Abwettern in Mariehamn

Sonntag, 17. August 2025

Die Nacht war stürmisch und der Vormittag ist es auch noch. Ich verbringe die Zeit damit, die nächste Woche zu planen. Ich werde die Åland Inseln gegen den Uhrzeigersinn erkunden. Ich habe mir einige Ziele auf der Runde herausgesucht. Mal sehen ob das so klappt. Bei dem derzeitigen Plan (falls er genau so aufgeht) habe ich noch fünf Tage für den Rückweg von Enskär nach Gävle und dann noch 3 bis 4 Tage Reserve. Wobei ich einen ganzen Tag einplanen muss, um das Boot winterfertig zu machen (alle Segel und Leinen abschlagen) und zu packen.

Vormittags noch Einkaufen. Bei den Preisen für das Bier vergeht einem der Durst (das sind Euro)
Am Abend ist der Sturm dann vorbei und die Sonne zeigt sich wieder

Erster Tag im Åland-Archipel – Rödhamn

Montag, 18. August 2025

Ich habe mir einen Plan gemacht. Ich werde versuchen die Åland-Inseln gegen den Uhrzeigersinn zu machen. Aus dem Internet und dem Segeln-Forum habe ich einige Empfehlungen mitgenommen. Ein erstes Ziel, das ich gerne erreichen möchte, ist Glada Laxen an der Nordseite der Insel Bärö. Das soll ein sehr gutes Restaurant sein. Von Mariehamn sind das etwa 60 bis 70 gesegelte Seemeilen. Da ich ja Teilzeit arbeiten muss und der Wind für heute eher schwach vorhergesagt ist, werde ich das nicht in zwei Etappen schaffen. Also teile ich mir die Strecke in drei Etappen auf. Denn das erste Ziel für heute, Rödhamn, ist auch eine Empfehlung die ich mehrfach gelesen habe. Und außerdem muss ich mich erst einmal an das Schärensegeln im Åland-Archipel gewöhnen. Ich hatte ja schon etwas Schärensegeln vor der schwedischen Ostküste. Aber das hier ist noch einmal anders. Es ist wesentlich flacher, enger und es hat zahlreiche Untiefen (u.a. Steine unter der Wasseroberfläche).

Rückblick nach Mariehamn

Der Wind kommt heute aus Nordwest bzw. West d.h. ich habe den Wind von hinten. Ich rechne damit, eine oder mehrere Halsen machen zu müssen. Da die Strecke nur kurz ist, etwa 10 sm, beschließe ich es nur mit dem Großsegel zu versuchen. Und das reicht auch. Anfangs hat es noch bis zu 13 Knoten Wind und ich lasse mich mit 3 bis 4 Knoten Fahrt gemütlich treiben. Es ist auch kein Segeln, bei dem man einmal den Kurs für eine halbe Stunde eingestellt hat und sich zurücklehnen kann. Es gleicht eher einem Slalom-Parcours durch zahlreiche Kardinalzeichen hindurch. Ständig muss der Kurs leicht korrigiert und die Segelstellung darauf angepasst werden.

Kurz vor Rödhamn

Aber das Gute: Ich komme mit einer Halse aus. Kurz vor Rödhamn schläft der Wind ein und der Motor wird angeworfen. Im Sommer, so habe ich gehört, braucht man um diese Zeit hier nicht mehr auf einen Liegeplatz zu hoffen. Doch die Saison ist vorbei. Am Steg, der etwa Platz für 60 Boote hat, liegen gerade einmal drei Boote und ich habe die freie Platzwahl (später kommen noch nach mir vier weitere Boote). Daher muss ich diesmal das Anlegemanöver mit Heckboje ohne Hilfe machen.

Festgemacht in Rödhamn
Das kleine Café

Rödhamn zeigt sich wirklich als ein sehr schöner Platz. Etwas oberhalb hat es ein kleines Café in dem auch die Hafengebühr bezahlt werden muss. 37 Euro. Im Café können auch gleich Brötchen bestellt werden, die morgens gegen 9 Uhr ans Boot gebracht werden.

Mariehamn – Rödhamn 11 sm

Anstrengender Tag – Ankerbucht Delholm

Dienstag, 19. August 2025

Der Tag begann eigentlich recht gut – Brötchenservice mit Wetterbericht auf der Brötchentüte in Rödhamn. Wind N – NW, 6 – 10 m/s (12 bis 20 Knoten), Bewölkt, Sonne, Regen. Meine Nachbarn legen bereits gegen 8 Uhr (LT) ab. Ich muss ja noch arbeiten. Die Brötchentüte war noch trocken geblieben doch später kamen dann die Regenschauer. Gegen Mittag studiere ich den Regenradar. Eigentlich sollte schon alles an Regen durch sein, ist es aber nicht. Ich sitze wie auf Kohlen. Bei dem Wetter möchte ich nicht ablegen. Also noch etwas arbeiten und in einer Stunde noch einmal schauen. Gegen 13 Uhr (LT) scheint es endlich trocken zu bleiben. Laut Regenradar kommt auch nichts mehr an. Aber sicherheitshalber lege ich die volle Montur und ziehe die Segelstiefel an. Man hat ja schon Pferde kotzen gesehen…

Der Morgen beginnt noch gut – Brötchenservice mit Wetterbericht

Raus aus der Bucht geht ganz gut. Wie geplant kann ich sofort das Großsegel setzen. Ich möchte es auch heute beim Großsegel belassen. Das ist alles so eng hier. Kaum komme ich in etwas weitläufigeres Fahrwasser, kommt schon der erste Dampfer von hinten – Finnlines. Alles zu eng. Also luve ich an, mache eine Wende und lasse den Dampfer erst einmal durch.

Rückblick auf Rödhamn

Eine ganze Zeit ist Ruhe bis, ja bis ich mal einen Blick nach hinten mache. Schon fast direkt hinter mir ist der nächste Dampfer – die roten. Wieder anluven, um etwas Abstand zu gewinnen. Dann nimmt der Wind immer mehr zu und kommt auch immer mehr von vorne. Kaum noch segelbar – unter 30 Grad am Wind. Und dabei muss ich gerade wieder durch ein enges Fahrwasser dem Tonnenstrich entlang. Ich nehme zuerst den Motor dazu. Doch mittlerweile hat der Wind auf 17 Knoten angezogen (5 Beaufort). Und er kommt noch mehr von vorne. Selbst mit Motor mache ich gerade noch 2,5 Knoten Fahrt. Das ist nichts.

Immer wieder eng vorbei an interessanten Felsformen

Vor mir hat gerade ein Schwede mit seiner Hanse von einem Steg abgelegt. Mir ist noch nicht klar was er macht. Jedenfalls entscheide ich mich, sobald das Fahrwassser etwas breiter wird, gegenan zu kreuzen. Ist zwar auch mühsam aber macht noch mehr Sinn als mit Motor gegenan zu stampfen.

Der Schwede setzt auch seine Segel – Großsegel und Fock und geht auch auf die Kreuz. Bald hat er mich eingeholt. Klar, ich, nur mit Großsegel, mache gerade mal 3 bis 5 Knoten Fahrt. Aber das ist für mich o.k. so. Das einzig positive, was ich dem Ganzen hier abgewinnen kann: Es hat so gut wie keine Welle.

Kurz vor der Einfahrt in die Ankerbucht kommt von links eine Fähre. Mann oh Mann. Anstrengend. Also stark abfallen. Dabei muss ich aufpassen, nicht zu stark abzufallen denn auf beiden Seiten der Einfahrt in die Bucht hat es Fahrwassertonnen die auf Untiefen hinweisen. Habe ich es schon gesagt? Anstrengend.

Die Fähre geht an mir vorbei und ich kann in die Bucht abbiegen. Nun hoffe ich, dass diese für die Ankernacht genug windgeschützt ist. In Schweden hätte ich keine Bedenken gehabt. Aber hier ist alles so flach. Keine hohen Bäume auf den Inseln, die den Wind abfangen könnten. Aber es geht einigermaßen. In der Bucht hat es dann noch etwa 8 Knoten Wind. Tiefe 3,5 Meter. Ich bringe den Anker mit 20 Meter Kette aus. Rückwärts-Gang einlegen und schauen ob der Anker hält. Er scheint zu halten. Aber sicherheitshalber beobachte ich das noch eine Weile. Der Anker-Alarm (App auf dem Handy) wird gestellt. Sollte ich driften, wird die Sirene auf dem Handy los gehen.

Hoffentlich ist die Nacht so friedlich wie sich der Himmel zeigt

Dann habe ich noch ein Problem mit meinen LiFePo-Batterien. Die eine steht auf 100%, die andere auf 47% Ladezustand. Das sollte nicht sein denn die beiden Batterien sind parallel geschaltet. D.h. im Idealfall sollten beide gleich geladen bzw. entladen sein. Beim Versuch das zu fixen schrotte ich meinen Inverter (ein Inverter macht aus 12 Volt Gleichstrom 230 Volt Wechselstrom). Einmal kurz nicht aufgepasst – verpolt kurz berührt und aus die Maus. Warum hat das blöde Ding auch keine Sicherung für solche Fälle? Anstrengend heute…

Aber jetzt ist es so. Der Inverter war mein Backup für den Laptop. Denn seltsamerweise quittiert der Kfz-Adapter für den Laptop unter einem gewissen Ladezustand der Batterien seinen Dienst. In dem Fall hatte ich mir mit dem Inverter beholfen. Wichtig, um sicher arbeiten zu können.

Ist jetzt aber auch kein Beinbruch. Denn ich werde jetzt vorzugsweise Liegeplätze ansteuern, an denen ich Landstrom habe. Und dort kann ich die LiFePo-Batterien immer voll laden falls es nicht genug Solarstrom haben sollte. Und dann habe ich noch einen Notfall-Plan vorbereitet: Die Starterbatterie ist mit der „alten“ Bleibatterie parallel geschaltet. Im Notfall werfe ich den Motor an. Die Lichtmaschine macht dann 14 Volt und ich schalte um von LiFePo auf alte Bleibatterie.

Rödhamn > Delholm 17 sm

Weitere Planung…

Jeden Abend aufs neue gehe ich die weitere Planung durch. Für den nächsten Tag stand Glada Laxen auf dem Wunschzettel. Danach sollte es auf die nördliche Seite der Åland-Inseln gehen. Von Glada Laxen würde ich mindestens 3 Etappen benötigen, um wieder nach Enskär zu kommen – meinem Ort für den Absprung zurück nach Schweden. Und hier treffen Wunsch und Realität aufeinander. Schon der nächste Tage nach Glada Laxen wäre Kampf und Krampf denn der Wind kommt mit bis zu 5 Beaufort aus Nord. Und Glada Laxen liegt nördlich von meiner jetzigen Position.

Das wäre der Plan gewesen bis Delholm (2) bin ich gekommen

Die Wind- und Wetteraussichten sind nicht gut – überhaupt nicht gut. Samstag – Starkwind bis 28 Knoten. Sonntag – bis 23 Knoten, Montag – Starkwind bis 27 Knoten. Dazu die Wetteraussichten: Freitagnachmittag – Regen/Gewitter, Samstag – gut, Sonntag – Regen, Montag – Gewitter, Dienstag – Regen.

So sieht die Wetterprognose aus dazu mein ursprünglicher Plan

Ich muss auf jeden Fall, Stand heute, mindestens zwei Tage irgendwo abwettern: Sonntag und Montag. Vielleicht auch noch den Samstag. Am 26. August wollte ich wieder in Schweden sein. 3 bis 5 Tage brauche ich zurück nach Gävle. Hinten raus habe ich noch einen Puffer von 3 Tagen.

Sollten aus den zwei Hafentagen drei werden, wäre der Puffer komplett verbraucht. Dann dürfte nichts mehr dazwischen kommen. Wie sagen die Österreicher so schön, wenn etwas zunehmend nicht möglich wird: „Des geht sich net aus“. Daher treffe ich die Entscheidung: Abbruch und zurück nach Mariehamn. Der Wind für den kommenden Tag aus NW ist wenigstens dafür fast ideal. Nur die letzten 8 sm werde ich wohl unter Motor machen müssen da gegen den Wind.

Zurück nach Mariehamn

Mittwoch, 20. August 2025

Am Vormittag hat es noch einige Regenschauer. Für den heutigen Tag sind bis zu 20 Knoten Wind (5 Beaufort) vorhergesagt. Ich schaue gegen Mittag mit dem Fernglas raus aus meiner Ankerbucht. Bei 5 Bft. gibt es leichte Wellen mit Schaumkronen. Schaumkronen sind noch keine zu sehen. Das beruhigt mich etwas. Gegen Abend soll der Wind etwas nachlassen. Ich hoffe, dass der Wind nicht zu sehr von hinten kommt denn das birgt immer die Gefahr einer Patenthalse.

Nach der Arbeit lichte ich den Anker und fahre vorsichtig aus der Ankerbucht – alles sehr flach hier. Gerade einmal 3,5 Meter tief. Raus aus der Ankerbucht ziehe ich das Großsegel hoch. Auch heute möchte ich nur mit diesem segeln. Bei sehr raumen Kursen flattert das Focksegel ohne Wind in der Abdeckung des Großsegels. Kaum habe ich das Großsegel gesetzt und den Kurs Richtung Südwest aufgenommen, steht schon wieder ein Dampfer direkt neben mir – Finnlines. Es ist unglaublich, wie schnell die sind. Ich falle ab, um ihm nicht zu nahe zu kommen. Zum Glück wird er gleich abdrehen Richtung Westen. Aber das mit den Dampfern hier strengt mich wirklich an.

Raus aus der Ankerbucht
Auf Raumwindkurs nur mit Großsegel geht es Richtung Südwesten
Und wieder steht plötzlich so ein Ding neben mir
Und noch ein kleiner Dampfer

Ein Stück vor mir segelt eine andere deutsche Segelyacht. Er hat sich für die Genua entschieden. Obwohl er ein Stück größer ist als ich, halte ich gut mit und komme ihm auch immer wieder näher. Der Kurs Richtung Südwest lässt sich gut segeln – der Wind kommt von Nordwest. Dann muss ich anluven, neuer Kurs West und schließlich immer mehr Richtung Nordwest.

Die Segelyacht vor mir rollt die Genua ein und wirft den Motor an. Er dreht früher nach Nordwest ab als ich es muss. Vermutlich steuert er Rödhamn an. Als es dann für mich Richtung Nordwest geht, kommt der Wind fast direkt von vorne. Ich gehe noch einmal auf Kreuzkurs und mache zwei Wenden bevor auch ich das Segel berge und den Motor anwerfe. 2 Stunden noch bis Mariehamn bei 4,5 Knoten Fahrt. Hier wäre es auch viel zu eng, um gegen den Wind zu kreuzen. Um 19:55 Uhr habe ich in Marienhamn festgemacht und bin erst einmal froh, dieses Stück geschafft zu haben.

Wieder in Mariehamn

Ich habe jetzt drei Tage Puffer gewonnen, um zurück nach Schweden zu kommen. Aber ich merke auch, dass bei mir langsam die Luft raus ist. Es waren jetzt genügend anstrengende Segeltage und was mich zunehmend anstrengt ist das Wetter. Es ist vor allem kalt geworden. Tagsüber klettert das Thermometer nicht mehr über 15 Grad. Nachts bleibt es gerade noch so zweistellig. Zusammen mit dem Wind kann ich Mütze und Handschuhe immer wieder gut gebrauchen. Wenn dann noch Regen dazu kommt, vergeht mir der Spaß. Jetzt sind es fast genau drei Monate, die ich unterwegs bin – also mit der Abfahrt von zu Hause.

Rödhamn > Mariehamn 27 sm

Mein Fazit zu Åland

Ich hatte mir das Segeln in Åland etwas anders vorgestellt. Ich hatte mehr Segeln zwischen Inseln und mehr Abdeckung durch die Inseln erwartet. Es ist jedoch so, dass man eigentlich nur im äußeren Bereich der Åland Inseln segeln kann. Quer durch Åland geht überhaupt nicht da viele der Inseln über feste Brücken mit geringer Durchfahrtshöhe miteinander verbunden sind. So segelt man doch eigentlich sehr oft im relativ offenen Gewässer ohne Abdeckung bei starkem Wind.

Obwohl man im äußeren Bereich der Inselgruppe segelt hat man viele ganz kleine Inseln durch die hindurch navigiert werden muss. Teilweise ist das Fahrwasser richtig eng (10 bis 20 Meter etwa). Das ist manchmal eine Herausforderung – je nach Wind.

Was mich überraschte und etwas angestrengt hat, sind die zahlreichen Fähren und Kursschiffe. Es fahren hier wohl Fähren nach Stockholm, Torku und Helsinki. Wenn man im Fahrwasser unterwegs ist (segelnd) und sowieso nicht viel Platz hat, durch den Wind im Handlungsspielraum eingeschränkt ist, dann war das für mich anstrengend.

Landschaftlich sehr schön. Die Felsen und die Landschaft sind eine andere als Schwedens Ostküste. Ich würde das Revier gerne noch einmal erleben bei etwas besserem Wetter als ich es hatte.

Überall lichtet es sich – die Saison ist vorbei

Im großen Hafen von Mariehamn sind gerade noch 10 Boote (mit mir) bei etwa 100 Liegeplätzen. Bei manchen Häfen habe ich auf deren Internetseite gelesen, dass die Saison beendet und der Hafen geschlossen ist. Und das Mitte August. Aber wie oben geschrieben – die Temperaturen sind alles andere als sommerlich. Und dann scheint es so zu sein, dass Richtung Herbst zunehmend mit Stürmen zu rechnen ist. Die Saison ist wohl vorbei.

Der Plan für den Rückweg nach Schweden

Ich hoffe, dass sich das Wetter nicht verschiebt. Bei der aktuellen Prognose plane ich Samstag sehr früh, gegen 7 Uhr, Richtung Enskär zu starten. Windrichtung wäre erst NO später auf N drehend. Für den Schlag von Enskär nach Mariehamn hatte ich 5 Stunden benötigt, war da aber auch schnell unterwegs (Schnitt 4,8 Knoten). Dann sollte ich spätestens gegen Mittag auf Enskär sein. Sonntag und Montag wäre dann Abwettern auf Enskär. Dienstagnachmittag sollte dann passen um rüber nach Schweden zu kommen. Von Öregrund nach Enskär hatte ich 7 Stunden gebraucht. Aber ich muss nicht zwingend bis Öregrund kommen. Es reicht, wenn ich wieder in der Abdeckung der ersten vorgelagerten Inseln bin. Da gibt es ein paar Möglichkeiten festzumachen oder auch zu ankern.

Arbeiten und Körperpflege

Donnerstag, 21. August 2025

Das Wetter ist besser als es vorhergesagt war. Kein Regen und relativ viel Sonnenschein. Aber nun bin ich hier in Marienhamn. Ich arbeite ein paar Stunden nach. Am Nachmittag gehe ich duschen, in die Sauna, unter die Dusche und wieder in die Sauna. Ich bin allein und die Sauna läuft hier 24 Stunden. Dann noch etwas einkaufen. Viel Möglichkeiten gibt es in Mariehamn ja nicht. Was mir auf dem Weg zum Einkaufen auffällt: Frisbee scheint eine beliebte Beschäftigung unter jungen Menschen zu sein. Es gibt hier einen Frisbee-Parcours der gut besucht ist.

Zurück Richtung Schweden – erstes Ziel: Enskär

Samstag, 23.08.2025

Ich habe die Tage davor immer wieder die verschiedenen Wettervorhersagen geprüft. Daraus ergab sich folgende Möglichkeit: Samstag bis nach Enskär (wie auf dem Hinweg). Dann voraussichtlich 2 Tage abwettern wegen Starkwind. Dienstagnachmittag könnte sich eine Möglichkeit ergeben nach Schweden zurück zu kommen.

Am Abend zuvor wird alles vorbereitet damit ich am Morgen nicht viel Zeit verliere. Um 6 Uhr lokale Zeit (MEZ 5 Uhr) klingelt der Wecker. Zwei Kaffee, anziehen – sicherheitshalber das Ölzeug. Gegen Mittag könnte es regnen. Auf dem Hinweg habe ich etwa 5 Stunden gebraucht. Der Wind könnte heute wieder günstig sein so dass ich die gleiche Zeit schaffen könnte. Zuerst ist NO vorhergesagt der später auf Nord drehen soll. NO ist fast ideal – am Wind aber nicht hoch am Wind. Je mehr er Richtung Nord dreht, umso ungünstiger. Windgeschwindigkeit 10 bis 15 Knoten, ansteigend gegen Mittag / Nachmittag.

Ich überlegte noch zu tanken aber der Tank ist halb voll und ich rechne bis Öregrund nicht mit langen Motorfahrten und dort kann ich auch noch tanken.

Alles schläft noch während ich ablege. Gestern hatte sich der Hafen wegen des schlechten Wetters etwas gefüllt. Vor mir legt gerade wieder eine Fähre ab. Gut, dann kommt sehr wahrscheinlich keine entgegen. ich folge ihr eine Weile unter Motor bis ich dann Richtung Westen abdrehe. Jetzt kann ich die Segel hochnehmen. Es hat schon gleich 10 bis 12 Knoten Wind und mit etwa 60 Grad am Wind komme ich gut voran. Aufgrund der Windrichtung bin ich noch in der Abdeckung von Åland und habe deshalb kaum Welle. So dürfte es von mir aus bis Enskär gehen.

Noch einmal ein Blick auf die Pommern
Seezeichen
Herrliche Stimmung am Morgen

Doch mit zunehmenden Weg muss ich mehr anluven und dann kommt auch noch ein kleiner Frachter um die Ecke. Mehr anluven kann ich nicht. Zum einen bin ich inzwischen schon relativ hoch am Wind und zum anderen ist nördlich von mir eine Untiefe. Eine Wende in die Richtung ist also auch keine Möglichkeit.

So bleibt als einzige Möglichkeit abfallen. Schlecht. Denn das bedeutet ich verliere Höhe und muss dann später auf jeden Fall eine Wende machen. Der Frachter kreuzt 1/2 Seemeile hinter mir und ich kann wieder anluven. Der Wind hat inzwischen kräftig zugenommen und damit auch die Welle. In Böen habe ich jetzt bis 20 Knoten (5 Beaufort). Das Segeln wird langsam nass. Aber wenigstens passt die Geschwindigkeit – 5 bis 6 Knoten. Gegen 12:00 Uhr sollte ich Enskär erreichen.

Zunehmend wird das Segeln nass. Bis 20 Knoten Wind
Einfahrt Enskär in Sicht. Passend lässt der Wind etwas nach
Der kleine Hafen von Enskär

Nach zwei Wenden kann ich Kurs auf die Einfahrt von Enskär nehmen. Kurz davor falle ich ab und berge das Focksegel. Noch ein kleines Stück mit dem Großsegel segeln dann wird der Motor angeworfen und auch das geborgen. Unter Motor geht es hinein wobei ich mich an dem Weg halte, den ich das letzte Mal hinaus genommen habe. Denn in der Einfahrt hat es zwei Untiefen. Das ist ziemlich gut an dem Plotter, das er den letzten Track anzeigt. Der Wind bläst hier heute etwas stärker als beim letzten Mal. Meine Hoffnung ist wieder den gleichen Platz in dem kleinen Hafenbecken zu bekommen. Doch da liegt bereits ein anderes Segelboot.

Ich erinnere mich daran, dass in dem kleinen Becken Platz für drei Boote ist und das der andere äußere Platz 1,6 Meter Tiefe hat. Das reicht mir, ich habe nur 1,40 Meter Tiefgang. Da Nordwind ist und auch für die nächsten Tage vorhergesagt ist, denke ich dort auch noch besser geschützt zu sein denn direkt daneben ist eine Hütte über die ganze Länge des Liegeplatzes.

Das andere Segelboot sind Finnen. Entweder sie schlafen noch oder sie sind unterwegs. Jedenfalls niemand zu sehen und ich muss ohne fremde Hilfe anlegen. Der Wind bläst doch stärker als erwartet bzw. die Abdeckung durch die Hütte ist nicht so gut wie erhofft. Das Anlegemanöver war alles andere als lehrbuchmäßig. Ich habe die Bugleine und das Heck fängt an sich weg zu drehen. Zum Glück habe ich nur 28 Fuß sonst hätte es einen Crash mit dem finnischen Boot gegeben. Diese Anlegesituation finde ich immer wieder bescheiden. Was tun, wenn man seitlich anlegen möchte (muss) und der Wind von der Seite kommt, an der man anlegen möchte? Nimmt man die Heckleine, dreht der Bug weg. Nimmt man die Bugleine, dreht das Heck weg. Das sind die Momente wo ich mir eine Mittelklampe wünsche.

Aber egal, Hauptsache fest. Mit einem langen Festmacher ziehe ich das Heck an den Anleger. Nachdem das Boot festgemacht ist, falle ich erst einmal müde in die Koje.

Festgemacht auf Enskär
Am Nachmittag dann 25 Knoten Wind

Der Wind hat wie vorhergesagt am Nachmittag zugenommen. Inzwischen bläst er selbst hier, wo es etwas geschützt ist, mit 25 Knoten. Die Messboje Finngrundet des SMHI meldet inzwischen Wellen bis 2 Meter. Nur gut, dass ich so früh los bin. Das wäre später kein Spaß gewesen.

Auf dem Hinweg bin ich hier spät angekommen und am nächsten Morgen sehr früh los nach Mariehamn. Jetzt habe ich etwas Zeit, mir die Insel anzuschauen. Im 2. Weltkrieg war hier eine Stellung und von hier aus wurden Seemienen ausgebracht. Es gibt ein kleines Museum mit Fotodokumenten aus dieser Zeit.

Auch nach dem 2. Weltkrieg war das Militär hier noch eine ganze Weile präsent. Aus dieser Zeit gibt es mehrere Häuser die offensichtlich erhalten werden. Heute überwacht ein Radar das Seegebiet.

Irgendwo hatte ich gelesen, dass man auch Zimmer mieten kann. Auch für den Fall, dass man nicht auf dem Boot übernachten möchte. Was natürlich nicht fehlen darf, ist eine Sauna. Diese wird mit Holz befeuert. Mal sehen, vielleicht gönne ich mir das morgen oder übermorgen. Ich habe ja Zeit.

Die Insel Enskär ist ein Naturschutzgebiet
Überbleibsel aus dem 2. Weltkrieg – Seemiene
Die kleine Sauna
Und zum Abkühlen in die Ostsee
Mariehamn > Enskär 23,5 sm

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