Dienstag, 24. Juni 2025

Es zehrt an den Nerven… Wir haben bzw. hatten jetzt zwei Tage auszusitzen hier in Öregrund. Da ich das Thema mit meiner Lichtmaschine habe, recherchiere ich, welche Lichtmaschine ich benötige. Ich habe einen Volvo Penta MD2001 aus 1991 (oder 1992). Die Lichtmaschine als Originalteil gibt es seit langem nicht mehr. Aber zahlreiche Nachbauten. Nur welche ist die richtige? Und wo bestellen? Alleine dies beschäftigt mich Stunden. Beim Lieferanten noch einmal versichern, ob die ausgewählte Lima wirklich passt. Dann Klärung wegen Versand nach Schweden. Was mir jetzt fehlt, ist eine Anlieferadresse. Unser Plan für die kommenden Tage sieht zuerst eine Ankerbucht und dann den Hafen von Gävle vor. Also Gästehafen Gävle versucht anzurufen – nimmt niemand ab. Mail geschrieben, keine Antwort. Der Gästehafen wird von der Kommune (Stadt) verwaltet (am späten Nachmittag kam dann eine Antwort. Da hatte ich die Lima schon mit der Adresse des Segelclubs bestellt.

Die Suche einer Anlieferadresse

Weitere Recherche – Frage in der Facebook-Gruppe „Schwedenfreunde“ gestellt, auch ob es so etwas wie „postlagernd“ in Schweden gibt. Gibt es wohl nicht. Dann Antworten, die nichts mit meiner Frage zu tun haben (das nervt mich immer gewaltig). Dann ein Tipp von dem älteren Seglerpaar welches ich in Kalmar kennengelernt hatte. Etwas nordöstlich von Gävle gibt es einen Segelclub. Sie senden mir Infos mit einer Telefonnummer. Doch die stimmt wohl nicht mehr. Wieder neu recherchieren. Auf der Facebook-Seite des Segelclubs eine neue Telefonnummer gefunden. Kurz angerufen – nach zwei Sätzen legt dieser auf und blockiert weitere Anrufe. Dann in meinem Hamnguiden geschaut. Neue Telefonnummer gefunden. Endlich klappt die Kommunikation. Die Frau gehört aber wohl zum Restaurant, nicht zum Segelclub. Sie meint ich kann die Adresse versuchen, die ich im Internet gefunden habe. Also Lima bestellt. Jetzt bleibt nur hoffen, dass das klappt.

Anmerkung für Besserwisser

Ja, ich weiß, dass es sein kann (vielleicht sogar wahrscheinlich ist), dass nur der Laderegler der Lima defekt ist und ausgetauscht werden muss. Aber: welchen Laderegler ich benötigen würde, würde ich erst sehen, wenn ich die Lima und den Laderegler ausbaue (Teilenummer auf dem Laderegler). Erst dann könnte ich einen Laderegler bestellen. Sollte sich dann herausstellen, dass es nicht nur der Laderegler ist, habe ich umsonst einen Laderegler bestellt und verliere noch einmal weitere Tage, um eine Lichtmaschine zu bekommen. Ich habe keine Lust deshalb zwei Wochen in einem Hafen zu verbringen. Deshalb war es ja auch mein Ansinnen, einen Hafen als Anlieferadresse zu suchen, den ich in den nächsten Tagen erreichen werde und nicht in einem Hafen nach der Adresse zu fragen und dann dort ggf. 4 Tage auf ein Paket zu warten.

Um dieses Teil geht es – das ist die Lichtmaschine. Über den Keilriemen wird sie angetrieben und erzeugt Strom

Hafen Öregrund

In Öregrund soll im Sommer der Bär steppen. Zahlreiche Lokale säumen sich um den Hafen und im Sommer soll es hier laute Musik bis spät in die Nacht geben. Der Hafen ist dann laut anderen Deutschen, mit denen ich kurz gesprochen habe, rappelvoll. Miss Sophies Kennzeichen KN 53989 fällt auf. Das Paar ist aus Friedrichshafen und hat ein Motorschiff an der Ostsee liegen.

Öregrund wurde 1491 von den Einwohnern Osthammar gegründet deren Hafen aufgrund der Landhebung zu flach wurde. Öregrund ist der einzige Ort an Schwedens Ostküste, an dem man den Sonnenuntergang in der Ostsee beobachten kann. Der Ort ist bekannt als eine der am besten erhaltenen Holzstädte des Landes weshalb er im Sommer viele Touristen anzieht. Der Hauptteil der Bebauung stammt noch aus dem 18. und 19. Jhd.

Der Hafen bzw. die Sanitäranlagen sind nicht der Hit. Toiletten aus Edelstahl und eine Wanne als Pissoire auf der Herrentoilette haben etwas Bahnhofscharakter. Waschmaschine und Wasser am Steg müssen extra bezahlt werden – das ist eher nicht üblich.

Im Hafen kachelt es immer noch mit gut 20 Knoten und es regnet. Eben kam ein kleines Segelboot mit Außenborder aus der Richtung Väddö-Kanal. Kurz vor dem Hafen fällt der Außenborder aus. Zum Glück ist die Hafenmeisterin noch da die schnell ein Schlauchboot hinaus schickt, um den Havaristen sicher in den Hafen zu bringen. So schnell kann es gehen…

Endlich geht es weiter…

Mittwoch, 25. Juni 2025

Zwei Tage Zwangspause können lang sein. Insbesondere, wenn man sich mit so unliebsamen, zähen Dingen beschäftigen muss wie ich es musste.

Das nächste Ziel ist Gävle. Dort könnte mein Bekannter einen Schnellzug nach Stockholm nehmen. Allerdings sind das gut 50 sm und der Wind ist für den Tag nicht besonders gut vorhergesagt. Anfangs 10 – 15 Knoten aus NNW, später drehend Richtung NW bzw. West und stark abschwächend. Also wird ein Ziel dazwischen gesucht. Es gibt zwei Optionen – eine kleine, vorgelagerte, flache Insel auf deren Südseite es zwei Bojen vom SXK hat. Die Bojenflagge habe ich aber die fehlende Abdeckung gefällt mir nicht. Zweite Option ist die Ankerbucht Rödhall-Måsörarna. Was mir an dieser nicht gefällt: Sie ist nach Norden offen und hat zahlreiche Steine unter Wasser. Trotzdem entscheide ich diese anzusteuern. Das war wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Aber die Windvorhersage sagt Nordwest – dann sollte die Bucht genügend Schutz bieten.

Die See hat sich relativ beruhigt. Es steht aber immer noch eine kabbelige Welle die sich erst etwas gutmütiger zeigt, nachdem wir etwas aus dieser Art Bucht bei Öregrund sind. Der Wind kommt wie vorhergesagt mehr oder weniger von vorne. D.h. gegenan kreuzen. Mein Bekannter hatte sich am Vorabend noch mit einem deutschen Segler im Hafen von Öregrund unterhalten. Er ist mit einer Ecume de Mer mit Ziel Haparanda unterwegs. Er hatte etwa 1 Stunde vor uns abgelegt. Bald haben wir ihn eingeholt. Sein Boot tut sich auf der Kreuz schwer.

Wie angekündigt lässt der Wind im Laufe des Nachmittags nach und kommt jetzt weiter aus NW – die Richtung in die wir möchten. Gleichzeitig jetzt eine langgezogene Welle die immer wieder unter dem Boot durchrollt. Mehrere Segler kommen uns entgegen bzw. fahren an uns vorbei – ohne Segel nur unter Maschine.

Etwa 10 sm vor dem Ziel entscheide auch ich die Segel zu streichen damit wir noch zu einer normalen Zeit ankommen. Die Einfahrt zur Bucht ist nicht einfach. Andererseits markiert der leichte Schwell die Einfahrt. In die Bucht geht es dann im Standgas. Auf Orca finden sich überhaupt keine Details. Aber anhand der Navionics-Karte kann ich mich ganz gut orientieren. Schließlich fällt der Anker auf 4 – 5 Meter Wassertiefe und fast 20 Meter Kette werden ausgebracht. Anker eindampfen und Ankeralarm stellen. Gegen Morgen soll der Wind wieder auffrischen.

Herrliche Ankerbucht und wir haben sie für uns ganz allene
Stimmung in der Ankerbucht um 23 Uhr. So richtig dunkel wird es derzeit nicht

Die Nacht ist unruhig

Ich habe mich noch nicht daran gewöhnt, vor Anker zu liegen. Obwohl ich eine Ankerkralle gesetzt habe (das ist eine Entlastung bzw. Entkoppelung der Ankerkette vom Boot) sind es andere Geräusche als wenn man im Hafen liegt. Und da ist immer die Sorge, dass der Anker hält. Erst gegen Morgen finde ich einigermaßen Schlaf. Dann, plötzlich, ein lautes Geräusch. Aufgesprungen und zur Ankerkette. Die Ankerkralle ist weg. Also richtig weg. Sie liegt wohl in 5 Meter Tiefe. Palstek – was ein doofer Knoten. Unter Wassersportlern sehr beliebt, weil er sich leicht lösen lässt. Aber ohne Belastung kann es passieren, dass er von selbst aufgeht. Also Ankerkette provisorisch auf die Klampe und noch zwei Stunden schlafen.

Etappenziel Gävle

Donnerstag, 26. Juni 2025

Dann geht es los. Wieder einmal die Diskrepanz zwischen dem Routenvorschlag von Orca und der Realität. Laut Orca sollte die Windrichtung passen, um alles segeln zu können. Doch zuerst einmal Anker lichten. Mit etwas Gas im Vorwärtsgang lässt sich der Anker lösen. Dann erst einmal unter Motor raus aus der Ankerbucht und um eine Ansammlung von Steinen herum. Danach Kurs Richtung Gävle also Nordwest. Wieder einmal Wind aus Nordwest. Also muss zuerst die Maschine weiterlaufen. Dazu eine unangenehme Welle, die immer wieder mit etwa 1 Meter Höhe unter dem Boot durchrollt. Nichts für einen schwachen Magen.

Erst langsam dreht der Wind auf Nord und später auf Nordost und zuletzt auf Ost (das, was eigentlich angekündigt war) und wir können die Fock setzen und auf den Motor verzichten. Da der Wind eben sehr von hinten kommt und immer noch diese Welle ärgert, ist hier die Fock die bessere Wahl. Patenthalsen hatte ich genug. Die Einfahrt Gävle ist teils eng durch Fahrwassertonnen begrenzt. Es geht aber weiterhin alles gut unter Segel. Nach dem Passieren der ersten Inseln ist auch die Welle weg.

Bevor der Kurs Richtung Gävle gesetzt werden kann, müssen einige unter Wasser liegende Steine umrundet werden

Gävle erscheint als moderne Industriestadt. Ganz anders als die Städte, die ich bisher an der schwedischen Ostküste gesehen habe. Die Stadt wurde 1446 gegründet (älteste Stadt Norrlands) und brannte mehrfach nieder, zuletzt 1869. Lange Zeit war Gävle eine stapelstad, also eine Stadt, die das Recht zum internationalen Handel besaß.  U.a. gibt es hier ein großes Unternehmen der Papier- und Verpackungsindustrie weshalb am Eingang der Bucht die Holzlager gleich auffallen.

Miss Sophie in Gävle

Eingangs, vor der Stadt, liegt ein Sportboothafen. Doch zum einen verlässt mich am nächsten Tag mein Bekannter Richtung Heimat (d.h. er muss auf den Zug) und zum anderen möchte ich in Gävle noch einkaufen (hier gibt es einen Lidl). Also steuern wir die Liegeplätze im Zentrum an. Alles sehr neu gemacht. Neue Sanitäranlagen (mit Sauna) und neue Stege. Einzig was stört: Hinter der Brücke liegen einige Motorboote die hier gerne etwas zu schnell fahren und damit für ordentlichen Schwell sorgen.

Ankerbucht Rödhall > Gävle

Ein weiterer (Regen-) Ruhetag

Der heutige Regen- bzw. Ruhetag war nicht ganz so dramatisch. Zum einen wollte ich noch einkaufen (in Gävle gibt einen Lidl) und ich wollte noch bei einem Marineshop vorbei der gleich beim Lidl um die Ecke ist. Einziger Wermutstropfen: Heute regnet es und es sind fast 4 km zu Fuß dorthin. Die Busverbindung ist nicht sonderlich gut. Also Segeljacke an und losgelaufen. Vor dem Marineshop dann Frust – geöffnet von Montag – Donnerstag. Heute ist Freitag. Also der Weg war umsonst. Aber der Einkauf bei Lidl war wenigstens erfolgreich.

Morgen geht es dann unter Motor rüber zum Segelclub Gävle. Das sind nur 5 sm. Heute bei dem Regen wollte ich das nicht machen da das Fahrwasser hier stellenweise sehr eng ist und links und rechts davon wird es sofort richtig flach. Und dann hoffe ich einmal, dass meine Lichtmaschine morgen ankommt. Ansonsten werde ich dort bis Montag wohl warten müssen. Das wären dann wieder zwei verlorene Tage…

Update von Nord Post

Am Morgen prüfe ich den Sendungsstatus meines Pakets. Jetzt ein Update von Nord Post: Voraussichtlicher Zustelltermin ist Dienstag, 1. Juli. Das ist doppelt doof. Zum einen weil ich jetzt zwei Tage mit Warten und Nichtstun verbringe und zum anderen weil dies meine letzten Urlaubstage sind.

Am 1. Juli muss ich wieder arbeiten. Zwar reduziert und auf dem Boot aber trotzdem werde ich ab 1. Juli nicht mehr den vollen Tag zum Segeln zur Verfügung haben. D.h. ich muss da auch erst einmal sehen, wie sich beides arrangieren lässt. Und für Mittwoch und Donnerstag nächste Woche ist schon wieder Regen vorhergesagt.

Für den heutigen Tag mache ich erst einmal das Beste daraus. Ich ändere meinen Plan und schaue mir heute Gävle an. Gävle würde ich nicht als besonders sehenswert bezeichnen. Es ist vor allem eine Stadt zum shoppen mit vielen Geschäften und einer großzügigen Fußgängerzone. Was sehr schön ist, ist der Weg vom Hafen in die Stadt entlang des (oder der?) Gavleån.

Inzwischen bin ich der einzige Gastlieger hier. Also nütze ich die Gelegenheit und heize ganz für mich alleine die Sauna ein. Dann gehe ich noch in den nahegelegenen Coop, um ein paar frische Sachen einzukaufen. Sollte es das Wetter zulassen, plane ich dann nächste Woche vermehrt an den blauen Bojen des SXK festzumachen.

Wie es weitergeht erzähle ich dann im nächsten Teil…

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