Abwettern in Öregrund
Sonntag, 19. Juli 2026
Am Samstagabend hatte es dann noch ganz kurz zum Sonnenuntergang eine sehr schöne Stimmung. Ansonsten waren die Nacht und der Tag extrem unruhig im Hafen. Es kam zwar nicht zu den 40 Knoten Wind wie befürchtet, aber immerhin ein paar Drücker mit 30 Knoten. Und der Hafen von Öregrund ist nicht besonders gut geschützt, gerade wenn der Wind aus nördlicher Richtung kommt. Dann drückt es die Wellen hier in den Sund hinein.

Ich nütze das schlechte Wetter um einige Stunden zu arbeiten. Ansonsten kann man eigentlich nicht viel machen. Achja, natürlich etwas planen und überlegen, was ich die nächsten Tage machen soll. Aktuell soll es die kommende Woche sonnig bzw. trocken bleiben. Der Wind bleibt bis Donnerstag auf Nord – also ideal. Bis zum Väddö Kanal hätte ich etwa 20 sm – bis Älmsta, etwa in der Mitte des Väddö Kanals, knapp 30 sm. Ich denke ich bleibe Montag und Dienstag hier in den Schären südlich von Öregrund und mache den Väddö Kanal am Mittwoch ohne Zwischenstopp – das sind etwa 30 sm. Dann habe ich den südlichen Wind am Freitag wenn ich im Einzugsbereich der Stockholmer Schären bin.
Ich lese meinen Text aus dem Beitrag Teil 3 von diesem Jahr. Da hatte ich noch geschrieben, dass ich Mitte Juli in Öregrund sein sollte – das passt. Damals hatte ich etwa 830 sm abgesteckt – jetzt sind es 1160 sm. 300 sm mehr als gedacht. Auch wieder etwas gelernt… Damals hatte ich nur grob den direkten Weg abgesteckt. Das gegen den Wind kreuzen kostet einige Seemeilen. Also etwa 30% Aufschlag, dann ist man in der Nähe der Wahrheit.


Noch ein Wort zu Öregrund…
Als ich am Freitagabend ankam, war ich doch etwas irritiert – volle Lokale, Live-Musik, Autos die mit lautstarken Motoren und noch lauterer Musik „flanieren“ – das war nicht das Öregrund, das ich bisher kannte. Ich war wohl drei- oder viermal im letzten Jahr hier. Aber das erste Mal wohl recht früh im Jahr (22. Juni) und das nächste Mal dann spät im Jahr (13. und zuletzt 28. August). Im letzten Jahr waren manche Restaurants zu (am Ende alle geschlossen) und es war richtig ruhig. Das ist jetzt sicher nicht spezifisch für Öregrund sondern stellvertretend für alle Touristenorte im Juli. Juli – das ist für die Schweden Sommer. Davor und danach ist tote Hose. Im letzten Jahr war ich offensichtlich sehr azyklisch unterwegs – d.h. in der Hauptsaison war ich kaum dort, wo sich die Hauptsaison abspielt. Trysunda war wohl die Ausnahme. Aber ich bin rückblickend froh darum. Wenn ich an Örnsköldvik denke (Speed-Motorbootrennen) und Öregund dann habe ich nichts verpasst.
Kurz etwas treiben lassen – Jungfruören
Montag, 20. Juli 2026
Ich hatte mich mit Andreas, meinem Stegnachbarn aus Kiel darüber unterhalten, was sein Plan ist und was mein Plan ist. Mein Plan ist jetzt hier heute und morgen etwas in den Schären „gammeln“ und Mittwoch durch den Väddö Kanal zu gehen – dann in einem Stück ohne Stopp in Älmsta. Mit Andreas zusammen schaue ich die Optionen an, wo man an einer Schäre anlegen könnte. Im Hafen von Öregrund bläst es teilweise noch kräftig, immer wieder mal Böen mit knapp 20 Knoten. Der Wind kommt fast direkt aus Nord (Nordnordost) also gilt es etwas zu finden, was wirklich sehr gut gegen Nord geschützt ist denn wir sind beide Einhand unterwegs und anlegen an einer Schäre geht dann nur, wenn es die Windbedingungen zulassen.
Jungfruören, wo ich letztes Jahr angelegt hatte, bittet noch eine Möglichkeit gegenüber – Fårön ist der Name der kleinen Schäreninsel. Also beschließen wir gemeinsam dorthin zu segeln.

Aufgrund des starken und böigen Windes und des kurzen Weges (es sind nur 9 sm) möchte ich das nur mit Focksegel machen. Nachdem wir vom Hafen weg und zwischen den Schären sind wird es gleich etwas angenehmer mit Wind und Welle. Welle eigentlich keine mehr nur der Wind ist ab und an etwas böig auch abhängig davon, ob man gerade an einer Lücke zwischen den Inseln vorbei segelt die dem Wind den Raum gibt, sich zu entfalten. Aber meist segeln wir in der Abdeckung der Nadelwälder.

Andreas ist etwas schneller als ich und legt sogleich nach einem kurzen Test an. Dann bereite auch ich alles vor – Heckanker, lange Leine am Bug und fahre erst einmal die Stelle daneben an. Sieht gut aus – keine Felsberührung unter Wasser. Dann fahre ich an, lasse den Heckanker fallen und stehe neben Andreas der mein Boot hält. Sprung auf die Insel und Leine an den nächsten Baum. Eine zweite Leine wird zu einem anderen Baum gezogen, alles gut und die andere Seite, also gegenüber von Jungfruören, wird auch als schön befunden. Vielleicht sogar noch schöner denn hier hat man schön die Abendsonne und die Felsen bieten Stufen, die perfekt zum Sitzen sind.
Für Andreas und mich koche ich Hackfleischtopf und (wie so oft) gibt es einen Tomatensalat. Dazu ein Bierchen, man kann definitiv schlechter leben. Nein, wir leben wirklich in einem Luxus, der nicht vielen gegönnt ist.



Weiter treiben lassen – Frozen
Dienstag, 21. Juli 2026
Andreas legt bereits am Vormittag ab. Ich muss leider noch arbeiten. Dabei habe ich heute überhaupt keine Lust zum Arbeiten. Dazu kommt das der Kiel ab und an leicht auf den Fels aufschlägt. Das nervt. Deshalb höre ich etwas früher auf, ich möchte hier weg. Inzwischen hat auch eine Familie mit 5 Kindern an der Schäre festgemacht. Der Wind ist noch sehr schön, er kommt weiter aus Nord. Mein Kurs ist Richtung Südost. So kann ich schön und gemütlich raumschots segeln. Es sind einige Segelboote über den Tag an der Bucht vorbeigezogen. Nun bin ich das letzte Boot das Richtung Süden zieht. Vor mir sehe ich noch ein anderes Segelboot welches auch kein AIS sendet. Andreas sehe ich auf dem Plotter vor der ersten Brücke im Väddö Kanal.

Ich beobachte das Segelboot welches ein ganzes Stück vor mir ist. Wir sind etwa gleich schnell. Ich hatte eine Bucht zwischen zwei Inseln kurz vor der Einfahrt Richtung Väddö Kanal ausgesucht. Falls der Wind gegen Abend nachlassen und auf Süd drehen sollte, wie es Windy vorhersagt, möchte ich an einer Schäre anlegen. Falls es nicht gehen sollte habe ich die Option dort zu ankern. Aber ich denke nicht, dass die Bucht groß genug für zwei Boote vor Anker ist. Der Wind bleibt auf Nord und auf etwa 8 Knoten. Das ist schön zum Segeln aber nicht gut für das Anlegen an der Schäre. Dann es geht um das letzte Kardinalzeichen und ich fahre den endgültigen Kurs in Richtung der Bucht. Das Boot vor mir scheint daran vorbei zu fahren – es geht wohl nach Grisslehamn.

Wie erwartet ist es in der Bucht nicht windstill – immerhin noch 4 bis 5 Knoten Wind. Das ist nichts zum Anlegen an dieser Schäre denn der Wind würde dann von hinten kommen. Anlegen an der Schäre macht man idealerweise gegen den Wind (noch besser ohne Wind). Also fahre ich die kleine Bucht ab und suche einen guten Ankerplatz auf 3,5 Meter Tiefe. 20 Meter Ankerkette gehen nach unten und der Ankeralarm wird gestellt. Ich beobachte eine Zeit die Position in der Anker-App – alles gut.
Morgen möchte ich in einem Rutsch durch den Väddö Kanal und dann wieder einmal einen Hafen ansteuern.


Der Sommer der kein Sommer ist – Väddö Kanal
Mittwoch, 22. Juli 2026
Als ich vor drei Tagen einem schwedischen Paar beim Anlegen bei Starkwind in Öregrund half meinte die Frau: „das ist der schwedische Sommer“. Langsam geht mir das Wetter etwas auf den Zeiger. Kaum ein Tag, an dem es mal richtig warm wäre. Heute Vormittag regnet es, Temperatur 16 Grad. Und die Aussichten sind auch nicht rosig. Tageshöchstwerte 20 Grad, nachts zwischen 11 und 16 Grad. Und auch immer wieder Regen. Die Wassertemperaturen laden (zumindest mich) auch nicht zum baden ein – etwa 18 Grad. Das letzte Jahr habe ich besser in Erinnerung zumindest hatte ich einige Badetage. Das einzige Positive, was man dem abgewinnen kann: In der Kühlbox ist Platz – das Bier ist auch in der Bilge gut gekühlt.

Am frühen Nachmittag soll es eine Regenpause geben die zumindest reichen sollte, Älmsta zu erreichen. Das sind nur 10 sm aber Hauptsache ein Stück weiter kommen. Gegen 13 Uhr lichte ich den Anker, der Wind kommt aus Nord bzw. Nordnordost. Das sollte gut zum Segeln Richtung Väddö Kanal sein. Da bei der Windrichtung die Fock in der Abdeckung des Großsegels zusammenfällt, ich zu faul bin das Großsegel hochzuziehen und ich bezüglich der Windstärke unsicher bin, belasse ich es beim Focksegel. Bei 7 bis 9 Knoten Wind geht es mit 3 Knoten voran. Das reicht mir. Gegen 16.30 Uhr sollte ich in Älmsta sein. Auf dem ruhigen Wasser und bei dem leichten Wind nerven lediglich die Motorboote.

Trotz bedecktem Himmel und ganz leichtem Nieselregen genieße ich es wieder hier zu sein. Doch nach etwa zwei Stunden nimmt der Regen mehr und mehr zu und der Wind schwächelt immer öfter. Als eine 4 auf dem Windmesser und 2,1 Knoten auf der Logge steht gebe ich nach 2 Stunden auf und werfe denn Motor an. Noch eine 3/4 Stunde und dann bin ich in Älmsta. Netterweise kommt der Hafenmeister an den Steg und hilft beim Anlegen – ausgerechnet jetzt hat der Wind wieder etwas angezogen. Er tut mir ja leid, dass er jetzt im Regen stehen und mir beim Anlegen helfen muss. Inzwischen bin ich klatsch nass, also zumindest mein Ölzeug. Umso glücklicher bin ich Landstrom zu haben und den Heizlüfter gleich anwerfen zu können. Und dann geht es direkt unter die sehr warme Dusche. Einen Moment überdenke ich die Sauna einzuheizen.
Morgen soll das Wetter ab dem späten Vormittag gut sein und es ist kräftiger Wind (10 bis 20 Knoten) aus Nord vorhergesagt. Ich möchte nach Norrtälje. Eigentlich wollte ich ja den langen Sund, den ich vom letzten Jahr kenne, nicht mehr hinein. Aber ich habe einmal geschaut was die Planung für die nächsten Tage in den Stockholmer Schären betrifft. Und da sieht es mit der Versorgung schlecht aus. Außerdem ist der Wind für morgen dann dafür so gut, dass das ein netter Schlag werden könnte. Und Freitag soll der Wind auf Süd drehen – bedeutet, ich komme auch gut wieder raus aus dem Sund.
So, und jetzt habe ich noch etwas Verrücktes gemacht – ich habe einen Liegeplatz im Wasahamnen, mitten in Stockholm gebucht. Von Sonntag bis Dienstag. Ich habe ja einige Tage „gewonnen“ weil ich früher als geplant in Gävle und noch früher in Öregrund war. Ich bin gespannt und freue mich darauf.


Ein netter Segeltag – Norrtälje
Donnerstag, 23. Juli 2026
Eigentlich wollte ich in diesen Sund nicht mehr hinein fahren… Die Rede ist von Norrtälje, mein absoluter Horrortag im vergangenen Jahr. Ich musste meinen Bekannten aufnehmen, kam vom Süden und hatte 25 Knoten und mehr gegenan. Eigentlich wollte ich damals nur bis Gräddö doch angesichts der Windsituation fuhr ich dann noch den ewig langen Sund nach Norrtälje.
Heute morgen wehte es kräftig in Älmsta – Böen bis 20 Knoten. Ich überlege schon wie ich das mit dem Ablegen gegen Mittag machen soll. Aber immer wieder beruhigt sich der Wind auch etwas auf etwa 10 Knoten. Gegebenenfalls muss ich so eine Situation abwarten. Kurz vor 13 Uhr mache ich los und da fällt mir siedend heiß ein, dass um 13 Uhr die Brücke öffnet. Ich hatte mich schon gewundert, weshalb eine Segelyacht vor dem Hafen immer wieder stand. Er wartete auf die Öffnung der Brücke die gleich nach dem Hafen Älmsta kommt. Also gab ich Gas. Die Segelboote vor mir konnte ich noch sehen wie sie Richtung Brücke fuhren doch dann schaltete die Ampel auf Rot – Mist. Im schlechtesten Fall müsste ich jetzt 1 Stunde warten. Ich hatte schon in Erwägung gezogen abzudrehen. Aber die Motorboote kamen wie auf einer Perlenkette aufgereiht entgegen. Also versuchte ich mich mit dem Rückwärtsgang auf der Position zu halten und zu warten, der Wind drückte mich von hinten in Richtung Brücke, seitlich anlegen konnte ich hier nicht. Nachdem die Motorboote durch waren, schaltete die Ampel noch einmal auf Grün. Hatte mich jemand gesehen? Egal, Vollgas und durch.

Vom letzten Jahr hatte ich es in Erinnerung, das man, wenn man mit etwa 5 Knoten fährt, genau zur Öffnung der südlichen Brücke ankommt die jeweils zur halben Stunde öffnet. Aber als ich Richtung der zweiten Brücke kam, kamen wieder die Motorboote wie an der Perlenkette aufgereiht entgegen. Was ist denn hier los?
Letztes Jahr im Juni hatten wir ein einziges Boot auf der ganzen Strecke gesehen. Mir graut es schon etwas vor den Stockholmer Schären. Nachdem der Kanal durchfahren ist und das Gewässer sich weitet, rolle ich die Fock aus. Ich möchte heute auch wieder nur mit dem Focksegel segeln. Der Wind kommt jetzt noch als raumer Wind, also von schräg hinten. Später muss ich abbiegen Richtung Süden um die „Abkürzung“ in den Sund nach Norrtälje zu nehmen. Dann sollte ich den Wind fast direkt von hinten haben. Rückblick zum Väddö Kanal: Diesmal habe ich keinen Baum mitgenommen – kein Grünzeug auf dem Deck 🙂


Anfangs geht das auch noch sehr gut aber dann beginnt der Wind zu zicken. Mal kommt er 10, 20 Grad mehr oder weniger aus der einen und dann aus der anderen Richtung. Inzwischen fahre ich beide Fockschoten aus der Hand und stehe im Cockpit. Denn ab und an ist es auch mal etwas enger oder muss ein Biegung gefahren werden. Als ich dann endlich den Sund erreicht habe kann ich anluven und die Fock bleibt auf Backbordbug. Der Wind schwächelt aber zusehend und ich entschließe mich das Segel einzurollen und den Motor anzuwerfen. Noch eine 3/4 Stunde bis Norrtälje. Ich hatte überlegt noch bei der Tankstelle anzulegen und das Hafenpersonal zu fragen, wo das Servicegebäude ist. Das hatten wir auch im letzten Jahr nicht gefunden.
Doch dann entscheide ich die Plätze vor der Fußgängerbrücke anzusehen, diese sind mit Dalben. Die Dalben sind weit auseinander und die Plätze sehr groß. In solchen Plätzen tue ich mich schwer mit meinem kleinen Boot. Also drehe ich um und fahre zurück an den Gästesteg wo es Heckbojen hat. Ich hatte in der Vorbeifahrt gesehen, dass noch zwei oder drei Heckbojen frei sind und es aufgrund der anderen Boote windgeschützt sein sollte.
Das Anlegen klappt dann auch ohne Probleme. Ein Schwede von einem anderen Segelboot war gekommen um dabei zu helfen. Sehr nett. Die abendliche Sonne scheint schön und warm so das ich im Cockpit im T-Shirt sitzen kann. Die Socken bleiben aber vorsichtshalber an.

Weshalb Norrtälje? Ich hatte in Älmsta noch einmal meine Vorräte überschlagen, vor allem die frischen wie Bananen, Tomaten, Joghurt und Fleisch. Da sieht es wieder mal knapp bzw. eher leer aus. Und wenn ich jetzt in die Stockholmer Schären gehe und Sonntag bis Dienstag in Stockholm bin, könnte das mit dem Einkaufen schwierig werden. Und die kommende Nacht soll es wieder kühl werden (11 Grad). Außerdem ist für morgen kräftiger Wind aus Südsüdwest vorhergesagt. Bedeutet, ich sollte sehr gut segelnd aus dem Sund heraus kommen. Das Problem beginnt eher nach dem Sund, denn dann muss ich Richtung Süden, also gegen den Wind.
Wohin? Ehrlich gesagt: ich habe keinen richtigen Plan. Rödlöga habe ich jetzt einmal als Ziel geplant. Aber ich habe damit mehrere Probleme: Da ich erst nach Mittag los machen kann, werde ich spät ankommen. Angesichts der vielen Boote, die hier unterwegs sind, befürchte ich keinen Platz zu finden. Im schlechteren Fall sehe ich mich umherirren auf der Suche nach einem Ankerplatz, der gut gegen Süd geschützt ist. Windy sagt auch für die Nacht kräftigen Südwestwind mit etwa 20 Knoten voraus. Irgendwie scheine ich mit diesem Revier (Stockholmer Schären) kein Glück zu haben. So etwas wie 10 Knoten Wind aus Nord, Ost oder West mit Sonnenschein und 25 Grad Lufttemperatur wäre schön gewesen.

Ein hartes Stück Arbeit – Kudoxa
Freitag, 24. Juli 2026
Gegen Mittag gehe ich noch schnell in die Stadt, um meine Vorräte etwas aufzufüllen. Nortällje ist eigentlich ganz nett – das denkt man überhaupt nicht, wenn man die „Skyline“ mit den beiden Hochhäusern vom Hafen sieht. Nachdem ich zurück am Boot bin fülle ich noch meine Wasservorräte. Ich benütze den Frischwassertank in diesem Jahr nicht. Gegen Ende des letzten Jahres hatte die Pumpe den Dienst quittiert und ich brauche recht wenig Wasser auch weil ich keinen Grauwassertank habe. Deshalb fülle ich mir immer ein paar PET-Flaschen. Das reicht dann für 2 – 3 Tage. Der Wind bläst wie vorhergesagt aus Süd, auch im Hafen schon deutlich spürbar.


Dann lege ich ab, setzte das Großsegel wobei ich gleich das erste Reff wieder setze. Für heute rechne ich mit bis zu 20 Knoten Wind. Die hat es dann im Sund in Böen auch immer wieder. Überhaupt, Böen – es ist extrem böig im Sund von 7 Knoten bis 20 Knoten ist alles drin und das auch immer wieder schnell wechselnd. Johann ist schnell überfordert und für heute übernehme ich die Pinne. Da der Wind aus Süd kommt kann ich fast immer auf Halbwindkurs segeln, das ist angenehm.


Im Sund ist es trotz der Böen noch relativ angenehm – keine Welle. Doch dann geht es raus aus dem Sund und nun muss ich nach Süd. Das bedeutet gegenan kreuzen. Auf die Fock hatte ich verzichtet. Ich habe noch keine Vorstellung davon, was mich „draußen“ erwartet. Die ersten Wenden gehen ganz gut und ich komme auch voran Richtung Süden. Nur die Geschwindigkeit gefällt mir nicht. Ich habe jetzt eine kabbelige Welle die bremst. Mit 3 bis 4 Knoten komme ich voran. Mein Ziel war die Insel Rödlöga in den äußeren Schären. Hier sollte es mehrere Möglichkeiten auf der Norseite der Insel geben, die gut gegen den Südwind schützen. Denn der Wind soll laut Vorhersage über Nacht ähnlich bleiben. Schon bald wird mir klar das, wenn ich so weiterkomme, ich erst sehr spät das Ziel erreichen würde.

Ein Katamaran überholt mich – er hat keine Segel gesetzt und fährt unter Motor gegen den Wind. Ich entschließe mich es ihm gleich zu tun und starte den Motor. Vielleicht komme ich dann zu einer „normalen“ Zeit am Ziel an. Denn Rödlöga ist wohl sehr beliebt. Im schlechtesten Fall muss ich damit rechnen, keinen Platz zum ankern zu haben und Anlegen an einer Schäre für mich nicht möglich ist. Dann müsste ich abdrehen Richtung Stockholm.
Während der Motor läuft und Johann steuert studiere ich noch einmal die Alternativen. Nördlich von Rödlöga fällt mir die Insel Kudoxa auf – einiges kleiner als Rödlöga. Aber sie hat eine Bucht auf der Nordseite die Schutz gegen den Südwind bieten sollte. Ich zoome in die Navionics-Karte auf dem Plotter. Ja, sie ist als Ankerbucht gekennzeichnet. Ich schaue im Hamnguiden und finde sie auch dort als Ankerbucht mit Möglichkeiten zum Anlegen an der Schäre. Aber die Bucht ist nicht besonders groß. Sollten dort schon ein oder zwei Boote liegen, wird für mich kein Platz mehr sein. Doch sie liegt auf dem Weg also entschließe ich mich diese anzusteuern. Inzwischen haben die Wellen zugenommen. Der Wind liegt bei 17 bis 18 Knoten. Es ist ähnlich wie im letzten Jahr, als ich mich nach Nortällje kämpfte. Miss Sophie macht nur noch 2 bis 3 Knoten Fahrt gegen Wind und Welle. Aber diesmal bin ich nicht unter Druck. Ich muss niemanden abholen. Ich muss nur einen Platz für die Nacht finden.

Da ich kaum voran komme habe ich Zeit. Zeit, die Karten noch einmal zu studieren. Vielleicht war es doch keine gute Idee, eine Insel in den Außenschären auszuwählen. Ich wusste ja, dass etwa 15 bis 20 Knoten Wind vorhergesagt waren. Und inzwischen sollte ich wissen was das bedeutet wenn man gegen den Wind zum Ziel muss. Aber jetzt ist es so wie es ist. Noch 45 Minuten, meint Orca. Erst kurz vor Kudoxa lassen Wind und Welle etwas nach. Es scheint kein anderes Boot in der Bucht zu sein. Ich drossle die Geschwindigkeit und fahre langsam heran. Da ich keinen Zeitdruck habe möchte ich erst einmal in Ruhe schauen wie die Situation in der Bucht ist. Es ist jedenfalls nicht windstill – immer noch 8 bis 10 Knoten Wind. Aber das Wasser ist ruhig, keine Welle. Ich schaue wie tief ich hinein kann. Auf etwa 3 Meter Tiefe möchte ich den Anker werfen. Der Wind soll über Nacht auf Süd bleiben also muss ich nicht befürchten, in die Bucht gedrückt zu werden.
Ich schaue mir die Möglichkeiten zum Anlegen an der Schäre an. Aber die meisten sind aufgrund des Windes ungeeignet für mich. Es gibt einen Felsen, der steil ins Wasser fällt, die Kante etwa 1/2 Meter über dem Wasser. Könnte ich dort vielleicht längs festmachen? Ich versuche einmal langsam mit dem Bug voran an den Felsen zu fahren, um die Tiefe zu messen. Kurz vor dem Fels rumst es – Kiel auf Fels. Sofort werfe ich den Rückwärtsgang ein – das war nichts.
Ich fahre wieder ein Stück raus aus der Bucht und bereite den Anker vor. Dann wieder langsam hinein. Ich versuche mich in der Mitte der Bucht zu halten und die 3,5 Meter Wassertiefe abzupassen. Dann schnell nach vorne und den Anker heruterlassen. 20 Meter Kette plus etwas Leine. Ich starte die Anker-App auf dem Handy und zoome im Plotter. Das Boot schwjoit zu sehr, um über Peilung festzustellen, ob der Anker hält. Die Anker-App und meine Position auf dem Plotter sagen, dass der Anker hält. Motor aus.

Morgen kann ich auf Halbwind erst einmal in die inneren Schären segeln. Und dann muss ich sehen was geht. Der Wind soll auf Südwest drehen – ungünstig, genau die Richtung in die ich muss. Aber hoffe in den inneren Schären Ruhe vor der Welle zu haben. Mal sehen ob das gegenan geht. Das Ziel ist Richtung Stockholm, dort möchte (nicht muss) ich am Sonntag um 12 Uhr sein. Denn ab 12 Uhr habe ich den Liegeplatz im Wasahamn.

Stockholm, ich komme – Linanäs
Samstag, 25. Juli 2026
Die Windaussichten für heute und auch für die nächsten Tage sind nicht besonders toll – Wind aus Südwest. In den Stockholmer Schären gibt es kaum eine andere Möglichkeit als Richtung Südwest, außer natürlich die entgegengesetzte Richtung – Nordost. Aber zuerst einmal geht es von meinem Ankerplatz Richtung Westen, d.h. leicht am Wind. Wind und Welle sind heute etwas angenehmer als gestern, etwa 15 Knoten Wind. So bin ich recht flott in den inneren Stockholmer Schären. Ich versuche mich in Nebenfahrwassern aufzuhalten aber auch dort ist genügend Verkehr durch Segel- und Motorboote. Aber klar, ich bin jetzt in der Nähe der schwedischen Hauptstadt die immerhin 1 Millionen Einwohner hat.

Das Wetter hält, zumindest kein Regen. Aber es bleibt den ganzen Tag weitgehend bedeckt. Auch wenn ich jetzt einige Stunden unter Motor unterwegs bin, ist die Fahrt nicht eintönig. Es ist interessant die Häuser und die unterschiedlichen Inseln zu sehen. Eine Gruppe von Seglern sehe ich beim Anlegen an einer Schäre, sie hatten einen guten Platz gefunden. Auf dem Plotter und dem iPad beobachte ich die Segelboote die AIS senden. Gegen Nachmittag suchen die meisten einen Platz in einer windgeschützten Bucht. Ich habe mich unterwegs entschieden, den kleinen Hafen Linanäs anzusteuern.
Auf der Karte hatte ich den Hafen als windgeschützter eingeschätzt, als er sich dann zeigte. Aber zum Glück hatte es Boxen mit Y-Auslegern. Jetzt habe ich noch etwa 15 Seemeilen bis in das Zentrum von Stockholm. ich bin gespannt.

