schwell die Einfahrt. In die Bucht geht es dann im Standgas. Auf Orca finden sich überhaupt keine Details. Aber anhand der Navionics-Karte kann ich mich ganz gut orientieren. Schließlich fällt der Anker auf 4 – 5 Meter Wassertiefe und fast 20 Meter Kette werden ausgebracht. Anker eindampfen und Ankeralarm stellen. Gegen Morgen soll der Wind wieder auffrischen.

Herrliche Ankerbucht und wir haben sie für uns ganz allene
Stimmung in der Ankerbucht um 23 Uhr. So richtig dunkel wird es derzeit nicht

Die Nacht ist unruhig

Ich habe mich noch nicht daran gewöhnt, vor Anker zu liegen. Obwohl ich eine Ankerkralle gesetzt habe (das ist eine Entlastung bzw. Entkoppelung der Ankerkette vom Boot) sind es andere Geräusche als wenn man im Hafen liegt. Und da ist immer die Sorge, dass der Anker hält. Erst gegen Morgen finde ich einigermaßen Schlaf. Dann, plötzlich, ein lautes Geräusch. Aufgesprungen und zur Ankerkette. Die Ankerkralle ist weg. Also richtig weg. Sie liegt wohl in 5 Meter Tiefe. Palstek – was ein doofer Knoten. Unter Wassersportlern sehr beliebt, weil er sich leicht lösen lässt. Aber ohne Belastung kann es passieren, dass er von selbst aufgeht. Also Ankerkette provisorisch auf die Klampe und noch zwei Stunden schlafen.

Etappenziel Gävle

Donnerstag, 26. Juni 2025

Dann geht es los. Wieder einmal die Diskrepanz zwischen dem Routenvorschlag von Orca und der Realität. Laut Orca sollte die Windrichtung passen, um alles segeln zu können. Doch zuerst einmal Anker lichten. Mit etwas Gas im Vorwärtsgang lässt sich der Anker lösen. Dann erst einmal unter Motor raus aus der Ankerbucht und um eine Ansammlung von Steinen herum. Danach Kurs Richtung Gävle also Nordwest. Wieder einmal Wind aus Nordwest. Also muss zuerst die Maschine weiterlaufen. Dazu eine unangenehme Welle, die immer wieder mit etwa 1 Meter Höhe unter dem Boot durchrollt. Nichts für einen schwachen Magen.

Erst langsam dreht der Wind auf Nord und später auf Nordost und zuletzt auf Ost (das, was eigentlich angekündigt war) und wir können die Fock setzen und auf den Motor verzichten. Da der Wind eben sehr von hinten kommt und immer noch diese Welle ärgert, ist hier die Fock die bessere Wahl. Patenthalsen hatte ich genug. Die Einfahrt Gävle ist teils eng durch Fahrwassertonnen begrenzt. Es geht aber weiterhin alles gut unter Segel. Nach dem Passieren der ersten Inseln ist auch die Welle weg.

Bevor der Kurs Richtung Gävle gesetzt werden kann, müssen einige unter Wasser liegende Steine umrundet werden

Gävle erscheint als moderne Industriestadt. Ganz anders als die Städte, die ich bisher an der schwedischen Ostküste gesehen habe. Die Stadt wurde 1446 gegründet (älteste Stadt Norrlands) und brannte mehrfach nieder, zuletzt 1869. Lange Zeit war Gävle eine stapelstad, also eine Stadt, die das Recht zum internationalen Handel besaß.  U.a. gibt es hier ein großes Unternehmen der Papier- und Verpackungsindustrie weshalb am Eingang der Bucht die Holzlager gleich auffallen.

Miss Sophie in Gävle

Eingangs, vor der Stadt, liegt ein Sportboothafen. Doch zum einen verlässt mich am nächsten Tag mein Bekannter Richtung Heimat (d.h. er muss auf den Zug) und zum anderen möchte ich in Gävle noch einkaufen (hier gibt es einen Lidl). Also steuern wir die Liegeplätze im Zentrum an. Alles sehr neu gemacht. Neue Sanitäranlagen (mit Sauna) und neue Stege. Einzig was stört: Hinter der Brücke liegen einige Motorboote die hier gerne etwas zu schnell fahren und damit für ordentlichen Schwell sorgen.

Ankerbucht Rödhall > Gävle

Ein weiterer (Regen-) Ruhetag

Der heutige Regen- bzw. Ruhetag war nicht ganz so dramatisch. Zum einen wollte ich noch einkaufen (in Gävle gibt einen Lidl) und ich wollte noch bei einem Marineshop vorbei der gleich beim Lidl um die Ecke ist. Einziger Wermutstropfen: Heute regnet es und es sind fast 4 km zu Fuß dorthin. Die Busverbindung ist nicht sonderlich gut. Also Segeljacke an und losgelaufen. Vor dem Marineshop dann Frust – geöffnet von Montag – Donnerstag. Heute ist Freitag. Also der Weg war umsonst. Aber der Einkauf bei Lidl war wenigstens erfolgreich.

Morgen geht es dann unter Motor rüber zum Segelclub Gävle. Das sind nur 5 sm. Heute bei dem Regen wollte ich das nicht machen da das Fahrwasser hier stellenweise sehr eng ist und links und rechts davon wird es sofort richtig flach. Und dann hoffe ich einmal, dass meine Lichtmaschine morgen ankommt. Ansonsten werde ich dort bis Montag wohl warten müssen. Das wären dann wieder zwei verlorene Tage…

Update von Nord Post

Am Morgen prüfe ich den Sendungsstatus meines Pakets. Jetzt ein Update von Nord Post: Voraussichtlicher Zustelltermin ist Dienstag, 1. Juli. Das ist doppelt doof. Zum einen weil ich jetzt zwei Tage mit Warten und Nichtstun verbringe und zum anderen weil dies meine letzten Urlaubstage sind.

Am 1. Juli muss ich wieder arbeiten. Zwar reduziert und auf dem Boot aber trotzdem werde ich ab 1. Juli nicht mehr den vollen Tag zum Segeln zur Verfügung haben. D.h. ich muss da auch erst einmal sehen, wie sich beides arrangieren lässt. Und für Mittwoch und Donnerstag nächste Woche ist schon wieder Regen vorhergesagt.

Für den heutigen Tag mache ich erst einmal das Beste daraus. Ich ändere meinen Plan und schaue mir heute Gävle an. Gävle würde ich nicht als besonders sehenswert bezeichnen. Es ist vor allem eine Stadt zum shoppen mit vielen Geschäften und einer großzügigen Fußgängerzone. Was sehr schön ist, ist der Weg vom Hafen in die Stadt entlang des (oder der?) Gavleån.

Inzwischen bin ich der einzige Gastlieger hier. Also nütze ich die Gelegenheit und heize ganz für mich alleine die Sauna ein. Dann gehe ich noch in den nahegelegenen Coop, um ein paar frische Sachen einzukaufen. Sollte es das Wetter zulassen, plane ich dann nächste Woche vermehrt an den blauen Bojen des SXK festzumachen.

Wie es weitergeht erzähle ich dann im nächsten Teil…

Was ein scheixx Tag…

Donnerstag, 19. Juni 2025

Gestern dachte ich noch – 25 sm bis Gräddö, locker zu schaffen. Pustekuchen. Der Morgen begann noch sehr gut. Fast windstill in der Ankerbucht. Anker konnte gut gelöst werden. Kette recht sauber, der Anker voll Schlamm. Drei, vier Mal ins Wasser getaucht und er war sauber. Problemlos von der Ankerbucht abgelegt. Dann wieder raus. Richtung Gräddö war ich jetzt in den Außenschären. Wenig Schutz. Der Wind blies mir wieder einmal genau entgegen. Von wegen – was haben mir viele erzählt, dass man hier fast immer Südwest oder West hätte und das Problem das Zurückkommen wäre. Ich habe genug von diesem NNW und NNO.

Doch was hilft es. Mein Bekannter ist im Flugzeug bereits unterwegs nach Stockholm Arlanda. D.h. ich muss dort hin. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber an diesem Tag stirbt sie recht früh. Der Wind nimmt stetig zu. Höhe Blidö versuche ich einmal das Großsegel zu setzen. Doch gleich nimmt der Wind noch mehr zu und bläst mit 25 Knoten. Auf dem Bodensee würde ich das noch locker segeln. Aber hier fühlen sich 25 Knoten wie 7 Bft. auf dem Bodensee an. Hier kommt eben dann noch die Welle dazu, die immer wieder krachend über die Sprayhood schlägt. Schon nach kurzer Zeit hole ich mit größter Anstrengung das Großsegel wieder runter. Es macht keinen Sinn, da ich das Boot kaum kontrollieren kann. Hier fehlt mir jetzt das zweite Reff, das ich dringend instand setzen sollte. Die Reffleine ist so alt, dass sie nicht mehr zu gebrauchen ist.

Also wieder Motor an und gegen den Wind kämpfen. Es ist fast wie am ersten Tag vor Sassnitz. Die Welle ist nicht ganz so hoch. Dafür ist die Strecke länger. Währenddessen mache ich mir Gedanken zu Gräddö. Der Hafen ist nach Norden vollkommen offen. Es gibt zwei vorgelagerte Inseln. Aber ich merke hier draußen, dass auch die Inseln kaum Abdeckung bieten. Sie sind einfach zu niedrig oder der Wind einfach zu kräftig. Inzwischen bläst es mit 28 Knoten. Miss Sophie kämpft mühsam mit 2,5 Knoten gegen den Wind. Ich zähle jede zehntel Seemeile und hoffe bald zwischen Gräddö und den vorgelagerten Inseln zu kommen.

Im Fjord Richtung Nörrtalje – Endlich etwas Beruhigung

Ich lege einen neuen Plan fest. Auch wenn es lange 10 sm sind, entschließe ich meinen Bekannten in Norrtälje aufzunehmen. Hier sollte es geschützt durch die Bebauung besser sein. Schon im Fjord kommt die Erleichterung. Wenigstens die Welle ist weg auch wenn der Wind immer noch mit 15 bis 20 Knoten bläst. Aber jetzt von halb und nicht mehr von vorne. ETA 1830. Im Gästhamn liegen kaum Boote. Drei deutsche Segelyachten und ein paar Schweden. Der Steg, an dem ich mit Heckboje anlege, ist vollkommen leer. Wann ist in Schweden Segelsaison?

Ich bin von dem Tag vollkommen k.o. Weniger körperlich, mehr geistig. Ständig Sorge, ob der Sprit noch reicht. Mit so vielen Motorstunden hatte ich nicht gerechnet.

Mein Bekannter ist am Steg und hilft beim Anlegen. Dann gehen wir etwas Essen. Norrtälje ist eine kleine feine Stadt mit einigen älteren schön renovierten Häusern und einer sehr gepflegten Innenstadt. Die Sanitäranlagen sind o.k. Aber die Liegeplatzgebühren schon gehoben. Auch wieder fast 400 SEK.

Lessons learned….

Wenn du jemanden an einem bestimmten Tag an einem bestimmten Ort abholen musst, dann plane einen Tag Reserve und rechne damit, dass es nicht läuft wie gewünscht.

Finnhamns > Norrtälje 33 sm

Was ein toller Tag…

Freitag, 20. Juni 2025

Noch am Abend werden Windfinder und Wetterbericht studiert. Mein Bekannter möchte gerne segeln. Ja, verstehe ich. Aber hier geht es um das Ankommen. Deshalb meine Entscheidung: Unter den Windbedingungen (sollten nicht anders als am Vortag sein) und der Tatsache, dass es draußen überhaupt keine vorgelagerten Inseln gibt, fällt meine Entscheidung Richtung Väddö Kanal. Aber zuerst wird einmal getankt – etwa 35 Liter für 600 SEK.

Im Fjord können wir noch segeln da wir Richtung Osten unterwegs sind. Der Wind kommt wieder aus NNO. Bei Storholmen biegen wir ab und haben den Wind gegenan. D.h. die Maschine muss uns voran bringen. Nach Björhövda Richtungswechsel – neuer Kurs NW und wir können wieder die Segel setzen. Keine einzige Welle. Hier, geschützt, haben wir zwischen 7 und 15 Knoten. Kurz vor dem Väddö Kanal bergen wir die Segel. Durch den engen Kanal (teilweise nur etwa sieben Meter breit) geht es mit Motorkraft. Zuerst geht es unter einer Brücke mit 18 Meter Durchfahrtshöhe. Auch wenn wir mit etwa 14 Meter noch 4 Meter Luft haben, erscheint es immer knapper je näher man kommt.

Erste Brücke mit 18 Meter Höhe

Dann bald die erste (südliche) Brücke auf deren Öffnung wir warten müssen. Sie öffnet jeweils zur halben Stunde. Die Landschaft ist einzigartig. Am Ufer sehen wir immer wieder Familien, die heute Mittsommer feiern. Der Mittsommertag wird offensichtlich vor allem mit der Familie gefeiert. Es sind große Gruppen mit 10 bis 20 Personen die auch immer wieder winken und rufen. Alle sind in ausgelassener Feierlaune.

Kurzer Schreckmoment

Wir genießen die Landschaft, schauen links und schauen rechts. Dort schöne Häuser, dort Rinder, die direkt am Ufer laufen. Auf einmal ein Geräusch, das nicht zum segeln gehört – „Ratsch“. Blätter und Astreste fallen auf das Deck. Ein geschockter Blick nach oben. Die Mastspitze der Miss Sophie fährt gerade durch einen Baum. Ich könnte über mich selbst fluchen. Wie oft habe ich die Videos der SY Müggele auf Youtube gesehen. Ich habe noch den Kommentar in Erinnerung: „…. nur auf die Bäume muss man achten da sie teilweise in den Kanal ragen…“. Bangender Blick nach oben und auf das Triton 2 Display. Wie steht es um die elektronische Windanzeige? Glück gehabt – kein Schaden genommen.

Bald erreichen wir die zweite (nördliche) Brücke, die jeweils zur vollen Stunde öffnet. Hält man sich an die vorgegebenen 5 Knoten Höchstgeschwindigkeit, passt das ziemlich genau. Nach der zweiten Brücke geht es nur noch wenige Kilometer bis wir den Gästehafen Älmsta erreichen. Auch hier wieder: viele leere Liegeplätze. Eine deutsche, eine finnische Segelyacht und ein schwedisches Motorboot. Später kommt noch eine deutsche Segelyacht dazu. Hafengebühr wieder knapp 400 SEK. Das geht ins Geld.

Aber dieser Tag macht den vorherigen vergessen. Ein Traumtag.

Wir besprechen noch den Weiterweg bevor wir uns im Rahmen der Möglichkeiten kulinarisch verwöhnen. Morgen Nachmittag soll es draußen dann wohl bis zu 30 Knoten haben – aus Nord. Das Ziel ist also einen Hafen zu finden, der nicht allzu weit entfernt ist und der gut gegen Nord geschützt ist. Die Wahl fällt auf Grisslehamn. Das sind knapp 10 sm.

Bei der ersten Brücke mussten wir kurz auf die Öffnung warten
Norrtälje > Väddö (Älmsta) 19 sm

Nächster Tag, neuer Plan – Hafentag

Samstag, 21. Juni 2025

Die einzige Option, die ggf. für heute in Frage gekommen wäre, wäre Grisslehamn gewesen. Vom Hafenmeister erfahre ich, dass heute dort ein Event mit zwei DJs ist. Der deutsche Nachbar am Steg meint, dass es dort keine freien Liegeplätze geben würde. Außerdem gibt mir der Hafenmeister die Info, dass 500 SEK für den Gastplatz verlangt werden (das sind etwa 45 Euro). Bereits am Morgen hat der Wind kräftig zugenommen und kommt aus Nord. Wir müssten alles gegenan unter Motor fahren da der Väddö Kanal ja noch ein Stück geht. Bringen würde es nur etwa 10 sm. Also neuer Plan: Wir bleiben hier. Hier sind wir einigermaßen geschützt vor dem Sturm, der für heute Nachmittag draußen angesagt ist. Deutscher Wetterdienst sagt für die nördliche Ostsee 6 Bft. und Welle bis 2 Meter. Das brauche ich nicht. Morgen soll es sich beruhigen.

Selbst hier bläst es teilweise mit über 20 Knoten – das macht draußen keinen Spaß

So kümmere ich mich etwas um meine Elektrik. Mein Elektriker vom Segelclub gab mir die Aufgabe, ein paar Messungen zu machen. Es gibt den Verdacht, dass die Lichtmaschine die Starterbatterie nicht lädt. Im Hafen mit hoher Drehzahl getestet. 12,5 Volt. Das ist zu wenig. Sicherung nach der Lichtmaschine geprüft – ist i.O. Rätselraten. Im Moment fällt mir und ihm nichts ein. Ich prüfe morgen noch einmal unter Fahrt.

Dann NMEA-Kabel am Triton 2 getauscht. Das Display nervt langsam. True Wind Speed und True Wind Direction funktionieren jetzt. Ursache war der Pinnenpilot. Der brauchte ein Update. Aber der Kabeltausch hat nicht das Problem „Geht, geht nicht“ gelöst. Ich bin langsam echt genervt von dem B&G Kram. die App auf dem iPad funktioniert auch nicht richtig. Synchronisation mit dem Vulcan 7 geht nicht. Meldung an den Support aus dem Vulcan 7 geht auch nicht, obwohl der Plotter über Starlink mit dem Internet verbunden ist.

Derweil führe ich in GPX-Studio einmal meine bisherigen Tracks zusammen während in der Laundry meine Wäsche wäscht. Bisher habe ich etwas mehr als 500 sm hinter mir. Das in 12 Segeltagen ergibt bisher einen Schnitt von etwa 35 sm täglich.

Meine bisherige Route

Wo ist denn der vielbesagte Südwest-Wind?

Wie viel hatte ich darüber gelesen und gehört, dass es hier immer Südwest, Süd oder Südostwind hätte. Das Problem wäre nicht, in den Norden zu kommen. Das Problem wäre das zurück kommen.

Ich hatte bisher fast nur nördliche Winde. Immer wieder gegenan. Die Planung für die nächsten Tage ist schwierig. Ein Tiefdruckgebiet jagt das nächste. Dienstag und Mittwoch ziehen sie genau dort durch, wo wir unterwegs sein werden. Deshalb entsteht der Plan, als nächstes Öregrund anzusteuern. Gerne hätte ich an einer Schäre oder einer blauen Boje des SXK angelegt. Doch sollte sich das Wetter so bestätigen, würden wir zwei Tage ohne Hafen und ohne Versorgung festhängen. Wäre grundsätzlich kein Problem. Alle Batterien sind voll und in den Backskisten gibt es genügend Proviant und Wasser. Aber Spaß macht das nicht.

Nächstes Problem….

In Oskarshamn hatte ich das erste Mal Probleme mit der Starterbatterie. Ich schob das darauf, dass ich am Abend zuvor vergessen hatte, den Hauptschalter der Starterbatterie nicht ausgeschaltet zu haben. Mein Elektriker vom Segelclub hatte mir noch die Aufgabe gegeben, einige Messungen durchzuführen um zu prüfen, ob alle Batterien von den jeweiligen Stromquellen richtig geladen werden. Solar ist gut. Landstrom ist gut. Starterbatterie ist schlecht. Es kommt kein Strom von der Lichtmaschine. Sicherungen geprüft – alle o.k. Direkt an der Lichtmaschine gemessen – kein Strom. 9,5 Volt bei guter Motorfahrt mit 5 Knoten. Fazit: Die Lichtmaschine ist offensichtlich hinüber. D.h. überlegen – wo in Schweden eine Lichtmaschine bestellen. Wohin bestellen. Den Austausch der Lichtmaschine traue ich mir zu. Wird zwar (für mich) ein Tag Arbeit sein. Aber zu bewältigen. So lange die Nacht im Hafen verbracht wird, kann ich mit Hilfe von Landstrom und Batterieladegerät die Starterbatterie jeweils wieder aufladen. Aber das ist nicht das Ziel.

Nächstes Ziel – Öregrund

Sonntag, 22. Juni 2025

Das Wetter passt am Morgen. Der Starkwind ist durch. Es bläst hier in Älmsta zwar immer noch etwas aber kein Problem. Die nächsten Seemeilen geht es noch etwas im Väddö Kanal, dann können wir abbiegen Richtung NW und die Segel gesetzt werden. Der Wind kam zuerst aus NNO. Segelbar. Im Laufe des Tages dreht der Wind auf O und am Ende auf SO. Ideal für unser Ziel Öregrund. 27 sm in 6h 45 min. Schnitt 4 Knoten. Das ist gut. Den ganzen Tag Sonnenschein. Aber die Luft ist noch kühl. Achja, und mittlerweile habe ich den 60. Breitengrad passiert.

Beim Anlegen in Öregrund dirigiert uns die Hafenmeisterin an den Platz. Wieder einmal Mooringleine. Passt mir inzwischen ganz gut. Wir werden zwischen zwei schwedischen Yachten gequetscht. Miss Sophie macht sich dünn und passt gerade so hinein.

Segeln zwischen den Schären
Angekommen in Öregrund
Väddö (Älmsta) > Öregrund 27 sm

Wieder abwettern…

Das nächste Tiefdruckgebiet kündigt sich an. Und es zieht genau über uns hinweg. Ich studiere Windfinder, Windy, Deutscher Wetterdienst und andere Wetterdienste. Man kann es drehen und wenden wie man will – wir werden hier wohl zwei Tage festsitzen. Nicht der schlechteste Ort. Es hat hier in Öregrund zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten. Die „Altstadt“ soll sehenswert sein. Aber es sind für mich zwei Tage, die ich nicht nach Norden komme. Dann wird das Thema Lichtmaschine noch einen oder auch mehrere Tag kosten. Ende nächste Woche werde ich wohl eine Entscheidung treffen müssen – noch weiter Richtung Norden oder wieder zurück Richtung Süden.

Das nächste Tiefdruckgebiet wird genau über uns hinweg ziehen

Von Nävekvarn bin ich relativ spät aufgebrochen. Ich war am Morgen noch etwas einkaufen für unterwegs. Windy hatte für den Tag relativ guten Wind aus Süd-Südost vorhergesagt und lt. Planung von Orca (meiner zweiten Navi-App) sollte ich in etwa 5 – 6 Stunden in Nynäshamn sein. Irgendwie kam ich sowie gerade selbst mit meiner eigenen Planung durcheinander denn im Nachhinein dachte ich noch Norrköping als Zwischenstopp auf dem Schirm gehabt zu haben. Aber egal…

Etappenziel Nynäshamn

Samstag, 14. Juni 2025

Jedenfalls aus dem Hafen raus und Richtung Nordost. Erste Ernüchterung – der Wind kam aus Nordost. Also blieb mir nichts anderes übrig, als erst einmal die Maschine zu bemühen und dann einen Plan zu machen.

Kreuzen, hier zwischen den zahlreichen Inseln und Untiefen erschien mir nicht wirklich als Option. Vielleicht Höhe Oxelsund. Da sollte sich das mit den Inseln und Untiefen etwas lichten. Aber nach gut einer Stunde drehte der Wind langsam auf Südost und ich konnte einen schönen Am-Wind Kurs segeln. Auch nicht hart am Wind wodurch ich mit gut 6 Knoten voran kam. Wind kam mit etwa 15 Knoten. Voraussichtliche Ankunftszeit: 17:30 Uhr. Das war nicht schlecht (in dem Moment).

Vorbei an unzähligen Schären

Doch je länger der Tag um so mehr lies der Wind nach und drehte weiter nach Süd wodurch aus dem Am-Wind Kurs bald ein Raumwind-Kurs und zuletzt vor dem Wind wurde. Und das bei blöder Welle. Schmetterling segeln funktionierte wegen der Welle nicht wirklich. Die von Orca berechnete Ankunftszeit verschob sich immer weiter nach hinten. Ich hatte keine Lust nach 21 Uhr anzukommen auch wenn es inzwischen hier sehr lange hell ist. Deshalb wurde etwa 10 sm vor dem Ziel der Motor angeworfen. Nach etwa einer 3/4 Stunde kam der Wind (zwar nicht besonders stark) etwas raumschots, auch weil mein neuer Kurs jetzt Nordost war, weshalb ich die Fock als Unterstützung dazu nahm – Sprit sparen. Ich weiß, Segel und Motor ist nicht Gentlemen-like – aber wir sind hier nicht auf dem Bodensee… Hier ist ankommen das Ziel.

Hafeneinfahrt Nynäshamn

Gegen 20 Uhr kam ich an und legte neben einer schwedischen Familie an. Er sprang gleich von seinem Boot, um mir beim Anlegen zu helfen.

Jetzt hatte ich zu meiner eigenen Überraschung einen zusätzlichen Hafentag und konnte planen, mich in zwei Tagen mit meiner Tochter in Stockholm zu treffen. In Nynäshamn ist der Bahnhof in unmittelbarer Nähe zum Hafen und hier ist eine Endstation der SL Stockholm (Storstockholms Lokatrafik). Und hier fährt der sogenannte Pendeltåg (wohl ein Zug für Pendler). D.h. sehr häufig (jede Stunde oder so).

Den kommenden Tag (Sonntag) hatte ich dann einen Tag Zeit mich von den langen Schlägen der letzten Tage etwas zu erholen, einzukaufen, das Boot mal zu reinigen und in Ruhe die Planung für die weiteren Tage zu machen.

Daneben habe ich auch etwas Zeit, in diesem Blog-Beitrag auch einmal etwas außerhalb von meinen Tagestörns, über gesammelte Erfahrungen und „Lessons learned“ zu schreiben…

Alle hilfsbereit

Eine Erfahrung, die ich nicht nur in den letzten Tagen sondern auf dem gesamten Törn immer wieder sammelte: Es gibt hier unwahrscheinlich viele hilfsbereite Menschen. Das begann in der Marina Kröslin mit dem Problem mit meinem Toplicht wo die Mitarbeiter in der Werft suchten, ob sie vielleicht einen Ersatz finden. Ich weiß genau, wie das am Bodensee wäre: „Dein Problem, interessiert uns nicht“.

Beim Anlegen in Sassnitz bei 15 – 20 Knoten Wind mit dem Liegeplatznachbar und dem Einheimischen. Zu zweit haben sie uns geholfen das Boot zu fixieren. Hier in Nynäshamn sprang der Nachbar sofort von seinem Boot (auf dem er auch zwei kleine Kinder hatte), um mir beim Anlegen zu helfen.

Das ältere Ehepaar, welches ich in Kalmar kennengelernt hatte, das mir zahlreiche Tipps gab für Häfen, Ankerbuchten und Bojen des SXK (die Flagge habe ich und das Erlebnis wird auch noch kommen).

Heute der Nachbar aus Schweden am Liegeplatz, der mir zahlreiche Tipps gab für gute Anlegestellen auf dem Weg nach Norden, die ich nicht auf dem Schirm hatte und mir auch noch einen Tipp für das Winterlager geben konnte. Inzwischen habe ich drei gute Tipps für das Winterlager gesammelt und habe dann die Auswahl.

Was man dazu machen muss: Man muss mit den Menschen reden. Von seinen Plänen erzählen. In Fyrudden traf ich einen anderen deutschen Segler, der das offensichtlich nicht getan hat. Der willkürlich irgendeine Marina angeschrieben und nach einem Winterlagerplatz gefragt hat. für 4 bis 5 tausend Euro bekam er eine Info. Ich habe Infos für ein Winterlager deutlich unter 1000 Euro. Wie gesagt – man muss mit den Menschen reden.

Achtung Stein!

Ich hatte es oben schon geschrieben. Nach dem Ablegen in Nävekvarn mit dem Ziel Nynäshamn kam der Wind aus der falschen Richtung und die ersten 10 – 20 sm sollte ich zwischen zahlreichen Inseln und Untiefen unterwegs sein. Gerade die Untiefen muss man hier echt auf dem Schirm haben. Die Ostsee ist eine Pfütze – das soll nicht abwertend sein. Was ich sagen möchte: die Ostsee ist nicht tief – sie ist extrem flach. Das maximale, was ich bisher am Lot hatte, waren 60 bis 70 Meter. Hier, in den Schären sind es zwischen 10 und 20 Meter Wassertiefe.

Die Ostsee ist flach – wirklich flach

In Idö meinte der deutsche Segler, der mir auch beim Anlegen geholfen hatte, mein Manöver um die grüne Tonne wäre mutig gewesen (um nicht leichtsinnig zu sagen) – gleich dahinter hat es Steine.

Heute, in Nynäshamn, sah ich ein deutsches Segelboot, das auf einem Stein aufgesessen war. Die Hafeneinfahrt hier ist etwas tricky. Aber wer die Karte studiert und sich an der empfohlenen Einfahrt hält, wird keine Probleme haben. Östlich der niedrigen Hafenmauer gibt es keine Mauer und man könnte meinen, hier einfach abkürzen zu können, um in den Hafen bzw. heraus zu kommen. Aber grüne Tonnen weisen darauf hin, dass es hier ein Fahrwasser gibt. Das deutsche Segelboot hatte das wohl nicht studiert und meinte den kurzen Weg nehmen zu können. Prompt saßen sie auf einem Stein. Ich hatte mich beim Einfahren in diesen Hafen bewusst nahe den Stegen gehalten, weil ich das auf der Karte gesehen hatte.

Was ich als „Lessons learned“ weitergeben kann: Wenn es ein Fahrwasser gibt, sollte man sich die Situation außerhalb des Fahrwassers genau anschauen, bevor man dieses verlässt. Das kann abhängig vom Tiefgang unproblematisch sein, kann aber auch gefährlich sein.

In Schweden wird nicht geraucht…

Zugegeben, ich bin Raucher. Aber wenn ich in ein anderes Land komme, achte ich erst einmal darauf, wie die Gepflogenheiten diesbezüglich in dem Land sind. Was mir sofort im ersten schwedischen Hafen auffiel: In Schweden wird nicht geraucht. Ich habe jetzt in den etwa 14 Tagen in Schweden nur einen einzigen Menschen gesehen, der auf der Straße geraucht hat. Ich habe dann im Internet danach geschaut und erfahren, dass Schweden schon vor 2025 das Ziel hatte, bis 2025 das erste rauchfreie Land Europas zu sein. Und sie haben das Ziel vor 2025 erreicht (rauchfrei bedeutet, dass weniger als 5% der Bevölkerung regelmäßig raucht). Was man (aber auch selten) sieht, sind E-Zigaretten. Ich habe auch praktisch keine Kippen auf dem Boden gesehen. In Gaststätten (auch außen!) ist das Rauchen verboten. Oft finden sich Schilder das hier oder im Umkreis von x Meter das Rauchen verboten ist.

Alkohol gibt es nicht so einfach…

Wer sein Anlegerbier aus der Bilge holen und trinken möchte, muss sich gut mit Vorrat eindecken. Denn Alkohol gibt es in Schweden nicht so einfach zu kaufen. Für den Verkauf von Alkohol gibt es spezielle Geschäfte – „Systembolag“ ist der Name. Nur dort darf Alkohol verkauft werden. Und auch nur an Personen älter als 20 Jahre. An der Kasse wird bei jungen Menschen auch der Ausweis verlangt (bei mir natürlich nicht). Viele Geschäfte und Lebensmittelmärkte haben Sonntags geöffnet – aber nicht die Systembolag. Manchmal wird einem in einem kleinen Ort ein Systembolag auf Google (Maps) angezeigt. Dabei handelt es sich aber um kleine Einzelhandelsgeschäfte die keine alkoholischen Getränke auf Vorrat haben. Vielmehr kann man online bestellen, um die Getränke dann dort abzuholen. Das ist eher für die Einheimischen gedacht. Also „Systembolag“ auf Google (Maps) bedeutet nicht zwingend, dass ihr dort Bier kaufen könnt.

Was die Preise betrifft: Es ist etwas teurer als in Deutschland. Aber nicht übertrieben. Etwa 20 – 30% teurer. Eine Dose Bier bekommt man für etwa 1,50 Euro. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass in Norwegen Alkohol wesentlich teurer ist (auch Bier).

Hamnguiden – die schwedischen Hafenführer

Die sogenannten „Hamnguiden“ sind „die“ Hafenführer für Schweden. Hier ist nicht nur jeder Hafen im Detail beschrieben sondern auch zahlreiche Ankerplätze, Anlegemöglichkeiten an Schären und an SXK-Bojen. Deshalb hatte ich mir im Vorfeld alle Hamnguiden der schwedischen Ostküste bestellt. Das sind Ringbücher etwa im DIN A4 Format und ein Hamnguiden kostet etwa knapp 80 Euro (in Summe hatte ich etwas als 1.000 Euro für Hafen-/Revierführer und Seekarten ausgegeben).

Der deutsche Segler in Idö machte mich dann darauf aufmerksam, dass es von den Hamnguiden eine App gibt und in jedem Hamnguiden findet sich am Ende ein Rabattcode zum frei rubbeln. Installiert man sich die App und nützt diesen Rabattcode, hat man alle(!) Häfen, die in den Hamnguiden gelistet sind, freigeschaltet. D.h. wenn man ein Tablett oder iPad hat, muss man eigentlich nur einen(!) Hamnguiden kaufen und hat damit alle anderen Häfen in der App. Und noch ein Plus-Punkt der App: Es gibt eine deutsche Übersetzung die relativ gut ist.

Liegeplatzgebühr

Ich hatte es unterwegs schon von dem einen oder anderen Segler gehört: In Schweden haben in den letzten Jahren die Preise erheblich angezogen. Vor fünf oder zehn Jahren war das noch wesentlich günstiger. Im Schnitt bezahlte ich knapp 30 Euro für den Liegeplatz. In manchen Häfen kann man entscheiden, ob man mit oder ohne Landstrom möchte. Macht etwa 5 Euro aus. Teilweise finde ich die 30 Euro o.k., wenn man sieht was enthalten ist. Z.B. in Kalmar oder Nynäshamn. Gute Sanitäranlagen, Waschmaschinen, Trockner, Sauna, Strom. Aber ich hatte auch einige Häfen, die das gleiche verlangten schlechte Sanitäranlagen, keine Waschmaschinen, keine Sauna etc. hatten. Spitzenreiter bisher ist Dalarö (bei Stockholm) mit 440 SEK – das sind etwa 40 Euro. Es wird Zeit, dass es etwas wärmer wird und ich ankern oder an SXK Bojen festmachen kann.

Zurück zu meinem Törn….

Nach diesem kleinen Ausflug zurück zu meinem Törn… Wie oben geschrieben, war ich jetzt einen Tag früher in Nynäshamn als ursprünglich gedacht. Den ersten Hafentag hatte ich wie geschrieben für verschiedenes genützt. Für den zweiten Hafentag hatte ich mich mit meiner Tochter und ihrem Freund für eine Tour durch Stockholm verabredet. Und da ist Nynäshamn für alle, die die nicht mit dem Boot nach Stockholm hinein fahren möchten (wie ich), ideal. Denn unmittelbar hinter dem Hafen liegt der Bahnhof. Und hier fährt die Linie der SL (Stockholms Lokaltrafik). Für Touris gibt es ein 24 Stunden oder Mehrtagesticket mit dem man eigentlich alle öffentlichen Verkehrsmittel in Stockholm (U-Bahn, Bus, Fähren) nützen kann. Finde ich sogar noch besser als die Oyster-Card in London weil es einfach ein Fixpreis ist.

Ausflug nach Stockholm

Wer hier segelnd her kommt, sollte auf jeden Fall den Ausflug nach Stockholm machen. Es lohnt sich.

Zum Glück war meine Tochter besser vorbereitet als ich. Sie hatte einige schöne Spots herausgesucht. Den einzigen Beitrag, den ich leisten konnte, war das Vasa-Museum.

Saluhall (Markthalle) ein Paradies für Feinschmecker
Spezieller Blick auf den Königspalast
Vasa-Museum

Weiter geht’s Richtung Norden

Die Planung für den Weiterweg ist gerade etwas schwierig. Es ist Dienstag. Am Donnerstag soll ein Segel-Bekannter aus der Heimat dazu stoßen. Er wird in Stockholm Arlanda landen. Vor Stockholm hat es hunderte von Inseln, die natürlich nicht einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden können.

Nynäshamn, meine letzte Station, war natürlich ideal. Aber ich wollte jetzt auch nicht einfach weitere drei Tage tatenlos herumsitzen und warten. Also begann die Suche nach Optionen Richtung Norden. Und da gibt es leider nicht viele. Norrtälje war einmal eine ursprüngliche Idee die ich aber inzwischen verworfen hatte. Denn hier müsste ich von See kommend tief hinein fahren, etwa 10 sm (20 km). Das würde 2,5 Stunden unter Motor bedeuten. Und das gleiche dann wieder heraus.

Saltsjöbaden wurde mir mehrfach genannt. Doch von Saltsjöbaden bin ich jetzt nur noch 8 sm entfernt. Da würde ich zwei Tage sitzen, um auf meinen Bekannten zu warten und wäre kaum Richtung Norden weitergekommen. Kappelskär war eine Idee – doch den Hafen gibt es nicht mehr bzw. ist nicht mehr zugänglich für Sportboote.

Nach weiterer Suche bin ich doch noch fündig geworden – Gräddö. Ist zwar nicht so ganz ideal zu erreichen (mit dem Bus und dreimal umsteigen) aber es hat den Vorteil, dass ich weiter in den Norden komme und der Ort außen liegt, also kein unnötig langer Weg ins Land hinein.

Nächster Halt – Dalarö

Dienstag, 17. Juni 2025

In Nynäshamn hatte ich wieder das ältere Ehepaar getroffen, welches ich in Kalmar kennengelernt hatte. Sie meinten, ich solle doch Dalarö als nächstes ansteuern. Ein Blick in die Karte – 21 sm. Sollte ein gemütlicher Schlag sein. Also lies ich es gemütlich an. Noch einmal die Windsituation gecheckt – etwas kompliziert heute. Über Land kam der Wind aus Südwest. Über dem Wasser drehte er auf Süd. Heute sollte es durch die Schären gehen. Da hat man gerne beständigen Wind.

Kurz nach dem Hafen setzte ich das Großsegel und mit diesem ging es erst einmal Richtung NNO. Nachdem der Wind recht moderat und beständig erschien, die Ankunftszeit nach hinten rückte, wurde die Fock ausgerollt. Jetzt ging es wieder flott voran und der Pinnenpilot (Johann) machte weitgehend den Job. Aber ich hatte es schon geschrieben: Ich war jetzt im Großraum Stockholm unterwegs. D.h. mehr Verkehr. Mehrmals musste ich anderen Booten ausweichen, da diese Vorfahrt hatten. Backbord-Bug vor Steuerbord-Bug. Wobei ich nicht weiß, ob das die Schweden wissen.

Dazu dazwischen eine kleine Anekdote: In Nynäsham lag eine schwedische Familie mit einer Bavaria 30 neben mir und wir kamen am Morgen bevor sie ablegten noch kurz ins Gespräch. Ich fragte ihn, ob er die Bavaria neu gekauft hatte und er meinte nein, gebraucht vor ein paar Jahren. Anfangs wären sie nur mit dem Motor gefahren um einmal zu sehen, wie das so geht. Erst dann hatten sie einmal die Fock gesetzt und später dann auch einmal das Großsegel. Ich fragte ihn, ob man in Schweden denn keinen Segelschein oder so etwas benötigt. „Nein, einen Schein benötigt man nicht. Das habe ich mir selbst beigebracht“ meinte er. Seitdem halte ich lieber Abstand auch wenn ich auf Backbord-Bug segle.

Mittlerweile den 59. Breitengrad passiert

Der Wind drehte langsam und kam mehr und mehr achterlich und ich musste zwischen zwei Schären hindurch. Da es kaum Welle hatte war die einzig sinnvolle Entscheidung ein Stück weit wieder Schmetterling zu segeln – Großsegel auf die eine, Fock auf die andere Seite. So etwas muss man von Hand diffizil aussteuern damit es nicht zur Patenthalse kommt. Wäre man zu zweit, würde ein Crew-Mitglied sich jetzt darum kümmern, einen Bullenstander zu setzen (fixieren des Großbaums, um die Patenthalse zu vermeiden). Einhand geht das schlecht denn diesen Kurs kann Johann nicht gut segeln.

Schärensegeln – im wieder zwischen Inseln hindurch.

Nachdem ich genügend Raum gewonnen hatte, konnte das Großsegel wieder auf die Seite der Fock geworfen und etwas angeluvt werden. So ging es immer wieder zwischen zwei Schären hindurch. Wenige Seemeilen vor Dalarö wurde die Fock eingeholt. Der Wind hatte (wie so oft im Laufe des Tages) zugenommen. Nur mit dem Großsegel war ich fast so schnell wie mit der Fock (auf sehr raumen Kursen bringt das Focksegel nicht mehr viel Geschwindigkeit). In der Bucht vor Dalarö kachelte es – 5 bis 6 Bft. In der Mitte noch eine Untiefe mit 2 Meter die beachtet werden sollte. Also Maschine an, Boot in den Wind gesteuert und Johann sollte den Kurs halten damit ich das Großsegel bergen kann. Das läuft inzwischen ganz gut.

Meine Sorge war noch das Anlegen bei diesem Wind denn der Wind pfiff mir schon ordentlich um die Ohren. Ich rechnete beim Anleger eigentlich mit einem Wind von Backbord und suchte mir einen freien Anleger an steuerbord. Den entdeckte ich auch gleich und steuerte diesen an. Doch bei der Ansteuerung registrierte ich, dass der Wind hier nun plötzlich von hinten kam. Der Gashebel war sowieso zurückgelegt. Doch nun musste ich mit Vollgas den Rückwärtsgang einlegen um nicht mit hartem Knall den Steg zu begrüßen. Das gelang gerade noch so und Miss Sophie legte sich butterweich am Steg an. Herunter gesprungen und die erste Leine belegt. Wieder auf das Boot gesprungen, um die Heckleine zu belegen. Auch wenn es in dem einen oder anderen Moment noch Nervosität gibt, merke ich langsam die Routine die ich gewinne, auch schwere Situationen einhand zu bewältigen.

Festgemacht in Dalarä

Als ich in der Bucht vor dem Hafen unter Motor anluvte, um das Großsegel zu bergen, die 15 bis 20 Knoten Wind spürte, den „Hafen“ erst einmal so richtig realisierte, dachte ich: „was machst du jetzt, wenn aufgrund der jetzigen Wind-Situation der Hafen für dich einhand nicht anzusteuern ist?“. Plan B hat gefehlt. Auf der Fahrt in die Bucht vor dem Hafen sah ich ein Segelboot, das in der Abdeckung einer kleinen Insel vor Anker lag. Ein guter Platz bei diesem Wind. Doch für ein zweites Boot war die Insel zu klein. Andere gut geschützte Plätze waren mir auf dem letzten Stück nicht aufgefallen. Was ich heute gelernt habe: Ich muss mich im Vorfeld mit einem Plan B beschäftigten. Was, wenn der Hafen aus irgendwelchen Gründen nicht angesteuert werden kann? Draußen, auf offener See, ist das weniger ein Problem. Halbwind-Kurs, Johann machen lassen und in Ruhe die Karten studieren. Das habe ich schon mehrfach praktiziert. Hier in den Schären ist das alles (bei starkem Wind) viel zu eng. Da kann ich nicht einfach einen Halbwind-Kurs anlegen. Und wenn, dann bleibt oft wenig Zeit, sich Gedanken zu machen. Denn bei 15 bis 20 Knoten Wind rauscht Miss Sophie mit gut 6 Knoten voran.

Lessons learned…

Habe für den Hafen oder das Anlegen immer einen Plan B. Es kann sein, dass du nicht so oder dort anlegen kannst, wie du das vorab geplant oder gedacht hattest.

Ziel Grädö

Die Frage war, wo picke ich am besten meinen Bekannten vom Bodensee auf, der am Donnerstag in Stockholm-Arlanda landen sollte. Nynäshamn wäre natürlich für ihn ideal gewesen. Aber da hätte ich noch einmal zwei Tage tatenlos gesessen und Nynäshamn ist jetzt wirklich kein Tourismusziel. Der Segler, den ich in Kalmar kennengelernt und in Nynäshamn wieder getroffen hatte, meinte Saltsjöbaden wäre gut. Doch von Dalarö waren das nur gut 8 sm. Viel zu wenig Strecke nach Norden. Norrtälje hatte ich meinem Bekannten noch vor meiner Reise als mögliches Etappenziel genannt. Gut zu erreichen mit dem öffentlichen Nahverkehr. Doch schon in Kalmar hatte ich realisiert, was es bedeutet tief hinein zu fahren. Das sind (mit Einschränkung) vergeudete Stunden. Nach Norrtälje müsste ich gut 2 Stunden mit dem Motor tief ins Land hinein fahren. Und das gleiche müssten wir dann wieder raus. Am Eingang dieses Fjörd liegt Grädö. Nicht ganz ideal für meinen Bekannten. Er muss den Bus nehmen und zweimal umsteigen. Das Problem mit dem ÖPNV in Schweden: Es gibt nicht den einen Betreiber sondern viele. Das betrifft nicht nur die Busse, auch die Bahn wird von verschiedenen Unternehmen betrieben. Und man benötigt dann von jedem Unternehmen eine Fahrkarte. Da hier alles online abläuft (man kann im Bus nicht bezahlen), benötigt man vom jeweiligen Unternehmen die App für das Handy und muss dort das Ticket buchen.

Im Stockholmer Schärengarten

Durch den Stockholmer Schärengarten

Mittwoch, 18. Juni 2025

In Dalarö blies der Wind am Morgen wieder mit gut 10 Knoten in den Hafen und ich lag ziemlich außen. Ein älterer Mann (noch älter als ich, lach) bot mir Hilfe an und hielt meinen Bug. Ich sagte ihm, dass ich einen Moment abwarte in dem der Wind etwas nachlässt. Dann Vollgas den Rückwärtsgang und erst einmal rückwärts aus dem Hafen an den Untiefen vorbei. Noch in der Bucht konnte ich das Großsegel setzen und den Motor ausmachen. Der Wind kam wieder nicht ganz so, wie es Windy meinte. Mehr von vorne. Aber es konnte noch gut gesegelt werden. So gut, dass ich schon bald auch die Fock dazu nehmen konnte. Heute ging es durch ziemlich viele Schären hindurch. Leider konnte ich den Kurs dann nicht mehr so halten, wie es sich der Routenvorschlag von Orca dachte (Orca hat wohl die gleichen Windmodelle wie Windy). Gleichzeitig nahm der Wind wieder zu und erreichte 17 Knoten. Nach drei Wenden im engen Schärengewässer nahm ich die Fock weg.

Mal wieder Rauschefahrt mit gut 6 Knoten am Wind

Inzwischen kam der Wind zunehmend von vorne. Dazu kamen jetzt noch Regenschauer. Mein Ziel für heute war eine Ankerbucht etwa 15 sm vor Grädö. Doch wie so oft wanderte die berechnete Ankunftszeit mehr und mehr nach hinten. Inzwischen hatte ich den Motor angeworfen. Ich war im breiten Gewässer und konnte Johann den Job machen lassen. Währenddessen suchte ich auf dem iPad im Hamnguiden und auf Orca nach Alternativen. Es sollte eine Bucht sein, die gut Richtung West und Nordwest geschützt ist. Schließlich fand ich etwas – Finhamns. Eine Ankerbucht, die sowohl von Norden als auch Süden angelaufen werden kann.

Im Regen ist dann nicht mehr viel zu sehen. Da lernt man GPS und Kartenplotter zu schätzen

Es lagen schon einige Boote vor Anker und so musste ich erst einmal die Lage prüfen. Weit genug von den anderen Booten weg wg. Schwojkreis (so wird das Drehen eines Bootes im Wind um den Anker oder einer Boje genannt) und nicht zu tief. Ich fand dann einen Platz auf 5 Meter Tiefe. 20 Meter Ankerkette gingen nach unten. Rückwärtsgang eingelegt, hält. Noch einmal richtig Gas geben – hält. Ankeralarm mit 30 Meter Toleranz eingestellt und Plotter beobachten. Auch in der gut geschützten Bucht hat es zeitweise noch 10 Knoten Wind.

Durch die südliche Einfahrt im Standgas in die Bucht
Ankerbucht Fynhämn

Nach 1 Stunde bin ich beruhigt und mache mich daran Essen zu kochen und zu essen. Auch wenn ich nicht die Ankerbucht erreicht habe, die ich erreichen wollte, bin ich sehr zufrieden. Ich bin noch etwa 25 sm von Grädö entfernt. Das ist morgen gut zu schaffen. Einzig das Wetter könnte mir einen Strich durch die Rechnung machen – Windfinder meint, dass es am Morgen regnet…

Fortsetzung folgt…

Kann ein Segeltag schöner zu Ende gehen?

Zusammen mit meiner Frau hatte ich noch einen Ruhetag in Kalmar – Pfingstsonntag. Auch wenn die Schweden nicht viele Feiertage haben – Pfingstsonntag ist einer. Normal haben in Schweden viele Geschäfte sonntags geöffnet, aber eben nicht am Feiertag. Selbst die Cafés, für die Kalmar bekannt ist, hatten geschlossen. Auf einem großen Platz fand ein Gottesdienst statt. Die Kirche konnte wegen eines Konzerts nicht besichtigt werden. Also gingen wir aufs Boot und machten uns dort einen Kaffee.

In Kalmar machte ich Bekanntschaft mit einem deutschen Segler der regelmäßig mit seiner Frau in diesem Revier segelt. Schon zwei Mal waren sie in Haparanda. Von ihm nahm ich einige Tipps mit.

Sightseeing in Kalmar

Montag, 9. Juni 2025

Pfingstmontag verabschiedete ich dann meine Frau die zurück nach Hause ging. Ab jetzt sollte ich eine Zeit einhand unterwegs sein. Ich machte noch einmal einen Hafentag, um einige Dinge einzukaufen. Heute hatten die Geschäfte wieder geöffnet denn Pfingstmontag ist in Schweden kein Feiertag.

Den angebrochenen Tag nützte ich, neben der Einkäufe, für einen Besuch des Schlosses in Kalmar. Es ist zwar wenig Inventar im Original aus dem späten Mittalter zu sehen, trotzdem ist es ein lohnender Besuch. Der Besucher erfährt einiges aus der Geschichte Schwedens und speziell um dieses Schloss.

Dann hatte ich noch einen weiteren Plausch mit meinen neuen Bekannten. Sie unterstützten mich bei meiner Planung Richtung Stockholm und gaben mir einige Tipps für Häfen und Ankerbuchten. Auch wenn ich mich für das Ankern bestens vorbereitet habe, nach Ankern ist mir bei den derzeitigen Temperaturen in der Nacht noch nicht. Ich habe keine Heizung. Also steuere ich Häfen an wo ich Landstrom habe. Dann läuft mein Heizlüfter auf Hochtouren.

Auf nach Oskarhamn

Dienstag, 10. Juni 2025

Dienstag begann dann der Ernst des Lebens. Das erste Mal einhand in diesem Revier. Ablegen ging gut. Mein Ziel für heute: Oskarshamn. Die Wetteraussichten waren nicht sonderlich gut. Aber Wind und Windrichtung sollten passen. Raumschots ging es unter der großen Brücke durch die das Festland mit Öland verbindet. Dann weiter im Kalmarsund Richtung Nord-Nordost. Gegen Mittag setzte der Regen ein. Rechtzeitig hatte ich mich ins Ölzeug geworfen und die Segelstiefel angelegt – so blieb ich wenigstens trocken. Im Kalmarsund war ich weitgehend alleine unterwegs. Zwei oder drei Segler die mich überholten. Anfangs hatte ich nur das Großsegel gesetzt, erst später, als ich mich sicher fühlte, hatte ich die Fock dazu genommen.

Einmal mehr AIS Alarm. Markierung auf das Boot – „Military“. Aha. Mir kamen drei Patrouillenboote der schwedischen Marine in hoher Geschwindigkeit entgegen. Nur eines hatte das AIS aktiviert. Zum Glück wollten sie nichts von mir. Eine Zeit später sichte ich etwas entfernt wieder ein militärisches Wasserfahrzeug. Leider konnte ich es nicht genau identifizieren. Für ein U-Boot hat es einen ungewöhnlich hohen Aufbau. Für eine Fregatte scheint es recht flach. Auch kein AIS aktiviert…

Der Wind nimmt zu und vor Oskarshamn wird das Bergen der Fock zur Herausforderung. Bei dem starken Wind und der inzwischen ausgeprägten Welle hat Johann Schwierigkeiten den Kurs zu halten.

Angesichts des starken Windes entscheide ich nicht den außen gelegenen Hafen sondern den in der Stadt anzusteuern. Anlegen mit Heckboje, das erste Mal. Und das auch noch Einhand. Aber wie gehofft ist es hier durch die umliegenden Gebäude windstill. Im zweiten Anlauf habe ich es geschafft. Zum Glück hatte ich viel Platz – ich war das einzige Boot am Steg.

Fazit zum Hafen: Kein schöner Hafen. Direkt angrenzend ist ein Parkplatz für Wohnmobile. Es hat im Moment deutlich mehr Wohnmobile als Segelboote hier in Oskarshamn. Geschätzt etwas 50 Stellplätze für Wohnmobile und dazu etwa 50 – 80 Liegeplätze und für diese Menge zwei Toiletten und zwei Duschen.

Festgemacht in Osarkshamn. 45 sm, 10,5 Stunden

Auch eine neue Erkenntnis: Dort, wo nur Wassersportler sind, sind die sanitären Anlagen sauber. Auch im Laufe des Tages. Dort, wo an den Häfen Wohnmobil-Stellplätze angeschlossen sind, sehen die Toiletten aus wie auf dem Campingplatz… Muss man nicht näher beschreiben.

In Oskarshamn möchte ich noch Bargeld holen. Das ältere Pärchen, das ich in Kalmar kennengelernt hatte, hatte mir empfohlen, auch immer etwas Bargeld dabei zu haben. Außerdem war mein nächstes Ziel Idö. In einer Google Rezension hatte ich gelesen, dass man hier die Hafengebühr bar entrichten muss.

Also startete ich am nächsten Morgen die Suche nach einem Geldautomat. Der erste, der laut Google Maps da sein sollte, war nicht da. Es gab ihn nicht. Also zweiten angesteuert. Gefunden. Maximaler Betrag, der bezogen werden kann: 500 SEK – das sind umgerechnet etwas weniger als 50 Euro. Lustig. Natürlich warf der Automat einen 500 Kronen Schein aus. Also in das nächste Shopping-Center, war gleich um die Ecke. Unten gab es eine Apotheke. Ich erkläre der Mitarbeiterin meine Situation und mein Anliegen den Schein etwas kleiner zu machen. Sie schaut mich ungläubig an und meint: „so viel Bargeld habe ich nicht in der Kasse. Aber versuchen sie es einmal bei Coop“. Die Kassiererin beim Coop zögert, macht mir dann aber den Gefallen.

Dann geht es vor der Abfahrt noch einmal unter die Dusche – nächstes Ziel Idö, ein Tipp von dem älteren Paar aus Deutschland.

Kalmar > Oskarshamn

Motorprobleme in Oskarshamn

Mittwoch, 11. Juni 2025

Als ich dann gegen 10 Uhr den Motor starten möchte, ein Problem. Der Motor startet nicht. Also der Anlasser macht ein paar zögerliche Umdrehungen aber nicht wirklich mit Schwung. Schweißperlen auf der Stirn. Nachdenken. Noch einmal versuchen. Noch weniger Reaktion. Überlegen. Sollte ich etwa hier in Oskarshamn einen Volvo-Techniker benötigen. Der mich dann belächelt angesichts meines 30 Jahre alten 9 PS Ein-Zylinder Volvo?

Ein Gedanke: Ich hatte abends zuvor vergessen die Starterbatterie auszuschalten. Passierte mir schon das eine oder andere Mal. War bisher aber nie ein Problem da a) die Batterie relativ neu ist und b) die Batterieanzeige mir abends immer 14 Volt anzeigte. Aber das ist zumindest einmal eine Hoffnung. Denn ein Batterieladegerät habe ich dabei. Also das angeschlossen und mal 15 Minuten gewartet. Neuer Versuch. Jetzt kommt der Motor in die Gänge. Motor wieder aus und erst einmal 2 Stunden Batterie laden. Das macht diese zwar nicht voll aber hoffentlich wieder so weit gebrauchsfähig, dass ich vor Idö den Motor starten kann.

Der Wind kommt wieder aus NNW. Anfangs gegenan segeln erst nur mit Großsegel dann noch mit Fock. Heute begegnete mir kein einziges Boot. D.h. ein Segelboot das gerade nach Oskarshamn einfuhr. Aber dann nichts mehr. Nicht mal ein Frachter.

Solarpanel wird auch während des Segelns ausgerichtet

Als es wieder in die Schären geht habe ich den Wind direkt auf der Nase. Also Motor an und nach 1 1/2 Stunden in Idö angelegt. Ein nettes deutsches Paar hilft beim Anlegen und gibt mir die Mooringleine. Auch hier ist noch nicht viel los. Der Steg, an dem man mit Heckanker anlegen soll, ist komplett leer. Kurzer Plausch mit dem netten deutschen Ehepaar. Sie haben neben dem Schiff, das sie gerade Richtung Stockholm überführen, einen Waarschip Jollenkreuzer am Bodensee liegen. Daher fiel ihnen gleich mein Kennzeichen am Bug auf.

Sunset Idö. Oskarshamn – Idö 36 sm, 10 Stunden

Aktuelle Info: In Idö wird nicht mehr bar bezahlt. Der Liegeplatz wird oben im Restaurant (natürlich mit Karte) bezahlt. Dort gibt es auch zwei Toiletten und zwei Duschen. Ist aber ein Weg bis dorthin…

Von Idö nach Fyrudden

Donnerstag, 12. Juni 2025

Am nächsten Morgen mache ich noch einen Spaziergang über die Insel. Ich kann mir gut vorstellen, was hier im Sommer los ist. Dann sind die kleinen Badeplätze sicher begehrt. Auch in Schweden gibt es Trolle, die mich am Wegesrand begrüssen.

Hafen Idö

Durch diesen Spaziergang lege ich erst spät ab. Mein nächstes Ziel ist Fyrudden – auch ein Tipp von dem älteren Ehepaar welches ich in Kalmar kennenlernte. Zuerst wollte ich den kurzen Weg durch die Schären nehmen. Der Hafennachbar in Idö meinte noch, dass der Wind heute heftig wäre. Naja, heftig wie die anderen Segeltage. 15 Knoten in Böen mal 20 Knoten. Jedenfalls, das mit dem kurzen Weg durch die Schären war nichts. Wind genau gegenan. Mit Maschine machte ich noch 2,5 Knoten. Also neuer Plan: Raus aus den Schären auf die offene See und dort gegenan kreuzen. Der Wind war stark aber die Welle angenehmer als zuletzt. Länger, nicht so kurz und hackig. Wie so oft segelte ich zuerst nur mit dem Großsegel im ersten Reff und später nahm ich die Fock dazu. Trotzdem wurde es ein langer Tag. Um 20:00 Uhr hatte ich in Fyrudden angelegt. Auch hier: gähnende Leere. Nur eine weitere deutsche Segelyacht lag im Hafen. Auch hier wieder bekam ich Hilfe beim Anlegen.

Fyrudden

Zum Glück waren noch Tortellini vom Vortag übrig die nur aufgewärmt werden mussten. Nach zwei Bier fiel ich tot in die Koje. Anstrengender aber schöner Segeltag.

Idö > Fyrudden

Durch den Schärengarten nach Nävekvarn

Freitag, 13. Juni 2025

Heute soll es durch den Schärengarten gehen. Tagesziel ist Nävekvarn. Weshalb, dazu später. Es hat heute keinen Wind also geht es unter Maschine weiter. Die Schären sind faszinierend. Hunderte oder vielleicht tausende von kleinen Inseln. Man fährt direkt an einer Insel vorbei und der Tiefenmesser zeigt 25 Meter. Kaum zu glauben. Einmal geht es recht eng zwischen zwei kleinen Inseln durch. Aber auch dort immer noch 10 Meter Wasser unter dem Kiel. Ich merke dass ich mich Stockholm nähere. Es scheint jetzt mehr kleine Häfen zu geben die auch alle gut belegt aussehen. Außerdem sind jetzt hier doch einige Schweden unterwegs die trotz des schwachen Windes (etwa 8 Knoten) segeln. Also offensichtlich so wie ich am Bodensee Feierabend- und Wochenend-Segler ohne weit entferntes Ziel. Beim Anlegen in Nävekvarn erfahre ich Hilfe durch einen Segler aus Frankreich. Ihm ist der Mast gebrochen und jetzt liegt er hier und wartet auf einen neuen Mast – 3 Wochen. Dumm gelaufen. Ist mir aber auch einmal passiert. Auf dem Bodensee mit meinem vorherigen Boot, einer Beneteau First 325. Mast falsch getrimmt, eine Böe mit 8 Bft. und knack hat es gemacht.

Festgemacht. Idö – Nävekvarn 6:15 Stunden

Auch der Hafen von Nävekvarn ist gut belegt. Wie gesagt, jetzt spürt man die Nähe von Stockholm. Und das obwohl es hier sicher 2 – 5 Grad kühler ist als in Südschweden. Ansonsten ist der Hafen nicht besonders toll. Die Sanitäranlagen sind sehr einfach und auch schon in die Jahre gekommen. Morgen Vormittag werde ich hier noch ein paar Einkäufe erledigen und dann geht es weiter.

Idö > Nävekvarn

Immer wieder kleinere Reparaturen

Auch unterwegs ergeben sich immer wieder kleinere Reparaturen. Vor Oskarshamn hing auf einmal der Baum unten nachdem ich das Segel geborgen hatte. Ein Schäkel an der Dirk war offen/defekt. Provisorisch gelöst mit einer dünnen Leine. Dann machte mir die Kühlbox schon einige Zeit Probleme. Unterwegs, ziemlich am Anfang, waren zwei Dosen Flensburger in der Bilge aufgegangen und hatten diese (nicht unter Wasser) unter Bier gesetzt. Heute kontrollierte ich noch einmal und entdeckte noch etwas Restflüssigkeit. Dabei realisierte ich, dass die Kühlbox mit einer Zigarettenanzünder-Steckdose angeschlossen ist. Wäre eine Möglichkeit für meinen Laptop – dachte ich. Nachdem ich den Stecker gezogen hatte sah ich, dass dieser vollkommen korrodiert war. Zum Glück hatte ich einiges an Werkzeug und Kleinmaterial eingepackt. Stecker und Dose abgezwickt und zwei Wago-Klemmen lösen das Problem mit der Kühlbox.

Zweites Etappenziel erreicht

Im Wesentlichen habe ich mein zweites Etappenziel „in time“ erreicht. Ich bin im Großraum Stockholm. Hier möchte ich mich in drei oder vier Tagen mit meiner Tochter treffen die mit ihrem Freund einen Städtetripp nach Stockholm macht. Deshalb der Termin und das Ablegen heute Morgen. Jetzt geht es nur noch darum einen Hafen zu suchen, der eine gute Verkehrsanbindung nach Stockholm hat.

Und in sechs Tagen picke ich dann noch einen Bekannten vom Bodensee auf, der mich dann etwa 10 Tage begleitet. Doch zu alledem dann im nächsten Teil.

Der eine oder andere wird sich fragen, weshalb ich bei meinem Umbau und meinem „temporären“ Törn nicht auf Orca gegangen bin. Zuerst für die, die nicht wissen was Orca ist:

Was ist Orca?

Orca ist eine recht neue Lösung für die elektronische Navigation. Bevor ich hier eine lange Abhandlung schreibe, was Orca ist, was Orca kann verweise ich einfach auf einen Beitrag im float Magazin.

Über das segeln-forum wurde ich auf Orca aufmerksam. Orca, das ist zum einen eine App für iOs oder Android. Dazu gibt es die Option mit dem Core. Der Core (das Herz) beinhaltet einen GPS Empfänger und die Möglichkeit, alle möglichen Datengeber mit dem Core zu verbinden. Darüber hinaus beinhaltet das gesamte Paket ein besonders robustes Tablet auf Android Betriebssystem.

Eine weitere Besonderheit: ohne große Zusatzkosten werden Seekarten bereitgestellt. Upps…. Da wird wohl mancher hellhörig. Denn von bisherigen Plottern kennen es Wassersportler so, dass teure Seekarten von Navionics, Cmap oder what ever gekauft werden müssen. Alleine damit rührt Orca den Markt deutlich auf.

Erster Eindruck…

Um einen ersten Eindruck zu bekommen, habe ich mir die Orca App auf dem iPad installiert und die einfachste Subcription gebucht.

Erster Eindruck: Übersichtlich. Die Seekarten wirken sehr aufgeräumt und übersichtlich. Sie sind nicht so bunt wie z.B. die Seekarten von Navionics. Und das gefällt wohl einigen. Viele Kommentare dazu sagen, dass die Seekarten aufgrund der Farbgebung übersichtlicher wären.

Die erste Versuche mit dem Setzen von Wegpunkten, importieren von Routen liefen etwas holprig. Mit Umwegen funktionierte auch das Importieren.

Also, warum nicht Orca?

Meine Ausgangssituation: Ich hatte das B&G Tridata für Lot, Logge und Wind inklusive Anzeige installiert. Das war meine Ausgangssituation. Jetzt sollte noch ein Funkgerät, vor allem auch für den Empfang von AIS Daten, dazu kommen. Und ein Pinnenpilot, aufgrund der Kompatibilität zu B&G ein Simrad TP22 (Simrad wurde vor einigen Jahren von B&G aufgekauft). Zuletzt wollte ich einen Plotter für die Routenplanung, die Darstellung der Schiffe die über AIS ihre Position, Geschwindigkeit und Richtung senden, eine digitale Seekarte mit genauen Tiefenangaben, Seezeichen etc. und was sonst noch geht.

Und da sind wir beim ersten Punkt. Wie in anderen Beiträgen geschrieben, war eine Motivation für diesen Törn für mich der Youtube Kanal der SY Müggele. Und von dort habe ich zwei wichtige Infos zu den Karten von Navionics mitgenommen: Auf den Navionics Karten sind auch die Bojen des SXK (der Svenska Kryssarklubben) in den Karten eingezeichnet.

Da ich möglichst viel ankern, bzw. an den Bojen festmachen möchte, war mir das wichtig. Zweiter Grund: In der Navionics App gibt es Kommentare bzw. Messungen anderer Benutzer. Es gibt in Schweden und Finnland zahlreiche Buchten, die nicht genau vermessen sind. Mit etwas Glück findet man Messungen anderer User.

Kosten: Wenn ich den Orca Core (wird benötigt um die bestehenden Geräte Lot, Logge, Wind, Pinnenpilot einzubinden), das Orca Display (das Android Tablet), eine Halterung für das Tablet rechne, komme ich aktuell auf rd. 2150 Euro. Für das nächste Jahr benötige ich mind. eine Subscription in Höhe von 150 Euro. Also in Summe bin ich dann am Ende des Törn bei 2300 Euro.

Dem gegenüber stehen die Kosten für den B&G Vulcan 7 plus Seekarte Navionics Baltic Sea Large – in Summe rd. 890 Euro. Auf ein Update der Karte 2026 kann ich auch verzichten. Also keine weiteren Kosten. Und wenn ich nächstes Jahr ein Update der Karte „Baltic Sea“ wollte, kostet dies Stand 2025 124 Euro – also noch weniger als die Subscription.

Orca ist eine tolle Sache. Und ich denke auch, dass das die Zukunft ist. In der Vergangenheit versuchten verschiedene Hersteller ihr proprietäres System zu schaffen, um die Kunden zu binden. Die Zukunft wird sicher ein offenes System wie Orca sein. Für alle, die dauerhaft mit eigenem Kiel auf dem Meer unterwegs sind, die sehr unterschiedliche Reviere ansteuern wie Ostsee, westliche Ostsee, Atlantikküste, Mittelmeer usw. definitiv auch kostenmäßig interessant da alle Seekarten inklusive sind (Anmerkung: Orca deckt derzeit noch nicht alle Seegebiete ab. Aber Europa komplett).
Für jemand der nur auf der Ostsee unterwegs ist, ist die Subscription oder das Update einer Navionics Karte wohl kein großer preislicher Unterschied. Für mich wären es 1.400 Euro Mehrkosten gewesen, die sich nicht rechtfertigen ließen.

Wie geschrieben hatte ich mir die App Orca mit dem Abo „Orca Plus“ (Kosten 49,99 Euro) auf dem iPad als Ergänzung installiert. Und im ersten Rückblick war ich ganz froh darüber. Denn: Ich hatte mir für den Vulcan 7 die Seekarte „Baltic Sea“ von Navionics gekauft. Was ich nicht wusste (und wer wie ich bei SVB bestellt – auf der Seite wird nicht(!) darauf hingewiesen), dass Bornholm und auch die Erbseninseln nicht in dieser Seekarte enthalten sind. Dafür hätte ich noch einmal eine andere Seekarte von Navionics kaufen müssen (obwohl Bornholm mitten drin liegt – das verstehe wer will).

Autorouting

Was ich an der Orca App ganz cool finde, ist das Autorouting. Also man gibt einen Zielpunkt an und lässt Orca eine mögliche Route planen. Dabei kann auch das Start-Datum angepasst werden. Orca macht dann einen Routenvorschlag unter Berücksichtigung der Wetterdaten. Nun kommt das „aber“…. Aber das Autorouting funktioniert manchmal nicht so toll. Bei Christansoe sollte ich z.B. die ersten Meilen quer über die Insel „segeln“.

Bei der Törnplanung von Karlskrona nach Kalmar wollte mich das Autorouting partout nicht durch ein enges Fahrwasser südlich von Torhamn navigieren. Dass es mit dem Autorouting noch hapert, liest man auch in der Facebook-Gruppe „Orca Owner’s Club“.

Was mir ebenfalls unangenehm auffiel, ist der Energiebedarf der App. Wie gesagt habe ich „nur“ die App mit Subscription auf meinem iPad. Wenn ich den Energiespar-Modus ausschalte und Orca ständig auf dem iPad laufen lasse, dann ist in etwa 4 Stunden der Akku leer gesaugt. Wir hatten jetzt einige Schläge die Richtung 10 Stunden gingen. Für den kompletten Schlag war Orca nicht zu gebrauchen.

Fazit

Trotz der zuvor genannten Nachteile: Mir gefallen die Karten von Orca sehr gut. Für meinen Geschmack übersichtlicher als die Karten von Navionics. Aber das ist Geschmackssache. Auch wenn das Autorouting Schwächen hat: Ich finde es hilfreich bei der Planung. Die Kosten, knapp 50 Euro für ein Jahr für die App finde ich o.k.

Jedenfalls habe ich mich dann gegen den Orca Core mit dem Tablet und für ein B&G Vulcan 7 mit der Karte von Navionics entschieden. Und rückblickend, nach mehr als 2 Monaten an Schwedens Ostküste und mehr als 1000 sm bin ich froh darüber. Unten ein Beispiel dafür, wie schlecht das Kartenmaterial von Orca im Detail ist.

Die Einfahrt, wie sie Orca hier vorschlägt, ist nicht möglich!
So sieht die Realität aus und so zeigt es mir auch die Karte von Navionics

Kalmar – erstes Etappenziel erreicht

Samstag, 7. Juni 2025

Nur einen Tag später, nachdem ich Teil 1 veröffentlicht habe, schreibe ich am zweiten Teil. Nur ein Segeltag, aber der hatte es in sich. Außerdem (ich nehme es vorweg): Mit dem Etappenziel „Kalmar“ habe ich das erste Etappenziel „in time“, also so wie geplant, erreicht.

Ich habe meine Ostseerunde, also die Wunschvorstellung, grob in Etappen aufgeteilt. Etappe 1: von Kröslin nach Kalmar. Und dazu stehen Daten. Für Kalmar stand das Datum für die Ankunft 07.06.25. Ein Ruhetag mit meiner Frau bevor sie dann am Montag (9. Juni) nach Hause fliegt.

Angesichts der verspäteten Abreise in Kröslin, dem ungeplanten (zweiten) Hafentag in Karlskrona und dem Tag ohne Wind auf Christiansø dachte ich nicht, Kalmar zum geplanten Datum zu erreichen.

Die Ausgangssituation hatte ich im letzten Teil beschrieben. Aufgrund des Wetters blieben wir einen weiteren Tag in Karlskrona, für heute war „moderater“ Wind (etwa 4 bis 5 Bft) aus südwest vorhergesagt. Gute Bedingungen. In der Nacht blies der Wind noch ordentlich in den Hafen von Karlskrona weshalb ich es am Morgen gemütlich anging. Die Hoffnung war, dass der Wind weiter etwas nachlässt.

Die ersten Seemeilen waren richtig schön. Auch wenn es immer noch gut Wind hatte, dadurch, dass wir hinter den vorgelagerten Inseln bzw. zwischen Inseln Richtung Kalmarsund segelten, hatte es keine Welle und es war fast wie auf dem Bodensee (mit dem Unterschied, dass es Wind hatte). Ein kurzes Stück hatten wir dabei gegenan und wurde mit Hilfe des Motors bewältigt. Auch eindrucksvoll: Das erste Mal unter einer Brücke hindurch segeln. Die Brücke hatte eine Durchfahrtshöhe von 18 Metern. Miss Sophie etwa 13,5 Meter plus Antenne wohl 14 Meter. Es hat gereicht aber da hält man doch eben einmal die Luft an.

Segeln durch die Inseln südöstlich von Karlskrona
Erster Vorgeschmack auf das Schärensegeln
Erste Brückendurchfahrt

Schließlich erreichten wir den Kalmarsund und der Wind blies stärker als erwartet/gehofft und es hatte auch mehr Welle als erwartet/gehofft. Doch es ging noch ganz gut. So gut, dass ich das Steuern an Johann, unseren Pinnenpiloten delegieren konnte.

Etwa auf halbem Weg kam mir eine deutsche Yacht entgegen (das einzige Segelboot an diesem Tag im Kalmarsund). Ich Backbord-Bug, er Backbord-Bug. Er im Lee, also hatte er Vorfahrt. So musste ich die erste Halse machen und ich merkte zum ersten Mal die Kräfte, die heute wirkten. Die Großschot war kaum dicht zu holen.

Inzwischen kam der Wind fast genau von hinten, die Wellen hatten zugenommen so dass mir Johann nicht mehr helfen konnte. Ich musste alles selbst steuern und jede Welle, die unter dem Boot hindurch rollte, aussteuern. Miss Sophie begann auf den Wellen zu surfen und erreichte Geschwindigkeiten, die mir Angst machten. Einmal hatten wir 9,2 Knoten auf der Logge – weit über Rumpfgeschwindigkeit und das Ruder begann zu vibrieren. Zum Glück waren das immer nur kurze Momente und die Geschwindigkeit kam wieder auf ein vernünftiges Maß. Es war aber extrem schwierig, die Wellen so platt vor dem Wind auszusteuern. So legte ich 3 Patenthalsen hin (das Großsegel schlägt ungeplant und mit Wucht auf die andere Seite). Einmal waren leider meine Fingerknöchel und der Bizeps im Weg – schmerzhafte Erfahrung.

Im Kalmarsund – Erinnerung an die Beach Boys „Everbody’s surfing“

Kurz vor Kalmar ging es an das Bergen des Großsegels. Motor an und in den Wind steuern. Johann macht wieder seinen Job (sehr gut). In der Welle geht es auf allen vieren zum Großsegel. Leider fällt unser Großsegel nicht einfach von selbst herunter sondern benötigt etwas Hilfe dabei. Dabei bekam ich (wieder einmal) meine zweite Dusche durch eine Welle die über das Deck schlug.

Später habe ich recherchiert, wie die Windverhältnisse waren (unser Windmesser zickt im Moment). Am Airport Kalmar wurden 47 km/h in Böen gemessen.

Die Ansteuerung von Kalmar verlief sehr gut. Im Hafenbecken dann endlich etwas Ruhe und wir finden wieder einmal einen Liegeplatz in erster Reihe. Ganz in der Nähe von Dusche, WC, Sauna etc.

Fazit: Ich denke das war der härteste Segeltag in meinem bisherigen Seglerleben. 52,5 sm in 11:00 Stunden. Durchschnitt 4,8 Knoten. Jetzt zwei Tage Pause. Dann geht es einhand weiter. Ich bin sehr gespannt wie mir das gelingt und wie weit ich komme.

Es wird Zeit, mich um meinen Blog zu kümmern. Bereits 12 Tage sind wir jetzt unterwegs. Und je mehr Zeit vergeht, umso mehr vergesse ich wieder. Aber bisher war ich Abends oft zu k.o. bzw. gab es noch andere Baustellen.

Der Start

Samstag, 24. Mai 2025

Am Abend zuvor wurde das Auto bis an den Rand voll gepackt. Zum Glück hatte der Audi Q7, den ich bei Sixt gemietet hatte, so viel Platz. Trotzdem gab es am Ende Engpässe. Die Polster mussten ins Boot, hatten im Audi keinen Platz mehr. Und auch die Drohne musste zu Hause bleiben.

Also Samstagmorgen noch einmal mit dem Opel zum Boot fahren und die Polster aufladen. Boot verzurren und der Versuch zu wiegen. Hat leider nicht geklappt. Also hoffen und vertrauen, dass ich die 3,5 to einhalte (in etwa). Ankuppeln und gegen Mittag geht es los. Ich bin froh, als ich auf der Autobahn bin. Da geht das Fahren relativ entspannt.

Ganz schön langes Gespann….

Mit 80 km/h ist es ein langsames Vorankommen. Wir machen immer wieder Pause denn das Fahren strengt schon an – insbesondere in Baustellen. Ca. 100 km vor Berlin, es ist bereits 20 Uhr, steuern wir eine Raststätte zum Übernachten an. Gute Nachricht: Einige Kilometer weiter wären wir wg. Vollsperrung im Stau gestanden.

Geschlafen wird im Boot. Immer noch besser, als im Auto zu schlafen. Am nächsten Morgen geht es nach einem kleinen Frühstück und Kaffee gegen 10 Uhr weiter. Erst gegen 18 Uhr erreichen wir das Hotel bei Kröslin. Lecker Abendessen und noch einmal komfortabel übernachtet.

Marina Kröslin

Montag, 26. Mail 2025

Am nächsten Morgen geht es zur nur wenige Kilometer entfernten Marina. Alle sehr nett, entspannt, hilfsbereit, freundlich. Ganz anders, als ich es vom Bodensee kenne.

Miss Sophie geht in die Ostsee.

Nach dem Einkranen, vor dem Stellen des Masts, ein Schreck: Unterwegs habe ich die Abdeckung des Toplichts verloren. Die Hafenmitarbeiter schauen in der eigenen Werft, ob sie einen Ersatz finden. Fehlanzeige. Also Mast erst einmal stellen und trimmen. Schauen wir morgen in Greifswald nach Ersatz.

Kosten: Clubmitglieder vom Bodensee jammern immer wieder über die Kosten für das Ein- Auswassern, Mast stellen, Transfer am Bodensee (damit ist ein bestimmter Dienstleister gemeint). Als ich die Rechnung bekomme, staune ich nicht schlecht: Einwassern, Mast stellen, trimmen – 600 Euro. O.k. am Bodensee trimmen sie nicht den Mast (weil sie es nicht können).

Nächster Tag Greifswald: Erstes Mal einkaufen und nach einem Ersatzteil für das Toplicht schauen. In einem Yachtshop fühle ich mich schon glücklich, als der Mitarbeiter einen Deckel in der Werft findet (Marke Hella Marina).

Erstes Mal einkaufen…

Nächster Tag: Ein Mitarbeiter geht am Kran mit Seemannsstuhl in den Mast. Ernüchterung. Der Deckel passt nicht. Das Toplicht ist von Aqua Signal und gibt es nicht mehr. Nicht einmal auf Ebay. Also neues Toplicht im Yachtshop der Marina Kröslin gekauft. Am nächsten Tag (Vatertag, oder besser gesagt Herrentag, wie er hier heißt, soll gutes Wetter und wenig Wind sein). So gehe ich am nächsten Tag (das wäre der spätere, geplante Abreisetag gewesen) selbst in den Tackelmast, um das Toplicht zu tauschen. 2 1/2 Stunden Arbeit.

Blick aus etwa 13 Meter Höhe auf Miss Sophie

Lessons learned….

Bereits jetzt hatte ich erste Lehren gezogen: Es war Blödsinn, schon im Vorfeld so viel Lebensmittel zu kaufen und diese in Kartons zu verpacken. Alle Einkäufe hätte ich vor Ort besorgen können (außer ein paar Besonderheiten wie Trekking-Nahrung oder regionale Produkte). Ich hätte Pakete vorab an die Marina senden können, dann wäre im Auto mehr Platz gewesen.

Die Ostsee begrüßt uns mit einem Tritt in den Allerwertesten

Freitag, 13. Mai 2025

Endlich geht es los und die Ostsee begrüßt uns mit einem Tritt in den Allerwertesten. Mit ein bzw. zwei Tagen Verspätung geht es los. Wetter und Wind sollten für den Freitag, den 13. Mai passen.

Vorsichtig starte ich erst einmal nur mit dem Großsegel und erstem Reff. Im Greifswalder Bodden geht es immer schön im Fahrwasser bis zur letzten Tonne. Der Wind passt, so das alles gesegelt werden kann.

Um Göhren herum nimmt der Wind fortlaufend zu. Inzwischen hatte ich die Fock ausgerollt die bald wieder geborgen wurde. Eine Weile ging es mit Groß, doch der Wind nahm weiter zu. Inzwischen 5 Bft. und Böen 7 Bft. (hatte ich später als Ist-Wert recherchiert) und 1 bis 1,5 Meter Welle. Das ganze gegenan. Bald kamen die ersten Wellen über die Sprayhood und ich bekam meine zweite Dusche. Nur mit Motorunterstützung konnten wir uns in den Hafen retten. Und auch dort: Schwieriges Anlegen da der Wind hier aus allen Richtungen herein prasselte. Nur mit der Hilfe zweier Segler am Steg konnte Miss Sophie festgemacht werden.

Festgemacht in Sassnitz
Unsere erste Etappe auf der Ostsee

Nach dem Erlebnis brauchen wir erst einmal einen Hafentag. Außerdem wollten wir noch einmal frische Lebensmittel hier einkaufen. Die Promenade war eher eine Enttäuschung. Für den Namen „Rügen“ hätten wir uns mehr erwartet. Aber ein Fischbrötchen gab es wenigstens.

Wenigstens die Sanitäranlagen waren o.k. Auch wenn etwas weit vom Hafen entfernt. Dringend darf man es hier nicht haben. Die Hafengebühr betrug etwa 30 Euro.

25,8 sm, 7h 15 min, Durchschnitt 3,6 Knoten

Erste große Etappe: Sassnitz – Rønne

Sonntag, 1. Juni 2025

Das nächste Ziel auf dem Weg Richtung Schweden war die Insel Bornholm und hier Rønne. Wir starten um 7:30 Uhr denn heute stehen 50 Seemeilen an. Der Wind sollte gut passen. Zuerst benötigen wir noch den Motor. Es geht vorbei an den Kreidefelsen und bald kann ich schon die Segel setzen. Es hat wieder eine ordentliche Welle (ca. 1 Meter) was dazu führt, dass meine Frau seekrank wird. Die meiste Zeit liegt sie unten in der Koje während ich das Boot Richtung Bornholm steuer. Bei etwa 15 Knoten Wind erreichen wir 6 Knoten. Als Segler schlägt mein Herz natürlich höher. Nicht diese Flautenschieberei wie auf dem Bodensee. Der Wind kommt ideal aus s/w, wieder etwa 13 Knoten, und es kann alles auf einem Bug mit hoher Geschwindigkeit gesegelt werden.

Vorbei an den Kreidefelsen von Rügen
Schnellfähre überholt mit 20 Knoten und das AIS schlägt Alarm

Dass Passieren der Offshore-Windparks ist problemlos. Recht nah segle ich daran vorbei. Einzig eine Regenfront holt uns inzwischen ein und ich muss die Fock bergen.

Die Einfahrt in den Hafen Nørrekås ist unkompliziert. Es geht etwas ums Eck herum aber auf dem Plotter gut erkennbar. Die Hafengebühr betrug etwa 30 Euro. Die Sanitäranlage – naja. Noch ertragbar aber sauber ist anders. Sind auch recht veraltet.

Am Abend sehen wir noch ein Gewitter welches wir am nächsten Tag spüren werden

Am Abend sehen wir ein Gewitter welches in einiger Entfernung vorbei zieht.

48,7 sm, 9h 41 min, Durchschnitt 5 Knoten

Auf zu den Erbseninseln

Montag, 2. Juni 2025

Die nordöstlich von Bornholm gelegenen Erbseninseln bzw. Christiansø soll unser Sprungbrett nach Schweden sein. „Nur“ 30 sm – aber die haben es angesichts Wind und Welle wieder in sich…

Der Wind bläst wieder ideal aus südwest mit 15 Knoten plus/minus also etwa 4 bis 5 Bft. Wahrscheinlich aufgrund des Gewitters in der letzten Nacht ist die See sehr unruhig. Wieder ordentlich Welle. Aber keine, die das Segeln stört. Nur meine Frau liegt wieder flach – seekrank. Ich genieße die Rauschefahrt auf der Ostsee. Und Johann, so wurde jetzt mein Pinnenpilot getauft, macht einen hervorragenden Job. Miss Sophie gibt Gas und rauscht mit 6 bis 7 Knoten dahin.

Mit Großsegel und Genua geht es entlang der Küste von Bornholm. Gegen Ende Bornholm kreuze ich eine andere deutsche Yacht. Der Wind kommt inzwischen sehr achterlich. Während er einen Schmetterling segelt (Großsegel auf der einen, Genua/Fock auf der anderen Seite) übe ich mich mit Johann im Halsen mit Pinnenpilot. Für meine Verhältnisse ist der Winkel von 110 Grad, den er wählt, zu groß. Ich muss sofort korrigieren, damit das Boot nicht zu sehr anluvt. Der Konkurrent ist schneller….

Da der Wind weiter zunimmt, nehme ich die Fock weg und segle mit dem Großsegel weiter. Der „Konkurrent“ hat das Großsegel eingeholt und segelt mit Genua. Obwohl er einige Füße (Länge) mehr hat als wir, ist er bald eingeholt und liegt hinter uns. Die Dehler 28 ist ein Boot, welches vor allem vom Großsegel angetrieben wird.

Festmachen auf Christiansø

Wie gesagt hatte es ordentlich Wind und auch gut Welle. Der Wind aus Süd/Südwest.

Alleine benötige ich etwas mehr Zeit das Boot in den Wind zu bringen, um das Großsegel zu bergen. Der „Konkurrent“ musste nur seine Genua einrollen. So lag er wieder vor mir und ich konnte beobachten, wie er die Einfahrt in Christiansø bewältigt. Sein Boot schlug ordentlich auf die Seite und mir war klar, das wird keine einfache Sache. Aber wir hatten so etwas ähnliches schon einmal auf dem Bodensee vor Langenargen erlebt. Da gibt es nur eine Möglichkeit: Mit guter Geschwindigkeit schauen, dass man so schnell wie möglich in das Hafenbecken kommt. Wer hier zögert hat verloren.

An der Mauer lagen schon einige Boote im Päckchen. Nebenbei: Ich hatte die südliche Einfahrt gewählt da ich es in Erinnerung hatte, irgendwo gelesen zu haben, dass im nördlichen Becken irgendwelche Arbeiten über den Sommer stattfinden (hätte ich nur einmal richtig gelesen…).

Am Ende des Hafenbeckens stand ein großer Potton. Also die Arbeiten waren hier. Links hatte es ein paar Bojen an denen bereits drei deutsche Yachten lagen. Ganz links schien noch ein Platz frei. Also das erste Mal Bojenhaken gerichtet und langsam angelaufen. „Tschaka“ – Boje erwischt doch dann – Rumms. Ich hatte schon Angst die Yacht daneben gerammt zu haben. Nein: Grundberührung – Stein. Also wieder zurück und eine weitere Runde drehen. Links an der Hafenmauer wäre noch eine Möglichkeit. Also noch einmal langsam angefahren. Schwierig – aber es geht gerade so. Lot zeigt 1,6 Meter und das Lot sitzt ja vor dem Kiel.

Festgemacht auf Christiansø

Wir sind erst einmal froh, festgemacht zu haben und erkunden die kleine, schnuckelige Insel.

Es hat einen kleinen Kaufladen, eine Gaststätte, Toiletten, Duschen und sogar Waschmaschinen. Die Liegeplatzgebühr, Dusche und Waschmaschine wird online bezahlt. Der Code kommt dann online. Cleveres System welches uns gut gefällt.

Abends gibt es (muss ja sein) Schinkennudeln mit Erbsen aus der Bordküche. Der Kapitän kocht.

30 sm, 6h 30 min, 4,6 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit

Ruhetag

Die Erbseninseln gefallen uns besonders. Ein kleines, idyllisches Fleckchen Erde. Keine Autos, keine Hektik. Für den Abend haben wir geplant, lecker Essen zu gehen.

Für mich stehen zuerst ein paar kleine Arbeiten an. Zuerst Wasserpumpe prüfen. Fazit: Geht. War eigentlich nichts zu tun. Nur Luft im System.

Dann wollte ich meine Stromversorgung prüfen. Da gab es Unsicherheit, ob die Trennung der beiden Systeme (alte Bleibatterie, neue LiFePo-Batterien) funktioniert. Jetzt, ohne Landstrom, konnte ich das prüfen. Funktioniert.

Das nächste: Reffleine des ersten Reff tauschen. Die alten Leinen liefen einfach nicht mehr und es war ständig ein Kraftakt der mehr schlecht als recht gelang, das Reff zu setzen. Die Rollen am Großbaum sind jedoch so eng, das es nur mit einer Pilotleine möglich war, die neue Leine einzuziehen.

Dann konnten wir endlich die Insel etwas erkunden, in der Sonne auf der Terrasse sitzen und die Aussicht genießen. Während ich in der Dusche war, kam der Hafenmeister und meinte zu meiner Frau, dass wir unser Boot wegen der Arbeiten an der Hafenmauer auf die andere Seite verlegen sollten. Dort wollte ich eigentlich nicht liegen. Inzwischen war dort Platz für ein Boot, aber ich ging davon aus, dass im Laufe des späten Nachmittags noch einige Boote kommen würden. Und ich wollte dort nicht im Päckchen liegen da unser Plan war, am nächsten Morgen gegen 6 Uhr zu starten.

Apropos – „Arbeiten an der Mauer“… Während ich am Boot arbeitete beobachtete ich einige Male die beiden Arbeiter an der Hafenmauer. Bei uns würde man sagen „Die kommen nicht von Schaffhausen“. Schaffhausen ist eine schweizer Stadt in der Nähe unserer Heimat. Dort ist auch der Rheinfall. „Schaffen“ steht im alemannischen Dialekt für „arbeiten“. Entweder schauten sie auf das Meer oder auf ihr Handy. Ab und an wurde einmal ein Stein in die Hand genommen. Wenn die in der Geschwindigkeit weiter machen, werden die Arbeiten wohl noch Jahre gehen. Ich meinte zu meiner Frau, dass das sicher ein von der EU gefördertes Projekt ist.

Und auf meiner folgenden Reise sah ich dann oft ein Schild in einem Hafen welches darauf hinwies, dass der Hafen mit Fördermitteln der EU ausgebaut wurde. Also da gehen die Fördermittel u.a. hin…

Auf dem Weg zur Gaststätte mussten wir über die Brücke welche die beiden Inseln verbindet. Dabei sahen wir, das inzwischen zwei Boote im nördlichen Hafenbecken lagen. Meine Frau meinte noch, ob wir nicht da rüber wechseln sollen. Doch ich hatte keine Lust das Boot zu verlegen (ein Fehler, wie sich später herausstellte).

Auch wenn es nicht ganz billig ist: Die Gaststätte auf Christiansø ist eine Empfehlung. Selten so gut gegessen. Wir hatten gemeinsam ein Lachs-Tartar als Vorspeise, ein Rindfleisch mit Kartoffeln und Gemüse und Getränke. Das Fleisch war butterzart. Summe 100 Euro.

Die Nacht des Grauens…

Mittwoch, 4. Juni 2025

Der Ruhetag war weitgehend windstill. Das war auch ein Grund für den Ruhetag. Ohne Wind kein Wegkommen von Christiansø. Für den kommenden Tag war wieder kräftiger Wind aus Südwest vorhergesagt der bereits in der Nacht eintreten sollte. Im Laufe des Tages sollte der Wind stark nachlassen. Deshalb war der Plan, sehr früh am Morgen zu starten.

Wir waren gerade in der Koje als der Schwell in den Hafen zunahm und unser Boot immer wieder in den Leinen ruckte und an die Hafenmauer geworfen wurde. Ich stand in der Nacht mehrmals auf, um die Fender wieder neu zu setzen. Vor allem hatte ich Sorge um unser Heck. Einige Male spielte ich den Gedanken durch, mitten in der Nacht abzulegen.

Um 5 Uhr klingelte der Wecker und mühsam quälten wir uns aus den Schlafsäcken. Ohne Heizung war es eine kalte Nacht. um 6:30 Uhr machten wir dann los was besser ging als befürchtet.

Vor der Insel ein ordentlicher Schwell bzw. ordentlich Welle. Doch diesmal hatte meine Frau bereits am Morgen eine Tablette gegen Übelkeit genommen. Die Welle war zuerst unangenehm hackig. Später wurde die Welle zwar länger, dafür aber höher. Etwa 1,5 Meter wieder. Das einzige, was gut war, war die Windrichtung und die Stärke. Der Wind trieb uns wenigstens mit etwa 5 Knoten voran. ETA Karlskrona: 17:30 Uhr. Nur Johann (der Pinnenpilot) gab unter diesen Bedingungen auf. D.h. ich musste alles selbst steuern was sehr anstrengend war. Immer wieder, mit der nächsten Welle, musste Gegenruder gegeben werden, um den Kurs zu halten. Besonders unangenehm waren die großen Wellen die unter dem Boot hindurch rauschten.

Am Horizont sah ich graue Wolken. Etwas Regen war vorhergesagt. Es begann zu tröpfeln. Und dann lies der Wind plötzlich nach und es gab Winddreher – ich fühlte mich fast wie auf dem Bodensee (wäre da nicht die Welle). So, mit der Geschwindigkeit, machte segeln keinen Sinn mehr. Also Segel runter und Maschine an. Südlich von Stürko hatte ich einen Wegpunkt mit Kurswechsel auf Nordwest gesetzt. Da sollte der Wind wenigstens von der Richtung wieder passen. 2 Stunden Motorfahrt dann Groß und Fock wieder gesetzt. Wind passte jetzt wieder aber er war inzwischen zu schwach. Nur 3 Knoten Fahrt. ETA neu: 20:30 Uhr.

Bei wenig Wind geht es mit Maschinenkraft Richtung Karlskrona

Nach einer Stunde hoffen, sich Karlskrona noch segelnd zu nähern, wurden die Segel gestrichen und die Maschine wieder angeworfen. Nachdem wir die ersten Inseln vor Karlskrona passiert hatten, hatten wir auch endlich glattes Wasser. Aber die Einfahrt in den Hafen zieht sich. Gegen 18:30 Uhr hatten wir dann nach 13 1/2 Stunden und 56,5 sm festgemacht. Dieser Schlag hat auch mich gefordert.

Festgemacht in Karlskrona

Aber wir haben einen Top-Liegeplatz. Ganz vorne, kürzester Weg Richtung sanitäre Anlagen und ein Italiener 25 Meter vom Liegeplatz entfernt. So wird kurzfristig umdisponiert: Es gibt Pizza beim Italiener. Und auch hier wieder: Selten so eine gute Pizza gehabt. Auch der Stadthafen Karlskrona – eine Top-Entscheidung. Die sanitären Anlagen richtig schön, großzügig mit Handwaschbecken in jeder Toilette, sauber, modern. Dusche, Waschmaschine, Trockner, Sauna – alles in der Liegeplatzgebühr enthalten. Nichts, was man extra bezahlen müsste wie in den vorherigen Häfen. Und dabei ist die Liegeplatzgebühr günstiger als in den vorherigen Häfen.

Geschafft – endlich in Schweden…

Es war mir bei meiner Planung immer klar, dass der anstrengende Teil der ist, überhaupt nach Schweden zu kommen. Angefangen vom Transfer des Bootes an die Ostsee, über Sassnitz, Bornholm, die Erbseninseln nach Karlskrona. Jeder Schlag war eine neue Herausforderung für mich. Ab jetzt wird es gemütlicher denn jetzt es geht immer der Küste entlang an der es zahlreiche Häfen und Ankerbuchten gibt. Bei starkem Wind gibt es meist die Möglichkeit sich hinter den Schären zu verstecken. Auf das, was jetzt kommt, freue ich mich besonders.

56,5 Seemeilen, 13,5 Stunden, Durchschnitt 4,2 Knoten

Hafentag Karlskrona

Donnerstag, 5. Juni 2025

Trotz gutem Wetter und der Möglichkeit, weiter zu segeln gibt es einen Tag Erholung. Duschen, Wäsche waschen, einkaufen und durch die Stadt bummeln.

Die Hafengebühr wird am Automat mit Karte bezahlt. Dann gibt es ein Klebestreifen der am Boot befestigt werden muss.
Marina Karslkrona. Super ausgestattet mit Waschmaschinen und Trocknern all inkl
Fredrikskyrkan (Friedrichskirche)
Trefaldighetskyrkan / Dreifaltigkeitskirche
Unterwegs kleine Stärkung. Bezahlt wird ausschließlich mit (Kredit-) Karte
Blick von der Insel Saltö auf die Kleingartensiedlung der Insel Brändåholm

Zwangspause

Freitag, 6. Juni 2025

Am nächsten Tag wollte ich eigentlich weiter. Doch es regnet am Morgen leicht und dann später auch etwas mehr. Zeitgleich nimmt der Wind zu. Windy kündigt 7 bis 8 Bft. draußen an. Eine Option wäre noch gewesen, hinter den Inseln bis Torhamn zu kommen. Doch inzwischen bläst der Wind auch im Hafen ordentlich mit 15 bis 20 Knoten. Daher beschließen wir heute hier im geschützten Hafen zu bleiben und morgen weiter zu gehen. Das bedeutet zwar, dass das Zeitfenster für den Rückflug meiner Frau am Montag ab Kalmar immer enger wird, aber es hilft nichts. Zwei Tage haben wir dann noch Zeit, nach Kalmar zu kommen.

Wie es weiterging kommt im nächsten Teil.

Bisher segelten wir mit unserer Miss Sophie auf dem Bodensee. Sicher, der Bodensee ist jetzt auch keine Pfütze. Und es kann auch am Bodensee einmal etwas rauer zugehen. Mit der First 235 hatte ich auch einmal einen Mastbruch, als bei falscher Trimmung des Riggs eine Böe mit 7 oder 8 Bft. einschlug. Wir wurden auch schon mit Gewitter und Wellen um 0,5 Meter und 5 bis 6 Bft. vor der Hafeneinfahrt überrascht.

Aber sind wir ehrlich: Im Vergleich zur Ostsee ist der Bodensee dann doch eine Pfütze… Es kommen ganz andere Herausforderungen auf einen zu denen man sich stellen und auf die das Boot vorbereitet werden muss. Und darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Ankern

Am Bodensee ist ankern eher kein Thema. Wer hier ankert, der macht dies aus Spaß am ankern. Es gibt nur wenige Ankerplätze und wenn man ankert, dann macht man dies wahrscheinlich nur bei günstigen Bedingungen und 2 bis 3 Meter Wassertiefe.

Ich möchte auf meinem Törn so viel wie möglich ankern. In der Ostsee und auch in der nördlichen Ostsee gibt es genügend Häfen. Es wäre also nicht zwingend notwendig. Aber Übernachtung im Hafen bedeutet auch Kosten. Selbst bei meiner kleinen Bootsgröße (28 Fuss) liegen hier die Liegeplatzgebühren inzwischen bei etwa 25 bis 30 Euro die Nacht. Zum Teil dann noch plus Strom, plus Dusche, plus…. Da wäre ich schnell bei 900 Euro plus im Monat. Legt man im Hafen an, ist auch schnell die Verlockung da hier und da einzukehren und auf das Kochen an Bord zu verzichten. Dann ist man schnell bei 100 Euro für einen Hafentag für zwei Personen.
Daneben möchte ich hier auch einfach die Natur erleben.

Bisher hatte ich für den Hauptanker 8 Meter Kette und etwa 20 Meter Leine. Auf blauwasser.de gibt es einen guten Beitrag zum Thema Ankern und Ketttenlänge (dazu einen Link auf einen Beitrag wie ein Mathematiker die Kettenlänge berechnet). Da ich schon auf der First 235 den Anker umrüsten wollte, hatte ich bereits 20 Meter Kette in der Garage liegen. Genau das, was ich brauche. Also wird die Kette getauscht. Zusätzlich kommen an die Kette 20 Meter (Blei-) Ankerleine. Der Bleivorlauf beträgt 10 Meter.

Von meinem Kindern bekam ich vor einigen Jahren einen M-Anker aus Edelstahl zum Geburtstag geschenkt. Er war eigentlich einmal für die First 235 gedacht. Jetzt kommt er mit als Heckanker für den Fall, das ich an einer Schäre anlege. Dieser bekommt eine 30 Meter lange Blei-Ankerleine. Somit sollte das Thema „Ankern“ gut gelöst sein.

Festmacher

An den Liegeplätzen am Bodensee hat man in der Regel am Heck zwei Pfosten und am Steg entsprechende Ringe. Die Größe der Liegeplätze ist auf die Boote am Bodensee ausgerichtet. D.h. in der Regel kommt man mit zwei Festmachern am Heck mit etwa 10 Meter und zwei kurzen Festmachern am Bug klar.

In Schweden und Finnland hat man oft Heck-Bojen, die relativ weit vom Steg entfernt sind. D.h. ein bis zwei Festmacher mit 20 Meter Länge sollten parat sein. Auch für den Fall, dass man an einer Schäre festmachen möchte sind längere Festmacher sinnvoll. Des weiteren sollte man entscheiden, wie man an der Heck-Boje festmachen möchte. Da ich die meiste Zeit Einhand unterwegs sein werde, habe ich mich für einen Bojenhaken entschieden an dem dann eine 20 Meter lange Festmacherleine befestigt wird. Das machen dort wohl viele so.

Funk / AIS

Ein Funkgerät bräuchte ich jetzt für meinen geplanten Törn nicht zwingend. Wofür benötigt man ein Funkgerät? Es wird vor allem zur Kommunikation vor Schleusen oder Brücken (wirklich) benötigt. Ansonsten gibt es auf der Ostsee keinen zwingenden Grund dafür. Weshalb mir Funk auf der Ostsee wichtig ist:

Das Zauberwort heißt DSC – Digital Selectiv Call. DSC ist ein wichtiger Bestandteil des GMDSS (Global Maritime Distress Safety System) und unterstützt die schnelle und sichere Übermittlung von Notrufen. Ich bin zu 99% im Seegebiet A1 unterwegs. Im GMDSS wird die See in Seegebiete von A1 bis A4 unterteilt. Im Seegebiet A1 ist mindestens eine Seefunkstelle 24 Stunden für einen Notalarm erreichbar. Mittels DSC Notruf und GPS an Bord weiß innerhalb von 2 Minuten mindestens eine Seefunkstelle das ich a) einen Notfall habe und b) meine Position auf etwa 20 Meter genau. Das war für mich der wesentliche Grund den SRC Schein zu machen und ein Funkgerät einzubauen.

Zweiter, nicht unwichtiger Grund: Sollte ich einen Motorschaden haben und Hilfe benötigen kann ich per Funk einen „Pan Pan Pan“ senden. Bedeutet ich kann um Hilfe rufen (kein Notfall). Wen sollte ich in Schweden oder Finnland per Telefon anrufen?

Dritter Grund: AIS. Über AIS senden Schiffe ihre Position, Geschwindigkeit und ihren Kurs. Berufsschiffe führen heute verpflichtend AIS (wobei russische Schiffe das gerne ausschalten). AIS Informationen können zwar online über das Internet auch abgerufen werden aber a) sind diese Informationen verzögert und b) setzt es voraus das man Internetverbindung hat. Über das Funkgerät lassen sich die AIS Daten der umliegenden Schiffe empfangen und auf dem Kartenplotter (s. nächster Punkt) darstellen. Der Plotter kann dann auch frühzeitig einen Kollisionsalarm ausgeben.
In Hinblick darauf, dass ich das eine oder andere Verkehrstrennungsgebiet queren muss, ein Sicherheitsfaktor.

AIS im Internet über www.veselfinder.com

Seekarten / Navigation

Seekarten, Revierführer – es gibt einige Segler die heute lachen, wenn man angesichts der Möglichkeiten der elektronischen Navigation über Seekarten aus Papier spricht und fragt, welche Seekarten man haben sollte. Zumindest in deutschen Hoheitsgewässern ist es immer noch Pflicht, aktuelle Seekarten für das aktuelle Revier an Bord zu haben. Ich fühle mich auch etwas wohler, wenn ich diese als Backup habe und sitze auch lieber am Abend zur Planung über eine solche Karte als über dem Plotter.

Revierführer beschreiben genau die Einfahrt in einen Hafen oder in eine Ankerbucht. Sie geben die Information welche Infrastruktur (Wasser, Strom, Tanken, Dusche, Waschmaschine) vorhanden ist. Die sind zwar in schwedisch aber dank Google Translate auch schnell übersetzt. Und Icons, Bilder und Kartenausschnitte sind sprachunabhängig. Diese genauen Information sind in Schweden und Finnland nicht unwichtig denn das Revier ist eher flach als tief und von zahlreichen Steinen gesät.

Ja, das ist ein Kostenfaktor. Insgesamt habe ich etwa 1000 Euro nur für Seekarten und Revierführer ausgegeben.

Navigation – ich hatte es oben schon angesprochen. Viele verlassen sich heute auf die elektronische Navigation mittels Plotter, Tablet oder gar Handy. Die elektronische Navigation ist sicher ein Segen. Auch am Bodensee nütze ich gerne einmal eine App (insbesondere bei Nebel oder Nachtfahrt sehr hilfreich). Doch das GPS von Handy oder Tablet (iPad) ist recht ungenau. In den Schären ist eine Genauigkeit von 20 Meter zu wenig. Daher (und weil ich schon einen GPS Empfänger an Bord hatte) habe ich mich für einen Plotter entschieden. Da ich meine Instrumente (Log, Wind, Tiefe) schon auf B&G ausgerichtet hatte, wurde es ein Vulcan 7 von B&G mit der Karte von Navionics. Die Karte von Navionics hat noch den Vorteil, dass es hier auch Einträge der Community gibt. Z.B. genaue Informationen über das Anlegen an einer Schäre, oder genaue Tiefenangaben zu einer Bucht. Außerdem sind die blauen Bojen der Svenska Kryssarklubben (SXK) eingezeichnet. Das sind Bojen, an denen man festmachen kann, wenn man sich die Bojenflagge für das jeweilige Jahr gekauft hat (habe ich natürlich gemacht).

Als Backup habe ich noch Orca auf dem iPad. Aber nur als App mit einer Subscription, ohne Core.

Routenplanung – Es macht nicht viel Sinn, weiter als 5 bis 7 Tage voraus zu planen. Ich habe ein paar Zwischenziele, die ich zu einem Zeitpunkt erreichen sollte. Am Anfang begleitet mit 14 Tage meine Frau. Pfingstsonntag sollten wir in Kalmar sein. Am Montag geht ihr Flug zurück nach Zürich.
Am 16.6. sollte ich Nähe Stockholm sein. Da kommt meine Tochter mit ihrem Freund und am 19.06. kommt ein Bekannter der mich dann bis zum 28.06. begleitet. Mehr Termine habe ich nicht. Die Etappen habe ich mir angesehen und sollten alle gut zu schaffen sein, wenn ich jeden Tag zwischen 20 und 30 Seemeilen mache.

Was ich als Vorbereitung gemacht habe: Ich habe viele Videos von Seglern wie der SY Müggele, Twinkieler, Van Haas Sailing, Claus Aktoprak oder Sailing Meera gesehen, habe einige Blog-Beiträge von anderen Seglern und Beiträge in Foren gelesen. Dort habe ich empfehlenswerte Ankerbuchten und Häfen aufgegriffen.
Ich habe früher viel Landschaftsfotografie gemacht. Dabei hatte ich Google Maps genützt, um mir interessante Spots zu markieren. Das habe ich auch oft für Fotoreisen genützt. In Google Maps kann man sich eigene Karten erstellen in denen man Punkte markieren und Notizen dazu hinterlegen kann.

Daher hat es sich für mich angeboten, wieder Google Maps für die Planung zu nützen. Ich habe mir hier Ankerplätze, Bojen und Häfen markiert und mit Kommentaren und Links ergänzt. Das ist für die Planung unterwegs sicher hilfreich.

Eigene Karte in Google Maps. Blau sind Ankerbuchten oder Bojen, Gelb Häfen, Lila spezielle Orte wie z.B. Lidl

Sonstiges – dies und das

Lifeline – am Bodensee benützt wohl kaum jemand eine Lifeline. Sicher mit ein Grund, weshalb es jährlich mindestens einen Todesfall durch Ertrinken am Bodensee gibt. Da ich viel alleine unterwegs sein werde und das Gebiet sicher oft etwas rauer als der Bodensee ist, gehört eine Lifeline für mich zur Pflicht.

Wasser – Ich habe einen 80 Liter Frischwassertank. Am Bodensee benützen wir das Frischwasser (wenn wir den Tank überhaupt füllen) nur zum Duschen nach dem Baden oder zum Vorspülen des Geschirrs. In der Regel benützen wir diesen nicht und er bleibt leer. Hier, auf der Ostsee, in der Kombination mit der Planung viel zu Ankern hat dieser jedoch eine Bedeutung. Und da stellt sich die Frage, wie man das Frischwasser haltbar macht. Ich bin durch Zufall in einem Forum auf Chlordioxid gestossen. Chlordioxid wird häufig in Wohnmobilen verwendet, um Wassertanks und -Leitungen einmalig zu desinfizieren. In der Trinkwasserversorgung wird Chlordioxid aber auch verwendet, um Trinkwasser fortlaufend keimfrei zu halten. Deshalb habe ich mir hier Chlordioxid und Messstäbchen besorgt, um das Wasser aus dem Frischwassertank keimfrei zu halten damit ich es auch zum kochen verwenden kann. Natürlich muss man sich informieren und Wissen bezüglich der Dosierung aufbauen.

Neoprenanzug – Einer der schlechten Notfälle, die eintreten könnten wäre, dass sich irgendetwas in der Schraube verfängt. Z.B. irgendeine Leine oder ein Fischernetz. Die SY Müggele hatte einmal ein solches Erlebnis. Dabei musste er ohne Neopren in die noch kalte Ostsee. Daher eine Anschaffung: Ein Neopren-Anzug für diesen Notfall.

Sprayhood – Unsere Dehler 28 hatte leider keine Sprayhood. Am Bodensee auch nicht zwingend notwendig. Eher ein nice to have. Aber auf der Ostsee, bei Welle von vorne, auch mal Regen, etwas mehr als ein nice to have. Vielleicht nicht zwingend notwendig, aber doch anzuraten.

Pinnenpilot – Pinnnepilot oder Autopilot, hatten wir bisher nicht. Auf dem Bodensee auch nicht ganz so wichtig. Klar, in der Vergangenheit war es schon manchmal mühsam, wenn man 3 Stunden unter Motor an der Pinne saß. Jetzt, auf der Ostsee, und vor allem unter dem Gesichtspunkt alleine unterwegs zu sein, zum Segel setzen, Segel bergen, reffen und andere Situationen war ein Pinnenpilot unabdingbar. Da ich, wie gesagt, alles auf B&G ausgerichtet hatte, wurde es ein Simrad TP20 (Simrad wurde vor einigen Jahren von B&G aufgekauft daher erhoffe ich mir hier die bestmögliche Kommunikation).

Kanu/Beiboot – Wenn man in einer Bucht ankert möchte man vielleicht auch an Land, um die Insel kennenzulernen oder etwas die Füße vertreten. Wir hatten schon vor ein paar Jahren ein aufblasbares Kanu gekauft, weil wir hier am Bodensee auch mal Kanu fahren wollten. Haben es aber noch nie benutzt. Jetzt bekommt es einen Zweck.

Internet – Ich werde wahrscheinlich nicht immer (guten) Zugriff auch das schwedische oder finnische Mobilfunknetz haben. Auch wenn heute durch EU Roaming vieles besser geworden ist, mein Handy-Tarif wird für einige Teams-Meetings in der Woche nicht ausreichend sein. Deshalb war eine Frage, wie ich es sicherstelle, während meiner Workation-Zeit auch so arbeiten zu können als wenn ich zu Hause wäre. Leider gibt es derzeit dazu nur eine Lösung (außer W-Lan im Hafen): Starlink. Ich lehne Elon Musk so ab, wie ich xxx ablehne. Aber das war jetzt eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Ohne diese Sicherheit hätte ich den Törn mit Workation nicht planen können. Daher habe ich hier in den sauren Apfel gebissen, und eine Starlink Mini mit dem Tarif „Reise“ gewählt. Tarif „Reise“ bedeutet 70 Euro/Monat und unbegrenztes Datenvolumen. Das hätte ich selbst mit Lidl Connect nicht bekommen….

Essen – Essen/Verpflegung, nicht ganz unwichtig. Insbesondere unter dem Vorhaben, viel zu ankern und autark unterwegs zu sein. Nudeln (Spaghetti), Reis, Kartoffeln, Tomaten (Dose). Das Thema beschäftigte mich massiv. Was ist gut zu lagern? Was ist in welcher Form/Verpackung wie lange haltbar. Schweden und Finnland sind für Lebensmittel ein teures Pflaster. D.h. so viel wie möglich in Deutschland einkaufen und bunkern. „Bunkern“ ist dabei das nächste Stichwort. Habe ich den Platz, um Vorräte für 3 Monate zu bunkern? Für den Notfall habe ich mir etwas Trekkingnahrung bestellt. Das ist getrocknetes Essen, welches mit heißem Wasser aufgegossen wird. Womit ich mich vor allem schwer tue: Welche Mengen soll ich für 3 Monate von was rechnen? Reicht eine Packung Salz? Wie viele Nudeln wie viel Reis? Es bleibt spannend.

Kleidung – Hier gibt es eigentlich wenig besonderes außer der Tatsache, dass ich für mehrere Jahreszeiten bzw. Temperaturen planen muss. Ende Mai wird es wahrscheinlich noch nicht sommerlich sein. Dann komme ich in den Sommer mit Juli und August. Wassertemperaturen um 25 Grad im Sommer sind inzwischen in der Ostsee keine Überraschung. Anfang September wird es dann schon herbstlich sein. Bedeutet das ich mich für sehr unterschiedliche Situationen vorbereiten muss.
Da das Boot über den Winter in Schweden bleibt, muss ich so planen, dass die wesentliche Kleidung (die ich dann auch zu Hause brauche und gewaschen werden muss) für den Rückflug von Stockholm in eine große Reisetasche oder einen Koffer passt. Ölzeug und Badehose können über den Winter sicher an Bord bleiben.

Werkzeug/Bord-Apotheke – An Bord hat man in der Regel Standard-Werkzeug wie verschiedene Schraubendreher, Schraubenschlüssel. Das reicht zumindest für den Bodensee. Hier muss ich etwas weiter planen insbesondere nach dem Umbau der Stromversorgung. Deshalb gehören ein Messgerät, versch. Kabelschuhe, die Quetschzange, etwas Kabel, vor allem Sicherungen, Leuchtmittel und noch das eine oder andere Werkzeug an Bord. Für Segelreparaturen habe ich ein Reparaturband. Dann Segelgarn mit Nadel.
Medikamente muss ich sowieso einige mitnehmen da ich einige Medikamente regelmässig einnehmen muss. Aber hier muss ich noch etwas weiterdenken. Schmerzmittel, vielleicht etwas gegen Seekrankheit, Durchfall und etwas für Insektenstiche. Aber das werde ich noch mit meinem Doc besprechen.

Solo – alleine unterwegs

Zum Schluss: Solo, alleine unterwegs ist etwas ganz anderes wenn man zu zweit oder gar mit einer Crew unterwegs ist. Es muss alles alleine gedacht und entschieden werden. Mit Anfang 60 fällt das nicht mehr so leicht, wie mit 20 oder 30. Im Alter von etwa 30 Jahren war ich „alleine“ in Australien. Ich hatte meine Schwester in Melbourne besucht habe aber in den 6 Wochen sehr viel alleine unternehmen wie z.B. eine 5-tägige Trekkingtour durch das Outback auf den höchsten Berg Australiens. In dem Alter geht man da unbefangener und sorgloser heran.
Auch aus meiner früheren Zeit vom Klettern kenne ich das. Zu zweit in der Seilschaft fällt alles leichter. Entscheidungen treffen, Überlegungen anstellen, abseilen, Zelt aufstellen, kochen. Solo ist man eben auf sich alleine gestellt. Anlegen, ablegen, Segel setzen und Segel bergen, Fender ausbringen, Leinen vorbereiten und vor allem: Entscheidungen treffen!
Deshalb war es mir wichtig, dass mich die ersten 14 Tage meine Frau begleitet. Sie ist zwar keine Seglerin, aber eine Mitseglerin. Sie kennt unser Boot. Ich wollte keinen Kaltstart. Den abgemilderten Kaltstart werde ich dann haben, wenn sie in Kalmar das Boot verlässt und ich alleine Richtung Stockholm segel. Aber da kenne ich dann zumindest schon etwas das Revier…. Es wird spannend.