Noch einen Tag abwettern

Sonntag, 7. Juni 2026

Der Kollege aus Braunschweig, der Mitte Juli zurück in Stockholm sein möchte, ist gestern früh morgens weiter gezogen. Ohne Wind, wohl nur unter Motor. Das nur unter dem Zeitdruck Mitte Juli in Stockholm zu sein und die große Ostseerunde machen zu wollen. Meins wäre das derzeit nicht – aber man weiß nicht was kommt. Vielleicht komme ich auch noch unter Zeitdruck.

Der Regen hat dann gestern gegen Mittag wie angekündigt eingesetzt. Jedoch ohne Gewitter. Am Vormittag war es noch trocken und ich klebe noch einmal Gafa-Tape über meinen Deckslüfter. Denn die Tage hatte es nach Regen wieder ins Boot getropft. Jetzt scheint es endlich trocken zu sein.

Orca nütze ich auf dem iPad für das Routing unter der Berücksichtigung der aktuellen Windprognosen

Ich nütze die Zeit, verschiedene Häfen und Ankermöglichkeiten in Orca zu übertragen. Orca ist meine zweite Navigations-App, die ich auf dem iPad nütze. Die Seekarten sind nicht sonderlich gut aber ich nütze sie für das Routing. Zusätzlich habe ich noch die Hamnguiden (Hafenführer) für die schwedische Ostküste auf dem iPad. Doch was ich jetzt erst realisierte: Die Hamnguiden enden bei Örsnköldvik. Das war immer sehr hilfreich da die Hamnguiden detaillierte Informationen zu den jeweiligen Häfen oder Ankermöglichkeiten bieten wie einen Ausschnitt der Seekarte, zu beachtende Untiefen, Sehenswertes, Infrastruktur usw.

Unter guten Voraussetzungen denke ich Örnsköldvik in zwei Tagen zu erreichen. Das ist der Plan. Mittwoch soll es voraussichtlich noch einmal den ganzen Tag regnen. D.h. in Örnsköldiv werde ich noch einmal gut Vorräte auffüllen denn der nächste Stopp dafür wird wohl erst Luleå sein.

Ein langer Tag….

Montag, 8. Juni 2026

Alles schläft im Hafen um 6 Uhr morgens

Im Hafen ist noch alles ruhig früh morgens um kurz vor 6 Uhr. Die Sonne scheint schon kräftig, strahlend blauer Himmel. Aber selbst dies scheint nach 3 Tagen mit durchwachsenem Wetter kaum jemand aus den Kojen zu treiben. Die Finnen sind bereits gestern weitergezogen. Ich mache mir zwei Kaffee und esse einen Müsliriegel. Hier in Schweden gibt es die „Flap Jack“. Das ist wie eine Mahlzeit. Dann mache ich los. Im Sund hat es noch leichte Nebelschwaden. Das Wasser ist spiegelglatt. Das Wetter soll heute gut sein und Windy und Orca setzen auf ausreichend achterlichen Wind aus Südost.

Doch auch draußen, raus aus dem Sund, ist nichts mit Wind. Gerade einmal 5 Knoten aber dafür jetzt etwas Welle. Und wieder einmal kommt der wenige Wind aus der falschen Richtung. Egal. Ich möchte Örnsköldvik erreichen also muss ich jetzt da durch. Hinter mir, näher am Festland, sehe ich zwei andere Segler auf dem Plotter die noch segeln – gegenan. Obwohl mit 10 Meter Länge, einiges größer als mein Boot, mit gerade einmal 3,5 Knoten. Aber irgendwann müssen auch sie die Segel streichen und den Motor anwerfen. Einer dreht recht bald ab in eine Bucht. Hat wohl keine Lust zu motoren. Der andere begleitet mich noch eine ganze Weile und biegt nach der Insel Härnön zum Naturhafen Lustholmen ab. Dort war ich auch im letzten Jahr – sehr schönes Fleckchen.

Gerade als er abgebogen war, dreht der Wind und frischt auf. Endlich – nach 7 Stunden Motor Segel setzen. Raumschots geht es mit etwa 5 Knoten voran. Die Welle ist bei dem Wind auszuhalten. Johann, mein Pinnenpilot macht seinen Job und ich kann etwas dösen. Das geht so etwa 2 1/2 Stunden gut bis plötzlich, wie aus dem Nichts, der Wind schwach wird und auf Südsüdost dreht. Also genau von hinten. Mit der Welle schlägt der Großbaum hin und her und Johann weiß nicht mehr was er steuern soll. Mist. Also Segel wieder runter und Motor wieder an. Noch zwei Stunden bis Barstahamn – meinem Tagesziel.

Barstahamn hatte ich schon im letzten Jahr auf meiner Bucket Liste, hatte mich dann jedoch für Bönhamn entschieden. Die beiden Häfen liegen nur wenige Seemeilen auseinander weshalb es wenig Sinn macht, diese hintereinander zu machen – außer man hat extrem viel Zeit.

Der Hamnguiden (mein schwedischer Hafenführer) meint, dass der Schwell in die Bucht reichen kann, wenn der Wind aus Südost kommt. Doch mittlerweile hat der Wind wieder etwas gedreht und ich möchte es versuchen. Nach den ersten vorgelagerten Inseln lässt der Schwell nach und das Wasser ist ruhig. Es sollten keine Schwierigkeiten beim Anlegen zu erwarten sein. Wie erwartet ist der kleine Hafen leer. Wobei, ich war und bin ja immer noch überrascht darüber, um diese Zeit hier so viele Segler zu sehen – im Vergleich zum letzten Jahr.

Festgemacht in Barstahamn

Am frühen Abend ist es so warm, dass ich im T-Shirt hier sitze und das Anlegerbier öffne.

Für morgen erwarte ich noch weniger Wind und Mittwoch soll es regnen. Also wird das morgen wieder ein Tag für Otto – Otto ist meine Einbaumaschine. 1 Zylinder, 9 PS.

Noch einmal ein Motor-Tag

Dienstag, 9. Juni 2026

Es war schwacher Wind für heute angekündigt. In das Hafenbecken (sofern man das so nennen kann) blies der Wind jedoch mit etwa 7 Knoten hinein und ich hatte Mühe Miss Sophie zu befreien. Ich hatte längsseits festgemacht da ich alleine war und ich musste das Boot relativ weit nach hinten verlegen da sonst mein Landstromkabel nicht bis zum Verteiler gereicht hätte. Zudem hatte ich in der Nacht gespürt, dass ich gerade so mit dem Kiel aufsaß. Also wenn einmal ein paar Wellen ins Hafenbecken drängten. Weiter nach hinten durfte ich also nicht – sonst hätte ich ein größeres Problem gehabt.

Barstahamn im Rückspiegel

Aber mit etwas Motorunterstützung bekam ich Miss Sophie schließlich frei und raus. Zuerst ging es zwischen ein paar Inseln etwas enger hindurch und an Bönhamn vorbei. Dort war ich letztes Jahr zwei Tage. Auch nett, eigentlich netter als Barstahamn – finde ich. Der erhoffte Wind, den ich noch im Hafen hatte, blieb dann draußen aus. Etwa 5 Knoten und wieder einmal aus Nordost. Zwischenzeitlich prüfte ich noch den Seewetterbericht von SMHI. Wind aus SO, etwa 4 – 7 Knoten am Nachmittag zunehmend. Das einzige was stimmte war die Windstärke. Die blieb dann aber auch so für den ganzen Tag. D.h. nicht ganz – vor Trysunda drehte der Wind mal Richtung Ost und hatte eine annehmbare Stärke – knapp 10 Knoten. Also zog ich hoffnungsvoll das Großsegel hoch. Doch kaum hatte ich das Segel oben, schlief der Wind wieder ein. Es ist wirklich verhext. Eine Weile fahre ich mit Motor und hochgezogenem Großsegel, das genau im Wind flattert. Es hilft nichts – ich muss das Segel wieder herunterholen.

Ich fahre weiter unter Motor zwischen den Schären hindurch. Dabei fahre ich an einigen Orten vorbei, die ich letztes Jahr besucht hatte. Bönhamn, Ulvohamn, Trysunda… Aber da hatte ich viel Zeit – jetzt bin ich etwas unter Zeitdruck denn das Ziel Haparanda steht noch. In Örnsköldvik wird die Rechnung gemacht…

Nach 7 Stunden erreiche ich schließlich Örnsköldvik. Das war im letzten Jahr der nördlichste Punkt, den ich auf meiner Reise erreicht hatte. Jetzt beginnt dann Neuland für mich.

Festgemacht in Örnsköldvik – wieder alleine…
Same procedure as last year…. Miss Sophie zwischen Glas und Flasche im Hintergrund

Morgen Vormittag soll es regnen aber ab Nachmittag wieder trocken sein. Das passt in meinen Plan denn ich wollte hier noch einmal die Vorräte auffrischen denn ab jetzt wird es dünn mit größeren Ortschaften oder Städten.

Zwischenfazit

Ich hatte mir als erstes Ziel gegeben, zügig in Örnsköldvik zu sein – meinem Umkehrpunkt im letzten Jahr. Hier wollte ich sehen wie ich zeitlich liege und entscheiden ob es weiter Richtung Haparanda oder zurück gehen soll. Ich hatte grob überschlagen, mit wieviel Seemeilen ich in Summe am Ende rechnen müsste – das sollten ca. 1700 sm sein. Im letzten Jahr hatte ich teilweise gemütlich und mit technischen Problemen 1500 sm gemacht.

Wie im vergangenen Jahr habe ich ca. 100 Tage Zeit (wobei „Zeit“ im Juli/August wieder relativ ist, da Workation). Im letzten Jahr hatte ich etwas mehr als 60 Segeltage. Dabei hatte ich jedoch zweimal technische Probleme und nach der Entscheidung, Haparanda fallen zu lassen, hatte ich es gemütlich angehen lassen.

Start und Ziel – etwa 830 sm von Örnsköldvik nach Öregrund. Die abgekürzte Ostseerunde

Bisher habe ich einen Schnitt von 30 sm je Segeltag. Wenn ich den Schnitt halten kann, sollte ich bei 65 Segeltagen 1900 sm machen können. Vor einigen Tagen habe ich noch etwas gelächelt über den Kollegen aus Deutschland mit einem etwas kleinerem Boot, der die große Ostseerunde machen und Mitte Juli zurück in Stockholm sein möchte. Doch inzwischen denke ich, dass das auch für mich nicht so abwegig ist. Zumindest in Öregrund sollte ich Mitte Juli sein. Wenn ich das einmal auf der Karte grob abstecke sind es ca. 830 sm von hier bis Öregund – nach meinem Plan. Bis Mitte Juli sind es 30 Tage – 20 Segeltage netto. Dann komme ich wieder auf den Schnitt von 30 sm je Segeltag. Das sind solche Rechnungen, die ich alle paar Tage mache. Das Ziel ist und bleibt ambitioniert.

Mein Problem: Ich kann kaum schneller, ich kann kaum mehr. Das Problem ist die Größe des Bootes. Mit meinen 28 Fuß (8,20 Meter) bin ich hier der kleinste. Die meisten Segelboote sind 37 Fuß und größer. Das sind 2,5 Meter mehr Länge (und mehr) als mein Boot. Es gibt eine einfache Redensart: „Länge läuft“. Mit zwei Worten wird ein physikalisches Gesetz aller Verdränger beschrieben. Während die anderen unter Motor und unter Segel locker 6 bis 7 Knoten machen, mache ich einen Schnitt von etwa 4,5 Knoten – wenn es gut läuft.

Es läuft wieder nicht wie geplant…

Mittwoch, 10. Juni 2026

Die Wettervorhersage kündigt Regen an der bis Mittag aufhören soll. Die Wind soll dann moderat – etwa 20 Knoten betragen. Der Regen ist dann tatsächlich gegen Mittag weg. Doch der Wind nimmt mehr und mehr zu. Hier im Hafen messe ich bis 25 Knoten. Draußen hat es wohl Böen bis 30 Knoten. Auf dem AIS sehe ich ein Segelboot am Eingang des Sunds. Ich gehe erst einmal duschen und einkaufen.

Als ich zurückkomme sehe ich ein finnisches Paar an einer Heckboje kämpfen. Die Frau ist bereits auf dem Steg und er wirft ihr eine Leine zu. Aber bei dem starken Seitenwind bekommen sie das Boot nicht an den Steg. Ich komme um zu helfen. Mit vereinten Kräften schaffen wir es den Bug Stück für Stück an den Steg zu bringen.

Die Frau sagt mir, dass es draußen sehr hohe Wellen gehabt hätte. Die Messboje Bothnia Sea meldet 1,8 Meter.

Es ist ähnlich wie im letzten Jahr als ich hier war. Da war auch so ein Starkwindtag der die Wellen über den Schwimmsteg schwappen lies. Für morgen sieht es besser aus und ich werde morgen versuchen Meilen zu machen.

Ein genialer Segeltag – auf nach Umeå

Donnerstag, 13. Juni 2026

Dass es so gut laufen sollte, hatte ich mich nicht gewagt zu träumen. Optimisch hatte ich trotzdem einmal Umeå als Ziel im Orca eingegeben. Abbrechen konnte ich immer noch. Wind aus Süd mit Windstärke 10 Knoten (plus) war angekündigt. Früh am Morgen ging es raus aus dem Sund von Örnsköldvik, natürlich unter Motor denn der Sund ist Richtung SO bzw. NW ausgerichtet (mit einer Stelle an der es genau Richtung Süd geht).

Alle einsteigen – die Segel sind gesetzt, die Fahrt kann beginnen

Nachdem ich raus aus dem Sund war, schon in Höhe Skeppsmalen, konnte ich die Segel hochziehen. 10 Knoten wie angekündigt und zuerst ging es ein Stück auf Halbwind – da läuft das Boot am besten. Dann musste ich mehr und mehr abfallen Richtung Nordost. Aber die Vorhersage hielt was sie versprochen hatte und es ging gut mit 5 Knoten voran. Nur einmal lies der Wind etwas nach und ich hatte schon Sorge wieder einmal nicht zutreffenden Vorhersagen aufzusitzen. Doch dann zog der Wind an und Miss Sophie beschleunigte. 5 bis 6 Knoten mit gut auszuhaltender Welle. Als 15 Knoten auf der Windanzeige standen, wurde ich schon etwas unruhig. Mehr sollten es jetzt nicht werden denn ich hatte kein Reff im Großesgel – also die volle Segelfläche. Einige Male sprang die SOG (Speed over Ground) Anzeige über 6,5 Knoten. Ich hatte keine Lust zu surfen – damit habe ich keine guten Erfahrungen gemacht. Aber es pendelte sich dann ein und ging flott dahin. Ich konnte es mir wieder gemütlich machen und alle 10 bis 15 Minuten Ausguck halten.

Ein „Fairway Maintenance“ Boot (wahrscheinlich schauen sie nach den Tonnen im Fahrwasser) kam mir entgegen, wich mir aber aus. Plötzlich sah ich vorab auf Backbord ein kleines Segelboot. Er segelte nur mit der Genua und auch weil das Boot etwas kleiner war als meines zog ich relativ zügig an ihm vorbei.

Zwischenzeitlich hatte ich etwas Hunger. Der Wind lies langsam nach wie es für den Abend angekündigt war. Da das Boot relativ stabil lief, nur ab und an eine etwas höhere Welle störte, setzte ich einen Topf mit Wasser auf und holte eines der Travel-Menüs aus der Backskiste. Für solche Situation finde ich diese genial. Einfach mit heißem Wasser aufgießen, Beutel wieder verschließen und 10 Minuten ziehen lassen. Und schon hat man eine warme, kraftvolle Nahrung. Bis ich gegessen hatte, hatte der Wind weiter nachgelassen und die Geschwindigkeit sank auf unter 3 Knoten. Auch wenn es gerade nicht mehr richtig dunkel wird, hatte ich keine Lust spät in der Nacht im Hafen anzukommen. Zudem bei nachlassender Geschwindigkeit die Welle zunehmend nervt.

Also beschließe ich die Segel herunter zu holen und den Motor anzuwerfen. Als ich das Großsegel berge staune ich nicht schlecht – die „Zitrone“ das kleinere Segelboot welches ich vor einiger Zeit überholt hatte und noch kaum sichtbar war, stand fast hinter mir. Er hatte wohl schon früher den Motor angeworfen und war als Motorsegler unterwegs.

Aber bald hatte ich dann doch wieder Abstand gewonnen und nahm jetzt direkten Kurs auf die Einfahrt nach Umeå. Auf dem Plotter und in etwas Entfernung sah ich eine Fähre mit hoher Geschwindigkeit. „VASAUMEAVASA“ wurde auf dem Plotter angezeigt. Also eine Fähre die zwischen Vasa (Finnland) und Umeå verkehrt. Mich störte sie nicht denn diesen Fairway sollte ich nicht nehmen. Es ging zuerst etwas eng zwischen ein paar vorgelagerte Inseln hindurch und damit war die Welle auch weg und das Wasser glatt. Eigentlich hätte ich den kurzen Weg außerhalb des Fahrwassers nehmen können. Doch immer wieder zwingen mich ausgelegte Fischernetze den Umweg Richtung Fahrwasser zu nehmen. Und dort kommt mir jetzt ein Frachtschiff entgegen. Aber da ich am Rand des Fahrwassers, knapp außerhalb davon bin, kommen wir problemlos aneinander vorbei.

Nach 12,5 Stunden und knapp 60 sm habe ich den Umeå Segelsällskap erreicht. Im Bredvik Gästhamn finde ich die Gästeplätze, die alle leer sind. Ich gehe zum Clubhaus um Informationen zur Bezahlung und zum Zugang der sanitären Einrichtungen zu finden. Ein Schwede mit gelber Warnweste kommt daher. Er hat Nacht- bzw. Wachdienst. Er sagt mir, dass sie das zweimal im Jahr machen müssen. Er erklärt mir alles, gibt mir einen Zugangsschlüssel und auch noch ein Schlüssel für ein Fahrradschloss, für den Fall dass ich mit einem der Fahrräder am nächsten Tag in den Ort fahren möchte. Alles fein hier, nicht Schnicki-Micki aber gemütlich und sehr ordentlich.

Morgen soll es die meiste Zeit regnen weshalb ich gleich geplant habe, zwei Tage hier zu bleiben. Und dann mal sehen was am Samstag geht…

Jetzt wird es kitschig – es geht auf Mittsommer zu

Regentag im Umeå Segelsällskap

Freitag, 12. Juni 2026

Der Regentag heute kam nicht überraschend. Das war mit ein Grund dafür, die guten Bedingungen gestern zu nützen und einen langen Schlag zu machen. Ich nütze den Tag weiter zu planen. Morgen sollte ich noch einmal einen guten Schlag machen können – Wind und Wetter sollten passen. Dann muss ich mir einen Hafen suchen der gut gegen Nord geschützt ist. Am Sonntag wird ein Sturmtief durchziehen das für Starkwind sorgt.

Sonntag wird es wohl sehr windig

Töre sollte ich dann in vier weiteren Etappen erreichen wobei ich sehen muss wie es nächste Woche läuft denn der Wind soll auf Nord drehen und insgesamt wird das Wetter etwas unsicher.

Am Abend koche ich mir Spaghetti Bolognese in der Küche des Clubheims. Die Bolognesesauce sollte für zwei weitere Portionen reichen und somit wandert der Rest in die Kühlbox. Denn die nächsten Möglichkeiten anzulegen sehen weder Landstrom noch Gastronomie vor. Und sollte es eine Gastronomie in der Nähe haben: Die Saison hat hier (Mitte Juni) noch immer nicht begonnen. D.h. die Gastronomie außerhalb, an typischen Sommerplätzen, ist hier im hohen Norden immer noch geschlossen. Die meisten Schweden haben ab Mittsommer Ferien – dann beginnen die Schulferien die bis Ende August gehen.

Trotzdem ein guter Tag

Samstag, 13. Juni 2026

Wie jeden Abend vor einem Segeltag habe ich die aktuellen Wind- und Wetterprognosen am Vorabend studiert. Die Prognosen schienen so gut, dass der Bjuröklubb Hafen möglich schien. Das wären zwar etwa 60 sm (neuer Rekord), aber machbar. Dabei ging Orca aber von etwa 15 Knoten Raumwind aus.

Jedenfalls stand ich früh auf, denn es könnte ja ein langer Tag werden. Schlüssel für das Clubhaus abgegeben, alles seefertig gemacht und los ging es um etwa 7.30 Uhr. Erst einmal wieder durch die vorgelagerten Inseln hindurch. Wie bei der Einfahrt verwehrten Fischernetze den kürzesten Weg und ich musste eine ungewollte Kurve machen. Diesmal war jedoch auch der Fischer da, der mir (dankend?) zuwinkte.

Umeå erscheint vor allem als Industriestadt

Als ich das Fahrwasser der Fähre Umeå – Vasa gequert hatte (die zum Glück gerade nicht in die Quere kam) und „draußen“ war, trat Ernüchterung ein. Wind etwa 7 bis 8 Knoten. Aber wenigstens aus der richtigen Richtung – Südsüdost. Also Segel gesetzt und auf Raumwind- bzw. fast Vorwindkurs ging es immerhin mit etwa 4 Knoten voran. Dankbarerweise hatte es so gut wie keine Welle so dass die Segel recht gut standen.

Aber meine berechnete Ankunftszeit verschob sich mehr und mehr Richtung Mitternacht. Dabei berechnet Orca die Ankunftszeit wie jede andere Navigationssoftware – nach der aktuellen Geschwindigkeit. Ich studiere noch einmal Windy und die Seewettervorhersage. Gegen 22 Uhr soll der Wind schwach werden und schließlich auf Nord drehen.

Nur 4,3 Knoten – das ist zu wenig

Ich schaue mir das noch eine Weile an, hoffe immer noch, dass der Wind anzieht. Aber ich muss schließlich eingestehen, dass das keinen Sinn macht. Das ist auch zu riskant. Nach Mitternacht rückt dann der Starkwind aus Nord an. Die Helligkeit wäre nicht das Problem – es wird ja nicht mehr dunkel. Ich hatte schon Alternativen geplant da ich wusste, dass dazu die Bedingungen wirklich ideal sein müssten. Also plante ich um auf Sikeå. Neu berechnete Ankunftszeit etwa 18.30 Uhr. Das ist auch gut. Dann kann ich noch in Ruhe essen und vor allem: alles sturmfest machen. Der Hafen soll zwar gut geschützt sein gegen Nordwind aber hier ist ringsum alles flach – kaum eine Erhöhung, die man einen Hügel nennen könnte.

Raumwindkurs

Zwischenzeitlich hatte der Wind dann doch etwas zugenommen und ich musste die erste Halse planen. Entgegen der Planung von Orca schaffte ich es an der Insel Holmön noch ohne Halse vorbei. Doch bald zwang mich eine Untiefe nun doch die ungeliebte Halse zu machen. Einhand ist das (oder scheint mir) immer etwas schwieriger als eine Wende. Inzwischen mache ich es in der Regel so, dass ich davor zuerst die Fock einrolle damit ich mich auf das Großsegel konzentrieren kann. Also Halse gemacht, Fock wieder ausgerollt und weiter geht es. Inzwischen hat der Wind etwas gedreht so dass ich sogar die Hoffnung habe, mit nur noch einer Halse bis Sikeå durchzukommen. Ich kann es mir bequem machen und döse etwas. Weit und breit ist nichts zu sehen. Nur zwei Rettungsschiffe brettern an mir mit 30 Knoten in einiger Entfernung vorbei.

Ich kann es mir bequem machen….

Doch dann dreht der Wind wieder etwas – diesmal in die ungünstigere Richtung und ich muss zwei weitere zusätzliche Halsen machen. Vor der Einfahrt nach Sikeå werfe ich den Motor an und berge die Segel. Die Einfahrt ist unkompliziert. Ich frage mich nur, ob es im Hafenbecken tief genug ist und schaue ob ich Segelmasten hinter den Birken sehe, die den direkten Blick verwehren. Da sehe ich einen Mast bei dem ich denke „den Mast kenne ich doch“. Er ist deshalb auffallend, weil er im Top einen quadratischen Radarreflektor hat – das hatte ich noch nie gesehen. Und tatsächlich – „Schröder“, der Kollege aus Braunschweig der die große Ostseerunde machen möchte und Mitte Juli in Stockholm sein muss, liegt hier.

Festgemacht in Sikeå

Selbstverständlich springt er heraus und hilft beim Anlegen an der Heckboje. „Dich hätte ich jetzt in Haparanda vermutet“, meine ich. Er hat wohl auch einige Tage abgewettert und kam nicht schneller voran.

Nachdem ich alles sturmfest, die Heckboje mit Hilfe der Winsch noch einmal extra dicht geholt und gegessen habe, lasse ich zum ersten Mal in Schweden die Drohne starten und mache ein Video (Die Videos vom letzten Jahr findet man auf Youtube).

So, nun habe ich wieder einen Tag an dem ich planen und Gedankenspiele machen kann. Haparanda rückt langsam in greifbare Nähe…

Die Ruhe vor dem Sturm…

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