Miss Sophie liegt im Winterlager in Gävle. Immer wieder einmal schaue ich auf die Wettersituation. Minus 15 Grad in Gävle. Das sollte kein Problem sein. Der Frostschutz, den ich für den Motor eingefüllt habe, sollte bis Minus 20 Grad passen.
Während dessen geht es ins Gespräch mit meinem Arbeitgeber. Fakt ist: Ich möchte Miss Sophie in diesem Jahr wieder zurück an den Bodensee bringen. Zur Erinnerung, mein Heimatrevier ist der Bodensee. Und hier habe ich einen Liegeplatz beim Segelclub Bodman. Ich kann bis zu 5 Auszeiten nehmen – dann würde ich den Liegeplatz verlieren.
Geplant hatte ich, zwei Auszeiten hintereinander zu nehmen. Also 2025 und 2026. Ich habe ja noch ein paar Jahre zu arbeiten – etwa 2 bis 5 Jahre, abhängig davon, wie ich mein Rentnerleben plane. D.h. Miss Sophie dauerhaft an der Ostsee zu belassen, ist aktuell keine Option.
Deshalb ist es mein Plan, 2026 ähnlich zu planen wie 2025. D.h. etwa 4 Wochen Urlaub, 2 Monate Workation und noch 1 Woche Urlaub um Miss Sophie zurück an den Bodensee zu bringen.
So wie es derzeit aussieht, sollte das wieder möglich sein. Mit dieser Aussicht überlege ich, was ich 2026 mache. Mein „Traumziel“ 2025 war es, das nördliche Ende der Ostsee bei Torö zu erreichen – die Gelbe Tonne. Und dann in Haparanda den Club-Stander meines Segelclubs zu hinterlassen. Das Ziel musste ich leider (auch) wegen zweier technischer Probleme unterwegs aufgeben, die mich in Summe etwa 14 Tage gekostet haben.
Wie gesagt liegt das Boot derzeit in Gävle und jetzt rechne ich die Meilen. Von Gävle nach Örnsköldvik weiß ich aus dem letzten Jahr, das es etwa 290 sm sind. Von Örnsköldvik nach Töre noch etwa 230 sm. Nach Haparanda sind es noch etwa 50 sm. Und dann kommt der Weg zurück nach Kröslin wo der Trailer steht. Wenn ich alles zusammen zähle komme ich auf etwa 1700 bis 1800 sm.
Im letzten Jahr hatte ich etwas mehr als 1500 sm geschafft. Und das trotz der technischen Probleme die mich etwa 15 Tage gekostet haben. Es sollte also möglich sein 2026 Töre und Haparanda zu erreichen und das Boot wieder zurück an den Bodensee zurück zu bringen.
Sicher, eine gemütliche Tour ist das nicht. Das bedeutet Meilen machen und vielleicht auch die eine oder andere Etappe über Nacht durchsegeln.
Die Alternative
Die Alternative wäre gleich Richtung Süden zu gehen. Noch einmal rüber zu den Åland Inseln und vielleicht etwas das Turku Archipel erkunden. Würde ich es unter Sightseeing Gesichtspunkten betrachten, wäre das sicher die vernünftige Lösung. Das wäre wohl eher die gemütliche Tour. Von Gävle nach Sassnitz sind es ca. 600 bis 650 sm. Ein „Ausflug“ Richtung Åland Inseln und Turku wären etwa 300 zusätzliche Seemeilen. Also unter dem, was ich im vergangenen Jahr im gleichen Zeitraum mit technischen Problemen gemacht hatte.
Das Problem: Ich muss mich am Anfang meiner Weiterreise entscheiden – Richtung Norden oder Richtung Süden?
Noch einmal zu den Aland-Inseln?
Die Planung
Neben der Überlegung, was ich mache, mache ich mir Gedanken darüber, was ich mitnehme bzw. mitnehmen muss. Auf jeden Fall neue Patronen für die Rettungsweste, die ich versehentlich ausgelöst hatte. Einen Bootshaken und eine Ankerkralle. Beides hatte ich unterwegs verloren. Dann muss ich die 85 Ah Blei-Verbraucherbatterie ersetzen. Die war am Ende. Aber da werde ich versuchen, etwas in Schweden zu organisieren. Dann möchte ich zum Funkgerät noch das kabellose Handset ordern damit ich aus der Plicht einen Notruf absetzen kann.
Auf jeden Fall möchte ich am Start möglichst wenig Zeit verlieren. Nach dem Einwassern in den Stadthafen von Gävle. Dort die Vorräte auffüllen und die Segel wieder anschlagen. Dann soll es weiter gehen.
Die letzte Woche meiner Reise wird eingeläutet. Die Nacht in Angskär war angenehm. Am Morgen ist es sonnig und warm. Auch die Wohnmobilisten genießen ihren Kaffee in der warmen Morgensonne.
Bei mir gibt es ein festliches Frühstück mit Bacon und Rührei. Ich muss jetzt auch langsam sehen, dass ich die verderblichen Lebensmittel verbrauche. Reis, Nudeln, Zucker, Salz und Konserven kann ich über den Winter auf dem Boot lassen. Die Konserven werde ich sicherheitshalber einzeln in Gefrierbeutel verpacken – falls doch eine platzen sollte.
Für heute war wenig Wind vorhergesagt. Und der wenige Wind sollte mal wieder aus Nord kommen – die Richtung in die ich muss. Von Änskär muss ich um Björns Fyr herum, erst dann kann ich abfallen Richtung Westen. Angesichts der Windvorhersage, das Wetter sollte schön sein, hatte ich überlegt an der SXK Boje bei Björns Fyr zu übernachten.
Nachdem ich losgemachte hatte und auf den Am-Wind-Kurs gegangen war, war ich überrascht. Es hatte doch immerhin 8 bis 10 Knoten Wind mit ertragbarer Welle. Angesichts der guten Bedingungen berechnete die Navi-App Orca die Ankunftszeit auf etwa 13 Uhr. Da überlegte ich, dass ich doch etwas weiter gehen könnte. Ich schaue im Hamnguiden nach Alternativen und finde den kleinen Hafen Sikhjälma. Es gibt für Gäste nur vier Heckbojen zum Festmachen, aber jetzt ist ja nichts mehr los. Also plane ich kurzerhand um.
Abgelegt in ÄngskärKaum zu sehen – markierte UntiefeLeider zieht es immer mehr zu und der Wind lässt nachWieder einmal – Björns Fyr
Als hätte das Neptun mitbekommen… Der Himmel zieht zu und die Sonne ist weg. Gleichzeitig nimmt der Wind ab. Die etwa 1/2 Meter hohe Welle wird jetzt richtig blöd. Es hilft nichts – der Motor muss helfen. Während ich Björns Fyr ansteuere überlege ich, ob ich jetzt dann doch an der Boje festmachen soll. Vor Bjorns Fyr frischt der Wind wieder etwas auf auf etwa 7 Knoten. Wenn ich an Bjorns Fyr vorbei bin, könnte ich abfallen und sollte halben bis raumen Wind und die Welle Richtung Sikhjälma mit mir haben. Also lasse ich die Boje rechts liegen und ziehe nach der engen Durchfahrt die Segel hoch. Mit etwa 3 bis 4 Knoten komme ich voran – das reicht, es ist ja nicht mehr weit. Doch kurz vor Sikhjälma schläft der Wind fast komplett ein. Egal, jetzt nur noch rein.
Wie zu erwarten sind die vier Gastplätze komplett leer. Nur die anvisierte Heckboje ärgert mich etwas. Sie steht komplett schief und zweimal fahre ich erfolglos daran vorbei. Jedesmal, wenn ich daran vorbei fahre, dreht sich die schiefe Öse unerreichbar weg. Beim dritten Mal habe ich sie erwischt und das Boot ist am Steg festgemacht.
Kurz vor Sikhjälma Einfahrt Sikhjälma – alle Gästebojen freiNett hierÄngskär > Sikhjälma 21 sm
Der letzte größere Schlag
Montag, 1. September 2025
Mein letztes Ziel auf diesem Törn – Gävle. Für den Tag war leichter Wind aus Süd vorhergesagt. Ideal für diesen Schlag. Das sollte leicht raumer bzw. später Halbwind sein. Am Morgen hatte es draußen Nebel weshalb ich mir erst einmal gemütlich Frühstück machte. Ich hatte keine Eile. Das Wetter sollte den ganzen Tag halten. Es sollte sogar sonnig sein. Der Morgen begann jedenfalls sonnig wobei die Sonne immer wieder vom Nebel abgeschwächt wurde. Gegen 10.30 Uhr habe ich dann losgemacht und war überrascht von guten etwa 8 Knoten Wind die mich mit 3 bis 4 Knoten voran brachten. Sollte es ein richtig schöner Segeltag zum Abschluss sein?
Nein. Nach etwa 2 Stunden, einem Drittel der Strecke, zog der Himmel zu – Sonne weg, Wind weg. Null Knoten Fahrt. Eine Änderung war auch nicht absehbar weshalb wieder der Motor einspringen musste. Ich lies ihn bei mittlerer Drehzahl laufen – da braucht er nicht viel Diesel. Die Ostsee ist leer. Ich kann es mir gemütlich machen und lasse Johann steuern. Viel zu steuern ist ja nicht.
Früh am Morgen hat es draußen Nebel. Erst einmal abwartenAbgelegt in SikhjälmaSonne weg, Wind weg
Erst auf Höhe der ersten Industriehäfen erscheint ein Frachter auf dem Plotter. Er folgt dem Fahrwasser. Ich jedoch nehme den direkten Weg und bin damit dort unterwegs, wo kein Frachter unterwegs ist. Hier ist es flach. Immer wieder weniger als 10 Meter Wassertiefe. Kurz vor Gävle geht es noch einmal eng zwischen ein paar vorgelagerten Inseln durch. Diesen Weg kannte ich jetzt noch nicht obwohl es jetzt das fünfte Mal war, dass ich hier hinein bzw. heraus gefahren bin.
Ich steuere wieder den Stadthafen an. Falls sich jemand fragt weshalb: Es ist sicher nicht perfekt hier, der Landstrom geht immer noch nicht. Aber die sanitären Einrichtungen sind sehr gut (recht neu). Die Sauna ist auch sehr gut und Waschmaschine und Trockner sind inklusive. Außerdem hat es hier direkt am Hafen einen Coop.
Wieder einmal festgemacht in Gävle
Deshalb ist eine meiner ersten Handlungen nach dem Festmachen das Anheizen der Sauna. Bis diese warm ist, suche ich die Wäsche zusammen und werfe eine Waschmaschine an. Dann geht es unter die Dusche und in die Sauna. Herrlich, denn ich bin wieder einmal ganz alleine hier.
Dann noch in den Coop einen Salat, Tomaten, Kekse und Chips holen. Morgen gehe ich dann wieder rüber nach Huseliiharen. Dort funktioniert der Landstrom und es hat ein Restaurant direkt am Club welches Lunch anbietet. Nur die sanitären Anlagen sind in Huseliiharen nicht so prickelnd. Aber dort kann ich dann in Ruhe die Segel abschlagen bevor es Donnerstag rüber zur Marina Fliskärsvarvet geht, wo das Boot dann am Freitag ausgewassert wird.
Sikhjälma > Gävle 23 sm
Raus nach Huseliiharen
Dienstag, 2. September 2025
Für Mittwoch ist Regen vorhergesagt. Deshalb hatte ich für heute das Abschlagen der Segel geplant. Dafür ging es raus nach Huseliiharen in den Hafen des Gefle Segelclubs – einem der ältesten Segelclubs, gegründet 1880. Dort geht wenigstens der Landstrom und ich kann meinen Heizlüfter nachts anmachen.
Außerdem hatte ich die Hoffnung auf Lunch im Restaurant Huseliiharen. Diese Hoffnung zerschlug sich dann aber – Saisonende. Das war nicht tragisch – zum Essen habe ich noch genug, aber schade.
Auf dem Weg konnte ich noch einmal die Fock ausrollen, es hatte fast halben Wind mit etwa 10 Knoten. Es sind ja nur 5 Seemeilen. Leider hat es Wind aus Südost und zum ersten Mal realisiere ich, wie unangenehm der Hafen bei Südost ist. Der Schwell kommt direkt in den Hafen rein und Miss Sophie zerrt immer wieder an den Festmachern. Hoffentlich wird das morgen besser, nicht angenehm.
Die Segel sind dann recht bald zusammen gepackt und auch die Solarmodule wandern in die Achterkajüte.
Raus aus dem StadthafenNoch einmal die Fock ausgerolltFestgemacht in HuseliiharenDas Restaurant hat schon geschlossen. Saison zu EndeSegel abgeschlagen, Solarmodule versorgt
Den Frust etwas von der Seele schreiben
Donnerstag, 04. September 2025
Ich bin jetzt seit 2 Tagen in Huseliiharen beim Gefle Segel Sällskap. Am ersten Tag konnte ich die Segel abschlagen und soweit schon alles von Deck nehmen was weg muss wie die Solarpanels, Heckanker und Festmacher die ich nicht mehr benötige.
Am Mittwoch regnete es dann wie vorhergesagt immer wieder und ich konnte außen am Boot wenig bis nichts machen. Und wieder tropft es durch diesen bescheuerten Deckslüfter. Ich hatte das jetzt schon zuvor mit Gafa-Tape weitgehend zugemacht. Langsam bin ich mit meinem Latein am Ende. Würde es die (Original) Dehler-Werft noch geben, sie würden dermaßen eine Wut-Mail von mir bekommen. Unverständlich für mich, wie man einen solchen China-Schrott in einem Segelboot verbauen kann.
Gegen Abend zog dann Südwind auf. Draußen 30 Knoten und mehr, hier immerhin noch 25 in Böen. Der Südwind treibt den Schwell direkt hier hinein und die Gästeplätze liegen sehr bescheiden (würde es eigentlich gerne direkter schreiben). Das Boot ruckt und zerrt an den Festmachern. Die Nacht war kaum an Schlaf zu denken. Am Morgen hatte ich durch diesen Mist ein wenig Übelkeit. Meine Reisetasche habe ich gepackt und die Lebensmittel entweder entsorgt oder soweit als möglich winterfest gemacht. Aber ich habe nicht das geschafft, was ich schaffen wollte. Insbesondere wollte ich rüber auf die andere Seite nach Fliskär wo ich morgen auswassern sollte. Doch bei 25 Beaufort in Böen möchte ich das nicht machen. Ich kenne den Hafen nicht, weiß nicht wie gut er geschützt ist. Vielleicht ein Fehler – ich weiß es nicht. Jedenfalls bin ich unzufrieden. Ich wollte einiges mehr tun was ich aufgrund des Umtriebs hier nicht tun konnte. Wie z.B. das Porta Potti in der Toilette entleeren.
Ausgerechnet heute hat der Segelclub seine letzte Donnerstags-Regatta mit abschließendem Grillen.
Der Wind soll in der Nacht nachlassen und am Morgen gegen Null sein. Aber immer noch treibt es den Schwell hier hinein. Also werde ich den Wecker auf sehr früh stellen, am Morgen noch die wichtigsten Dinge erledigen und dann rüber nach Fliskär fahren. Ein fast verlorener Tag… ärgerlich.
Der Vorhang fällt…
Freitag, 05. September 2025
Um 7 Uhr klingelt der Wecker. Ich mache noch das notwendigste hier wie das Entleeren des Porta Potti und das Entsorgen des Grauwassers unter der Spüle (ich habe da nur einen kleinen Kanister – die Dehler 28 hat keinen Grauwassertank). Parallel noch zwei Kaffee und dann geht es auch schon rüber zum Fliskärsvarvets Småbåtshamn. Um 10 Uhr habe ich den Termin zum Auswassern. Davor möchte ich noch einmal voll tanken da es in Bezug auf Dieselpest besser ist, möglichst wenig Luft im Tank zu haben.
Noch einmal abgelegt in HuseliiharenAlles ruhig früh am Morgen
Ich bekomme einen Anruf mit der Info dass ich früher kommen kann, falls es mir passt. Passt mir.
Dann geht Miss Sophie raus und wird von den Mitarbeitern aufgepallt. Ich finde eine Leiter mit der ich auf das Boot kann. Ausräumen, die letzten Dinge irgendwo verstauen und den Motor noch winterfest machen (Frostschutz). Dann ist für mich alles erledigt und damit meine Reise zu Ende.
Noch eine Nacht im Hotel in Gävle dann geht es morgen zurück nach Hause.
Am Ende sind es jetzt etwas mehr als 1.500 Seemeilen. Mein Projekt hatte ich unter dem Titel „Projekt 100+“ da es etwas mehr als 100 Tage auf der Ostsee waren (genau gesagt 103). Davon waren es dann 64 Segeltage unterwegs auf dem Wasser (wobei hier 4 kurze Etappen abgezogen werden können). Ca. 14 Tage habe ich wg. der beiden technischen Probleme „verloren“. Die restlichen etwa 25 Tage wg. abwettern oder Sightseeing (Stockholm, Idö, Mjältön und andere Orte).
Wie es nächstes Jahr weiter geht, weiß ich noch nicht. Das hängt auch von meinem Arbeitgeber ab. Auf jeden Fall wird es nächstes Jahr für Miss Sophie zurück an den Bodensee gehen. Für mich bleiben erst einmal ganz viele schöne und aufregende Erinnerungen an eine unglaubliche Segelreise…
Noch einmal vollgetanktDann geht es raus aus dem WasserWohlgemerkt vor(!) dem Abstrahlen – keine einzige Pocke oder MuschelWinterlager
Gestern war ich auf Enskär angekommen. Gerade noch rechtzeitig. Am Nachmittag hat der Wind weiter aufgefrischt auf 25 Knoten. Jetzt heißt es warten. Für heute sind 30 Knoten vorhergesagt und die hat es dann auch. Die Finnen neben mir legen am Nachmittag ab. O.k. sie haben ein etwas größeres Boot als ich. Ihr Ziel ist Marienhamn. Und sie haben einen Raumwindkurs d.h. den Wind schräg von hinten – auch ein Vorteil. Trotzdem: Die Messboje Finngrundet des SMHI meldet Wellen mit 2,1 Meter. Lustig wird das nicht.
Ich schlafe viel, mache mir einen Kaffee und überlege die Möglichkeiten nach Schweden zu kommen. Meine Hoffnung ist Dienstagnachmittag, ansonsten Mittwoch.
Dann heize ich mir die Sauna ein. Ich bin jetzt ja alleine und kann diese ausgiebig nützen. Die Sauna wurde 1940 gebaut, also in der Zeit als hier das Militär während des 2. Weltkriegs stationiert war. Anschließend gibt es Essen – Tomatensalat und Tortellini. Vorräte habe ich noch genug.
Sauna von 1940Sauna einheizenAm Abend hat es sich kurz etwas beruhigt aber bald frischt der Wind wieder auf
Was einfach geil ist…
Was einfach geil ist, du liegst alleine auf einer Insel weit weg von allem anderen und du drehst die Muke auf. Stört niemand. Passend läuft von Coldplay „Hymn for the weekend“. Das sind Momente, die ich nie in meinem Leben vergessen werde. So einen kleinen Marshall kann ich für die Reise durchaus empfehlen. Er hat mir manche einsame Momente erträglich gemacht oder auch einfach mal für gute Stimmung gesorgt.
Es geht weiter – zurück nach Schweden
Dienstag, 26. August 2025
Lang schien es mir unsicher, ob ich heute zurück nach Schweden komme. Windy hatte die ganzen Tage für den Nachmittag Regen und Gewitter angekündigt. Außerdem Windstärke in Böen bis 20 Knoten. Windfinder war etwas gemäßigter und sagte Sonne bzw. leicht bewölkt.
Am Vormittag rufe ich die aktuellen Vorhersagen von SMHI (Sveriges meteorologiska och hydrologiska institut), Weather today, Regenradar u.a. ab. Es sieht gut aus. Die Regengebiete ziehen alle östlich bis maximal Marienhamn durch. Ein ganz kleines kurz vor Mittag noch über Enskär. Aber dann kommt nichts mehr.
Ich schaue raus Richtung offene See – auch dort sieht es gut aus. Nur wenige weisse Schaumkronen. Ich rechne mit etwa 15 Knoten Wind. Das ist o.k. Ab 20 Knoten wird es mit einem Kleinkreuzer unlustig, wenn man gegen den Wind segelt. Die Windrichtung soll erst Nord später Nordwest sein. Ich muss Richtung Nordwest daher hoffe ich, dass der Wind möglichst nördlich kommt. Und dann ist da noch das Verkehrstrennungsgebiet. Ich muss zwar nicht direkt durch aber knapp daran vorbei.
Wind und Wetter passen gegen Mittag
Um 13 Uhr lege ich ab und setze gleich die Segel. Für den Anfang sieht es gut aus – scheinbarer Wind ca. 50 Grad. Auf Backbord-Bug segelt Miss Sophie nicht so gut bzw. nicht so hoch. Maximal 40 Grad gegen den Wind gehen – bei der Welle sind 45 Grad besser. Die Welle nimmt zu auf etwa 1 bis 1,5 Meter und es wird wieder einmal nasses Segeln. Aber ansonsten alles prima. Es ist leicht bewölkt, die Sonne scheint und es sind nicht viele Frachter unterwegs. Nach etwa 3,5 Stunden habe ich die ersten Inseln der schwedischen Ostküste erreicht. Der Wind kommt jetzt leider mehr aus Nordwest und in der Welle steuert Johann, mein Pinnenpilot, zu viel. Deshalb übernehme ich das Ruder denn neben der ersten Fahrwassertonne hat es eine Untiefe von 3 Meter. 3 Meter sollten bei meinem Tiefgang von 1,4 Meter kein Problem sein, aber bei der Welle weiß man nie. 3 minus 1,5 sind dann nur noch 1,5 Meter.
Ein letzter Blick zurück auf EnskärWieder in den Schären – keine Welle
Und dann kommt doch noch ein Frachter aus den Schären raus. Länge über 100 Meter. Aber das Fahrwasser ist hier breit genug und ich kann an den meisten Stellen auch raus aus dem Fahrwasser. Da der Wind jetzt sehr von vorne kommt habe ich die Fock geborgen und den Motor dazu genommen.
Nachdem der Frachter durch ist, rolle ich das Focksegel wieder aus und stoppe den Motor. Ich versuche gegenan zu kreuzen. Mal sehen wie das geht. Es kommen mir zwei Segler entgegen die raumschots auf Steuerbordbug segeln. Ich segle so hoch wie möglich am Wind auf Backbordbug. D.h. sie müssen ausweichen. Aber so recht scheint das denen nicht bewusst zu sein.
In den Schären wird der Wind immer unbeständiger. Sowohl was die Richtung als auch was die Stärke betrifft. Dazu nimmt er ab weil ich mich immer öfter in der Abdeckung einer Insel befinde. Letztendlich muss ich die Segel bergen und den Motor wieder anmachen.
Mein Ziel ist Öregrund – wieder einmal. Angesichts der Windsituation schaute ich nach Alternativen. Doch hier in den vorgelagerten Inseln gibt es nicht viel Möglichkeiten. Die meisten Möglichkeiten sind Ankerplätze oder Möglichkeiten an den Schären festzumachen. Zumindest für die kommende Nacht hätte ich gerne einen Hafen. Und dann würde ich gerne etwas einkaufen – Tomaten sind verbraucht, Joghurt (mein Frühstück) ist auch aufgebraucht. Es gibt in den vorgelagerten Schären zwei Marinas. Aber da müsste ich etwa 10 sm Richtung Süden segeln und irgendwann wieder zurück Richtung Norden. Letztendlich belasse ich es beim Ziel Öregrund. Gegen 18.30 Uhr habe ich festgemacht und ich kann noch einkaufen und etwas essen gehen.
Zum dritten Mal festgemacht in ÖregrundEnskär > Öregrund 30 sm
Die letzten Tage planen…
Von Öregrund aus denke ich Gävle wieder in 2 bis 3 Etappen (Tagen) zu erreichen. Viel andere Möglichkeiten gibt es auch nicht. Montag, 1. September möchte ich in Gävle sein. Freitag, 5. September ist der Termin zum Auswassern ins Winterlager. Die Segel sollten auf jeden Fall trocken sein, wenn ich sie abschlage und im Boot verstaue.
Richtung Gävle ist das Segelrevier nicht sonderlich interessant. Keine Inseln, kaum Häfen. Ich hätte da noch einen Wunsch offen… Schweden – Ostküste – Segeln da stellt man sich typischerweise auch das Festmachen an Schären vor. Leider hatte sich in den 3 Monaten nie die Gelegenheit ergeben.
Südöstlich von Öregrund hat es zahlreiche Schären und ich habe zwei Möglichkeiten zum Anlegen an einer Schäre ausgemacht. Das sind nur 8 bis 10 sm, also in etwa 2 Stunden zu erreichen. Die Wind- und Wetterprognose ist auch gut. Falls es mit dem Anlegen an der Schäre nicht klappen sollte, gibt es Möglichkeiten zum Ankern und es gibt noch 3 Bojen des SXK an denen ich festmachen könnte.
Donnerstag dann wieder zurück nach Öregrund und Freitag ist voraussichtlich schlechtes Wetter. Also ein Tag abwettern im Hafen. Samstag, Sonntag, Montag dann nach Gävle. Das hört sich nach einem guten Plan an.
Spaßsegeln und noch einen Wunsch erfüllen…
Mittwoch, 27.08.2025
Ich hatte da noch den einen Wunsch offen, der eigentlich typisch ist für das Segeln in den Schärengewässern: Einmal festmachen an einer Schäre. Aufgrund des Jedermannsrecht darf eigentlich überall geankert oder festgemacht werden. Ein gewisser Abstand zu Häusern soll natürlich eingehalten werden. Ich hatte viel gelesen über das Festmachen an Schären. Zur Ausstattung gehören normal Felshaken die man in den Fels schlägt, um daran das Boot dann festzumachen. Aber das ist nicht zwingend notwendig. Alternativen sind vorhandene feste Ringe, große Steine oder Bäume.
Schärensegeln – einfach schön
In der Bojenkarte der Swedish Cruising Association hatte ich zwei Möglichkeiten zum Festmachen an einer Schäre in den Schären bei Öregrund gefunden. Das Festmachen an einer Schäre ist geradezu typisch für das Segeln an Schwedens Ostküste. In den letzten 3 Monaten ergab sich jedoch nie die Gelegenheit dazu. Entweder war ich unter Zeitdruck ein nächstes Ziel zu erreichen, es war kalt und ich benötigte Landstrom für die Heizung, das Wetter ließ es nicht zu, und, und…
Die Pfeile markieren mögliche Plätze zum Anlegen an der Schäre
Das Manöver „Festmachen an einer Schäre“
Jedenfalls war jetzt die Gelegenheit dazu. Nur ein Problem: ich bin alleine (einhand) unterwegs. Normal läuft das Manöver wie folgt ab: Es wird ein Stelle zum Anlegen an der Schäre gesucht. Zahlreiche mögliche Stellen sind durch Revierführer o.ä. bekannt. Zuerst wird die Stelle testweise angefahren um die Wassertiefe, Windsituation usw. zu prüfen. Ist der Platz für gut befunden, wird dieser langsam angefahren. Etwa 20 Meter vor der Schäre wird der Heckanker ausgebracht. Sobald das Boot nah genug an Land ist, springt ein Crew-Mitglied mit einer Festmacherleine auf die Felsen. Der Steuermann holt zeitgleich die Heckankerleine dicht. Das Crew-Mitglied an Land befestigt die Leine. Nachdem erst mal eine Festmacherleine fest ist werden weitere Leinen ausgebracht. Der Heckanker hat hauptsächlich die Funktion das Boot von den Felsen weg zu halten.
Der aufmerksame Leser wird sich schon denken – o.k. und wie macht man das einhand? Mein Plan gleicht im Wesentlichen dem üblichen Ablauf. Nur mit einem Unterschied: Kurz vor den Felsen Heckanker einigermaßen dicht holen, mit Standgas den Motor eingekuppelt laufen lassen, mit Hilfe des Ruders das Boot stabilisieren, schnell nach vorne und mit einer vorbereiteten Leine von Bord gehen. Soweit die Theorie.
Gegen Nachmittag konnte ich ablegen. Ich hatte mir zwei Möglichkeiten herausgesucht die beide gut gegen Südwind geschützt sind (heute und für den nächsten Tag die primäre Windrichtung). Beide nicht weit entfernt, etwa 7 Seemeilen. Mit Großsegel und Fock ging es also hinaus zu den Schären. Ständig wechselnder Wind in Stärke und Richtung. Ich musste den Job von Johann übernehmen.
Kurz vor der ersten Schäre, die ich anlaufen wollte, sehe ich ein anderes Segelboot das genau dort hinein fährt, wo ich auch hinein fahren wollte. Nein, für Hafenkino wollte ich nicht sorgen (deshalb auch die Ausweichmöglichkeit SXK Boje oder Ankern). Wenn, dann wollte ich das an einer Schäre versuchen, wo ich alleine bin. Also habe ich kurzfristig die zweite Schäre angesteuert. Erst einmal Segel bergen dann ging es hinein in die enge Bucht (wirklich eng). Die möglichen Stellen habe ich gleich erkannt. Leider war es in der Bucht nicht so windstill, wie ich es mir gewünscht hatte. Es kam immer noch ein leichter Wind hinein und leider beim Anfahren des Platzes nicht direkt von vorne (das wäre ideal gewesen) sondern etwas von Steuerbord.
Drei Anläufe hat es gebraucht (das Lot zeigt gerade Mist)
Zuerst fahre ich die Stelle testweise an um die Tiefe zu prüfen (ich habe ja 1,4 Meter Kiel unter dem Boot). Das passt. Auch vorne am Bug sieht es gut aus. Also erst einmal wieder Rückwärtsgang. Der Heckanker wird vorbereitet. Dann fahre ich die Stelle erneut langsam an und lasse etwa 20 Meter vor den Felsen den Heckanker fallen. Der Motor ist eingekuppelt und im Standgas. Langsam gebe ich die Heckankerleine nach. Doch durch den seitlichen Wind vertreibt es mir den Bug, egal wieviel Gegenruder ich gebe. Abbruch. Ich hole den Heckanker wieder ein und starte einen weiteren Versuch. Ich versuche dabei mehr gegen den Wind zu steuern. Diesmal kupple ich jedoch den Motor kurz vor den Felsen aus und lasse die Heckankerleine etwas lose. Dann sprinte ich nach vorne, schnappe mir die vorbereitete Leine und springe auf die Felsen. Teil 1 ist geschafft. Ich werfe die Leine um einen Felsen den ich schon beim ersten Testlauf als Fixpunkt auserkoren hatte. Der Rest ist dann nur noch Formsache. Eine zweite Festmacherleine wird an einem Baum befestigt und die Heckankerleine durchgesetzt. Geschafft. Hey, ich bin so was von stolz, das einhand geschafft zu haben.
Festgemacht an der Schäre. Heckanker sitzt.„meine“ Schäre – zumindest für den MomentEine Bandschlinge ist für den Baum wesentlich schonender
Ich setze mich ins Cockpit öffne eine Dose Bier und genieße einfach nur den Augenblick. Ich bin sehr zufrieden damit, wie mein Abenteuer Ostsee dem Ende zu geht. Der Traum Haparanda ging nicht in Erfüllung. Aber ich habe gerade in den letzten etwa 4 – 5 Wochen, seit der Entscheidung das Ziel Haparanda fallen zu lassen, so viele tolle Orte gesehen und so viele schöne Erlebnisse gehabt, dass ich Haparanda keine Träne nach weine.
Wegen solchen Momenten…
Die Nacht…
Hast du schon einmal einen Sternenhimmel gesehen? Ja, in Deutschland. Ich kenne den Sternenhimmel. Landschaftsfotografie mit Sternenhimmel war lange meine Leidenschaft. Zu Hause, am Bodensee, immer geprägt durch die Lichtverschmutzung der zahlreichen Städte. Selbst in den Alpen findet man keinen dunklen Ort. Hier: Dunkelheit. In der Ferne etwas das Leuchten von Öregrund. Sonst keine Lichtverschmutzung. Das ist Sternenhimmel…
Schade, ich hatte mein Ladegerät für die Kamera zu Hause vergessen. Daher konnte ich kein Foto davon machen. Aber nächstes Jahr ist auch noch ein Jahr…
Es wird herbstlich
Donnerstag, 28. August 2025
Um 7 Uhr klingelt der Wecker. Der Blick nach draußen zeigt eine neue Stimmung – es ist Herbst geworden. Zum ersten Mal habe ich Morgennebel. Schon die letzten Tage hatte ich früh morgens ordentlich Tau auf dem Deck. Ein typisches Zeichen dafür, dass der Sommer zu Ende ist. Vor dem Nebel, von dem ich oft gelesen hatte, hatte ich Respekt. Aber ich muss ja sowieso noch arbeiten und gehe deshalb davon aus, dass sich das bis mittags lichtet. Also kann ich diese Stimmung genießen.
Es ist Herbst geworden – dichter Nebel in der Bucht
Am frühen Nachmittag kann ich dann ablegen. Das Ablegen geht ganz gut. In der Bucht ist es windstill. Die Heckankerleine wird etwas gelöst, dann löse ich die beiden Landleinen und hole den Heckanker hoch. Im Standgas geht es raus aus der Bucht. Der Nebel hat sich gelichtet und langsam kommt die Sonne heraus. Sobald die Sonne da ist, wird es warm und ich kann den Fleece wieder ausziehen. Es hat etwas von Altweibersommer.
Auch draußen, außerhalb der Bucht, hat es zu wenig Wind zum Segeln – etwa 2 bis 3 Knoten. Aber ich habe keine große Strecke vor mir. Für den nächsten Tag ist schlechtes Wetter (Regen) und starker Wind angekündigt. Deshalb habe ich noch einmal einen Hafentag in Öregrund geplant. Dort kann ich dann noch einmal frische Lebensmittel einkaufen, wahrscheinlich zum letzten Mal. Und Samstag soll es dann Richtung Gävle gehen. Ich rechne mit zwei bis drei Tagen. Die Wind- und Wetteraussichten sind dafür ganz brauchbar.
Noch einmal ein Blick zurückDiesen Blick vom Boot auf die Schären werde ich vermissen
Auf Umweg nach Ängskär
Samstag, 30. August 2025
Ich hatte mir Gedanken gemacht, wie ich meinen Rückweg nach Gävle gestalte. Ein drittes Mal wollte ich jetzt nicht unbedingt die Ankerbucht Rödhall ansteuern. Der Hafenmeisterin in Öregrund hatte ich erzählt, dass ich dann weiter nach Gävle ziehe. „Dann müssen Sie unbedingt Örskärs Fyr besuchen“ meinte sie.
Ich informiere mich im Internet. Irgendwo hatte ich gelesen, dass es wegen Saisonende geschlossen wäre. Aber ich schreibe mal eine Mail und ich bekomme Antwort. Es ist zwar Nachsaison, aber sie haben in der Nachsaison Samstags geöffnet. Nur ein Haken: Lunch gibt es zwischen 12 und 13.30 Uhr und die Führung auf den Leuchtturm ist um 13 Uhr.
Ich studiere die Wind- und Wettervorhersagen. Die Wettervorhersage war nicht so optimal. Zuerst sollte es bis 8 Uhr etwas regnen und dann am Nachmittag noch einmal. Am Vorabend verschiebt sich der Regen bis 9 Uhr. Ich lasse mir von Orca einen Routenvorschlag machen. Es ist Nordwind vorhergesagt, das bedeutet gegenan kreuzen und für die gut 10 sm (Luftlinie) sollte ich 3 1/2 Stunden brauchen. Realistisch rechne ich eher mit 4 Stunden. Aber ich möchte es versuchen und Örskärs Fyr als Zwischenstopp nehmen. Anschließend soll es weitergehen nach Ängskär.
Um 7 Uhr klingelt der Wecker. Zuerst gibt es ein Kaffee dann geht es unter die Dusche. Dann noch ein Kaffee und warm anziehen. Und vor allem Ölzeug. Doch das Wetter sieht schon am Morgen besser aus als vorhergesagt, jedenfalls ist es trocken.
Am Morgen ist es noch trüb aber trocken. Rückblick auf Öregrund
Um 08.15 Uhr lege ich ab und dann geht es gegenan Richtung Norden. Der Wind schwankt zwischen 8 und 13 Knoten und ich komme mit 4 bis 5 Knoten voran. Aber es ist mühsam. Dann kommt mir gegen Ende noch ein traditionelles Segelboot etwas in die Quere. Offensichtlich möchte er auch auf Örskär und am Ende ist es auch so. Dass es Nordwind hatte, war jetzt vorteilhaft denn die kleine Anlegestelle liegt auf der Südseite der Insel.
Da wir zeitgleich am Anleger sind fahre ich beim ihm vorbei und frage ihn, ob er zuerst anlegen möchte. Er legt zuerst an und ein Crew-Mitglied nimmt meinen Bug als ich anlege. Ich ziehe schnell mein Ölzeug aus und beeile mich zum Lighthouse zu kommen.
Erstes Ziel erreicht – festgemacht auf Örskär
Dort sind etwa 30 Schweden, die bereits gegessen haben und wohl auf die Führung warten. Ich stelle mich im Lokal als der deutsche Segler vor und die Betreiberin fragt mich, ob ich noch auf das Lighthouse möchte. „I think I can’t really do both – lunch and the tour.“ antworte ich. Das wäre kein Problem, meint sie, ich kann auch nach der Führung essen. Hach, Schweden ist so nett! So komme ich doch noch zu meinem Leuchtturm.
Der jetzige Leuchtturm wurde 1738 gebaut (es gab einen Vorgänger aus Holz) und gehört zu den 12 Leuchttürmen Schwedens, die der Öffentlichkeit zugänglich sind. Er ist etwa 33 Meter hoch und eine Besonderheit ist, dass er innen einen Wendelgang (keine Treppe) hat. Der Grund liegt darin, dass das Leuchtfeuer zuerst mit Kohlen befeuert wurde und so konnte man mit einer Sackkarre die Kohlen einfacher nach oben bringen. Vom Leuchtturm oben hat man eine herrliche Aussicht in die Bucht von Öregrund.
Anschließend habe ich meinen Lunch – geräucherter Lachs mit französischem Kartoffelsalat.
Vom Anleger bis zum Leuchtturm sind es etwa 1,5 KilometerÖrskärs FyrAuf dem Weg nach obenTolle Aussicht von obenDas erste Hefeweizen seit 3 1/2 MonatenÖregrund > Örskär 17 sm
Dann möchte ich schnell weiter. Ich hätte natürlich auch auf Örskär über Nacht bleiben können. Doch wie bereits gesagt – die Nächte sind kalt und da bevorzuge ich einen Hafen mit Landstrom für meinen Heizlüfter. Außerdem möchte ich ein Stück näher Richtung Gävle kommen. Für Sonntag ist wenig Wind vorhergesagt.
Auf der anderen Seite, am Festland, liegt der kleine Hafen Änskär, den ich schon einmal auf der Liste hatte. Er ist kombiniert mit einem Wohnmobilstellplatz und es gibt dort nur Strom, Wasser und sanitäre Anlagen. Aber mehr brauche ich auch nicht. Jetzt auf Halbwind geht es quer fast genau Richtung Westen. Die Welle hat inzwischen ordentlich zugenommen auf etwa 1 bis 1,5 Meter und mein Pinnenpilot Johann ist damit überfordert. Also übernehme ich die Pinne. Immer wieder müssen hohe Wellen ausgesteuert werden und Miss Sophie beschleunigt dabei auf 6,7 Knoten SOG. Die Einfahrt in den kleinen Hafen ist nicht ganz einfach. Zum einen hat es viele Steine unter Wasser und zum anderen ist die Einfahrt Richtung Süden. Bedeutet ich habe Wind und Welle von hinten. Trotz Rückwärtsgang im Standgas fährt das Boot noch mit 2 Knoten voraus. Aber das Anlegen geht dann doch noch durch die Schutzmauer, die den Wind von Norden abhält, recht entspannt. Ich suche mir eine Heckboje bei der ich mich im Notfall an das benachbarte Boot anlehnen kann. Gegen 17 Uhr habe ich dann festgemacht und blicke wieder einmal auf einen genialen Tag zurück.
Den weiteren Weg nach Gävle möchte ich in zwei Etappen machen. Doch das ist dann eine andere Geschichte…
Festgemacht in ÄngskärEin schöner Tag geht zu Ende…Örskär > Ängskär 10 sm
Unsere Dehler 28s „Miss Sophie“ war für 3 1/2 Monate mein zu Hause auf der Ostsee. Ich habe das Boot etwas für die Reise vorbereitet denn zum einen war ich die meiste Zeit einhand unterwegs und zum anderen brauchte ich die eine oder andere Ausrüstung. die am Bodensee nicht benötigt wird. Und dann habe ich es im Wesentlichen so organisiert, wie es für mich passte (auch wenn die ersten zwei Wochen noch meine Frau dabei war).
Youtuber machen ja eine Roomtour als Video – ich mache mal eine Roomtour als Blog-Beitrag.
Unser/Mein Schlafplatz
Wir/ich schlafen im Vorschiff, da hat die Dehler 28 einfach mehr Platz. Dem Kenner wird auffallen, dass wir den Sitzbügel entfernt haben. Normal hat die Dehler 28 einen halbrunden Bügel mit Polster den man herunterklappen kann. Dann hat man eine Sitzecke, um um den Tisch herum zu sitzen. Da wir sonst zu zweit unterwegs sind haben wir den Bügel ausgebaut. In den Schaps oben ist genug Platz für die gesamte Kleidung. In den Backskisten links und rechts unter den Polstern sind die Lebensmitteln. Das habe ich so aufgeteilt, dass ich links (Backbord) Konserven (Gemüse, Tomaten), Fertiggerichte und ähnliches habe. In der rechten (Steuerbord) habe ich hauptsächlich Kohlenhydrate also Nudeln, Tortellini, Reis und ähnliches. So weiß ich schnell wo ich was suchen muss.
Achja, was man sieht ist mein Daunenschlafsack. Mein steter Begleiter auch auf vielen Bergtouren. Der geht bis minus 20 Grad im Komfortbereich. Auf dem Boot verwende ich ihn in der Regel nur als Decke.
Unter dem Tisch habe ich die Kompressor-Kühlbox. Normal gibt es da bei der Dehler eine Kiste unter dem Tisch die herausgezogen werden kann. Doch die alte (kleinere) Kühlbox hatte vor zwei Jahren den Dienst quittiert. Und die neue Dometic passte nicht mehr in die Kiste. Aus Gewichtsgründen habe ich die Kiste dann raus genommen. Die Kühlbox wird vor dem Ablegen mit einem Zurrband fixiert.
Unter den Bodenbrettern ist die Bilge. Dort werden Wasserflaschen (PET) gelagert.
Kochen
Unter der Holzplatte ist ein 2-flammiger Spirituskocher. Den Spirituskocher verwende ich wenn ich keinen Landstrom habe. Ich verwende aber nur eine der beiden Flammen weil der Spiritus ja verdunstet. Ich fülle auch immer nur so viel Spiritus ein wie ich gerade benötige. Im Schiebefach sind Gewürze, Kaffee, Tassen und Kunststoffgläser. Unter dem Kocher sind Töpfe, Teller und weitere Kochutensilien.
Wenn ich Landstrom habe, habe ich eine elektrische Kochplatte. Ich koche alles auf einer Flamme (Platte). Das geht problemlos.
Das Spülbecken wird eigentlich nicht benützt da das Boot keinen Grauwassertank hat. Darunter ist ein Kunststoff-Behälter mit etwa 10 Liter den man dann leeren muss. Dort ist dann auch Essig, Öl, Spiritus und ähnliches gelagert. Zum Segeln muss natürlich alles verstaut werden was oben liegt da es sonst umher fliegt.
Naviecke
Für den Törn auf der Ostsee habe ich ein Funkgerät eingebaut. Zum einen damit ich im Notfall schnell ein „Mayday“ absetzen kann und zum anderen werden mit Hilfe des Funkgeräts andere Schiffe / Boote die AIS senden auf dem Plotter angezeigt. Ansonsten ist alles Standard bzw. wie es war.
Wer sich fragt weshalb ein Schalter mit Gafa-Tape fixiert ist… Mein Triton2 (sieht man später) zickt seit dem Winter. Wird es eingeschaltet flackert es nur hell/dunkel. Wartet man eine Weile und schaltet es wieder ein funktioniert es mal wieder. Meine Lösung war dann das Triton 2 immer eingeschaltet zu lassen. Damit es nicht versehentlich ausgeschaltet wird ist das Tape auf dem Schalter.
Ansonsten liegen da Fernglas, Powerbank für Handy oder iPad falls unterwegs der Saft ausgeht und Kfz-Adapter für den Laptop (rechts von der 220 V Steckdose ist eine Zigarettenanzünder-Dose). Seekarten (Papier) sind teilweise darunter im Fach oder woanders.
Checkliste
An der Türe zur Toilette hängt meine Checkliste vor dem Ablegen. Die Instrumente links im schönen Messing-Gehäuse sind mehr Zierde als das sie wirklich funktionieren. Das einzige, was einigermaßen funktioniert ist die Uhr.
Toilette
Wie gesagt hat unsere Dehler 28 keinen Grauwassertank (Standard). Deshalb haben wir ein Porta-Potti. Das Entsorgen des Porta-Potti ist in Schweden nicht so einfach. Nur in Häfen, bei denen ein Wohnmobil-Stellplatz angeschlossen ist, findet man eine Entleerungsstation. Ich versuche das Porta-Potti so weit als möglich nicht zu benützen. Für das große Geschäft habe ich mir „Kackbeutel“ besorgt (Hinweis: Das ist kein Affiliate-Link – nur ein normaler Link auf die Bezugsquelle). Das funktioniert sehr gut. Ich lege diese ins Porta Potti. Dann wird der Beutel zugeknotet und bis zum nächsten Hafen in der Backskiste in der Plicht gelagert und über den Restmüll entsorgt.
Dass hier Dinge im Waschbecken liegen ist auch Absicht. Denn es sollte nicht benützt werden. Wie für die Spüle gibt es einen kleinen Kunststoffbehälter (ca. 10 Liter) für das Grauwasser des Spülbeckens. Dieser ist normal hinter der Türe hinter der Toilette. Dort sind jetzt jedoch zwei 100 Ah LiFePo Batterien damit ich genügend Strom zum Arbeiten habe wenn ich vor Anker liege.
Die Segel-Stiefel stehen hier bereit falls ich sie schnell benötige.
Rumpelkammer
Die Achterkajüte ist eine Rumpelkammer. Hier sind das aufblasbare Kajak, Fotorucksack, Rucksack, noch eine Genua, Ölzeug, Werkzeug gebrauchte Wäsche u.a. In den Schaps darüber sind Handtücher usw. Alles Dinge die man weniger braucht (außer das Ölzeug und das liegt gleich um die Ecke).
Motivation
Meine Töchter haben mir eine Kaffeetasse und eine schöne Karte mit auf den Weg gegeben. Diese hängt an einem der Fenster immer in Sichtweite.
Plicht (Cockpit)
Der offene Teil eines Segelbootes wird Plicht oder Cockpit genannt. Für Nicht-Segler: hier fehlt kein „f“.
Wichtigste Erweiterung die für den Törn dazu kam war die Sprayhood. Ohne die Abdeckung wäre ich ganz schön nass geworden. Außerdem schützt sie gut vor dem Wind. Verdeckt durch die Großschot (Bildmitte) – auf dem Schiebeluck habe ich den Plotter montiert. Ein B&G Vulcan 7 – also ein 7 Zoll Plotter. Auf dem habe ich die elektronische Seekarte von Navionics. Außerdem werden mir auf dem Plotter alle Schiffe/Boote angezeigt, die AIS senden. Links liegt die Schwimmweste (obligatorisch) und rechts Handschuhe und Mütze. Die Anzeige rechts ist das Triton 2 das seit dem Winter zickt. Die momentane Anzeige ist mein Standard: Geschwindigkeit, scheinbare Windrichtung, Windgeschwindigkeit und Tiefe. Das sind die wichtigsten Informationen für mich. Rechts auf der Bank das iPad. Auf dem habe ich eine App mit einer anderen Seekarte (Orca). Orca ist etwas übersichtlicher und vor allem kann Orca unter Berücksichtigung der Wetterdaten einen Routenvorschlag machen.
Blick nach hinten
Mein Blick zurück… Zum einen sieht man die Starlink-Antenne. Durch Starlink habe ich immer und überall Internet. Selbst dort wo es keinen Handy-Empfang hat. Das hat wirklich zu 99,5% funktioniert. Die 0,5% beziehen sich auf Situation wo ich vor Anker oder an einer Boje lag. Wenn das Boot schwojt (also sich um einen Punkt dreht), dann kann es passieren das die Verbindung nicht mehr 100%ig ist.
Dann habe ich hier einen Heckanker mit einer 25 Meter langen Bleiankerleine. Und noch zwei Festmacher (Im Moment nur einer da der andere in Gebrauch). Ein weiterer Anker mit 20 Meter Kette und Leine befindet sich vorne im Ankerkasten.
Am Achterstag habe ich ein Solarpannel 50 Watt. Ein weiteres Solarpannel (100 Watt) hängt seitlich an der Reeling.
Dann sieht man noch meinen Pinnenpilot/Autopilot „Johann“ – ein Simrad TP22. Im Moment hat er Pause. Über Johann (leuchtend Orange) hängt mein Life-Belt. Eine Sicherheitsleine die ich immer dann habe wenn ich auf das Vordeck muss manchmal auch in der Plicht.
Was man nicht sieht
Der Bojenhaken mit 25 Meter Leine liegt immer auf der Seite griffbereit. Auch noch auf der anderen Seite habe ich noch einen Festmacher mit 25 Meter liegen. In der Backkiste (unter dem Johann) ist der Tank für den Motor und dort liegen Bootshaken, Paddel, Tisch für das Cockpit, Pütz (ein Eimer), Reinigungsmittel für das Boot.
Die Nacht war stürmisch und der Vormittag ist es auch noch. Ich verbringe die Zeit damit, die nächste Woche zu planen. Ich werde die Åland Inseln gegen den Uhrzeigersinn erkunden. Ich habe mir einige Ziele auf der Runde herausgesucht. Mal sehen ob das so klappt. Bei dem derzeitigen Plan (falls er genau so aufgeht) habe ich noch fünf Tage für den Rückweg von Enskär nach Gävle und dann noch 3 bis 4 Tage Reserve. Wobei ich einen ganzen Tag einplanen muss, um das Boot winterfertig zu machen (alle Segel und Leinen abschlagen) und zu packen.
Vormittags noch Einkaufen. Bei den Preisen für das Bier vergeht einem der Durst (das sind Euro)Am Abend ist der Sturm dann vorbei und die Sonne zeigt sich wieder
Erster Tag im Åland-Archipel – Rödhamn
Montag, 18. August 2025
Ich habe mir einen Plan gemacht. Ich werde versuchen die Åland-Inseln gegen den Uhrzeigersinn zu machen. Aus dem Internet und dem Segeln-Forum habe ich einige Empfehlungen mitgenommen. Ein erstes Ziel, das ich gerne erreichen möchte, ist Glada Laxen an der Nordseite der Insel Bärö. Das soll ein sehr gutes Restaurant sein. Von Mariehamn sind das etwa 60 bis 70 gesegelte Seemeilen. Da ich ja Teilzeit arbeiten muss und der Wind für heute eher schwach vorhergesagt ist, werde ich das nicht in zwei Etappen schaffen. Also teile ich mir die Strecke in drei Etappen auf. Denn das erste Ziel für heute, Rödhamn, ist auch eine Empfehlung die ich mehrfach gelesen habe. Und außerdem muss ich mich erst einmal an das Schärensegeln im Åland-Archipel gewöhnen. Ich hatte ja schon etwas Schärensegeln vor der schwedischen Ostküste. Aber das hier ist noch einmal anders. Es ist wesentlich flacher, enger und es hat zahlreiche Untiefen (u.a. Steine unter der Wasseroberfläche).
Rückblick nach Mariehamn
Der Wind kommt heute aus Nordwest bzw. West d.h. ich habe den Wind von hinten. Ich rechne damit, eine oder mehrere Halsen machen zu müssen. Da die Strecke nur kurz ist, etwa 10 sm, beschließe ich es nur mit dem Großsegel zu versuchen. Und das reicht auch. Anfangs hat es noch bis zu 13 Knoten Wind und ich lasse mich mit 3 bis 4 Knoten Fahrt gemütlich treiben. Es ist auch kein Segeln, bei dem man einmal den Kurs für eine halbe Stunde eingestellt hat und sich zurücklehnen kann. Es gleicht eher einem Slalom-Parcours durch zahlreiche Kardinalzeichen hindurch. Ständig muss der Kurs leicht korrigiert und die Segelstellung darauf angepasst werden.
Kurz vor Rödhamn
Aber das Gute: Ich komme mit einer Halse aus. Kurz vor Rödhamn schläft der Wind ein und der Motor wird angeworfen. Im Sommer, so habe ich gehört, braucht man um diese Zeit hier nicht mehr auf einen Liegeplatz zu hoffen. Doch die Saison ist vorbei. Am Steg, der etwa Platz für 60 Boote hat, liegen gerade einmal drei Boote und ich habe die freie Platzwahl (später kommen noch nach mir vier weitere Boote). Daher muss ich diesmal das Anlegemanöver mit Heckboje ohne Hilfe machen.
Festgemacht in RödhamnDas kleine Café
Rödhamn zeigt sich wirklich als ein sehr schöner Platz. Etwas oberhalb hat es ein kleines Café in dem auch die Hafengebühr bezahlt werden muss. 37 Euro. Im Café können auch gleich Brötchen bestellt werden, die morgens gegen 9 Uhr ans Boot gebracht werden.
Mariehamn – Rödhamn 11 sm
Anstrengender Tag – Ankerbucht Delholm
Dienstag, 19. August 2025
Der Tag begann eigentlich recht gut – Brötchenservice mit Wetterbericht auf der Brötchentüte in Rödhamn. Wind N – NW, 6 – 10 m/s (12 bis 20 Knoten), Bewölkt, Sonne, Regen. Meine Nachbarn legen bereits gegen 8 Uhr (LT) ab. Ich muss ja noch arbeiten. Die Brötchentüte war noch trocken geblieben doch später kamen dann die Regenschauer. Gegen Mittag studiere ich den Regenradar. Eigentlich sollte schon alles an Regen durch sein, ist es aber nicht. Ich sitze wie auf Kohlen. Bei dem Wetter möchte ich nicht ablegen. Also noch etwas arbeiten und in einer Stunde noch einmal schauen. Gegen 13 Uhr (LT) scheint es endlich trocken zu bleiben. Laut Regenradar kommt auch nichts mehr an. Aber sicherheitshalber lege ich die volle Montur und ziehe die Segelstiefel an. Man hat ja schon Pferde kotzen gesehen…
Der Morgen beginnt noch gut – Brötchenservice mit Wetterbericht
Raus aus der Bucht geht ganz gut. Wie geplant kann ich sofort das Großsegel setzen. Ich möchte es auch heute beim Großsegel belassen. Das ist alles so eng hier. Kaum komme ich in etwas weitläufigeres Fahrwasser, kommt schon der erste Dampfer von hinten – Finnlines. Alles zu eng. Also luve ich an, mache eine Wende und lasse den Dampfer erst einmal durch.
Rückblick auf Rödhamn
Eine ganze Zeit ist Ruhe bis, ja bis ich mal einen Blick nach hinten mache. Schon fast direkt hinter mir ist der nächste Dampfer – die roten. Wieder anluven, um etwas Abstand zu gewinnen. Dann nimmt der Wind immer mehr zu und kommt auch immer mehr von vorne. Kaum noch segelbar – unter 30 Grad am Wind. Und dabei muss ich gerade wieder durch ein enges Fahrwasser dem Tonnenstrich entlang. Ich nehme zuerst den Motor dazu. Doch mittlerweile hat der Wind auf 17 Knoten angezogen (5 Beaufort). Und er kommt noch mehr von vorne. Selbst mit Motor mache ich gerade noch 2,5 Knoten Fahrt. Das ist nichts.
Immer wieder eng vorbei an interessanten Felsformen
Vor mir hat gerade ein Schwede mit seiner Hanse von einem Steg abgelegt. Mir ist noch nicht klar was er macht. Jedenfalls entscheide ich mich, sobald das Fahrwassser etwas breiter wird, gegenan zu kreuzen. Ist zwar auch mühsam aber macht noch mehr Sinn als mit Motor gegenan zu stampfen.
Der Schwede setzt auch seine Segel – Großsegel und Fock und geht auch auf die Kreuz. Bald hat er mich eingeholt. Klar, ich, nur mit Großsegel, mache gerade mal 3 bis 5 Knoten Fahrt. Aber das ist für mich o.k. so. Das einzig positive, was ich dem Ganzen hier abgewinnen kann: Es hat so gut wie keine Welle.
Kurz vor der Einfahrt in die Ankerbucht kommt von links eine Fähre. Mann oh Mann. Anstrengend. Also stark abfallen. Dabei muss ich aufpassen, nicht zu stark abzufallen denn auf beiden Seiten der Einfahrt in die Bucht hat es Fahrwassertonnen die auf Untiefen hinweisen. Habe ich es schon gesagt? Anstrengend.
Die Fähre geht an mir vorbei und ich kann in die Bucht abbiegen. Nun hoffe ich, dass diese für die Ankernacht genug windgeschützt ist. In Schweden hätte ich keine Bedenken gehabt. Aber hier ist alles so flach. Keine hohen Bäume auf den Inseln, die den Wind abfangen könnten. Aber es geht einigermaßen. In der Bucht hat es dann noch etwa 8 Knoten Wind. Tiefe 3,5 Meter. Ich bringe den Anker mit 20 Meter Kette aus. Rückwärts-Gang einlegen und schauen ob der Anker hält. Er scheint zu halten. Aber sicherheitshalber beobachte ich das noch eine Weile. Der Anker-Alarm (App auf dem Handy) wird gestellt. Sollte ich driften, wird die Sirene auf dem Handy los gehen.
Hoffentlich ist die Nacht so friedlich wie sich der Himmel zeigt
Dann habe ich noch ein Problem mit meinen LiFePo-Batterien. Die eine steht auf 100%, die andere auf 47% Ladezustand. Das sollte nicht sein denn die beiden Batterien sind parallel geschaltet. D.h. im Idealfall sollten beide gleich geladen bzw. entladen sein. Beim Versuch das zu fixen schrotte ich meinen Inverter (ein Inverter macht aus 12 Volt Gleichstrom 230 Volt Wechselstrom). Einmal kurz nicht aufgepasst – verpolt kurz berührt und aus die Maus. Warum hat das blöde Ding auch keine Sicherung für solche Fälle? Anstrengend heute…
Aber jetzt ist es so. Der Inverter war mein Backup für den Laptop. Denn seltsamerweise quittiert der Kfz-Adapter für den Laptop unter einem gewissen Ladezustand der Batterien seinen Dienst. In dem Fall hatte ich mir mit dem Inverter beholfen. Wichtig, um sicher arbeiten zu können.
Ist jetzt aber auch kein Beinbruch. Denn ich werde jetzt vorzugsweise Liegeplätze ansteuern, an denen ich Landstrom habe. Und dort kann ich die LiFePo-Batterien immer voll laden falls es nicht genug Solarstrom haben sollte. Und dann habe ich noch einen Notfall-Plan vorbereitet: Die Starterbatterie ist mit der „alten“ Bleibatterie parallel geschaltet. Im Notfall werfe ich den Motor an. Die Lichtmaschine macht dann 14 Volt und ich schalte um von LiFePo auf alte Bleibatterie.
Rödhamn > Delholm 17 sm
Weitere Planung…
Jeden Abend aufs neue gehe ich die weitere Planung durch. Für den nächsten Tag stand Glada Laxen auf dem Wunschzettel. Danach sollte es auf die nördliche Seite der Åland-Inseln gehen. Von Glada Laxen würde ich mindestens 3 Etappen benötigen, um wieder nach Enskär zu kommen – meinem Ort für den Absprung zurück nach Schweden. Und hier treffen Wunsch und Realität aufeinander. Schon der nächste Tage nach Glada Laxen wäre Kampf und Krampf denn der Wind kommt mit bis zu 5 Beaufort aus Nord. Und Glada Laxen liegt nördlich von meiner jetzigen Position.
Das wäre der Plan gewesen bis Delholm (2) bin ich gekommen
Die Wind- und Wetteraussichten sind nicht gut – überhaupt nicht gut. Samstag – Starkwind bis 28 Knoten. Sonntag – bis 23 Knoten, Montag – Starkwind bis 27 Knoten. Dazu die Wetteraussichten: Freitagnachmittag – Regen/Gewitter, Samstag – gut, Sonntag – Regen, Montag – Gewitter, Dienstag – Regen.
So sieht die Wetterprognose aus dazu mein ursprünglicher Plan
Ich muss auf jeden Fall, Stand heute, mindestens zwei Tage irgendwo abwettern: Sonntag und Montag. Vielleicht auch noch den Samstag. Am 26. August wollte ich wieder in Schweden sein. 3 bis 5 Tage brauche ich zurück nach Gävle. Hinten raus habe ich noch einen Puffer von 3 Tagen.
Sollten aus den zwei Hafentagen drei werden, wäre der Puffer komplett verbraucht. Dann dürfte nichts mehr dazwischen kommen. Wie sagen die Österreicher so schön, wenn etwas zunehmend nicht möglich wird: „Des geht sich net aus“. Daher treffe ich die Entscheidung: Abbruch und zurück nach Mariehamn. Der Wind für den kommenden Tag aus NW ist wenigstens dafür fast ideal. Nur die letzten 8 sm werde ich wohl unter Motor machen müssen da gegen den Wind.
Zurück nach Mariehamn
Mittwoch, 20. August 2025
Am Vormittag hat es noch einige Regenschauer. Für den heutigen Tag sind bis zu 20 Knoten Wind (5 Beaufort) vorhergesagt. Ich schaue gegen Mittag mit dem Fernglas raus aus meiner Ankerbucht. Bei 5 Bft. gibt es leichte Wellen mit Schaumkronen. Schaumkronen sind noch keine zu sehen. Das beruhigt mich etwas. Gegen Abend soll der Wind etwas nachlassen. Ich hoffe, dass der Wind nicht zu sehr von hinten kommt denn das birgt immer die Gefahr einer Patenthalse.
Nach der Arbeit lichte ich den Anker und fahre vorsichtig aus der Ankerbucht – alles sehr flach hier. Gerade einmal 3,5 Meter tief. Raus aus der Ankerbucht ziehe ich das Großsegel hoch. Auch heute möchte ich nur mit diesem segeln. Bei sehr raumen Kursen flattert das Focksegel ohne Wind in der Abdeckung des Großsegels. Kaum habe ich das Großsegel gesetzt und den Kurs Richtung Südwest aufgenommen, steht schon wieder ein Dampfer direkt neben mir – Finnlines. Es ist unglaublich, wie schnell die sind. Ich falle ab, um ihm nicht zu nahe zu kommen. Zum Glück wird er gleich abdrehen Richtung Westen. Aber das mit den Dampfern hier strengt mich wirklich an.
Raus aus der AnkerbuchtAuf Raumwindkurs nur mit Großsegel geht es Richtung SüdwestenUnd wieder steht plötzlich so ein Ding neben mirUnd noch ein kleiner Dampfer
Ein Stück vor mir segelt eine andere deutsche Segelyacht. Er hat sich für die Genua entschieden. Obwohl er ein Stück größer ist als ich, halte ich gut mit und komme ihm auch immer wieder näher. Der Kurs Richtung Südwest lässt sich gut segeln – der Wind kommt von Nordwest. Dann muss ich anluven, neuer Kurs West und schließlich immer mehr Richtung Nordwest.
Die Segelyacht vor mir rollt die Genua ein und wirft den Motor an. Er dreht früher nach Nordwest ab als ich es muss. Vermutlich steuert er Rödhamn an. Als es dann für mich Richtung Nordwest geht, kommt der Wind fast direkt von vorne. Ich gehe noch einmal auf Kreuzkurs und mache zwei Wenden bevor auch ich das Segel berge und den Motor anwerfe. 2 Stunden noch bis Mariehamn bei 4,5 Knoten Fahrt. Hier wäre es auch viel zu eng, um gegen den Wind zu kreuzen. Um 19:55 Uhr habe ich in Marienhamn festgemacht und bin erst einmal froh, dieses Stück geschafft zu haben.
Wieder in Mariehamn
Ich habe jetzt drei Tage Puffer gewonnen, um zurück nach Schweden zu kommen. Aber ich merke auch, dass bei mir langsam die Luft raus ist. Es waren jetzt genügend anstrengende Segeltage und was mich zunehmend anstrengt ist das Wetter. Es ist vor allem kalt geworden. Tagsüber klettert das Thermometer nicht mehr über 15 Grad. Nachts bleibt es gerade noch so zweistellig. Zusammen mit dem Wind kann ich Mütze und Handschuhe immer wieder gut gebrauchen. Wenn dann noch Regen dazu kommt, vergeht mir der Spaß. Jetzt sind es fast genau drei Monate, die ich unterwegs bin – also mit der Abfahrt von zu Hause.
Rödhamn > Mariehamn 27 sm
Mein Fazit zu Åland
Ich hatte mir das Segeln in Åland etwas anders vorgestellt. Ich hatte mehr Segeln zwischen Inseln und mehr Abdeckung durch die Inseln erwartet. Es ist jedoch so, dass man eigentlich nur im äußeren Bereich der Åland Inseln segeln kann. Quer durch Åland geht überhaupt nicht da viele der Inseln über feste Brücken mit geringer Durchfahrtshöhe miteinander verbunden sind. So segelt man doch eigentlich sehr oft im relativ offenen Gewässer ohne Abdeckung bei starkem Wind.
Obwohl man im äußeren Bereich der Inselgruppe segelt hat man viele ganz kleine Inseln durch die hindurch navigiert werden muss. Teilweise ist das Fahrwasser richtig eng (10 bis 20 Meter etwa). Das ist manchmal eine Herausforderung – je nach Wind.
Was mich überraschte und etwas angestrengt hat, sind die zahlreichen Fähren und Kursschiffe. Es fahren hier wohl Fähren nach Stockholm, Torku und Helsinki. Wenn man im Fahrwasser unterwegs ist (segelnd) und sowieso nicht viel Platz hat, durch den Wind im Handlungsspielraum eingeschränkt ist, dann war das für mich anstrengend.
Landschaftlich sehr schön. Die Felsen und die Landschaft sind eine andere als Schwedens Ostküste. Ich würde das Revier gerne noch einmal erleben bei etwas besserem Wetter als ich es hatte.
Überall lichtet es sich – die Saison ist vorbei
Im großen Hafen von Mariehamn sind gerade noch 10 Boote (mit mir) bei etwa 100 Liegeplätzen. Bei manchen Häfen habe ich auf deren Internetseite gelesen, dass die Saison beendet und der Hafen geschlossen ist. Und das Mitte August. Aber wie oben geschrieben – die Temperaturen sind alles andere als sommerlich. Und dann scheint es so zu sein, dass Richtung Herbst zunehmend mit Stürmen zu rechnen ist. Die Saison ist wohl vorbei.
Der Plan für den Rückweg nach Schweden
Ich hoffe, dass sich das Wetter nicht verschiebt. Bei der aktuellen Prognose plane ich Samstag sehr früh, gegen 7 Uhr, Richtung Enskär zu starten. Windrichtung wäre erst NO später auf N drehend. Für den Schlag von Enskär nach Mariehamn hatte ich 5 Stunden benötigt, war da aber auch schnell unterwegs (Schnitt 4,8 Knoten). Dann sollte ich spätestens gegen Mittag auf Enskär sein. Sonntag und Montag wäre dann Abwettern auf Enskär. Dienstagnachmittag sollte dann passen um rüber nach Schweden zu kommen. Von Öregrund nach Enskär hatte ich 7 Stunden gebraucht. Aber ich muss nicht zwingend bis Öregrund kommen. Es reicht, wenn ich wieder in der Abdeckung der ersten vorgelagerten Inseln bin. Da gibt es ein paar Möglichkeiten festzumachen oder auch zu ankern.
Arbeiten und Körperpflege
Donnerstag, 21. August 2025
Das Wetter ist besser als es vorhergesagt war. Kein Regen und relativ viel Sonnenschein. Aber nun bin ich hier in Marienhamn. Ich arbeite ein paar Stunden nach. Am Nachmittag gehe ich duschen, in die Sauna, unter die Dusche und wieder in die Sauna. Ich bin allein und die Sauna läuft hier 24 Stunden. Dann noch etwas einkaufen. Viel Möglichkeiten gibt es in Mariehamn ja nicht. Was mir auf dem Weg zum Einkaufen auffällt: Frisbee scheint eine beliebte Beschäftigung unter jungen Menschen zu sein. Es gibt hier einen Frisbee-Parcours der gut besucht ist.
Zurück Richtung Schweden – erstes Ziel: Enskär
Samstag, 23.08.2025
Ich habe die Tage davor immer wieder die verschiedenen Wettervorhersagen geprüft. Daraus ergab sich folgende Möglichkeit: Samstag bis nach Enskär (wie auf dem Hinweg). Dann voraussichtlich 2 Tage abwettern wegen Starkwind. Dienstagnachmittag könnte sich eine Möglichkeit ergeben nach Schweden zurück zu kommen.
Am Abend zuvor wird alles vorbereitet damit ich am Morgen nicht viel Zeit verliere. Um 6 Uhr lokale Zeit (MEZ 5 Uhr) klingelt der Wecker. Zwei Kaffee, anziehen – sicherheitshalber das Ölzeug. Gegen Mittag könnte es regnen. Auf dem Hinweg habe ich etwa 5 Stunden gebraucht. Der Wind könnte heute wieder günstig sein so dass ich die gleiche Zeit schaffen könnte. Zuerst ist NO vorhergesagt der später auf Nord drehen soll. NO ist fast ideal – am Wind aber nicht hoch am Wind. Je mehr er Richtung Nord dreht, umso ungünstiger. Windgeschwindigkeit 10 bis 15 Knoten, ansteigend gegen Mittag / Nachmittag.
Ich überlegte noch zu tanken aber der Tank ist halb voll und ich rechne bis Öregrund nicht mit langen Motorfahrten und dort kann ich auch noch tanken.
Alles schläft noch während ich ablege. Gestern hatte sich der Hafen wegen des schlechten Wetters etwas gefüllt. Vor mir legt gerade wieder eine Fähre ab. Gut, dann kommt sehr wahrscheinlich keine entgegen. ich folge ihr eine Weile unter Motor bis ich dann Richtung Westen abdrehe. Jetzt kann ich die Segel hochnehmen. Es hat schon gleich 10 bis 12 Knoten Wind und mit etwa 60 Grad am Wind komme ich gut voran. Aufgrund der Windrichtung bin ich noch in der Abdeckung von Åland und habe deshalb kaum Welle. So dürfte es von mir aus bis Enskär gehen.
Noch einmal ein Blick auf die PommernSeezeichenHerrliche Stimmung am Morgen
Doch mit zunehmenden Weg muss ich mehr anluven und dann kommt auch noch ein kleiner Frachter um die Ecke. Mehr anluven kann ich nicht. Zum einen bin ich inzwischen schon relativ hoch am Wind und zum anderen ist nördlich von mir eine Untiefe. Eine Wende in die Richtung ist also auch keine Möglichkeit.
So bleibt als einzige Möglichkeit abfallen. Schlecht. Denn das bedeutet ich verliere Höhe und muss dann später auf jeden Fall eine Wende machen. Der Frachter kreuzt 1/2 Seemeile hinter mir und ich kann wieder anluven. Der Wind hat inzwischen kräftig zugenommen und damit auch die Welle. In Böen habe ich jetzt bis 20 Knoten (5 Beaufort). Das Segeln wird langsam nass. Aber wenigstens passt die Geschwindigkeit – 5 bis 6 Knoten. Gegen 12:00 Uhr sollte ich Enskär erreichen.
Zunehmend wird das Segeln nass. Bis 20 Knoten WindEinfahrt Enskär in Sicht. Passend lässt der Wind etwas nachDer kleine Hafen von Enskär
Nach zwei Wenden kann ich Kurs auf die Einfahrt von Enskär nehmen. Kurz davor falle ich ab und berge das Focksegel. Noch ein kleines Stück mit dem Großsegel segeln dann wird der Motor angeworfen und auch das geborgen. Unter Motor geht es hinein wobei ich mich an dem Weg halte, den ich das letzte Mal hinaus genommen habe. Denn in der Einfahrt hat es zwei Untiefen. Das ist ziemlich gut an dem Plotter, das er den letzten Track anzeigt. Der Wind bläst hier heute etwas stärker als beim letzten Mal. Meine Hoffnung ist wieder den gleichen Platz in dem kleinen Hafenbecken zu bekommen. Doch da liegt bereits ein anderes Segelboot.
Ich erinnere mich daran, dass in dem kleinen Becken Platz für drei Boote ist und das der andere äußere Platz 1,6 Meter Tiefe hat. Das reicht mir, ich habe nur 1,40 Meter Tiefgang. Da Nordwind ist und auch für die nächsten Tage vorhergesagt ist, denke ich dort auch noch besser geschützt zu sein denn direkt daneben ist eine Hütte über die ganze Länge des Liegeplatzes.
Das andere Segelboot sind Finnen. Entweder sie schlafen noch oder sie sind unterwegs. Jedenfalls niemand zu sehen und ich muss ohne fremde Hilfe anlegen. Der Wind bläst doch stärker als erwartet bzw. die Abdeckung durch die Hütte ist nicht so gut wie erhofft. Das Anlegemanöver war alles andere als lehrbuchmäßig. Ich habe die Bugleine und das Heck fängt an sich weg zu drehen. Zum Glück habe ich nur 28 Fuß sonst hätte es einen Crash mit dem finnischen Boot gegeben. Diese Anlegesituation finde ich immer wieder bescheiden. Was tun, wenn man seitlich anlegen möchte (muss) und der Wind von der Seite kommt, an der man anlegen möchte? Nimmt man die Heckleine, dreht der Bug weg. Nimmt man die Bugleine, dreht das Heck weg. Das sind die Momente wo ich mir eine Mittelklampe wünsche.
Aber egal, Hauptsache fest. Mit einem langen Festmacher ziehe ich das Heck an den Anleger. Nachdem das Boot festgemacht ist, falle ich erst einmal müde in die Koje.
Festgemacht auf EnskärAm Nachmittag dann 25 Knoten Wind
Der Wind hat wie vorhergesagt am Nachmittag zugenommen. Inzwischen bläst er selbst hier, wo es etwas geschützt ist, mit 25 Knoten. Die Messboje Finngrundet des SMHI meldet inzwischen Wellen bis 2 Meter. Nur gut, dass ich so früh los bin. Das wäre später kein Spaß gewesen.
Auf dem Hinweg bin ich hier spät angekommen und am nächsten Morgen sehr früh los nach Mariehamn. Jetzt habe ich etwas Zeit, mir die Insel anzuschauen. Im 2. Weltkrieg war hier eine Stellung und von hier aus wurden Seemienen ausgebracht. Es gibt ein kleines Museum mit Fotodokumenten aus dieser Zeit.
Auch nach dem 2. Weltkrieg war das Militär hier noch eine ganze Weile präsent. Aus dieser Zeit gibt es mehrere Häuser die offensichtlich erhalten werden. Heute überwacht ein Radar das Seegebiet.
Irgendwo hatte ich gelesen, dass man auch Zimmer mieten kann. Auch für den Fall, dass man nicht auf dem Boot übernachten möchte. Was natürlich nicht fehlen darf, ist eine Sauna. Diese wird mit Holz befeuert. Mal sehen, vielleicht gönne ich mir das morgen oder übermorgen. Ich habe ja Zeit.
Die Insel Enskär ist ein NaturschutzgebietÜberbleibsel aus dem 2. Weltkrieg – SeemieneDie kleine SaunaUnd zum Abkühlen in die OstseeMariehamn > Enskär 23,5 sm
Zurück am Ziel – komischer Titel. Aber ich war/bin auf dem Rückweg und habe heute das Ziel meines Rückwegs erreicht. Das lief jetzt wesentlich besser als gedacht. Der Segeltag heute war dazu aber auch perfekt. Wind aus Südwest bzw. West. D.h. der Wind kommt vom Land, dadurch hatte es keine Welle. Außerdem am Wind (nicht hart am Wind), da läuft Miss Sophie recht gut. Deshalb hatte ich mir diese knapp 35 sm für heute auch vorgenommen. Kurz nach 10 Uhr legte ich ab und konnte bald die Segel setzen. Der Wind drehte im laufe des Tages immer wieder etwas weshalb ich den Pinnenpilot (Johann) wieder auf Wind-Kurs einstellte. 5 Grad hin oder her machten bei der Strecke nichts aus – die konnte ich später korrigieren. So gab es für mich wenig zu tun. Ab und an etwas nach dem Segeltrimm schauen. Miss Sophie segelte mit 4 bis 5 Knoten dahin. Der Tag war so gemütlich, dass ich mir unterwegs sogar etwas kochen konnte.
Rückblick auf StorjungfrunRausschauen und die Landschaft vorbei ziehen lassen
Auf dem Plotter sah ich hinter mir die „Ballerina“. Eine schwedische Segelyacht, der ich auf meinem Weg öfter begegnet bin, zuletzt in Örnsköldsvik. Aber sie biegt ab Richtung Südost – ich bin auf dem Kurs Südsüdwest. Eine Zeit lang fährt in einiger Entfernung die Küstenwache parallel zu mir. Also den ganzen Tag nichts aufregendes. Nach Gävle hinein drehte der Wind immer wieder kräftig und schwankte auch sehr stark in der Stärke weshalb ich letztendlich die Segel herunter holte und noch 1 Sunde unter Motor hinein fuhr.
Beim Anlegen hilft mir ein Segler aus Finnland. Nach 7 Stunden und 30 Minuten ist Miss Sophie festgemacht. Nur eine unschöne Überraschung: Der Landstrom am Steg ist „out of order“. Morgen muss ich arbeiten. Mal sehen ob ich mit dem restlichen Strom in meinen Batterien auskomme. Zudem soll es morgen bedeckt ein.
Jetzt bin ich wesentlich früher da als gedacht und habe 3 1/2 Wochen übrig. Ich hatte mit 20 bis 30 Tagen von Örnsköldsvik bis Gävle gerechnet. Dazu noch etwas Reserve. Gebraucht habe ich jetzt 15 Tage. Und das ohne Stress. Am 5. September habe ich hier in Gävle den Termin zum auskranen. Miss Sophie wird den Winter hier in Gävle verbringen. Jetzt überlege ich, was ich mit der Zeit mache. Morgen werde ich erst einmal einkaufen und meine Vorräte wieder auffüllen. Vor allem Obst und Gemüse… Und falls es immer noch keinen Strom haben sollte, werde ich den Hafen wechseln.
Spät am Abend sehe ich dann zum ersten Mal seit vielen Wochen wieder Sterne am Himmel – diesen Anblick hatte ich fast vergessen.
Krönender Abschluss des Tages….Storjungfrun > Gävle (34 sm)
Alles erledigt und bessere Startposition bezogen
Montag, 11. August 2025
Nachdem ich meine Einkäufe erledigt, geduscht, das Geschirr gespült, alles sortiert und natürlich gearbeitet habe, habe ich den windstillen Abend genützt eine bessere Startposition zu beziehen. Außerdem war im Stadthafen gerade der Landstrom „out of order“. Da ich noch nicht genau weiß, was auf mich die nächsten Tage zukommt, möchte ich gerne alle Batterien und Akkus voll geladen haben. Meine LiFePo Batterien waren jetzt knapp unter 50% und heute war es in Gävle bedeckt. D.h. keine Chance mit Hilfe von Solar diese zu laden.
Also ging es wieder raus nach Huseliiharen. Das letzte Mal, als ich vor einigen Wochen vom Stadthafen hier raus fuhr, hatte es mich ja voll im Gewitter erwischt. Diesmal studiere ich den Regenradar (Lessons learned).
Wieder raus aus Gävle. Sieht bedrohlicher aus als es war (es war nichts)Vorbei an den Container-Verladestellen
Aber es ist alles ruhig und windstill. Perfekt zum Anlegen mit Heckboje. Denn ich rechne eigentlich nicht mit anderen Gästen dort. Das letzte Mal lag ich dort auch alleine. Doch es liegen eine schwedische und eine deutsche Segelyacht am Steg. Die Schwedin sieht mich kommen und fängt meinen Bugkorb auf und nimmt meine Bugleine – das ist immer hilfreich. Auch wenn ich jetzt meine Technik für dieses Anlegen entwickelt habe.
Dann sehe ich den deutschen Segler. Welche Überraschung – wir waren uns in Hudiksvall begegnet. Ich auf dem Weg Richtung Süden und er mit seinem Segelkameraden auf dem Weg Richtung Norden. Doch sein Segelkamerad wurde krank und musste nach Deutschland zurück fliegen. Jetzt ist er alleine auf dem Weg Richtung Süden und muss in 7 Tagen in Stockholm sein wo seine Frau dann an Bord kommt.
Ich werde heute Abend noch etwas die Möglichkeiten für die nächsten 2 – 3 Wochen studieren. Für morgen ist erst einmal Nordwind angesagt. Ideal für mich denn ich muss jetzt erst einmal ein Stück Richtung Südost wenn ich auf die Åland Inseln möchte.
Wieder festgemacht in Huseliiharen. Hier wartete ich vor ein paar Wochen auf die Lichtmaschine
Am Abend habe ich dann das erste Mal seit einigen Wochen den Heizlüfter wieder angeworfen. Es ist kühl geworden. Und da ich Landstrom habe, gönne ich mir diesen Luxus.
Die 2.000 Kilometer sind voll
Beim Segeln wird bekanntermaßen in Seemeilen gemessen. Vor kurzem hatte ich die 1.000 Seemeilen voll. Was das bedeutet, sagt Nicht-Wassersportlern wahrscheinlich wenig. Eine Seemeile sind 1,852 Kilometer. Jetzt habe ich etwas mehr als 1.100 Seemeilen und damit 2.000 Kilometer hinter mir. Nicht von zu Hause sondern nur unterwegs auf der Ostsee mit Miss Sophie – Wahnsinn.
Zu wenig Wind…
Dienstag, 12. August 2025
In Huseliiharen nütze ich noch die Gelegenheit für Lunch im Restaurant. Das ist eine günstige Gelegenheit zum Essen in Schweden. Dann geht es los Richtung Öregrund. Ich hatte den Hafen Ängskär auf der Liste weil ich den noch nicht kannte. Als Ausweichziel die Ankerbucht Rödhall denn es war wenig Wind vorhergesagt. Meine Hoffnung war, dass es Nordwest hat. Aber zuerst ging es raus aus dem Fahrwasser von Gävle.
Blick zurück auf HuseliiharenBjörns Fyr – kein Wind
Bei 7 Knoten Wind zog ich die Segel hoch. Doch der Wind kam aus Südost und ich musste nach Südost. Ich versuchte zu kreuzen doch bei 2,5 Knoten Fahrt gab ich dann auf. Da wäre ich, wenn überhaupt, erst weit nach Mitternacht irgendwo angekommen. Also Motor an. Ängskär habe ich aufgegeben – das wäre noch einmal eine Stunde mehr gewesen. Also wieder die Ankerbucht Rödhall angesteuert.
Diesmal war ich nicht alleine hier. Es lag bereits ein Boot in der Bucht. Also habe ich die Möglichkeit ganz tief in der Bucht angesteuert. Etwas tricky weil man zwischen einigen Steinen und Untiefen hindurch manövrieren muss. Dafür habe ich hier aber noch besseren Schutz vor dem Wind aus Süd der in der Nacht etwas auffrischen soll. Mal sehen was der nächste Tage bringt…
Diesmal nicht alleine in der Ankerbucht
Einfach weiterkommen….
Mittwoch, 13. August 2025
Am frühen Nachmittag lichte ich den Anker. Ich lag sehr gut in der Ankerbucht. Aber es war auch wenig Wind in der Nacht. Auch für heute war nicht viel Wind vorhergesagt. Aber es war dann weniger als wenig. Zuerst versuchte ich es noch unter Segel, reffte das Großsegel aus. Doch bei 7 Knoten Wind gegenan gab ich auf. Also wieder Motor an.
In Schleichfahrt raus aus der Ankerbucht – Steine unter Wasser sieht man schlechtEinfahrt Öregrund
Heute war die Ostsee glatt wie ein Spiegel – also spiegelglatt. Das einzige positive: Es wurde eine extrem ruhige Motorfahrt. So konnte Johann den Job und ich es mir bequem machen. Andere Boote waren kaum unterwegs.
Vielleicht stellt jemand die Frage: Weshalb ich gestern und heute nicht auf besseren Wind gewartet habe. Die Antwort ist einfach: Ab Freitagmittag bis Sonntag soll es Starkwind aus Süd geben. Am Sonntagmittag bis 33 Knoten in Böen – das sind 7 Beaufort. Ich hätte (vielleicht) also morgen von Gävle bis in die Ankerbucht Rödhall (mit Gegenwind) segeln können und hätte es vielleicht Freitagvormittag noch nach Öregrund geschafft. Dann hätte ich zwei zusätzliche Tage im teuren (s. weiter unten) und langweiligen Hafen von Öregrund gehangen ohne Chance rüber auf die Åland-Inseln zu kommen.
Wenn mein Plan aufgeht, erreiche ich morgen Enskär auf den Åland-Inseln und schaffe es Freitagvormittag von Enskär nach Marienhamn. Zum einen bin ich dann im geschützten Archipel der Åland-Inseln und zum anderen, falls es nicht segelbar sein sollte, habe ich mit Marienhamn eine Stadt anzusehen und ggf. Einkaufsmöglichkeiten.
Gegen 19 Uhr erreichte ich dann Öregrund. 20 Seemeilen in 4:45 Stunden. Ich hatte die Maschine gemütlich laufen lassen, da braucht sie nicht so viel Diesel. Immer wieder nett finde ich die Hafenmeisterin, die einen Platz in der Art eines Einweisers auf dem Airport zuweist, die Festmacher übernimmt und die Mooringleine reicht. Aber 370 SEK mit Strom finde ich schon heftig für den Liegeplatz. Das ist nach Dalarö der zweitteuerste Liegeplatz in Schweden (später reihte sich noch Mariehamn mit 40 Euro ein).
Festgemacht in Öregrund
Am Abend war ich noch eine Pizza essen. Mit Abstand die schlechteste Pizza die ich in meinem Leben hatte. Der Boden der Pizza glich einer Pizza aus dem Tiefkühlfach. Da macht unser Italiener in der deutschen Provinz noch eine bessere Pizza. Dabei hatte ich schon hervorragende Pizzen in Schweden wie z.B. in Karlskrona.
Morgen kommt der spannende Tag. Ich mache den Sprung hinüber zu den Åland-Inseln. Dabei muss ich ein Verkehrstrennungsgebiet queren.
Ankerbucht Rödhall > Öregrund (19 sm)
Wieder ein wilder Ritt über die Ostsee
Donnerstag, 14. August 2025
Da mir ein längerer Schlag bevorsteht, lege ich gegen 13 Uhr in Öregrund ab (ich musste ja noch arbeiten sonst hätte ich natürlich früher los gemacht). Zuerst geht es zwischen zahlreichen Schäreninseln Richtung Südost. Der Wind kommt – richtig, aus Südost. Hier ist es noch recht eng zwischen den Inseln daher macht kreuzen gegen den Wind für mich zuerst keinen Sinn. Erst als es sich etwas mit den Inseln lichtet werden die Segel hochgezogen und gegen den Wind gekreuzt. Dann lasse ich endlich die letzte schwedische Insel hinter mir und es geht am Wind Richtung Åland – Kurs Ost. Bei etwa 15 Knoten Wind, 0,5 Meter Welle läuft Miss Sophie mit 6 Knoten. Auf dem Plotter erscheinen einige Frachter wie an einer Perlenkette auf dem Weg von Nord nach Süd. Wenigstens keiner auf dem umgekehrten Weg. Ich suche mir eine Lücke dazwischen – ein Frachter quert 1/2 Seemeile vor mir, der folgende dann eine Seemeile hinter mir.
Zwischen den Schären erst einmal unter MotorFrachter kreuzt
Notreparatur unterwegs
Der Schäkel, der die Dirk mit dem Großbaum verbindet, war vor einiger Zeit schon einmal aufgegangen. Damals hatte ich es rechtzeitig bemerkt so dass ich Schraube und Schäkel retten konnte. Doch diesmal ist wohl die Schraube verloren gegangen. Keine Ahnung, weshalb der wieder aufgegangen ist. Dabei hatte ich die Schraube beim letzten Mal richtig festgezogen. Damit der Großbaum dann beim Bergen des Großesegels nicht nach unten fällt, muss eine Notreparatur her. Eine dünne, kurze Leine dient als Ersatz. Doch es ist kein leichtes diese Notreparatur während gut 6 Knoten Fahrt und der Welle durchzuführen.
Wilder Ritt – mit gut 6 Knoten über die OstseeKurz vor Enskär – die Fock ist bereits geborgen
Nach 6 1/2 Stunden ist Enskär in Sicht. Eine kleine Inselgruppe vorgelagert vor dem eigentlichen Åland-Archipel. Ich hoffe kurz vor Enskär etwas Abdeckung zu bekommen, zumindest weniger Welle. Denn kurz vor Enskär gibt es noch eine schmale Durchfahrt zwischen zwei Untiefen. Das Focksegel möchte ich vor und das Großsegel dann nach dieser Durchfahrt bergen.
Zumindest die Welle ist dann etwas weg – der Wind leider nicht. Mir fällt gleich ein Unterschied zu Schweden auf – Åland ist noch flacher. Die Inseln sind so niedrig, dass sie so gut wie keine Abdeckung bieten.
An der Anlegestelle liegt ein finnisches Boot längsseits. Der Eigner ist auf dem Boot und kommt auf den Steg. Ich muss die Situation erst einmal studieren. Eigentlich sollte hier mit Heckboje angelegt werden und ich hatte den Bojenhaken auch vorbereitet. Ich fahre heran und er fragt rufend nach meinem Tiefgang – keine einfache Kommunikation bei gut 10 Knoten Wind (und ich mit meinen Hörgeräten). Er signalisiert mir dass ich in ein kleines Hafenbecken kann, das ich erst jetzt sehe. Also Planänderung. Ich drehe eine Runde, um einen Festmacher für das Anlagen längsseits vorzubereiten. Das kleine Becken bietet Platz für drei bis vier Boote und hat den Vorteil, dass es vollkommen windgeschützt ist. Der Finne schnappt meine Bugleine ich werfe die Heckleine über einen Poller. Perfekt angelegt.
Festgemacht in Enskär
Ich unterhalte mich kurz mit dem Finnen dessen Familie gerade in der Sauna ist. Sie wäre dann vorgeheizt, falls ich auch noch Lust auf Sauna hätte. Aber mich interessiert die Einschätzung eines Locals bezügl. der Windsituation morgen. Er hat den gleichen Plan wie ich ihn schon in meinem Kopf hatte. Morgen sehr früh ablegen denn im Laufe des Tages soll der Wind von dem was es jetzt hat, 10 bis 15 Knoten, noch zunehmen. Und Samstag/Sonntag sieht dann richtig übel aus – in der Nacht von Samstag auf Sonntag dann Böen bis 40 Knoten (9 Beaufort = Sturm). Um mich in das Åland-Archipel zu retten, muss ich noch etwa 20 Seemeilen ohne Schutz durch vorgelagerte Inseln machen.
Öregrund > Enskär (33 sm)
Eine kurze Nacht – ein anstrengender Schlag
Freitag, 15. August 2025
Um 5 Uhr (6 Uhr lokale Zeit) bin ich bereits wach, mache mir einen Kaffee, frühstücke etwas und richte mir ein Brot für unterwegs. Ich bin soweit fertig vorbereitet als auch die Finnen neben mir aufstehen. Wir unterhalten uns kurz über das Wetter und ich frage ihn, welchen Hafen in Mariehamn er ansteuern wird. Er würde gerne in den Osthafen aber der längere Weg und die Familie drängen ihn in den Westhafen. Mariehamn hat zwei große Sportboothäfen – der eine auf der westlichen der andere auf der östlichen Seite der Stadt. Von unserem Ausgangspunkt, der Insel Enskär, muss ein langer Weg außen herum gemacht werden, um in den östlichen Hafen zu kommen. Bei den Bedingungen heute macht das einen Unterschied von 2 – 3 Stunden.
Ich entscheide mich auch für den westlichen Hafen. Er soll zwar etwas weiter vom Stadtzentrum entfernt sein und ist etwas teurer als der östliche Hafen aber ich habe um 14 Uhr ein Teams-Meeting. Aus dem kleinen Hafenbecken geht es fast Vollgas rückwärts erst einmal gegen den Wind raus. Gedreht und Vorwärtsgang mit Schub. Denn gleich kommt eine Stelle an der es wieder zwischen zwei Untiefen relativ schmal hindurch geht. Bei 15 bis 20 Knoten Wind von der Seite muss ich sehen das ich die Kontrolle behalte und nicht der Wind übernimmt.
Enskär morgens um 6 UhrBereits morgens um 6 Uhr 20 Knoten im kleinen Hafen von EnskärBlick zurück auf Enskär
Danach kann das Großsegel gesetzt werden. Ich hatte zuerst überlegt, nur mit dem Großsegel zu segeln. Doch es hat bereits 0,5 bis 1 Meter Welle, das gegenan bringt zu wenig Schub. Also Focksegel ausgerollt. Jetzt geht es mit etwa 5 Knoten Fahrt voran. Wind und Welle steigern sich noch etwas und es kommen einige Wellen über die Sprayhood. Bereits nach 4 Stunden erreiche ich die vorgelagerten Inseln. Ich sehe eine Tonne welche ich aus der Entfernung als Kardinaltonne interpretiere. Doch wo ist die grüne und die rote Fahrwassertonne? Da ich mich am Beginn der Einfahrt befinde, hätte ich große, auffallende Tonnen erwartet. Ich drehe noch einmal etwas ab da ich mir unsicher darüber bin, wo ich mich gerade befinde. Kann ich dem Plotter und dem GPS trauen? Erst kurz vor dem Kardinalzeichen sehe ich endlich die rote und die grüne Fahrwassertonne. Es sind nur die schmalen Stöcke und deshalb kaum zu sehen.
Die ersten Tonnen mache ich noch mit voller Besegelung. Zum Bergen der Fock müsste ich auf einen Raumwindkurs abfallen. Dafür ist hier aber nicht genügend Platz – zu viele Untiefen. Erst nachdem ich die ersten Tonnen hinter mir habe, habe ich den Platz abzufallen. Ganz wohl ist mir dabei nicht denn im Kalmarsund und vor Härnösand habe ich schlechte Erfahrung mit Raumwind und Welle gemacht. Dies sind Situationen, wo der Pinnenpilot gerne einmal übersteuert. Doch diesmal geht alles gut.
Nachdem ich die ersten kleinen Inseln hinter mir habe, hat es jetzt auch weniger Welle und das Großsegel reicht mir erst einmal. Die Finnen, die die Nacht zuvor neben mir lagen, kommen in voller Besegelung angerauscht. Sie werden das Revier hier kennen. Ich hingegen mache mich daran auch das Großsegel zu bergen. Lieber fahre ich unter Motor die letzte Seemeile hinein – das ist sicherer.
Mariehamn in Sichtweite, die Finnen vor mir
Im Hafen von Mariehamn hat es genügend Platz also drehe ich erst zwei Runden, um mir einen Platz auszusuchen. Nahe der Sanitäranlagen ist mir immer ganz recht und ich bevorzuge es gegen den Wind anzulegen. Auch etwas in den hinteren Reihen ist nicht verkehrt angesichts der Windprognose.
Nachdem ich festgemacht, das wichtigste aufgeräumt und verstaut habe, geht es ins Teams-Meeting. Hier, in Mariehamn, werde ich die nächsten drei Tage abwettern. Ab Montag soll es wieder vorbei sein mit dem Starkwind.
Ergänzung bezügl. Liegeplatzgebühr: Es geht noch teurer als Dalarö – ÅSS-Marina in Mariehamn nimmt 40 Euro für den Liegeplatz. Größere Boote, die längsseits liegen, bezahlen noch mehr.
Enskär > Mariehamn (24 sm)
Abwettern in Mariehamn
Samstag, 16. August 2025
Bereits in der Nacht nimmt der Wind weiter zu. Der Wind hat auf Nord gedreht. Da der Hafen recht offen ist, hat es am Nachmittag Böen über 30 Knoten, Miss Sophie zerrt an der Heckboje. Aber draußen auf der Ostsee geht es bereits richtig zur Sache. Die Messbojen zeigen Wellen bis 5 Meter an. Die SMHI Windmessstation misst Böen bis 23 m/s (Schweden und Finnen messen den Wind in Meter/Sekunde) – das sind 45 Knoten.
Am späten Vormittag ist es noch schön und ich nütze die Gelegenheit mir die Pommern anzuschauen. Die Pommern ist ein Frachtsegler der 1903 gebaut wurde. Die typische Route führte um das Kap der Guten Hoffnung nach Südafrika, weiter nach Australien und dann weiter nach Chile und um das Kap Horn herum zurück nach Europa. Der Sohn des letzten Eigners schenkte die Pommern ihrer Heimatstadt Mariehamn unter der Auflage, sie im Originalzustand zu erhalten. Daher ist die Pommern das einzige im Originalzustand erhaltene Schiff aus dieser Zeit. Nach mehreren Restaurationen kam sie schließlich nach Mariehamn und liegt seitdem dort als Museumsschiff. Die Ausstellung ist wirklich sehr schön gemacht so dass man sich gut vorstellen kann, wie das Leben auf so einem Schiff gewesen sein muss. Im Frachtraum wird ein 20 minütiger Film gezeigt, der von einer der letzten Reisen erzählt (Englische Untertitel).
Der Eintritt für die Pommern beinhaltet den Eintritt für das gegenüberliegende Marinemuseum welches ich jetzt aber nicht so spannend fand.
Am Nachmittag gibt es immer wieder Regenschauer. Zeit den Blog-Beitrag fertig zu schreiben. Durch Mariehamn bin ich noch am Vorabend gelaufen. Keine besondere (besonders schöne) Stadt. Die Straßen sind im Muster quadratisch, praktisch gut angelegt. Das einzige was sofort auffällt: Die Häuser sind hier nicht einheitlich im Schweden-Rot (Falunrot) gestrichen. Selbst die Internetseite „Visit Åland“ weiß nicht viel mehr über Mariehamn zu erzählen.
Morgen werde ich einmal das Lebensmittelgeschäft besuchen. Vielleicht fällt mir ja noch etwas ein oder auf. Ansonsten nütze ich die Zeit, Ziele für die nächste Woche zu suchen. Ich muss meine Route ja gut planen, damit ich dann Ende August/Anfang September rechtzeitig zurück in Gävle bin.
Am Vortag war ich ja noch unschlüssig was ich jetzt tun soll. Drei Tage aussitzen in Mellanfjärden oder weiterziehen? Wie im letzten Beitrag geschrieben, waren für Dienstag und Mittwoch Starkwind aus Süd angesagt. Am Dienstag bis 30 Knoten. Also wenn weiterziehen, dann brauchte ich etwas was gut gegen Süd geschützt ist. Stocka und Hudiksvall waren zwei Optionen. Alles andere wie Ankerbuchten war eher weniger geeignet, um zwei Tage auszusitzen oder nicht gegen Südwind geschützt. Stocka wären gerade einmal 10 sm. Hudiksvall einiges mehr. In beiden Häfen war ich vor ein paar Wochen auf dem Weg Richtung Norden. Stocka war sehr günstig (130 SEK) und Hudiksvall hat gute Einkaufsmöglichkeiten.
Vorhersage für Dienstagabend – Orange sind 30 Knoten
Aber ich muss ja sowieso erst noch arbeiten und am Vormittag regnet es wie vorhergesagt. Gegen Mittag studiere ich den Regenradar. Nach 13 Uhr soll nichts mehr nachkommen. Das hört sich schon einmal gut an. Der Wind kam wieder aus Südost. Aber bei weitem nicht so stark wie am Vortag. Soweit ich nach draußen blicken und es beurteilen konnte, hatte es nicht viel Welle.
Kurz nach Mittag kommt ein finnisches Paar mit ihrem Segelboot. Ich helfe beim Anlegen und wir haben einen kurzen Smalltalk. Draußen hat es wohl keine Welle und wenig Wind. Damit fällt letztendlich der Entschluss weiterzuziehen. Mellanfjärden ist zwar nett, aber es ist ein typischer Touristenort. Die schnuckeligen roten Häuser sind alles Ferienhäuser von denen inzwischen viele nicht mehr belegt sind. Ansonsten gibt es etwas Gastronomie und Kunsthandwerk. Wenn man das gesehen hat, hat man Mellanfjärden gesehen.
Also wird alles seefest gemacht und die Leinen los geworfen. Davor bezahle ich noch meinen Liegeplatz – 250 SEK mit Strom. Wohin es gehen soll, möchte ich unterwegs entscheiden wenn ich sehe wie es läuft. Wie gesagt kommt der Wind wieder aus Südost heute mit 8 bis 10 Knoten. Zuerst aber keine Welle. Das bedeutet wieder am Wind. Ich setze die Segel und mit 4 bis 5 Knoten geht es voran. Da der Wind so leicht ist, habe ich das Großsegel ausgerefft. Im Laufe des Nachmittags nimmt der Wind etwas zu. Eigentlich sollte er laut Windy erst gegen Abend zunehmen. Bei 13 bis 15 Knoten Wind reffe ich wieder das Großsegel.
Tschüss MellanfjördenEin kleines Regengebiet zieht an mir vorbei
In dem Moment gehe ich davon aus, dass es so für den Rest des Tages bleibt und entscheide mich Stocka rechts liegen zu lassen. Obwohl ich in Orca meine Performance etwas angepasst habe, kann ich immer noch nicht der vorgeschlagenen Route folgen. Dadurch rutscht meine berechnete Ankunftszeit mehr und mehr nach hinten.
Die Durchfahrt ist wesentlich schmaler als OpenSeaMap es zeigt
Auf dem Weg überlege ich, wie ich vielleicht abkürzen könnte. Der Routenvorschlag von Orca geht außen herum um die Insel Bälsön. Ich überlege hier abzukürzen. Der Wind kommt aus Süd. Mit Unterstützung des Motors sollte das auch bei stärkerem Wind gehen. Der Wind hatte inzwischen weiter zugenommen und damit auch etwas die Welle. Ich segelte hart am Wind und so kam manche Welle wieder über das Deck. ich steuere die Durchfahrt an, die durch eine grüne Tonne markiert sein soll. Sein oder Nichtsein – mache ich das oder nicht? Der Wind erreicht inzwischen in Böen 20 Knoten. Ich hoffe auf nachlassendem Wind und nachlassender Welle aufgrund der Abdeckung. Die Welle ist zwar etwas weniger, der Wind aber nicht. Nicht weit entfernt von der Einfahrt mache ich die Wende. Man muss das Glück nicht herausfordern. Der Weg außen herum ist länger und unangenehmer aber sicherer. So segle ich wieder auf dem Holebug und so bald als möglich mache ich wieder eine Wende – hoffentlich die letzte.
Heute geht es wieder hoch am WindPrächtige LichtstimmungDie Sonne geht jetzt um 21:22 Uhr unter
Die Sonne geht unter und die Navigationsbeleuchtung wird angemacht. Aber es ist sowieso weit und breit kein anderes Boot oder Schiff zu sehen. Oder doch? In der Einfahrt Richtung Hudiksvall sehe ich auf dem Plotter plötzlich einen Frachter. Das hätte ich jetzt nicht gebraucht, dass mir bei einbrechender Dunkelheit und den Bedingungen ein Frachter entgegenkommt. Ich beobachte ihn weiter auf dem Plotter, doch er bewegt sich nicht. Noch einmal angeklickt, um die Informationen zu sehen. SOG (Speed over Ground) 0 Knoten. O.k. der liegt direkt neben dem Fahrwasser vor Anker.
Ein Frachter liegt auf Reede neben dem Fahrwasser
Am Leuchtfeuer Hölickskärs kann ich dann endlich abfallen. Jetzt geht es dann auf Raumwindkurs. Noch immer steuert Johann und ich höre wieder (wie damals im Kalmarsund) das Ruder vibrieren. Ein Blick auf die Logge zeigt weshalb – 8,2 Knoten. Das Surfen geht wieder los. Mir wäre es lieber, es hätte weniger Wind und weniger Welle denn die Einfahrt nach Hudiksvall ist stellenweise eng und es wird zunehmend dunkel. Und dazu gibt es einige unbeleuchtete Fahrwassertonnen. Und was die Fahrwassertonnen betrifft, kann man sich auf die elektronischen Seekarten auch nicht verlassen. Navionics zeigt z.B. eine rote Tonne. Orca eine rote und eine grüne. Was stimmt nun?
Der Sommer geht Richtung Ende und ich komme südlicher. Jetzt wird es wieder um 23 Uhr dunkel. Als ich das letzte Mal, am 4. Juli, um 23 Uhr in die Einfahrt kam, war es geradezu hell. Das hatte ich nicht so auf dem Schirm. Aber jetzt ist es zu spät. Jetzt heißt es Augen zu und durch.
Und dann passiert was passieren musste (ich hätte es nach der Erfahrung im Kalmarsund eigentlich wissen müssen): Nach einer schrägen, höheren Welle übersteuert der Pinnenpilot und plötzlich bin ich auf dem falschen Bug. Das herum schlagende Großsegel kann ich gerade so noch etwas abbremsen. Aber dadurch habe ich im Moment vollkommen die Orientierung verloren. Ich möchte den Kartenausschnitt auf dem Plotter verschieben aber die Großschot klemmt mich ein. Plötzlich macht es laut „Puff“. Was war das? Bei den Bemühungen an den Plotter zu kommen, bin ich wohl an der manuellen Auslösung der Rettungsweste hängengeblieben, die sich jetzt aufgeblasen hat. Auch das noch…
Als ich die Orientierung einigermaßen wieder gewonnen habe, sehe ich an Backbord in etwa 2 Meter Abstand eine Fahrwassertonne an mir vorbei ziehen. Der Großbaum auf der gleichen Seite. Keine „Stengel-Tonne“ sondern eine von den größeren Leuchttonnen die etwa 3 Meter aus dem Wasser ragen. Das hätte gerade übel ausgehen können…
Nachdem ich wieder alles unter Kontrolle habe, werden zuerst die Segel geborgen. Die letzte Stunde geht es unter Motor in den Hafen. Das ist sicherer.
Am nächsten Tag – 25 Knoten im HafenMellanfjärden > Hudiksvall 46 sm
Die 1.000 sind voll
Zusammengezählt habe ich jetzt 1050 sm auf dieser Reise hinter mir (müssten etwas mehr sein da ich immer nur die Werte von locatoweb gezählt habe und die sind oft kleiner da nicht ständig getrackt und deshalb abgekürzt wird).
Wieviel es wohl am Ende sein werden? Nach Gävle habe ich jetzt noch etwa 80 sm. Achja, mein Logbuch ist auch voll. Da muss ich jetzt mit einem Block weitermachen. Achja, und wieder einmal Lessons learned:
Lessons learned…
Habe immer die passenden CO2-Patronen und Tabletten für die Rettungswesten dabei. Kann ja auch sein, dass man versehentlich ins Wasser fällt oder am manuellen Auslöser hängen bleibt.
und dahinter noch ein zweites Lessons learned:
Lessons learned….
Wenn du bei Dunkelheit in einen dir wenig bekannten oder unbekannten Hafen fährst, riskiere nichts wie z.B. bei schwierigen Windbedingungen. Lieber einmal mehr unter Motor als zu wenig.
Die „Häfen“ des Svenska Kryssarklubben (SXK)
Da ich eine wetterbedingte Auszeit habe, habe ich etwas Stunden bei der Arbeit nachgeholt. Ich möchte aber auch die Gelegenheit nützen und eine Information weitergeben für alle die an der schwedischen Ostküste mit dem Segelboot oder Motorschiff unterwegs sind oder unterwegs sein möchten. Wahrscheinlich jeder, der sich vorbereitet, hat den Hamnguiden, den Revierführer, an Bord. Neben den Bojen (s. vorheriger Bericht) die der SXK ausbringt und betreut hat der SXK einige Anlegestellen. Diese Anlegestellen bestehen in der Regel aus ein oder zwei Stegen, Heckbojen, an Land eine Trockentoilette, eine Grillstelle, eine holzbefeuerte Sauna und manchmal noch ein kleines, einfaches Gebäude zum Aufhalten (wie z.B. in Lill-Lubban).
Die Liegeplatzgebühr ist recht günstig – 75 SEK für Mitglieder und 150 SEK für andere.
Was man als Tourist/Gast nicht so registriert, ist der Aufwand dahinter. Durch meine Bekanntschaft mit dem SXK habe ich erfahren, dass jede Anlegestelle einen festen Betreuer hat. Dieser Betreuer schaut das alles in Ordnung ist, bringt Toilettenpapier für das Trockenklo, Holz für die Sauna oder die Grillstelle. Ggf. organisiert er Helfer falls größere Reparaturen oder Erweiterungen (z.B. Setzen weiterer Heckbojen oder Neubau Trockenklo) zu tun sind. In der Regel versucht der SXK das Gelände zu kaufen. Teilweise ist es aber auch nur zur Verfügung gestellt oder für einen geringen Betrag gepachtet. Die Anlegestellen des SXK befinden sich an ausgewählten besonders schönen Orten. Für die Betreuung der Anlegestelle besucht der Betreuer diese etwa 20 Mal im Jahr. Das kann ein kurzer Besuch zum Nachschauen oder ein Tag Arbeit sein. Ich glaube an keinem anderen Platz als diesen ist es einfacher die Liegeplatzgebühr zu prellen (nicht zu bezahlen). Der SXK ist ein Verein, nicht gewinnorientiert (wie gemeinnützige Vereine in Deutschland). Ich wollte das nur einmal weitergeben weil das vielleicht vielen so nicht bewusst ist, welche Arbeit dahinter steht. Z.B. sollen in Lill-Lubban noch dieses Jahr 10 weitere Heckbojen gesetzt werden.
Planung für die nächsten Tage
Mittwoch, 06. August 2025
Heute windet es noch kräftig. Nicht mehr ganz so kräftig wie gestern aber es war die richtige Entscheidung, zwei Hafentage hier zu machen. Ich kann etwas Stunden machen bei der Arbeit und noch ein paar andere Dinge erledigen wie Wäsche waschen, etwas das Boot putzen und vor allem meine Einkäufe von letzter Woche verarbeiten. Heute gab es Gulasch mit Kartoffelbrei. Warum die Schweden so viel Kartoffeln essen ist etwas, was ich noch nicht herausgefunden habe. Ich habe noch auf keiner Speisekarte etwas mit Nudeln gesehen. Und auch beim Event des SXK gab es Kartoffelsalat (nicht so wie wir ihn kennen) und gekochte Kartoffeln.
Und dann musste ich ja noch einen Plan für die nächsten Tage machen. Nach Gävle sind es noch etwas 80 gesegelte Seemeilen. Bedeutet etwa 3 Tage. Die Wetteraussichten und Windvorhersagen sind recht gut. Also kann ich die nächsten 3 Tage planen. Wieder bin ich auf der Suche nach besonderen und lohnenden Zielen. Ich denke ich habe jetzt zwei ganz gute Zwischenziele gefunden. Mal sehen ob das klappt. Falls der Plan so aufgeht, wäre ich am Samstag in Gävle. Und dann hätte ich noch 3 1/2 Wochen Zeit bis zum Auskranen in Gävle. Deshalb stelle ich schon erste Überlegungen an, was ich mit dieser Zeit mache…
Erstes Zwischenziel – Kråkö Hamn
Donnerstag, 7. August 2025
Nach der Arbeit geht es gleich los. Erwartet hatte ich etwa 10 Knoten Wind aus Süd. Es waren dann aber gleich zwischen 8 und 15 Knoten aus Südost. Ein Schwede hat gleich die Segel hochgezogen. Vermutlich ein Local der das Gebiet gut kennt. In der Ausfahrt bei Hudiksvall hat es aber auch einige Untiefen. Ich halte mich lieber an das Fahrwasser und fahre unter Motor. Anfangs mag das mit dem Kreuzen noch ganz gut gehen, aber später wird es eng weshalb auch der Schwede, dort wo es eng wird, die Segel streicht und unter Motor weiterfährt. Sobald als möglich ziehe ich das Großsegel hoch. Angesichts des kräftigen Windes möchte ich schauen, ob mir das nicht reicht. Der Wind soll gegen Nachmittag zunehmen. Doch nur mit dem Großsegel mache ich nur etwa 3 Knoten Fahrt. Das ist zu wenig. Also wird die Fock ausgerollt und schon läuft es besser – 5 bis 6 Knoten. Ich muss wegen einiger Untiefen und Wind von vorne zwar immer noch kreuzen, aber trotzdem läuft das so ganz gut.
Tschüss HudiksvallHoch am Wind. Aber die Welle ist heute erträglichIn der Abdeckung der Inseln praktisch keine Welle
In der Abdeckung der Inselgruppe ist es dann segeln wie auf dem Bodensee. Null Welle und ein schöner Wind mit 10 Knoten. Kurz vor Kråkö werden die Segel geborgen und der Motor gestartet. Jetzt kommt die spannende Einfahrt. Es hat zwei Geröllhaufen die im Zick-Zack umfahren werden müssen.
Die Einfahrt ist erst spät zu sehenAm Steg liegt nur ein anderes Segelboot
In Kråkö hat es nur einen kleinen Steg der Platz für etwa 4 bis 5 Boote hat. Meine Sorge, dass es voll sein könnte, erweist sich als unbegründet. Nur ein Schwede liegt auf der einen Seite des Stegs und ich nehme die andere Seite. Der kleine Ort mit der Bucht ist wunderschön.
Nachdem ich alles sortiert und organisiert habe, mache ich mich auf durch die Häuser zu gehen. Ich möchte zu der kleinen Kapelle aus dem Jahr 1736. Inzwischen weiß ich, dass der Schlüssel für die Kapelle immer an der Seite hängt. Im Sommer lebten damals hier die Fischer von Hudiksvall. Kråkö war wohl keine Insel, die ständig bewohnt war. Und auch heute werden die Häuser nur noch als Ferien- oder Wochenend-Häuschen genutzt.
Sehr idyllisch der OrtDer Schlüssel für die Kapelle – etwa 30 cm langEine sehr schöne Kapelle
Der Sommer ist vorbei – oder doch nicht?
Abgesehen davon, dass ich registriert habe das es jetzt wieder dunkel wird, wird es vor allem auch kühler. Vor allem Abends und in der Nacht. Aber auch tagsüber beim Segeln kann ich die Segeljacke wieder gut gebrauchen. Das Wasser ist noch warm. Im Hafen von Hudiksvall hatte es noch 24 Grad. Sollte es das gewesen sein? In Süddeutschland steigen die Temperaturen gerade wieder auf 30 Grad. Das bräuchte ich nicht, aber etwas wärmer dürfte es schon sein. Ich rechne jeden Tag mit Nebel. Bisher blieb ich davon verschont…
Hudiksvall > Kråko 16 sm
Ein verrückter Tag…
Freitag, 08. August 2025
Eigentlich wollte ich wie immer gegen 14 Uhr ablegen. Ich habe schon alles vorbereitet, also alles versorgt und soweit seefest gemacht. Kurz nach Mittag kommt ein Schwede mit seinem Segelboot. Ich frage ihn, wie es draußen ist. Windig, sagt er. Böen mit 20 Knoten.
Ich studiere noch einmal den Windfinder, die Vorhersagen von SMHI und andere Quellen. Ich habe heute ein spezielles Ziel – Prästgrundet. Speziell deshalb, weil in die kleine Bucht mit der kleinen Anlegestelle ein kleiner Kanal führt. Maximal 1,60 Meter steht im Hamnguiden. Die Dehler 28s hat einen Tiefgang von 1,40 Meter.
Der andere Schwede, der hier am Steg lag, hat bereits kurz vor Mittag abgelegt. Mit ihm hatte ich mich am Vortag über mein Ziel kurz unterhalten. Er meinte, dass das kein Problem wäre. Außerdem wäre gerade geringer Luftdruck. Das hatte ich schon einmal in einem Blog gelesen – der Luftdruck kann 10 bis 20 cm ausmachen. 20 cm mehr oder weniger können entscheidend sein wenn es knapp ist. Zudem ist die Einfahrt Richtung Südwest bzw. Nordost ausgerichtet. Und dann liegen da noch ein paar Steine links und rechts der Einfahrt. Der eine laut Hamnguiden 30 cm unter der Wasseroberfläche. Und der Hamnguiden meint weiter, dass es gut wäre wenn einer Ausguck hält. Der Wind kommt aus Süd. Wellen kann man bei einer solchen Einfahrt nicht gebrauchen.
Der Segler neben mir meint das es morgen weniger Wind hätte und besser wäre. Ich ringe mit mir. Ablegen oder nicht ablegen? Ich studiere wieder Windfinder & Co. Alle Quellen sagen das es morgen auch nicht viel anders ist. Das Problem: Sollte ich vor der Einfahrt von Prästgrundet entscheiden, dass es zu riskant ist, dann habe ich nicht viel Alternativen. Die nächste, naheliegende Alternative, wäre eine SXK Boje – Stålnäset. Doch die Einfahrt zu dieser Boje ist auch nicht einfach. Enges Fahrwasser, viele Steine.
Die Alternative (SXK Boje) sieht auch nicht so toll aus
Ich entschließe mich abzulegen und Prästgrundet zu versuchen. Ich habe noch ein weiteres Ausweichziel auf 3/4 des Weges – Skärså. Zwar auch eine kurvige Einfahrt aber in Ost-West Ausrichtung. Irgendwie scheint hier alles voller Steine zu sein.
Wind und Welle zeigen sich dann zuerst moderater als befürchtet. 10 bis 15 Knoten. Das ist o.k. Die Welle ist auch nicht ganz so hakig wie schon erlebt. So geht es hart am Wind Richtung Prästgrundet. Im Westen, also über dem Festland, sehe ich dunkle Regenwolken. Ein Blick auf den Regenradar. Ein paar kleinere Regengebiete die von Süd nach Nord ziehen. Sollten mich nicht betreffen – denke ich.
Rückblick auf Kråkö HamnZuerst unter Motor (da Wind von vorne) zwischen den Inseln durch
Doch dann wird es vor mir zunehmend grauer. Erste leichte Tropfen. Ich meine mich am Rand der Regengebiete zu befinden und diese zu streifen. Aber was man wissen muss: Wenn Wetter kommt, kommt meistens auch Wind. Aus leichten Tropfen werden immer mehr Tropfen und der Wind nimmt immer mehr zu. Zuletzt regnet es richtig und der Wind hat auf etwas über 25 Knoten angezogen. Johann, mein Pinnenpilot, hat schön längst den Dienst quittiert. Also habe ich alle Hände zu tun. Mit dem zunehmend Wind hat sich auch die Richtung geändert. Voraus ist es grau, im Osten sehe ich blauen Himmel. Soll ich abfallen, raus auf die Ostsee? Ich entscheide mich durchzufahren. Ich hoffe, dass zumindest die Info „kleine Regengebiete“ vom Regenradar stimmen. Augen zu und durch. Aber mehr Wind dürfte es jetzt nicht mehr sein. Ich muss etwas abfallen, um nicht auf eine Untiefe zuzusteuern. Inzwischen bin ich nass bis auf die Unterhose und es ist kalt.
Aber dann lässt der Regen nach und bald auch der Wind. Es pendelt sich wieder ein auf 10 bis 15 Knoten Wind und die Welle ist segelbar. Bei 50 Grad am Wind kann Johann wieder übernehmen und ich spurte nach unten, um zumindest die Jeans gegen die Segelhose zu tauschen. Das ist etwas besser als zuvor.
Das Regengebiet ist durchNach dem Regen noch einmal etwas Sonne
Wie so oft nach Durchzug eines Regengebiets lässt der Wind immer mehr nach und fällt unter 10 Knoten. Daher entschließe ich mich die Segel zu bergen und den Motor anzumachen. Der Kurs wird eingestellt – noch 2 Stunden bis Prästgrundet. Der Wind nimmt wieder ein wenig zu auf etwa 10 Knoten. Aber genau von gegenan. Ich habe keine Lust mehr die Segel noch einmal hochzuziehen und gegenan zu kreuzen. Nur noch 1 Stunde.
Zwischendurch gehe ich hinunter und esse ein paar Kekse. Zucker ist ein super Energieträger in solchen Situationen. Ich bin der einzige Verrückte weit und breit der bei diesem Wetter auf der Ostsee unterwegs ist. Die Welle beruhigt sich vor Prästgrundet und ich folge exakt dem vom Plotter vorgegebenen Fahrwasser. Es geht besser als befürchtet. Vor der Einfahrt steht noch einmal ein Schild: „Maximal 1,60 Meter“. Im Kanal selbst habe ich aber immer 2 Meter auf dem Lot. Der Ort und die Bucht erscheinen wunderschön. Gut, dass ich das gemacht habe. Wie zu erwarten – am kleinen Steg kein Boot. Normal soll man hier mit Heckanker und dem Bug nach vorne anmachen. Aber ich glaube kaum, dass heute noch jemand kommt – es ist bereits nach 20 Uhr. Und morgen wird sicher auch niemand am Morgen kommen, gegen Mittag bin ich spätestens weg. Also lege ich längsseits am Steg. Nur ein Mist: Ich habe vergessen vor der Einfahrt die Fender raus zu machen. Miss Sophie küsst den Steg der zum Glück aus Holz ist. Aber eine kleine Erinnerung bleibt im Gelcoat.
Einfahrt Prästgrundet fast in SichtWieder einmal wunderschönMiss Sophie festgemacht am kleinen Steg
Festgemacht. Das erste, was ich mache: alle nassen Sachen ausziehen und neue trockene Wäsche anziehen. Da fühlt man sich gleich wohler. Dann erste Erkundung der Anlegestelle. Eine schöne Grillstelle, ein noch schöneres Trockenklo (mit Waschbecken – das habe ich noch nie gesehen), schön vorbereitetes Holz, und eine Müllstation. Alles super.
Also wird die Gelegenheit genützt ein Feuer zu machen. Grillfleisch ist noch in der Kühlbox. Dazu gibt es Folienkartoffeln. Was ein Tag….
Gute Nacht Prästgrundet Kråko > Prästgrundet 14 sm
Und noch ein verrückter Segeltag… Ziel Storjungfrun
Samstag, 09. August 2025
Nach einem gemütlichen Frühstück am Morgen möchte ich unbedingt die Kapelle von Prästgrundet sehen. Sie ist nur 6 x 4 Meter groß und damit die kleinste Kapelle an der südlichen Küste von Norrland. Ein Schild in der Kapelle weist darauf hin, dass sie Platz für 32 Kirchgänger bietet. Aufgrund der Größe gibt es keinen Altar sondern eine Lesekanzel.
Kapelle Prästgrundet – nur 4 x 6 Meter großPlatz für 32 KirchgängerBei den Schlössern muss man etwas probieren. Meistens muss man den Schlüssel „falsch“ herum drehenPrästgrundet
Dann mache ich auch schon bald los. Mein Ziel für heute ist Storjungfrun, die größte der 500 Inseln in der Gemeinde Söderhamn. Der Wind kommt wieder aus Südsüdost und mein Ziel liegt in dieser Richtung.
Die Ausfahrt aus Prästgrundet klappt ohne Probleme. Dann muss ich erst einmal um eine kleinere, vorgelagerte Insel herum bevor ich den Kurs in Richtung Storjungfrun aufnehmen kann. Erstaunlicherweise hat es heute so gut wie keine Welle – anfangs. Der Wind kommt mit etwa 10 Knoten und ich mache 4 Knoten Fahrt. Gegenan kreuzen ist immer mühsam. Aber es wird noch mühsamer. Draußen schläft der Wind fast ein und ich mache teilweise nur noch 2 Knoten Fahrt. Ich sehe ein anderes Segelboot nahe der Küste. Sollte der Wind dort besser sein? Andererseits hat es vor der Küste zahlreiche Untiefen und dort hindurch zu kreuzen macht auch keinen Spaß. So warte und hoffe ich. Die Wellen haben etwas zugenommen und ich übernehme das Ruder denn auf die kleinen Winddreher in Kombination mit den Wellen kann ich besser reagieren als der Pinnenpilot. So schaffe ich wenigstens 3 Knoten Fahrt.
Ausfahrt aus PrästgrundetWind von – bis – anstrengend
Dann nimmt der Wind wieder etwas zu womit Johann, der Pinnenpilot, wieder übernehmen darf. Diesmal stelle ich ihn jedoch um von Kompasskurs auf Windkurs damit er die Winddreher etwas ausgleicht. Es kommen mir überraschend viel Segelboote auf Raumwindkurs entgegen. Viele mit Spinnaker. Etwa sechs oder acht. So viele Boote sind mir schon lange nicht mehr begegnet. Oft war ich die letzten Tage alleine auf der Ostsee.
Nach mühsamen 5 Stunden und 50 Minuten erreiche ich schließlich Storjungfrun. Ich habe Glück und es ist noch eine der beiden Heckbojen frei. Ansonsten hätte ich den Heckanker verwenden müssen – darauf hatte ich jetzt keine Lust. Allerdings brauche ich aufgrund der ungewohnten Konstruktion auf der Heckboje und dem leichten Seitenwind zwei Anläufe, um diese zu erwischen.
Festgemacht – Storjungfrun
Nach einer kleinen Pause mache ich mich auf zum Leuchtturm der Insel und zu der daneben liegenden Kapelle. Meist sieht man in Schweden ja nur so Leuchtfeuerchen. Kleine Türmchen die etwa 5 Meter hoch sind. Hier hat es jedoch einen richtigen Leuchtturm. Der Leuchtturm besteht aus einem weißen, runden, etwa 21,3 Meter hohen Steinturm mit einem schwarzen Band an der Spitze unterhalb der Laterne. Früher hatte er auch ein rotes Mittelband. Seit 1935 steht der Leuchtturm unter Denkmalschutz. Es ist der Leuchtturm, der noch am längsten mit Kohle betrieben wurde.
Der mächtige Leuchtturm
Dann geht es zu der kleinen Kapelle. Die Kapelle stammt aus dem frühen 17. Jhd. und ähnelt in vielerlei Hinsicht anderen Fischerkapellen entlang der Küste von Hälsingland. Interessant ist, dass die Kapelle einige Einrichtungsgegenstände der ersten Kirche von Söderhamn bewahrt wie die Kanzel und andere Holzarbeiten.
Drei Tage – drei Inseln. Das war jetzt ein interessanter und spannender Abschnitt meiner Reise. Alles ohne Landstrom – nur mit Solarenergie. Das hat dank Sonnenschein gut funktioniert. Morgen geht es nach Gävle. Das sind noch etwa 35 gesegelte Seemeilen. Dann hat mich sozusagen die Zivilisation wieder. Ich freue mich auf eine warme Dusche und frisches Obst und Gemüse.
Örnsköldvik soll der nördlichste Punkt sein, den ich auf meiner Reise erreicht habe. Ich rechne mit etwa 250 sm bis Gävle. Dafür habe ich jetzt dann 5 1/2 Wochen „Zeit“. Zeit in Anführungszeichen, da ich ja auch im August die Workation-Vereinbarung mit meinem Arbeitgeber habe. D.h. jeden Werktag ein paar Stunden arbeiten.
Am Morgen habe ich noch ein Zeitfenster zum Waschen meiner Wäsche und ich erledige die letzten Einkäufe. Dann ziehen im Westen wieder Gewitterwolken auf. Ich studiere den Regenradar. Gegen 13 Uhr sollte alles durch sein und es scheint auch nichts nachzukommen.
Morgendliche Stimmung im HafenUnd wieder zieht ein Gewitter durchRückblick – der nördlichste Punkt meiner Reise
Also noch eine kleine Pause und dann geht es los. Erste Überraschung: ich wollte ja noch tanken. In dem ersten Hafen, den ich am Donnerstag angelaufen hatte, sollte es eine Tankstelle geben. Aber die gab es nicht mehr. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mit der Ungewissheit bezügl. der Tankanzeige los zu fahren.
Noch im Sund setzte ich die Segel doch schon nach zwei Seemeilen schlief der Wind ein und der Motor musste wieder angeworfen werden. Ich muss das gute Wetter nützen Richtung Süden zu kommen denn für nächste Woche sieht es nicht so gut aus. Ich rechne mit zwei oder drei ungewollten Hafentagen.
Mein ursprünglicher Plan war Köpmanholmen anzusteuern. Doch angesichts der spiegelglatten Ostsee, kein Wind, überlege ich eine Ankerbucht anzusteuern. Ich brauche ja keinen Hafen. Die Akkus sind alle voll und die Sonne scheint. Die Vorräte sind ebenfalls aufgefüllt. Ein Blick in Windy und auf Windfinder – auch die kommende Nacht ist kein Wind zu erwarten.
Spiegelglatte Ostsee
Im Hamnguiden finde ich die Ankerbucht Kälsviken. Von allen Seiten gut geschützt außer Ost bzw. Nordost. Doch von dort ist kaum Wind zu erwarten. Also ändere ich meinen Plan und steure diese Bucht an. Ich war schon fast in Erwartung, dort alleine zu sein. Doch liegt bereits ein Segelboot in der Bucht. Und in der Ansteuerung sehe ich von hinten zwei weitere Segelyachten mit Kurs auf diese Bucht. Aber die Bucht ist groß genug und reicht üppig für vier. Auf etwa 6 Meter Tiefe werfe ich den Anker.
Die Bucht ist Teil des Skulekogens Nationalpark und am Ufer sind ein paar Wanderer und Camper zu sehen. Es ist hier wohl erlaubt, das Zelt aufzustellen und zu übernachten. Das Wasser hat fast 25 Grad und so nütze ich die Gelegenheit für ein Bad in der Ostsee. Ein sehr schöner Platz.
Sehr schöne AnkerbuchtNur nach Ost bzw. Nord-Ost ist die Bucht offen. Aber viel Wind ist nicht zu erwartenÖrnsköldsvik > Kälaviken 23 sm
Geschützter Platz gesucht
Sonntag, 27. Juli 2025
Die nächsten Tage möchte ich Barstahamn und Bönhamn besuchen. Beide Orte scheinen eine schöne Kapelle zu haben. Bönhamn soll ein sehr schönes Fischerdorf sein mit guten Möglichkeiten zum Essen.
Für die kommende Nacht sind jedoch Gewitter angekündigt. Der Wind bläst heute und voraussichtlich bis Dienstag aus Süd. Bönhamn wäre der erste Hafen auf dem Weg nach Süden. Doch ich möchte noch einmal ankern. Die SXK Bojen sind hier leider sehr rar.
Im Hamguiden fällt mir die Bucht Norra Räsöviken auf. Nach allen Seiten, außer Norden, sehr gut geschützt. Doch zuerst möchte ich mein Tank-Problem lösen. Ich bin die letzten Wochen (für mein Gefühl) recht viel unter Motor gefahren. Die Tankanzeige zeigt knapp halb voll. Irgendwie traue ich dem Braten nicht. Die Tankstelle in Örnsköldvik gibt es nicht mehr. Die nächste Möglichkeit sollte laut Karte Ülvöhamn sein. Den Hafen hatte ich auch einmal vorgemerkt weil er sehr gut gegen Nord und gut gegen Süd geschützt sein sollte.
Doch zuerst muss ich den Vormittag aussitzen. Eine Gewitterzelle ist auf dem Weg und sollte genau über mich hinwegziehen. Ab 13 Uhr sollte alles vorbei sein. So mache ich einen gemütlichen Vormittag mit einem Frühstücksei. Dann geht es los. Kurs Südost. Leider bläst der Wind auch aus Südost. So muss ich die etwa 7 sm unter Motor machen. Zwei entgegenkommende Segelboote segeln gemütlich auf Raumwindkurs.
Am Vormittag zieht noch ein Gewitter durchEinfahrt UlvöhamnUlvöhamn – sieht nett aus, vielleicht nächstes JahrEndlich tanken…
Die Tankstelle in Ülvöhamn existiert. Der Hafen sieht sehr nett aus – vielleicht nächstes Jahr. Im Tank verschwinden 40 Liter. Also so ganz falsch war die Tankanzeige nicht. Trotzdem bin ich beruhigt zu wissen, einen vollen Tank zu haben.
Nach dem Tankstopp ist der neue Kurs Südwest. Damit kann ich jetzt hoch am Wind segeln. Bei etwa 10 Knoten Wind komme ich mit 5 Knoten voran. Vor der Bucht hole ich das Fernglas um zu schauen, ob bereits andere Boote in der Bucht liegen. Doch es ist kein Boot zu sehen. Also kreuze ich noch gemütlich so weit es geht in die Bucht hinein. Auf etwa 6 Meter Tiefe fällt der Anker. Was eine schöne Bucht und ich bin vollkommen alleine. Selbst die wenigen Ferienhäuser an der Bucht sind derzeit unbesucht.
Nach dem Tankstopp bin ich alleine unterwegsEinfahrt in die Ankerbucht – kein anderes Boot zu sehenSelbst die wenigen Ferienhäuser sind aktuell nicht bewohnt
Wie gedacht sieht die Bucht sehr geschützt aus. Am Ufer geht es bergauf und es ist dicht bewaldet. Hier fühle ich mich gut aufgehoben für die kommende Nacht.
Kälaviken > Norra Räsöviken 18 sm
Nichts war’s – weiter nach Bönhamn
Montag, 28. Juli 2025
Windy hatte viel Wind um nichts gemacht. Die Nacht war vollkommen ruhig. Aber ich hatte nichts dagegen und dafür einen ruhigen Schlaf. Nach der Arbeit wurde der Anker gelichtet. Wie vorhergesagt – Südwind. Aber es sollte ja sowieso nur ein kleiner Schlag nach Bönhamn sein, weniger als 10 sm. Draußen auf der offenen Ostsee ging es mal wieder gut ab. Etwa 13 Knoten Wind und 0,5 bis 1 Meter Welle und das gegenan. Also habe ich mal schnell wieder das erste Reff rein gemacht.
Wieder raus aus der Ankerbucht die ich in sehr guter Erinnerung behalten werdeHoch am Wind. Dabei wurde das Deck gewaschen
Man muss ja auch über sich selbst lachen können… Unterwegs, so hoch am Wind, Miss Sophie gut Schräglage dachte ich, ich könnte doch mal einen Videoclip machen, wie ich auf der hohen Kante sitze. Meine GoPro ist am Heckkorb befestigt. Johann (der Pinnenpilot) hatte keine Probleme beim Steuern. Also Lifeline angelegt und GoPro an. Gerade sitze ich eine halbe Minute auf der Kante kommt eine Welle über das Boot. Einmal Dusche bitte… Den ganzen Tag kam keine einzige Welle dermaßen über das Boot, ausgerechnet, als ich auf der Kante sitze und den Videoclip machen möchte. Das gibt ein lustiges Video…
Kurz vor Bönhamn rolle ich bei 10 Knoten Wind die Fock ein – ich hatte mehr Windabschattung durch die vorgelagerten Inseln erwartet. Ein kleines Stück geht es noch mit dem Großsegel dann fällt auch dieses und mit Motorkraft geht es in die Bucht. Verteilt gibt es etwa 30 Liegeplätze wobei vorzugsweise mit Heckanker und dem Bug zum Steg angelegt wird. Ich hoffe darauf, längs festmachen zu können. Am nördlichen Steg liegt ein Schwede mit Heckanker. Links von ihm ist jede Menge Platz. Er steht am Steg um meine Leine anzunehmen. Festgemacht.
Einfahrt Bönhamn – unkompliziert
Börnhamn wird im Hamnguiden als Juwel bezeichnet. Im Restaurant soll man gut Fisch essen zu können und es gibt eine kleine Kapelle der Gävle-Fischer aus dem 17. Jhd. Ich verstehe nicht, was alle an Trysunda finden. Diesen Ort finde ich wesentlich schöner. Wer am nördlichen Steg liegt hat wunderschöne Abendsonne. Die Hafengebühr beträgt gerade mal 160 SEK. Es wird aber auch geschrieben, dass die Hafengebühr nur zum Erhalt der Anlegestellen erhoben wird. Non profit eben. Hier werde ich zwei Nächte bleiben da für den nächsten Tag Regen vorhergesagt ist.
Längsseits festgemacht – viel andere Boote werden wohl nicht mehr kommenWirklich sehr schön hierDie Kapelle der Gävle-Fischer aus dem 17. Jhd.Norra Räsöviken > Bönhamn 9 sm
Regentag
Dienstag, 29. Juli 2025
Heute nichts besonderes – aber das hatte ich so erwartet. Den ganzen Vormittag Regen mit Starkwind. Deshalb hatte ich in Bönhamn gleich zwei Nächte gebucht. Am Nachmittag spielt eine Band alte Rocksongs von einem Schiff. Die Schweden neben mir erzählen, dass die das jedes Jahr machen – für die Touristen. Sie ziehen von Insel zu Insel bzw. von einem Touristenort zum nächsten. Sie sagen mir auch, dass in Bönhamn noch zwei Familien ganzjährig leben. Der Rest sind alles Ferienhäuser.
Ich plane derweil die nächsten Tage. Die Wettervorhersage ist überwiegend gut, unterbrochen von einem Regentag. Den werde ich wahrscheinlich in Härnösand verbringen. Dann kann ich dort noch einmal zum Lidl. Diesmal werde ich aber den nördlichen Hafen ansteuern.
Heute kein Segeltag
„Segeltage“ die ich nicht mag
Mittwoch, 30. Juli 2025
Als ich mich vor ein paar Wochen, noch auf dem Weg Richtung Norden, über Wind und Wetter auskotzte, meinte jemand im Segeln-Forum, ich solle doch mit dem Wind segeln. Das ist leichter gesagt als getan. Wieder ist Südwind mit Sonnenschein angesagt und ich muss Richtung Süden. Warten macht auch keinen Sinn denn das Wetter wird dann etwas schlechter. Der Blick am Mittag nach der Arbeit Richtung Hafeneinfahrt verrät anhand der Brandung das wieder gut Welle zu erwarten ist. Orca meint ich könnte hoch am Wind segeln. Die Welle bestätigt sich dann draußen auf der offenen Ostsee. 1 bis 1,5 Meter und mal wieder gegenan. Wind? 5 Knoten. Segeln macht keinen Sinn. Also geht es mit Hilfe des Motors Richtung Süden. Eigentlich wollte ich in eine Ankerbucht – ca. 15 sm. Angesichts der Bedingungen schaue ich nach Alternativen die ich schon im Vorfeld angesehen hatte. An der Südspitze der Insel Storön gibt es eine SXK-Boje. Sobald als möglich steure ich auf die Westseite von Storön. Wind und Welle kommen aus Südost. Endlich komme ich in die Abdeckung und die ekelhafte Welle ist wenigstens weg. Nun hoffen, dass die Boje auch frei ist. Eine Alternative wäre sonst noch einmal Lustholmen anzusteuern. Doch die Boje ist frei. Und wie ich richtig spekulierte reicht die Landspitze der Insel um hier Ruhe vor der Welle zu haben. In der Nacht soll der Wind auf Nord drehen, auch deshalb hatte ich diese Boje auf dem Schirm. Zum ersten Mal befestige ich die Bojen-Flagge am Achterstag.
Tschüss BörnhamnWenig Wind, viel Welle aber es gibt nur diesen Weg über die offene OstseeEndlich – im Schutz der Inseln wenigstens keine Welle
Die blauen Bojen werden von der Swedish Cruising Association, kurz SXK, ausgebracht. Daran anlegen darf wer die Bojenflagge hat, die jährlich zu erwerben ist. Um diese zu erwerben, muss man Mitglied sein. Bisher waren diese Bojen weniger mein Ziel. Im Juni, auf dem Weg Richtung Norden, war es so kalt, dass ich häufig Häfen ansteuerte, um mit Landstrom nachts die Heizung laufen lassen zu können. Nördlich von Sundsvall gibt es relativ wenig Bojen des SXK.
Jetzt kommt auch einmal die Bojenflagge zum Einsatz
Nachdem ich an der Boje festgemacht habe, wird das Kanu fertig gemacht. Erster Landgang. Am Ufer hat es Sitzgelegenheiten, eine Grillstelle und eine Trockentoilette. Also wird kurzerhand geplant. Zurück aufs Boot, Tomatensalat machen, Grillwurst und alles notwendige in den Rucksack einpacken. Wieder ins Kanu und am Ufer etwas Brennholz sammeln. Schnell brennt das Feuer und die Wurst liegt auf dem Grill. Es könnte kaum schöner sein.
Miss Sophie liegt sicher an der BojeEs gibt eine Toilette, eine Grillhütte und Sitzgelegenheiten
Ein Wermutstropfen….
Seit einigen Tagen habe ich abendliche Gäste – Stechmücken. Inzwischen ist das richtig lästig. In der Bucht von Mjältön fragte ich einen Schweden, weshalb sie in der Bucht ankern, es wäre doch genügend Platz hier am Steg gewesen. Darauf meinte er: zum einen wegen der Privatsphäre und zum anderen wegen der Stechmücken. Ich habe jetzt die letzten Tage einige Male geankert oder wie heute an der Boje festgemacht. Doch das es weg vom Ufer weniger Stechmücken geben würde, kann ich jetzt nicht bestätigen. Inzwischen habe ich abends das Elefantentuch vor dem Eingang gespannt. Und trotzdem jage ich jeden Abend 10 bis 20 Stechmücken. Ich fürchte diese Viecher werden mich bis zum Ende meiner Reise begleiten.
Bönhamn > SXK Boje Storön 12 sm
Härnösand – wieder einmal…
Donnerstag, 31. Juli 2025
Mit Härnösand verbinde ich gemischte Gefühle. Zum einen das Warten auf den Anlasser (fünf Tage habe ich hier verloren) und zum anderen die Hilfsbereitschaft und die netten Mitarbeiter der Werkstatt.
Aber es gibt hier nicht viel andere Möglichkeiten. Insbesondere auch dadurch, dass dieses Jahr die Durchfahrt durch Härnösand wegen des Neubaus der Drehbrücke nicht möglich ist. D.h. so oder so muss ich wieder an der Ostküste der Insel Härnön vorbei. Die Idee, den nördlichen Hafen anzusteuern, hatte ich verworfen da es dieses Jahr aufgrund der Baustelle dort keinen Landstrom gibt.
Bis zum Mittag liege ich noch an der SXK Boje. Das Wetter sieht gut aus, strahlend blauer Himmel. Es sieht auch nach weniger Welle aus als am Vortrag und das Beste: Der Wind kommt aus Nordost. Großsegel hochgezogen und Fock ausgerollt und schon geht es mit etwa 4 bis 5 Knoten voran. Nur ab und an ärgert eine etwas größere Welle die unter dem Boot durchrollt und den Magen etwas reizt.
Rückblick auf die Bucht mit der SXK Boje
Leider lässt auf der Hälfte der Strecke der Wind etwas nach. Ich prüfe sicherheitshalber den Regenradar und sehe aus dem Osten Gewitter im Anzug. Etwa 1830 sollen sie in Härnösand sein. Meine erwartete Ankunftszeit laut Orca wäre etwa identisch. Im Sund würden mich die Gewitter nicht allzu sehr stören. Nur auf der offenen See, das muss nicht sein. Mit nachlassendem Wind sinkt meine Geschwindigkeit auf 3 Knoten. Um nichts zu riskieren, nehme ich den Motor dazu. Die Fock wird weggerollt. Inzwischen kommt der Wind so achterlich, dass diese in der Abschattung des Großsegels nur hin und her schlägt.
Einfahrt in den Sund von Härnösand
Etwa 5 sm vor dem Sund muss ich eine Halse machen und kann dann etwas anluven. Jetzt kann ich wieder auf den Motor verzichten und die Fock ausrollen. Die wechselnden Winde im Sund kenne ich bereits und bringen mich nicht aus der Ruhe. Einfach die Segel stehen lassen und warten. 1 oder 2 Minuten später bläst der Wind wieder in die Segel und Miss Sophie beschleunigt wieder.
Der Gästesteg ist wie erwartet recht leer. Nur ein anderes deutsches Segelboot liegt da und ein Crew-Mitglied der Yacht fängt meinen Bug beim Anlegen auf.
Härnösand ist insofern praktisch, weil ich hier noch einmal gut einkaufen kann. Hier gibt es einen Lidl und im Lidl gibt es H-Milch.
Die Planung der nächsten Tage ist schwierig. Windy sagt für Samstag recht viel Regen voraus. Die deutschen Nachbarn meinen das es morgen keinen Wind hätte. Windy und Orca meinen etwas anderes. Ich denke ich entscheide morgen im Laufe des Vormittags was ich mache.
Wieder festgemacht in HärnösandBereits festgemacht da zieht das erwartete Gewitter durchSXK Boje Storön > Härnösand 20 sm
Das wird ein lustiger Tag
Freitag, 01. August 2025
Meine Stegnachbarn in Härnösand hatten gemeint, heute würde es keinen Wind geben. Doch es hat Wind und dazu noch Nordost, genau das, was ich brauche. Also beende ich meine Arbeit etwas früher und beeile mich meine Einkäufe zu erledigen.
Am Nachmittag lege ich ab. Ich habe ein etwas spezielles Ziel: Kattskär. Speziell deshalb, weil ich vor einigen Wochen nur wenige hundert Meter entfernt war – Tynderökanalen. Ich muss das mal auf einem Kartenausschnitt zeigen. Der geplante Liegeplatz ist durch eine Brücke mit 4 Meter Durchfahrtshöhe vom letzten geteilt. Speziell ist dieser Platz zum anderen, weil der Hamnguiden sehr unsichere Angaben zur Einfahrt macht. Nach Kattskär muss ich von Süden kommend durch einen schmalen Kanal. Der Kanal war wohl ursprünglich einmal 6 Meter tief. Die letzte bekannte Tiefe soll 2 Meter betragen. Auf der kleinen Insel befindet sich eine Anlegestelle des SXK (Svenska Kryssarklubben). Ein Steg mit Heckbojen, eine Trockentoilette, eine Sauna und eine Grillstelle.
Tschüss Härnösand – für dieses Jahr zum letzten MalWenig Wind und Welle von hintenErholung pur – Null Welle und Wind von der Seite
Wie gesagt konnte ich dann am Nachmittag ablegen. Zuerst ging es unter Motor raus aus dem Sund da hier der Wind noch schwach war und (das kannte ich schon) ständig seine Richtung wechselte. Kurz vor dem Ende des Sunds wurden dann die Segel gesetzt und es ging bei leichtem raumen Wind Richtung Südosten. Nur die Welle war wieder einmal etwas nervig so dass ich einen Bullenstander (eine Sicherungsleine für den Großbaum) setzen musste. Denn ansonsten schlug der Großbaum immer wieder heftig wenn eine größere Welle kam.
Am südlichen Ende der Insel Åston (s. Karte oben) konnte ich endlich anluven und lief zuerst auf Halbwind-Kurs und schließlich am Wind. Und das Beste: Da ich jetzt durch die Insel Åston in der Abschattung war, war die Welle komplett weg. So etwas hatte ich in den Wochen noch nie: Schönen Wind etwas von vorne und null Welle. Es war fast wie auf dem Bodensee (dort kommen Wellen eher von den vielen Motorbooten).
Wer noch einmal einen Blick auf die Karte oben wirft sieht, dass ich an einer größeren Bucht vorbei segelte. An deren Ende hat es ebenfalls einen Steg und es wäre der kürzere Weg gewesen. Ich schaute beim Vorbeifahren mit dem Fernglas und sah einige Boote in der Bucht. In Kattskär rechnete ich eher mit wenig Stegnachbarn. Aber diese Bucht wäre sonst das Ausweichziel.
Die Einfahrt war wie erwartet spannend doch es reichte gut im Kanal – 2 Meter Tiefe wie angekündigt. Nur nach dem Kanal bekam ich kurz einen Schreck, als das Lot nur 1,1 Meter anzeigte. Eigentlich sollte es jetzt wieder tiefer sein. Doch dann sah ich den Grund dafür: Seegras. Ich war wieder beruhigt.
Enge Einfahrt mit unsicherer TiefenangabeAlles voll und ein Partyzelt
Als ich dann um die erste der beiden Inseln fuhr, bekam ich den zweiten Schreck. Auf der Insel stand ein Partyzelt und beide Stege waren voll belegt mit Segel- und Motorbooten. Ich fuhr noch etwas heran, um vielleicht doch noch einen Platz zu finden. Da standen drei Männer am Stegende und signalisierten mir, dass ich zwischen zwei Boote fahren und eine der belegten Heckbojen mit nützen soll. Ich passte mit meinem Bug gerade so in die Lücke.
Nun stellte sich heraus, dass dies alles Mitglieder des Svenska Kryssarklubben waren, die auf ihrer jährlichen Club-Ausfahrt unterwegs waren. Und in einer unglaublichen Herzlichkeit hatten sie mich sofort eingeladen, an ihrem Event teilzunehmen. Es hätte noch genug zu Essen und zum Trinken. Und so verbrachte ich einen lustigen und geselligen Abend mit anderen Wassersportfreunden. Der Abend wurde lang – ich denke es war gegen 2 Uhr, als ich in die Koje plumpste.
Krabben (Garnelen) essen bis zum Abwinken
Doch bevor es dazu kam, wurde ich noch gefragt, ob ich nicht mit ihnen weiterziehen möchte. Ich sagte: „wenn das Ziel Richtung Süden liegt, bin ich dabei“. Lill-Lubban sollte das nächste Ziel sein. Dort war ich schon auf dem Hinweg. Auch hier hat der SXK einen „Hafen“. Und es liegt Richtung Süden. Also bin ich dabei.
Härnösand > Kattskär 22 sm
Ein schöner Segeltag und ein schöner Abend mit neuen Freunden
Samstag, 02. August 2025
Nach einem gemeinsamen Frühstück am Morgen wird gegen 10 Uhr abgelegt. Das Wetter ist sehr gut und es hat Ostwind. Ein Boot nach dem anderen verlässt den Steg und ich reihe mich ein. Ich wollte eigentlich den gleichen Weg hinaus nehmen, wie ich hinein gefahren war. Doch ich dachte die Locals werden sich besser auskennen und fuhr hinterher. Für meinen Geschmack etwas zu langsam. Und dann passierte es: Plötzlich ging unter Motor nichts mehr. Ich konnte den Gashebel soweit nach vorne legen wie ich wollte – der Motor änderte nicht mehr seine Drehzahl. Ein Blick ins Wasser lies mich böses ahnen: Seegras in der Schraube. Das hatte ich schon einmal auf dem Bodensee. Damals konnte ich mir behelfen durch ein beherztes Einlegen des Rückwärtsgangs mit viel Schub. Doch jetzt ging nichts mehr. Nicht vorwärts und nicht rückwärts. Und wäre es nicht doof genug, drückte mich noch der Wind näher an Land und damit tiefer in das Seegras. Um den letztendlichen Legerwall zu vermeiden, sprang ich nach vorne und warf den Anker raus.
Die neuen Freunde des SXK signalisierten mir, dass jemand kommen wird, um mich aus dem Seegras raus zu ziehen. Ein Motorboot mit starkem Außenborder kam dann und warf eine Leine hinüber und schleppte mich frei. Doch das hatte nichts an der Situation mit meiner Schraube geändert. Es half nichts. Kleider ausziehen, Badehose an, Taucherbrille holen. Und dann ging es ins Wasser. Die Schraube war komplett voll mit Seegras. Kein Wunder, dass sie nichts mehr machte. Nachdem die Schraube vom Seegras befreit war, ging der Motor wieder auf Drehzahl. Diesmal legte ich den Gashebel nach vorne, um schnell durch diese kurze Passage zu kommen. Aufatmen. Ich sah mich schon beinahe überwintern in Kattskär.
Nachdem die Schraube wieder frei ist – mit Vollgas raus aus dem KanalTrotz etwa 1 Stunde Verspätung habe ich dann den ersten eingeholt.
Draußen wurden dann die Segel gesetzt und auf schönem Halbwindkurs ging es mit 5 bis 6 Knoten nach Lill-Lubban.
Auf Lill-Lubban sollte es ein Barbecue geben. Deshalb stellte ich die Frage, was man mitbringen kann. Meine Vorräte waren ja gut gefüllt. Nichts, war die Antwort. Nur Getränke wie Bier und Wein bringt jeder selbst mit. Wow, das hatte mich fast von den Socken gehauen. In der Grillhütte saßen ein paar der Schweden und grillten einige Schweinefilet. Dazu waren einige Salate vorbereitet und es war ein festliches und reichliches Essen.
Wieder festgemacht auf Lill-Lubban
Nach dem Essen gab es durch einen Schweden musikalische Unterhaltung der wohl einige lustige schwedische Lieder zum Besten gab. Der Abend wurde noch länger als der vorherige und es waren lustige, interessante und aufschlussreiche Gespräche. Alles in allem war dies sicher einer meiner Höhepunkte dieser Reise. Natürlich gab ich das Versprechen, sich im nächsten Jahr wieder zu sehen.
Und noch eine Anekdote zum Schluss: Auch in Schweden läuft an Silvester auf jedem Fernsehprogramm „Dinner for one“. So sorgte der Bootsname „Miss Sophie“ für einige Schmunzler.
Diese Gastfreundschaft werde ich nie vergessenKattskär > Lill Lubban 16 sm
Anstrengender Segeltag
Sonntag, 03. August 2025
Wieder hatte ich ein gemeinsames Frühstück. Doch jetzt sollten sich die Wege trennen. Während die Mitglieder des SXK Richtung Nordost steuerten, sollte es für mich weiter Richtung Süden gehen. Nur kam heute der Wind aus Südost. Nicht gut. Denn für mich bedeutete dies viel Welle und, wie sich dann noch zeigen sollte, auch noch viel Wind. Raus aus der Bucht hatte ich erst einmal ein Problem mit meinem Focksegel welches sich selbständig gemacht hatte. Das Großsegel war zum Glück schon gesetzt. Aber die Fock flatterte jetzt ohne Kontrolle im starken Wind und dadurch hatten sich auch noch die Schoten vertüdelt weshalb ich die Fock nicht unter Kontrolle bringen konnte. Bei starker Welle, etwa 1 Meter, 10 bis 15 Knoten Wind, natürlich mit Lifebelt, krabbelte ich auf den Bug, um das Problem zu lösen. Extrem anstrengend. Nachdem ich zumindest die Leeschot wieder soweit im Griff hatte, geriet ich unfreiwillig in das Manöver „Beiliegen“. Das bedeutet die Fock steht back, also eigentlich auf der falschen Seite. Aber in dem Moment schaltete ich und begrüßte die Situation. Mit hart dagegen gelegtem Ruder, das Großsegel lose, kam erst einmal wieder etwas Ruhe in die ganze Situation. Vom Ufer war ich weit genug entfernt so dass mich die leichte Abdrift nicht besorgen musste. So konnte ich mich, jetzt mit etwas mehr Ruhe im Schiff, um die andere Schotleine der Fock kümmern. Nachdem alles wieder einigermaßen organisiert war, ich etwas getrunken hatte, konnte ich die Fock auf die richtige Seite nehmen und das Boot Fahrt aufnehmen lassen. Jetzt ging es erst einmal auf dem Holebug Richtung offene Ostsee.
Heckanker voll mit Seegras
Waren Wind und Welle gerade noch anstrengend, wurde beides zunehmend sehr anstrengend. Der Wind nahm zu auf bis zu 18 Knoten und die hackige Ostseewelle auf 1,5 Meter. Einige Wellen schlugen über das Boot und ich musste immer wieder schnell meinen Kopf unter die Sprayhood ziehen, um nicht eine Dusche abzubekommen.
Der kundige Ostsee-Segler ahnt Wind und WelleViel Schräglage heute
Achja, mein heutiges Ziel hatte ich noch nicht erwähnt: Mellanfjärden. Etwa 15 Seemeilen sollten es sein, also nicht zu viel. Tatsächlich waren es am Ende etwas über 20 sm. Denn in der Ansteuerung Richtung Mellanfjärden lagen noch zwei Untiefen – die eine östlich, die andere westlich meiner Route. Also galt es hier den Weg dazwischen zu finden. Nicht einfach bei diesen Bedingungen.
Wie gesagt kam der Wind aus Südöst. Und die Bucht bzw. Einfahrt von Mellanfjörden verläuft in Richtung Nordwest. Bedeutet Wind und Welle genau von hinten. Etwas, was man bei einer schwierigen Einfahrt als Segler nicht unbedingt haben möchte. Ich hatte das schon einmal am Anfang meiner Reise, bei der Einfahrt nach Christansø beschrieben. Meine Hoffnung war: Die Bucht ist ziemlich groß und in der Mitte hat es eine Insel. Der Gästehafen liegt nördlich der Insel also im Lee. Dadurch sollten Wind und Welle weitgehend weg sein. Die Einfahrt ging dann doch besser als befürchtet. Es war zwar schwierig, den Kurs genau zu halten, doch das Fahrwasser war dann doch breiter als gedacht.
Einfahrt MällanfjärdenFestgemacht Mällanfjärden
Am Gästesteg dann kein einziges Boot. Anlegen mit Heckboje, D.h. voraussichtlich auch niemand, der den Bug entgegennimmt. Die Welle war weg aber der Wind blies immer noch mit knapp 10 Knoten. Zum Glück von hinten. Für das Anlegen vorteilhaft. Der Bojenhaken ist gesetzt, langsam geht es auf den Steg zu. Ein paar Touristen laufen auf dem Steg aber niemand der sieht, dass hier einer Einhand unter etwas erschwerten Bedingungen anlegen muss. Irgendwie bekomme ich das alles unter Kontrolle und kann mit der Bugleine auf den Steg springen. Festgemacht. Selten habe ich mich so erleichtert und auch gleichzeitig k.o. gefühlt.
Nachdem die zweite Bugleine fest, das Großsegel verstaut, alle Leinen versorgt und der Landstrom angeschlossen ist, falle ich erst einmal in die Koje. Ich brauchte dringend etwas Schlaf nach der kurzen Nacht und diesem anstrengenden Tag. Nach einer Stunde Schlaf war ich wieder soweit fit, um mir etwas zum Essen zu machen. Selbstgemachte Bolognese. Nicht mit Spaghetti sondern mit Fusilli, die lagen gerade noch auf dem Tisch.
Lill Lubban > Mellanfjärden 21 sm
Wie es weitergeht? Schwierig. Für Dienstag und Mittwoch ist Starkwind aus Süden und für morgen Regen vorhergesagt. Bleibe ich hier oder kann ich morgen noch etwas weiter? Im Moment weiß ich es noch nicht.
Ich glaube es ist das erste Wochenende mit Traumwetter (um die 25 Grad) und ohne technische Probleme. Ich freue mich so darauf. Meine Entscheidung war ja nun die, die Höga Kusten etwas zu erkunden und hier die Zeit zu verbringen bevor ich wieder Richtung Süden muss. Ich studiere den Hamnguiden („den“ Revierführer für Schweden). Einige Schweden hatten mir Häggvik empfohlen und auch der Hamnguiden schwärmt von diesem Ort. Dementsprechend gut besucht soll er sein. Ich riskiere es. Falls alles belegt sein sollte, habe ich ein Ausweichziel nicht weit entfernt. Ich muss wieder raus auf die Ostsee und habe auf dem Weg teilweise keine Abdeckung durch Inseln. Deshalb studiere ich diesmal lieber etwas ausführlicher die Wettervorhersagen. Der Deutsche Wetterdienst kündigt NO an. Welle 0,5 Meter. Windy kündigt SO an, etwa 10 Knoten. Das Wettermodell von Orca geht wohl auch von SO aus. Zuerst geht es den Fluss Ångermanälven wieder hinunter. Das ist Richtung SO. Ich habe hier eigentlich schon mit Gegenwind gerechnet und so war es dann auch. Aber heute merke ich die leichte Strömung. Über Grund mache ich 0,5 Knoten mehr Fahrt als durchs Wasser.
Wieder unter der Höga-Kusten-Brücke hindurch geht es wieder auf die Ostsee
Laut Orca sollte ich nach der Höga-Kusten-Brücke segeln können. Geht aber nicht. Denn mein Kurs ist weiter Richtung SO und aus der Richtung kommt der Wind. Erst als es dann bei Hamnholmen ums Eck geht und der neue Kurs NO ist, kann ich segeln. Das dafür aber sehr schön bei immer noch knapp 10 Knoten Wind.
Unterwegs ständig wechselnde Felsformen. Weich geschwungen, hart und kantig, Geröllfelder
Nur einmal, als zwischen der Insel Storön und dem Festland bin, komme ich in die Abdeckung und bin am verhungern. Null Knoten Fahrt. Hinter mir war ein Trimaran aufgerückt. Ich glaube, wäre ich alleine gewesen, hätte ich den Motor angeworfen. So entsteht ein kleiner Wettbewerb darum, wer bei 0 bis 3 Knoten Wind aus wechselnden Richtungen als erstes aus dem Windloch kommt. Am Ende habe ich die glücklichere Nase und komme schneller aus dem Windloch. Doch bald kommt auch er aus dem Windloch und zieht mühelos an mir vorbei.
Der Wind kommt inzwischen fast aus südlicher Richtung und hatte inzwischen etwas geschwächelt. Doch bei der Insel Germündson verengt sich das Fahrwasser und ich vermutete einen Düseneffekt der dann auch eintrat. Von nur noch 7 Knoten zog der Wind auf bis zu 13 Knoten an und es ging wieder mit 6 Knoten Fahrt voran.
Der Streifen im Wald dürfte eine Skipiste sein
Kurz vor Häggvik wurden die Segel geborgen und unter Motor ging es in die enge Einfahrt. Die Landschaft ist ein Traum. Und die Bucht ist ein Träumchen. Es könnte kaum schöner sein. Eine ganz andere Landschaft als ich sie im Süden gesehen hatte. Es mutet ein klein wenig an wie die Schweiz. Die Ufer gehen relativ steil nach oben. Es sind Wiesen zu sehen auf denen die Heuballen liegen. Es sind auch einmal nicht nur Fichten sondern auch Laubbäume zu sehen. Eine richtige Postkartenlandschaft. Es sind noch ein paar Bojen frei und so kann ich entspannt festmachen.
Enge Einfahrt in die BuchtFestgemacht in HäggvikBlick vom Boot
Weiter Richtung Norden
Sonntag, 20. Juli 2025
Ich kann noch einige Seemeilen Richtung Norden gehen, bevor ich den Rückweg antrete. Ich möchte ja auch das Revier der Höga Kusten reichlich mitnehmen, wenn ich schon hier bin. Und hier gibt es so viele Inseln und Buchten zu entdecken. Trysunda soll laut Hamnguiden die schönste Insel Schwedens sein. Von Häggvik sollen das gut 20 zu segelnde Seemeilen sein. Bei einigermaßen brauchbarem Wind als 5 bis 6 Stunden. Also kann ich es am Morgen gemütlich angehen.
Rückblick auf Häggvik
Aus der Bucht bei Häggvik heraus habe ich jetzt Gegenwind. Das habe ich nicht anders erwartet. Also geht es zuerst unter Motor los. Um wieder Richtung Norden weiter zu können, muss ich erst einmal etwa 5 sm Richtung Süden bzw. Südost. Dann ist der neue Kurs Nordost. Windy und Orca gehen von Ost bzw. Nordost Wind aus. Also sollte segeln hoch am Wind möglich sein. Als ich den neuen Kurs anlege kommt der Wind noch zu sehr von vorne. Nicht segelbar. Also läuft der Motor erst einmal weiter. Erst nach etwa einer Stunde kommt der Wind mehr östlich und erlaubt es die Segel zu setzen. Besonders stark ist der Wind nicht. Etwa 5 bis 6 Knoten. Und dabei bin ich nicht einmal hinter den Inseln. Noch geht es einigermaßen mit etwa 3,5 Knoten Fahrt. Aber auf der Route werde ich auch hinter vorgelagerten Inseln sein. Wenn draußen schon so wenig ist, dann ist da zwischen den Inseln Null Wind zu erwarten. Und so kam es dann auch. Also Motor wieder an. Insgesamt lies der Wind im Laufe des Tages mehr und mehr nach. Das einzige, was es reichlich hatte, war Sonne. Ich hatte gerade ein Drittel der Strecke geschafft. Nur unter Motor würde ich noch 4 bis 5 Stunden brauchen. Dazu hatte ich keine Lust. Also lies ich Johann (meinen Pinnenpilot) steuern während der Motor lief und suchte im Hamnguiden nach Alternativen die möglichst auf dem Weg liegen. Mjältön – dort soll es eine Bucht mit ein paar Stegen geben. Anlegen mit Heckanker. Kein Strom, Trockentoilette, Grillstelle. Das hört sich gut an. Nur Heckanker – das hatte ich noch nie gemacht. Ich hatte mich vorbereitet, habe einen M-Anker dabei, den ich am Heck befestigt habe. In meiner Rumpelkammer (der Achterkajüte) liegt eine Bleiankerleine die dafür gedacht ist. Alles ist irgendwann das erste Mal. Ich musste hier zum ersten Mal an Heckbojen anlegen, was inzwischen fast zur Routine geworden ist. Das erste Mal „richtig“ ankern (das Ankern am Bodensee ist Kinderspiel). Also sollte heute zum ersten Mal das Manöver Heckanker kommen.
Kein Wind und das auf der offenen Ostsee
Neues Ziel Mjältön
Ich hoffe nur, dass ich in der Bucht noch einen Platz finde. Andernfalls müsste ich ein Stück zurück oder Umwege fahren die ich gerne vermeiden möchte. Auch diese Bucht hat eine sehr schmale Einfahrt mit geringem Tiefgang. An Steuerbord sollen einige Steine im Wasser liegen. Aber es hat ja keinen Wind, so kann ich langsam in die Bucht hinein fahren. Es gibt Stege auf der nördlichen Seite der Bucht und vor der Sauna am Ende der Bucht. Die Plätze auf der nördlichen Seite sind gut belegt. Am Steg vor der Sauna liegen ein Motorboot und ein Segelboot. Dazwischen Platz für zwei Boote. Also steuere ich diesen Platz an. Den Heckanker hatte ich schon unterwegs vorbereitet.
Erster Anlauf. Der Eigner des Segelboots steht schon am Steg, um mich aufzufangen. Etwa 15 Meter vor dem Steg lasse ich den Heckanker fallen, gebe die Leine nach, steuere und versuche die Geschwindigkeit Richtung Steg zu regulieren. Der Schwede hat meinen Bug und ich gehe nach vorne. Dabei sehe ich, dass meine Ankerleine über seiner liegt. Schlecht. Ich bedanke mich für die Hilfe und sage ihm auch gleich, dass dies für mich das erste Mal mit Heckanker war bzw. ist. Er meint, mein Anker wird so wahrscheinlich nicht halten und fragt, wann ich am nächsten Tag gehen möchte. Da ich ja am kommenden Tag am Vormittag arbeiten muss, erst gegen Nachmittag. Er möchte am Morgen gehen. Auch wieder schlecht wenn meine Ankerleine über seiner liegt. Er schlägt vor, das Manöver noch einmal zu fahren und darauf zu achten, dass meinen Anker so fallen zu lassen, dass die Leinen nebeneinander sind. Er gibt mir auch den Tipp, erst einmal den Anker auf den Boden fallen zu lassen und dann Richtung Steg zu fahren. Also lege ich den Rückwärtsgang ein, ziehe die Ankerleine wieder hoch und schaue das ich genügend seitlichen Abstand zu seinem Boot bzw. seinem Anker habe.
Festgemacht – das erste Mal mit Heckanker
Womit ich mich schwer tue, ist den Abstand einzuschätzen. Ich habe auf dem Weg noch einmal die Bleiankerleine versucht mit Armlängen zu messen. Es müssten etwa 25 Meter sein. Der Anker sollte etwa 20 Meter vor dem Steg fallen. Mein Boot ist 8,5 Meter lang. Sein Boot etwa 10 Meter. Anhand dessen versuche ich einzuschätzen, wann der Anker fallen muss. Der Anker fällt und ich steuere wieder auf den Steg zu. Der freundliche Schwede fängt wieder meinen Bug auf und diesmal gibt mir auch die Ankerleine das Gefühl, dass sich der Anker eingegraben hat. Geschafft!
Jetzt kann ich auch die herrliche Kulisse hier genießen. Wieder ein Traumplatz. An der Grillstelle mache ich zusammen mit dem anderen Schweden ein Feuer. Während das Feuer langsam wird, bereite ich einen Tomatensalat mit Feta und Oliven vor. Dann wandert das marinierte Schnitzel auf den Grill. Könnte es schöner sein?
Vorbereitungen für das Abendessen laufen
Kein Segeltag
Montag, 21. Juli 2025
Bisher bin ich oft von Hafen zu Hafen gesegelt und habe, wenn dann eher aufgrund äußerer Umstände mehr als einen Tag an einem Ort verbracht. Da ich keine Eile mehr habe, möchte ich einen Tag länger hier auf Mjältön verbleiben. Mjältön ist Schwedens höchste Insel. Der höchste Punkt des Berges Bastuto liegt 236 Meter über dem Meeresspiegel. Es gibt einen Rundweg der einen Abstecher zum höchsten Punkt macht und dann gibt es noch einen Abstecher zu einer besonderen Höhle. Doch nach der Arbeit kühle ich mich erst einmal in der Ostsee ab. Hier in der Bucht beträgt die Wassertemperatur mittlerweile 24 Grad. Draußen sind es etwa 21,5 Grad.
Der Rundweg führt zuerst durch Fichtenwälder um dann auf die andere Seite der Insel zu kommen. Der Blick auf die See zeigt keinen Wind. Gute Entscheidung, heute hier zu bleiben. Es geht etwas auf und ab. Dann ein Geröllfeld, Steine groß wie Bowlingkugeln. Richtung dem höchsten Punkt lichtet sich der Wald mehr und mehr was hauptsächlich an den Felsen und der fehlenden Erde liegt. Am höchsten Punkt hat man eine herrliche Aussicht über die Schären. Es ist Tradition, dass jeder der mit dem Boot hierher kommt, einen Stein mitbringt. So ist der Steinhaufen inzwischen über 1,50 Meter hoch.
Beim Abstieg gibt es noch einen Abstecher bei dem noch einmal etwas bergauf gelaufen werden muss. Der Weg ist mit blauen Punkten markiert und führt zu einer besonderen Höhle. Es handelt sich um einen Felsriss dessen Ränder durch die Wellen geformt wurden. Doch wie geht das? Schließlich liegt die Höhle 100 Meter über dem Meeresspiegel. Mit Beginn des postglazialen Zeitalters und dem Rückzug der Gletscher atmete die Landmasse förmlich auf und stieg nach oben. Auch heute hebt sich die skandinavische Landmasse um etwa 0,8 cm im Jahr. Daher gibt es auch zahlreiche aufgegebene Fischerdörfer die vor 200 oder 300 Jahren noch einem Zugang zum Meer hatten den es aber aufgrund der Landhebung nicht mehr gibt.
Jetzt aber – Trysunda
Dienstag, 22. Juli 2025
Es ist richtig warm geworden – 28 Grad sollen es heute werden. Ich sollte einen Am Wind Kurs haben, das könnte für etwas Abkühlung sorgen. Doch die ersten 2 sm gehen zuerst unter Motor. Dann passen Windrichtung und Stärke einigermaßen. Es ist nicht viel Wind – etwa 6 Knoten. Aber das reicht, um mit etwa 4 Knoten voran zu kommen. Von der Bucht sind es nur knapp 10 sm nach Trysunda und ich sollte dann am späten Nachmittag ankommen. Es geht wieder zwischen einigen Inseln hindurch und jede ist anders. Jetzt fällt das rötliche Gestein auf. Schon von weitem fällt die Trysunda vorgelagerte Insel Skrubban mit ihren steilen Felswänden auf. Von hinten sehe ich einen Finnen mit seinem Segelboot regelrecht anrauschen. Er hat AIS – so kann ich sehen mit welcher Geschwindigkeit er unterwegs ist. Gut 6 Knoten. Ach, diese Wettrennen kurz vor dem Hafen kenne ich vom Bodensee und ich kann darüber nur milde lächeln. Mir tun solche Menschen leid.
Rückblick auf die Bucht von MjältönDa rauscht der Finne an mir vorbei – ohne zu grüßen
Doch vor uns beiden kommt noch ein Personenschiff mit 20 Knoten in die Bucht gerauscht und sorgt erst einmal für ordentlich Welle. Ich sehe den Finnen vor mir die Liegeplätze abfahren. Es scheint keine Boje frei zu sein. Ich fahre auch langsam auf die Liegeplätze zu und sehe gerade wie vor mir ein schwedisches Segelboot losmacht. Also warte ich. Für den Finnen wäre der Platz sowieso viel zu eng. Selbst ich brauche die Unterstützung der daneben liegenden Boote die ich aber bekomme und die mir signalisieren, dass ich in die Lücke hinein fahren soll. Viel breiter dürfte ich nicht sein. Aber wie heißt es so schön: „Platz ist in der kleinsten Hütte“.
Ganz schön eng hier…
Mein erster Eindruck – nett. Ja, ist ganz schön so mit den alten Fischerhäusern die heute wohl allesamt Ferienhäuser sind. Aber auf dem ersten Blick ist Trysunda in meinem Ranking im oberen Mittelfeld. Es ist vor allem sehr voll und dementsprechend auch etwas laut hier. Viele Familien mit ihren Kindern.
Mal sehen – vielleicht bleibe ich hier einen Tag, um die Insel etwas zu entdecken.
Ein Tag in Trysunda
Mittwoch, 23. Juli 2025
Ich habe mich entschlossen, noch einen Tag in Trysunda zu bleiben. Erstens gewinne ich nichts, wenn ich jetzt gleich weiter nach Örnsköldvik gehe und zweitens möchte ich noch etwas vom Ort bzw. der Insel sehen. Es gibt eine kleine Kapelle aus dem 17. Jahrhundert und es soll einen besonders schönen Kiesstrand geben. Aber zu erst einmal arbeiten was bei der Hitze keinen Spaß macht. Für die Gegend gibt es eine Hitzewarnung – mehr als 30 Grad.
Am späten Nachmittag ziehe ich dann los. Die Kapelle ist leider verschlossen. Von dem kleinen „Berg“, der 85 Meter hoch ist, hat man einen schönen Blick auf die Bucht. Dann geht es weiter durch einen Wald zum besagten Strand Storviken der wirklich sehr schön ist. Es hat rund geschliffene Kiesel aus Nordingrå-Granit, dunklem Diabas und grauem Sandstein. Und daneben hat es sanft geschwungene Felsen aus Diabas, ein Überbleibsel der vulkanischen Aktivitäten.
Planung für den Rückweg
Morgen geht es nach Örnsköldvik, einer etwas größeren Stadt. Dort möchte ich noch einmal die Vorräte auffüllen, bevor es zurück Richtung Süden geht. Außerdem sollte ich einmal tanken – ich traue gerade meiner Tankanzeige nicht (zeigt seit längerem halb voll). Die Wetteraussichten sind schwierig. Windy sagt für Freitag relativ starken Wind aus Südwest an – in Böen bis 25 Knoten. Ich kann es noch nicht einschätzen, was sich da für eine Welle aufbaut. Ab Samstag/Sonntag soll das Wetter schlechter werden. Regen und Temperaturen um 25 Grad und das gleich für mehrere Tage. Da muss ich mal sehen was ich daraus mache.
Auf jeden Fall brauche ich für Freitag und Samstag Liegeplätze die gegen südliche Winde geschützt sind. In der Nacht von Samstag auf Sonntag soll der Wind um 180 Grad drehen. Das macht die Auswahl besonders schwierig.
Umkehrpunkt Örnsköldvik
Donnerstag, 24. Juli 2025
Was zieht einen nach Örnsköldvik? Zugegeben, touristisch betrachtet gibt es keinen Grund, Örnsköldvik anzusteuern. Doch bevor ich den Kurs Richtung Süden einschlage, muss ich noch einmal einkaufen, tanken und Wäsche waschen. Das ist der Nachteil der kleinen Inseln. Sie sind zwar alle sehr schön, doch man muss da schon recht autark unterwegs sein. Es sind nur 12 sm von Trysunda nach Örnsköldvik.
Der Wind bläst bereits, wie auch für die nächsten Tage vorhergesagt, aus Südwest. Für mich heute natürlich ideal. Raumschots rausche ich zwischen den Inseln mit 4 bis 6 Knoten. Und das nur mit dem Großsegel. Eine Zeitlang habe ich noch Begleitung von der Küstenwache, die sich aber dann doch nicht für mich interessiert.
Rückblick nach TrysundaVorbei an felsigen InselnAn der Kulisse unschwer zu erkennen – Örnsköldvik ist eine Industriestadt
In Örnsköldvik mache ich zuerst im ersten Hafen fest, den ich wegen tanken auf der Liste hatte. Doch nach dem ersten Einkauf realisiere ich, dass dieser keine Ausstattung hat und auch recht weit weg ist von der Stadt.
Also verlege ich das Boot zum Gasthamn der am Ende der Bucht liegt.
Festgemacht zum zweitenPassender Abschluss
Örnsköldvik ist auch das nördliche Ende des Gebiets Höga Kusten. Die nächste größere Stadt nördlich wäre dann Umeå. Aber ich muss mich jetzt Richtung Süden orientieren. Nach Gävle sind es von hier etwa 250 sm (gesegelt – nicht Luftlinie). Aus der Erfahrung der letzten zwei Monate benötige ich dafür 20 bis 30 Tage.
Der Start dieser Etappe hat schon einmal schlechte Voraussetzungen. Die nächsten beiden Tage soll es kräftigen Südwestwind haben. In Böen bis 6 Bft. Und dann sind einige Tage mit schlechtem Wetter vorhergesagt. Keine guten Voraussetzungen. Ich muss mir Gedanken machen, was ich daraus mache. Denn eigentlich wollte ich auf dem Rückweg, und gerade hier in den Höga Kusten, noch ein paar nette Inseln mitnehmen. Es bleibt spannend.
Ungewollter Hafentag
Freitag, 25. Juli 2025
Am Vormittag musste ich ja erst noch arbeiten. Gleichzeitig nahm im Laufe des Vormittags der Wind immer mehr zu. Gegen den frühen Nachmittag, als ich hätte ablegen können, blies der Wind mittlerweile in Böen mit 6 Bft. ziemlich direkt aus Süden. D.h. auch hier im Sund hätte ich erst einmal gegen an müssen. Dazu bauten sich im Westen Gewitterwolken auf und bald zuckten die ersten Blitze vom Himmel. Also kein Segeltag.
Am frühen Nachmittag blies es mit 6 Bft. in den SundUnd im Westen zog dazu noch ein Gewitter durch
Die nächsten Tage werde ich wohl eher spontan entscheiden müssen, was geht und was nicht geht. Von Westen zieht ein Tiefdruckgebiet heran welches dann voraussichtlich Dienstag von einem Tief aus dem Süden abgelöst wird. Es sieht also bescheiden aus. Egal was geht, es geht jetzt auf jeden Fall wieder Richtung Süden.
Mit einem defekten Anlasser wäre das Risiko, einfach weiter zu gehen zu hoch. Zudem muss ich mindestens 250 sm zurück nach Gävle für das Winterlager. Das sind etwa 15 Segeltage. Gerade auch wenn man in Ankerbuchten geht, ist die Einfahrt nicht so einfach. Ohne Motor, nur unter Segel wäre das sehr gewagt. Dazu kommt, dass ich ja alleine unterwegs bin. Ankern (ohne Ankerwinsch), Boje einfangen nur unter Segel – für mich kaum denkbar.
Zudem benötige ich Ersatz für die abgerissene Schraube an der Lichtmaschine. Ich hatte gleich Google mit den Stichwörtern „Volvo Penta Härnösand“ bemüht und einen Händler gefunden, der Samstag offen hatte. Also bin ich dorthin und habe mein Anliegen geschildert. Doch er macht nur Außenborder und hat mir eine Telefonnummer und einen Namen gegeben.
Zurück auf dem Boot recherchiere ich. Das ist eine Art Kette – wohl Volvo Penta Vertragshändler. Der nächste wäre aber in Sundsvall. Das sind fast 50 km von hier. Das macht keinen Sinn. Also recherchiere ich weiter. Es gibt hier in der Nähe des Hafens zwei Marine-Werkstätten. Dort möchte ich am Montag mein Glück versuchen.
Den Sonntagabend habe ich dann noch genützt, endlich die Leine für das zweite Reff zu tauschen. Die war vollkommen hinüber weshalb ich kaum ausreffen und auch das zweite Reff nicht setzen konnte. Damit ist das Problem auch endlich gelöst.
Härnösand – ansonsten nicht unbedingt eine Reise wert
Am Montagvormittag laufe ich zu den beiden Werkstätten, die direkt nebeneinander liegen. Die erste sieht ziemlich abgewrackt aus und macht keinen vertrauensvollen Eindruck. Also gehe ich zur zweiten. Das Tor ist offen und ich spreche den ersten Mitarbeiter an. Er deutet mir an, dass er taubstumm ist und verweist mich an einen Kollegen. Doch welche Überraschung – der ist ebenfalls taubstumm. Mittels Papier und Stift tauschen wir uns aus und er sucht mit mir bei seinem Lieferanten nach dem passenden Anlasser. Kostenpunkt 180 Euro. Bestellt. Sollte in ein oder zwei Tagen da sein.
Dann gehe ich noch in die Stadt, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Brennspiritus für meinen Kocher suche ich schon seit längerem und werde endlich fündig. Dann suche ich noch einen Friseur. Wird nach mehr als zwei Monaten mal wieder Zeit. Da dessen Englischkenntnisse recht eingeschränkt sind, muss es mit Zeichensprache gehen. Erstaunt war ich über den Preis: 400 SEK. Das sind fast 36 Euro. Zu Hause bezahle ich etwa 25 Euro (ohne waschen). Schweden ist teuer… (Anmerkung: Das war kein Nobel-Friseur, eher ein etwas abgewrackter Laden).
Pläne schmieden
Derweil nütze ich die Zeit, Pläne für die kommenden Tage zu machen. Dies hier wird mein Umkehrpunkt sein. Ich kann (vorausgesetzt das klappt jetzt so mit dem Anlasser) noch etwa 5 bis 7 Tage etwas Richtung Norden segeln. Hier, in Härnösand, beginnt die Höga Kusten (die hohe Küste). Seit dem Jahr 2000 Weltnaturerbe. Alle Segler, die mir entgegenkommen, schwärmen von dieser Gegend. Also suche ich mir Ziele, die ich als „krönenden“ Abschluss sehen möchte. Da wäre die Höga-Kusten-Brücke. Das zweithöchste Bauwerk Schwedens, 1,8 km lang, Durchfahrtshöhe 40 Meter. Trysund soll die schönste Insel Schwedens sein. Das Wetter passt. Der Sommer ist in Schweden endgültig angekommen. Es ist dauerhaft schön. Den Wind muss man nehmen wie er kommt. Nur mit Wärmegewittern muss jetzt zunehmend gerechnet werden.
Anlasser ist da – weiter geht’s
Mittwoch, 16. Juli 2025
Mittwochvormittag bekomme ich eine SMS von der Werkstatt. Der Anlasser ist da. Dazu die Frage, ob ich ihn abhole oder ob jemand kommen soll, um den Austausch gemeinsam zu machen. Da mir das passende Werkzeug fehlt (Imbusschlüssel), bitte ich darum das jemand kommt. Zusammen tauschen wir den Anlasser. Die Schrauben des Anlassers sind selten blöd beim Volvo Penta angebracht. Nach gut einer Stunde ist der Anlasser getauscht. Test – Motor springt an. Anlasser funktioniert. Scheint mir nicht ganz so kraftvoll wie der alte. Aber egal – wichtig ist das er funktioniert und der Motor anspringt.
Neuer Anlasser ist eingebaut und funktioniert
Als Tagesziel hatte ich mir eine Ankerboje südlich von Storön ausgesucht. Der Wind bläst immer noch kräftig aus Nord (Windy erzählt immer noch Mist). Nachdem die letzten Einkäufe erledigt waren, ging es dann am Nachmittag los. Zuerst raus aus dem Sund – also Richtung Süden. Da der Wind sehr böig war (im Hafen blies es zwischen 10 und 20 Knoten) setzte ich dazu erst einmal nur die Fock. Und das war auch gut so.
Ich hatte bereits geschrieben, dass Härnösand zur Hälfte auf einer Insel und zur Hälfte auf dem Festland liegt. Ich lag im südlichen Hafen Södra Sundet. Normal hätte ich jetzt den kurzen Weg durch die Stadt nehmen können. Da gibt es zwei Klappbrücken. Doch eine der beiden Klappbrücken wird in 2025/2026 durch eine Drehbrücke ersetzt. Dadurch ist die Durchfahrt nicht möglich. D.h. ich muss den Sund Richtung Süden herunter und um Härnön herum, um Richtung Norden in die Inselwelt der Höga Kusten zu kommen. Hier einmal ein Kartenausschnitt, um das zu verdeutlichen. Der Pfeil zeigt auf den Hafen. Darüber (nördlich) die Stadt.
Luftlinie habe ich dann gerade einmal 2,7 sm geschafft. Das sind etwa 5 km. Gesegelt waren es 18,8 sm
Auch wenn der Wind im Sund stark wechselt, sowohl in Richtung aus auch in Stärke, geht das mit der Fock ganz gut. Ich vermute die umliegenden Hügel sind die Ursache für diesen Wechsel.
Selten war ich so froh, von einem Ort weg zu kommen. Ciao Härnösund
Dort, wo der Sund dann breiter wird, tausche ich Fockksegel gegen Großsegel und versuche dann den Kurs zu laufen, den Orca vorgeschlagen hat. Doch wie so oft, so hoch am Wind kann ich nicht segeln. Draußen, auf der offenen See, wird es jetzt richtig ungemütlich – trotz strahlendem Sonnenschein. Es hat etwa 10 bis 15 Knoten Wind und Wellen um 1,5 Meter. Immer wieder mal eine mit 2 Meter. Das gegenan, das wird sogar für meinen Magen etwas anstrengend. 3 Stunden so zu segeln macht keinen Sinn. Denn trotz des guten Windes, auch wenn ich hoch am Wind segle, macht Miss Sophie aufgrund der Welle nur 3,5 bis 4 Knoten. Jedes Mal wenn sie in eine Welle kracht, wird sie ausgebremst. Der Nachteil des Kurzkielers.
Im Sund ist es noch angenehm
Also muss ein neuer Plan her. Ich plane, sobald als möglich, eine Wende zu machen, um wieder hinter die Inseln zu kommen. Lustholmen scheint eine gute Alternative zu sein. Ein beliebter Naturhafen mit etwa 25 Liegeplätzen. Hoffentlich bekomme ich noch einen Platz. Ansonsten fehlt mir Plan C.
Zwischen den Inseln. Keine Welle, nur WindFestgemacht in Lustholmen
Die erste Insel, die mir etwas Abdeckung gibt, ist Lungön. Die Welle lässt mehr und mehr nach und auch meinem Magen geht es besser. Jetzt ist es wieder schönes Segeln. Nach etwa 5 Stunden erreiche ich Lustholmen und finde noch eine freie Boje. Luftlinie bin ich gerade einmal etwa 5 km vom Ausgangspunkt entfernt. Gesegelt bin ich knapp 19 sm – also etwa 35 Kilometer. Verrückt.
„Lustiger“ Track. Einmal im Viereck gesegelt
Einfach treiben lassen
Donnerstag, 17.07.2025
Ich habe kein festes Ziel im Moment. Ich habe jetzt noch etwa eine Woche, dann sollte ich langsam den Rückweg Richtung Gävle angehen. Ich möchte jetzt einfach noch etwas hier die Höga Kusten erkunden, sehen und entdecken. Deshalb starte ich am Mittag zuerst ohne Ziel und entschließe mich dann doch die Högakustenbron (Höga-Kusten-Brücke) zu durchfahren.
Passieren einer Fähre. Ähnlich spannend wie am Bodensee, nur sind hier die Wege kürzer
Hier, zwischen den Inseln, wechselt der Wind immer wieder etwas. Vor allem in der Stärke. Aber ich habe Wind aus NO und Kurs NW. So setze ich nur die Fock und lasse mich einfach treiben. Ich habe jegliche Eile verloren. Dass die Logge immer wieder mal unter 3 Knoten fällt stört mich nicht. Ich genieße einfach die Landschaft.
Die Höga-Kusten-Brücke war bei ihrer Eröffnung 1997 mit 1800 Metern die neuntlängste Hängebrücke der Welt. Vorbild war die Golden Gate Bridge. Daneben ist es eines der höchsten Bauwerke Schwedens (186 Meter). Die Durchfahrtshöhe beträgt 40 Meter.
Höga-Kusten-Brücke in SichtEs kommt einem trotzdem immer knapp vorEin imposantes Bauwerk
Direkt bei der Brücke hat es einen Steg mit Gastliegeplätzen. Ich versuche mein Glück, doch die wenigen Plätze sind alle belegt. Viel weiter möchte ich nicht. Ich möchte nicht wieder spät Abends ankommen. Also suche ich mir die nächste Möglichkeit heraus. Bei Västby hat ein kleiner Club einige Gastplätze. Also steuere ich diesen an – wieder nur mit Fock. Sind nur 5 oder 6 sm. Die Gastplätze sind alle frei. Ich mache fest und finde jemanden im Hafen. Ich frage wie das mit der Bezahlung läuft und er fragt mich, wie lange ich bleiben möchte. Hierher verirren sich wohl nicht viele Gäste und mir wird auch bald klar weshalb. Direkt dahinter liegt eine Eisenbahntrasse und dahinter eine Schnellstraße. In der einen Richtung ist die Kulisse recht idyllisch, in die andere weniger. Aber ich habe jetzt auch keine Lust mehr weiter zu ziehen. Die Möglichkeiten zu ankern sind hier bescheiden. Der Mann entpuppt sich als Mitglieds des Clubs und meint für eine Nacht müsste ich nichts bezahlen. Wie heißt es so schön: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.
Festgemacht
Und noch etwas erwähnenswertes: Die Wassertemperatur beträgt 24 Grad. Da nehme ich doch gleich einmal das erste Bad auf der Reise. Der Sommer ist mittlerweile auch in Schweden angekommen. Am Polarkreis hatte es gestern gegen Abend 24 Grad. Im Moment ist es in Norden wärmer als im Süden. In einigen Regionen sind jetzt offene Feuer wegen der Waldbrandgefahr verboten. Das Wetter und dann noch Südwind, das hätte ich mir einige Wochen früher gewünscht.
Flusssegeln vom Feinsten
Freitag, 18. Juli 2025
Heute mache ich nur einen kurzen Schlag. Da ich wegen der Höga-Kusten-Brücke schon in den Fluss Ångermanälven eingebogen war, und der kleine Bootsclub von Frånö nicht weit entfernt war, sollte dies mein Tagesziel sein. Nur 6 sm. Aber der kleine Hafen ist nur 4 km von der Stadt Kramfors entfernt und laut Hamnguiden sollte es Fahrräder zum Ausleihen geben. Denn bevor es wieder raus geht Richtung Ostsee, wollte ich die Vorräte auffüllen.
Tschüss Västby … Im Hintergrund sieht man die Oberleitung der Eisenbahn
Dank Ostwind bzw. später Südost konnte ich sehr schön den Fluss hinauf segeln was sehr spannend war. Denn aufgrund der Biegungen, Wendungen und Inseln musste immer wieder die Segelstellung geändert werden. Steuerbordbug, Backbordbug oder mal Schmetterling. Der Fluss hat hier kaum Strömung und so kam ich gut voran und war am späten Nachmittag im Hafen. Wie immer bekam ich Hilfe beim Anlegen. Wieder war ich der einzige Gast. In diese Gegend verirren sich wohl nur wenige (dabei verpassen sie die schöne Landschaft).
Und wieder eine Brücke – diesmal 30 Meter DurchfahrtshöheFestgemacht in Frånö
Es waren drei Männer vom Club da und natürlich interessierte man sich dafür woher ich komme, seit wann ich unterwegs bin. Und ich erzählte von manchem Erlebnis, den letzten Tagen und vor allem weshalb ich hierher gekommen war. Auf meine Frage, ob ich den ein Fahrrad ausleihen könnte meinte einer: „er wird dich fahren“ und zeigte auf einen der Männer. Auf meine Frage, wie ich dann zurück in den Hafen komme, meinte er „er bringt dich auch wieder hierher“.
Gesagt, getan. So hatte ich mein kostenloses Taxi in die Stadt zum Coop und beim Systembolaget ging es auch nur kurz vorbei. Achja, und noch einmal etwas Bargeld holen. Hier musste ich zum ersten Mal die Hafengebühr bar bezahlen. Ansonsten wäre Swish möglich gewesen, aber dieses Bezahlsystem steht nur Schweden zur Verfügung.
So, und jetzt freue ich mich auf das erste schöne Wochenende mit Sonne, Wind und ohne technische Probleme seit acht Wochen auf der Ostsee…
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